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23.10.1911 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

161. Jahrgang

Nr. 249

Erscheint täglich mtt Ausnahme de- Sonntag».

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Urteil:

DieGlttzener ZamkllenblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da» Kreisblatl fir dev Kreis Sletzea" zweimal wöchentlich. Tie .^andwirtschaftlichev Lett- fragen erscheinen monatlich zweimal.

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Montag, 25. Gttober 19U

Rotatton-drnck und Verlag der vrühl'sche» Universität» - Buch- und Steindruckerei.

9t Lange, Dießen.

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det St6b»tachtet dM Leinen m und vet.

Ein Kolonialffanöal in Zrantreich.

O Paris, 21. Cft.

Ein sehr bedenklicher M011 ia£ftaut>ai m.rd aus U b j b a gemelbel. Tort traf am Freitag abeub ber französische Oberkommissär bes algcrisch-inarvtlanischen Grenzgebietes, General T 0 u t 6 c, birekt aus Algier über Oran im Auto­mobil ein unb schritt unoerzüglich zur V e r h a f t u n g b c s Kommissärs ber französischen Regie r u n g , Konsuls Testailleur, des frattzösischen Vizelonsuis L a r g e 0 n , bes Zollhauptmanns P a n b 0 r i unb bes Kabis von llöjba, die sämtlich schwerer Be st e ch u n g e 11 bei nicht eintvanbsfreicn Terraingeschäsien unb, wie es scheint, auch bes W a f f e n s ch m u g g e l s bezichtigt werben. Auf Befehl bes Generals Toutve ivuroen alle telephonischen unb tele­graphischen Verbindungen zwischen libjba unb Lran unter­brochen, da offenbar bie Befürchtung gehegt würbe, baß etwaige Mitschulbige benachrichtigt werben könnten. Im Ministerium des Aeußeren, auf bessen Intervention bie erwähnten Verhaftungen zurückgeführt iDorbeu waren, war man von diesen überrascht, weshalb bas Auswärtige Amt sich unverzüglich nach Tanger wandte, um von dort Auf­klärungen zu erhalten. Tas Kriegsministerium seinerseits verlangte von dem General Toutee einen eingehenben Be­richt. Konsul Testailleur würbe zu dem General Toutee beorberr unb sofort nach seinem Erscheinen in dessen Auf­trage sestgenommen und umgeben von einer Kompagnie Tirailleurs nach dem Militärgesängnisse abgesührt.

Herr Testailleur, ber am 17. August 1834 geboren x|t, nahm an ber Mission Brazza am Kongo von 1886 bis 1889 teil, wurde bann nach Tuneften versetzt unb am 23. Dezember 1904 mit einer besonderen Mission nach Marollo geschickt. Bei der Besenung von Udjda durch die französischen Truppen wurde Testailleur zum französischen Regi.rungs-Kommisiar für jene Gegend ernannt. Wie es scheint, wurde das^Mtin- sterium deS Aeußeren durch eine Tepeschc der Gattin Testail- leurs von dessen Verhaftung benachrichtigt. Verschiedent­lich wirb die Vermutung geäußert, baß es sich in Wirklich-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

Ferdinand Hiller.

?lls nach einer gtäitzcndeu Aunührung desMesstas" nn Jahre 1884 Ferdinand Hiller den Taktftock nicberlegie uns in sein Tagebuch das Wortfine" cinirug, endete schon ein ^znhr vor seinem Tobe eine glänzende mtistlalische Laufbahn. ^er Sohn einer wohlhabenden Franisurter Familie, geboren am -A. 1*1- tober 1811, iuud:-3 er in den glücklichsten Verhol mm en heran und seine sehr früh sich zeigende Begabung fand die lorgiamfte 4.lüge. Dor junge Virtuose durfte Goethe uonpielcn und empfing von beni Altmeister einen Kuß, er sah Beethoven, und em gutes Geichul Krachte ihn mit den hervorragendsten Menschen feiner Zeu zu­sammen. Naäzdem er in Frantsurt ein Jahr den eaecilienoereui dirigiert hatte, ging er nach Paris, wo in ieiner eleganten Wohnung alle musikalischen Notabilitäten verkehrten. Im Hame Roffmis lernte er seine Gattin, die berühmte Sängerin Amol la Y>ogee kennen, und als er mit ihr in Rom bie Flitterwochen verlebte, fdjuf er neben anderem das OratoriumTie Zerstörung ^eruia- lems" und eine Anzahl seiner Männerauarlette. Mendelswhn, sein Freund, bewog ihn, nach Leipzig zu kommen, denen Muitt- leben damals in voller Blüte stand unb wo er mit Robert iinb Klara Schumann innige Freundschaft schloß. In Tresden brachte er seine beiden OpernTer Traum in der Christnacht" unbxer letzte Hohenstause" zur Erstaufführung. Damals stand er mit dem noch unbekannten Richard Wagner in freundschaftlichem Verkehr. Es war eine fleißige Zeit und manches Orchesterwerk, manches Klaviersiüä ist damals entstanden. Im ganzen hat er über ^00 kompoiitionen geschaffen. Als Mendelssohn nach Berlin gegangen war, dirigierte Hilter für ihn die Opernhauskonzerte, rcirtie bann eine Weile als Musikdirektor in Düfselbors und ging hierauf nach Köln, das seine zweite Heimat wurde. Rur kurz wurde oieier ständige Aufenthalt dadurch unterbrochen, daß er einmal m Parts und in London bie italienische Oper dirigierte. Hillers Kompo­sitionen haben sich zum guten ^eil überlebt, unvergessen aber bleibt seine Tätigkeit als Tirigent und reproduzierender Künstler,, utid lange uachgewirU hm und wird noch wirken, was er als Mufil- pädagoge und Munischriftsteller geleistet hat. Er war nickt das, was man einen Virtuosen nennt, wohl aiur ein Künstler in voller Bedeutung des Wortes. Trotz seiner für das Äiavieripiei an­scheinend nicvt geeigneten Hand spielte er meinerfjaft unb war em vorzüglicher Interpret von Bach, Haydn, Mozart und Beethoven. Als Begleiter hat er kaum seinesgleichen gehabt um Xirigcnten= pult q. L. der Gürzenich-Konzerte war er unübertrejilta). xu

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die Eintrittspreise beträchtlich erhöht hat, liegt für das HauS Wahnsried doch eigentlich keine Veranlasfung vor, seinenIdiakts- rnus" besonders zu rühmen.

Ein Tenkmal für den Komponisten bes Home, sweet Home". Ter Schöpfer des so berühmt gc- wordemn LiedesHome, sweet Home" hat nun im Staate Reu- port sein Tenkmal erhalten; die Universität von Union hat John öarvarb P a h n e diese Ehrung dargebracht, ä.er be­kannteste Musiker Amerikas hat den größten Teil fernes Lebens im Auslande verbracht. Als junger Bursche ging er zur Buhne unb wurde in England Schauspieler. In London tritt er auf, beginnt Stücke zu schreiben, fompomert. fdfließlid) die Mufik zu seinen Stücken und wird so Tichter, -sdjauipieler und Muftker in einer Person. Tas berühmteSweet Home" ist nichts anderes als eine Arie aus feiner OperClaire" oderDas Mädchen von Mailand", die im Jahre 1823 im Covenk Garden gegeben wurde. Erst 1832 kehrt Payne nach Amerika zurück, wird spater zum amerikanischen Konsul in Tunis ernannt und stirbt loo2 in Nordasrika.

Nordlicht-Studien. TerUmschau" zufolge wird Pros Birkeland Ehnstiania^ auf dem Haldetoppen am itaafiorb, einer G.gc'.ib, bie besonders start von Korpuskelstrahlen der Sonne getrofen wird, ein Lbervatorium errichten,^das das ganze Jahr hindurch m betrieb sein wird. Von d.m Llations- aelände aus werden große unterirduche Gange in die Folien gesprengt, damit den Forschem Schutz vor dm fchweren Wuuer- ftürmen geboten werden kann.

Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen­schaft Sudermanns TragödieT er Bettler von S Y r a kus" ist im Verlage der I Cotta'chen Buchhandlung als Buch erschienen.Tie kleine Freundin", eure neue Cpereue ton Oskar Strauß, Text von Stein und WUlner, erlcöie im Kant Heater in Wien ihre Uraufführung und fand viel Beifall. Tie Musil ron Oskar Strauß ist ganz leichte Ware, die dem Ge 'ü mack des Vublirums zu viel Rechnung trägt. Ter endgültigen Ernennung des Frhrn. v. P u 11E a m e r zum interimistischen Leiter der Eönigl. Schauspiele in Hannover ist Freitag nachmittag die Generalinieiidanten Grai c. Hülsen-Haeseler g.wlgt, dem in Zu- lunn das Hanitorersche Hoftheater, wie es icponjjet der Wies­badener unb Kasseler Hofbühne seit Jahren der Fall ist, unter* stellt sein wird«

Etwas über Teuerung in tvberheffen.

Aus Oberhessen sendet uns ein Leser unseres Blattes folgende sehr willkommene Ausführungen, bei denen es nichts verschlägt, daß der Verfasser auch an eine annehmbare Marokkoernte glaubt:

In der vergangenen Woche hatte ich Gelegenheit, einen großen Teil der Provinz Lberyessen zu bereisen, wobei ich nicht versäumte, mit Landwirten und Gewerbetreiben­den über den Ernteausfall, über die Geschäftslage unb bie Herbstbestellung zu reden. Natürlich wurde überall geklagt, wobei bet Krieg, ber jebeti Augenblick ausbrechen könne, berücksichtigt würbe. Zunächst tonnte ich seststellen, baß bie Ernte besser ausgefallen ist, als es von ben Lanblcuteu bargestellt zu werben pflegt. Die Getreibeernte ist zwar nicht gut, aber genügen b ausgefallen; ber Kern ber Halmfrüchte ist durchweg sehr schön unb mehlreüst geworden, unb bie Halmfrüchte kamen gut unter Dach

Wie in ben heißen Jahren 1863, 185b, 1893 unb 1893 ließ bie Bestockung zu wünschen übrig, es gab wenig Garben, aber treffliches Mehl liefern bie Körner. Tas bekannte Sprichwort bewährt sich loieber: Die Sonne scheint keinem Bauer zum Laube hinaus. Wegen zu geringer Fepchtigkeit tonnten sich bte Hackfrüchte nicht genügend entwickeln, trotzdem sind bie Ergebnisse keines­wegs so schlecht, wie vielfach behauptet wirb. Auf san bigem, steinigem Boben lünnien im heißen Sommer 1911 die Knollengewächse nicht gedeihen.Wenns gerät im Sand, gibts Teuerung im Land", sagen bie Leute in besseren Lagen.

Tie trefflich geratenen 1911er Kartoffeln besitzen einen höheren Nahrtingstvert als bie in nassen Jahrgängen gewachsenen Knollen., folglich kommt man mit kleineren Mengen ebenso weit, als mit wesentlich größeren in nassen Jahren, b. h. wir haben hier roieber einen Ausgleichs poften.Mit Vielem tomnit man ans, mit Wenigem hält man Haus", heißt ein anberer Grunbsatz. Tie Gemüse arten unb bie Rüben sinb klein geblieben; mit bcm Cbftertrage sind manche Leute sehr zusrieben (z. B. Kirschen), anbere flogen. Hier gilt bie Rebensart: Wer bas Glück hat, führt die Braut heim. In ber oberen Wetteran, wo ein tiefgrünbiger Boben vorhanben ist unb es an Wasser nicht fehlt, sinb bie Lenke recht zufrieben yut ben Bobenerträgmssen, unb vergnügt kassieren sie bie schönen Summen ein.

Auch ber Raturfreunb kommt in diesem Sommer und Herbste auf seine Rechnung! Eine so wundervolle Laubfärbung, wie sie seit Herbftansang aufgetreten ijt, hat man seit vielen Jahren nicht gesehen.

lieber bie F u t t e r v e r h ü l t n i s s e wirb mit Recht geklagt, Kraftfutter muß angegeben werden, unb bas kostet Gelb. Tas Viehabschaffeu soll man sich sehr überlegen, weil bas Anschafjeu große Opfer sorbert, besonders wenn bas folgcnbc Jahr futterreich wirb.

Im Vogelsberg machen sich bie Hutweiben sehr angenehm bemerkbar. Wenn bie milbc Witterung anhült, wirb es ein großer Segen für bie Gebirgsbewohner sein, dann bringen sie ihren Viehbestanb durch ben Winter, unb ber Aufenthalt im Freien kräftigt bie Gesunbheit ber Tiere. Es kann sein!, es kann auch nicht sem!" sprach Jonas Mayer von N. unb ber weise Ben Akiba soll gesagt haben: Es ist alles schon bagewesen!" Aber Hungersnöte wie in ben Jahren 1817 unb 1847 kommen nicht mehr vor, darüber dürfen sich auch bie Angstmeier beruhigen.

Ter heißeste Sommer in ben letzten 20 Jahren war bet von 1893. Tie Lanbwirte in Lberhesfen pflegen bas halmgetreibe, nachbeni es in Garben gebunben ist, in Puppen aufzustellen unb wochenlang auf bem Felbe stehen zu lassen.Es zieht besser aus!", sagen bie Leute. Ta brach ein Regen herein, der wochenlang anhtelt, bte Korner wuchsen aus unb würben minderwertig; die Viehpreise gingen immer weiter zurück. Einsender kaufte um 30 Mk. eine Kuh, iveil sie der Eigentümer nicht mehr ernähren konnte und sein Gläubiger, ber 36 Mk. zu fordern hatte, nur biesen Betrag bot. Tas Jahr 1893 war ein böses Zahr, besonbers für bie kleinen Bauern, aber ein Wein

gebieh, ber zu ben Königen bes Weins im 19. Jahrhunbert gezählt würbe: 1811, 1834, 1846, 1857, 1865 unb 1868. Ten Weinbauern ist ber 1911 er herzlich zu gönnen: sie hatten fünf schlechte Ernten hintereinanber gehabt.

Auch einige Worte über die h erbst s a a to estell ung mögen folgen: sie ist bis jetzt, Etibe Oktober, recht gut vonstatten gegangen. Es gab Feuchtigkeit, zwar nicht reich­lich, aber hinreichend, um die Wintersaaten zu bestellen. Bon Mäuseplage hört man nichts mehr: wahrschein­lich ist eine Epidemie unter dem Ungeziefer ausgebrochen, bie bie Schädlinge millionenweise wegraffte.Tat flutscht better" riefen bie Pommern 1813 a. b. Katzbach, als bie Feuerschloßmusketeii bes Regens wegen nicht mehr los­gingen, weshalb die Soldaten mit ben Kolben auf bie Franzosen losbroschen.

Fast man bie Lage, wie sie sich jetzt Enbe Oktober barftelU, ruhig ins Auge, so kann man zu der Ansicht gelangen: Tie 'Jiai)rungSpiittel werden im Frühjahr 1912 wahrscheinlich billiger sein, als sie es im Herbst 1911 waren wenn es feinen Krieg gibt.

An einen Krieg glaubt Einsender nicht. Wer will die Verantwortung übernehmen? Wer will ihn anfangen? Tie Franzosen hüten sich, mit uns anzubinden. Tie stelz­beinigen Engländer möchten uns, je eher, je lieber! einige Völker auf den hals Hetzen, wie sie die Japaner auf die Russen gehetzt haben. Die Russen formen in China und Persien gute Geschäfte machen und die Japaner hoben auch Appetit darnach. Tie Italiener haben ihre Pfote in der Klemme, wie der Bär ber ben Honig lecken wollte die (einige darin hatte, als ber Fuchs den Keil aus der Spalte zog. Ter kranke Mann läßt Allah einen guten Mann sein; Mohammed ist sein Prophet, dessen Mantel der Sultan anbetet. Wer will mit uns anbinben? Keine Ration Hot ein solches Heer unb einen solchen Kaiser wie wir. Wir werden auch in der Marokkoangelegenheit nicht übertölpelt. Rur ruhig Blut! Wer mit uns anbinben will, soll nur kommen! Tos ist meine Meinung! Ich glaube an feinen Krieg.

von ihm geleiteten Ausführungen ber_Matthäus-Passion, der Hau dclf'ckcn Oratorien, der Haydnschen LRöpfung, der Becthovenfchen Messe waren Leistungen eilten Ranges. Er beherrfchte die ~ r- ckester- und Chomienen unb prägt; ihnen ben stempel feiner künstlerischen Persönlichkeit aus. S.ineHebungen jum .suiüiuni ter Harmonie und des Komrapunltes", eine frucht feiner Astrk- iamlcit als Direktor der Kölner Mufitfchule, werden vielfach aufgelegt, noch heute gebraucht, feine Muntlruilc'n haben bleiocnbcn SBert ebenso wie seine Werke mufilalifchen und biographifchen Inhalts, wenngleich iic ihm manche Angrist'e eintrugen Er war eben ein treuer Anhänger Cer »äffischen schule. Als Menfch war er ein burd) unb durch vornehmer Charakter, der forderte und half wo er konnte, ein Freund der Gefelligkeu, fehr gebildet und rin seiner, humoristischer Redner, ^dfiücre Krankheit trübte feine lebten Leben-nahre uno führte am 10. Mat I880 »einen Tod herbei. Er hinterließ eine sehr umfangreiche,^ wahrscheinlich fehr mter- essante Briefiammlung, die, nach einer ieuamcntsflaufel, 2o Jahre nach seinem Hinscheiben veröffentlicht werben follte.

Siegfried Wagner gegen Richard Strauß Siegfried Wagner, der sich, wie die Berliner Wochcwchrift ,,-ter Turm" mitteilte, in einer Unterredung fehr, fehr ungu.inig unb abfällig über Richard Strauß^ausgesprocheti hat, erklärt nun in einem Telegramm an basBerliner ^.ageblatt , er tenne ixm Inhalt bet ihm sugeid-n.bcn.n-Sorte md)t.s;e ivaren i-benroUs ma;t für bie Cefjentliaifeit berechnet, ba ich mir fein Urteil über Werke erlaube, bie ich nur zum -teil lernte. <zch habe weder Salome" nochElckira" nochRofenkavalier', gehört.

Widerspruch zu der Annahnie, baß ihm bie Veröffentlichung un­angenehm wäre, steht anc Münchener Meldung der Wtener Zei- tuna ^ie 4eit", in der cs h.itzt:Liegiried Wagner erklärte heute/daß er mit ben Worten, daß ^trauß O,roße Gelbichneiderei mit seinen Kompositionen treibe, de,,en merfrourbige, mehr als kaufmännische Vertrage mt. den Tirektionen und ^nrendanzeii über denRosenfavalier" im Auge hatte. E- fei Rkan.it, wie Strauß mit Hilie einer wohlbrrechneien marftidireteriiajcn Reklame vor der Ausführung feiner Werke .Spekulationen, treibe. ^ie Reklame rechtfertige aber den Wer: feiner Kompofitwnen nicht. Wagner gibt zu, daß er nur einen -teil ber -trauBfdjJi Kompositionen kenne. Nichtsdestoweniger werden lein U i teil alle teilen, die eine ideale Kun;t, wie ne in Bayreuth geübt wird, schätzen." Gerade fetzt, wo die Bayreuther ^eftfpielverwaltung

feit nur um einen Racheakt gegen Testailleur handelt, was allerdings mit dem Vorgehen des Generals Iout6c nicht leicht in Einklang gebradfi werden kann

Varis, 22. Lkt. Tic geiamtc V reffe besdfäsligt sich eifrig mit bcmSkandal von Ubschda". Es wird allgemein bas leb­hafteste Bedauern über das Voikommnis ausgesprochen, durch welches in jedem Falle die französische Verwaltung ui den Augen der Eingeborenen arg herabgesetzt werde Mehrere radikale Blattcr greifen den Admiral T 0 u t 6 c, ivckchci offenbar ganz eigen­mächtig vorgegangcn sei und seine Befugnis in bedenklichster Weise überschritten habe, heftig an.

Lieber bie Umstände, unter denen die Verhaftungen in Udschda erfolgten, wird heute berichtet: General Soutee ließ zunächst Pandon verhaften und sodann Destaillcur und Lorgeau aufsordern, ihre K a s f e n b ü ch e r zur Prüfung vorzu- legen, was fedoch von den drei Beamten entschieden ver­weigert mürbe, woraus der General bereu Verhaftung an- ordnete. Tic von einem Militärzahlmeister vorgenommenc Prü­fung der Bücher habe unzweifelhaft betrügerische M ackien- I d) a i t c n ergeben, welche durch das Disagto des marokkanisckfen Geldes erleichtert worden leien. Ferner ici fcftgeftcllt worden, daß von den in beiden Banken in Udschda hinterlegten Summen im Betrage von 1040 000 Franken mehr als die Hälfte ver- sdfwunden sei. General Toutse lief) nun den der Mitschuld ver­dächtigen Kadi von Ubfdfba und vier Verwandte desselben cm- sperren. Der zur Unicriudfung der Angelegenheit morgen nach Udschda abgehende Ausschuß besteht aus dem Unterbircltor des Ministeriums des Aeußern Bert Helot und zwei Beamten des Finanz- unb des Kricgsministeriumö. Mehrfach wird behauptet, die Feindschaft zwischen General Toutse und Testailleur sei darauf zurückzuführen, daß wihrenb des letzten marok- lamschen Feldzuges aus Grpnd der Berichte Destailleurs dem General Tout6c zu helfen größtem Aerger der Be­fehl erteilt worden war, den Muluyaftuß nicht zu überfchrciteii. General Loutsc habe hübet wiederholt auf bie Umtriebe Teftail- leurS auimertiam gemacht und namentlich daraus hingewiesen, daß durch die zügellvien Terrain spekulationen die Tracie- rung der Bahnlinie Oran-Udschda großen Schwierigleiten be­gegnete. Die sozialistischeHumaiiitö" behauptet, die Verhafteten hätten die Eingeborenen in schmachvoller Weise um ihre Grunb- Itude gebracht uno Wafienicyniuggei getrieben, indem sie ans Belgien ftammenbe Gewehre den Riffteuten versdfasstcn. a,tc spanische Regierung habe beim sianzosiickeit Minifterium des Aeußern entschieden die Unterdrückung des Waffenschmuggels ge­fordert.

Tie Verhafteten wieder freigelafsen?

Oran, 22. Clt. TasEcho de Oran" meldet aus Udschda: General Toutec ließ Testailleur, Lorgeau und Pandori verhaften, weil sie sich bei Prunmg ber Steuertafie widerietzien. Lie Prüfung ergab das Fehlen des regiementsmäßig zu führenden Kassenbuches, iagegen ist es unrichtig, daß ihnen Waffenschmuggel vorgeworsen wurde. Alle drei sind gestern abend wieder beige-» lassen worden. Im Zusammenhang iftit der Angelegenheit wurde ber Kaid Babid unb ber Tolmctschcr Tenacef verhaftet, die die Ansiedler unb Eingeborene seit drei Jahren ausgesogeat haben: ferner sind vier Angehörige des Kaids feftgenommen 11 orben.

Die Aushebung Oes hilsökassengesetzez im Ausschutz. : Berlin, 21. Lkt.

Der Hilfskassenausschuß führte heute bie Beratung weiter. Ter Rcgierungsvertreter tritt der Auffassung ber Sozial- bemolratcn, daß etwas anderes, als eine Bekämpfung der Schwin­deltassen geplant fei, nochmals entgegen. Mit bem Hilftzkassen- gesctz habe man dieses Ziel nicht erreicht. Es bestehen tausende von kleinen Kassen, die dem Aufsichtsamt für Privaiversicherung unterstellt sind und fröhlich gedeihen. Es kann also nicht bie Rede davon sein, daß den kleinen segensreichen Kassen bas Lebens­licht ausgeblasen wirb. Auf die Gewerkschaften werbe die Auf­hebung bcs Hilfskafsengefetzes keinen Einfluß haben.

Tic Sozialbemokraten beantragen darauf bie Einführung einer Bestimmung in bas Gesetz, dic bas Streilrecht unb bas Bereins- unb Versammlungsrecht gemäß bem Reichsvercinsgefetz lieber stellen solle, unb babei auch bie Angelegenheit der Polizeiftunde bei Versammlungen gesetzt ick) regeln will. Der Regierungsver­treter erklärt es gesetzestechnisch für unzulässig, in einem Spezial- gesetze das Vereinsgesetz interpretieren zu wollen. ,

Ter Antrag der Sozialdemokraten wirb abgelehnt, cbenfo einige weitere von ihnen gestellte Anträge. Auf Antrag Behrens (wirtsch. Vgg.) wird bie Bestimmung über bie Ansammlung ber Rücklagen abgemilbert. Tie Beratung über einen Antrag bes Grasen Westarp Kons.!, ber bie Kategorie der sogenannten kleinen Vereine etUf'chränken will, wurde nod) nicht zu Ende geführt. Mfc Weiterberatung erfolgt Montag.__