9$haus
ssen
'Markt
'8iteSWmtir.
oda
DORF, ihete
fflÜdl e. ulver notie; idcnd weiße [em Kochen.
letzen
71 WeWückkall. ene- Uhrwerk.
rahtgestecht K-elkiz.oerzkrL»am uht, »tfldielbrtbt, ibtiiiannet, Scbü nebc lack, und vn»ki mrchtvuritzcflechte. ■riinttc 3robiicilt, üfbcleincai«. wüte i Dortedbnit bei H Rodbeimr It tb___
nßeG
Übeln von NM a feftSSj
e!
Nr. 81
t*. .«et"*» »OTdtlri>®ler- «a*n **■ .ÄnjetQer* Herme! *dd>enHid) Vetgdeft bt* „Kretsblafl fte Ml Krcü
eödjenthdx Die ^MNvVtrtlchaMtch« seit- ^M«r rtKtxW* ——Mch |MMd.
Mittwoch. 1 Marz 1911
161. ^ahrqang
Giehener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Gberhefien
QntxrfuÄte . «nfr Cteinbxudttei. A. «tröeiL
Rebaftb®. •ppebttto» etb Drutfereti ®d>i* ftrafce 1. fcrpebttto* anb Lerlag: ft» M- Rebattwrce^lll. £eL-'Mu:ttnjeiflei:®ufcm
um
be.
Verfechter
Abg. Dr. Mugdan (Vp.):
nicht ausdrücklich _ Militärmusik verlangt. Im
wurden während ihrer 3u5-
die mi:
durch die kultureller
dem Ort ganz
Ver.
Dir hatten nicht ausdrücklich Militärmusik verlangt. Im ReickStag spiell aber gewohnheitsmäßig daS 2. Garde-Regiment zu Fuß. ES war allerdings verhindert, wegen der Maßenspazier- gangS der Sozialdemokraten.
(Heiterkeit.)
Generalmajor Wandel:
Die Tarife der Militärkapellen find z. B. höher bei Fruh- konzerten, Kirchenkonzerten. Matineen usw.
ihre Pflicht tun.
Kriegsminfitcr von Hceringen äußert sich gleichfalls zu .Kasseler Fall. Der Mann ist zwanzig Jahre an einem gewesen, da sei die Versetzung an eine andere Dienststelle
Abg. Zubeil (Soz.):
Der gute Geschmack deö Volkes wird Militärmusik verdorben. (Oho-Rufe.) Da- ist ein Rückschritt. (Heiterkeit.)
angebracht.
ALg. Werner (Rfl'.l bestrettct da? entschieden. Diese ietzungen kosten nur Geld.
Abg. Roth (Dirtsch. Vgg.) ivcndet sich gegen btc ftom- mandierung der Soldaten zum Abendmahl. Er will es dahingestellt sein lassen, ob eine solche Kommandierung aus staatsrechtlichen Gründen zulässig sei; der Lehre der evan- gelischen Kirche widerspreche sie unter allen Hmständen. Häufig vexleße auch di^ Form, unter der die Kommandierung erfolge, das religiöse Gefühl. Hier gehören Freiwillige vor die Front, gezwungen dürfe kein deutscher Soldat zum Abendmahl werden.
Generalmajor von Bacmcister erklärt di« Angabe, daß zum Abcndmabl kommandiert werde, für nicht zutreffend. _ Die Wackt- meister oder Feldwebel sammeln die Mcldmigcn für die Teil«
Abg. Kunert (Soz.):
Die Gehcinfionds ermöglichen der Militärverwaltung lebe Willkür. Der Kriegsminister könnte sogar die Einnahmen aus dem Verkauf des Tempelhofer Feldes m einen solchen Geheimfonds stecken und zum Amüsement des Gardekorps der« wenden.
Abg. Werner (Rfi».) bemängelt die häufigen Verletzungen der Intendant urbeamten und nimmt besonders Bezug auf einen Fall eine- Intendantur sckrctärS in Kassel, der dort zwanzig Jahre war und plötzlich nach Königsberg versetzt lmrrde, tjtoc'A er eine kranke Mutter in der Nähe von Kassel hatte, die er unterstützte mid häufig besuchte.
Generalleutnant Wachs bestteitet, daß eS fiL um eine Art Stnnoerschung handele und daß überhaupt zu häufig Versetzungen orTfolgten. Ter General erkennt an, daß die Jntendarrtu^beamtcn
Abg. Belzer (Zentr.):
beschwert sich über die Geschäftsführung des Dezirkskommandos in Stockach. Als Kontrollversammlungsorte sollten in Baden und Hohenzollern günstiger gelegene Orte gewählt werden. Der Redner bittet um Errichtung eines BczirkSkommandos in Sigmaringen.
Einige hessische VolkSfchullehrer bildung zu miliiärischen Krankenwä
nähme am Abendmahl ein.
Abg. Vogt-Halt (Wirtsch. Vgg.) bittet, die Mannschafien am Sonntag weniger dienstlich zu beschäftigen, besonders nicht mit Häckfelsämeidcn usw. Dafür solle man Elektromobile anschaffen. Schon am Sonnabend solle man den Dienst entsprechend kürzen. Die Militärgeistlichleit solle sich der Sache annehmen.
Abg. Hengsbach (Soz.) klagt über den schlechten Zustand mancher Militärgcfängniue
Abg. Kirsch (Ztr.) bemängelt, daß die Stelle eines Rechts- beistandes bei der Obervoftdirektton Straßburg durch einen Militär- richter anstatt durch einen Zwilrichtcr beseht ist.
Abg. Ro-ke (Soz.) wünscht Auskunft über die Militärattaches bei den auswärtigen Botschaften.
Kriegsministcr v. Hceringcn:
Die Sache gehört eigentlich zum Etat des AuÄvärtigeu Amtes.
Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.):
Nein, hierher.
Kriegsminister v. Heeringen:
Ich habe schon in der BudgctlomMission Auskunft gegeben. Werden noch nähere Auskünfte verlangt, so kann eS nur in der
Abg. Graf Praschma (Zentr.):
DaS geht denn doch zu weit! Herr Zubcil als de« guten Geschmacks des deutschen Volkes. (Heiterkeit rechts und im Zentr.) Durch die Militärkapellen wird die Freude an der Mufik verbreitet. Auch bei ihrem Gründungsfeste im Reichstage hatte die VolkSpartei ausdrücklich Militärmusik bestellt.
Kommfisio« nicht txei iw Plenum vor (Ser Oeffentlichkott geschehen.
Abg. Sommer (vp.) bringt Wünsche der Veterinär- offiziere zur Sprache An der Svitze deS VeterinärkorvS sollt« nicht ein Offiziers sondern ein Fachmann stehen. Man sollte auch ein Rcserve-VeterinäroflizierkorpS schaffen. Ter Redner spricht weiter gegen die Konkurrenz der Militärbüchsen, macher gegenüber den Zibilbüchsenmachern.
Generalmajor Wandel:
Zu berechtigten Klagen der Zivilbüchsenmachcr liegt wohl kein Anlaß mehr vor, denn eS sind äußerst strenge Vorschriften erlaßen worden.
Abg. Zubeil (Soz.) tritt für die Beseitigung der M i l i t 5 r . mufik ein wegen der unlauteren Konkurrenz, die sie den Zivil- musikern mache. Mit der KriegStüchttgkett der Armee habe die Militärmusik gar nichts zu tun.
Abg. Kopsch (Vp.):
Die Konkurrenz der Militärmusik geht m der Tat zu weit. Unseren Zivilmusikern muß geholfen tverden, zumal jetzt auch ausländische Kapellen herangebolt werden. An marktschreierischer Reklame wird von den Militärkapellen das Menschenmöglichste geleistet. So unbedingt notwendig scheinen ja manche Kapellen nicht zu sein. So hat eine Militärkapelle die Pankgrafen aus chrer wochenlangen Reise durch Tcutschland beglettet. In Nkagde- bürg bat ein Halberstadter Militärkapellmeister sogar die Leitung eines Gesangvereins übernommen. (Hört! Hort!)
Generalmajor Wandel:
Die Militärverwaltung hat sttenge Vorschriften erlaffen und wacht auf deren strengster Durchführung.. ES sind unS auch nur wenig Klagen zu Ohren gekommen. Die Militärmupker |tni> durchaus nickst billiger. Im ttjegenteil: die Gastwirte beklagen sich über die teuren Tarife; sie müßen sie aber bezahlen, weil daS Publikum die Militärmusik wünscht. Wir werden nach Möglichkeit den berechtigten Wünschen der Zivilmusiker gerecht.
Aba. Görcke (Natl.):
Auch wir weisen die Angriffe gegen die Militärmusiker zurück. Ihre private Betätigung könnte freilich etwas eingedämmt werden.
Abg. Frhr. b. Richthofen (Kons.):
Was soll denn eigentlich der Kricgsministcr tun, um der Konkurrenz der Milüärmusiker cntgegenzuarbeiten? Berechtigte Wünsche der Zivilmusiker wollen wir acrn erfüllen, wie wir ja immer für den Mittelstand sind.
mb. Deutscher Reichstag.
187. Sitzung, Dien«tag, den 28. Februar. Am Tische des BundeSrat«: Frhr. von Heeringsn. Präsident Graf Schwerin.LSwitz eröffnet die Sitzung
1 Uhr 15 Minuten
Der [RHlfdrefat
(Sechster Tag.)
iq zu militärischen Krankenwärtern zu Diensten verwendet, it dieser Ausbildung nichts zu tun hatten, und die für sie direkt erniedrigend waren. Ein Dentist wurde damit beauftragt, da? auf dem Hofe gewachsene GraS zu entfernen.
Abg. Rupp (Kons.) bedauert die Aufhebung des Bezirkskommandos in Sinzheim.
Generalmajor Wandel: Der Bezirksfeldwebel in Sinzheim hatte fast nichts zu tun. Die Stelle ist daher mit Recht aufgehoben Warden.
Abg. Görckr (Natl.):
In der sozialdemokrattschen Preße sind Berichte über angebliche Schiehver suche auf Leichen in Spandau erscknencn. Angeblich sollen die Leichen aus der Charitee sein. Es wird er- klärt, daß es sich dabei um Barversuche des Schießens auf Vater und Mutter bandelt. Was ist daran wahr? Wäre nichts daran, so müßten die Artikel scharf mißbilligt werden.
Generalmajor Wandel:
Ich danke für diese scharfe Mißbilligung der sozialdemokratischen Preßangriffc. An den romanhaften Schilderungenn von Scheußlichkeiten ist nichts daran.
Es haben allerdings in Spandau schon früher und auch im September 1909 Versuche stattgefunden, um festzustcllen, welche Verwundungssähigkcit die modernen Geschoße haben. Es sind dabei anatomische Präparate von der Anatomie verwendet worden. Sie waren in Solzkisten verpackt, die vorn mit Leinwand verhängt waren. Die Soldaten haben die Gegenstände gar nicht gesehen. Leute von der Anatomie haben nach einem Treffer die Sachen entfernt. Von einem Schießen auf nackte Leichen ist gar nicht die
Rede. Solche Versuche müßen im Interesse der Krieg«. Thirurgie angeftellt werden.
Dbg. Noßke (Soz.):
ES fit grausig und schcuhlick, daß man gemeine Soldaten zwingt, auf Leichen zu schießen. Ob solche Versuche notwendig sind, mag ein Militärarzt entscheiden.
Abg. Dr. Mugdan (Vp.):
Die Sozialdemokratie nennt sich bei jeder Gelegenheit eine Partei der Kultur, dabei fördert sie jetzt den Aberglauben, als ob eine Le icke schon grauenerregend fei, und al» ob junge Männer bei ihrem Anblick in Ohnmacht fallen müßten. Die Versuche sind notwendig im Interesse der Wißcnsckaft und der lebenden Soldaten. Wie soll man sonst die Wirkung der Schüße auf Knochen feststellen. Eine Volkspartei, wie sich die Sozialdemo- kratie gern nennt, sollte gegen jeden Aberglauben Front machen. (Zuruf bei den Soz.: Es ist eine Roheit!) Dann ist jede Anatomie eine Roheit. (Zubeil: Man soll Offiziersleiclxm nehmen.) Die Sozialdemokratie ficht auf dein Standpunkt des scholastischen Mittelalters. Sie will jede anatomische Forschung Verbindern. (Widerspruch bei den Soz.) Sie gehört im Punkt des ?lber- glaubens zu den reaktionären Parteien. (Lärm bei den Soz.)
Abg. NoSke (Soz.):
ES bandelt sich nicht um Aberglauben. Auch wir erkennen an, daß Versuche an Leichen erforderlich sein können. ES fit aber etwas anderes, ob ein Arzt solche Versucke vornimmt, ober ob gemeine Soldaten gezwungen werden, auf Leichen zu schießen. Was sagt das Zentrum dazu, daS sonst immer Respekt vor den Toten predigt?
DaS proletariscke Gefühl lehnt sich dagegen auf, daß Soldaten zu solchen Versuchen kommandiert werden. Hierüber ist Aufklärung erforderlich.
Abg. Dr. Mugdan (Vp.):
Diese proletarische Aufklärung ist ein Zeichen geistiger Zurückgebliebenheit. (Lärm b. d. Soz.) Kein Mensck, der im Krankenhaus stirbt, wird ohne Zustimmung der Angehörigen nack der Anatomie gebracht. Die ganzen Ausführungen de? Herrn NoSke gingen darauf hinaus, daß der ganze anatomische Unterricht wie int Mittelalter nicht mehr auf menschlichen, sondern Tierlcichen beruhen soll. Ick vertrete doch gewiß den ärztlichen Stand ein bißchen sehr energisch, ich be- zweifle aber doch sehr, ob allzu viel Kollegen auf 1000 Meter richtig zielen uiid gar noch Geschütze bedienen können. Will man erproben, wie die Schüße wirken, so braucht man Mannschaften dazu. Zu dem Kompromiß wäre ick bereit, daß man dazu nicht Mannschaften kommandieren, sondern Freiwillige verwenden soll. Es ist nichts als eine Schürung des Aberglaubens, wenn man es so darstellt, als ob Leichen etwas ganz Furchtbares sind, das jedem Menschen ein Grausen einflößt.
Sächsischer Generalmajor Frhr. b. Salza:
Schwarze Fonds sind Fonds, die gebildet sind aus Mitteln, die eigentlich gemäß 8 64 der Reichsverfasiung au die Reichs- Haupt lasse hätten zurückgehen muffen, aber widerrechtlich zurück, gehalten worden find. Derartige Fonds haben wir in Sachsen nicht. Wir haben aber Fonds, die sich zusammen,etzen aus -Ltif- lungSzawendnngen aus alfiächsischen Mitteln aus dem Anfänge dcS neunzehnten Jahrhunderts, deren Ursprung kaum noch nach« wciSbar ist. Sie haben zu keiner Zeit mit dem Militaretat im Zusammenhang gestanden, sondern sind beim Eintritt SachsenS in den Norddeutschen Bund ausschließlich zur Verfügung bc5 Königs geblieben. Soweit die sächsische Oberrechnungskammer zu. ständig ist, werden die Fonds von dieser kontrolliert. Es handelt sich lediglich um Fonds, die im Jntereffe der sächsischen Offiziere und Unteroffiziere verwendet werden in Fällen, für btc der Mi° litärctot nichts vorsieht.
Der Kr i e gSb e u t efo n d « fit ein vollständig legaler Fonds. 1870/71 haben die einzelnen Kontingente einen Teil der Darbeträge aus dem verkauften er. beuteten Material erhalten. Daraus ist dieser Fonds gebildet worden. Die Rechnung über diesen Fonds ist bisher auLichnetz- lick hont ReicksrechnungsluK dechargiert worden. Auch bw Gin- Wendungen gegen den Offizierkasinofonds, den MonticrungS- ionds und den Druckereifonds sind unbegründet Wenn mtmdjc Verfügungen deS Kriegsminifteriums als geheim bezeichnet und eingeschrieben versandt werden, so geschieht daS nur deswegen, damit sie von höheren Beamten und nicht etwa von uitteren ge. öffnet werden Von Geheimniskrämerei kann nickst die Rede fein. Die schweren Anschuldigungen, die der Abg. Kunert gegen die sächsische Militärverwaltung vorgebracht hat, sind m reiner Be- Ziehung stichhaltig, ich muß sie aufS energischste zu ruckweisen. (Beifall.)
Abg. Erzbrrger (Zentr.): t v
Heber da« Jntendantnrivesen haben wir schon eingehend venn Falle Uhlenbrock gesprochen. Wir können uns also weitere Reden sparen. Die Beschwerden des Aba. Kunert sind völlig hinfällig. Sie zeugen von einer großen Unkenntnis deS Etats, die man von einem Abgeordneten wirklich mcht erwarten sollte. Er bat von Betrug, Unterschlagung, DerfassungS- druck, Verletzung des BudgctrcchtS deS Reichstags geiprochen. Nichts ist erwiesen! Er sollte uns mit wlckcn baltloien Be- schuldimmgen verschonen. Gewiß werden die Gnadenzulagen geheim vergeben. Oder verteilt etwa die Sozialdemokratie ihre Unterstützungen <nx Parteigenossen öffentlich auf den Partei-
Denn „.Kastenwesen" und bei den „Intendanturen mängelt Abg Kunert (Soz.), daS bisherige System deS Offizierersatzes und da« Zulagewesen. Im Heere sei eme regel- rechte Vetternwirtschaft großgczogen worden. Adel sei die .Hauptsache. Die Gnadenzulagen sollten überhaupt gestrichen werden. Der Redner spricht gegen die Geheim- fand«. Er bezeichnet verschiedene sächsische Fonds als söge, nannte schwarze, ungesetzliche Fonds.
Abg. Frank (Soz.):
Den Beweis, daß wir eine Kulturpcnttei find, hären wir dnrck unfern Kampf gegen den Militarismus unb gegen Erscheinungen wie diese hier, die den Beweis liefern, daß dem MilitriSmuS alles geopfert wird, was sonst Gegenstand bet Pietät ist. In Preußen dürfen noch jetzt nicht Leichen verbrannt werden, aber sie als Zielobjekt zu verwenden, dagegen hat man keine religiösen und Pietätsbedenken. Herr Görcke setzte die Sacke als unwahr Vorau« und hielt für den Fall, daß sie doch wahr wären, die Entrüstting für berechtigt und der Vertreter der Kriegsverwaltung hat die Behauptung, daß es zu medizinischen Studienzwecken geschehen sei, ilberhaupt nicht aufgestellt. Herr Mugden ist militarfitischer als die Herren von der Militärverwaltung. Auch Herr Mugdan hat nickt behauptet, daß die Anaehörigen ihre Zustimmung gegeben haben. Für die Leichen ist hier die Pflicht statuiert, sich anschießen zn lassen zu patriotischen Zwecken.
Generalmajor Wandel:
WaS in den Artikeln stanb, beruhte nicht auf Wahrheit. Die Behauptung von dem Anlernen zum Schießen auf Vater und Mutter, von all dem großen Apparat sind durchaus der Wahrheit zuwider. Keiner von den Soldaten, die herangezogcn sind, hat etwas von den Präparaten gesehen. Sie waren verdeckt oder in Leinwand cingchüllt. Es bandelte sich um die Verwendungsfähigkeit des ^-Geschosses, insbesondere seine Neigung bei bestimmten Entfernungen, ferner um Versuche auch mit anderen Geschossen, die eventuell im Kriege uns begegnen können, wie sich unter diesen Verhältnissen der Schußkanal der Wunde barstellt unb in welcher Weise bie ärztliche Wissenschaft bann den Leuten besser helfen kann. Um irgendwelche generellen Hebungen kann e5 sich dabei nicht handeln. Daher ist die Schilderung in den sozialdemokratischen Zeitungen durchaus falsch.
Abg. Mugdan (Vp.):
Die Sozialdemokraten sind unbelehrbar. Fortgesetzt werden sie jetzt behaupten, der Militarismus fordere die Hebung an Proletarierleichen. Dabei handelt es sich hier nur um die Leichen aus Strafanstalten, deren Hinterbliebene man nicht ermitteln faim. So leisten wenigstens die, die dem Leben der Mensch- heit vielleicht Schaden zugefügt haben, nach ihrem Tode noch einigen Nutzen.
Abg. NoSke (Soz.):
Die Aktton gegen unS ist kläglich verpufft. Herr Görcke hat sich entrüstet für den Fall, daß dis Schießungen stattgefunden hätten Sie hoben ftattgefunben, also möae sich Herr Görcke mit uns mrn entrüsten. Die Worte in dem Artikel, es werde angelernt, für bat Schießen auf Vater und Mutter, gebe ich prei«. Darauf kam es auch gar nicht an. (Lebh. Widerspruch.)
Abg. Görcke (Natl.):
Der Arttkel des „Vorwärts" enthielt Hcbertreibnngen schlimmster Art. Die schlimmste hat fitzt Herr Nosle preisgegeben. Hoffentlich nehmen nun die sozialdemokrattschen Blatter ihre Beschuldigungen zurück.
Abg. Zietsch (Soz.):
Erst entrüstet sich Herr Görcke und nun sucht er noch Ent- schuIdigungSgrunde für das Objekt seiner Entrüstung.
Kriegsminister b. Heeringeu:
Die Präparate werden von der Anatomie zugeschickt. Die Soldaten bekommen nichts davon zu Gesicht. Leute der Anatomie schaffen sie auch wieder fort. Nur durch Klatsch haben die Soldaten vielleicht davon erfahren, daß cs sich um Lcichenteile handelt. Ohne dic Artikel hatte niemand davon gewußt. Es handelt sich nm humane durchaus notwendige Versuche. (Beifall.)
Abg. Carstens (Vp.):
Die Versuche find doch im Interesse der lebenden Soldaten, also des deutschen Volke?. Ich verstcche mcht, wie der Reichstag solange darüber debattieren kmm. (Lebhafter Beifall.)
Das Haus vertagt sich.
Weiterocratung: Mittwoch 1 Hhr.
Schluß 7 Uhr
Generalmajor Wandel:
Die Gesuche um Befreiung vom Besuch der Kontrollvcrsamm- lunacn sind vom Bezirksamt Stockach fast ausnahmslos bewilligt tooroen.
Abg. Dr. Müllcr-Meiningen (Vv.):
Ich habe vor einigen Tagen hier über den Fall Harden- Jaenicke Mitteilungen gemacht unb ausgeführt, baß dem Tr. Jaenicke sein Verkehr mit Harden zum Vorwurf gemacht wurde. Ich habe nun einen Brief deS Dezirkskommandos Hannover er- halten, in dem erklärt wird, daß der Bezirkskommandeur andere Motive holt, als ich sie ihm bei seinem Vogehen gegen Dr. Jaenicke zugeschrieben habe. Ich halte es für loyal, das hier zu konstatieren. Ich gehe auf den weiteren Inhalt dieses Schreibens jetzt nicht ein, sondern werde es dem Kriegsminister zu zur weite- ren Veranlassung übergeben.
Abg. Geck (Soz.):
mein®
M.


