Samstag, 15. M M
Erstes Blatt
161. Jahrgang
GietzenerAnzeiger
Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.
Vezng»vret»: monatlich 75 "ÖL,»iertel- iährlich DU. 2.20; durch
Ur. 164
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grauer Theorie geboren sind. Aber man mutz Iatho ja, ?o beißt es von seinen Freunden her, aus der Kanzel hören Und da * Spruchlollegium hat sein ersprießliches Wirken gleichfalls anerkannt. Man hatte den idealistischen Kanzel , Prediger offenbar gar nicht so weit treiben dürfen, sich auf Worte zu versteifen. Man hätte ihn ruhig in seinem (Yartcn lassen sollen, von dem er nach dem hochnotpeinlichen Gericht mit so viel Liebe sprach. In dem Garten, wo ein fühlendes >?crj, fein kalter wissenschaftlicher Gärtner die Blumen hegte.
♦ Ter Fall Iatho hat wieder einmal die Nebel gelichtet, die über unserem kirchlichen Leben lagen. 80 Berliner Geistliche und zahlreiche Pfarrer in den Rheinlanden und anderen Gegenden Deutschlands haben ihr Mißfallen über die Absetzung Jathos ausgesprochen. Tie Schlldhattcr über das Spruchlollegium verfahren in ihren Erörterungen nicht glücklich. Tie lonferoatiDc „Kreuzzeitung" schilt über die „Verarmung an christlichen Werten" und über „weibliches, weibisches Christentum", treibt Zpott sogar mit den erheben den Faustworten „Gefühl ist alles, Name ist Schall und Rauch".
Schwärmerei und Phantasterei aus religiösem Gebiete ist gewiß verständigen Menschen zuwider. Aber allem zu vor hat der Buch staben glaube keinen Bestand. Wahres religiöses Gefühl atmet eben doch in den Worten leiser Scheu und Ehrfurcht vor dem Unendlichen: „Wer darf ihn nennen? und wer bekennen, ich glaub ihn. Wer empfinden und sich unterwinden zu sagen: ich glaub ihn nicht ?" Und wenn das Spruchtollegium Jathos Bekenntnis, die Men scheu seien „aus Gott erzeugt und kehrten im realsten Sinne wieder zu Golt zurück", als Irrlehre und Diesseits-Religion bezeichnet hat, so. liegt nach unserer Meinung doch ein so großes Gott v c r t r a u c n in dem genannten Ausspruch, daß lich auch in diesem Punkte Wider,pruch gegen Jathos Absetzung regen muß Wer wird sein Nachfolger werden? Iatho dachte trotz der Absetzung in seinem Wirkungskreis zu bleiben, und seine Anhänger werden es ihm ermöglichen. Tie große Zahl der Proteste, die von seinen Amtsbrüdern ausgegangen find, wird es der Gemeinde von Alt-Köln sicher ermöglichen, einen Geistesverwandten an seinen Platz zu bringen.
Koblenz, 14. Juli In der Presse wird vielfach die Berinmnng ausgesprochen, die evangelische Gemeinde von Köln werde nicht in die Lage kommen, einen Nachfolger Jathos zu wählen, da dis beschlossene, aber ..och nicht erösfentlichte Psarr- besctzungSgesev di- kirchenregimontliche Belegung einer Stelle vjiiei,e in Dein Falle, iXu, Oie Erledigung durch ein Tisziplinarverfahreir gegen den Slelleninhaber eingetreten sei: voraussichtlich werde bis zum Eintritt der Vakanz am 1. £ kl ober das Geietz noch veruf’eiuliü.i iveroen. Tie le&icre innahme wird deshalb nicht zutref'en, weil die Hindernisse, die sich der Ber- vsfentlickung des Gesetzes entgegengeslcllt Haven, noch nicht bc- seiligt sind, auch bis 1. Oktober nicht beseitigt werden können. Aber auch wenn das Psarrbesetzungsgesetz bis zum Eintritt der Möliier Vakanz in Kraft getreten wäre, so würde es au? den bc lrefienden Fall nicht anwendbar sein. Tenn das Verfahren des Svruchtolleginins sollte ,a gerade das Tlszipunaroerfahren in loldicn Fällen wie in dem Jathos beseitigen. Tas Verfahren vor dem Spruchtollegium kann auch deshalb nicht unter das Pfarr- besetzungsgefetz fallen, weil das Spruchkollegium erst nach dem Psarrbesetznngsgese>) ins Dasein getreten ist. Die evangelisch c Gemeinde von A lt - Moln wird es daher in der xtanb haben, einen Nachfolger Jathos selbft zu wählen, und deni Kirchenregiment bleibt nur wie bisher die Bestätigung des Gewählten überlassen.
blattfiiröcuKreist&iefotn tTienStag und Freitags: zweimal monoil- Land wirtschaftliche Seitfragei 7.emsvrech-Anschlüsse - politischen r«it: tzluaust
WW General-Anzeiger für Gberyessen ZGM
Annahme von Anzeigen Hotationsbrud und Verlag der Vrühl'fchen Univ.'Vuch- und Zleindrnckerei R. Lange. Redaktion, Erpedilion und Druckerei: Zcbulftratze 7. Land-:'E.Heß^ für den L ^nniiOtag6n9mühr' vüdingen: Zernsprecher Nr. 50 Seschäfttstelle vahnhofflrahe iba. _____________ H. Beck.
politische Wochenschau.
Gießen, 15. Juli.
Auch nach der Veröffentlichung der ausführlichen Begründung des kirchlichen Urteilsspruchcs über den Pfarrer Iatho gewinnt man die Ueberzeugung, daß das preußische Spruchkollegium nicht weise gesprochen hat Tie Herren haben sich ersichtlich Zurückhaltung attserlegt, haben fein Derdammnisurteil gefallt, sondern in ihrer Charakterisierung des Falles den Kölnischen Neuerer mit Schonung und Milde behandelt, "'eradc aber weil man seiner Gesinnung, seinem Charakter vorzuwerfen hatte, sondern die Werke seiner Nächsten
i- seelsorgerischen Tätigkeit anerkennen mußte, berührt cs so schroff und hart, oaß über diesen Mann als Diener der Kirche der Stab gebrochen wurde Tie gedruckte Begründung des Urteils hält sich an keine bestimmte Grenze, innerhalb deren nach der Ansicht des Spruchkollegiums die Lehrtätigkeit des Pfarrers sich haben müßte. Und es ist auch ganz richtig, daß in der evangelischen Kirche die Freiheit des Christenmenschen weite, freie Bahn haben muß.
Es wäre verkehrt, den Spruchrichtern Ungerechtigkeit oder Willkür vorzuwersen. Totzdem sie, wie gesagt, eine sichere Grenzlinie zwischen Rcchtgläubigkcit und Irrlehre nicht gezogen haben. Sie haben dem Kölner Idealisten mit nüchternen, sorgsam abgewogenen und »utrefsenden Worten nachgewiesen, wie weil seine religiösen Auffassungen von der Lehre der Landeskirche sich entfernt haben. Was aber bedeuten Worte int religiösen Temen und Empfinden? Ter Herr sieht das Herz an. Es ist mit dem Glauben ähnlich wie mit der Andacht vor einem Kunstwerk Zu dessen Preis kann man viel gute und schöne Worte Vorbringen, aber wenn ich mit Metlichen- und mit Engelzungen rcoctc, so könnte ich doch seinen ganzen Inhalt damit nicht erschöpfen. Es gibt nuci) im religiösen Leben Sphären, in die man mit Worten nicht leicht hinein lann. In Gleichnissen und Beispielen hat Jesus uns seine hohe Persönlichkeit offenbart. So war er ein Schöpfer, uiib mit den Schriftgelehrten hat auch er sich überworfen. Und sogar in der prosaischen Wissenschaft bieten noch so scharfsinnig und gewissenhaft gewählte Worte ost nur etwas Halbes und Unfertiges. Man kann zum Beispiel Kants Lehre annähernd richtig interpretieren und doch an dem Geist und Charakter des Mannes unwissend vorübergehen. Da liegt der Blüte feinster Tust über den Ganzen und Ungeteilten. Wie viel mehr aber erfordert es noch, die subtilen Wahrheiten und Ahnungen eines christlich gläubigen Gemütes objektiv auszudrücken! Man soll Gott doch im Geiste und in der Wahrheit anbeten.
Wenn Pfarrer Iatho gelehrt haben soll: „Gott sei die uraufängliche Kraft, von der wir nicht wissen, ob sie ursprünglich blind war un6 erst in ihrer Verfeinerung zur G^isteslrafl im Menschen sehend geworben ist, ober uö sie als ewige Vernunft und ordnende Weisheit oie erste Bewegung im All hervorrief", so märe das sicher kein der höchsten Beivunderung werter Erguß. Es sind eben auch nur Worte, die in ihrem ersten Teil sogar recht phantastisch anmuten, im letzten Satze schon eher dem 0‘cmüte aoge- lauscht sind. Auch in den anderen in der Urteilsbegründung angeführten Stellen vom Bekenntnis Jathos, namentlich über Schuld und Sünde, stehen anfechtbare Sätze, die aus
Hom gegen Köln.
Wir haben schon mehrfach auf die Meinungsverschiedenheiten hingewiesen, die sich im Katholizismus bentertoar gemacht haben und bei der vielbesprochenen Lstcrdienslag:-. konscrenz auch für die weitesten Kreise ruchbar wurden. Tie „Kölner Richtung" will in der Zentrumspolitik rnög lichste Unabhängigkeit von :stom und dem Vatikan, schon um das alte Scheingefecht aufführen zu können, das Zen- trum sei keine konfessionelle Partei. Offenbar sind die Leute um die „Köln. Volksztg." auch um einige Grade „moderner" gefilmt als ihre Widersacher, -rie alten Streitigkeiten wurden aufs neue angefacht durch ein Buch des Dominitanerpaiers und Professors A. Maria Weiß, der gegen die „Gefahr des Laienregiments" und damit gegen die Kölner Richtung ins Feld zog. Hand in Hand mit ihm ging auch die vatikanische Presse gegen Köln vor. Besonders die „Correspondence de Rome" drückte sich^fo scharf aus, das; der Mitbesitzer der „Köln. BoNsztg.", Tr. Bachem, sich in einem spaltenlangen Artikel ^dagegen wehrte. Er schrieb da u. a. sehr unzweideutige Sätze:
„Tic „Corr, dc Rome" ist gewiß kein offizielles £rgan der römischen Kurie. 'Jlbrr sic crsct.int m Rom, in der ndd'iten Um- gibuiig des Heiligen Balers. Sie gibt sich bauernb den Anfchein, ter authentische Interpret der Auflassungen dcS Vatikans zu um. Wenn in einem solchen Crgau in solchem Tone solche -tutflc gegen die kiräuttreuen deutschen Katholiken vorgebracht werden, io ist cs ganz selbstverständlich, daß das niet : ohne Cinflntz auf das Ansehen der römischeit Kurie bleiben kann. 9hir mit dem größten Bedauern iprca.c ich diesen Proteft aus. -renn ich fähigen Katholiken das Vertrauen zu dem Mittelpunkte der kotho- lifchen Christen einer gewissen Probe ausgesetzt werden kann.
Auch Die „Zentralauslunstsstelk für die tatholifche Presse" wandte fich neuerdings gegen die Kölner Richtung und ließ durchbiicktti, daß die vatikanischen Kreise über „gute Informationen" verfügten. Hieraus beziehen sich einige Aufsehen erregende Erklärungen des Nuntius Frü h - wirt, der dem Zentrum beiipringt und die aufgeregten Wogen wieder zu glätten versucht:
'M ü n ch c n, 14. Hnli Gegenüber den B c r d ä d; t i g u n g e n, die der deutsche K a t I; o 1 l , i s m u s und der Erzbischof von Köln in ausländischen Zeitungen erfahren, die -uni Teil an einen Artikel der „Correspoiidaucc de Rome" anknüpfen, er mächtigt der Nuntius Frühwirt den „Bancriscken Kurier" zu der Erklärung, daß der Artikel der „Correspondance de Romc", dessen Ton er selbst mißbillige, in keiner Weise von den h u h e r c n zuständigen Behörden inspiriert sei. Cr protestiere auf das entschiedenste gegen den Artikel der ausländisch-m Zeitungen, in dem so ichwere Autiagen gegen Oie Katholiken Deutschlands und das Zentrum erhoben würden, in der man loqar den Schotten nur die unantastbare Person des durch seinen Hirtcneiier rühmlichst bcLumtcn E r z b i s ch o f s v o n .Kö 1 n wer fen möchte. Von zuständiger Seite iverde ihm versichert, daß an der Berösfentlichning dieser Artikel weder Msgr. Benigui noch ein anderer Prälat einen unmittelbaren ober mittelbaren Anteil habe.
Damit werden die Mißhelligkeiten aber nicht aus der Welt geschasst und das einmal bestehende Mißtrauen kaum beseitigt. ______________________________________
Das Nationalfest in Kranlreich.
Turch herrliches Weiter begünstigt, wurde am gestrigen Freitag das Nationalfest in ganz Frankreich mit großer Begeisterung gefeiert. Ernstliche Zwischenfälle mürben bis jetzt nicht gemeldet. Tie von den Syiidikalisten beabsichtigte Kundgebung in der Umgebung des Saute-Gc fängnisses ist unterblieben Das Gefängnis wurd« rnili
Der Schrecken -er Waidbrände.
Tic Sommerhitze Hal uns auch dieses Jahr, wie schon so ost vorher, die traurige Nachricht von gewaltigen Waldbränden gebracht, die in Nordamerika wüten. 1910 und 1908 kamen gleiche Meldungen, di. ein Schrecken erregendes Bild der Verwüstung durcti Feuersbrünste boten. Ter Materialschaden wurde 1908 auf 400 Millionen Mark berechnet; aber auch in früheren Jahren waren schon Bauholz, Gebäude und anderes im Werte von 200 Millionen Mark verbrannt. 1908 wurde eine ganze blühende Stadt von 5000 Einwohnern Chisho 1 m in der Nähe von Duluth durch das Feuer dem Erdboden gleich gemacht.
Um eine Vorstellung von der riesigen Ausdehnung dieser Brände zu geben, sei erwähnt, daß 1908 zu gleicher Zeit ein Wald von 300 Kilometer Länge, d. h. eine Strecke wie die Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und Hamburg, in Flammen stand. 1871 wurde sogar mehr als der zehnjährige Holzverbranch des ganzen Landes durch Waldbrände zerstört und der Schaden auf die ganz unglaubliche Summe von 8827 Millionen Mark geschätzt. Ter Tnrchschnittsverlust in den letzten 20 Jahren wird auf etwa 100 Millionen Mark im Jahre beziffert.: in der gleichen Zeit find in den Bereinigten Staaten durch Waldbrändc mehr als 2 00 0 M enschcn umgekommen. Tcr Brände läßt sich bei bem riesigen Umfang, den sie furchtbar schnell an nehmen, nur in seltenen Fällen s?err werden. Tic Feuersbrunst, die 1908 einen der herrlichsten Wälder der Welt, den von TeS CHutes in den blauen Bergen des östlichen Origon zerstörte, hatte bereits eine Ausdehnung von 27 Kilometer erreicht, bevor es möglich wurde, einen energischen Kamps gegen das Berderben bringende Element einziileiten. Neun Tage lang arbeiteten 200 Männer, b.wör sie das Feuer zum Stehen brachten, die nächste größere Wasscrauelle ivar 27 Kilometer, der nächste Crt, von dem ans die Mannsckmst verpflegt werden konnte, 75 Kilometer entfernt. Die Urfadien für die Brände sind zum großen Teil in sträflichem Leichtsinn zu f'uckfen. Man hat fcftgel'tellt, daß von 300 Feuersbrünsten, die in einem Jahr in dem an Wald so reichen, nun schon so arg Dcriüüftcten Adiron - dack-Gebiet ausbrachen, 121 durch Funken von Lolomotivcii bciDorgcrufen wurden, 88 durch Haufen von Laub, die man brennen ließ, 29 durch Lagerfeuer, die von Jägern und Touristen angelegt wurden und seck)s durch glimmende Asche von Zigarren und Tabakspfeifen. Tie größte Gefahr geht al io von den Eisenbahnen ans, zumal diese lerne Vorrichtungen für Rauchoerbrenimng besitzen und bei den Lokomotiviührern eine erschreckende Gleichgültigkeit dagegen herrscht, ob die Funken ihrer Maschine über offenes Feld hinspringen oder vernichtend in die dichtbelaubten Stämme fahren,
Ter Kampf gegen die Waldbrändc, der von der Regierung der Bereinigten 'Staaten mit aller Macht aufgeitommeu ist, wird daher vor allem mit strengen Gesetzen gegen die Eiienbahn- gesellschanen geführt werden müssen. Erst wenn die Eisenbahnen mit Petroleum Heizen pnd rechts und links von den Geleisen schützende Abstände von 30 bis 150 Fuß angelegt sind, werden die entsetzlichen Schädigungen auihvrcn, durch die z. B. in Nord- und Sudtarolina und in Georgia statt der Waldungen zum größten Teil nur noch Buichwert und verkohlte Baumstümpic ohne die Möglichkeit einer Wiederaufforstung zurückgelassen sind. Eine tatkräftige Propaganda gegen die Waldbrände wurde Aniang 1908 durch die Begründung der „National Conversation Commis- non" eingeleitet, die bereits viel für die Crhaktnng des Wald- beßandes getan bat. Auch die sorttamtliche Zentralstelle der Regierung m Washington hat viel zum Schutze der Wälder getan uni> feinen klugen Einrichtungen ist es zu verdanken, daß in jüngster Zeit die staatlichen Waldungen von Ricsenbrändeii ziemlich verschont worden sind. Tie Waldungen wurden von dem Forttamr mit großen Fahrstraßen durchzogen, Schneisen sind angelegt, von denen jede Spur von Holz und Reisig entfernt sein muß; in der heißen Jahreszeit, die die größten Gefahren birgt, durchziehen Patrouillen, die sogenannten „Rangers", Die mit ausgezeichneten Ferngläsern und vorzüglichen Pferden ausgerüstet sind und sehr rasch ihre Fcuermeldungen machen können, die staatlichen Waldgebiete. Tvzu find die Forsten mit einem von Jahr zu Jahr enger werdenden Netz von Telephon- leitnngen versehen, die den Nachrichtendienst außerordentlich er- Icichtern. Tiefe Vorsichtsmaßregeln haben wenigstens die Regierungsforsten in den letzten Jahren vor größeren Feuerschäden bewahrt, aber in dem weiten privaten Waldgebier wüten sie unaufhaltsam fort.
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— T c r Bildhauer Professor Reinhold Begas in Berlin feiert, wie bereits mitgeteilt, heute seinen 80. Geburtstag. Er ist am 15. Juli 1831 zu Berlin als Sohn des Hofmalers Karl Begas geboren. Seine Ausbildung erhielt er auf der Berliner Kunstakademie, arbeitete dann in den Ateliers von Ludwig Wichmann und Rauch und begab sich 1856 nach Rom, wo Böcklin und Lenbach nicht ohne Einfluß nur ihn gewesen nnb. 1861 erhielt er einen Ruf als Professor an die Kunstschule in Weimar, gab indessen seine Lehrtätigkeit bald auf und ging zum zweiten Male nach Rom. 1866 kehrte er nach Berlin zurück, um das mit dem ersten Preise gekrönte S ch i 11 e r st a n db i 1 d aus- zufübren. <eit 1876 ist er der Leiter eines Meistcrateliers 'ür Bildhauer an der Akademie in Berlin. Begas hat cmscheideiid auf die Einwirkung der neueren Berliner Plastik cingcroirft und zahlreiche Schüler herangebildet. Bon seinen Werken seien hier
genannt: „Pan, die verlassene Psych« tröstend" (1858), „Faun' hmtilie", „Schillerdnckniai in Berlin" entworfen 1863;, „Benns bröslet Amor" (1864 , „Susanne" 1872., „Raub einer Sa
iphe" 1878), „Alexander von Humboldt'. toi in
und Molkies, Neplunsbrunnen auf beut Berliner Schloßplatz (1891 >, „Sarkophage des Kaisers und 'n ticrin Fri'oricki m Potsdam", Aalionaldenkmal mr Kaiser Wilhelm I. in Berlin 1893—97 , Nationalocnlmal für Den Fürst, n Bismarck, ebenba 1901 enthüllt, die Gruppen Waldemars uns Kaiser Wilhelm I. in der Siegesallee in Berlin, die Büsten Kaiser Friedrick)s III. und Wilhelms II.
— Ein neuer Komet. Auf der L i ck - Stermvaete in Kalifornien wurde am 6 Juli, wie ein Telegramm Prof. Pickerlings au die Astronomi-che Zentralstelle in Kiel melcci, ein neuer Home: eiubcä;, «xc ein s o auffälliges Lbjetr barflcllt, daß er bereits mit einem Opernglas wahrgenornmcn iveroen konnte. Nach der ersten Beobachtung zeigte ölt Komet, der sich im Sternbilde cce- Fub manns, nahe der Grenze oes Perseiw bejinbet, eine südwestlich • Bewegung und einen gleichfalls im Cvernglai'e sichtbaren Schweis. Am 8. Juli hat Pros. Wolf von der Königstuhl-Sl'rnwarte bei Heidelberg den Atom.-ten Photo graphiert und seine Helligkeit mit 7,5 angegeben. Ta Die Sterne bis einschließlich 6. Größentlasic mit bloßem Auge sichtbar sind, so bvinoet sich der Korn t nur I
Auch die Remeiv-Sternwarte zu Bamberg hat nach telegraphischer Meldung den Kometen inzwischen beobachtet: nach oen Dortigen Wahrnehmungen bewegt er sich jedoch nicht ui südwestlicher, sondern in n o r b ro e ft (i ch e r Richtung,, so daß seine Höhe am Himmel zunimmt imo oie Gelegenheit zu seiner Beobachtung günstiger würde. Tie Gegend des Himmels, in der der Korner verweilt, befindet sich nämlich in der gegenwärtigen Jahreszeit jenseits des Himmelspols in unterer Kulmination, was oie Beobach-rung namentlich während der Zeit dec hellen Nä.chte, die in unseren Breiten zurzeit noch nicht beendet sind, erschwer:.. Zur Bestimmung der Bahnelcmeme des .Kometen, die über seinen weiteren Lauf Aufschluß geben können, müssen nähere Beobach tungen abgewartet werden. £b der neue Komet 1911 b ein auch mit bloßem Auge sichtbares Lbjekt werden wird, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen.
kf. T e r A u f b r -t ch d c r v i e r t e n S ü d p o 1 c x o e d i t i o ii. In der nächsten Woche wird die rienc Südvvlexpeoition, die Tr. M a w s on leitet, die Abreise antreten. Scott und Amunosen sind schon im Eise des südlichen Polarmeeres angJangt, die deutsche Expediiton unter Filchner ur jüngst abg.reist, und so ist Tr. Mawson c:r vierte, : r sich zum Si pole ausmocht. Wi^ o:r Londoner Korrespondent der „Polititen" erfahrt, roiro die Aurora, Tr. Mawsons Expeditionsschiff, unter australischer Flagge segeln.


