Ausgabe 
14.1.1911 Zweites Blatt
 
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spielen, sei es mit der Hand oder durch ein mechanisches Spielwcrk. Zu dem Spiel werden übrigens auch die As- (115 Zentner) und L-Glocken des neuen Geläutes derselben Kirche verwendet. Es besteht aus fünf Glocken, F, As, B, C, Es, die ein Gesamt­gewicht von cc. 490 Zentnern haben. Die große F-Glocke wiegt allein 208 Zentner, der Klöppel 8/i Zentner. Beim Probegeläut fiel vor allem die wunderbare Fülle und Weichheit des Dur* Dreiklanges auf. Der öloU-Treiklang zeichnete sich durch tiefen Ernst und große Kraft aus, die Verbindung F, As, B, C war ein herrliches Trauergelaut. Von allen fünf Glocken sagt ein hervorragender Musik- und Glockensachverständiger, daß siewie ein Orchester auf machtvollen Orgelakkorden wirken".

Tas Theater der Taubstummen. Eine unge­wöhnliche Theatervorstellung hat in diesen Tagen in Harringap stattgefunden, eine Aufführung, bei der man weder im Publikum noch aus der Bühne ein Wort sprach oder hörte. Es war eins Vorstellung, die im Auftrag der Königlichen Gesellschaft zur. Unterstützung der Taubstummen veranstaltet wurde und bei der vier von den auftretenden sechs Schauspielern taubstumm waren. Man gab das LustspielFür nichts gut" von Buckstone, das bei einer gewöhnlichen Aufführung eine Zeit von vielleicht 50 Mi­nuten beansprucht hätte, in der Taubstummendarstellung aber erheblich länger dauerte, weil die Wort- und Lautzeichen mehr Zeit erfordern als das gesprochene Wort. Es konnte überraschen, wie die völlige Ausschaltung des Ohres die dramatische Wirkung nicht beeinträchtigte; int Gegenteil, die Notwendigkeit, durch den Körper auszudrücken, was sonst Stimme und Tonfall vermitteln, zwang die Darsteller, ihren Gebärden eine Realistik ;u geben, die man bei mancher anderen Tbeateraufführung vergeblich suchen mag. Nur zwei der Schauspieler, die mit der Taubstummen- spräche nicht genügenb vertraut waren, mußten hin und wieder die -Finger in Anspruch nehmen, um einzelne Worte zu buch­stabieren. Tas Publikum verstand alles vollkommen, und man konnte beobachten, wie die Natur die Unglücklichen, denen sie die Gabe des Wortes und des Hörens versagte, diese Enterbten durch ein köstliches Gegengeschenk entschädigt hatte: durch einen aus­gesprochenen lebendigen Sinn für Humor und Komik. Man jah das Auditorium von Herzen lachen, und mehrfach wurde bet 'komischen Stellen das .Spiel durch ein begeistertes Klatsch« unterbrochen.

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Zweller Blatt

lbs. Jahrgang

Nr. 12

Giehener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntags.

General-Anzeiger für Cberheffen

TieEiehener Kamilieublätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Ureirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Lett- fragen" erscheinen nwnatlich zweimal.

Samstag, 14. Januar 1911

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversualS Blich- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Ecdul- straße 7. Expedition und Verlag: e-nK öl.

Redaktwn: 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen.

Die auswärtige politit in der französischen Kammer.

Einige ausführliche Ergänzungen zu dem gestrigen Bericht über die Rede Pichons werden von Interesse sein.

Paris, 13. Ian. Bezüglich der marofEan schen Berg­werke erklärte Minister Pichon in seiner gestrigen Rede wörtlich:

Ein von bet technischen Kommission vorbereitetes Bergwerks- reglement wird augenblicklich dem diplomatisck)en Korps in Tanger unterbreitet. Es ist in einer Weife abgefaßt, die geeignet ist, die Gleichheit der Behandlung der Staatsangehörigen aller Mächte zu sichern. Es sieht im Falle a,dauernder Streitigkeit.'n zwischen Personen, die um Schürferlaubnis nachsuchen, eine Verhandlung vor dem Gerichtshof in Lausanne vor, der sich über diese Streitig­keiten auszusprechen hat, wenn die Bemühungen, eine Versöhnung herbeizusühren, die wir in jedem nur möglichen Maße zu be­günstigen entschlossen sind, nicht zu einem befriedigenden Er­gebnis gelangen.

lieber die B?zi Hungen Frankreichs zu England erklärte der Minister:

Unsere Entente mit England war niemals enger und vollständiger als heute: es gibt keine Frage, welche die Politik oder die Interessen der beiden Regierungen angebt, über die sie sich nicht besprechen und ins Einvernehmen setzen zwecks gemeinsamen, Vorgehens und Einschreitens. Ich kenne kein Beispiel, wo der eine oder der andere Teil einer Meinungsverschiedenheit wegen hätte nachgeben oder eine andere Bahn einschlagen mußte, als die, welche die friedliche Solidarität ihrer Absichten naturgemäß ihn führen mußte. Die beiden Länder, deren Beziehungen immer vertraulicher und enger wer­den, lassen die Entente nur dazu dienen, in allen Schwierigkeiten friedliche Lösungen herbeizusühren.

Die Stelle über die Bündnistreue zu Rußland lautet wörtlich dock etwas unbestimmter als in der gestern mit geteilten Fassung. Pichon sagte:

Bei heiterem! Himmel ist es k e i n Verdienst, die Bündnis­treue zu beweisen: es läßt sich auch die Festigkeit der Bündnisce nicht richtig würdigen, sondern, wenn der Himmel sich verfinstert. Wölket» aufziehen und die Lage kritisch wird. Als solche Wolken ausgezogen waren und wir einer kritischen Lage gegen- überstanden, konnte da Rußland daran zweifeln, d " ß es völlig auf unser Bündnis zählen durfte? i ber RuÄand dachte ebenso wenig wie wir und England daran, es aus einen Konflikt ankommen lassen zu müssen und wir sicherten damals durch die gemeinsame, dreifache Entente die Auftecht- erbaOung des Friedens fn Europa.

lieber die Beziehungen zu Rußland bemerkte Minister Pichon noch:

Man würde völlig in das Gebiet der ßegenben geraten, tpemi man nur einen Augenblick glauben wollte, daß in irgend einem Punkte etwas vorgekommen sei, wodurch der Charakter und die sic le des Bündnisses mit der russischen Regierung und dem russischen Volke geändert werden könnten. Das Bündnis ist so lebendig und so jugendfrisch wie je, nichts hat sich geändert, weder in seiner Richtung, noch nach seinem Gegen­stand ; es hat nie den Gedanken eines Angriffes auf irgend s em and in sich geschlossen, sondern hat lediglich den Zweck, beiden Ländern die abgeschlossene Kryft zu verleihen, ihre Interessen und Rechte gegen jede Bedrohung zu schützen und an dem Friedenswerke mitzuarbeiten, welches allen Böllern am Herzen hegt. Es steigert für Frankreich wie für Rußland die Rtacht uird das Ansehen, welche ihnen Ententen und Freundschaften verleihen, die ihnen häufig gestatten, gemeinsam umfaßender und wirksamer vorzugehetr, was nur im Interesse des Findens geschuht. Man muß genau beachten, was aus den Er­klärungen selbst hervorgeht, beven Text und Grundlage der Be­hauptung und Vermutung hat dienen müssen, daß etwas Neues geschehen sei, was das allgemeine System der europäischen Bünd­nisse und Ententen beeinflussen könnte. , Anzeigen dafür hat man in der Rede des Reichskanzlers im Reichstag findet! können.

Es hatte mir indessen bei der aufmerksamen Lektüre der wich­tigen Rede geschienen, fuhr der Minister fort, daß Bethmann- Hollweg bet der Besprechung der Potsdamer Begegnungen bemüht gewesen ist, die öffentliche Meinung vor denjenigen zu warnen, die sich hätten versucht sehen können, sich eine falsche Vorstellung von ihrem Clwrakter zu machen. Er hat wörtlich gesagt:Als Resultat der Entrevue möchte ich bezeichnen, daß von neuem fest- gestellt ist, daß sich»beide Regierungen in keinerlei Kombinationen einlassen, die eine aggressive Spitze gegen den anderen Teil haben tonnten." Worin ist diese Versicherung den Empfindungen ent­gegengesetzt, die uns beseelen, und den Gedanken, die das franzö- sisch-russische Bündnis eingegeben hat? Hegen wir gegen irgend jemand, wer er auch sein mag, Angriffsgedanken? Ist nicht gerade das Gegenteil der Fall? Ist es nicht unsere hauptsächliche und beherrschende Absicht, durch unsere diplomatischen Verständigungen und insbesondere durch unser Bündnis mit Rußland neue festere

Garantien für den allgemeinen Frieden zu geben? Haben wir das nicht zu allen Zeiten erflärt?

(Sine Rede bc8 fojialbemoftatiftcn 3attre8.

Paris, 13. Ian Die Kammer setzte heute die Aussprache des Budgets des Aeußern fort. Der Abgeordnete Ja irres sagte: In dem Augenblick des Abschlusses des Bündnisses mit Frankreich faßte Rußland die Möglichkeit eines Bruches mit Deutschland ins Auge. Trotz aller Konfliktsauellen zwischen diesen beiben Ländern habe es feinen Krieg zwischen Rußlattd und Deutschland gegeben, gerade die Vielfältigkeit der Konflikte gestatte, daß Abkommen gettoffen wurden, besonders deshalb, weil beide Regierungen gezwungen waren, sich vor re­volutionären Garungsstossen zu bewahren. Daher ist es kindlich, zu glauben, Rußland könnte die Forderungeit Frankreichs an Deutschland unterstützen. Das französisch-ru^'ische Bündnis ziele daraus ab, die Geltendmachung dieser Forderungen unmöglich zu machen und sei eine Garantie des Friedens. Aber es sei vor­zuziehen, daß eine diskrete loyale Annäherung an Deutschland itzs Werk gesetzt werde, die eine Bedingung Tür den Weltfrieden sei. Indem Frankreich dem englisch-russischen Vertrage zustimmte, der die Zerstückelung Persiens ein­leitete, beging es einen neuen Fehler gegenüber der Welt des Islam. England zahlt heute für den Fehler, den es beging, indem es zuließ, daß Rußland sich in Persien festsetzte.

Bei Beginn der Nachmittagssitzung bekämpfte Iaurös die Politik des bewaffneten Friedens und sagte, der Krieg, der den Zweck habe, den Besitz zu erobern, würde scheitern. Der Sieger Preußen habe seine Enteignungsgesetze schei­tern sehen, durch die er die Polen zu zähmen ge­dachte. Betteffend Elsaß-Lothringen will ich keine un­klugen Worte gebrauchen: denn ich weitz, sie würden dort als Widerhall verschärfte Plackerei und Unterdrückung hoben. Man kann zwar zwei Waldbäume durch eine Mauer trennen, aber bic Wurzeln werben s i ch wieder vereinigen. Die Elsässer und die Lothringer begnügen sich damit, in dem neuen Rahm,en, in den sie gestellt seien, die Freiheit namens der alten Traditionen zu fördern. Tie Kraft der Ideen erhebt uns allmählich zu einem Niveau, wo Versöhnungen möglich sind und Kriege folglich gegenstandslos und ohne Entschädigung sein werden.

Iaures kam auf den Plan eines allgemeinen Schieds­gerichts und sagte: Frankreich muß seinerseits bezüglich dieses Planes die Initiative ergreifen, denn die Jahre schwinden und bic Erinnerungen können ab stumpfen. (Lebhafte Proteste aus vielen Bänken.) Auch Elsaß-Lothringen wird es viel leich­ter sein, seine Forderungen in der Atmosphäre des Friedens geltend zu machen. Iaurös schloß, es ist an Frant- reich, Führer der Welt zu sein in der friedlichen Beilegung von Konflikten. (Lebhafter Beifall auf der äußersten Linken.)

Nach der Rede Iaures wurde die Beratung über das Budget ausgesetzt. Die Kammer verhandelte hierauf die Anfragen über die Rolle, die der Arbeiterverband gespielt hat. Berry verlangte bic Auflösung bieses Verbandes, welcher ben gewerkschaftlichen Boben verlassen habe, um die Ausstände zu schüren und die unpatriotischen Gesinnung zu fördern.

Hierauf wurde die Fortsetzung der Verhandlung auf Freitag vertagt und die Sitzung geschlossen.

Pressest'mmen

Paris, 13. Jan. Tie Rede des Ministers des Aeußern wird in der Presse ziemlich freundlich erörtert. Petit Parisi en" schreibt:

Tie Rede habe Frankreich die Gewißheit von der Stabilität der diplomatischen Lage verschafft. Europa findet in ihr die friedliche Versicherung wieder, die es von den berufenen Leitern unserer auswärtigen Politik zu hören gewöhnt ist.

TieLank er ne" schreibt:

Die Bemerkung Pichons, daß heutzutage niemand mehr ohne die Zustimmung der Völler einen Krieg beginnen könne, habe einen besonderen Eindruck gemacht. Es sei dies auch eine be­ruhigende Wahrheit, bic von dem Minister einer Demottatie verkündet werden müßte, aber für alle Regierungen gelte.

DerGaulois" schreibt:

Tie Erklärung Pichons, baß Frankreich seine Armee! und seine Marine stark erhallen müsse, da sonst seine Diplomatie lahm­gelegt würde, ist die Wahrheit selbst, aber es ist ein Irrtum, wenn der Minister sagt, man müsse sich davor hüten, die in­neren Verträge mit der äußeren Politik zu verquicken, denn seit langem, namentlich unter dem Triumphal Eombes, Adres und Pellelans seien die militärischen Kräfte Frankreichs aus inner­politischen Ursachen besorgen.fiert worden.

Iaures .schreibt ironisch in derHumanite":

Herr Pichon hat uns bewiesen, daß wir überall Verbün­dete oder Freunde, Vettern von unseren Verbündeten ober Neffen von unseren Freunden haben, daß alles in der Welt eitel und uns wohlwollend ist, und daß man, um diesen Zustand günstig zu erhalten, unsere Rüstung verdoppeln müsse, daß es keine

Allianzen ohneSoldaten gebe. Wir haben so viel Allian­zen und Freundschaften, daß wir Millionen Soldaten und Ba jonette gebrauchen.

DerT e m p s" bezeichnet die Versicherung Pichons, daß die Isolierung Frankreichs eine Legende sei und daß sich in dem Bündnissystem nichts geändert habe, als eine unbestreitbare Wahr heil. Aber daraus folge nicht, daß die Aufgabe der französische» Diplomatie beenbet sei. Sie müsse überall aus diesem Umstand den möglichen Vorteil ziehen und die Interessen Frankreichs! überall tiert erbt gen und zur Verwirklichung bringen. In Marokko sei dies bereits geschehen, aber es scheine nicht, daß dies auch im Orient der Fall sei, wo die französische und die englische Diplomatie weder bic gleiche Tatkraft noch den gleichen Weitblick wie ihre Nebenbuhler zeigten.

Die neue Hernsprechiebührenordnuny.

Der Bericht des Bubzetausschusses des Reichstages über die Beratung des Entwurfes einer Fcrnsprechgebührcnord- nung ist nunmehr verteilt worben. Die Hauptpunkte des Entwurfes, wie sie vom Ausschüsse beschlossen worden sind, lauten:

§ 1. Für jeden Anschluß an ein Fernsprechnetz wird eine Grundgebühr und eine Gesprächsgebühr erhoben.

§ 2. Die Grundgebühr ist eine Vergütung für die Ueber- lasfung und Unterhaltung der Apparate fotoic für den Bau und die Instandhaltung der Sprechleitungen.

Sie beträgt

in Netzen von nicht über 1000 Anschlüssen 50 Mr, bei mehr als 1000 bis einschl. 5000 Anschlüssen 65 , bei mehr als 5000 bis einschl. 20 003 Anschlüssen 80 , bei mehr als 20000 bis einschl. 70 000 Anschl 90 , bei mehr als 70000 Anschlüssen für jede angefangenen weiteren 50000 Anschlüsse je 10 Mk mehr

jährlich für jeden Anschluß, der von der Vermittelungs­stelle nicht weiter als 5 Kilometer entfernt ist.

§ 3. Die Gesprächsgebühr ist die Vergütung für bte Herstellung der Gesprächsverbindungen.

Sie ist nach Wahl des Teilnehmers als Einzel ge­bühr für jede Verbindung oder als Paufch- g eb üh r zu entrichten.

Die Einzelgebühr beträgt 4 Pfg. für jede Ver­bindung.

Die Pauschgebühr beträgt

bei nicht über 2000 Verbindungen 75 Mark jährlich,

bei mehr als 2000 bis einschließlich 4000 Verbindungen 140 Mark jährlich,

bei mehr als 4000 bis einschließlich 6000 Verbindungen 200 Mark jährlich,

bei mehr als 6000 bis einschließlich 8000 Verbindungen 250 Mark jährlich,

bei mehr als 8000 bis einschließlich 10 000 Verbindungen

300 Mark jährlich.

Die Höchstzaht der bei einem Anschluß zulässigen Gc- sprächsverbindungen beträgt 10 000 jährlich.

Wird bei Anschlüssen gegen Einzelgebühr die Höchstzahl überschritten, so ist für jede Verbindung die Einzelgebühr und für je 10 000 Verbindungen die Grundgebühr für einen weiteren Anschluß zu entrichten Wird bei Anschlüssen gegen Pauschgebühr die Höchstzahl (10 090) um mehr als LoÖ Verbindungen überschritten, so sind für je 10600 Ver­bindungen die Grundgebühr und die Gesprächsgebühr für einen weiteren Anschluß zu entrichten.

§ 4. Wird in einem Orte ein Fernsprechnetz neu ein­gerichtet, so werden für den Anschluß im laufenden Rech- nungs:ahre die gleichen Gebühren erhoben, wie in Netzen von nicht über 1600 Anschlüssen.

§ 7. Für die Benutzung der Verbiudungsanlagen zwi­schen verschiedet! en Netzen oder Orten mit ö fentlichen Fer. s rechst llen we den Ge.prächsg b hren er­hoben. Sie betragen für eine Verbindung von nicht mehr als 3 Minuten Tauer bei einer Entfernung

bis zu 20 Kilometer einschließlich 10 Pfg.,

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100 50

500 1 ML,

750 150

1000 2

über 1000 Kilometer für jede angefangenen weiteren 250 Kilometer 50 Pfg. mehr.

Prof. Dr. Jellinef t.

In Heidelberg verstarb am 12. Januar infolge eines am Abend erlittenen Schlaganfalles der hervorragende Staats­rechtslehrer der Heidelberger Universität, Geheimer Hofrat Prof. Dr jur. et phil. Georg Jellinek, nachdem er fast 20 Jahre hindurch die ordentliche Profefsur für Staats- und Völkerrecht betreibet hat. Jellinek war am 16. Juni 1851 als Sohn des jüd. Theologen Adolf Jellinek in Leipzig geboren. 74 trat er in den österreichischen Verwaltungsdienst, schied aber fünf Jahre später schon wieder aus und habilitierte sich an der Wiener Universität. Im Jahre 83 kam er als o. Professor nach Basel, wurde 89 o. Professor der Staatsrechte und folgte 91 einem Rust nach Heidelberg, wo er seitdem mit großem Erfolg wirkte. Jellinek veröffentlichte verschiedene wertvolle Werke, u. a. Erklärung des Menschen- und Bürgerrechtes und Tas Recht des modernen Staats; außerdem war er Herausgeber des Jahrbuches für öffentliches Recht, des Sammelwerkes Oeffentliches Recht der Gegenwart, sowie in Verbindung mit Anschütz die Staats- und Völkerrecht!. Abhand­lungen.

Kun st frevel a n ein em Rembrandt. Im Reichs­museum zu Amsterdam wurde das berühmte Gemälde Rem­brandtsDie Nachtwache" durch Messerstiche schwer beschä­digt. Ter Täter, ein 28jähriger ehemaliger Schiffskock) der Marine namens Sigrist, wurde verhaftet. Er gibt an, aus Rache gegen den Staat gehandelt zu haben, weil er nach der ärztlichen Untersuchung nicht wieder angenommen worden sei. Die Beschädigung des Bildes besteht in einem ziemlich tiefen Stich in der Gegend der Knie der vordersten Hauptgestalt des Gemäldes, ferner in oberflächlichen Beschädigungen in Brust­höhe bei der ersten und zweiten Hauptfigur. Man hofft das Gemälde so wieder Herstellen zu können, daß von den Beschädi­gungen nichts zu sehen sein wird.

Eine neue deutsche Südpolarexpedition ist, wie schon mehrfach' mitgeteilt, in Vorbereitung begriffen. Aufgabe der Expedition soll es sein, vom Weddell-Meer aus, einem der tiefen Ginidynitte des Moeres in den Südpolarkonrinent, fo well als möglich nach .Süden vorzudrytgen, während eine englische

Expedition von dem näher am Pole gelegenen Roßmeere aus einem verwandten Ziele zustrebt. Mit dem Vordringen ist eine Reche wissenschaftlicher Untersuchungen verbunden, die für die Natur des großen, unbekannten öfebieteö, aber auch für außerhalb der Antarktis gelegene bewohrrtc Erdsttiche grunblegenbe Aunchlüste versprechen. Die Expedition soll mit einem fdwn erworbenen und bewährten Eisfchiffe int Früchahr 1911 bte deutsche Heimat ver­lassen und Anfang Oktober von Buenos-Aires aus über Sud- Georgien nach dem Weddell-Meere Vordringen. Letter der Ex- peditwn ist her durch seine Forschungen in Tibet bekannte Korngl. Bayerische Oberleutnant Wilhelm Filchner vom Preuß.scheu Großen Generalstab. Die .Kosten des Unternehmens sutd aut etwa 1 400 000 Mark veranschlagt. Zu ihrer Deckung haben die Regierungen vieler deutscher Bundesstaaten die Veranstaltung einer Geldlotterie genehmigt. Der garantierte Reinertrag der Lot­terie beträgt 540 000 Mark. Daneben liegen Zetckmungen von Gönnern des Unternehmend in bedeutender Höhe vor. Jrn V?r- trauen auf die Opferwilligkeit des deutschen Volkes wendet iah ein Ausschuß bekannter deutscher Männer an. bic gqamte Nation und bittet um Zeichnung von Beiträgen.

< Das größte Glockenspiel der Welt. Vor einigen Jahren brannte der Turm der altberühmten Katha­rinenkirche in Danzig aus. Der Brand vernichtete auch das schöne Glockenspiel der Kirche, das von Danziger Pattiziem gestiftet und der in den Jahren 1326 bis 1330 erbauten Kirche übergeben war. Das Glockenspiel erfreute die Einwohnerschaft Danzigs durch feinen schönen Klang und ließ wohl auch seiner Zeit den Wunsch rege werden, auch auf dem im Jahre 1587 vollendeten Rathause, einem wundervollen Renaissancebau, 'in Glockenspiel zu errichten. Bald nach dem Brande wurde zur Er­neuerung des Kirchturms und auch des Glockeniviels geschritten, und die Hilfsbereitschaft der Danziger Bürgerschaft int Verein mit der der Behörden hat es zu Wege gebracht, da ßdas neue Glockenspiel im Turm der Katharinenkirche nicht nur das schönste, sondern zugleich auch das größte Glockenspiel der Welt barfteflen wird. Das Glockenspiel besteht aus 37 G.ocken im Gesamtgewichte von rund 350 Zentnern, von denen die größte Glocke 54 Ztr. wiegt Das Spiel umfaßt drei Oktaven und kann mll Manual und Pedal gespiell werden. Es itz möglich, jedes 2id> darauf zu