Ausgabe 
17.6.1911 Erstes Blatt
 
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zur

Uhr abgebrochen. Morgen früh 9 Uhr wird mit der

Zeugenvernehmung fortgcsahren.

tlgt um

-feen. Seit 18. Armee- übet ^rieb« un\t« beybtn.

>18 bet Stabt unb Begleiter in eine Hebung

öutRd't erkannt. Seine Scknvester Marie erhielt wegen Delhille tu zwei Fällen 1 Jahr und 6 Monate Zuchthaus und 3 Jahre Ehr- reihtO. An- der UrteilSbeqründuna ift zu erwähnen, daß der Leriuch gemaclt rvor-en in, an die englische Regierung militärische -chrisien au verraten, und bau die österreichische Regierung, als ihr das '.Uihiebot gemacht wurde, die deutsche Negierung benach- ilchtigte, lo bau dadurch die Sache entdeckt wurde.

vird uns ge. Verband ber- )es Deutschen ruar-Portrag ig der beul« gesetzt werden n d t sFransi Handels.

eins «Carlen

eingesetzt war, hat feine Beratungen nunmehr beendet. Er ist zu voller Zustimmung zu dem Magistratsantrag aus Errichtung einer StiftungSunivcrsität gelangt. Die Beschlußfassung erfolgte einstimmig, nachdem die Sozial­demokraten den Sitzungssaal verlassen halten, weil die Mehr- veit den Antrag der Sozialdemokraten, dem Berichte eine von ihnen abgegebene umsangrciche Erklärung beizufügen, abgelehnt hatte.

Letzte Nachrichten.

R. B. Tarmftabt, 17. Juni. Das Großherzoy s- vaar wird neuesten Bestimmungen zufolge seine Reife nach England zur Teilnahme an der ärönungsfeier morgen Sonntag nachmittag mit dem gegen -1 Uhr von Mainz abgehenden fahrplanmäßigen Schnellzug antreten. Tie Rückkehr nach Wolssaarten erfolgt Ende des Monats.

Petersburg, 17. Juni. Der Ministerrat beschloß, in der Rcichsduma eine Vorlage über eine Wehrsteuer ein- zubringen mit folgenden Bestimmungen: Alle von der Wehrpflicht Befreiten zahlen vier Jahre hindurch eine gleiche mäßige Steuer von 6 Rubeln jährlich. Tie Steuer soll 16 bis 17 Millionen Rubel Einnahmen pro Jahr ergeben.

London, 16. Juni. In Cardiff ist der Tag ruhig verlaufen. Die wenigen Schiffe, die ausliefen, warben nicht zur Union gehörige Seeleute zu einem um zehn Schil­ling höheren Lohne an. Ungefähr 700 Seeleute reichten die Entlassungsbücher ein. Ter» nach Bristol gehörige TampserJindhorn" konnte Greenock nicht verlaisen, da er keine taugliche Mannschaft erhielt, der DampferTweed" ist fedoch heute von Glasgow in See gegangen, um dem Jindhorn" Mannschaften zu bringen.Jindhorn" ist das erste Schiff, das wegen Mangels an Mannschaften den Clyde nicht verlassen konnte.

Amtlicher Wetterbericht.

Derlaiö der Witterung seit gestern irüh: Ein starke? ozeanisches Tiei ist im Vordringen von Westen her begriffen und unter seinem Einfluß werden wir noch heute Regen erhalten. Auch morgen wird die Depression unsere Witterung beherrschen.

Wetterausiichrcn in pesten am Sonntag Dem 18. Juni 1911: Meist warm, Regen, westliche Winde.

den Versuch zu machen, den See auspumpen zu lassen, zu sehen, was cS in der Tiefe noch gibt.

Frankfurt a. 9)L, 17. Juni. Ter Ausschuß, der Beratung der Frage der Frankfurter StiftungSimivcrsitäl

Der vcffunger Kinöesmorö.

X atm Habt, 16. Juni. Nach der am Mittag von den Richtern und Ot.fchworenen unternommenen Besichtigung des lat* ortcs, die für die ganze Beurteilung von großer Wichtigkeit war, wurde nachmiitags 1.4 Uhr die Verband lang wieder ausgenommen.

Es wurde zunächst eine Anwhl Mitbewohner des Dauses vernommen und dadurch festgestellt, daß sie zur fragHdien Zeit alle nicht im Lause waren. Ferner bekundeten diese Zeugen übereinstimmend die bemerkenSii'ertc Tatsache, daß, nachdem am Ab.nd des 16. Januar daS Verschwinden deS *Tinbc$ noch nicht au'geklärt war, während der ganzen Nacht auf der Treppe und in der Wohnung der Familie Traub Licht brannte und daß die Traub'schen Ehcleutc und andere Lausbeivohncr einen großen Teil der Nacht über wach blieben Nach der lieber- ugung aller dieser Zeugen erscheint es ausgeschlossen, daß am Nachmittag des 16. Januar oder in der Nacht daraus die Leicke des Lindes etwa von außen in das Laus und lauf den Speicher gebracht worden sein könnte, eine Möglichkeit, aus die sich ber Angeklagte bei seiner Verteidigung stützt. Er will näm­lich glauben machen, daß das Lind außer dem Lause einem Verbrechen zum Cofer g er allen und von sremden Tätern aus den Speicher gebracht sein müsse.

Durch die Zeugenvernehmung wurde weiter festgestellt, daß Leß der letzte gewesen ist, bei mit dem lebenden Kinde zusammen» gekommen ist.

Der als sachverständiger Zeuge beriwrnmcnc praktische Arzt Dr. Lämmer wurde nach Auffindung dec Leiche berbeigerufen. Er hielt die Lcichennarre noch nicht für weit vorgeschritten und ordnete deshalb das Baden der Leiche an. Er hat an dem'Körper der Leiche und an bereu Kleidung nichts Auffälliges tvahrgo nommen, wurde aber bald daraus durch den am Platz erschienenen

nächsten Tagen, jedenfalls schon fommenbe, spätestens über-nächste Woche.

L. Ass en heim, 16. Juni Das beinahe fertig ge­stellte neue Schulbous harrt her Einweihung. An der Straße vom Babnhofe zum Innern von Asscnhcim gelegen, präsentiert es sich von außen recht schön. Im Erdgeschoß liegen zwei hohe, luftige Schulsäle und im ersten Stock sind zwei Lchrerwohnungen eingerichtet. Ter Tack)stock enthält eine Wohnung für einen Schulverwaltcr

x 91 u6 der Wetterau, 16. Juni. Zur Mäuseplage hat sich noch die Hamster- unb Rattenplage gesellt. Tic lästigen Nager richten allenthalben beträchtlichen Schaden an. Viclcror.S sind sie die Ursache, daß auf den Kartoffeläckern masienhast die Kartoffeln ,ou6gtbliebcn* sind, da die Setz» kartoffeln total aufgefresien worden sind. Von Gartenbesitzern ist dazu noch häufig beobachtet worden, wie die Natten, die sonst im Felde doch nur selten auftreten, auch die Erdbccr- anlagen beschädigen, indem sie die reifen Früchte wegfrefien.

Kreis Lauterbach.

= Schlitz, 16. Juni Unfer Städtchen ist her Fcstort des 3 8. Gau turnfcstes des Gaues Lessen. Tas Turn fest soll ihm seinen alten guten Ruf als Festort bestätigen Hessens Turnern, neben den Stunden ernsten Strebens, wahre Festfreude zu bereiten, darin wetteifern der fest- gebende Verein, bic Festausschüsse und die gesamte Bürger- ichaft. Tie Zahl der Freiquartiere ist so groß, daß von Mossenquartieren Abstand genommen werben kann Hessen-Nassau.

# Enbbach, 16. Juni. In bem hier betriebenen Kalksteinbruch ift eine Tropfsteinhöhle aufgcschlosicn, in bic man auf eine Länge von 12 Meter chibringen kann. Dann kommt man an einen etwa 23 Meter tiefen See, ber anschemenb seinen Ztifluß von oben hat unb nach unten versickert. Ter verhindert em weiteres Vorbringen in die anscheinend weiter in das Gestein sich hmziehenden Höhlen­räume. Tie Gemeinde, der der Stcinbruch gehört, beabsich-

nationaler Deutscher Rundflug.

Schwerin, 16. Juni. Ihn 7/26 Uhr ist als letzter der in Schwerin emgetrof jenen Flieger Dr. 96.it teufte in mit Berlagsbuchhändlcr Sprenge als Passagier hier abgerlogen; ob­wohl noch gegen 5 Uhr ein heftiger Wind wehte, wollte Dr. Winenstem nach öamburg abiliegen, um feinen Apparat nickst abrüsten zu müfsen. Gegen 6 Uhr erschienen der Großherzog und die Großherzogin unb unterhielten sich lange Zeit mit Dr. Wittenstein, der ihnen den Apparat erElärte. Sie blieben bis zum Ausstiege auf dem Flugplatz. _

Hamburg, 16. Juni. Die heutigen Schauslüge, denen Vürgenneifter Tr. Predöhl, verschiedene Senatoren unb eine ungeheure Menschenmenge beiwohnten, sind überaus glänzend verlaufen. Gorrifsen, L i n dpa in t n er , König, Thelen, Büchner, Schwanbt, Wiencziers und Schauenburg machten kürzere ober längere Flüge. Als gegen 0 Uhr vier Flieger gleichzeitig in ber Lust waren, erschien dos LuftschiffP. L. 6" mit erleuchteter Gondel über dem Flugplatz und wurde alsbald von den Fliegern umkreist. Währenddessen kam der 7,26 Uhr in Schwerin aufgcfticgcnc Tr. Wittenstein in Sicht und landete um 9 Uhr 1 Min. mit /einem Passagier glatt. Leutnant Jahnow beabsichtigt morgen an don Start nach Kiel teilzunehmcn.

Magdeburg, 16. Juni. Ueber das Befinden Müllers erklärte der bei,anbeinbe Arzt des altstädtischen Krankenhauses, daß eine leichte Besserung zu verzeichnen sei. Er Hai zuweilen klare Augenblicke, liegt aber den grämen Teil des Tages ut tiefer Benommenheit. Puls und Atmung geben zn Besorgnissen keinen Anlaß.

Hamburg, 17. Juni. Heute früh erfolgte der Start zum Fluge nach Kiel. Um 4 Uhr startete Büchner, 4,01 Lindpaintner, 4,03 Wiencziers. später folgten Thelen und Tr. Wittenstein. König und v. Gorrissen werden erst am dlachmittag fliegen.

fticl, 17. Juni. Als erster landete Wiencziers um 4,55 Uhr, auf dem Flugfeld, wo sich Prinz Heinrich und Ge­mahlin eingefunden hatte. Zwei Minuten später folgte Lind­pa i n t n e r (.mit Fahrgast), um 5,06 Büchner und 5,31 Schauen- bürg. O

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turnvereinS in Gießen, der durch Staffettekäufer vom Tauf­stein bis nach Lich einen Kranz in V/t Stunden dein Groß­herzog übermittelte, hat bei ber Gießener Jugend Nachahmung gefunben. Spielten da dieser Tage eine Schar Buben auf LSwaldSgarten, als einer den Vorschlag machte, wir laufen einmal um den Platz .Staffelte* und zählen die Minuten. Es werben 6 Läufer in gleichen Abständen ringsum verteilt aufgestellt unb man will nun einmal sehen, in welch kurzer Zeit bem mitspielenden kleinen Karlchen sein neuer Strohhut um OSwalbSgarten herum ist. Karlchen war ber erste Läufer, er hat wie alle anberen einen furchtbaren Eifer unb saust auf daS gegebene Zeichen deS ObmannS los. Voll Begierde reißt ihm der zweite Läufer den Hut aus ber Honb nun hat aber Karlchen zu fest gehalten unb ber andere zu fest zu- gegriffen. Der eine behielt den Rand und der andere hatte bloß den Deckel unb fort ging die Jagd zu zweit Kärtchen hinterdrein mit dem Rufmein Hut, mein Hut*. In drei Stucken kam dieser am Ziele an. Tie Bande brüllte «Bravo*, der kleine Karl aber lief heim unb rief ber Mutter, die nichts Gutes ahnte, schon von weitem zu:Mamme, mci Hut hat Staffele gelaufen*.

KrciS Alsfeld.

+ Alsfeld, 15. 5uni. In der heutigen Stabt» Vorstandssitzung teilte der Vorsitzende in der Angelegenheit Bahn bau Nied er-Au laAlsfeld mit, daß man sich mit den betr. preuß. Gemeinden gemäß dem letzten Stadtoorstandsbeschluß bezügl gc.nciuschafi- lief)er Tragung der entstehenden Kosten entsprechend ins Benehmen gesetzt habe. Tie preuß. Gemeinden Berfa und Lingelbach haben, wie das Landratsamt Ziegenhain mit­teilt, sich bereit erklärt, unter gewissen Voraussetzungen zu den Mehrkosten des Geländeerwcrbs beantragen. Tie Eisenbahndirektion teilt mit, daß rechtlich die beiden Ge­meinden zu den Kosten nicht herangezogen werden können. Ferner wurde dem Stadtvorstand unterbreitet, daß die Her­stellung des Kanals am Mainzertor durch Einlegen von Zementröhren mit 80 Zentimeter Weite erfolgen würde. Der Vertrag wegen der Niederdruckleitung in der Liederbach wurde in nicht öffentlicher Sitzung verhan­delt. Die Abmachung vom 19. Oktober 1910 mit der Ge­meinde Liederbach wurde genehmigt. Zum Voranschlag der Oberrealschule Alsfeld für Rj. 1912 fand eine eingehende Besprechung statt. Die laufenden Ausgaben be­ziffern sich auf 5000 Mk. Heizung und Beleuchtung sind mit rund 2500 Mk. Kosten sestgesctzt. An Schulgeldern werden vereinnahmt 17 000 Mk. Ter Voran.chlag weist eine Endsumme in Einnahme und Ausgabe von 48 970.^0 Mk. »auf. Um zu erfahren, luclchc Einnaymen den Bewohnern der Stabt Alsfeld durch die auswärtigen Oberrealjchüler, die ihren Lebensunterhalt hier vollständig bestreiten, im Ganzen erwachsen, hat Lberrealschuldirektor Tr. Pitz eine Statistik aufgestellt, die mit 42 000 Mk. abscbließt. Dar­nach bringt bic Lberrealschule der Stadt Alsfeld indirekt großen Nutzen. Uebrigens wurde noch der Gehalt des Rechners von 300 Mk. auf 400 Mk. festgesetzt. Der Gc- incinberat beschließt, ben Voranschlag für 1912 zu geneh­migen, mit bem Anträge, baß alljährlich bei Vorlage bes ftäbttschetr Hauptvoranschlags eine lieber,icht der gesamten ".'luSgaben, bic die Stakst für die Oberrealschulc zu leisten hat, beigelegt wird. Ter Vorsiüendc schlägt zu Punkt 4, xostcnaiischlag des Anschlusses ocr Hohl an bic Wasser­leitung vor, zu beschließen, bqH bic Anlage ber Wasier^ Icitung in ber Hohl nur bann ausgeführt wirb, wenn die Gesuchitcller sich bereit erklären, die gesamte Voranschlag- summe mit 3900 Mk. zu verzinsen. Anfangs sollten die An­lieger 2600 Ml. unb bic Stabt 1300 Mk. verzinsen, wovon jedoch abgesehen wird. Letztere sollten aus lausenden Mit­teln Deckung finden. Punkt 5, Verlegung der Hochstraße, wurde vertagt, jedoch beschlossen, bevor Beschlußfassung erfolgt, Augenscheinnahme an Ort und Stelle durch ben gesamten Stadtvorstand erfolgen zu lassen. Ter vom Großh. Ministerium vorgeschlagenen Fassung der Abänderung des § 10 der Friedhofsordnung wird zugesttmmt. Der Stadt­vorstand beschließ! ferner, zu dem Gesuch des M. Hußkc um Zulassung zur Installation der städt. Wasserleitung, die durch Gemeinderalsbeschluß vorn 9. Juni 1903 auf un­bestimmte Zeit an die Firma Hch. und Aug. Rößner er­folgte Vergebung von Anbohrungsarbeiten bei Anschlüssen an bic stäbt. Wasserleitung, nunmehr neu auszuschreiben. Weiter verhanbelte man über bic Sllisbesserung ber Stabt- mauer am Hospital unb beschließt hierüber: Der Rest ber Gebäubcmauer soll abgetragen werden bis auf die Stadtmauer unb das vorhanbene Mauerwerk mit der Gie- belwmib bes Gebäubes hergestellt werden. Im übrigen soll ber Rest ber Stadtmauer aus der Abbruchsstelle bestehen bleiben unb mit Zement ausgebessert werden. Auf die Klagen über bic schlechte Passicrbarkcit dieser Stelle nahm der Bauausschuß Einsicht tuib man beschloß heute nach dessen Vorschlägen.

5kreis Friedberg.

= Bad-Nauheim, 16. Juni. Bis zum 15. Juni sind 13 185 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6775 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 15. Juni 137 776 abgegeben.

x Bad-Nauheim, 15. Juni. In der heutigen Sitzung ber Stadtverordneten, die beinahe nicht beschlußfähig ge- !tcfen wären, wenn nicht noch, berfehlende Mann" herbeigehvlt worden wäre, war der Hauptpunkt ber Tagesordnung bic Dorlage ber städtischen Rechnungen für 1909, die alle die Ge­nehmigung sanden. Die Rechnung des Elellrizitätsiverks fchlotz in Einnahme mit 81470,61 Mark und m Abgabe nut 81273,17 Mark, die des Wasserwerks mit 94 496,11 Mark in Einnahme unb 94 317,90 Mark in ^gabe. Tann liegen noch folgende Rechnungen aus 1909 vor: Gaswerk 137 246^69 E. und 136 656,45 Mark A.; Krankenhaus 24 310,<8 Mark E. um> 24 310,78 Mark A.; Ernst-Ludwig-Schule 45 448,91 Mark E. und 45 429,56 Mark A. Die Rechnung der Stadt Bad-Nauheim weift eine Einnahme von 950 925,87 Mark und eine Ausgabe von 919 022,02 Mark auf. Tie Liauidations- und Niederichlags- verzeichnissc werden genehmigt. Fast täglich wird unjere Bode- ftadt eben von Schulklassen b c s u ch t, iclblt aus ben ent­fernteren Orten des Vogelsbergs. Bei Be,ichttgung dn Bade- und Kur-Anlagen wird von den Behörden das größte Entgegen­kommen gezeigt. Während hier viele auswärtige.-L-chtllen zu,Be- fuch weilten, machten dieser Tage die Klaßen umerer ^tadttchule, die jährlich mehrere größere Wanderungen unter­nimm i, ihren ersten Tagesausflug in die nähere und weitere Um­gebung, zumeist nach dem -vaunud (Homburg, saalourg, ^.och- mühlc Eaper^burg, Winter stein, Hausberg, Eronsberg, Ziegen- aber auch bis nach Braunfels, Wetzlar, Gießen, -Lchinen- berg, Arnsburg unb Lich- In Gießen besichtigten mchrere obere Llassen den Botanischen Garten. Ein hoher, hier fchon be­kannter Gast, der Sultan von Ä<in| ibar ift be­folge hier wieder zur Kur cingetronen. Aus der «aline werden gegenwärtig Versuche mit ben_n.e u en 451a genommen: es wird probeweise mit -L-ußwaner gekocht. In Be­trieb genommen wird die neue Saline aus dem ^tbltem den- feüs des Bahnkörpers), bereu Fertigstellung ftch durch den -llcaurer- faxif UN Winter etwas in die Länge gezogen hatte, in fpeu

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Kreisarzt Dr. Lehr darauj aufmerksam gemacht, daß am Hals des Kindes deutliche Würgei'puren erkennbar waren.

Unter den zahlreichen fortgesetzt vernommenen Zeugen be­täub sich auch die Ehcsrau des Angeklagten, die von iljocm stecht zur Zeugnisverweigerung keinen Gebrauch machte. Der Eindruck dieser Zeugin war ein günitiger, doch schien cd, daß sie bestrebt war, zu Gunsten ihres Ricuines ihre Aussagen abzugebem Sie will zu der fraglichen Zeit an ihrem Manne nichts Aussälliges walwgcnornmcn und auch keinen Verdacht gehegt, sondern nur die Befürchtung gehabt haben, daß er als verdächtig in Betracht ge­sogen werden könnte. Zwei andere Zeugen bekunden jedoch, daß Frau Heh irach der Ausfindung der Leiche in höchster Auslegung gewesen fei, gejammert habe und deutlich erkennen ließ, daß sie Tür ihren Mann Bciürchtungcn hege. Tie Verhandlung mürbe abcnbs 9 Uhr abgebrochen. Morgen früh 9 Uhr wirb mit der

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Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 16. Juni.

Die Hunbefteuer.

Der Metzgermeistcr H. H. von Gießen hatte einen Hund, ben er aus ber Bürgermeisterei zur Versteuerung orbnungsmaßig angemeldet hatte. Bei ihm in Miete wohnte ein Student, der einen Hund besaß, der gleichfalls angemeldet war. Im Te- zcmbcr v. I. ging der Hund des Studenten an einer Krankheit ein, und H. ging auf die Bürgermeisterei, um den Hund ab­zumelden. In Wirklichkeit meldete er seinen eigenen Hund ab. H. ist deshalb vom Schöffengericht wegen falscher Meldung mit einer Ordnungsstrafe von acht Mark belegt worden. Tie Staats­anwaltschaft hat dieses Urteil angesockiten und verlangt Bestrafung des Angeklagten wegen beabsichtigter Steuerhinterziehung. Die Beweisaufnahme ergab indessen, daß die Möglichkeit eines Irr­tums bei der Abmeldung des Hundes nicht ausgeschlosseit ift, insbesondere konnte eine Absicht des Angeklagten, die Steuer zu hinrerziehen, nicht festgestellt werden, da er tatsächlich später für einen Hund die Steuer bezahlt hat. Es behielt also bei dem Erkenntnis erster Instanz sein Bewenden.

DaS Automobil auf der Orts ft raße.

Der Automobilfahrer P. K. von Gießen ift vom Schöffen­gericht in Hungen zu 25 Mk. Geldstrafe verurteilt worden, weil er bei einer Fahrt durch Hungen mit seinem Automobil zu schnell gesahren sei. Automobile dürsen auf Ortsslraßen usw. nicht schneller als 15 Kilometer bic Stunde, d. h. 4,1 Meter die Sekunde, fahren. Bei der erneuten Beweisaufnahme er­klärten die Zeugen aus Hungen, daß das Automobil durch die Stabt Hungen übermäßig rasch gefahren sei, währenb bic unbeteiligten Insassen des Wagens angeben, ber Fahrer habe vor Hungen abgeftopvt und sei langsam durch die Stadt gefahren; er habe noch kurz vorher erklärt, man befinde sich im Bezirk des Abgeordneten Köhler-Langsdorf, der gegen den Verkehr mit Automobilen sehr scharf Stellung genommen habe, und müsse vorsichtig sahren. Es konnte fomit nicht scsl- geftellt werden, daß ber Angeklagte bic gesetzlich zulässige Schnel­ligkeit überschritten habe. Er wurde dementsprechend frei­gesprochen.

Stadtverordneter, Ortsgerichtsmann und Holzfrevler.

Ter L. V. von Friedrichsdorf i. T. hatte im Gemeinde- wald zu Nicdcr-Erlcnbach Holz gesteigert. Am 9. März l. I. begab er sich mit seinem Vater E. V. in den Wald und trug in Gemeinschaft nut diesem mehrere Spalten Buchenholz von einem fremden Holzhausen zu dem {einigen. Um die Entwendung zu verdecken, rissen sie die Stützen des fremden Holzhausens ein. Beide Angeklagte befinden sich in guten Vcrmögcnsvcrhältnisscn, sind in ihrer Hcimatgemeinde angesehene Bürger unb bekleiden öffentliche Ehrenämter. Ter Sohn ist Stadtverordneter unb der Vater ist Mitglied des Lttsgcrichts. Man hätte also von beiden Angellagten nicht erwarten sollen, daß sie aus reiner Gewinn­sucht sich an fremdem Eigentum vergriffen. Mit Rücksicht hierauf hatte das Forstgericht zu Vilbel am 26. April l. I. beide zu je zwei Wochen Haft verurteilt. Tas Berufungsgericht billigte in der heutigen Verhandlung durchaus die Straizumessungs- grünbe des Vordergerichts, wandelte aber die ausgesprochenen Freiheitsstrasen in zwei Geldstrafen von je 50 Mk. um, da es sich um bisher unbescholtene Leute handelt, die notf) keinerlei Strafe erlitten haben. Auch wurden ihnen die gesamten, nicht unerheblichen Kosten des Ven'ahrcns zur Last gesetzt.

Gewerbebetrieb und Konzessionspflicht.

Der Mechaniker K. R. von Friedberg ift vom dortigen Schöffen­gericht zu 10 Mk. Geldstrafe verurteilt worden, weil er es trotz Aufforderung ber juftänbigen Behörbe unterlassen habe, die zum Betrieb seiner Fabrik für Gasometer usw. erforderliche Konzes­sion nachzusuchen. Ter Angeklagte fürchtete nämlich, die Konzession würde ihm nicht erteilt werden, da neuerdings Beschwerden von Nachbarn wegen des durch den Betrieb verursachten Geräusches erhoben worden sind. Aus diesem Grunde hat er auch das Urteil angefochten, indem er behauptet, er bedürfe der Konzession nicht da ber Betrieb schon vor bem Inkrafttreten ber Gewerbe­ordnung bestanden habe. Dieses ist insofern richtig, als der An­geklagte schon früher an derselben Stelle eine etblDfierroerfitättc hatte Aus dem Handwerk aber hat sich mit der Zett ein fabrik­mäßiger Betrieb entwickelt, und als im Jahre 1897 die alte Bretterwerkftätte niederbrannte, hat der Angeklagte an ihrer Stelle ein großes massives Fabrikgebäude errichtet, das unzweifelhaft konzessionspslichtig ift. Tie Berufung wurde verworren.

Gerichtssaal.

Leipzig, 16. Juni. (Spioiiagepiozcß.) Jose' Rem en e ivurde von Cem Reichsgericht wegen Verrats milliarischer (Äehelm- nisie in drei Fällen zu 10 Jahren Zuchthaus unb 1b Jahren Ehr- oerlust xxuitieiU, außerdem würbe auf ^ulanung der Polizei-