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15.9.1911 Erstes Blatt
 
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Arbeiterbewegung.

Die Bewegung in .der Metallindustrie. Aus Erfurt wird gemeldet: Ter Verband thüringischer Metallindustrieller beschloß, die einzelnen Betriebe erst klassenweise in die Einigungsverhandlungen mit den Arbeitern eintreten zu lassen. Tie Arbeit soll erst dann aufyenommen werden, wenn immer alle Betriebe einer Ortsgruppe eine Verständigung mit den Arbeitern erzielt haben. Am Donnerstag haben einzelne Betriebe die Verhandlungen ausgenommen. In Dresden haben die Metallarbeiter am Donnerstag morgen die Arbeit wieder ausgenommen.

tzeer und Flotte.

Diekriegkgemätzc Ausbildung" der deutschen Truppen.

Altona, 15. Sept. Eine an den kommandierenden General des 9. Armeekorps unter dem 13. ds. ergangene Kabinettsordre ist den Truppenteilen des Armeekorps be- kanntgegeben worden: Dem 9. Armeekorps zolle Ich für seine vorzügliche Haltung bei der vor Mir abgehaltenen Parade gerne Meine volle Anerkeinmng. Zu Meiner leb­haften Befriedigung hat Mich der Verlauf der jetzt beende­ten Manöver auch erkennen lassen, daß die kriegs­gemäße Ausbildung aller Waffen des Armee­korps vollkommen erreicht ist. Ich weiß, welch pflichttreue Hingebung an den Dienst, welch ernstes Stre­ben geboten ist, um so bedeutende Erfolge zu erzielen, zu denen Ich das Armeekorps herzlich beglückwünsche in der zuversichtlichen Hoffnung, es möge allezeit für die seiner harrenden Aufgaben so wohl geschult bleiben. Ich ersuche Sie, allen Generalen, Kommandeuren und Offizieren für die gelungene Ausbildung der Truppen Meinen Dank zu übermitteln und die Unteroffiziere und Mannschaften sow.e die zur Verstärkung herangezogenen Truppen für ihre guten Leistungen zu beloben.

*

Zum 50jährigen Militärdienstjubiläum des Kommandanten des kaiserlichen Haupt­quartiers, Generalober st s v. Plessen, fand am Donnerstag abend 8 Uhr in der Jaspis-Galerie beim Kaiser Tafel statt.

Stuttgart, 14. Sept. Nach demSchwab. Merkur" wird Generalfeldmarschall v. Bock und Polach dem Manöver der württembergischen Truppen vom 16. bis 19. September als Armeeinspekteur beiwohnen.

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Aus Stadt und Land.

Gießen, 15. September 1911.

Ueberlandwerk Wölfersheim.

Bezüglich der großen und die Allgemeinheit schon seit Jahren interessierenden Projekte der Provinz Oberhessen haben wir in Erfahrung gebracht, daß an die v o n d e r Provinz projektierte Ueberlandzentrale, durch die die Kreise Friedberg und Büdingen ganz, die Kreise Gießen und Schotten etwa je zur Hälfte mit elektrischer Energie versorgt werden können, sich bis jetzt schon 90 Gemeinden insofern angeschlossen haben, als bindende Verträge zwischen ihnen und der Provinz abgeschlossen sind. Es ist dies für den Anfang ein schöner Erfolg, denn die anschlußwilligen Gemeinden haben nicht nur einen hervorragenden Beweis dafür erbracht, daß sie sich mit den auf Hebung und Förderung unserer wirtschaftlichen Interessen gerichteten Bestrebungen der Provinz solidarisch fühlen, sondern auch anerkannt, daß das, was die Provinz auf eigenes Risiko ohne Aussicht auf pekuniären Erfolg jetzt im Interesse der Pro­vinzgemeinden tun will, fördernswert ist intb unterstützt werden muß. Zurzeit wird auf Grund der eingegangcneu Anmeldungen das Fernleitungsnetz ausgearbeitet, über dessen end­gültige Festlegung alsdann mit den einzelnen Gemeinden ver­handelt werden wird. Ebenso wird bereits an den Unterlagen für die Ausschreibung der Lieferungen gearbeitet, so daß möglichst bald und möglichst überall mit den Fernleitungs-Anlagen und Ortsnetzen begonnen werden kann. Bei dieser Sachlage ist und bleibt zu bedauern, daß es, wie man hört, immer noch Gemeinden geben soll, die mit ihrer AnschlußerUärung zögern oder sich gar vollständig ablehnend verhalten. Die jetzt gebotene Gelegenheit, auf Kosten eines großen Kommunalver­bandes zu einer Versorgung mit elektrischer Energie zu gelangen, kommt voraussichtlich nicht mehr wieder und wer die eben dar­gebotene Hand ausschlägt oder sich gar auf'sSelbstexperimen­tieren" verläßt, wird dies vielleicht später bereuen. Hoffentlich kommt es nicht dazu und bricht sich doch noch die Ueberzeugung Bahn, daß Kurzsichtigkeit oder Kirchturmsinteressen hei Wer­ken, die für Menschenalter geschaffen werden, stets schlechte Berater gewesen sind.

** Vom Landesgew erbeverein. Zur bevor­stehenden 75. Jahresfeier des Landesgewerbevereins wurde durch eine Abordnung dem Großherzog die von den Beamten der Zentralstelle verfaßte Denkschrift über­reicht, mit der Einladung zu der am 24 Sept, stat^ findenden Festfeier im Darmstädter Saalbau. Um eine blciv.'nde Er­innerung an das Jubiläum zu schaffen, beschloß der Aus­schuß des Landesgewerbevereins, die ^um Gedächtnis des ersten Präsidenten desselben, Gel-eimerat Eckhardt, be­stehende Eckhardt-Stiftung zu erweitern. Es werden zunächst aus Mitteln, die dem Landesgewerbeverein durch die Versicherungsverträge seiner Mi glieder zuge­flossen sind, 6000 Mk. der Strftung von dieser Seite zu- gcfuhrt werden. Der Ortsgewerbeverein Darmstadt h eine Erhöhung seines Stiftungskapitals um 1000 Mk. in Aussicht gestellt. Hoffentlich findet das gute Beispiel im Landesgewerbeverein und darüber hinaus Nachahmung. In

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gestern die ® herfli'grnde" wald oeiursa wurden. _

Ans feilen.

Zur Landtagswahl. In Offenbach haben die Sozialdemokraten den Beigeordneten Eißnert als Kan­didaten für die am 3. November stattfindende Landtags- wahl aufgestellt._________________ ö

Deutsches Reich.

'Stet deutsche Kronprinz ist am Donnerstag abend von Charlottenburg nach Danzig abgereist.' Auch joer scarfer i)t abends nach Danzig gefahren.

. ,Dem Kaiserlichen Aufsichtsamt für Prioatversicherung wird demnächst der Plan für ein neues Bersiche- Sterne b men vorgelegt werden, das die Var- ftcherung gegen Ausfall bei H y p o t h e k e n d a r l e h e n be­treiben null. Das Unternehmen soll in Aktienform und Annacylt mit einem Grundkapital von 10 Millionen Mark «richtet werden. Das Projekt geht von den Direktoren Max Schonewald, Berlin-Schöneberg und Dr Grandke Berlin aus. Es wird durch ein Konsortium, das dem Allgemeinen deutschen Mietversichernngsverein a. G zu Stertoi u-cchv tzcht. finanziert werden. .

keinem Stande sind zurzeit so wenig Unterstützungsmittel für den bedürftigen, aber tüchtigen jugendlichen Nach­wuchs vorhanden wie in dem Handwerkerstand, für dessen Ausbildung und berufliche Tüchtigkeit der Verein seit seinem Bestehen mit allen Mitteln zu wirken bestrebt war.

** Das Militärwochenblatt meldet: Die Gene­ralleutnants, der Großherzog von Sachsen, wurde zum General der Infanterie, der Herzog von Anhalt und Prinz'Johann Ge­org von Sachsen zu Generälen der Kavallerie, Mudra, Chef des Jngenieurkorps, v. Pritzelwitz, kommandierender General des 6. Armeekorps, zu Generälen der Infanterie ernannt, v. Lertzen, Generalleutnant und Abteilungschef im Militärkabinett, wurde zum Vorsitzenden der Obermilitärprüfungskommission ernannt, v. Rode. Oberstlt. und Bats.-Kvmmandeur im Jns.-Leibregt. Großherzogin (3. Großherzogl. Hess.) Nr. 117, zum Stabe des

Füs.-Regts. General-Feldmarschall Graf Moltke (Schles.) Nr. 38 versetzt. Thümmel, Major beim Stabe des Jnf.-Leibregts. Großherzogin (3. Großherzogl. Hess.) Nr. 117, zum Bats.-Kom­mandeur ernannt. Zu Oberstlts. befördert: die Mo jore: Tellenbach, Bats.-Kommandeur im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großherzogl. Hess.) Nr. 117, v. Sonin, Bats.- Kommandeur im Leibgarde-Jnf.-Negt. (1. Großherzogl. Hess.) Nr. 115. M i t dem 1. Oktober 1911 versetzt : d i e Hauptleute : Frhr. v. d e r O st e n gen. Sacken im Großen Generalstabe, in den Generalstab der Großherzogl. Hess. (25.) Div., Pfeiffer im Großen Generalstabe, in den General­stab des 18. Armeekorps, v. Bartenwerffer, Hauptm. und Komp.-Chef im Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Großherzogl. Hess.) Nr. 115, mit dem 1. Oktober 1911 unter Ueberweisung zum General­stabe der ö. Div. in den Generalstab der Armee versetzt, v. Baum- b a ch, Major und Adjutant des Generalkommandos des 18. Ar­meekorps, zum Stabe des Ulan.-Regts. Graf Haeseler (2. Bran­denburg.) Nr. 11 versetzt. Ritter v. Poschinger, Ritttn. und Eskadr.-Chef im Thüring. Ulan.-Regt. Nr. 6 zum Adjutanten des Generalkommandos des 18. Armeekorps, v. Fabeck, Hauptm. und Komp.-Chef im Garde-Schützen-Bat., unter Beförderung zum Major zum Adjutanten der 21. Div., ernannt, v. Kotze, Rittm. und Adjutant der 22. Kav.-Brig., als Eskadr.-Chef in das Leib-Drag.-Regt. (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 24 versetzt, v. Strzemieczny, Oberlt. im Großherzogl. Artilleriekorps, 1. Großherzogl. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, unter Beförderung zum Hauptm. zum Adjutanten der 17. Feldart.-Brig., ernannt. Der Charakter als Major verliehen: Grunerv, Hauptm. a. D in Heringsdorf, zuletzt Komp.-Chef im jetzigen Jnf.-Regt. Prinz Carl (4. Großherzogl. Hess.) Nr. 118. Mit dem 1. Oktober 1911 verletzt: Lüpke, Hauptm. und Komp.-Chef im Jnf.-Regt. Prinz Carl (4. Großherzogl. Hess.) Nr. 118, in das 3. Unter-Elsäss. Jnf.-Regt. Nr. 138. Zu Komp. - Chefs ernannt : die Hauptleute: M ü>l- i er im Jnf.-Regt. Prinz Carl (4. Großherzogl. Hess.) Nr. 118. Mit dem 1. Oktober 1911 z u Korn p.-Chefs er­nannt: die Hauptlen te: Rausch im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großherzogl. Hess.) Nr. 117, dieser unter Ver­setzung in das Jnf.-Regt. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau (1. Magdeburg.) Nr. 26, v. S i e r a k o w s k i im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großherzogl. Hess.) Nr. 117, unter Versetzung in das Leib-Garde-Jnf.-Regt (1. Großherzogl. Hess.) Nr. 115. Zu überzähl. Hauptleuten befördert und mit dem 1. Oktober 1911 zu Komp.-Chefs ernannt: die Oberlts. : v. Hombergk zu Back im Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Großherzogl. Hess.) Nr. 115, Hedemann im Jnf.-Regt. Prinz Carl (4. Großherzogl. Hess.) Nr. 118. Zu über zähl. Hauptleuten befördert: die Oberlts. : Wichtert (Wilhelm), K l a u e r im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Groß­herzogl. Hess.) Nr. 117. Der Charakter als Hauptm. verliehen: dem Oberlt.: Graf zu Solms-Laubach ä 1. s. der Armee.

" Von den Wandernden. Im August logierten in der Herberge zur Heimat 812 Gäste (gegen 1049 im gleichen Monat des Vorjahres). Davon nahmen die Herberge in Anspruch: gegen Bezahlung 588 (566), gegen Arbeits­leistung 224 (483). Im Arbeitsnachweis der Herberge waren angemeldet 161 offene Stellen, nach auswärts 84, für Gießen 77. Besetzt wurden 142 Stellen und zwar 81 noch auswärts und 61 in Gießen. Von den untergekommenen Lt e waren 87 Handwerker (gesucht 90) und 55 ungelernte Ardener (gesucht 71).

Landkreis Gieren.

Staufenberg, 14 Sept. Lehrer Gräf, der seit einem Jahre die hiesige Lehrerstelle verwaltet und der sich in der Gemeinde großer Beliebtheit erfreute, wurde nach Gustavsburg versetzt. Der Kriegerverein hält am 17. und 24. ds. MtS. und am 1. Oktober Preis- chießen ab.

** Finanzmini st er Dr. Braun hat einen Er­holungsurlaub angetreten.

** Großh. Hessisches Regierungsblatt Nr. 23, ausgegeben den 15. September 1911, hat folgenden Inhalt: 1. Gesetz, die Abänderung der Kreis- und Pro­vinzialordnung vom 12. Juni 1874 betreffend. 2. Gesetz zur Abänderung des Gesetzes, die Anstellung ünb die Diszi- plinarverhältnisse der Kreisbeamten bett., vom 27. Sept. 1899. 3. Gesetz zur Aendernng des Artikels 56 des Gesetzes, die Stäoteordnung betreffend, vom 13. Juni 1874. 4. Bekanntmachung 'der Texte des Gesetzes, Die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und der Pro­vinzen betreffend, vom 12. Juni 1874 und des Gesetzes, die Anstellung und Disziplinarverhältnisse der Kreisbeamten betreffend, vom 27. September 1899 in der vom 1. April 1912 an geltenden Fassung.

VrVssen bis zum 17. September vollendet sein Im Lager von Mdershvt soll es sehr ruhig zugehen. Die vor Kirk­wall liegende dritte Torpedojäger-Flottille hat sich bereit zu halten, in wenigen Stunden in See zu gehen.

Kaiser und Reichskanzler.

Berlin, 14. Sept. Der Kaiser hörte heute vor- tanttag int Neuen Palais zu Potsdam den Vortrag des Reichskanzlers.

Cambon wieder in Berlin.

Paris, 15. Sept. Nach einer Meldung desTemps" wird Botschafter Cambon in der morgigen Unterredung mit dem Staatssekretär von Kiderlen-W ä ch t er die von diesem zu stellenden Fragen genau nach dem Sinn und dem Wortlaut des ihm übermittelten Memorandums beantworten. Die Regierungspresse erwartet, daß jetzt einem jedes Mißverständnis ausschließenden Ma­rokko-Pakt zwischen Deutschland und Frankreich die Wege geebnet sind.

Paris, 14. Sept. Nach demEcho de Paris" hat Minister de Selbes dem englischen und russischen Botschafter, die er gestern nachmittag empfangen hat, den Wortlaut der neuen französischen Ant- toort mitgeteilt.

Frankreich in Aufregung.

Lamotte-Breuil (Dep. Oise), 15. Sept. Das LenkluftschiffA»d jutant Vincenot", das an den Manövern im Osten teilgenommen hat, erhielt gestern den Auftrag, Briefe an den Truppenchef in RetHel- La u n a g und Verdun zu befördern. Nach Ausführung des Auftrages kehrte das Luftschiff, das während seiner 131/» ftünbigen Fahrt in funkentelegraphischer Verbindung mit Verdun und dem Eiffelturm war, nach Lamotte-Breuil zurück.

Paris, 14. Sept. Der Krieasminister hat im Namen des Ministerpräsidenten und in feinem eigenen Namen an den Oberleiter der Manöver von Belfort, Gene­ral Chomer, ein Schreiben gerichtet, in dem er feiner rückhaltlos en Bewunderung für die Haltung der Truppen Ausdruck gibt und erklärt, die Republik, die auf ihre Soldaten, ihre Offiziere und ihre ganze Armee stolz sei, könne im Vertrauen auf ihre Kraft der Verwirk- lichmta ihres 'Ideals von Freiheit, Gerechtigkeit und Recht Erstreben.

Paris, 14. Sept. Amtlich verlautet: Um den Eifer der Arsenalarbeiter von Brest und Lorient zu belohnen, durch den es möglich wurde, zwei Panzerschiffe von je 23 000 Tonnen in 10 bis 11 Monaten nach der Kiellegung vom Stapel zu lassen, hat der Ma­rin em i nister beschlossen, diesen Arbeitern besondere Vergünstigungen zu gewähren.

Französische Halluzmationen.

Paris, 14. Sevt. Heute früh ging in Luneville das Gerücht um, daß 25 deutsche Ulanen in der Umgebung derStadtgesehen worden seien. Major Mangin, der Stabschef der dortigen Kavalleriedivision, entsandte Gendarmen und eine Eskadron Chasseurs in die rin Betracht kommenden Gemeinden und die bezeichnete Richtung. Man fand aber keinen Menschen, der deutsche Reiter gesehen hätte. Man glaubt es mit Lmten zu tun zu haben, die Halluzinationen zum Opfer fielen. Die Präfektur des Departements Meurthe et Moselle und das Ministerium des Innern bezeichneten das Gerücht in aller Form als unrichtig.

DerLokalanzeiger" meldet aus Paris': Bezüglich der Schauernachricht derPattie", die einen Ueberf all von deutschen Ulanen aus Luneville meldet, stellt sich heraus, daß ein Mechaniker, der offenbar die Bürger­schaft ängstigen wollte, die Geschichte von Anfang bis zum Ende erfunden hat. In Paris wurde das von derPatrie" mit fetten Lettern gedruckte Telegramm mit absolutem Unglauben ausgenommen. Es herrschte keinerlei Erregung. Die ernsteren Abendblätter brachten dann ein unzweideutiges Dementi des Präfekten des Departements Meurthe-et-Moselle. Auch vom Ministe­rium des Innern wurde das Gerücht in aller Form als sunrichtig bezeichnet.

Die Besorgnisie Belgiens.

Brüssel, 14. Sept. Nach den Abendblättern werden Ün Belgien nicht nur die Reservisten der Genietruppen nicht entlassen, sondern auch die Jahrgänge 1906, 1907 und 1908 leinberufen.

Die Abtretung von französischem Kongo-Gebiet.

Paris, 14. Sept. Die Witwe des Forschunas- ireifenben Savorgnan-Debazza, dem Frankreich die Erwerbung eines großen Teils seiner Kongokolonie verdankt., 'richtete an den Präsidenten Falliöres ein Schreiben, in dem sie gegen die geplante Abtretung des mittleren Kongo lebhaften Einspruch erhebt.

Die Schatzung der französischen Roggenernte

wach den Aufstellungen der landwirtschaftlichen Fachleute Üst amtlich bekannt gegeben worden. Darnach beträgt die Ernte von 1911 16 687 500 Hektoliter gegen 15 527 900 Hekto­liter im Vorjahr.

Der Fall Cartwright.

Die9torbb. Allg. Ztg." schreibt: Die Kaiserliche Regierung erhielt auf eine Anfrage von der Großbritannischen Regierung die Mittei­lung, daß der englische Botschafter in Wien Weder den bekannten Arttkel derNeuen Freien Presse" inspiriert, noch die ihm von dem Verfasser des Ar­tikels zugeschriebenen Aeußerungengetan hat. Damit ist per Zwischenfall für die Kaiserliche Regierung in be­friedigender Weise erledigt.

s Kreis Büdingen.

Ortenberg, 14. Sept. Der Joh^ Pfeifer zu Kirch- Bracht wurde morgens töt im Stalle aufgefuiwen. ßs liegt jedenfalls Alkoholvergiftung vor.

Kreis Lauterbach.

~ BernShausen, 13. Sept. Ein Automobik, das von Schlitz nach Salzschlirf fuhr, stieß am Dienstag abend an dem Bahnübergang zwischen hier und Niederstoll mit dem um 859 Uhr hier fülligen Zuge der Nebenbahn­strecke SalzschlirfSchlitz zusammen. Das Automobil, dessen Führer den herannahenden Zug wegen der Terrain- verhältniffe nicht sehen konnte, prallte am vorletzten Wagen des Zuges ab, so daß keiner der Insaffen verletzt wurde. Wegen der Gefährlichkeit dieser Stelle ist an dem ohne Schranke versehenen Uebergang ein elektrisches Läutewerk er­richtet, das beim Annähern eines Zuges in Bewegung gesetzt wird. Der Führer des Automobils will jedoch weder dieses noch das Läuten der Lokomotive gehört haben. Die Auto­mobilfahrer sollen angeblich von Friedberg sein.

Kreis Schotten.

)( Laubach, 13. Sept. Verhaftet wurde heute der 28 Jahre alte, von Herchenhain gebürtige Schneidermeister Sebastian NieS wegen Sitt lich keitsve rb rechens. Er wurde sogleich in das Untersuchungsgefängnis nach Gießen verbracht, da das hiesige Haftlokal aus Sparsamkeitsrücksichten eingegangen ist.

Kreis Friedberg.

Butzbach, 14. Sept. Im Zellengefängnis geriet der Zimmermann Reinh ardt mit der Hand in die Stauz- maschine, welche ihm vier Finger abquetschte.

--Butzbach, 14. Sept. Die mit Rücksicht des Verbots der Viehmärkte verschobene Butzbacher Faselmarktlotterie findet am 7. November 1911 statt.

Starkenburg und Rheinhessen.

Darmstadt, 14. Sept. Der Streik der Kohlen- arb eiter scheint weitere Ausdehnung anzunchmen, da die Arbeitgeber sich energisch weigern, mit den Gewerkschafts­vertretern zu verhandeln. Wie wir erfahren, werden sich nun ""ch die Fuhrleute anschließen und ebenfalls in den Streik eintreten.

ob. Bingen, 14. Sept. Einem hiesigen Schutzmanne gelang eS, den Mann, der am Montag daß wertvolle Bild, .Jesus im Tempel" darstellend, im Blindenheim stahl, sestzunebmen. ES ist der in Waldböckelheim geborene 38 Jahre alle Buchbinder Karl Raab, in Kreuznach wohn­haft. Er kam in das Blindenheim mit der Angabe, von den Schwestern au6 dem Hospital geschickt worden zu sein, um nachzusragen, ob die Schwestern Bücher zum Einbinden hätten, denn er sei arm, seine Frau sei ihm gestorben und ec hatte sechs Kinder zu versorgen. Als die Schwester ihm sagte, sie hatten keine Bücher zum Einbmden, und ihn einige Zeit allein in dem Empfangszimmer ließ, führte er den Diebstahl auS. Raab befand sich, als die Schwester zurückkam und ihm ein Geldgeschenk geben wollte, in dem Hausflur, um eiligst damit iortgehen zu können. Er bestreitet den Diebstahl und ist auch nicht mehr im Besitz des Bildes. Raab ist ein mehrfach vor­bestrafter Mensch, der der Tat wohl fähig ist. Man ver­mutet, daß er das Bild an einen Antiquarien- oder Künst­

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