nr. 112 vierter Blatt
161. Jahrgang
Erscheint kä-Iich mit Ausnahme des Sonntags.
r>e „Gießener ZamillendlStter" werden dem .An-eiqerE viermal wöchentlich beigelegt, bol „Krtisblati fir -en Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Die „Londwirttchastttchen Lett« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejsen
Samstag, 15. Mai 19Q
Notationsdruck und Verlag der vrühvlche» UniverfitLts - Buch- und bleindrucker«. 9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition and Truckerri: Schule strahe 7. Expedition und Verlag: Redaktion: 112. Teß-Abr^ 2r^«gerSrr^n.
Sind die Ausgaben Hessens für die Erweiterung unserer vabnlagen seit 1896 unter.Zwang erfolgt oder nicht?
AuS Gießen erhalten wir folgende Zuschrift:
Wie au-3 Gcipr.ichen int hiesigen Publikum hervorgehi, ist ti'lra in einen», wesentlichen Punkte des Pr^utznch Hessttchen Cüciibahnrcrirag:» ein schwerer Irrtum verbreitet, ein Irrtum, der 1896 idion von dem Abg Woliskehl gegenüber dem Zentrums oi'gehölig« >i ?lbg 3(hmiit in der 2 M (immer berichtigt worden ist. Man nlaubt n-imlidj, Hessen fei durch den Vertrag gezwungen, die Gelder zu b c iv i l i i g c n , die Preußen für Bahn ermeitcrungen in unserem Lande, soweit Dessen diese zu befahlen hätte, fordere, und inan wein and) vielfach nicht, das; diese von uns verausgabten Gelder unfern Gc^ winnanteil erhöhen. Abg Wolsskehl sagte damals: „Es ift auSdriicklidi gewahrt in Ziffer 20 des SrfiluB« Protokolls, b a •:» Erweitern ngsprojekte, solche, die für hessische Rechnung aus geführt werden, unterbleiben müssen, wenn Hessen gegen diese Projekte Einwand erhebt." Nadi Artikel 12 des Ber trafl-3 soll Preußen in diesem Hall befugt sein, die betr. im B?r- febrvintcreffe für nottvendig rradileten Aufwendungen für eigene R chnung mit der Wirlimg zu madien, daß die Zinsvergütung der preuhisd>en Teilungsziffer zunächst. Diese Bestrmnrung hat Herr Gross; in seiner zweiten Broschüre abgedruckt: aber seine Aus- führungen an anderen Stellen erwecken den Glauben, daß Hessen bine Ausgaben machen muss c. So schreibt er in seinem Artikel in der Frkf. Ztg. vom 11. April: „Hessen hat zu leisten, lu a 4 non i h m verlangt w i r d und zu nehmen, w a ö es bekommt. Aus diesem Boden sind seither die Reinerträge Nisse des Gemeuischaftsnetzes verteilt und die unausgesetzten Mehr fordernilgen Tür Neu und Umbaute» bestehender Bahnhöfe, Strecken und Anlagen sowie für Fuhrrnittel usw. erhoben und gezahlt worden, und diese Iorderungeti wachsen beständig weiter, ohne Rücksicht aus die feit Jahren sehr ungünstige Finanzlage Hessens." Sind solche Ausführungen nicht geeignet, dem Publikiiin die Mei nuui beizubringen, Hessen sei in diesem Punkte wehrlos und sei gezwungen, sick, in Schulden zu stürzen, die ihm nichts cin> bring n ? Herr Gross; hat zwar üt der erwähnten Broschüre iS 22) selbst geschrieben, dah nad) dem Vertrage, — die he s fische Regierung immer noch Herr im Lande sei.
Richtig! Aber di.- oben zitierten Sätze der Frkf. Ztg. atmen einen anderen Geist.
Warum aber hat unsere hessische Regierung in der Aera Gnaulb dock) stets die «Gelder-gegeben und hat die Bauten nicht auf Mölten des preußischen Staates ausiühren lassen? Hätte sie dies nicht getan, so wäre unsere Eisenbahnschuld nicht um 109 Mill, g.wadnen 'Herr Grooß gibt schon 1910 ein Wachstum von 121 Millionen an. Er rechnet offeribar die bewilligten, aber noch nicht ausgegebenen Gelder mit. Hub 35 Millionen haben unsere hessische Regierung uitb unsere Kammern allein auf dem Äerbljoh für die Unmenge von unrentablen Nebenbahnen. Uni er Land bat sein Bahnnetz um 45 Prozent vermehrt seit. 1896, Preußen nur um 20 Prozent. Unsere Nebenbahnen wurden von ■896 dis 1906 um 245 Prozent vermehrt. Uns er Eisen dahnnetz ist das b i d; t c u c in Deutschland und deshalb zweifellos weniger rentabel.
Nun zur Beantmortuiig der obigen prüfte. Nachdem 93 c r trag bekommen mir für neue Boll bahnen , Bad» e r m. : t c r u n g c n , neue große Bahnhöfe und der- g l e i d) e n unsere Teilungsziffer um 3 P r o z e n t er b ö 1) t , für Nebenbahnen infolge geringerer Rentabilität n u r uni l> . Prozent. Da die Eisendahnrente in der 3eit billigen Geldes höher war als ber zu zahlenbe Zinsfuß, so rentiert.- n | i di bi e zuerst erwähnten Beträge um e t w a s m e b r als l Prozent. Jetzt ist infolge des höheren Zinswyes, wie Ministerialdirektor Ssfcnberg schreibt, auf 'Jin trag He lseus diese Bertragsbestimmung geändert worden. Wir bekom men letzt für Ausgaben der c r ft g c n a u n t c n Art I Prozent, für die Ausgaben zu Ncbciibahnzioecken 2 Prozent
Wie Herr Cifenbcrg schreibt, „madile man nt Hessen ) o - gar sehr gern solche A usw end un gen". Bi ein es er
achtens sind es in erster Linie die von unseren Ständen und unserer Regierung bewilligten Nebenbahnen, die ja zweifellos wirtschaftlich iclyr vorteilhaft für unser Land sind, die uns litten doch an Zinsen 1 bis
2 Prozent, wozu bann noch etwa zwei Drittel Prozent für Amor tisation zu rechnen sinb von diesen 35 Millionen. Das macht ] a li r l i di einen Unterschied zwischen Soll und Habe n von etwa 780 000 M art zu 2,25 Prozent gerechnet. Um diesen Preis hat unser Land die durch bi-- Nebenbahnen mehr erlangte Wirtschaftlich teit. _ ...
Es heißt entweder: Unser Land hätte entweder diese wirt schattlidien 93orleile entbehren müssen und dadurch seine sonstige EistnbahnreMe um etwa , Mill, erhöbt oder es büßt jährlich •'< Million z u und hat die Nebenbahnen. Aut tiefen Punkt legte auch Herr tttegierungsrat Endres in seinem hiesigen Vortrag großes Gewicht Bei seiner großen Amor^ tikatlonsforderuiig 1,65 Prozent müßte Herr Grooß den finanziellen Verlust mit 1’. Mill, einsetzen.
Wemr iemanb den Vorwurf erhebt, die eiultigen Vertrag- schließer hätten uns diese Lage, also auch die Schulden als fton- trauens der Bestuniuungen a u f g c z w u n g c n, so ist dies falsch. Es darf einerseits nidit vergessen iverben, daß unser Anteil sich wie oben angegeben, um 4 Prozent erhöbt und uns die Möglich feit, so viel für Hebung des Verkehrs in allen Berufszweigen^ind Bcrufskreisen gegeben hat. Wenn jemand die eingetretenen Tat- lad'en aus rein finanziellen Gründen verurteilt, so darf er nidit vergessen, unseren heft'iid>en gesetzgebenden Morixridiaftcn von 1897 ab den Vorwurf zu madien, von dem im Vertrag gegebenen Rechte der Verweigern n p ber Anforderungen der vrenßi - sd;eii Baliuverwalnmg an die hefsisdie Staatskasfc keinen Olebraud) gnnadit und nicht zu Preußen gesagt zu haben: Wenn du int Berlehrsinteresse diese Ausgaben für nötig hältst, so mache sic gefälligst ai deinei Tasche
Der Meinung aber bin ich, daß wir mit dem Ausbau unteres Bahnnetzcs cnblidi einmal ein maßvolles Temvo ein- schlagen m u s s e n, uamentlidi mit dem Erbauen von Neben - bahnen, die geradezu, und insbesondere infolge der großen Tidiiig - teil unseres Bahnnc. es, unsere Bahnrenten verzehren. Bei alle d'nn darf nicht Übersehen laerbcn, daß unsere Eisenbalmvalitik seit ixstti, wie Herr Pros. Dr. Biermer schon in seiner Vorrede betont, unserem Lande in teilt wirtschaftlicher Bezielumg die größten Dienste geleistet hat. Es muß zugegeben werden, daß die finanzielle Seite zu trmug beachtet morden ist. Tas liegt aber nidit an dem Eisenb.rhnvcrtrag selbst. Unsere Regierung wird lüuflig den aus der Zweiten 51 (immer an fi-* herantret enden Eisen bahnwünschen gegenüber zugelnöpfter sein müssen, als bisher. Regierung und Abgeordnete müssen eine Politik einichlagen, die die iinanüdle Seite neben der wirtsdiaftlichen in gebührender Weise berücksichtigt. Pwf. Luley.
Zu Lust von Darmstadt nach Bafel.
Darmstadt, 12. Mai
Oberleutnant Real von der 1. schweizerischen Milttürabtel lung flog auf einer deutschen Eulermaschinc von Darrn^ (tobt in die Schweiz.
Der aktive Schweizer -Oberleutnant Real, der bei August Euler das Fliegen erlernt hat, bat das seinem Lehrer während der Ausbildung gegebene Versprechen, von Darmstadt ui seine Heimat zu fliegen, heute erfüllt. Er flog unter sehr u n günstigem Welter und Windverhältnissen vorgestern von Darmstadt weg und brauchte bis Bensheim 20 Minuten, wo er wegen des böigen starlcn Windes glatt landete. Von Bensheim bis Baden Baden, brauchte er nur 1 Stunde 6 Minuten. In Baden-Baden übemadnete ber Flieger. Ter vorgestrige Tag idaubie ihm iniloge des Sturmes, der (Zwitter und des Regens l.'ine Weiterreise. (Aftern ist Oberleutnant Real von Baden- Baden nad) Basel, mit einer kleinen Unterbrechung in Heidersbeim in Baden, geflogen, roo er um 8 Uhr 10 Minuten abends glatt landete
Der Flug erfolgte ohne jede vorherige Vorbereitung, xic Fluguiaschine wurde weder von einem Mechaniker nodi einem Motorwagen begleitet, noch hatte der Flieger andere Werl;euge
als einen „Engländer" und eine kleine Zange bei sich, noch war an irgend einem Ort Cel oder Benzin bezw. Betriebsston bereit» gestellt. Er mußte iidi auf der ganzen Strecke da, wo er landete, seine Betriebsmittel selbst beitban.-u, io daß der Flieger, wie im Ernstfälle, ohne jede vorlwrige Versorg img ganz aut lidi leibst und auf d>- Mensdnm angewiesen war, i denen er zufällig landet? Oberleutnant Real hat die Absidil, noch werter in tue Schwei; bis Bern zu fliegen Es Durfte dies ein bisher tin$;g dastehender Fall sein, daß ein ausländischer Flieger von einer deutschen Schul- m fein Vat'rland flieat
Ter Apparat, auf dem schon mehrere Ferittlüge unternommen wurden, gehört dem Frankfurter Flugsportklub.
roanöem und Reifen, SSder und Sommerfrischen.
H öben 1 u stku i or t H o chw al dbau s e n am Vogelsberg. Es drängt einen iormlith, den Erholungsbedürftigen zuzurusen: Fetzt solltet Zdr in den Vogelsbttg [ominai, jetzt, wo ..alles, alles sich gewendet hat", wo „iluliider Vogelsang das Eiwadieu der Natur begleitet in sumvhonnchem Einklang. Die reine anregende kräftige Luft ist das ganze Jahr vorhanden, aber zu keiner Zeit ist die Natur so schön, so sreudvoll schön, so reid) an Farbe burd) den Blütenslor in Wald, Ham, Feld und Hag und das saftfrische Grün der Wälder.
- Miltenberg. Tie bayerische '?lnrtdftabi Miltenberg in Unterfranken, in idyllischer Lage zwischen Lpessart und Odeii^ wald, 130 Meter über der Nordsee, gegen rauh? Nordwinde durch die vorliegenden Svessartberge gesdüitzt, andererseits Fluß unb Wald allzugroße Hitze verhütend, erfreut iidi eines milden gleichartig warmen und doch erfrischenden .stlimaS und ist das Zick za Ist reicher Misflüaler und Sommergäste Die Gliederung d:r Berge macht die Landschaft reid) an schönen Bildern und Aus« blirfvn, herrliche Nadel und La,ibhot;-Waldungeii mit gut gepflegten markierten Wegen und Sipbäilkeii, direkt bei her 2tobt. Miltenberg, dessen Geschichte Über 2 Jahrtausende zurückreicht, hat interessante Baudenkmäler und zählt heule über 1000 Einwohner: katholische, evangelische und Israelitiidie äirdien und Schulen. Real-- und Handelssdmle, Proghmimsium. Höhere Tochter- schule usw : Wasserleitung. Kanalisation, elektrisches Licht, ms- derne Sdiwrmm nnd Badeanstalten mit Luft und ionnen- Bädern, (liegenbeit zum Rudern und Fischen. Äerzte und Apotheke gleichfalls am Platze. AIS dreisackfer Eisenbahn knoten - punkt auch Fuhrwerke zur Verfügung ist Miltenberg auch geeigneter Ausgangspunkt für Tages Touren
— Nordseebad Borkum. Illustrierter Führer miS Ortsplan und airielfarte. Jahrgang 1911. Expedition durch W Schmalbcs Buchhandlung in Emden. Alftährlich mbt die Borkumer Badedirektion den vorliegenden, banblidicn Führer, der kostenlos verabfolgt wird, nen hercuis: der diesjährige ist soeben erschicneti. Er enthält alles Wissensw . ^iiber das Bad und die Insel, wie auch Ratschläge für die Reue. TaS 72 Seiten starke Heft erhebt sidi weit über ine 'Rabemoivltc: u. a. inrrb in dem Manuel „Seeluft und Seebad" die Bed:utuno der Nordseelider als klimatische Mur orte und Badeorte aut wunitsdwftiicher Baiis begründet. Von den Neueinrichtungen für 1911 verdient besonders erwähnt zu werden die Waitdelnalle unb Promenade am Strand, deren mittlerer Teil mit überdachter vvalk. Er- srischnngsraum, Mnnivavillon nnd .stonzertplatz uttd zwe^ mach^ tigen zum Strande hinabsühreiiden Freitreppen zum Sommer fertiggcftcllt sein wird Tic Anlage, deren Gesamtkosten aut über eine Btertelinillwn iidi beziffern wcrdeii, ist ein Bauwerk, das einzig in feiner Art dastet.t und den bevorzugtesten Mittelpunkt des Badelebens in unmittelbarer 9Lcihe des Are er es bilden wird. Außerdem werden vier Tennisplätze nahe am Strand emge- riclnet werden, so daß auch zur Ausübung des Ballfports aus- reidwnd Gelegenheit ist. Eine Neuerscheinung ist der Borkumer Tattersall, der aud) Spazierritte am Strande ermöglicht. Unter den Illustrationen findet sich neben Tarstclluiigen über das Bad und seine (hnriditungen mancherlei, was Anspruch auf allgemeineres Interesse hat, B. die Bildckten über das Rettungs- wesen zur See, die Bogelkolonie, Levchttürni', Seebundjagd, See- und Strandbilder. Ein Anhang Einwohncrverzeichnis, Rur und Badertaxe, Auskünfte über Hotels und Pensionen, :lioisewege.
Die ber
diesen Barbaren wohnt kerne Muse " Diese Berackuung war cs, der die Leistungen der deutschen Frühhumanisten, des Eichstätter Tomherrn dllbrccht von Evb (ber in seinem Ehc- buch die Frage beantwortet, ob ein Mann sich verheiraten solle), des wün^mbergtsckcn Kanzlers Mclaus von Wnhe und des Autors der neuentdeckten Schrift allmählich ein Ende bereiteten.
blickten. Hat doch R o g g i o , der berühmte päpstlickie Sekretär und Aittor der Facetten, gefragt: „Sind die Deutschen Menschen? Nein, schlaftrttnkene, blodc, schnarchende Gc schöpfe sind cs und niemals nüchtern." Und Eampano schrieb: „Leben ist hier gleichbedeutend mit Saufen.
Barbarei der Geister ist ganz unglaublich. I-reunde Wissenschaft sind äußerst selten, der Eleganz gar keine: für das Studium der Humanität fehlt alle Fassungsgabc. Bei
_ Die Weimarer Nationalfest spiele für die deutsche Jugend finden betannrlich diesen Sommer wiederum statt, und zwar in drei Wochenreihen vom 25. Juli bis zum 12 August. Jede deutsche Sdmlerschaft, die von einem Lehrer geführt wird und sich bis zum 15. Mai d. I. meldet, erhält Frei platze im Großhcrzoglidren Hoitheater zu den Vorstellungen von Hebbels „Nibelungen", Shatefvearcs „Wie es euch gefällt" und Schillers „Räubern" und freien Eintritt zu den Weimarer Dichter Häusern und Museeii. Für die beiden ersten Wochcnrechen siiid die Anmcldmigen aus Nord- und Mfttcldeutfdiland so zahlreich gewesen, daß faiun noch ein Platz zu haben ist, zu der dritten Wochcnreihe 8. bis 12. August, die namentlich für die süddeutschen bestimmt ist, haben sich aber erst etwa zweihundert Schüler gemelder. Da die FesEpiele durch die Entschließung des Reichstags, sie läbrlid) mit 10000 Mart zu unterstützen, Reichs- sadw geworden sind, wäre es 'ehr erwünscht, wenn aud) 1'dton diesmal Hinreichend Süddeutsche tcilnähmcn. Finden auch die Süddeutsd.en - ungleich den Norddeutsdien — in der Thüringer Natur meist nicht mehr Anziehendes als in ihrer Heimat, io sind dock' die Multurcinbrüde in Thüringen ganz außerott>entlich reich und vielseitig außer Weimar kommen namentlich Erfurt, Eisenach mit der Wartburg. Jena, Rudclsburu, Naumbi'rg mit Dom tn Betracht und im Bunde mir den Vorstellungen sehr gecign.t, demschcr Jugend einen gewaltigen idealen Eindruck für das ganze Leben zu geben. Die '?üuneü>ung har bei der „Geschäftsstelle des Deutschen Schillerbmides", Weimar, zu erfolgen. Es können aud) einzelne Schüler, die mit ihren Eltern kommen, teil» nehmen. .
— Eine moderne Fnduuriehal le. Em mertwur- digeS Bauwerk, das zur Vorführung der ErrungeirfchaftiM der moderen Lerkehrstechnik dienen soll, wird in Neuvork erstehen, uni> t-as erforderliche Bauiapital von 8 Mülionen Mark ist bereits gesichert Das Bauwerr ist dazu bestimmt, Flngmaschrnem Mowr- boote, Auwmobile in der Fahrt zu zeigen, auf dem Tache ist
Line bisher unbekannte Schrift des deutfchen 5rühhumanismus.
In ber Münchener Hof- und Staatsbibliothek hat setzt ber Basler Univcrsitätsprofessor Tr. Rudolf Lug in- buhl einen Wiegendruck ausgcfunben, bet eine bis hör unbekannte Schrift aus der großen geistigen Bewegung dar- stellt, die zur deutschen Renaissance und Reformation env porsiihrt. Vermutlich dem Jahre 1478 angehörig, und in Straßburg gedrttckt, ist die Schrift für die Schweiz und Süddeutschland deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil sie eine in sich abgeschlossene D a r st e 11 u n g des berühmten Burgunderkrieaes Hari« des Zkuh- n e n bietet, geschrieben und gedruckt unmittelbar nach diesem folgenschweren Ereignis. Tic Inkunabel führt den '-utel Nicolai de preliis et oceasu ducis Burgundie histoma Nachforschungen ergaben, daß überhaupt nur •> >rtürf des kleinen, nur 36 Seiten umfassenden Druckes vorhanden iinb. -i.er Autor, ber unter dein überwältigenden Eindruck des Schicksals Karls deo Kühnen steht, betrachtet den ftampt, wie Luqinbühl in ber Deutschen Literaturzeitung aussührt, als einen Kamps zwischen Deutsch und Welsch. Er beginnt iein Werk mit der Verwunderung darüber, daß die ^.eutichen, bereit Taten nicht weniger groß seien ald bic anderer Völker, sie vergessen ließen, obgleich es ihnen nicht an Poeten und Rednern fehle und dies vielleicht im Gedenken an ein Wort Sallusts über die alten Römer, lieber Ausgezeichnetes zu tun, als Ausgezeichnetes zu reden _^er Zweck seiner Studie bestehe hauptsächlich darin, den Leiern zu zeigen, wie vergänglich weltliche, aus ein zufälliges Glück ausgcbaute Macht ist. Und als er zum Schluß seines Werkes seine Scknveizer Landsleute wegen ihrer Mut- und Disziplinlosigkeit tadeln muß, schreibt er die schönen Worte: Es ist Pflicht eines jeden Historikers, fidt bei feinem Volke einer schmeichlerischen Vertuschung schuldig zu machen, sott dem die Geschichte so darzustellen, daß ihre Wahrheit aus sich selbst spricht. '?iid)t weniger interessant ist, was Nico laus über seine Darsteliungswefte sagt: ,,<sd) bitte ben Leser, mit der Rauheit meines Stiles Nachsicht zu üben. Er möge bedenken, daß es Pflicht des Historikers ist, die Geschichte in unverständlicher Sprache darzustellen und nicht mit Worten zu verhüllen, denn dunkel berichtend, wird er nicht ein Erzähler, sondern ein Vernebler der Geschichte sein." Wer diese Worte lieft, tut gut, sich der Mißachtung zu erinnern, mit der die italienischen Begründer des Humanismus auf die literarischen Studien der Deutschen herab*
eine große Landungsstelle und eine Anlaufsfläche für Flugmasd inen vorgesehen, im Innern des Baues wirb ein 42 Meter langes und 20 Meter breites Wasferbassiu zur Vorführung von '’?totorf)ODian dienen, und um die Flugmaschincn unb Boote zu befördern, wird ein mächtiger Aufzug gebaut, der 8>Meter lang und ebenso breit} ist, und 300 Personen aus einmal zu den oberen Stockwerken oder auf das Dach führen kann. Im Unterbau dieses Industriepalastes wird ein mächtiger „Ratskeller" eingerichtet, der 6000 Gästen Raum bieten soll. Das Hauptgcschvß wird Läden enthalten, aber tne sieben höheren Stöde bienen ausschließlich AusslcllungSzwecken. Eine interessante archite!ionische Ncuerimg ist der bewegliche Boden des großen mutieren Hose« Durch einen sd)wierigen Mechanismus Tann der ganze Boden je nach Betwrf gehoben ober gesenkt werden, so daß man B. im mittleren Hose in der Höhe des 9. Siockwerles eine Ausstellung veranstaltet und das 10. unb 11. Stockwerk bann zu Logen und Galerien benutzt. Das merkwürdige Bauwerk soll in den Madisons Garten erstehen, die fertigen Pläne sind gegenwärtig dem Stadtbaurat von Neuhor^ zur Genehmigung eingereicht.
— Eine, die viel älter sein wo! Itc, als sie wa r^ Tie angeblich älteste Frau Teuisdüands,^ die am 1. Mai in Spitzcndorf ftn Bäuerischen Wald verstorbene Frau Josepha Eder, ist, wie die M. N. N. mitteilen, nicht 117, sondern nur 83 Jahre unb 46 Tage alt gewesen. Sic war infolge kümmerlicher Ernährung und harter Arbcft frühzeitig verwelkt und verwittert^ unb als sie vor 42 Jahren aus Böhmen nach Bayern kam mit ihrem damals 70 jährigen Manne, den sie kurz vorher geheiratet halte, da galt sie als gerade so alt wie er. Und der Glaube anderer an ihn gemeinsames hohes Alter war das Einzige, was der Mann der armen Frau hinterließ, dre als Witwe wieder von Almosen (eben muRic, wie zuvor. Als jedoch vor fünf Jahren ihre Ortsgcnoft'en die Zeftwigen auf die vermeintlich 104 jährige aufmertfam machten uni> fic alljährlich fest dem von Sommcrtourlstcn befudn uno beschenkt wurde, harte bic 2llte bessere Tage, und sie glaubte selbst daran, daß sie 105 ober, wenns sein solltze, auch 115 Jahre alt sei, und beannvortetc die ewigen Fragen nach ihrem Alter sehr einfach mit den Worten: „Jo, jo, bin holt recht oft!" Bor ein pcun: Jahren öffnete em gut gemeintes Gedicht des Münchener Schrift* stellers Marimrlian Schmidt, bei bic Not des alten Weibleins i'chudcrtc, Herzen und Hände, so daß außer einer Menge anderer nützlicher Geschenke ein Kapitälchen von 3500 Btark für die Alts. Aiiianimenlam. An einem cimigen Tag gingen 92 Postanweü'unyen nir sie cm und aus fast allen Städten und sehr tnelcn Orten Banerns, aus O esterreich - U ngarn, oer Schwei-, aus Italien und Frankreich waren Sendurrgen eingelaufen. I<.oensafts schres mit dct merkwürdigen Alten eine Frort aire dem Leben, die als seltene AusiNibme ihres Geschlechts gerne viel älter sein .vvltte ats sie war, aber nur br Not gehorchend, nicht ben eigenen Triebe, Die Ieuungcn hatten iic aber zur ältesten Frau Demlchlands. und d.cr angren^enben Dörfer gemacht.


