Ausgabe 
16.8.1911 Zweites Blatt
 
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Nr. 191

droeües Blatt

161. Jahrgang

Erscheint tbglich Rutznahme beS Sonntag«.

D«eetefcteer gteiHrnblitttT" werden dem .Anzeiger* oietmol wöchentlich beigelegt, bal .Krelsblott fir den Kreis Olrßen" zweimal wöchentlich Dierandwirischattliche, Lett- frage»" erfchemen monathd) zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Mittwoch, (6. August 19U

MolaHonibnid und Ber'.ag ter BrühNchen llniverstlät«» Buch» una Stcinbrutfettt 51. Lange, »ieheu.

Rebtfuon, <?^vebition und Truckerei: Schrtt»

Nraße 7. d^pebihci imb Verlag: Stedaruon:e--M112. Tel.-Adru Anzergerchtedeiu

vie Sparfraft der veoölkerung.

3m Jul, re 19(0 betrugen, iv;.' mir herArbeitsmarkts» Lorr." entnehmen, bte '^eiomtgulhaoen der öticntlicben und nichtöffentlichen Lparkasjcn Tcutid)ianb4- 8,84 Milliarden

Mark Neun Jahre fodtcr stellten iic hd) auf 15,67 Milliar­den Mark Im Iadresdurchichnin haben (ich demnach in » in ncuniahngcii Zeitraum hu- Guthaben um etwas mehr al» breiuicncl Milliarden Mark vermehrt Tiefe Zunahme der (hnlcflcuiuti)aben ergibt sich einmal aus dem Zufcvtag non Zinsen auf den Slotf der Einlagen, sadann aus dem ZuwachL der neuen Einlagen über den Betrag der Rückzad» lungcn hinaus. Tiefe Bewegung der Zinien und der Ueber- fchüsse der neuen Einlagen über bie Rückzahlungen stellte

«ich in den Jahren ltK)O bis 1909 wie folgt.

Zunahme

3mlen- itifthlag

Uebetfchuß der

neuen Einlagen

Der

in Millionen Mark

Guthaben

1900

244,60

lud,80

19ul

271,59

448,76

720,85

1902

292/28

477,27

769,55

1908

310,24

464,15

774, »9

19'4

334,24

475,69

K1U.18

1905

358,11

429,66

350,67

787,77

1906

3M, 16

733,-45

1907

4^7,41

90,55

497,96

1903

441,81

192,01

633,82

1909

478,40

646,95

1120,35

Die B' wegung der Summen in den beiden Reihen ist kehr verschieden. Die Summe des Zinsenzuschlags steigt ohne Unterbrechung von Jahr zu Jahr. In den auf» gehörten zehn Jahren betrug die Olefamtiummc der Zinsen» ..nschlägi 3 516,80 Millionen Mk oder im Iahresvurch- ichnitl 351,69 Millionen Mk. Ganz anders verläuft die Summe, die bie Differenz zwischen b e n neuen Ein» , ahlunge n unb ben Rückzahlungen angibt. Dieser l'often ist für die Beurteilung ber Sparfran ausschlug»

gebend. <?ier schwanken bie Summen ziemlich stark unb n elfen in den Erlrenten äußerst große Untcrichiebe auf. Es laßt sich nicht verkennen, bah die letzte wirtschaft- l i ch e ')iiebcrgang»periobc auf die Sparlraft Der Bevölkerung recht ungünstig eingewirkt Hal. Sowohl 19u0 al auch 1907 setzte eine Riedergangsperiode ein Wie ganz anders aber bewegte sich die Summe der über die Rückzahlungen hiuauSgeiienben Reuanlagen in der ersten tciiübc des Niedergangs im Vergleich zu der Periode, die 1*307 entsetzte. Es betrug die Summe ber in Frage kommen­den Reuanlagen in Millionen Mark:

die Einzahlungen die Rückzahlungen

1900 2 033,6ö 1 949,65

1901 2 399,99 19öl,13

1902 2 595,98 2118,71

1907 3 332,01 8 241,46

1908 3549,49 3 857,45

1909 4117,79 3 580,84

Obwohl gegen 1900 bie Bevölkerung im Jahre 1907 um etwa 6 Millionen Köpfe gewachsen war, blieb bie Summe ber neuen Einlagen doch um 13,25 im Jahre 1908 gegen 1901 sogar um 2 >6,75 Mk. zurück DaS Jahr 1309 hat allerdings eine sehr kräftige Erholung gebracht, aber bad Minus bet Jahre 1907 unb 1908 ist bannt nicht ausge­glichen, sondern bestehl noch in einem Betrage von 99,o2 Millionen Mark fort Die Rückzahlungen haben in ben Jahren 1907 unb 1908 relativ viel stärker zugenommen als bie Einzahlungen, wie sich aus imdmebenber Zusammen» stellnng ergibt. Es betragen in Millionen Mark:

Tifierenz

1900 103,70

19ul 448,76

1902 477.27

1907 90,65 13,2a

190> 192,01 256,75

1903 646,9a -j- 169,68

.öcmenrltdi hat schon -das Jahr 1'0" einen .'l.ksgieich gegen früher gebracht. Immerhin bleibt für bte Beur­teilung der Svarkran ber Bevölkerung die Einwirkung ber Ricbergangciahre 1907 unb 190b sehr beachtenswert

Hauptversammlung des deutschen Z.'ntralverdandes für handel und Gewebe.

~ Dresden, 15. Lug.

Am heutigen zweiten und letzten Bcratungstage oeschärtigte iitb die Hauvwersarnmluna des deut' wen Zentralv-.iband-' Nit Handel und i^werbe zunächst mit oem

Zugabeunweieii

Ter Bericht ernanei Pf an nkuchen . Barmen rührte hierzu aus. bap 'ich bas Zugabeunweien zu einem kolossalen Mißstand ent nickcll lialx. Eine Firma Hobe einmal m geschickter Weise den Unhifl bodurch lädimtih gemacht, dost sie crflärtc. sie habe ihre Waren in allen Staaten des Nord unb Südpol- paicnUfr.n

idbn nach Italien -u. bei 2 Plund ein Automobil

nd einen Freiplav un Naircnbau'e T\r Redner ernt folgenden 91 n trag: ,.Tic .Haupwcrsammlung ec6 Zentralvcrban des erblickt in dem heutigen Zugabewesen ein unlautere» Ge schöftsgebohrcri, dos eine Stbäeuuinfl des Kauimannsstandcs und auch ber Konsumenten zur Folge hak unb bcidtiicßi, in Wem ein schäft mit anderen loirticbaiIndien Verbänden ein gesetzliche. Verbot der Zugaben anzustrebcn.'

Ein foamburger Redner teilte hierzu mit, daß sich dos foiial- bemofratiidre Blatt in Hamburg und der dortige große ftonium verein bett Untug mit dem Zugabewescn »unutze gemacht hätten, indem ite die Erklärung losiic^n, fie gebrauchten solche Mittel nidn, um Mimbai anzulockeii.

Ter Antrag wird hieraus angenommen.

Ter folgende Punkt der Tagesordtnuig betraf die Nniallversicherung ber Tctailisten.

WoiterS (Hannover, bcninDorictc folgenben Antrag:Ter Vorstand des Zemralverbandes wird beauftragt, beim Bunb.srate und beim Reichsocritehcrungsanuc unter Hinweis au' bie bis­herigen Eingaben unseres -l'.rbauöcs und bte Ausführungen bcs rtbgcorbncicii Senator oüti>cl über bic Telailunjaltoersicchrung in der Reichstags,gung vom 30. Mat d. Is. bic (iüiridMitng einer Tctaitbcm^-Gettoficnichait ober, falls diele nidt zu er reichen ist. die einei reinen renossentchaft mit

ciniad:« Lohtidercanung und gereajict Stafierung des (Gefahren» tariss zu beantragen"

Der Antrag vtacncnb Unsattverfid-rrung wurde nad) kurzer Debatte angenommen. Sodann berichtete Heinze (Leipzig: über bie

^ensionsversicherung Der Angestellten.

Er führte aus: Wir stehen Der ganzen Angelcgcnhed grundsätzlich woblwollciid gegenüber, oa uuith eine Pcn,ionsveriicherung untere Angcnelltcn mehr Lebensmut unb Arbeits'reudigkcit erhalten. Auch andere Prinzivalsvcrbunbe haben iid) iür eine solche Pen- iionsveri icherung ausgeipivajcii. a.er Redner geht bann auf bic Einzelheiten bes EntN'uries ein und meint: Wenn man in Pc- tracht zieht, baß bunh ine neuen RcichSfteuern Handel und Gewerbe am meinen betrogen werden, und auch Die Reichsversicherung!: orbnung unseren Stand autzcrordemiich belastet, so muß man sagen, daß gegenwärtig Die idUccbtenc Zeit Dafür ist, um noch weitere Lasten cinzu'ührcn Tcmiod: roollen wir an» Sorge für unsere Angestellten auch diese öeiafemg tragen 2cn Ent nrurt in bet vorliegenden Jorm lehnen wir ober ab. Ter tHebner empfiehlt folgende Entschließung.

Tic Hauptversammlung itcljt nach wie vor am oem Stand­punkt, daß eine PensionSvcrsicherung der Angestellten not­wendig ist. Sie lehnt aber Den vorliegenden Rcglerungscntwur' ab, da nadi teiner Seite hm bte i r.i'arnmg.m erfüllt jinb, die AngesteUte uno Prinzipale auf ,hn setzten. Er ist vor allem unannebmbar für Die Prinzipale, wett er ihnen hohe wirtschaftliche linnen au erlegt, ohne ben Angestellten nnrt- tdraithdic Boncilc zu bangen."

Nadi kurzer AuSsprari? -...roc Die Entschließung einstimmig angenommeii.

Ter folgende Punkt Der Tagesordnung betraf bic Sonderbesteuerung Der Gewerbetreibenden.

Janssen Barmen empfahl folgenden Äiurag:Tie Haupt Versammlung des gentralverbo das Vorhaben Die Gemeinden tmrd lassen. Die Gewerbetreibenden und Hausbesitzer tragen 'chon jetzt utwerdältnismäßig ta weitere Erhöhung ober Bernichrung der Gcmciitdcabgabcn. die

nidn von allen Wninii gleichmäßig -r Hoden m rdni, ist mck der Gereckmgkeil nidn in E »klang »u bangen vuv Acanderun» do-tummunalabgabcngciaic* :ü dang.-nd lurtwendi t Tif on- loeicitbcr Tdemen n iiKrbai gebeten, -.n ihren Cr:< atrnen b«but \u nnrfcn. bnh irbc weiter? Sonderbelannng > «t.'nfrMinbni* den birm Realsteuetn unterbleibt

Tic Entschließung tourt* nach kurzer <üifu?rothr angciwimntu. iolqie bas ThemaDeiautiereiide 7vabnkanten und (Urofe Ocn". bav R »colans Bremen beHandelle E» wandte sich gegen

bie Zabiikantcii und Großistcn. tne unter Umgebung bc4 <tcin banbtl» direkt an das Publikum verkauien

Hieraus behandelte HandelSkammersnndikuS Tn Rocke van» noper Die Frage:

,.W , c erziehen wir un» gute B e r ut e r i n n f n?"

Er verlangte als erstes Irrforbernie von einn guten Ber» kauiertu em gutes Benehnieii, das sich in angemeisene rvrecki rvciic ausdrücke, und eine gute Warenkunde Auch Die .'Habet* und Zörpcrvilege sei zu beachten Viele Verkäufenimen inchlen noch das Publikum tu bevormunden, das nmsse aiifbören. Auch die empieblende Redensart: ..Tas ifi letzt modern!', müße weg- 'allen Ter Redner empsichll, für bte jungen Mädchen besondere Unterrichtsstunden cin*iinditcn: es würden fid» in Den Jaciiwn gemigend ftauflcutc mit vabagogüdieni Talent finden lassen (nn Befchlnß zu dem Thema wurde nid'! gefaßt.

Reinhardt (Leipzig) begründete hieraus einen Antrag auf (Siniührunfl de»

Befähigungsnachweises tfli ff a u f (e n t e

folgenden Inhalts:

Der Zenlralverbanb möge bei den gnewebenben Körper-* schäften auf eine Ergänzung des § 76 des HandelSgeiestbucheO im Sinne nadiftchcnber Boachläge hmmirfen: Tas Recht, Lehr­linge ui halten, fleht nur solchen Kaufleuten zu, die 1. ben Nachweis einer praktischen faufminiiifdien Vehrteit von ord­nungsmäßiger Tauer zu erbringen vermögen; 2 während einer angemessen erscheinenden Zeil als Handlungsgehilfen im »inne, des HandelsgefcvbucKes tätig gewesen und 3. Inhaber einer handelsgerichtlich eingetragenen Firma find '

Ta sich im Lause ber Aussprache veridjiebene UnklardeUrn ergaben, würbe der Antrag dem Vorstanb zu einer Rundfrage bei ben Verbanbsvereinen überroiefen.

Ter Berichterstatter zum BeratungSgegenstanb Sonntagsruhe,

Her; Magdeburg- führte aus, baß bic jetzige Regelung der Sonn­tagsruhe eine schwere Schädigung ber Interessenten bebeutc; a ioibfrl eine rcichsgesetzlichc Regelung und bringt Den Antrag ein: Ter Zeulralvcrband wolle erneut bei ber Rcikltoregtcrunß ge­eignete Schritte nnieriiehmen, daß jebroebc Erweiterung bn Sonn­tagsruhe im Tetailbandel vermieben wird " Meyer 'Hanidurg» spricht gegen Den Antrag unb ift der Meinung, baß an Sonn­tagen nur Das allcrnöligftc gearbeitet werben Jolle. Die Sonn­tags ru^e solle nickt rcidtogcfcblid) geregelt werben, rotil die Bcr- hältnif'c an ben einzelnen Crtcn verschiedene feien. Sic müßten lonft in jeher Gemeinde gesondert geregelt werden Er stellt in diesem Sinne einen Antrag Thiel Stuttgart) erklärt, daß auch bereite bic Prinzipolverbünde für bie völlige Sonntags­ruhe eingetreten feien. iChorufc.) Nach weiterer Aussprache itnrt sodann Der Antrag Meyer 'Hamburg) angenommen.

Bezüglich beS Punktes

Erstrcbßing eines Reichspetroleummonopolt führte ber Berichterstatter Kramer Hannover aus, baß die Abgeordneten Baffertnann und Streseniann angeiicküs des Völ­kchens Der Standort Eil Eoinpann bas Petrolcummonovol emp- rofjlen haben Ter Antrag habe sich zwar als verirübt erwiesen, immerhin aber sei bas Petrolcummonovol in greifbare Nähe ge­ruckt. Wir hätten in Teutfdilanb einen jährlichen Petroleum verbrauch von 5 Millionen Fässern zu je 200 Liter Inhalt. Die Erhöhung bcs PetrolcumpreifcS um einen P'ennig bebeutc für das heut'chc Nationalvermögen einen Verlust non 110 Millionen Mark. Ter Redner empnehlt deshalb das Petroleunimonovol und bringt einen ent»oiedHnbtn Antrag ein In ber Aussprache erklärte Nicolaus Bremen sich als Feind aller Monopole, bie alle verwerflich und: aber m oitier Frage könne er dem Vorredner nur beipiuchten Er empfahl bic Annahme ber Reso­lution, bic schließlich zur Annahme gelangte

Als nächster Tagungsort wurde Hannover gewählt

Joses 3$racl$.

Einer bei Großen bei europäischen Himft ist in )oses Israels dahingcgangen. In Holland nahm der längst über bi: Grenze der 80er hinausgelangte Künstler Patriarch eine ähnliche Stellur i ein, wie he bei uns lange Fakire Menzel genonen hat. W e man sich bei uns ben alten Mcn^l ;cigte, so wiesen 'ich bk Bade gdüe den kleinen grnubnrtigen GreiS,^ wenn er am straube von Scheveningen seinen regelmäßigen Spaziergang machte

Liebermann erzählt, wie einmal em Bürger in einem Meinen i uiianhiidjeii Städtchen, wo Isreals iid' gerat': auT einer SniOitiv reise auihtelt, ihn auigefudn und gefragt habt, ob er ber große Meister wäre, dessen Bild er in Der Zeitschrift geiehen habe; ei modiie ihm die Hand drücken unb feinen 'lindern erzählen, daß ei mit Israels gewroche» habe. Kurz, bet alle Mann uhltc 'chon fett langem zu ben Männern, auf Die sein Volk stolz war Aber auch bet uns in Deutschland ist der 'Jhihm be» Großmeisters i er >?aag»r Schule und Hauptes bei ganzen modernen holländik'en Malerei, besonders im letzten Jahrzehnt, üt immer weitere ftrci'c gedrungen, unb nicht wenig dazu bai der ivrehrungsooll: Eiici bei getragen, mit dem Liebermann Die em seinen Meister Freunde ge­worben hm Teo Künstlers Lebensgang unb Entioicklung ist dadurch ungewöhtUick' und merkwürdig, daß er erst im reifen Manne-alter itö und je ne Ausgaben gesunden bat. Ware-raels. der 1824 geboren ist, etwa um 1865 gestorben fein Lied, kein Helden buch würd. von ihm sagen und singen. Er hatte schon das 10. Lebensjahr hinter 'ich. als er der würbe, als her er in dci ft uni', geidnehte fort leben wird. Sein Geburtsort war die stille Ilm- veiiitäiSHoDt Groningen, wo er als Der Sohu einer alten nOlinDiidjen 3ubenfamme das Licht ber Well erblickte. Ioiej sollte Rabbinei werden, er erwies sich in seinen Üinberiahren als ge­lehrig und au di als künstlerisch begabt, da er sich öurd» kleine Ge* dichte und als Biolimvielcr auszeidinete. Später kam er in das Bankgeschäft feines Vaters, aber Hooien, die er nach ölten Lito grapbicn beritelltc und bann nach eigenem Geichmackc ausmalte, betuogen einen Freund des Hauics, den Vater Da;n zu bestimmen, daß Josef 9Xtilcr werde. Es war im Jahre 1840, ais er Schälet von Hruieman wurde. Bei Armem an und später bei Tiencman trat ihm Der regelstrenge Akademismus, rote et im Budze stand, entgegen Taran fand Israels nun niait viel Geiallcn, um io tiefer eiregic ihn Aro Scheffers bekanntes BitdGretchen am Spumrabe", das er 1845 in Amsterdam kennen lernte. Tenn hier fand er, was er iid) selbst in der Kunst ausjuDiüdcn ge drängt fühlte: lebendige Empiindung menschlicher Tinge an? Geschicke. So ging er denn nach Paris, wo er von 1845 bis 1848

verweilte. Merkwürdig genug, daß er von ber modernen Kunst, deren Morgenröte damals in Paris glänzte und zu Deren Ber tretern Doch auch Israels spater sich ge'ellen sollte, kaum etwas in Pans gemerkt zu haben schein!.

(it malte zunächst durchaus un allen 3tilc Der hiiiotiidien und der Genre Malerei: biblische ^istoriken aus dem Allen Tcitamcni, Luther, eine Bibel überlesend, ober einen Violinspieler, oder selbst einen Prinzen von Cranicn, wie Der iid> zum ersten Male den Beiehleu des spanischen Königs widersetzt Tas war im Fahre Iböä, daß er das letztgenannte Bild ausstellte: eben hatte er damals Die Bckanntsd«n gemaebt. Die für sein t'cben cnticheidend werden sollte: die Belanntichaft nut dem Taicm Der Fischer in dem hollänDi'chcn Stranbborie Zaudvoord. Ta war cs, wo er bei 'Tianiv seines Eanbee und seiner Bewohner frei von allem a!a Demi scheu Regel ;wange und frei von allen Atclicrrezevtcn gerade ins Antlitz ;ud'aucii lernte Er begann sv 1856 seine Gemälde in die Welt zu senden, die das Leben ber l-olläuDi'chcn Fischer zum Gegenstände haben, und davon bat er seitdem eine große An;aiü von Darstellungen volleiihet. Zuerst waren diese Bilder noch rnmt mit dem üblichen modischen Anekdolenkram belastet, je lingu aber, desto freier, cimadici und unmittelbarer gestaltetcii sie sich Er hat die ärmlichen und doä> Heimischen WoHnräumc oicies Fischervolkes geschildert, ihr tägliches Leben, die weuerhanen Alten, vergrämte Frauen, Die 'vielenden inber. Wind und Wetter. Arbeit und Ruhestunde.

Wer ohne Die Kcnnmis der alten boÜanOUGHn 'tunst, mit bereit c^eist Israels tiefe innere VcrwanDnchaft hat, an seine ist feine 3adu nidil. es ieblt an Farbe am feinen Bildern, sind sie trübe, zuweile t die Ton'chönheir des Ganren, dzs fast imntei auf grau genimmi ist. mach: ihren fünükrvmen Wert aus. Aber ie tieier man itrti ui d: Bild.r hineinr..bt, nm io mehr fesselne dura- hicn utcnschlichc.i G-ehalt Israels ist wen saovii entfernt, ein T rcuu in al ci ;. '.-u >r malt icuif loualcn Pr- e e.

t br.n, ist kein Vertreter ber iXuncnkuLmaletri Wa. '"ine Bild« i so tief anziehend mau;, ist .uvach, daß eine große Gute bes EmpsiNbens daraus spricht Ec liebt Oie einfache und natur

:üib. iv sind sie doch, cr'uu: von einer lic'en tlcb.-isü. «c mürrischen Tag, Daß er selbst Das vermnjette, b ix l' < > einer alten Frau als Schönheit, als .Ge'chen!

Man muß bie köstliche Schilberung ber spanischen Reste leien, bie ber alte Mann vor etwa fieben Jahren unternommen unb selbst beschrieben hat, um ihn ganz zu verliehen WaS er da alles genießt, :t.c originell unb frei er Menschen und Tinge anficht, rn ' Güte er bic ocr len Isharokten,

Gewoynbetlin idiauungen anerkennt und annimmt! Tas Buch gibt au,.' . 'ein künstlerisches Glaubensbekenntnis Auf­

schluß Mn Munil. bat er sich nicht versöhnen können, Vclasouez errceci seine tiefste Bewunderung, aber Das Höchste Wort ber Hann ist für den Alten Rembrandt Von feiner eigenen stunß Hal er einmal zu Liebermann gejagt:Außer Mittel gibt eS keinen Maler, Der so wenig zeichnen imb malen konnte wie ich, und Dabei io gute Bilder gemalt Hai." Eine Charakteristik, bie trenn nicht alles, so Doch sicher etwas Wesentliches über Israels' Kunst lagt Diese Kunst war tbm alles, malend ist er alt

gewoiben Bis zulent faß er täglich arbeitend in feiner Wcrk-

iatt. in der Regel matte er an zwei Bildern zugleich und er

schrieb es seiner Kunst zu, daß er so alt geworben und zugleich

io gesund geblieben war Er *agtr einmal zu einem Frager: Jungei Mann, willst du alt werden, bann ichanc gcfiutbt nuun. eint Kunst, die nichts Apanes sucht, eine -tuns; die nicht nod Lensatwii strebt, und besonders kritisiere mentale seine Kollegen, weil alles in ber Kunst io verflixt fchwierig ist, ja, fo verteufelt schwierig . . Arbeite ruhig, bann arbeitest bn lange unb gut.' Nach biefem Rezepte Hat Israels selbst ge» handelt, und bis zuletzt ist er lebensfroh unb vergnügt neniefen, .rgkid) er mn großen Zcdmtr^ 'eines Leben-, den Verlust seiner Frcut, nie Hai verwinden tonnen.

Täglich machte der Alte, langsam, Sdiritt vor sdmn, vonl Haag aus ieinen Zvazwrgaug^ in DenBo'ch". Im kommet wohnte er tu seiner Villa in Scheoeningen uno fuhr Vilich mit Der Tamcibchn in Den Haag hinem. Bei dieser Fahrt erledigte li seine Lettüre, und zwar in einer aanz eigentfinittdien Weise. Er t:r numliG jedesmal aus oem Buche, das et lest» loollte. Fahrt /zu uaben glaubte, :mo

Vapierkorb. oo wanderte nacp und nach em gio>, r Ten icmer Bibiiorhet in fwn Pacherkorb,

'n oen letzten Jahren halten seine Bilder doch enccs Müoes Formen begannen sich zleicknam aufittlöfen, in» tmarber Überzüged..»; cs war, als ob orr alte sti-nstier selbst : .ii _ ;nng suhlte, itth in das.Ul aufzulösen. Uuo io iit tr C NU nun nad) einem langen schönen Leben in Frieden bin* yigai! <rv, Der Müniiler, Der un Truden so viel Helies, im Leide«, c ;. i Schönes zu jehen wußt-.. Der das Heben liebte unc eft codi verschmähte, in bengaU'chei Beleuchtung z« -eigen^