161. Jahrgang
Drittes Blatt
tlr. tu*
G^cheinl kflgllch mit Ausnahme des CemUegl.
Die „Gietzeier Lamlllenblitter- rotrben dem eiermal wöchenlUch deiß-legl, da- „Kreisblati für den Krel» •leBtn“ jroetmal w-chenllich. tte „tandwlrlfchafllichev Lett, fragen" erscheinen monathcb zweimal.
Siebener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Mittwoch, 1. November 1911
ftolattonibnirf und Verlag der ftrüdPsch« UnwersnätS • Buch- und £tetnb ruderet.
91 Lang«, Ließen.
Hebet tien. Lxpeditton und Druckerei: 6cful* firage 7. Expedition und Verlag: 6L
•tebaftierve^ 111 TeU-Abru An,eigerGießen.
Der Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank vor Gericht.
2$. Dortmund, 31. Oft.
Zu Beginn der heutigen Verhandlung bittet der Verteidiger Rechtsanwalt Frank den Angeklagten Lhm zu fragen, ob die gdirigc Aeuherung \sdpnittd, er habe mit der Versendung der Wertpapiere nach Berlin nichts zu tun gehabt, weil es sich um -uxe handelte, den Tatsachen entspreche. In Berlin seien nämlich für 10 Mill. Mark Wertpapiere in Depot gewesen uird davon nur 2 Mill. Kuxe, der Rest beiland zum größten Teil auS 'Aktien der Toclstergcfcllfchaiieu Der Auaettagie Ohm ver sichert daraufhin, daß er mit der Versendung der Depots nie- mal: etwas zu tun gehabt habe. Verteidiger R.-A. Frank: Ich bitte den Angeklagten Ohm zu fragen, ob ihm Direktor Arendt nicht geschrieben Hobe, das; jc&t nach Einführung der Aktien der Bank an der Börse das angewachsene Wechselobligo von 2\i bis 3 Mill, und das angewachsene Konto Saldo von 3 bis 31,-v Mill. Mark getilgt werden müsse. Angeklagter Ohm: Das jst richtig.
Sodann wird der dritte Angeklagte Prokurist Benner über die allgemeinen Punkte der Anklage vernommen. Auf Antrag der SBrrtningung äufe-Tt er sich zunächst über seinen Bildungsgang Danach hat er im dlpril 1900 das Abiturienteneramen am Dortmunder Realgymnasium bestanden und trat dann als Lehrling in die Niederdeutsche Bank ein, bei der er später fest fangcitdlt wurde Fünf Woclien war er in dem Kuxenpeschast der tzörder Bank tätig und ging dann zur Niederdeutschen Bank lurüd Hier wurde er im 3obre 1908 Prokurist. Verteidiger: Ich lege Wert auf die Feststellung, daß Benner vom Anfang bis '»um Ende seiner Banktätigkeit bei der NiederdcutsätzM Bank tätig war.
Der Angeklagte Schmitt hatte das Amt, die eingelaufene Bost dnrchzuschen. Die Briefe, die ihm wichtig erschienen, hat chmitt behalten, ich habe nur belanglose Sachen bearbeiten müssen. Das nxir allerdings der größte Teil der Korrespondenz. Bon einer Rivalität zwischen mir und Schmitt kann nicht die fliehe fein. Sclnnitt hatte nur einen gewissen Ehrgei',, alles selbst zu erledigen. Er war, trotz der nominell gleichen Stellung, »ein Vorgesetzter, Direktor Ohm hat mir das selbst gesagt. Tas geht auch daraus hervor, daß Schmitt bereits int Jahre R900 Prokurist war, zu einer Zeit, als ich erst als 2ebr5ijij lei der Bank eintrat
Es wird darauf in die Erörterung der einzelnen Fälle ein* getreten. Es kommt zunächst die Affäre mit der Finna Gebr. Wexandcr in Breslau zur Verhandlung.
Danach soll die Korrespondenz d'r Bank mit der Firma Gebr. Alexander und der Brliner .Handelsgesellschaft, die beide in einander übergreiien, verlesen werden. Ta sich der Angeklagte Schmitt aber zu schwach fühlt, wird die Verhandlung abgebrochen und auf Donnerstag vertagt.___________________________________
Der Hamburger hasenraud im Wiederaufnahmeverfahren
— Hamburg, 31. Oktober.
Einen Z'/rjährigen Kamps um Ehre und Freiheit haben die 8 Bremer Llohdschisfer ausgesochten, die soeben im Wiederaus nahrncversahren der 2. hiesigen Strafkammer freigesvrochen worden sind, derselben Strafkammer, von der sie am 6. März 1908 in dem großen Hamburger Hafenraub-Prozeß zu Strafen von sechs bis neun Monaten Gefängnis und mehrjährigem Ehrverlust wegen Unterschlagung verurteilt worden waren. Die Verurteilung erfolgte damals hauptsächlich auf die bestimmte Aussage eines Mitangeklchften Stelle hin, der Außenervedient der Firma Hugo u. von Emmerich in Hamburg war. Die Verurteilten haben sich die Jahre hindurch durch ihren Verteidiger Rechtsanwalt Dr. H a r 11 a u b (Bremen) bemüht, das Wiederaufnahmeverfahren durchzusetzen. Was den Fall zu einem kriminalistisch besonders Interessanten gestaltet ist der Umstand, daß sämtliche Verurteilte ihre Strafen noch nicht angetreten haben, da es dem Verteidiger immer wieder gelungen war, Aufschub der Strafvollstreckung zu erwirken. Er wandte sich schließlich an den Hamburger Senat, der daraufhin der Staatsanwaltschaft entsprechende Anweisungen erteilte. Aus der Verhandlung, zu der über 30 Zeugen erschienen war n, ist hervorzuheben, daß Stelle, der inzwischen seine Strafe verbüßt bat, auf eingehendes Befragen die Möglichkeit eines Irrtums zugeben mutzte. Der Verteidiger suchte in längeren Ausführungen die völlige Unglaubwürdigkeit des Stelle darzutun, der wohl selbst nicht an die Möglichkeit einer Verurteilung der zu Unrecht Verdächtigten auf seine alleinige unbeeidigte Aus
sage bin gedacht habe: nachträglich habe er bann die Konsequenz aus seinem ersten Schritt ziehen und seine Aussage aufrecht erhalten müssen, um nicht wegen falscher Anschuldigung bestraft zu werden. Das Gericht schloß sich diesen Aussubrungen an und sprach die Verurteilten, die Schiffer Harms, Vogeley, Bruns, Tegarde, Volkmann, Notholdt, MartenS und Rothe, frei.
(tctreiDe=l£'Od)cnbcrid)t
bet Preisberichtsstelle des Deutschen LandwirtschaftSrats vom 24. bis 30. Oktober 1911.
Wibcr Erwarten hat die Erklärung des Reichssairzlers, daß die Regierung eine Aenderung bei reif 5 der Einjuhrfchcine nicht befürworten Tonne, weder das Geschäft ru beleben, noch die Stimmung zu befestigen vermocht. Wenn der G treidehandel vielmehr w h.cnd des größten Teiles der Berichtswoche in Hebernnftimmung mit Amerika matte Haltung bekundete, so war der Anlaß dazu in günstigen Nachrichten über die argcntinildte Ernte und der bannt zusammenhängenden Ermäßigung der südamerikanisäien For- derungen zu 'finden. Tie Zurückhaltung der Käufer wurde aber noch durch das milde Wetter bestärkt, und in der gleichen Richtung wirkten die anteiligen Klagen über unbefriedigendes Mehl- geschaft. Ebenso Irie Weizen war auch Roggen nur zu ermäßigten Preisen verkäuflich, zumal auch an der Küste Verwendung für die Ware fehlte. Anfragen vom Auslande lagen wohl vor, aber die Gebote waren -mlohnend und führten nur fe.ten zu Abschlüssen. Andererseits ist das Angebot vom Inlande, da die Landwirte immer noch aui den Feldern beschäftigt sind, keineswegs dringlich, und da sich die argentinischen Ablader heute wieder zurückhaltender zeigten, so waren auch die Abgebcr im Lieferungsgeschäft zuletzt vorsichtiger und die Preise fonnten den erlittenen Verlust zum Teil wieder einholen. Während Weiten aber immer noch 1—2 Mk niedriger als vor 8 Tagen schloßt, sind bei Roggen gegenüber der Vorwoche kaum nennenswer'e Acnderun^en festzustellen. Für Hafer war die Stimmung im allgemeinen rufaijer, und ob zwar das Angebot keineswegs sonderlich jugenommen hat, mußten sich Verkäufer doch mit etwas niedrigeren Preisen abfinden. Rußland ist für Hafer weiter sehr fest, aber andererseits blieb die Nachgi-big- feit der argentinischen Forderungen nicht ohne Einfluß auf den Wert der Mailief.-rnng. Höhere Preise ließen sich dagegen für daS knappe Angebot von Braugerste durchsetzen. Futtergerste kann e ihren Preisstand trotz größer-r Zurückhaltung der Importeure behaupten, da England als Käufer auftrat. Auch Mais behielt im allgemeinen feste Haltung: Amerifa hat wieder manches zurüclgefauft, seine Forderungen für spatere Abladungen dagegen ermäßigt. Von Rußland und von der Donau mar nicht billiger zu kaufen.
Es stellten sich die Preise für inländisches (Betreibe am letzten Markttag in Mark vro 1000 k-? je nach Qualität, wobei bas Mehr ( + j bezw. Weniger ( — 1 gegenüber der Vorwoche in
Klammevu () beigeiügt ift, wie
tolgt: Roggen
Hafer
Weizen
Königsberg
199 (— 1)
169 (- )
179 (- 3)
Danzig
200 (- 7)
171'/, (- 3)
180 (- )
(Stettin
20t) (- 1)
179 (- 1)
183 (- )
Pofen
200 (— 2)
174 (- 1)
184 (- )
Breslau
203 (— 2)
178 (- 3)
177 (- 1)
Berlin
204 (- 1)
182'/, (- IV,)
198 <— 1)
Tlagbeburg
200 (— )
184 (- 2)
198 (- )
Halle
200 (- 2)
188 (- 4)
200 (— 2)
Leipzig
201 (— 4)
187 5)
202 (- 5)
Dresden
20s (— 4)
187 (— 3)
200 ( - 2/
Rostock
199 (+ 1)
178 (- )
- (- )
Hamburg
207 (+ 3)
184 (+ 2)
193 l- )
Hannover
202 (— 1)
182 (4- 2)
194 (- 1)
Düsseldori
210 (- )
192 (- )
188 (- )
Fraukiiirl a.M.
212'/, (-17.)
193 (+ 2)
192'/, (— )
Tlamibeim
220 (- )
195 (- )
192'/, (- 2'/,)
Straßburg
220 (— )
200 (+ 21/,)
202'/, (+ 2' ,)
Thnicheu
232 (- )
212 (- )
193 (4- 1)
W e l t ni a r k t p r e il e: Weizen: Berlin Okt.
207.25 (+ 1.25),
Dez. 203.50 (—
1.00); Budapest April 201.15 (
- 3.40): Lioer-
vool Dezbr. 167.40 (— 3.8'0
Paris Oktober 204.50 (-ft 0.40);
Chicago Dez. 151.70 l— 6.55). Roggen: Berlin Okt 184.2b
(— o.25), Dez.
185.50 (— 0.75). Haier: Berlin Dez. 184.7o
(— 1.50 . Futtergerste: cif Hamburg Ott. 133.2b {— 1.00), Tod.
134 00 (- 1.25 ,
Dez. 135.75 (-
0.50). Mais: Mixed Dez.-Marz
127.50 (— 4.50),
Donau Ott.-Nov. 131.50 (— 0.00), Odessa schwim.
132.50 ( + 1.00) Mk.
Märkte.
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fc. Frankfurt a. M., 31. Oft. Heu- und Strobmarkt. AngefaHrcn waren 3 Wagen Heu und 4 Wagen Stroh. Man notierte: reu 4.N0—5.00 Tlf., Stroh (Kornlangstroh) 2.60—2.80 Mk, Wirrstroh 0,00—0,00 Mk. AllcS für 50 Kilo. Geschäst ruhig. Die Zufuhren waren aus Ober Hess en und au5 den Kreisen Dieburg und Hanau.
ßanöcl.
Berlin, 31. Oft. In der heutigen Haupwersammlung der Laurahüttc wurden die_Regularien erledigt und mit* geteilt, daß der Ueberschuß im ersten Quartal des laufenden 65c- fchäftsjahres 1 767 000 Mark gegen 1412 000 Mark im Vorjahr beträgt und sich der Auftragsbestand von 14 575 000 Mark am 30. Funi auf 15 200 000 am 1. Oktober erhöht bat.
** Billige Briefe nach Amerika. Schiffsliste für billige Briese nach den Vereinig en Staaten von Amerika (10 Pfg. für je 20 g): „Amerika" ab Hamburg 2. November, „05cmgc Washington" ab Bremen 4. November, „Friedrich der Große" ab Bremen 11. November, „König Albert" ab Bremen 18. November, „Kaiserin Auguste Viktoria" ab Hamburg 25. No^ uember, „Kronprinz Wilhelm" ab Bremen 28. November, „President Lincoln" ab Hamburg 2. Dezember. (Postschluß nach Ankunft der Frühzüge.) Alle Schiffe «ußer „President Lincoln" sind Schnelldampfer oder solch?, die für eine bestimmte Zeil: vor dem Abgang die schnellste Beförderungsgelegenheit bieten. Es empfiehlt sich, die Briese mit einem Lcitvermerk wie „direkter Weg" oder „über Bremen ober Hamburg" zu versehen. Die Pvrtoerniäßigung erftredt sich nur auf Briese, nicht auch auf Postkarten, Drucksachen usw. und gilt für Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen 05c* bieten Amerikas, z. B. Canada.
Kinder die nicht gedeihen
und in der Hutwickelung Zurückbleiben, bebürfen unbedingt ein Nähr und Kräftigungsmittel um das Blut in einen solchen Zustand zu versetzen, der unbedingt notwendig ist zur körperlichen und geistige» Entwickelung. Dies wird ohne Zweifel am besten durch Lcciferrin erzielt und wird dieses auch von Acrzten mit Vorliebe verordnet. Lcciferrin fuhrt dem Blute die demselben nötigen Bestandteile au, und reguliert sogleich die Verdauung und Assimilation der Lvciien, wodurch die Kinder tzuicbends an Gewicht nnd Kräfte zuncbmcn und sich auch geistig besser ent wickeln. (”*)
Lcciferrin ist sehr angenehm von Geschmack, und wird von allen Kindern gerne genommen. Man achte beim Einkauf auf den Namen Lecifcrrin (Veciicrrin ist eineOvo-Lccttbin-Eisen-Vcrbindungl und zum Greife von M. 3. (längere Zeit ausreichend), in den Apotheken zu haben, ganz sicher von: Umversitlits-AHotbeke (tzicßen, und Alte Universitäts-Apotheke Marburg.D*/h
ist entsetzlich, so Nacht um Nacht bustend und schlaflos im Rett zu sttzen. Bon all dem Tee und den Süßigkeiten ist mir ganz elend im Magen und doch wirds nicht bester. — Kaufen Sie Sodener Mineral-Bastillen «Faus ächte». Wenn Sie die nach Vorschrift namentlich invrgens und abends gebrauchen, dann werden Sie sofort Linderung verspüren und alle Beschwerden bald ganz loö sein. Dabei wirken die Lodener äußerst günstig auch auf den Magen ein. Die Schachtel kostet nur 85 Pfg.
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