Ausgabe 
14.7.1911 Erstes Blatt
 
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seine vier BändeKleinert; Schriften", die er so knapp wie treffendWege zur Kunst",Wege zur Freiheit",Wege | zur Liede",Wege zur Heimat" überschrieben hat, über­blicke den ungeheuren Reichtum der Ideen, die frische Schön­heit männlicher Ausdruckskraft, die an beste Muster deut­scher Sprach«unst gemahnt, diese neue furchtlose Sittlichkeit um Hirths eigenes Wort y.i gebrauchen und man wird sich hüten, diesen wahrhaften Ritter vom Geiste zu unterschätzen.

Geht man auf die Anfänge der Hirthschen Publi­zistik zurück und verfolgt ihre nie unterbrochene Entwick­lung durch die Jahrzehnte vom großen deutsch-französischen Kriege bis heule, so imponiert in ihrem Zuge die Festig­keit und Logit, mit der sich die Auswirkung des Ebaratte riitischen in dieser reichen, rastlosen Persönlichkeit vollzieht. Richt nur das ursprüngliche Verwachsensein dieses Schrift­stellers mit allem, was zum Körperlichen des feinsten Geisteserzeugnisses gehört: das Buch, der Buchdruck, oie Buchausstattung, uer Buchhandel, das Bild feine ein» -gebende Befchalngung mit allem Materiellen und Tecy- nifchen und nnn|u)amici) Gebundenen eines trete» getTrigcn, zugleich gelegnen und künstlerischen Berufes, macht unseren Georg Wirth zu einer der eigenartigsten, mit besten ameri­kanischen Zügen ausgestatteten Persönlichkeit in der mo­dernen Schriftstellerwell. Auch sein unstillbarer Trang, im Zause seines bewegten Lebens mit tlammernden Lrganen zu umfassen, was alles zum Aufbau eines machtvollen Kulturreiches von der Art Deutschlands gehört, das Poli­tische, das Statistische, das Volkswirrfckafttich-Junstische in seinen ersten Werken ist dies alles schon mit einer er ftannlichen Kraft durch die Wahl der Stoffe und ihre Be­handlungsweise ausgedrückt. Mit der Hand auf den Texten dieses Geistmenschen läßt sich das ganzeeMc Gewerbe eines seinem Volke und seiner Kultur sich weihenden modernen Arbeiters, der zugleich ein moderner Aristokrat, als ge­schlossenes, in sich vollendetes Lebensbild zur Anschauung bringen. Ein guter, hilfreicher Kamerad, stand er seinen Bcrnfsgenossen zur Seite, allen Werdenden und Ringenden ein treuer Führer und Berater. Aufbrausend im gerechten

Zorn ruhig und gefaßt im den Momenten eigener Rot und Hilfsbcdürftigteit, ein aufrechter Mann, ein schlichter Mensch.

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Tie literarische Ehrengabe für Dr. Hirth vereinigt die besten Ramen unserer Schriftsteller und Gelehrtenwett.

Ludwig Ganghofer gratuliert Dr. G. Hirth, einem freien Bürger der Welt, zu einem Ehrentag seines starken Lebens mit diesem Sinnspruch:An der Scholle kleben. Das heißt nicht leben. Zerbrich, was dich hält, <^ci ein Bürger der Welt, Und streck dich und schaue! Gewinn dir und baue Die Erde zum Haus: So lebst du dich aus!"

Gut zu der Sentenz von Gerhart Hauptmann:Wo kann man die Menschen hinführen? Ich fürchte, nur immer wieder in den Kampf", fügt sich der Spruch Ernst v. Wol- zogens:Kalt bedacht und heiß getan. Stets gestiefelt auf dem Plan, Gut gebrüllt und brav gerauft, Riemals hinterdrein geschnauft, Und am Gestern sestgeklebt, Heiß' ich mannhaft-schön gelebt!" Uebers Grab hinaus hat ein Unvergeßlicher, Felix Mottl, folgende Strophen aus Goethes Künstlcrtied gewidmet:Wohl erfunden, klug er­sonnen, Schön gebildet, zart vollbracht, So von jeher hat gewonnen, Künnler kunstreich seine Ntachl."

Geheimrat Dr. Paul Ehrlich aber, eine der in der letzten Zeit meistgenannten medizinischen Berülnntl>eiten, schwingt sich zu folgendem Dithyrambus auf:Der Mensch­heit gabst du die ewige Jugend, Und ihren frisch-fröhlichen freien Sinn, Und führtest als Kampfer für Schönheit und Tugend Zu fonnenbeglänzten Höhen sie hin. Und auch in des Lebens tiefernste Fragen, Versenkte dein Geist sich, erhellt und verklärt: Wohl dem, der da Rechtens öon jid) selber kann sagen. Daß ewige Jugend er so sich beschert!"

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Tas 50-jährige Proscssorcnjubiläum feiert am 1*. Juli der Internet, Geh. Medizinalrat Professor Dr. Theodor Weber in Halle <L S. Der Erlanger Physiologe, Geb. Hofrat Professor Tr. meb et phil. Isidor Rosenthal vollendet ani 16. o. M. das 75. Lebensjahr. Er stammt aus .Labischin bei Bromberg.

Die heutige Stammet umfaßt 12 Seiten.

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wir

Schriftsteller, Maler und an-

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ein Aufklärungs-Schriftsteller ersten Ranges. Man nehme

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nicht bereuen,

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In den Räumen derJugend" fand eine größere Feier statt, bei der die Mitarbeiter derJugend", wie be­reits gemeldet, einen prachtvollen, nach einem Entwurf von Prof. Julius Diez gefertigten Kunstfchrein Übergaben, ge­füllt mit Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen bekannter Münchener Künstler, mit literarischen Beiträgen der deut­schen Schriftstellerwelt.

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Die deutschen Schiffe vor Agadir.

TieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Wie erfahren, tritt das SchiffPanther" nunmehr von

Teneriffa aus feine Heimreise an. An seiner Stelle Übernimmt der derzeitige Stationär von Deutsch^Südwest-

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Kante

Neuen Büuc 17

Strasse 65 -

Georg hirth.

Dr. Georg Hirth in München trat gestern ins 70. Lebens­jahr. Das Schassen dieses hervorragenden Mannes gehörte seit srüher Jugend der Publizistik. Hirth war ein reichs­deutsch empfindender Mann, schon in jenen Tagen, die der Geburt des geeinten Vaterlandes vorausgingen. Er gab erst allein, dann mit Max v. Seydel die Annalen des Deutschen Reiches heraus, in denen er auch aus volkswirt­schaftlichem Gebiet sich hervortat. Als hochbegabter Tages­schriststeller wirkte er dann vorübergehend bei derAll­gemeinen Zeitung", jahrzehntelang aber bei denNeuesten Rach richten", deren Mittnhaber er wurde. Seine Schöpfung

Michael Georg Conrad, der ihm jahrelang durch persönliche Freundschaft verbunden ist, charakterisiert Georg Hirths Wesen, freimütig und zutreffend in denM. N. N." also:

Hirth ist in jedem Sinne, im objektiven und subjekttven,

Bäckerei

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Der versaffungriamps in Mecklenburg.

Dor einigen Togen wurde in Stavenhagen, der Geburt» pabt Fritz Reuters ein Denkmal des plattdeutschen Dichters enthüllt. Lebte er noch, der große Humorist, er würde sich eines herzlichen Lachens nicht haben erwehren können, wenn er gesehen hätte, wie neben Burschensckwftern aus Rostock und Jena, Bürgern, Bauern und Arbeitern sich auch die großherzvgliche Familie und der hohe Adel des Landes an dieser Enthüllungsfeier beteiligten Denn Fritz Reuter war ein echter und recyter Demokrat, den die konservativen Platter, wie das erst ganz kürzlich versucht wurde, nie­mals für ihre Partei in Anspruch nehmen können, mag er auch eine Zeitlang Landnnrt gewesen sein und derCcfo nomie" zeitlebens ein reges Interesse cntgcgcngcfaracht haben. Ja, er wäre als Mitglied der konservativen Partei I ichon deshalb undenkbar, iveil er unter dem reaktionären System seiner Zeit so gelitten hat, daß er, der ursprünglich wegen staatsfeindlicher Gesinnung zum Tode verurteilt war, 1 die Folgen seiner Festungshaft zeitlebens an seinem Körper

ist die fugend".

In Attinchen, wo Hirth, derSchorschl", geradezu po- oulär ist, hat man den freudigen Anlaß gern wahrgenom­men, den verdienten Riann würdig zu feiern. Bereits am Sonntag fand aus diesem Anlaß in Gmund am Te­gernsee, wo Dr. Hitth seit 30 Jahren zum Sommeraufent- halt weilt, eine von Ludwig Thoma veranstaltete Vor- mitutroutw..... iv. feier mit einem großen Festzug statt, die sich zu einer

n,-inner Huldigung der gesamten Tegernseer für den geschälten Mün-

chencr Jubilar gestaltete Außerdem beteiligten iid) an der

beratung der Vorlage verzichteten. Es begonnen dann 1910 bis 1911 sogenannte kommissarisch depntatarische Der Handlungen und verdichteten sich zu einem Entumrs, nach dem der Landtag für Mecklenburg Schwerin aus 92 Ab geordneten bestehen sollte, von denen auf die Ritterschaft 24, auf die Landschaft (einschließlich Rostock und Wismar' ebenfalls 24 Abgeordnete, auf den ländlichen Großgrund besitz 7, auf Heu ländlichen Kleinbesitz 12, auf die Städte und Marktflecken 10, auf die Geistlichkeit und die Landes- Universitäten je 1, sowie auf die übrigen wissenschaftlichen Berufsstände 3, auf die Handelskammer, Handwerkskammer und Landwirtschaftskammer zusammen 10 Abgeordnete ent fallen sollten Die Vertreter des Großgrundbesitzes, also 31, sollten dabei unmittelbar und öffentlich, die der Land schast, des ländlichen Kleinbesitzes, der Städte und Flecken, der Geistlichkeit, Landesuniversität, der wissensckwftlichen Berussarlen, sowie der wrrttchaftlichen Crgann'ationcn mittelbar durch Wahlmänner gewählt werden. Aber auch dieser dritte Entwurf verschwand in der Versenkung, iveil die Ritterschaft ihn für unannehmbar erklärte.

Dennoch scheinen die mecklenburgischen Regierungen die Verfassungsreform nicht aufgegeben zu haben Finden doch heute im Ständehaus zu Rostock neue Verhandlungen mit der Ritterschaft über vorläufig noch unbekannte Reform Vorschläge der Regierungen statt. Sie scheinen den letzten Akt der mecklenburgischen Verfafsungstragikomödie bedeuten zu sollen: die Regierung dürfte hier der Ritterschaft das äußerste bieten, was sie überhaupt vermag. Erklärt sich die Ritterschaft mit den Vorschlägen, für die man wohl sck)on vsrher die Genehmigung der Landschaft und der wenigen, eine Ausnahmestellung genießenden Städte ein gchott hat, wieder nicht einverstanden, jo dürften die meck­lenburgischen Regierungen endlich entschlossen sein, den beiden Großherzogtümern eine Verfassung aufzuoktroyieren, oder an den Bundesrat zu appelieren, damit dieser im Reichstage eine Verfassungsbestimmung durchsetzt, nach welcher zum Deutschen Reich nur Staaten mit einem wirk lichen, aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Parla­ment gehören dürfen. Tatsächlich entschlossen scheinen die beiden mecklenburgischen Regierungen bisher noch nicht zu sein, aber es ist immerhin möglich, daß sie nach den wahr­scheinlich im liberalen Sinne ausfallenden Reichstagsneu­wahlen die Kraft zum Handeln gewinnen.

Rostock, 13. «Juli. Heute laaic im Ständehius zu Rostock der von 300 Mitgliedern besuchte all gemeine Ritter- schastskanvenr, welcher eine Entschließung zu dem Anträge des Landrats Grasen von Sckrwer in-Mildenitz, betreffend die Grundlage für weitere Verhandlungen über die Zusammensetzung der Landtagsvcrsammlung von Mecklenburg annahm. £hnc sich indessen aut Einzelheiten festzulegen, betonte die Ritterschaft, an folgenden Punkten fcstha11rn zu müssen: 1 Zu­sammensetzung der Landtagsversammlung aus drei anträherud gleichen Tilrn, 2. Zusammensetzung des dritten Teils je zur.Hälstc aus Vertretern des Tomäniums und anderweitigen Personen. Keinesteils darf diese dritte Gruppe stärker sein als eine der beiden anderen. 3. Ausschluß allgemeiner Wahlen, wozu die breite Masse der Bevölkerung hinzu- gezogen wird. 4. Das Recht der ilio in partes für jede der drei Gruppen, wenn es sich uni eine Aenderung der Verfassung, obrigkeitlichen Rech-te und der Verwaltung im Bereiche der Ritter jd att und Landschaft hantelt; Widerspruch einer der drei Ölruppen genügt zur Ablehtrung, 5. der so zuiammengesetzlen, auslösbaren. Landiagsrer'ammlung wird das volle Budgetrecht gewährt.

afrifaEber" für den vor Agadir liegenden S r e u z c rB c r l i n" den P o st - n n d Telegraphen- dienst und l ö st d i cB e r l i n" z e i t w e i l i g a b, falls diese zum Kohlen vorübergehend einen anderen Hafen auf­suchen sollte.

Tanger, 13. Juli. Zum ersten 9)iak hat heute der drahtlose Telegraph zwischen Ioz und Tanger gearbeitet. Das erste Radiogramm sandte der Sultan an El Mokri. um diesen von dem in Fez herrschenden Frieden in Kenntnis zu setzen.

spüren mußte.

Jetzt aber huldigt dem im Jahre 1874 Verstorbenen sein angestammtes Herrscherhaus und die wohledle Rittersckwft, einschließlich der berüchttgten Bertha Rother und des Kur pfusck>ers Schäfer Alst. Der Grund hierfür kann neben bei dichterischen Bedeutung Reuters nur darin liegen, daß der 3ugenbtraum des Stavenhogencr Bürgermeistersohnes, bie Einigung Deutschlands, ja längst erfüllt ist, unb man baher sich verpflichtet fühlt, dem bemokratischen Sünber Milde augedeiyen zu lassen, indem man ihn als den größten Tichter Mecklenburgs feiert. Aber das, um was Fritz Reuter neben der Einigung Deutschlands zeitlebens gerungen: die Einführung einer wirklichen Verfassung in Mecklenburg, sie it auch heute noch nicht zur Tatsache geworden, unb es scheint fast, als sollte Reuter mit seinem Wort aus ber Urgeschichte Mecklenburgs:Unb Allens bliwt beim LU en" noch auf gcrcuimc Zeit hinaus Recht behalten.

Die Schuld baratt tragen nicht bie Großherzöge, fonbern lediglich bie Ritterschaft, bie sich weigert, zu den Staats- ni)tiven big Feiten in ben beibeit Mecklenburgs, die infolge- 1 dessen kulturell sehr hinter den übrigen deutschen Bundes floaten Aurückstehen, das ihrige beizutragen. Natürlich wünschen sie ihr Uebcrgewicht im Landtage aufrcchtzuer - tplteit, weil sonst ihre Privilegien in die Brüche gehen wür­den. Haben es doch die Regierungen in den letzten Jahren Nicht an Ber such en fehlen lassen, die trotz einiger Abände ringen in den Julien 1621 unb 1755 auch heute noch im allgemeinen beslehenbe Verfassung von 1523 im modernen Sinne zu revidieren. Sie schnitten am 4. März 1907 bie Weuorbnung ber ständischen Verfassung an, mit der sic nicht yi regieren vermochten, da bie Ritterschaft in bem gemein» Kimen Landtage allmächtig roar, fortgesetzt das Landes- i>ubget beschnitt unb sich ben kulturellen Forderungen ber Landschaft widersetzte. Man ist daher dem Ziel, die ftän bische Verfassung zugunsten eines sich bis zu einem gc- - wissen Grade aus allgemeinen und korporativen Dahlen zusammensetzenden, für beide Mecklenburgs gemeinsamen Landtage abzuändem, nicht näl)cr gekommen, obwohl man der Ritterschaft immer weitere Zugestäiidnisfe machte.

Denn beit ersten Entwurf von 1908 zogen die Regie­rungen von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Stre- liy schon nach Jahresfrist zurück, weil die Ritter gegen ihn aufbrauften. Der zweite, der im Johre 1909 folgte, und mit dem sich die Landscl-aft bis zu einem gewissen Grade einverstanden erklärte, stieß ebenfalls auf ben Widerstand der Ritterschaft, worauf die Regierungen aus die Dciter-

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politische Tagesschau.

Zwei Jahre ohne Bülow.

TieVoss. Ztg." erinnert daran, daß am 13 IuN zwei Ialne verflossen waren, da der frühere Rcichskaiizlei' Fürst Bülow einem Zeitungsschreiber, der ihn besuchte, die Gründe seines Rücktritts entwickelte, um mit einigen Irr­tümern und Unwalrrheilen aufzuräumen. Das sollte seine letzte Aeußerung sein:

Ich bin gewillt und werde fest babei bleiben, nach meinem Rücktritt politische Kundgebungen an die Oefsentlichkeit zu ver meiden." . ...

Er ist, so schreibt dieVoss. Ztg." werter, biejem Vor­satz nicht untreu geworden, wie oft auch Ersuckien oder Versuchung an ihn herantrat. Er, in der (Gesellschaft ber glänzendste Plauberer, ist im Staatsleben ber große Schweiger geworben Und der große Gebulbsmensch. Er wartet. An jenem 13. Juli 1909 berief er sich auf Bismarck, ber gesagt habe, es lasse sich meist nicht im Augenblick, fonbern erst nach Jahren beurteilen, ob eine .Aktion richtig fei ober nicht:

Tas gilt auch für die Aktion, welche die Führer der kon­servativen Partei jetzt gegen mich in Szene gesetzt haben. Cb sie richtig und für das Land ersprießlich war, wird sich bet den nächsten Dahlen zeigen . . . Die Sozialdemokratie befindet sich jetzt in rückläufiger Bewegung. Dir werden sehen, ob die sozial demokratische Flut weiter zuruckgehen wird. Wir werden auch sehen, ob die Fortschritte des Demschtums in der Ostmark . . weiter entwickelt werden . . . Wenn nicht, so wird man darin das schlimme Ergebnis der Haltung der Konservativen zu sehen haben, die dann als frivoles Spiel mit den Interessen der Mo­narchie und des Landes erkannt werden würde. Bei P.hi- livpi sehen wir uns mieder/'

Tas ist bas politische Testament bes Fürsten Bülow, datiert vom 13. Juli 1909. Unb nun wartet er. Er wirb nicht so lange zu warten brauchen wie einst ber Freiherr v. Stein, als er sein von Schoen verfaßtes Testament ber Welt übergeben hatte. Er wirb auch nicht über bem Warten zum Griesgram werden. Was er unb andere in diesen zwei Jahren erlebt, bas zeigt einigermaßen, baß er durch die Entwicklung Recht bekommt. Tie Sozialbemokratie hat Sieg auf Sieg errungen. Tas Deutschtum in ber Ostmarck hat nicht die Empsinbung, auf einem Triumphzuge begriffen zu fein. Unb über ein lveuiges, so werben bie Wähler wählen zwischen Bülow unb dem schwarz-blauen Block.

DieBoss. Ztg." schließt ihre Betrachtungen mit fol­genden Worten:

Denn die Menschen recht schlecht werden, kennen sie feine andere Freude als die Schadenfreude. Der Sommer­gast von Norderney wird fick) von Schadenfreude frei wissen; er wird ber Sozialdemokratie keinen Sieg wünschen. Aber er müßte blind fein, wenn er diesen Sieg nicht kommen sähe. Er schweigt und wartet, und wenn er im Januar vom Monte Pineio sein Haupt nach Norden wendet, dann wird die Probe auf das Exempel gemacht und das Wort erfüllt fein, womit er heute vor zwei Jahren feine letzte politische Kundgebung schloß: Bei Philippi sehen wir uns wieder!"

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m. 165 Erstes Blatt 161. Jahrgang Freitag, 14. )uli 1911

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ffiSr General-Anzeiger für Gberyeffen WLK- 1nna»,zTrü^? No«aN,nrdn«k und Verlag der BrüljIfdjen Univ.-Vuch. und Steinöruderei H. lange. Reöaftion, LrpedMsn und Druderel: Scfculftrafie 7. ®'nir.r'n jS »orrniuags 9 ühr. vudingen: Zenisprecher Nr. 50 Seschäftrstelle vahnhofstrahe (6a. Anzeigenteil: H. Beck.

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