Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
— Der zweite Kongreß der Internationalen Vereinigung Tür Rechts- und Wirtschaftsvdilo- ,'ovhie findet m der Pfingstwoche 1911 in Darmstadt statt. Tas Protcttorat hat der Großherzog von Hessen übernommen. Die Beratungen fuiOcn am 7., b. und 9. Juni statt. Es ntcrocn folgende Vorträge erstattet: laj Verhältnis von Soziowgie und Rechtsphilosophie, Tnsbesondere die Förderung der Rechtsphilu», sophre burd) btc Sozwlogic. Bon Geh. Justizrar Bros. 2t. Joses Kohler Berlin und Vroi. Tr. Felix Somlö (Mausenburg-; lb) Soziologe- und Rechtswissenschaft. Bon Prof. 2r. Theodor Niemeyer .Mel-: 2a Reform des Rechtsunterrichtes und der Richtcrvorbilduna. Von Proi. Tr. Josephus Fitta -Amsterdam, Prof. Tr. Wolfgang Mirtcrmcyer ,Mel und Pros. Tr. Arthur von Kirchen he im >$)eibelbeig : 2b T-ie Gefahren einer GerühlSjurispruden;, in der deutschen tz^egenwart. Von Tr. jur. Fritz Ber olzheimer Berlin ; 2c, Juristisch^ Studium und Revelitorium. Von Tr. Walter Pollack Berlin,; 2d Tic Bedeutung der Psychologie für die Rechtsiorschung^ und die Vorbildung der Juristen. Von Landgerichtsrat 2t. I. x. Zuttus Friedrich, Privatdozent an der Universität Gietzen: 3 Ist eine Armäherung der europäischen Staaten oder doch einer größeren Staatcngruvpe durch Beseitigung oder Minderung der Zollschranken möglich? Von Professor 2r. Georg Cohn Zürich und Rechtsanwalt 2r. Leo Vossen .Aachen,; 4? xas Weltmarkensystem. Von Justizrat Pros. 2r. Alexander Katz, Professor 2r. Osterrichl Berlin, und Rechtsanwalt 2r. Martin Wassermann Hamburg ; 5a, Akkordarbeit und Volkskrafr. Von Prof. 2r. Ricard Ehrenberg Rostock); 5b) Regelung ber Akkordarbeit. Von Magistratsrat Paul Wölbing Berlin ; 6‘ 2ic F r a uenerwcrbsarbcit und ihre Probleme für die Gesetzgebung- Von 2r. Hans Dorn, Privatdozem an der Technischen Hochschule in 'J.'Üind)cn; 7j Entscheidung der Geschworenen über dw Probe-Strafaussetzung. Von Exzellenz Wirk!. Staatsrat Pros. Dr Pelex Pu storoslew Jurjew,. An jeden Vortrag schließt
teuer liegt, für notwendig: er schlägt jedoch eine Milde- nmg vor: es soll die Verpflichtung ohne Aufforderung außer bei der crftmaligcn Veranlagung nur für die Pflick tigen erster Abteilung bestehen, aber auch nur bann, wenn die Erhöhung des Betriebskapitals um 10 Proz. oder um mindestens .3000 Mk. bereits für drei aufeinanderliegende Jahre bestanden hat. Tie Deklaration auf besondere An orderung soll nur ersolgen müssen, wenn der Pslichtige eit mindestens 3 Jahren keine Erklärung abgegeben hat.
Tie von der Ersten Kammer vorgeschlagene Feststellung nach dem dreijährigen Durchschnitt wurde angenommen.
Für die Warenhaus steuer will die Erste Kammer nur eine Besteuerung in der Form eines Zuschlags zur werbesteuer, nicht uarf) dein Umsatz, wie dies die Zweite Kammer beschlossen hat. Bei der Fassung der Vorlage, bezüglich der Filialsteuer, wo die Erste Kammer nur ausnahmsweise eine Besteuerung nach dem Umsatz wünscht, bebarrt der Ausschuß bei seinen früheren Beschlüssen.
2er von der Ersten Kammer vorgesehenen Beseitigung einer möglichen Kamulierung von Warenhaus- und Filial steuer bat der Ausschuß der Zweiten Mumm er zugestimmt.
2er Befreiung der Sparkassen von der K a p i t a l v e r m ö g e n s st e u e r , die die Erste Kammer beschlossen Hal, hat der Finanzausschuß nicht zugestimmt.
Im Schlustartilel hat der Ausschuß die von der Ersten Kammer vorgenommene Streichung der beschränkten Gel- t u n g s d a n e r des Gesetzes angenommen, dagegen hat er den Vorschlag der Regierung auf Aushebung des Gesetzes über die auf die Pfarr- und LchnlbesoldnngS- g ü t c r entfallende Steuer vom Jahre 1827, was von der Ersten Kammer abgelehnt wurde, wieder in die Vorlage ausgenommen.
Der Kaifcr in Wiesbaden.
Wiesbaden, 13. Mai. 2er Kaiser, welcher heute morgen den gewohnten Spazierritt unternommen hatte, hörte vormittags die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamts, Großadmirals v Tirpitz, und des Chefs des Marinekabinetts, Admirals v Müller. Er unternahm sodann eine Ausfahrt im Automobil. 2ie Abreise nach England erfolgt heute abend.
2er Kaiser wohnte auch dem letzten Abend der Fest- vorstellungen im .Hofthcatcr bet. In der Hofloge hatten neben dem Kaiser der Staatssekretär des Reichsmarineamts Platz genommen. „£ b cro n ' wurde in Wiesbadener Bearbeitung gegeben Tic musikalische Leitung hatte Professor Schl ar. 2en Huon sang Hensel, die Rezia Frau L e f f l e r - B u r ck h a r d.
H a a g, 13. Mai. Tic Königin beauftragte den Adjutanten Vizeadmiral Ellis, den Kaiser Wilhelm morgen auf seiner Durchreise in Vlijingen zu begrüßen.
V l i s s i n g e n , 14. Mai. Tie „Hohenzollern" mit dem deutschen Kais erpaar und der Prinzessin an Bord ist heute vormittag mit den Begleitschiffen in ^ec gegangen.
Zum Angriff auf die theologische Zaiultät in Stehen.
Herr Geheimer Kirchenrat Professor Dr. Kr ü g e r bittet uns um Abdruck nachstehender Zeilen:
Herr Pfarrer Bernbeck hat mich in einer Anmerkung, die er dem Abdruck der Eingabe der Kirchlich-positiven Vereinigung an das Großherzogliche Oberlonsistorium beigegeben hat, als Eideshelfer für den Vorlvurf „unkirchlicher" Geistesrichtung der Gwßener theologischen Fakultät herangezogen und fich glücklich zurück in seine Wohnung. Einen solchen allgemeinen Leichtsinn begünstigte jener niedere Stand des Papiers. Ein ergangenes Patent hatte alle Welt verwirrt gemacht, die Dorhanbencn Zettel hatten allen Werth verloren, man erwartete die neuen Antieipationsscheine. Die Verkäufer und Empfänger konnten dem sinkenden Papier- locrth nicht genug nachrücken, den Käufern und Ausgeben- den gerieth es auch nicht zum Borthcil; sie verschleuderten Groschen und wurden so allmählich ihre Thaler los. 2er Zustand war von der Art, daß er auch den Besonnensten zur Verrücktheit hinriß."
darauf berufen, daß ich den Ausdruck ,,uukirchlich" in^einem Artikel der „Christlichen Welt" selber gebraucht habe. 2annt mit diesem Ausdruck nicht von neuem Unfug getrieben wird, wie es vor 11 Jahren geschah, lege ich Wern darauf, u'stöu- tcllcn, daß im Zusammenhang jenes Artikels von der wtsten- fchaftlichen Arbeit des rheologii(1)cn_ Historikers btc Rede ist Von dieser Arbeit heißt es, daß sie „unkirchltch' sei, „sofern sie schlechterdings und überall mit Maßstäben arbeitet, die gänzlich außerhalb der kirchlichen Sphäre liegen , mit anderen Worten, weil sie fiel» „von kirchlichen Morgen oder gar Partei wünschen" io brlieft es unsere Eingabe aus gänzlich unabhängig hält und halten muß. 2aß man aus solchem „unkirchlichen" Eliarakler seiner Wisienschast einen Sck)luß auf „unkirchlichc Geistesrichtung" des xufto- rikcrs ober gar der Fakultät, der er anachört, ziehen kann, wird den Lesern dieses Blattes vermutlich gerade so überraschend sein, tvie es mir vor Jahren erschienen ist. _v\n- zwischen haben mich meine Ersahrungoi belehrt, daß in der kirchlichen Polemik so gut wie in der politischen mit vergifteten Waffen gekämpft wird. Wer rein bleiben will, läßt seine Hände besser davon.
Goethe in Karlsbad.
Goethes Aufenthalt in Karlsbad vor hundert Jahren, fnt Mai und Juni 1811, Mchncte sich durch befonders heiter bewegtes Lebc-n aus Dazu boten zwei Momente Anlaß. Den einen Grund teilt er feinem Freunde Zelter mit: „Weil meine Frau Pieper kam und die Equipage bep sich hatte, dadurch bin ich ins Freycrc und Weitre gelangt, mehr als die letzten Jahre, und habe mich auch an der Gegend und au ihrem Inhalt wieder frisch ergötzt, weil ich sie mit frischen Personen, die über gar manches ut ein billiges Erstaunen geriethen und sich sehr wohl gefielen, durchwandern konnte." 2er andere Grund l)atte eine allgemeinere Bedeutung: das Geld war damals sehr billig. Ungemein belustigend ist, was Goethe von diesem Karlsbader Aufenthalt in seinen „Annalen" berichtet: „In Geiellichan von lebenslustigen Freunden und Freundinnen übergab ten mich einer tagverzchrendcn Zerstreuung. Tie herkömmlichen Promenaden zu Fuß und Wagen geben Raum genug, sich nach allen Seiten zu bewegen: die näheren sowohl als die entfernten Lustorte würben besucht, zu welchen sich noch ein neuer auf eine fast lächerliche Weise gefeilt hatte. vsn Webeditz, einem Torfe über der Eger gegen Talwitz gelegen, hatte sich ein Bauer, der als Fuhrmann bis Ungarn fruchtete, aut dem Rückwege mit jungen wohlfelMeckenden Weinen bctoben und in Hof und Haus eine kleine Wirtschaft errichtet. Bei dem niedrigen Stande des Papiergeldes, fast wie Zehn gegen Eins, trank inan_cinc anmutige Flasche Ungarwcüi für den Betrag von wenig ^ilbergroschcn. Tie Rcuheit das Seltsame, ja die Uiibeguemlichteit des Aufenthalts, fügten zur Wohlfeilheit einen gewissen Reiz; man zog hinaus, man lachte, spottete über sich und andere und hatte immer mehr des einschmeichelnden Weins genossen als billig war. Man trug sich über eine joldie Wallfahrt mit folgender Anekdote: 2rci bejahrte Manner gingen nach Weheditz zum Weine:
Obrist Otto, alt 87 ^ahr, Steinschneider Brüller 84 „
Ein Erfurter 82 „
2d3 Jahr.
Sic zechten wacker, und nur der letzte zeigte beim Nachhausegehen einige Spuren von Bespitzung, die Verden anderen griffen dem Jüngeren unter die Arme und brachten um
Vie hessische Gemeindesteuerresorm.
R.B. Darmstadt, 14. Mai.
In den Vcrhaiidlungen über den noch nicht erledigten Gegenstand des 34 Landtags, die Genrein besten er r c f o r m , ist man wiederum einen Schritt weiter gekommen, da heute der Bericht des Finanzausschusses der 2 Kammer den Vorschlägen der i. Kammer erschienen ist. Außer diesem Bericht sind in einer umfangreichen Truckfache die g ?ben worben, die auf Ansuchen b'-r Regierung seitens der städtischen Bürge m c i ft e r c i e n dcsLandes zu den Beschlüssen der Ersten Hannncr erfolgten. Einen Schritt weiter kann man diese Tatsache wvhl nennen, aber bis zur Einigung bedarf es noch mancher dtachgaben auf beiden Seiten In verschie- nen Bericksten der Bürgermeistereien wird der Wunsch ausgesprochen, man möge erst die Reform der prcußi scheu Gewerbesteuer abwarten und erst bann die hessische Gemeindesteuerreform zum Abschluß bringen. Tiefer .'luffchiebung der Verabschiedung des Gesetzes widerspricht der Finanzausschuß der Zweiten Hammer im Einverständnis mit der Regierung, weil ein abermaliges Scheitern der Ge setzeSvorlage eine erhebliche Sdxibigung der Gcmeinde- intcrcjfcn im Gefolge haben würde. Bezüglich der Grundsteuer geht der Antrag des Ausschusses int wesentlichen hahin, auf den früheren Beschlüssen zu beharren; die Forderung der 1. Kammer auf Besteuerung der landwirtschaft- lichen Grundstücke nach dem Ertragswert wird abgelehnt, steuerliche Bevorzugung ber Gärten Uno Tier Parks, die öffentlich zugänglich sind, da hierdurch den Ge metnben außerordentliche Sleuerwerle entgingen Auch die von der 1. Kammer als Ausgleich für die Steuerfreiheit: der Ectüiiomicgebäiibc beschioflenc Besteuerung der gewerblichen Gebäude nach dem halben Brandversicherungswert hat der Ausschuß nicht angenommen, da die landwirtschaft lichen Oekonoiniegcbäudc bisher bereits steuerfrei gewesen und diese Vorschrift eine neue Steuerbefreiung bringen würde. Auch bezüglich des von der Ersten Kämmer für die Berechnung des Waldertrags vvrgeschlagenen Kapitalisa- tioitsfaktors 2.3 (anstatt 33« 3 wie in der Vorlage) verblieb .... der Ausschuß auf seinem früheren Beschluß. Tic Streichung des Jagdrechis und des Bergwcrkeigentums als selbständige Steuerobiekte für bic Gru.idstcuer fand die Billigung des Ausschusses. Tic Erste Kammer hat die Gebäude und Grundstücke der gemeinnützigen Anstalten und Stiftungen für steuerfrei erklärt: ihm bat der Ausschuß insoweit zu gestimmt, als es sich um Unternehmungen handelt, die überwiegend für bic Gemeindeangehörigen bestimmt find. Bezüglich der von der Ersten Kammer abgelebten Aus kunstspflicht für die Grundsteuer hat der Ausschuß seinen früheren Beschluß aufrecht erhalten. Die pon der Ersten Kammer beschlossene Skala zur Gewerbesteuer hat der Ausschuß abgelehnt und beharrt auf seinen früheren Bc schlusscn; auch wurde die von der 1. Kammer vorgcschlagene Erweiterung des Scknildcnabzugs für unannehmbar erklärt. Tie von der 1. Kammer erfolgte Einfügung eines bestimmten Termins (1. Septemberi für die Feststellung des Betriebskapitals sand die Billigung des Ausschusses.
Tie Erste Kammer bat die von der Regierung vorgesehene Teklarationspflicht abgelehnt; der Ausschuß hält eine solche Verpflichtung, die im Interesse einer gerechten Veranlagung und eines ausgiebigen Ertrags der Gewerbe-
nr. u» Erstes Blatt - M Jahrgang Montag, 15. Mai Ml
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BäB General-Anzeiger für Oberhessen
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Annahme von Anzeigen Hofafiotisbrutf uitb Verlag der Vrühl'fchen Umv.-Vuch- und Zteindnickerei R. £angc. Redektion, Erpedtiion und vruaeret: rchuiftrage z. oantJ». E.veß; für den tu ‘öermü,ag"U9mu(,“ vüdingen: 5rni,prech«r Nr. 50 6efd>äftsftcüe Vah«h°sftr-^ 16«.__WiBented: H. B-ck.
Sranfreidjs neue Beschlüsse.
Tie Pariser Politik läßt in Marokko nicht locker Ter Ministerrat ordnete jetzt offen den Vormarsch auf Fez an. In Pariser Blättern, so von den „Ronvelles", loirb die bisherige Irreführung der öffentlichen Meinung scharf verurteilt.
Paris, 13. Mai. In dem unter dem Vorsitz des Präsidenten Fallier es abgchaltcnen M inisterral machte der Minister Eruppi Mitteilung von Meldungen, die der sranzösische Konsul in Fez am 6. Mai abgesandt habe. Ten Meldungen zufolge sei die Lage immer bedenklicher geworden. 2er Angriff am 4. Mat konnte nur mit Mühe abgeschlagen werden 2ic Verbindungen mit dem Innern werden alle Tage schwieriger; Lebensmittel und Munition werden knapp. Ter Sultan bat noch einmal dringend schriftlich um Unterstützung durch die sranzösifckien Truppen
2er Ministerrat war der Ansicht, daß unter diesen Umständen es für angezeigt sei, bic schon früher General M o i - nicr erteilten Weisungen zu bestätigen und ihm vorzu- schreiben, den Marsch der Hilfs ko Ion ne zu bc- schleunigen, um Fez z u e n tsetzen, das nur für die unbedingt notwendige Zeit besetzt gehalten werden soll
Der 9lgcnce .vavas wird unter dem 2. Mai aus E l Mut r a gemeldet: Eilte starke Erkutidungsabteilting, btc unter Major Vidal südlich vorgerückt war, wurde von 200 Marokkanern angegriffen. Tic Feinde wurden durch das Feuer der Artillerie auseitiandergesprengt; sic ließen 20 Tote und Verwundete zurück; auf feiten der Truppe würbe ein französischer Reiter leicht verletzt. Auch Dom 8. Mai wirb aus El Jtutra ein ähnlicher Angriff gc- melbct. .
Aus den mexikanischen wirren.
Tic mexikanischen Gräuel werden immer verworrener. Jetzt sind sogar un Lager Maderos große Meutereien aus- gebrochen:
I u a r e z, 13. Mai. Eine E m p ö r u n g i n M a d e r o s A r m c c brach bei den Streitkräften Lr-ozeos aus. Lrozeo übernahm selbst die Führung. Maderowurdcfürvcr- haftet c r f l ä r t. Tie Forderung der Meuterer, daß das provisorische Kabinett zurücktrete, wurde angenommen. Zwei sich eine Aussprache an. Tic Beratungen iinbett im städtischen Saalbau 'Ecke Saalbau- und Ricdeselstraßc) statt, den bic Stadt Darmstadt zur Verfügung gestellt hat.
— Z u in Kampfe gegen die Schundliteratur hat der R h c i n - in a i n i s ch c Verband für Volksbildung eine praktische Einrichtung getrosten, indem er eine Zentralstelle cingetiduct hat, von Cer die Buchbinder und Schrcibwarenhandler, die früher geringere Literatur verkauft haben, gute billige Bücher in Kommission erhalten können. Von dieser Einrichtung haben bereits 150 Ladentnhaber im Rhein-Main- Gebiet Gebrauch gemach I, und es find im letzten Jahre 60 000 Hefte dadurch an jugendliche und ältere Leser gekommen, die sonst Schundliteratur gelesen hätten. Neben den Dolksbiblio- thcken, bic der Verband ebenfalls cinriaict, ist hier ein vorzügliches Mittel gegeben, btc Schundliteratur zu bekämpfen und gute Bücher weiten Kreisen unseres Volkes zugänglich zu machen Der Verband trat letzt ein Schrsttchen herausgegeben, das über den literarischen Schund und bic bereits vorhandene Ersatzliteratur orientiert und die Einrichtungen zur Verteilung der letzten beschreibt. Interessenten erhalten es gegen Einsendung von 18 Psg. franko von der .Geschäftsstelle in Frankfurt a. M, Stinstratzc 32, zugcsandt.
— Der Mensch kann nicht essen. 2ie Dresdener Hygiene-Ausstellung, die in >o umfassender Weise einen Ueberblick über alle gesundheitlichen Bestrebungen der Welt bietet, hat auch der gesundcu Ernal/rung einen großen Raum zugewte'en. Wie wichtig gerade diese Frage ist, beweist auch ein Vortrag, den der Doyen der medizinischen Faluttät von Paris, Prof. Landouz y, in einer von der wissenschaftlichen Gesellschaft iur Ernährungs- hygicnc veranstalteten Versammlung in Paris gehalten hat. Auf Grund cmcs gewaltigen Zahlenmaterials und umfangreicher Versuche wies der (Mebnc nach, daß die Menschheü bisher ut einer der wichtigsten Lebensfragen, der Ernährung, sich völlig der Erfahrung überlassen Hal, daß es eine Wissenschaft der Ernährung überhaupt noch nicht gibt. Dec Mensch hat sich bisher vrel mehr mit der Ernährung der Tiere als für seine eigene beschönig!. Man kann die Dienschcn in zwei Klassen teilen, in ioldjc, die nicht zu esseii verstehen und essen, ohne zu wissen was, und m solche, die es wissen oder wissen mußten ^Physiologen, Mediziner , und die sich ebem'alls nicht darum lümmern, was sie essen. Nach Landouzys Ansicht bat man den Stickstoffverbindungen bei der Ernährung bisher eine viel zu große Dudle eingeräumt. Eine vernünftige Regelung der Ernöhrungsfrage wird auch zur Lösung der sozialen Frage beitragen: daran: >nnzuwirken, hat sich denn . auch die französische wissenschaftliche Gesellschaft für Ernährungshygiene zur Aufgabe gestellt.


