Ausgabe 
11.3.1911 Drittes Blatt
 
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OSerpostaMenken fomSTnfert ntil Set etofmS^Tgen Anstellung Set Unterbeamten nach spätestens 10 Dienstjahren. Die. Resolution wird a b g e l e h n t ebenso wie vorher die ZusahresoluNon Eickhoff (Öp.), bet die etatmäßige Anstellung entsprechend auch für die be­rechtigten Telegraphcnarbeiter verlangt. Der Aba. Eickhoff hatte sich dabei zur GeschäftSordnuna gemeldet, der Präsident gab eS ibm aber nicht, da man schon in der Abstimmung sei. Als dann die Resolution der Dudgetkommission. mit der die Resolution Beck- Eickhoff inhaltlich übereinstimmt, über die Zulagen für die älteren Oberpostassistenten zur Abstimmung gestellt wird, melden sich die Abgg. Rogalla v. Bieberstein und Dr. Dröscher (Kons.) zur Frage st ellung. Mit Rücksicht auf die Wortver- weigerung gegenüber Eickhofs erhebt die Linke stürmischen Ein- K. Der Äbg. Spahn (Zentr.) erhält in der tosenden Unruhe jort zur Fragestellung, daS aber in dem Lärm ertrinkt. Als dann auch Dr. Müller-Meiningen das Wort verlangt, protestiert die Rechte stürmisch, der Präsident erteilt eS ihm aber mit Rücksicht darauf, daß auch Dr. Spahn gesprochen. Abg. Dr. Müller-Meiningen stellt fest, daß, während man bereits in der Abstimmung war. der AbstimmungSmoduS verändert worden war.

z.x Präsident Graf SchwerinLöwitz:

Ich habe Ihnen nur das Wort zur Fragestellung erteilt, nicht zur Geschäftsordnung.

ES wird nun namentlich abgestimmk«

Die Resolution bet Bu d g e t k o m m i ssi on (mit der die der Abgg. Beck und Eickhoff übereinstimmten) über die Ge­währung einer pensionsfähigen Zulage von 800 Mk. an die älteren Oberpostassistenten usw. drei Jahre nach Erlangung des Höchstgehalts (womit sie also auf 3600 Mk kommen würden) wird mit 266 gegen 65 Stimmen angenommen. Außer den Sozial­demokraten stimmt ein kleiner Teil deS Zentrums da­gegen. Auf Antrag der Konservativen werden die in der Korn- Mission gestrichenen PostratS- und Oberpost- iuspektor en-Stellen wieder herge stellt.

Eine Resolution der BolkSpartei fordert, daß «nbeab. slchtigte Härten, die sich bei der Besoldungsneuregclung ergeben haben, ausgeglichen werden sollen.

Die Sozialdemokraten beantragen tn einer Resolu- fron die Revision deS BeamtenbesoldungsgesetzeS zugunsten der llntetbeamten.

Die Abgg. Dr. Heinze (Natl.), Frhr. v. Richthofen (Kons.) und Werner (Ref.) stimmen dem Grundgedanken der fortschritt­lichen Resolution zu. Eine sorgfältige Nachprüfung besonders der Frage der WohrmngSgeldzuschüsse sei notwendig.

Die Abgg. Dr. Heckscher (Vp.) und Eichhorn (Soz.)' weisen auf die Petitionen der Beamten hin, die mit Spannung nun schon ein Jahr lang auf eine Entscheidung warten.

Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke:

Die Wünsche werden geprüft, aber dar kostet Zeit.

In namentlicher Abstimmung wird die sozialdemo­kratische Resolution mit 162 gegen 139 Stimmen der Linken bei einer Enthaltung abgelehnt.

Die Resolution der BolkSpartei wird angenomcken.

Abg. VSHle (Soz.) bringt Beschwerde« über die Pofiverhält- niste in Straßburg und RuprechtSau vor und beanstandet, daß die Oberpostdirektion m Metz durch ihre Verwaltungsdiener Beiträge kür den Flottenverein einsammelt.

Ein RegierungSkommistar sagt Prüfung der Straßburger Wünsche zu. Der Metzer Angelegenheit werden wir nachgchen. ES ist durchaus nicht Sache der Postverwaltung, für den Flotten- verein zu arbeiten.

Abg. Dr. Will (elf. 8 en fr.)' wünscht Gleichstellung der Post- btamitn mit den Reichseisenbahnbeamten.

Abg. Stengel (Vp.)"?

Im finanziellen und im dienstlichen Jntereste Ware eS Wünschenswert, wenn bei den Postscheckämtern weibliches Personal ständig verwendet würde. Leider ist eine gegenteilige Verfügung ertasten worden.

Abg. Dr. Arndt (Rp.) unterstützt die Wünsche der Post- gehilfinueu.

- Abg. Heckscher (Vp.)^

ES ist nicht einzusehen, warum in Hamburg statt deS Wortes Amt" das WortGruppe" eingeführt wurde. Der Staats­sekretär soll sich die Sympathie der Telephonbeamtinnen, soweit er sie nicht schon besitzt, durch Abschaffung dieser Neuerung erwerben. Nach ärztlichen Gutachten ist es für die Telephonistinnen sehr anstrengend, daS Wort .Gruppe" öfters auszusprechen.

Staatssekretär des Neichspostamts Kraetke:

Wir werden die Sache erwägen.

Abg. Görcke (Natl.)r

Die Tätigkeit der Telephonistinnen ist sehr anstrengend'. Sie bedürfen größerer Rücksicht von feiten be5 Publikums.

Abg. Dr. Wagner (Kons.) klagt über Störung der Telephongespräche in Dresden durch die Beamtinnen.

Auf eine Anfrage des Abg. Werner (Refpt.) erklärt Staats­sekretär Kraetke sich gegen eine Zwangspensionslasse für Agenten.

Abg. Büchtemann (Vv.)

weist auf die Notwendigkeit hin, auch für die Zukunft der Post- agenten zu sorgen. Vielleicht kann eine Unterstützungskasse zu diesem Zweck gegründet werden.

Staatssekretär des Neichspostamts Kraetke:

Unter den 3400 Agenten sind viele wohlhabende Leute, denen nichts daran liegt. Im Falle der Bedürftigkeit werden Beihilfen gewährt.

Ein Antrag Eickhoff (Vp.), der dieBeihilfen für die Gene. sungSheime der Postbeamtenvereine" auch , auf die Krankenkasten solcher Vereine ausdehnen will, wird nach kurzer Empfehlung durch den Abg. Beck (Natl.) angenommen.

Die Ostmarkenzulagen werden mit geringer Mehrheit gegen die Sozialdemokraten, das Zentrum, die Polen und einige Fort­schrittler angenommen.

Abg. Lehmann (Soz.) begründet die Tarifvertragsresolution seiner Partei.

Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.)S

Die Resolution ist beim Militäretat schon abgelehnt worden. Ein einzelnes Restart kann in dieser Frage nicht einseitig vorgehen.

Die sozialdemokratische Resolution wird ab- gelehnt.

Abg. Wiebeberg (Zentr.) begründet eine Resolution, daß den Arbeit-raußschüssen ermöglicht wird, durch geeignete Vertreter die Wünsche der Post- und Telegraphenarbeiter und -Handwerker jährlich einmal den Vertretern der Oberpostdirektion und einem Vertreter des Reichspostamtes vorzutraaen. Ferner wünschen die Post- und Telegraphenarbeiter eine Pensionskaste nach dem Muster der für die Eisenbahnarbeiter bestehenden Kasse.

Abg. Hormann (Vv):

Unter den Arbeitern der Postverwaltung ist eine Spaltung eingetreten, die nicht zur Besterung ihrer Situation und zur Er­reichung ihrer Wünsche beiträgt. Die Tagelöhne sollten in Wochenlöhne umgewandelt werden. Die Löhne sind nicht so groß wie es für gelernte Arbeiter angemessen wäre. Nach zehnjähriger Dienstzeit sollten alle etatsmäßig angestellt sein. Den Arbeiter- ausschüsten ist immer noch nicht die Möglichkeit der vollkommen freien Meinungsäußerung gegeben, wenn man ihnen auch ent« gegengekommeu ist. Wir stimmen der Zentrumsresolution gern zu.

Abg. Roske (Soz.):

Die Wünsche der Arbeiterschaft müßten nicht bloß jährlich einmal, sondern so oft eS notwendig ist, der Postverwaltnng vor- getragen werden dürfen. Die Worte Jährlich einmal" bean­tragen wir daher zu streichen.

Abg. Dr. Stresemann (Natl.):

Wir werben der Zentrumsresolution zustimmen. Wir können die Wortejährlich einmal" ruhig streichen: denn wir haben daS Vertrauen zu den AuSschüsten, daß sie nicht jede Woche zum Staatssekretär laufen werden.

Abg. BehrenS (Wirtsch. Vgg.) erklärt, der Berliner Tele- gtaphenacbeiterverband könne sich nicht wundern, wenn die Rechte

feinen Wünschen nicht freundlich gegenüberstehe, weil er eine merk­würdige Art habe, die Abgeordneten zu behandeln,

Abg. Hormann (Vp.)5

Es ist auffallend, daß der Arbeiterführer DehtenS eine» Arbeiterverband gegen den anderen ausspielt. Ich weise die Be­hauptung zurück, daß die Arbeiter Abgeordnete refpektwidrig be» handelt hätten.

Abg. Dchrenß (Wirtsch. Dgg.):

Der Berliner Verband hat auf dem schwarzblauen Block herumgehackt. (Rufe: Aha! links.) Tas war unangebracht.

Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke:

Wir bezahlen unsere Arbeiter keineswegs schlecht. Tinund. achtzig Prozent von ihnen erhalten einen Tage lohn von 4,60 Mark. Man sollte doch hier nicht alle Wünsche der Arbeiter vertreten, ohne daß man die Verwaltung gefragt hat, wie denn die Tinge wirklich liegen. Die Arbeiterausschüsse bestehen seit drei Jahren. Einige Oberpoftdirektionen haben allerdings über die vorge­brachten Wünsche der Arbeiter nicht schnell genug entschieden. Auch wir stehen auf dem Standpimkt, daß die Mitglieder der Aus- fchüste vor ungerechtfertigter Entlastung geschützt fein müssen.

Tie Möglichkeit der Gründung einer Pensionskaste für die Arbeiter lassen wir gegenwärtig durch einen VersicherungStechniker prüfen.

Abg. Noßke (Soz.)7

Wahre Hungerlöhne werden gezahlt. Das ist der unsozialste aller Staatssekretäre! Jedesmal wenn Arbeiter vor Gericht mildernde Umstände erhalten, weil sie aus Not gehandelt haben, fitzt der Staatssekretär auf der Anklagebank, ist der Staatsselretäc verurteilt worden! (Unruhe rechts.)

Präsident Graf Schwerin-Löwitz:

Sollhe Vorhaltungen kann ich durchaus nicht dulden.

Abg. NoSke (Soz.)

Der Staatssekretär nimmt sich die ostelbischen Güter Sei bett Löhnen zum Muster. Daher diese Begeisterung auf der Rechten für ihn!

Abg. Hormann (Vp.):

Wir weisen es entschieden zurück, daß auf unsere Beschwerden immer nur gesagt wird: Stören Sie nicht, verhetzen Sie nicht! UnS fehlt daS schöne Gleichgewicht, das dem Staatssekretär allen diesen Klagen gegenüber zu Gebote steht.

Die Resolution Wiedeberg wird angenommen.

Dbg. Dr. Heckscher (Vp.) wünscht eine Reform der tele­graphischen Verbindungen nach unseren Südsee- Kolonien. Die letzten Unruhen haben beten Notwendigkeit er­wiesen.

Staatssekretär Kraetke: Wir werden in Samoa, Neu-Guinea, Angaua uno Map Funkenstationen einrichten.

Abg. Kirsch (Zentr.) fordert ein Postscheckamt für Düsseldorf.

Dbg. Hamacher (Zentr.) spricht dagegen. DaS Scheckamt in Köln genügt dem Bedürfnisse.

Abg. Oeser (Vp.) bemängelt, daß die Fernsprechverbindungen zwischen großen Städten fast nie .einfach" zu erhalten sind; son- dem daß immer .dringend" gesprochen werden muß. Das kostet die dreifache Gebühr. Der Reoner führt Klage über die Paket, bestellung. Pakete von Berlin nach Frankfurt a. M. gehen drei Tage.

Dbg. Fegler (Vv.) führt Bes^verde über Ne Handhabung deS Postgei'ctzeS. Vielfach ist von der Verwaltung Anklage er­hoben worden, weil Geschäftsleute ihrer Ware eine Rechnung in geschlossenem Kouvert beilegten.

Staatssekretär Kraetke: Ein geschlossener Brief darf nicht im Paket befördert werden. Wir halten an unserem Recht fest, weil nach allen Richtungen versucht wird, daS Reglement zu um. gehen. Die Wünsche Frankfurts werden wir bei der Visenbahn­verwaltung gern unterstützen.

Damit ist der Postetat erledigt. Die Petitionen werden nach dem Anträge der Kommission erledigt.

DaS Haus vertagt sich.

Sonnabend, 12 Uhr ReichSamt des Inner»

Schluß nach 7 Uhr.

Art- Statt unt Cant»

Gießen, 11. März 191L

** Das HandwerkinHessen. Den: Jahresbericht Ler hessischen Handwerkskammer entnehmet: wir folgende Angaben. Die Zahl der Gesellenprüfungsausschüsse ist auf fl73 angewachsen, und zwar kommen auf Ortsgewerbe- wereine 103, auf Innungen 64, auf die Handwerkskammer lechs Gesellenprüfungsausschüsse. Die Zahl der Gesellen­prüfungen ist ständig im Steigen und hat sich von 1902 'bis 1909 von 1306 auf 2266 im Jahr vermehrt. Gin iähnliches Bild zeigt die Entwickelung der Meisterprü­fungen. Im Jahr 1902 bestanden 112, im Jahr 1909 334 Meister, für 1910 ist die gleiche Zahl zu erwarten. Den ^bedeutendsten Aufschwung nahm dre Meisterprüfung, nach­dem 1908 der kleine Befähigungsnachweis erngeführt war. Dessen Einfluß drückt fiel) dann aus, daß die Zahl der Meisterprüflinge 1908 nur 118 betrug, also nur sechs mehr als 1902, im Jahr darauf aber auf 331 emvorfchnellte. !Bezüglich der Prufungsnoten stellt der Bericht fest, daß ^nnzureicyende Leistungen, auch im theoretischen Teil, immer seltener werden. Besonders beachtenswert sind die fort­schreitenden Leistungen der Handwerkskamtner bezüglich des gemeinsamen Einkaufs von Maschinen, Werkzeugen und aller Materialien. Es ist zu diesem Zweck eine Zentral- genofsenschaft hessischer Handwerker gegründet, die über ein Kapital von rund 200 000 Mk. versüßt und den Hand­werkern Ratenzahlungen ermöglicht. Die lebhafte Jnan- «spruchnahme dieser Einrichtung ergibt sich aus dem Umsatz der Genossenschaft, der 1910 285000 Mk. beträgt gegen 100 000 Mk. im Jahr 1905.

"ZurJcage des NahrungSbergS-BebauungS- iplaneS. Am Dienstag abend tagte imKaiserhoft eine -Versammlung der Anlieger deS östlichen und mittleren NahrungSberges, um eine Eingabe an die Stadt zu beraten, den Nahrungsberg von der östlichen Seite aus (alten Stein- facher Weg) als Baugelände durch Auflage eines BebauungS- Planeö zu erschließen. Die Versammlung war gut besucht und die vorliegende Eingabe wurde einstimmig angenommen. Zu dieser Angelegenheit erhalten wir noch folgendes Eingesandt, das wohl verdient, allgemein beachtet zu werden:

Einem großen Teil der Leser des G. A. wird wohl eine kleine Notiz, bie kürzlich im Anzeiger als Eingesandt stand, entgangen lein. Und doch hätte sie eigenilich bei allen, die es gut mit unserer Stadt meinen, Beachtung verdient gehabt. Sie verlangte nämlich nicht mehr und nicht weniger, als einen Bebauungsplan für den gej amten Nahrungsberg. Während vor vier Jahren ein Plan, der nur den vorderen (westlichen) Teil ,er- Ichließen" wollte, so energischen Widerspruch sano, daß die Stadt- verordneten ihn ohne Saug und Klang in der Versenkung ver­schwinden ließen, soll jetzt gleich ganze Arbeit gemacht werden? Und warum ? Ta wird daraus hingewiesen, daß durch den Bau der neuen Irrenanstalt, des Siechenhauses und die Nähe der Kaierue das Gelände nunmehr baureif geworden wäre. Dem ge- rvöhulichen Sterblichen wird das allerdings nicht jo ohne weiteres ,11ar sein, was die Nähe der Irrenanstalt und des Siechenhauies mit einem Billenquartier zu tun haben kann. Soll die Nahe der Irrenanstalt etwa eine Empfehlung für das (Gelände fein, Bau- luHifie anziehen? Darüber diirüe wohl mancher Baulustige anderer

Ansicht sein. Oder glaubt man, die Beamten der Anstatt würden sich dort Villen bauen ? So viel bekannt, bekommen sämtliche Beamten innerhalb des Anstaltsgeländes Dienstwohnung. Also damit ist es nichts. Dagegen sagt man ziemlich laut, daß die Drahtzieher, die sich so eitrig um das Zustandekommen einer Ein­gabe für die Auflegung eines Bebauungsplanes bemühen, hätten im vorigen Jahre ein großes Grundstück am östlichen Nahrungs­berg zu einem so hohen Preis gekauü, daß sie nur dadurch, daß sie es als Bauplätze verkamen, aus ihre Rechnung kommen könnten. Also damit diese Herren auf ihre Rechnung kommen, sollen die ÖO oder mehr Garten am Dlahrungsberg vernichtet werden. Ob das im Interesse der Allgememheit liegt, ist doch mehr als zweisel- hast. Daß besonders der vordere, westliche Teil des Nahrungs- bergeS so ungeeignet wie nut möglich zur Bebauung ist, infolge seines großen Gefälles, zeigt auch der vor vier Jahren von dec Stadt ausgearbcilete Bebauungsplan. Wie em getretener Wurm krümmt und windet sich der Weg den Abhang hinaus. Es scheint denn auch, daß das Interesse au der Erschließung unter den An­liegern noch nicht allzu groß ist, denn in einer Versammlung, die zur Beratung dieser Angelegenheit einberufen war, soll nur etwa ein Drittel der Interessenten anwesend gewesen sein, so daß doch noch einige Hoffnung vorhanden ist, daß die notleidenden Speku­lanten vorläufig noch nicht allgemeine Gegenliebe für ihre Be­glückungspläne finden. Immerhin wird die^Gießener Einwohner- fchaft gut tun, die Sache nicht aus den Augen zu laffen, denn bei biefer Angelegenheit sind zweifellos nicht nur bie Anlieger, fonbetn alle integriert

* Zum 3. Hess. Haudwerkertagam Montag, 13. Marz. Von der Handwerkskammer wird uns ge­schrieben: Bekanntlich hat der 2. Hessische Handwerkertag in Gießen stattyesunden. Wohl niemand wird von dieser Tagung unbefriedigt geschieden sein, alle aber sind da­mals mit dem Wunscl-e gegangen, derartige Tagungen möchten sich wiederholen. Es hat sich auf den beiden bisherigen Handwerkertagen so recht gezeigt, wie außer­ordentlich wertvoll es ist, wenn der Haiidwerkerstand und feine Vertretungen Gelegenheit haben, gegenseitig in Be- ziel>ungen zu treten, und gar mancher wird sich gern der Stunden erinnern, in denen er mit Kollegen aus allen Teilen des Landes Fühlung nehmen, in zwangloser Unter­haltung feine Erfahrungen austaufchen und die Verhält­nisse seines Gewerbezweiges in anderen Landesteilen kennen lernen konnte. Es ist ein wesentlicher Erfolg unserer Hand- werkergesetzgebung, daß der Handwerker sich wieder mehr bewußt ist, Handwerker zu sein, das Gefühl der Zusammen­gehörigkeit ist mächtiger geworden in ihm und immer klarer tritt es chm vor Augen: Rur im Zusammenschluß und Zusammenhalt sind wir eine Macht! Der Beginn der Tagung ist auf 11 Uhr, also so gelegt, daß auch Be­sucher aus den entfernteren Bezirken des Landes bequem zu den Verbandlungen eintrejfen können. Ausdrücklich machen wir darauf aufmerksam, daß mit Rücksicht auf die sehr zahlreichen Teilnehmer und die sehr reichhaltige Tages­ordnung die Tagung pünktlich ihren Anfang nehmen muß.

Landkreis Gickeu.

4 Klein-Linven, 10. Mac.z. Fast hatte sich ein großes Unglück heute hier ereignet. Vor einem Auto­mobil scheute ein Pfero, das mit einem schwer beladenen Bauholzwagen durchs Dorf raste. Mehrere Fuhrwerke hielten auf der Straße und schon glaubte man, an einen Zusammenstoß, der ein Unglück sicher herbeigeführt hätte. Ein beherzter Mann sprang dem Tier entgegen, es machte

eine Wendung nnb der Wagen zerbrach an einer Tele­graphenstange. Mit Mühe gelang es, das aufgeregte Tier zu fangen.

Kreis Friedberg.

1^. Friedberg, 10. März. Am 29. März findet im Prediger-Seminar dahier die Entlassungsfeier statt. ES gehen 11 Kandidaten ab und verbleiben noch 5. Zn diesen 5 kommen Studierende.

Starkenburg und Nheinhessen.

rm. Darmstadt, 10. März. Mit 2000 Mk. durch- gegangen ist der 27 Jahre alte Taglöhner Thomas Kirch­ner aus Eberstadt, der gestern vormittag im Auftrage einer Glasmalerei, wo er beschäftigt war, den Betrag zur Bezahlung eines Wechsels benützen sollte, statt dessen aber nach Eberstadt fuhr und in Gesellschaft seines 19 Jahre alten Bruders verschwand. Nach der polizeilichen Aus­schreibung ist er 1,60 Meter groß, hat schmale Statur, blasses Gesicht, dunNe Haare, Anflug von Schnurrbart, trug grau karierte Hose, grünliche Scbweizerjoppe mit Hornknöpfen, dunkle Mütze mit Lederschilo. Aus der linken Hand ist ein Stern eintätowiert,. aus dem rechten Unter­arm ein Totenkopf, auf der Brust eine Dame. Der Bruder ist 1,75 Meter groß, hat ebenfalls dunkles Haar, ist bart­los und hat auf dem linken Unterarm einen tätowierten Totenkopf und zwei verschlungene Hände, auf dem rechten Unterarm: Schweine.

m. Offenbach a. M., 9. März. Ein eigentümliches Mißgeschick widerfuhr einer in oer Löw en st raße woh­nenden Familie, die chre Ersparnisse in Höhe von 1200 Mark in der Bettmatrade aufbewahrte. Als nun dieser Tage die Matratze einer Reparatur unterzogen werden sollte und dieserhalü fortgebracht werden mußte, hatte man in der Eile ganz und gar vergessen, das gesparte Geld aus demäußeren" Versteck hervorzuholen. Erst gestern merkte man den Verlust, aber alles Nachsuchen war zu spät, denn die 1200 Mk. blieben verschwunden und konnten trotz der Inanspruchnahme der Polizei nicht gefunben werden.

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