Ausgabe 
21.10.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 248

ein

Werben.

dS-L-

Samstag, 21. Gttober 1911

Rotattcnfbrud und Verlag der Vrühlfcheo UniDerfnätfl Buch- und 6teinbru<fcrtL 91 Lange, Ließen.

V/o Stunde.

beispiellose Ersolge. lzewöhnliche Preise.

> dem Leben einer i von Urban Gab. n der Hauptrolle die nüdarstellerin

In der Aussprache sprach zunächst Sladtv. Krumm die Hoffnung aus, baß cm Natioiialliberalcr, ober einer von bencn, die als Parteilose Eingesandts schrieben, hier sprechen jvurbe. Parteilos seien nur die, un Trüben uiü,ci. wollen, aic Lcpulb, daß die gemeinsame Front ber Linken nicht zustande gekommen sei, liege nicht an ber Sosialbemofraiic ober an den Fortschritt­lern. Tie Verhältnisse zwängen seine Partei dazu, jebe Gelegen­heit zu benuöcn, Anhänger zu werben, rcenn es auch im einzelnen Nachteil bringen könne. Tie Schuld an ber Nea. non in Hessen trage die nanonahibcrale Partei, die von den ialdemokrat.n in erster Lime bekämpft würbe. Eine Partei, die Vertrauen zum

Rebaflton. Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: bl.

Webafnorce^® 112. Tel.-21droAilzeigerLießen.

cr gewählt werde, werde er seine parlamentarische Tätigkeit in stän bigcr Fühlungnahme mit den Wählern ausüben unb auch bic Interessen derer zu vertreten suchen: die ihn nicht wählen wollten. Ihm erscheine die Ausübung des Mandats als Pflicht, die Er lcnntnis der schweren Not ber Zeit habe ibn zur Politik getrieben. Wenn er gewählt werde, werde er das Wohl des Volkes zur Richt chnur seiner Tätigkeit nehmen und seine Losung werde sein: Vorwärts immer, Rückwärts nimmer'" (Lebhafter Beifall.)

Steift* *

Direl.tion:

SonntazdeK.-Udl

Kleines,

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Standesamtrnachrichten.

Altenvuieck.

Aufgebot e: Oktober 18. Johannes Becker, Hütten­arbeiter in Alten-Buseck, mit Katharine Jung in Staufenberg.

Eheschließungen: Oktober 15. Karl Wilhelm Stau- bach, Postbote in Alten-Buseck, mit Maria Schmitt ii^ Gießen.

Geborene: Oktober 18. Tem Taglöhner Heinrich Müller III. ein Sohn.

Erscheint täglich mit Ausnahme dek Sonntag».

TieEirßener ZamMenblütter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich deig-legt, da» Brei,blatt fflr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tierandwirtschaftlichen Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

ien.

^alnc 'N den Herren^

."^bgrundc",' kalter" zu fo. etL Jede Rolle ist unvergleichlich die uey.de mimische Dar- f lWtallesin reichem' 'trqibt, und alle Mit-. nzb istungen hinreibt.' MlSUjiz

!N ielfen gespielte H-Films ^siwßzügiggcsührt HWer Vollendung lnkvsteu sicherten wir mgsrecht dieser Ider für Giessen d)cnt Kunstgenüsse in ie ersten Licht- r Welt bieten.

nen Don heute ab:

UleiN'Linden.

Geborene: Oktober 12. Tem Bergmann Heinrich Klamm Sohn, Erich.

Sterbefälle: Oktober 14. Johann Brandenburger,

Beifall.)

Pros. U r st a d t hält bann ein kurzes Schlußwort, in dem er ausführt, daß er auf seinem Posten sein werde, wenn er nach Darmstadt gesandt werde.» Es handle sich um eine wichtige poli­tische Entscheidung, um die Niederringung der Reaktion, da dürfe man sich nicht durch Nebendinge ablenken lassen.Frisch voran, begeistert in den Kampf, Gießen immer fortschrittlich". (Lebhafte Bravorufe.)

Ter Vorsitzende schloß die Versammlung mit der Aus- forderuna, dazu beizutragen, den Ruf Gießens als eine Hochburg des Freisinns aufrecht zu halten. In das von ihm auf Hessen und die Stadt Gießen ausgebrachte Hoch wurde lebhaft eingestimmt.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejftn

Pfarrer Korell, mit lebhaftem Händc.latschen begrüßt, leitete seine Legitimation zum Eintreten für Urstadt aus den ge­meinsamen Kämpfen bei der letzten Reichstagswahl und au5 seiner Tätigten als Mitglied der liberalen Einigungskommission her. Er habe bis zuletzt für eine Einigung der Liberalen auch tn Gießen gearbeitet und daraus leite er seine Berechtigung her, hier mitzuarbeilen, daß das zweite Gießener Mandat der Fort- ick'riltsvartei zusalle. Tie Einigung butte nur auf dem Boden der vollständigen Gleichberechtigung geschehen dürsen. Ieden'alls ..i hl . u Streit darüber sein lassen, wer am Scheitern der Einigung Schuld sei. Auch die sogenannten Unparteiischen, die ihren Sens jetzt in Eingesandts absetzten, sollten ihre Täcigic.t einstellen. Tie Voltspart.i habe das Recht, Einigungsverhandlungen mit der nationalliberalen Partei zu füllen, sie sei fein Verein zur Erhaltung sozialdemo­kratischer Mandate. Man habe die von den Nationalliberalen angebotenen Einigungsccrhanduin.icii mitgcmacbi, um eine Beise- rung ber Zusammensetzung des Landtags herbeizusühren durch die Bekämpfung der Agrarier, Antisemiten usw. Der Redner gab bann einen Ueberblirf über bie gepflogenen Ernigungsvcrhand- iungen. Bet ben letzten Einigungsverhanblungen in tftanfiurt habe es sich vor allem um Tarrnstabt unb Gießen gehanbelt. Nachdem von hiesiger nationalliberaler Seite erklärt worben sei, baß fte m Darmstadt nicht genügenden Einfluß hätte, um die Unteritützung Henrichs zu erreichen, sei von nationalliberaler Seite crfumt ivotben, Mainz gegen Gießen auszutauschen. Tas hätten bie Vollsparteiler abgelehnt, weil ihre Partei zahlengemäß in Mainz leinen Anspruch aus em Mandat habe. Auch die Mainzer Nalio- ualliberalen hätten erklärt, baß sie bas Manbat nicht haben wollten. Nachbem bic Gießener Nattonalliberalen auch von ber Vcrein- Lirung wegen einiger oberhessischen ländlichen Wahlkreise zurück- getreten seien, habe er (Rebner) ben Vorschlag gemacht, Henrich solle in Tarrnstabt unb Klingspor in Gießen zurücktrelen. Auch bas habe man abgelehnt unb den Vorschlag nicht einmal nach Tarmstabt mitgeteüt, trotzdem während der Verhandlungen das Telephon eifrig zwifchen Frankfurt und Tarmstadt gearbeitet habe. An demselben Abend habe die nationalliberale Partei in Darmstadt den Regierungsrat Bastian aufgcilellt. coinit sei es nur in Mainz zu einer Einigung gekommen und er selbst bemühe fich, in einem rheinhessischen Bezirk einen Nationalliberalen zu unterstützen, um den Bündlet Wolf zu beseitigen. Daß bie Nationalliberalen auf Grund ihres Versprechens, bei ber nächsten Neichstagswahl die fortschrittlichen Kandibaten in Gießen zu unterstützen, das zweite Gießener Landtagsmandat verlangten, sei durch nichts berechtigt. Wenn man einen libe­ralen Vertreter Gießens im Reichstag wolle, müsse die national­liberale Partei die Fortschrittspartei unterstützen. Von den Gießener Nationalliberalen glaube cr es ja, nicht aber von allen ländlichen. Tie schlimmste Schmähkarte an ihn nach der letzten Reichötagswahl in Gießen sei von zwei nationalliberalen Unter­führern in dem Kasino eines oberhefsischen Städtchens geschrieben worden. Trotzdem sei man dazu bereit gewesen, das zweite Gießener Mandat den Nationalliberalen zu überlassen, wenn man etwas dafür erhalten hätte. Aber die Darmstädter National- liberalen hätten hernach abgelehnt, weil Henrich kein Akademiker sei und weil cr namentlich von den Jungliberalen grundlos als mittel- standsseinblich bezeichnet worden sei. Die Nationalliberalen müßten die Fortschrittler als gleichberechtigt anerkennen, wenn man wirklich die Einigung wolle. Bei ben nächsten Reichstags­wahlen werbe ben Nationalliberalen Hessens vom Liberalismus eine Rechnung präsentiert werden, die sie bezahlen müßten, bic heißeAlzey-Bingen". Urftabt sei eine liberale Persönlichkeit unb es sei bcleibigenb, wenn man von einem Manne anderen Standes sage, baß er bie Interessen der anderen Stände nickt ver­treten könne. Eine liberale Persönlichkeit komme im Parlament nur dann zur Geltung, wenn sie in der Grundstimmung ihrer Fraktion genügenden Rückhalt habe, das sei bei den hessischen Nationalliberalen nicht der Fall. Tie Fortschrittspartei wolle ihre Partei im Landtag verstärken, mit Parteilosigkeit komme man nickt weit. Tie Fortschrittspartei habe das Recht, ihre Partei zu verstärken, weil sie allein als bürgerliche Partei für die ver­fassungsmäßige Gleichheit aller Staatsbürger und für die Er­haltung der Vorrechte der Zweiten Kammer eintrete. Tas neue Schulgesetz werde nicht allzuviel bringen, aber doch soviel, daß cs dem Zentrum, ben Bauernbündlern und einigen Nationallibe­ralen zu weit gehe. Tann werde bei SSiebereinbringung ber Vor­lage das neue Durchstimmungsrecht zu ungunflen der Mehrheit der Zweiten Kammer entscheiden. Beim Wahlgesetz habe die Erste Kammer ebenso ihren Willen durchgesetzt, wie bei ben an­deren Gesetzen. Tie Erste Kammer habe eine Reihe von Mitglie­dern, bic außerhalb bes Lanbcs wohnen, währenb man brei Jahre im Lanbe wohnen muß, um für die Zweite Kammer wahlberech­tigt zu sein. Tie Erste Kammer sei für ihn etwa das, was der Blinddarm im menschlichen Körper sei. Man wisse nicht, für was ber Blinbdarm ba sei, wenn er sich entzünde, lasse man ihn operieren. Tic Erste Kammer solle bleiben, was sie sei, eine repräsentative Einrichtung ber großen Herren, aber sie solle nicht gleiche Rechte mit ber Volkskammer verlangen. Aber bie Erste Kammer habe ihren Willen durchgesetzt, weil sie wisse, was sie wolle Tas sei bei der Zweiten Kammer nicht der Fall. Deren Mehrheit sei zu gefügig gegen bic Erste Kammer

unb baran seien bic Wähler fchulb. Im nächfien

Lanbtag handle es sich um Fragen, bie wie Scheibcwafser mir* fen Für das Schulgesetz habe bas Zentrum feine Forberungen schon aufgestellt, es werde seine Rechnung den von ihm unter­stützten Kandidaten schon unterbreiten. Es handle sich um Besei- tigmig überflüssiger Einrichtungen, z. B. ber ländlichen Schul­vorstände. Kein Kinb dürfe mehr zur Teilnahme am Religions­unterricht gegen den Willen ber Eltern gezwungen werben und ebenso dürfe kein Lehrer, ber sich bazu außerstande erflärc, zur Erteilung von Religionsunterricht gezwungen werden, das^ feien Forberungen wahrer Frömmigkeit. In unsere gemeinsame schule dürften keine konsessionellen Tinge getragen werden. Die Frei­heit ber Universität müsse gcivahrt werden. Auch in anberen Fragen werbe Urftabt im Falle seiner Wahl im liberalen oinne wirken, so in den Fragen ber Gefängnisarbeit unb bes öffent­lichen Kredits. Zum Schluß wolle er all , bie ihn g.wählt batten, bitten, Urftabt zu wählen, nicht wegen ber Person, sondern um ber Treue gegen ben Liberalismus willen. (Lebhafter Beifall.)

Lin Nachspiel jum Metternichprozeh.

Berlin, 20. Olt. Der Vorfitzenbe bes Berliner An- waltvereins teilte in der gestrigen Bereinsversammlung mit, baß der Vorstand der Berliner Anwaltskammer beim Gene- ralftaatsanwalt Supper die Einleitung des Diszipli­narverfahrens gegen die beiden Verteidiger im Metternichprozeß, Tr. Alsberg und Dr. Iaff 6, be­antragt habe. Ter Generalstaatsanwalt ordnete daraufhin die Einleitung des Ermittelungsverfahrens an.

Sonntag, den 2T cr,D^

-- Ausflug5 '"Idcr Karlsruhe- Anfangs "fötmg? 4 Ubr. Porliaiü yB/iol-----~~~ j

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Wahlkampf sachlich führen werde.

Ter Kandidat ber Volkspartei, Prof. Urftabt, begann feine Ausführungen damit, daß Hessen keinen Anspruch mehr darauf 'habe, wie vor 30 Jahren ein liberales Musterlanb genannt zu werden. Tic Reaktion erhebe immer kühner ihr Haupt, Bei­geordnete würden nicht ben Ingi, weil lie öüiialbemotraten seien. Tr. Strecker wurde gemaßregelt, weil cr in seinem Kamps für Duldung einen pointierten Ausdruck gebraucht habe usw. Tie Reaktion habe ihren Ausgang genommen von der 1. Kammer, bic unter bem Willen feiner Hcyligkcit in Worms stehe unb in ihr faßen eine Anzahl geborener Gesetzgeber, bie außerhalb des Lanbcs wohnen. Die 2. Kammer habe eine reaktionäre Mehr­heit, zu ber leiber auch bie Nationalliberalen gehörten. Das habe sich namentlich bei ber Wahlrechlsvorlage gezeigt, bei ber wichtige Volksrechte geopfert worben feien. .Tic reaktionären Par­teien feien bereit gewesen, in ber Preisgabe von Volksrechten iwd) weiter zu gehen, sic hauen 1,'iusichtlich des Bubgetsrechts beide Kammern gleichstellen wollen. Tas fe; namentlich von national» liberaler Seite geschehen. Im Lanbtagswahlkampf 1908 fei es der Bollspartei gelungen, biefes Vorrecht ber 2. Kammer zu er­hallen. Aber cs fei noch genug von ben Volksr echten prcis- gegeben worden. Die Volkspartei verwerfe bas Pluralwahlrecht, die Kanteten, die manchen Mann um fein Wahlrecht brächten, unb die ungerechte Wahlrechtscinteilung. Tic Vernaltungsrcsorm habe zwar einige Verbesserungen gebracht, aber es feien noch genug reaktionäre Bestimmungen erhalten. Auch das -selbstver- waUungsrecht ber Gemeinden sei vielfach befchrankt, in 30 Ar- tifcln sei auSgcführt, was alles der Genehmigung der Regierung unterliege. Es fei alles daran zu setzen, um der Selbstverwaltung zum vollen Sieg zu verhelfen. Bei der öemctnbeueuerrejorm habe sich so recht die Stcuerscheu der großen Grundbeiitzer gezeigt, indem sic ben lanbwirtschafllich benutzten Boben nicht nach bem gemeinen Wert, sondern nach bem Ertragswert besteuert haben wollen. Immerhin habe bie Steuerreform namentlich auf bem Gebiet der Gewerbesteuern Verbesserungen gebracht, weshalb d:c Volkspartei schließlich für bas Gesetz gestimmt habe Namentlich auf bent Gebiet des Schulwesens zeige sich bas Wirten ber Reaktion. Die Freiheit ber Universität werbe von ihr bedroht unb nur mi. schwerer Mühe sei es gelungen, bie Einsetzung eines Kurators ju verhindern. Tie hessische Volksschule mülle ihren fmuiltanen Charakter behalten, unb er traue in biejer tyrage, der utegicrung njir, wenn lie eine starke liberale Kammer zur e>eite habe. Ber ber bevorstehe oben Revision des Volksschulgefetzes stehe er burch- aus auf ben Grundsätzen ber Volkspartei unb ~3un|a;bej Lehrerschaft, einer Rückwärtsrevibicrung bes Volksfckulgefetzes werbe er sich entschieben wibersetzen. Eine schwere Sorge für bie Zukunft sei die Gesundung ber hessischen Finanzen. Helfen habe eine Sdjulbenlaft von 4ö5 Millionen, so bürte cs nicht weiter* gehen. T<ibci müßten unbebingt bic Beamten- unb Lehrergehaltcr erhöht werben. Eine wichtige Frage für bie Gesundung ber -staats» sinanzen sei bie Revision des Eisenbahngemcinschastsvertrags, >veUye Frage in Fluß gebracht zu haben, ein unbedingtes xserbiemt per fortschrittlichen Volkspartei sei. Weiter müsse auf allen Gebieten unbedingte Sparsamkeit herrschen, doch müsse bie Vereimackunq der Verwaltung oben beginnen unb die Verwaltung müße dezentralincrt werden. Man habe ihn ben Vorwurf gemacht, daß er als ftubierter Beamter ben gewerblichen Kreisen zu fern stehe. Demgegenüber erkläre er, baß er es ablehnen müsse, als Vertreter bestimmter Kreise zu gelten. Tie Enticheibung barüber, ob er ben Hanb- iDcrfcrn, Kaufleuten unb Arbeitern ferner stehe als ein Redakteur ober ein Großindustrieller, überlasse er ben Wählern, xer ytebner verbreitete sich bann über das Mittelstandsmogramm seiner Partei, wobei er sich gegen ben sog. großen Befähigungsnachweis wandte. Weiter trat er aus Grünben ber Gerechtigkeit für bie Heranziehung der Konsumvereine und zwar aller zur Gewerbesteuer ein. Tie Volkspartei habe auch für bie Filial- unb Warenhaussteuer trotz mancher Bedenken gestimmt, wobei sie sich letztere Steuer in ber Form von Zuschlägen zur Gewerbesteuer denke. Tie größte Schädigung bes Mittelstanbes sei durch die Reichsgesetzgebung erfolgt, bic von ben reaktionären Parteien gemacht worben fei. Tiefe Schädigung des Mittelstandes durch die Reichspolilik fei durch die Landespolitik schwer zu beseitigen. Tie Volkspartei erstrebe auf diesem Gebiet bessere Fachbildung, Besserung des Submissionswesens, Abschaffung der Militärarbeit, Verbots der Ausführung gewerblicher Arbeiten durch Staatsarbeiter. Tie --cka- digung des Wirtsgewcrbes durch die Reichspolitik müsse nau) Möglichkeit durch die Landespolitik gemildert werden. Wenn

Volk habe, könne keine Kautclcn wollen, bic viele Leute um ihr Wahlrecht brächten. Tie Wahlrechtscinteilung sei eine unver­schämte Mogelei zur Beseitigung des gleichen Wahlrechts gewesen. Tic S ickwahlen würben Gelegenheit geben, uiiammcn ugcbcit und bic Linke zu stärken. Tic Sojialcmofra.ic werde bann so gut ihren Mann stehen, wie vor 3 Jahren, als die Na'.ionallibcralen Tr. Guisleisch beseitigen wollten. Ter Rebner erklärte sich für feine Person für eine Filialsteuer. Bei den Einigungsverl>«inb- langen habe feine Partei nur ben Optimismus ber Fortschrittler benunbert, bie seit 20 Jahren bock genügend Erfahrungen mit ben hiesigen Naiionalliberalen gemacht hatten. Von der sozial- dcmokraiischen Partei werbe ber Wahlkampf sachlich und anständig geführt werben. Sein Wunsch gehe natürlich bahin, baß fein Parteifreund Vetters gewählt ivcrbe, wenn dies aber nicht der Fall fein sollte, sei ihm natürlich Urftabt ber Liebste. Wenn aber am 3. November ein Nationalliberaler gewählt werbe, fei eS für ihn ein höchst trauriger Tag. (Lebhafte Zufiimmung.)

Justizrat Grünewald gab feiner Freude Ausdruck, daß eine so große Versammlung sich so begeistert für bic fortschrittliche Sache ausgesprochen habe. Auch baß so viele Frauen unbomgu* larmäl-ler" anwesend seien, erfülle ihn mit Freude. Auch cr fei durch bie Entwickelung ber politischen Perhältnisie wieder zur politischen Arbeit getrieben worden. Im Reiche mache sich politischer Eigennutz breit unb üt Hessen müsse für bic allgemeine GleichheU aller Staatsbürger gekämpft werben. Bei seiner kurzen Tätigkeit im Landtag habe cr den Eindruck gewonnen, daß bie fortschrittliche Fraktion quantitativ unb qualitativ gestärkt werden müsse. Wenn Männer wie Korell und Urftabt in ben Landtag kämen, würde der Einfluß ber Fortschrittspartei über ihre zahlenmäßige Stärke hin/ ans sich bemerkbar machen. Auch bic Regierung lege Wert darauf, baß bie Freisinnigen ihren Vorlagen zustimmen. Er habe eben­falls ben Eindruck gehabt, daß bic 1. Kammer, geführt von einem mächtigen Willen, an Einfluß gewonnen habe. Tas habe in ber letzten Kammersitzung 41bg. Tr. Osann gesagt unb bcSbajb wirke man auch im Sinne bes Abg. Tr. Osann, wenn bie Stellung ber 2. Kammer gestärkt werbe. Ter Vertreter ber Stobt Gießen werbe besser imftanbc sein, bie Interessen ber Stabt und der Universität vertreten zu können, als bie Abgeorbneten länblichcr Be­zirke. Tic Vorvcrhanblungen hatten basselbe Bilb geboten, wie bei ber Reichstagswahl, jedenfalls solle man bic Erörterungen bar über jetzt sein lassen. Er sei eine Zeitlang ber Meinung gewesen, baß man sich hier auf Herrn Klingspor einigen solle, ber bann in ber nationalliberalen Partei gleichsam als Sprengpulver wirken könne. Nachbem aber bic Einigung Henrich Klingfpor burch bic Schulb ber Tarmftäbter Nationalliberalen nicht zustande gekommen sei, sei bie Lage geklärt. Er hoffe, daß Urftabt gewählt werbe, sollte Die» nicht ber Fall sein, so wünsche cr bie Wahl von Vetters. Es sei tief bedauerlich, daß es für bic Lanbtagswahl nicht zu einer Einigung ber Fortschrittler mit ben Sozialbemokraten gekommen sei. In allen praktischen Fragen, bie im hessischen Lanbtag ent- chieben würden, gingen beide PqFtei zusammen, deshalb hätte man auch im Wahlkampf zusammen gehen sollen. Man hätte dadurch eine ganze Reihe von Wahlkreisen erobern können und bem Ge­wicht biejer Tatsache hätte sich auch die nationalliberale Partei nicht entziehen können. Er hoffe, baß Urftabt unb Korell gewählt würden, sie würben bann treue Volksvertreter sein. (Lebhafter

.Volks'soll-'*.

undlie

Bahnarbeiter, 74 Jahre alt.

Lich.

Aufgebote: Oktober 6. Christian Wissig, Schlosser, mit Minna Weiß, beide in Lich. 12. Heinrich Kaspar Ranft, Lackierer in Beuern, mit Margarete Ledermann in Lich.

Eheschließungen: Oktober 19. Johannes Andres, Postbote in Mainz, mit Charlotte Menges in Lich.

Geborene: Oktober 10. Tem Postboten August Heß, wohnhaft in Gießen, eine Tochter, Katharine Frieda Erna. 14. Tem Taglöhner Georg Ludwig Stumpf ein: Tochter^ Marie.

Sterbefälle: Oktober 17 Albert Schnabel, Schlosser- meister, 73 Jahre alt, Gießener Straße. 10. Ludwig Schäfer, Tienftknecht, wohnhaft in Eberstadt, 66 Jahre alt, Fürst!. Kran= kenhaus. 19. Heinrich Klos, Landwirt, wohnhaft in Harbach, 49 Jahre alt, Fürst!. Krankenhaus.

Lollar.

Geborene: Oktober 11. Tem Schlosser Carl Stotz ein Sohn, Ludwig. 12. Tem Miisionsprediger Johann Hilberg ein Sohn.

Sterbefälle: Oktober 16. Anna Elisabeth Leidorf, 62 Jahre alt.

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Die Geschäftslage des Reichstages.

Man schreibt uns aus Berlin:

Zwifchen dem ReichskanzlerundeinigenPar- keiführern hatten in den letzten Tagen Besprechungen über die Erledigung der laufenden Geschäfte stattg.'funden. Bei diesen Besprechungen hat die Regierung über die aus roortifle Lage ziemliche Zurückhaltung gezeigt. Hauptsäch- lick handelte es sich bei diesen Besprechungen um die Erledi gang der Teuerungsanfragen. Von einzelnen Par­teien ist der Regierung nahegelegt worden, weitere Maß­nahmen zur Bekämpfung der gegenwärtigen Teuerung zu veranlassen. Tie Regierung wird ihren^ Standpunkt über die bisher ergriffenen Maßnahmen uno "die Möglichkeit weiterer Maßnahmen am Montag darlegen. Äie es scheint, werden die Verhanvlungen über die Teuerungsanfragen in einem ruhigen Fahrwasser erfolgen. Was die Erledigufig des übrigen Arbeitsmaterials anbelangt, so hat die Regie rung gegen eine kurze Pause in den Plenarverhand­lungen des Reichstags nichts einzuwenden, wenn durch diese Pause nicht die Erledigung des Schiffahrtsabgabengesetzes vor allem in Frage gestellt wird. Auf die Erledigung dieses Gesetzes legt die Regierung nach wie vor den größten Wert. Wenn der Reichstag im Interesse der Arbeiten des Aus­schusses für die Privatbeamtenversicherung eine Unter­brechung seiner Arbeiten für notwendig erachtet, so soll nach den augenblicklichen Tispofitionen vorbehaltlich der Zu­stimmung des Aeltestenrates vom 2 6. Oktober bis zum 7. November eine Pause eintreten. Nach dieser Pause soll dem Wunsche der Regierung g?maß zunächst die zweite Beratung des Schiffahrtsabgabeng'setzes aufgenommen wer den. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen werden dann die handelspolitischen Vorlagen, das HilfSlafsengesetz und das Privatbeamtenversicherungsgesetz zur Beratung gc stellt werden.

Wahlversammlung der sortschritllichen Voltspartei.

Gießen, 21. Okt.

Tic erste öffentliche Wäylcrvcrsammlung der Fortschrittlichen Volkspartei, bic gestern abend in Steins Garten abgcljalten wurde, war außerorventlich stark be- ' sucht, auch zahlreiche Tarnen waren anwesenb.

Ter Vorsitzcnbe Justizrat Metz gab zu B ginn ber Versamm­lung feinem Bebauern Ausbruck, baß es nickt gÖlungen fei, eine Einigung ber liberalen Parteien im ganzen Lande und besonders in Gießen herbeijuführen. Er versichere, baß er seinerseits ben

Kuranstalt Hofheim t,uL.

-------(1 2 S.ando von Frankfurta. M.1. für Erholungsbedürftige.

Nerven- und innere Kranke. Sommer und Winter -m1"

«MSRKq ------- Prospekte durch --------

Dr. M. Schulze-Kahloyss, Nervenarzt, j-geäfc:

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