pflege in etnei* Sitzung gemein)ame Leitsätze ausgestellt, die der .Versammlung vorlicgen unb in denen gesagt wird:
„Die schnelle Entwicklung der Städte und die Ausgestaltung des Verkehrswesens habet! auf dem Lande aus Unkenntnis einer richtigen Ernährungsweise und bei einseitiger Rücksichtnahme auf den Gelderwerb eine zu ft ft r f c Entäus; er nn g der eigenen Produkte, na- inentlich dec Milch, veranlaßt und dadurch in manchen Gebieten gesur.dhcitbedenkliche Veränderungen der Ernährungsweise bewirkt. Diese Erscheinungen können neben anderen bedauerlichen Ursachen zu einer Verminderung der konstitutiven Kraft der ländlichen Bevölkerung führen, wie dies für einzelne Gebiete bereits tatsächlich sestgestellt ist. Sollen das deutsche Bauerntum unb das Landvolk überhaupt für die städtische Regeneration und für die Wehrtüchtigkcit der Jungbrunnen bleiben, so sind eine Reihe von Maßnahmen notwendig. Für ihre Durchführung kommen vor allem die Bundesregierungen, insbesondere als Unterrichts- und Gcsundheitsbehörocn, die Land- wirtschastskammern, die larrdwirtschaftlichen Genossenschaften, die landwirtschaftlichen Vereine und die privaten Wohlsahrtsorgani- sationen in den einzelnen Verwaltungsgebieten in Betracht." In den Leitsätzen werden dann eine Reihe von Maßnahmen wirtschaftlicher und hygienischer Ratur sowie solche zur Belehrung der ländlichen Bevölkerung und zur Vertiefung der Kenntnisse über die ländliche Bevölkerung empfohlen.
Dec Berichterstatter zu der Frage, Landesökonomierat Dr. Herz (München) meinte, daß wesentliche Aenderungen in der Ernährung der ländlichen Bevölkerung Deutschlands stattgefunden haben. Fast überall 'sei die Kost besser geworden. Aus dem Lande werde im allgemeinen mehr Fleisch, zumeist auch mehr Bier und mehr Obst, dagegen 'leider weniger Milch genossen als früher. Milch und Käse würden als die billigsten Eiweißquellen in der Stadt besser gewürdigt als auf dem Lande. Durch Mitarbeiten der einschlägigen Faktoren in Stadt und Land müsse man all- mählich ein besseres Verständnis für gesunde Ernährung wecken. Die Versammlung nahm einen entsprechenden Antrag an.
Aus Stadt unb Land.
Gießen, 15. Februar 1911.
** Tageskalender für Mittwoch, 15. Febr. Deutschnat. Handlrmqsgehilfenoerband: Vortrag des Herrn Schröder aus Köln: Pensionsversicherung der Privatangeslellten. Abends 91/« Uhr int Einhorn.
Kauf m. Verein weibl. Angestellter. Diskus s i o n s a b e n d: Verkäuferin oder Kontoristin eine Standes- rage? Abends 8l/< Uhr Blockstraße 5. *
**.Landesuniversität. Nachdem Professor Dr. Erhard Schmidt in Erlangen den Ruf auf den Lehrstuhl der Mathematik an der Universität Gießen als Nachfolger des Geh. Hvfrats Prof. Pasch abgelehnt hat, ist auf den Lehrstuhl der o. Professor an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag, Dr. Gerhard Kowalewski, berufen worden. Geboren 1876 zu Alt-Järshagen bei Schlawe in Pommern, auf dem Gymnasium zu Graubenz ausgebildet, studierte er zunächst in Königsberg, hauptsächlich Mathematik unter Hilbert und Minkowski, daneben Philosophie und erhielt dort für seine Arbeit: „lieber Kants Raumargumente" den Schreiberschen Kantpreis. Dann setzte er seine Studien in Greifswald und Leipzig fort. In Leipzig, wo er sich eng an den großen norwegischen Mathematiker Sophus Lie anschloß, erwarb er auch 1898 den Doktorgrad und habilitierte sich ebenda ein Jahr darauf für das Fach cher Mathematik. 1901 wurde Kowalewski als a. o. Professor nach Greifswald und 1904 in gleicher Eigenschaft nach Bonn berufen. Einen Ruf als ordentlicher Professor an die Bergakademie zu Clausthal als Nachfolger von Prof. Dr. Horn lehnte er 1907 ab und siedelte Ostern 1910 an die Prager deutsche Technische Hochschule als Ordinarius an Stelle von Prof. Anton Grünwald über. Ein großer Teil seiner Arbeiten bezieht sick) auf den Ausbau der von Sophus Lie geschaffenen großen Theorie, insbesondere die Theorie der Transfor- mationsgruppen. Er veröffentlichte die Werke: „Grund- züge der Differential- und Integralrechnung"; „Einführung in die Determinantentbeorie, einschließlich der unendlichen und der Fredholmscyen Determinanten"; „die klassischen Probleme der Analysis der Unendlichen". Außerdem besorgte Kowalewski eine deutsche Ausgabe der „Geo- metria intrinseca" des italienischen Mathematikers Ernesto Cesäro.
** O r d ensung elegenheit en. Der Großherzog hat den nachbenannten Personen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von dem König von Preußen verliehenen Auszeichnungen erteilt: dem Post- direktor Blaß zu Darmstadt für den Roten Adler-Orben 4. Klasse und dem Oberbriefträger Joh. Müller in Mainz S"ir das Preußische Allgemeine Ehrenzeichen. Ferner hat er Großherzvg dem Geh. Oberregierungsrat und Vortragenden Rat im Reichsamt des Innern Bernh. Jaup zu Berlin die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Sachsen verliehenen Komttir- kreuzes 2. Klasse des Albrechts-Ordens erteilt. — Der König von Preußen hat dem hessischen Regierungsrat Krug von Nidda zu Mainz und dem hessischen Forst
Kttttfi, Wissenschaft und Leben.
— „Der Bettler von Syrakus" nennt Hermann Sudermann seine neueste Bühnendichtung, ein Versdrama, eine Tragödie in fünf Auszügen nebst einem Vorspiel, das zur Zeit der Kampfe zwischen Griechen und Karthagern um die Herrschaft über Syrakus spielt. Sudermann, der Bühne gegenüber vorsichtig zurückhaltend, — der im vorigen Jahre auf den deutschen Bühnen weitaus am häufigsten aufgesührte modernen Dramatiker darf sich diese Zurückhaltung gestatten — hat, wie der B. B. C. meldet, sein^iWerk den Bühnen noch nicht übergeben. Die Besetzung der Titelrolle, eine echte Mitterwurzer- oder Kainz-Duf- gabe, mag auch einige Schwierigkeiten bieten.
— Schwere Anklagen gegen die Gräfin Tolstoi werden in Moskauer Blättern erhoben. Es wird dort erzählt, daß die Gräfin, die als sehr geizig und geldgierig geschildert wird, ihrem Manne die letzten Lebenstage verbittert habe, und daß er nur deshalb aus Jasnaja Poliana entflohen sei, weil er mit ihr nicht mehr habe zusammen leben können. Dte Bauern von Jasnaja Poljana kamen oft heimlich zu Tolstoi und beklagten sich bei ihm bitter über die Härte der Gräfin, die alle, die auf den Feldern des Grafen ihr Vieh weiden ließen oder in den Wäldern des Grafen Reisig sammelten, aufs strengste bestrafen ließ. Eines Tages mußte der Graf ru seinem großen Schmerz mitansehen, wie der Zirkassier, den die Gräfin als Waldtzüter angestellt hatte, ,an einem Stick einen Bauern wie ein Stück Vieh hinter sich herschleppte: der Mann hatte das große Verbrechen begangen, in dem Gutswalde dürres Holz auszulesen. Der Bauer war ein guter Bekannter Tolstois, der mit dem klugen Manne ost über die Existenz Gottes unb über religiöse Fna0cCn 5U frechen pflegte. Tolstoi bat den grausamen Zirkassier fast flehentlich,^ daß er den armen Bauern freilassen möge. Der brutale Waldhüter beschimpfte jedoch den Grafen und nannte ihn, angeblich im Namen der Gräfin, eilten „alten Narren". Tolstoi ^^ann laut zu weinen, und lief mit dem Bauern bis zum Gutshof nut: hier brach er erschöpft zusammen und mußte bann mehrere -tage das Bett hüten. Die Gräfin v,erbot ben Bauenr nuch, Erdbeeren und Pilze in ben Wäldern -fru. sammeln: wer bei solchen Beschäftigungen ertappt wurde, imube sofort als Dieb zur ArtzeigL gebracht, Mes das wirkt« aut Tolstois Gemüt
meister Ludw. Neuschaser ebendaselbst den Roten Adlcr- orben vierter Klasse verlieben.
♦* Pfarrperfonalten. Der Großherzog hat den von dem Grafen zu Erbach-Erbach auf die erste evang. Psärrstclle zu Reichelsheim (Dek. Erbachs präsentierten Pfarrverwalter Ludw. K l i n g e l h ö f f e r daselbst für diese Stelle bestätigt.
* • Hofjunker. Der Großherzvg hat den Referendar Adolph Freiherrn von Gemm in gen- Horn berg zum Hof- junker ernannt.
* • Da§ Wahlbureau für die Kandidatur Dr. Werner befindet sich von heute ab im Eisenbahnhotel in Gießen, Friedrichstraße 4. (Siehe Anzeigenteil der heutigen Nummer).
• • Im Kunstvercin wird eine Kollektion Ge- inäldc des MalerZ Geh. Hofrat K u e h l - Dresden zur Ausstellung gebracht. Es ist daß erste Mal, daß der Künstler hier mit seinen Arbeiten vertreten ist. Wie schwer eine solche Kollektion zu befommen ist, beweist, daß schon im Januar v. I. bie Vereinbarungen getroffen wurden, daß für Februar 1911 eine Kollektion für den Kunstverein Gießen vorzumerken sei Kuehl's Bildern wurden auf allen Kunstausstellungen im Jn- lande und Auslande die höchsten Auszeichmingen zu teil. Die Natwnal-Galerie Berlin und Pinakothek München haben eine große Anzahl seiner Werke aufzuweisen. Es sei daher schon jetzt auf diese interessante Ausstellltng, die am Sonntag eröffnet wird, hingewtesen.
** Eine heitere Begebenheit lockte dieser Tage auf dem Gießener Bahnhof eine große Schar Neugieriger auf den Bahnsteig. Zwei Gendarmen warteten mit zwei männlichen Sträflingen und einer verhafteten Frauensperson auf den Zug, der nach Neustadt- fährt. Ein Bauer aus dem SchNxrlmgrund fand sich in seiner altdeutschen Tracht auch auf dem Bahnsteig ein. Er wandte sich an die Männer des Gesetzes und diese erklärten, daß sie auch nach Neustadt fahren' wollten. „Do kann ich jo met uch faorn", sagte der Schwälmer. Da hielt auch schon der Zug, der noch einen Gendarmen mitbrachte. Die beiden ersten Gendarmen stiegen mit ihren Gefangenen ein. Als nun hinterdrein der Schwälmer auch auf den Gefangenenwagen stieg, nahm ihn der neue Gendarm in Empfang und wollte ihm auch Fesseln anlegen. Das schallende Gelächter des Publikums und das Gezeter des Schwälmers klärte ihn bald auf. Entrüstet wandte er sich an die Männer der Ordnung: „Bo auch will ich naut mt messe, ich fahr met ordentliche Leu." Sprachs und verschwand im Abtei- 4. Klasse.
** Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus B r e i s a ch, Baden; Neuenbürg und Lomersheim, Württemberg.
Landkreis Gießen.
-----Großen-Buseck, 13. Febr. Der Wetterau - 2a hngau-Sängerbund hielt am 12. Februar im Saale ber „Germania" feine Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Lehrer B u ß - Leihgestern, gab einen kurzen Bericht über das verfloßene Geschäftsjahr. Anknüpfend an die Worte des Liedes: „Was uns eint als deutsche Brüder", das als Masieuchor neben einem weiter gewählten Chor: „Frühlingsfreude" von W. Gernhardt-Gießen, in 1911 vom Bunde als Massenchor geübt wird, forderte der Vorsitzende die Versammlung auf, zur Hebung des deutschen Liedes und zur Einigkeit in den einzelnen Vereinen und im Bunde nach besten Kräften beizutragen. Die RechnungSadlage ergab einen Zuwachs an Barvermögen. 2(CIc auf Grund der Satzungen ausscheidenden Vorstände wurden tviedergewählt. Neugemählt wurde der 2. Vorsitzende und zwar Herr Größer-Großen- Bufeck. Das Andenken des verstorbenen 2. Vorsitzenden I. Bolte-Lollar ehrte die Versammlung durch Erheben von den Sitzen. Neu in den Bund ausgenommen wurde der Gesangverein „Eintracht"-Wieseck. Durch Abstimmung fällt das diesjäyrige Bundes-Sängerfest im Juli nach Lollar. Liedervorträge der Bundesvereine „Germania"-Großen-Buseck und „Eintracht"-Leihgestern trugen zur Unterhaltung der Versammlung wesentlich bei.
---Muschenheim, 14. Febr. Gestern abend sand die Hauptversammlung des Landw. Konsumvereins statt. Der Direktor teilte mit, daß der Anfang von 8 auf 7 Uhr verlegt werden mußte, da um 9 Uhr in dem Lokal eine öffentliche Versammlung der Reichstagswähler stattfinde, in der sich der Kandidat der Wirtschaftlichen Vereinigung vorstellen wolle. Die Versamm- luna, die sehr stark besucht war, wählte als Rechner an Stelle des Lehrers Günther. Herrn Karl Eller I., das seitherige Vorstandsmitglied Hch. Weisel II., dec Präsident des Aussichtsrats Wilhelm Schwarz, sowie die Aufjichtsrats- Mitglieder Karl Weisel II., Heinrich Hofmann II. und Wil
helm Leschyorn II. wurden durch Zuruf wiedergewählt. Es wurde beschlossen, von dem diesjährigen Ueberschuß an die Mitglieder 5 Prozent Dividende zu verteilen.
51 rciS Büdingen.
-1-. Büdingen, 14. Febr. Am hiesigen Wolfgang. Ernsl-Gymnasium haben am 9. d. Mts. 15 Ober-Primaner die Abgangsprüfung bestanden. Fünf wurden von der mündlichen Prüfung befreit. Von den nachbenannten Abiturienten widmen sich der Theologie: Lutze aus Gelnhausen, Jul. Strack aus Orleshausen; der Heilkunde: Block und Rapp aus Büdingen, Henrich aus Düdelsheim, Meier aus Obec-Mocksiadt, Schmitt aus Lindenfels, Veith aus Friedberg; der Forstwissenschaft: Haacke aus Büdingen; bei Landwirtschaft: Friedr. Strack aus Orleshausen und NoS aus Düdelsheim; der höheren Handelswisfenschaft: Loebenberg aus Wächtersbach; der Alt-Philologie: Kraft aus 9libba; dem Militär: Clauß aus Langenselbold und der Marine: Koeniger aus Schotten.
Kreis Friedberg.
L Bad-Nanheim, 14. Febr. Die Arbeiten an der Herstellung der drei Sprnd elum sassu n ge n werden emsig betrieben. Jetzt sieht man, wie wundervoll die weißen Kalksieinumfastungen der Sprudel mit den Gebäuden be§ Sprudels harmonieren. Die gärtnerischen Anlagen im Sprudelhofe werden ebenfalls schön werden. Mit ihm wird man in einigen Wochen beginnen.
nt. N iedcr-M örlen , 14. Febr. Pfarrverwalter S chnell ist als Pfarrer nach Holzhausen versetzt worden. An feine Stell: kommt Pfarrer Dietewich aus Pfeddersheim. Dem scheidenden Pfarrer Schnell, der sich hier großer Beliebtheit erfreute, brachten die Vereine am Montag abend eine Ovation. Die Einweisung des neuen Pfarrers erfolgt am Donnerstag nachmittag. — XSin eigentümlicher Fund wurde in den Usawiesen am Promcnadeweg nach Nauheim gemacht. Ein Federbett mit Kissen wurde durch Kinder aus einem großen Drainagerohr gezogen und niemand weiß, wie dies dahin gekommen und wem dasselbe gehört. Es wird vermutet, daß es von einem Diebstahl herrührt.
m Ober-Mörlen, 14. Febr. Welch große Opfer unsere Gegend für Vernichtung der Vdäuse unb Hamster bringen muß, beweist die Tatsache, daß unsere Gemeinde im Herbst v. Js. über 7000 Mark dafür aufwenden mußte. Um diesem Uebelstand auch int Frühjahr tvirksam entgegenziitreten, müssen abermals einige tausend Mark aufgewendet werden, sonst bleibt von ber Aussaat nichts übrig. Nieber-Mörlen hat für Vernichtung dieser Landplage über 3000 Mark, Bad-Nauheim beinahe 4000 Mark, Steinfurth über 3000 Mark aufgewendet. Und doch macht sich allenthalben keine Verminderung bemerkbar.
m. Steinfurth, 14. Febr. Die Bodenpr «r'se haben durch die Rosenkultur eine Höhe erreicht, wie sie in der ganzen Wetterau nicht mehr vorhanden sind. Ein Eigentümer verkaufte kürzlich 24 Normalmorgen Land für über 80 000 Mark und hot trotzdem den Zuschlag nicht erteilt. Die Pachtsummen für beit Normalmorgen sind von 35 Mark auf 55—60 Mark gestiegen und dabei ist kaum Gelände zu bekommen.
Hessen-Nasjau.
2$. SchweinSberg, 14. Febr. Zu dem gemeldeten Eiub ruchs di eb stahl bei dem hiesigen Pfarrer ifl noch zu bemerken, daß der oder die Diebe, um in das Zinnnec zu kommen, einen in einem Nebenhaufe stehenden Sarg benutzten und diesen, um nicht entdeckt zu werden, in die Stube zogen und dort sieben ließen. Sie erbeuteten etwa 300 Mk. in Papier, Gold und Silber, mehrere goldene Ringe und einen KrönungStaler. Dem Polizeihund aus Wetter ist cs nicht gelungen, eine richtige Spur zu finden.
* Au s dem Kreise Biedenkopf, 14. Febr. Güte in Hatzfeld abgehaltene, zahlreich besuchte Versammlung beschäftigte sich mit dem Projekt, den nördlichen Teil des Kreises Biedenkopf durch eine Bahn, welche das Lahn- mit dem Edertal verbindet, zu erschließen. Es wurde ein diesbezüglicher Beschluß gefaßt und eint Kommission gewählt. Die Bahn soll von Biedenkopf pus über Eifa oder Weisenbach nach Hatzfeld führen.
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Das Ende der Pfeil-Affäre.
v. Pfeil und Klein-Ellguth, Hauptmann im 129. Infanterie-Regiment zu Graubenz, der wegen Mißhandlung feine ersten und feiner zweiten Frau in mehrere Prozesse verwickelt lvar, ist Ende Oktober v. Js. vor den Ehrenrat gestellt wordw unb dieser hat auf Abschied unter erschwerten Bedingungen erkannt, nämlich auf schlichten Abschied ohne Pension unb unter Verlust d es Rechtes die Uniform unb ben Titel Hauptmann zu tragen. Ter Kaiser hat jebodi nach Vorlegung dieses Spruchs von seinem Beg na d i a ungs- recht insoweit Gebrauch gemacht, als er dem Grafen Pfeil den Titel Hauptmann a. D. beließ. Der Pensionsverlust und bie Aberkennung der Uniform bleibt jedoch bestehen. — Gras Pfeil war bereits nach Ginleitung der verschiedenen zum Teil noch schwebenden Strafverfahren des Dienstes entsetzt worden, erfchicn aber noch zu der letzten großen kriegsgerichtlichen Verhandlung im Juli 1910 vor dem Gericht der Königlichen Kommanbantur in voller Uniform. Er hatte sich damals wegen Mißhandlung
ganz furchtbar ein; dazu kam noch, baß er sich — ob mit Recht ober mit Unrecht, mag bahingestellt bleiben — einredete, daß seine Frau ihn nach unb nach zu isolieren unb von bem Verkehr mit ber Außenwelt fernzuhalten suche. Diese Wte veranlaßten ihn, ein Ende zu machen und sich non der Lebensgefährtin loszusagen.
— Lvic Fullers Lichtkleid. Die Tänzerin Loie Fuller, die als Erfinderin der Lichttänze berühmt gemorbtn ist, hat sich burd) bie Erfindung des Radiums so fesseln unb begeistern lassen, daß sie aus ihr auch für "den Bühnentanz dkutzen ziehen wollte; sie richtete zu biefem Zweck in ihrer Wohnung im Quartier Latin zu Paris ein vollständiges chemisches Labora- torium ein und ließ sich bei ihren Forschungen über neue Lichteffekte von einem alten Gelehrten gute Ratschläge geben. All ihre Forschungen verliefen jedoch resultatlos; ficjjat dieser Tage einem Londoner Mitarbeiter des „Piceolo della Sera" mitgeteilt, baß sie sich von ber llnausführbarkeit ihres Planes, bas Publikum mit Radiumtänzen zu überrafchen, überzeugt habe. Ihre chemischen unb physikalischen Studien hätten sie jedoch zu Forfchungen übet gewisse phosphoreszierende Substanzen geführt, und sie habe auf diesem Gebiete Erfolge gehabt, bie überall Bewunberung erregen dürften. „Ich habe mit", so sagte die Tänzerin, „ein leuchtendes Kleib her^estellt, das soviel Licht ausstrahlt, baß bei meinem bloßen Erscheinen auf ber Bühne des verbunkelten Tcheaters der ganze Saal bis in die entferntesten Logenwinkel nur durch das Kleid taghell erleuchtet werden wirb. Das Lickst wird so intensiv sein, baß alle Zuschauer, selbst bie auf der Galerie, bei seinem Schimmer ohne jede Anstrengung unb Ermüdung ber Augen bie Zeitung und in ber Zeitung auch die kleinen Anzeigen werden lesen können." Auf die Frage, wie sie biese wunderbare Leuchtkraft des Kleides erzielt habe, antwortete Loie Fuller, daß bas Gewand mit bestimmten phosphoreszierenden Salzen bestreut und durchtränkt fei; es werde zuerst ein violettes Licht ausstrahlen, das bann stufenweise, aber ziemlich rasch sich in blaues unb zuletzt in weißes Licht verwandeln werde: dieses rveiße Licht werde als Wunder aller Wunder bald in der ganzen Welt Aufsehen erregen. . . . Mau wird ja sehen!
— Eine Erntemaschine für Baumwolle. Dor kurzem ist einem in Boston lebenden «Irländer namens George A. Lowry eine Erfindung gelungen, mit ber sich viele Techniker vergeblich abgemüht hatten. Es handelt sich um eine Baum- woll-ErntyMÄML, mit b-a ein unseftfeute Shaabc tnermtbd^
viertelmal so viel Arbeit leisten kann, als ein mit ber Hand arbeitender Mann. Fachleute haben berechnet, daß die norbameri-' lanischen Baumwollstaaten von den 100 Millionen Dollar, die siee jetzt für bas Ernten ber Baumwolle ausgeben, künftig mit Hilfe ber Lowryschen Vorrichtung 75 Prozent ersparen werden. Daß bann auch ein beträchtliches Sinken ber Baumwollpreise ein* treten muß, ist selbstverständlich. Der Mechanismus der Erfindung ist ein sehr einfacher. Er wirb burd) eine, von einem Mann bediente Gasolimnaschine von 4 H.P. getrieben. Auf der Maschine sitzen vier Burschen, von denen jeder mit zwei 4 Zoll langen mechanischen Armen aus Aluminium versehen ist, deren Leichitgkeit und Ausfülirung es ermöglicht, sie ohne jede Schwierig Text nach jeder gewünschten Richtung zu bewegen. An diesen Armen entlang läuft ein endloses Band aus Tuch und Gummi mit einer Geschwindigkeit von 110 Metern in der Minute: es ist mit Haken besetzt. Berührt die Vorrichtung auch nur einzelne Fasern einer Baumwollkapsel, so genügt bas zur Entfernung des ganzen Inhalts ber Kapsel. Die Wolle passiert rasch bas Band, bis sie ein; Bürste erreicht, von der sie in einen zu ihrer Aufnahme bestimmten Behälter gefegt wirb.
— Ku rze Nachrichten aus Kunst u.Wissen sch ast. Das von Oberleutnant Filchner erworbene Schiff „Deutsche land" ist nach einer gründlichen Veränderung für die Südpolreisi von Sandejoerb nach Hamburg äbgegangen. — Vor. Kapitän I. C. Berni er, der im! vorigen Sommer Kanada ver> lassen bat,, um bie Nordwe st durchfahrt auszuführen, tf: jetzt die erste Nachricht eingetroffen. Er teilt darin mit, daß ec von Winter Harbour an der Südküste ber Melvilleinsel, wo cr- bereits vor zwei Jahren den Winter zubrachte, in die Me. Elurr einbringen wollte unb noch vor Beginn bes Winters 1910/11. bu Herschelinsel an ber Mackenziemündung erreichen wolltt. Hrei wollte er den gegenwärtigen Winter zubringen. Andernfalls gedachte er wiederum im Winter Harbour zu überwintern. Ld bet erste Plan geglückt ist, kann man natürlich erst im kommenden Frühjahr erfahren. — Geheimer Regierungsrat Wolfgang v. Oettingen, Direktor des Goethe-Nalional-Museums, wurde anstelle des verstorbenen Geheimrats Dr. S n p haN zum D t re t« tor des Goethe-Schiller-Archivs ernannt.
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