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14.6.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

blatt M Jahrgang Mittwoch, 14. Juni 1911

erscheint täglich, außer JBBÄr V /ik SW Bezug-Vrei-:

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Die Mahlen in Oesterreich.

ie Auslösung des arbeitsunsähigen österreichischen . 1 b g c o r b n e kenhau f r s hat Neuwahlen nötig gemacht, eie $um grofjtcn Teil für den gestrigen 13. Juni ange- iet t toai ben waren Tic Verteilung ber 516 Mandate 3um Retchsrat ist durch daS österreichische Wahlgesetz für die ein- fjCinen Aatlönalitäten ziffernmäßig ziemlich genau fest- gelegt, jo baij burch die Neuwahlen nur eine Verschiebung H1 ? Partclverhältnissen, nicht aber in dein nationalen ociiV.itflnbc erfolgen kann Zur Zeit der Auflösung des J b g c 0 r b 11 c t c n l) a 11 fcs hatten nach einer Zusammenstellung ??r f -l9*(-.n freien Presse die christlichsoziale Partei 94, eie sozialdemokratische Partei <37, der deutsche Nationalvcr- vand 46, die Slawische Bereinigung 121, der Polenklub 71, nie beiden rilthenischen Klubs 25, die. beiden italienischen ^lubs 1.), die Rumänen 5 und die Zionisten 3 Mandate, - Abgeordnete gehörten feinem Parkciverbandc an und

4 .uanbatc waren unbesetzt. Ten Gr.iitdzug der jetzigen Wahlen bildet eine weitgehende Zerllüftung der bestchcn- den Parteien die Gesamtzahl der aufgestellten Kandi­daten für die 516 Mandate beträgt über 2000, so daß auf einen Wahlkreis durchschnittlich vier Kandidaturen foin- men. Als geschlossenste unter den Parteien tritt der deutsche Nationalperband in den Kampf.

Gv sanden gestern in 449 von den 516 Wahlkreisen htc Hauptwahlen statt. In 60 galizischen Wahlkreisen er­folgen die Hauptwahlcn erst am 19. Juni, in sieben dalma tiftfjcit am 16. und 19. Juni. Tic Stichwahlen, bereu Zahl außerordentlich zahlreich sein wirb, finden acht Tage nach der Hanptwahl statt.

lieber das Ergebnis der Wahlen liegen bis jetzt fol­gende Meldungen vor:

W i e n, 13. Juni. Bis 10 U h r a b e n d s waren fünfzig Wahlergebnisse bekannt, darunter 27 Stichwahlen. Gewählt finb: 7 Christlich soziale, 6 Sozialdemolraten, barunlcr ein tschechisch aulouomistischer, 4 Mitglieder des einheitlichen Tschechenklubs, 2 Tcutsch-Freiheitliche, 1 Mitglied b.r dcut- f0en Arbeiterpartei, 3 klerikale Italiener. Unter den Ge­höhlten befinden sich: Ter Cbmanit des einheitlichen Tschechenllubs, der Inngtscheche Fiedler, der Lbmanu des Mährisch-kathölisch-nationalen Tschechen Hrubau, der tsche- chiscln radikale Choc unb der Sozialdemokrat Seitz.

Zu Wien wurde der deutschfreiheitliche Friedmann gcwThlt gegen den Christlichsozialsn Bielch la wsk, mehrere Führer der Christlichsozialen kamen in die Stichwahl, dar- untcr der Handelsmintster Weiskirchner in zwei Bezirken mit dem Teutschfreiheitlicheu Hock und dem Sozialdemo­kraten Winter, ferner der frühere Präsident des Abgeord­netenhauses Patlai mit dein Sozialdemokraten Leuthner, der frühere Minister, ber Christlichsoziale Mittel mit bem Teutschfreiheitlicheu Neumann I., ber Lbinann Neumann unb ber Sbmann ber Christlichsozialen Prinz Lichtenstein mit bem Tcutschfreiheitlichen Faber, der Christlichsoziale Vizebürgermeister Hierhammer mit bem Teutschfreiheitlicheu Denk. Ferner findet Stichwahl zwischen dem selbständigen Christlichsozialen .'öeihngcr und dem Sozialdemokraten Hartmann statt.

Bis lli-i Uhr waren 1.00 Ergebnisse bekannt In 49 Fällen ist Stichwahl erforderlich. Unter den Gewählten befinden sich der frühere Minister Bilinsti, der Führer der Sozialdemokraten Tr. Adler und der Teulschfrciheit- liche Tr. Sylvester. Bon den bisherigen 20 Christlich sozialen Wiener Wbgeorbnetcu sind bisher zwei, nämlich Baschele und Rinoesse wiedergewählt. Alle übrigen kom­men in die Stichwahl mit den Sozialdemokraten, Teutsch- freiheitlichen ober Mitgliedern der neuen unpolitischen Ge-

......»ui........

Werbepartei, auch Bürgermeister Neumaner und Cbcrfura t0,r ^^yicr kommen in die Stichwahl. In Mistelbach lNiederösterreich) kommt der frühere Minister Gcßmann in die Stichwahl mit dem Teutschsreiheitlichen Wedra.

Bis M 111 c r n a d) t waren 15 0 Wahlergebnisse bekannt Gewählt sind 11 Christlichsoziale, 17 Sozialdemo Traten, darunter 3 tschechisch autonomistische, IS Mitglieder des Tschechenllubs, 12 Deutsch Fortschrittler, 1 Mitglied der deutschen Arbeit ' vartci, 1 konservativer Pole, 2 Kandida­ten der slovenischen BolkSpartei und 3 der italienischen Volkspartei. Unter den Gewählten befinden sich der Füll rer der Iungtschechen M r a m arez und der Teutsch Radikale Wols. Erforderlich sind 72 Stichwahlen. In: 20. Bezirk kam es nach Verkündigung des Wahlresultats zu großen 9l ns sch reitungen. Tie Sozialdemokraten griffen zwei Polizeibcamte an und warfen sie zu Bodcit. Tie eit^schrei- tende Wache wurde von der Menge mit Steinen beworfen, woraus die Beamten blank zogen. In dem Handgemenge wurden vier Polizeibeamte verletzt, einer erhielt einen Messerstich. Von den Beamten wurden gleichfalls vier, unter ihnen einer schwer, durch Säbelhiebe verwundet. Fünf Per fönen wurden verhaftet.

In den V 0 r st ä d t c u P r a g s kam es zu blutigen Kämpfen, in die die Polizei eingreifen mußte. Ein Abgeordneter wurde blutig g r^agen.' In A s ch ist insolge des Eingreifens dos preußischen Landtagsabgeordneten Rechtsanwalt Tr. Liebknecht der alldeutsche Kandidat mit einem Sozialdemokraten in die Stichwahl gedrängt worden. Ter bekannte Graf Adalbert Sternberg ist in feinem Wahlbezirk d u r ch g e s a l l e n. In einem Torfe ber A u k o wina wurde ber Gemeindevorsteher erstochen. Der politische Besitzstand ber Dildslaven unb ber Italiener bleibt nnveränbert.

politifebe Scrgesschau.

Zum Handelsvertrag mit Japan.

Ter Wirtschaftliche A11 s s ch u ß hat am Tiens tag, 13. Juni, im Reichsamte bes Innern eine Beratung über unsere Handelsbeziehungen zu Japan abgehaltcn. Ter bcstelienbe deutsch-japanische Handelsvertrag läuft schon am 17. Juli ab. Tic deutsche Regierung hat sich vom Reichs­tag vor seinem Auseinandergehen die Ermächtigung geben lassen, einen etwa zustande kommenden neuen Vertrag vor läufig auch ohne die Zustimmung des Reichstags in Kraft treten zu lassen. Sie will aber keinen entscheidenden Scliritt tun, ohne vorher das Gutachten deZ Wirtschaftlichen Aus­schusses darüber rincer oll zu haben, ob das bisherige Er­gebnis der Verhandlungen mit Japan eine geeignete Grundlage für einen neuen Vertrag bildet. Nach Lage der Sache können die Verh andlungen zu einer endgültigen Regelung unserer .Handelsbeziehungen zu Japan kaum ge- )ie6cn fein. Es wird sich b'fjcr nur um ein Provisorium, vielleicht um ein blot e? Meistbegünstigungsabkommen han­deln. Ein neuer .Handelsvertrag mit stavan wird sich auch auf unseren Handels- und Schi a rtsverkehr mit ftorca zu beziehen haben. Korea ist seit Sommer v. I. dem japa­nischen Reich einverleibt, unb bannt dürfte ber deutsch- 'oreanische Handele-, Freundschasts und Schifiahrtsvertrag vom Jahre 1883 erloschen fein. Im Jahre 1910 hatte unser Handel mit Japan, einschließlich Formosa unb Korea, einen Wert von 126,5 Mill. Mark; davon kamen 37 Mill. Mart auf unsere Einfuhr ans Japan und 89,5 Mill. Mark auf unsere Ausfuhr nach Japan.

Heues von dem srauzWchen Kronprätendenten.

Paris, 13. Juni. Ter .Herzog von Srlsans hat das Entlassungsgesuch des Leiters seines Pariser Bukeaus, Graf de la Rsgle, unb des Präsidenten der roha- listischen Aillchchüsse des Seine-Tepartements, Graf de

Casteliane, angenommen. Man glaubt, daß der Nach­folger des Grafen de la Regle der P a r t c i der A st i c n entnommen nnrb Ter bisherige Mitarbeiter des Grasen de la Rsgle, ber Publizist Baragnon, erklärte einem Berichterstatter, daß dies eine einschneidende Aenderung der ganzen Politik unb einen vollen Sieg der Liga der Action Francaisc" bedeute, die zum Sturze der Repu blik bereit sei, sich auch mit den Revolutionären zu ver binden.

Ein Mitarbeiter desFigaro" hatte in London eine Unterredung mit dem Prinzen Victor N a p 0 l 0 n und richtete an ihn die Frage, ob cs wahr sei, daß die Bonapartisten nunmehr alle ihre Kräfte gegen das gegen­wärtige Regime in Bewegung setzen wollten Ter Prinz erwiderte unter anderem: Man irrt sich, wenn man stlaubt, baß ich non einem blinden und systematischen Oppositions geist beseelt bin. Wenn die französische Tcmofratic mich jemals an ihre Spitze rufen würde, dann möchte ich mit ehrlichen unb erfahrenen Männern und mit vielen Repnbli kanern regieren, die seit 30 Jahren ihrem Lande gedient haben.

Die Lage in Marotto.

Paris, 13. Juni. Erupvi legte beute in der Kammer­kommission für auswärtige Angelegenheiten die Notwendig- feit d er Expedition nach Fez dar, die der Machsen ebenso »vie die fremden Kolonien unb die Konsuln besonders von England und Tentschland wünschten, lieber die gegenwärtige Haltung Spaniens und die diplomatische Lage könne er sich nicht äußern, da er zum Schweigen vervslichtet sei. Er drückte sodann bie Hoffnung aus, daß der gegenwärtige Zwifchensoll in günstigem Sinne erledigt werde, und erklärte, daß die Ver­handlungen über die Bestimmungen der Algeeirasakte auf dem besten Wege seien.

In dem int Elnssee abgehaltenen Kabinettsrate teilte der Minister des Aeußerit Erupvi und Kriegsminister Geiran die E i n nähme v 0 n Melines mit, dabei ivurde auf französischer Seite ein Soldat getötet, vierzehn wurdet verwundet.

Wie dieAgeiwe Havas" aus Melines vom 8. d. M. meldet, langten die Tnippen, die um 4 Uhr morgens ausgebrochen waren, um 1 Uhr 30 Min. nachts nach einem Tagmarsch, der durch Geländeschwierigkeiten unb nuanshörliche heftige Angriffe der Feinde sehr erschwert war, unter den Mauern von MekineS an. Tic Feinde kämpften immer in auseinander gezogenen Gef echtslin i en Ter Kampf begann früh um 6 Uhr 30 Min. Tic ganze Abteilung Gouraud mußte sich ent wickeln unb btc Genietruppen schützen, bic sich an die Arbeit machten, um den Truppenübergang über den Uiglenfluß zu er möglichen, ber in einer 60 Meter tiefen Schlucht fließt und 400 Meter breit ist. Tic Tätigkeit der Artillerie trua außer ordentlich dazu bet, bas Gelände zu säubern. Ter Kampf dauerte bis gegen 1 Uhr. Nachdem die Truppen den Fluß passiert hatten, marschierten sie gegen Agebal. In der Nähe des Ortes zer­streuten sie die lebten feindlichen Gruppen und betraten endlich den Garten des Sultans. Kurz darauf trafen eine Abordnung der Notabeln und der Machseit des Prätendenten Mulav Zin ein, nm ihre Unterwerfung anzubieten. Ter General versprach, das Leben Miilav Zins zu schonen, sowie daß er von Mtilay Hafib nicht schlecht behandelt werden solle. Abends erschien Mulay Zin zu einer Besprechung mit General Meinier. Bei dem heutigen Kampfe fiel auf feiten ber Franzosen ein Mann und fünf würben verwundet Tic Feinde sollen 50 Tote haben. Morgen werden die Truopen in der Stadt einziehett unb den von Mulay Hasid ernannten neuen Pascha der Boni Aissa cin- fuhren.

TieAgenee Havas" meldet aus Lar rasch vom 12. b. M.: Infolge des Protestes Raisulis, ber versicherte, baß bic Stadt und bic Umgebung ruhig ist, verzichteten bie Spanier auf eine Landung in Arzila. Aus Gl ff ar wird unter dem 11. d. M. gemeldet: Als die Spanier einziehen wollten, machte ihnen der Pascha den Vorhalt, daß er über eine genügende Garnison vcrsüge, um den Polizeidienst versehen zu können.

Aus Tanger wirb gemclbet, baß der von El Gabbas gegen hie spanische Besetzung von Irrasch erhobene Einspruch einen Abbruch de r diplomatischen Beziehungen,

9er öerfaufstag Ser grau Großherzogin.

Gießen, 14. Juni.

Kann man von einem frohen, ver^öulicheu Erlebnis erzählen, wenn man in eine Menge hineingestoßen wurde, für die der gebotene Raum- viel zu klein war? Wo sich alles aneinander porüberbrängte, die bunten Schaustände mit lebendigen Mauern umlagerte? Ter gute Zweck ist zunächst vergessen:Man kommt, zu schaun, man will am liebsten sehn." Es trinken hier zu viele aus einem Freudenbecher. Halber sechs, und noch immer jüill sich der Menschenluäuel nicht entwirren. Ter große Saal, der hohe und ,'rlauchle Gäste birgt, ist noch nichts für uns; mit der heißen Luft, die Dom Eingang zum Ausgang kreist, drängt's uns wieder hinaus ins Frete. Ein großes Men- fchengewühl auch hier, aber es ist erträglicher. Ein leichtes Himmelsnaß schlägt uns entgegen. Tas treibt viele hinein unter das schützende Tach. Ta öffnet sich ein Fenster in dem Vertäussstand des Großherzogspaares, das der Menge bunte Waren auscinanberbreitet: Wie seltsam! Tas sechsstündige VerlausSgcschäst ist gewiß kein auserlesenes Vergnügen. Tie weiß gekleidete Gestalt der Landesfürstin neigt sich milde und gelassen der bunten Schar ihrer Kun­den zu, während ihr Gemahl lebhaft und elastisch immer neue Gaben auf den Tischen zusammenhäust. Hier kommt bei aller Nüchternheit dieses Getriebes ein schöner mensch­licher Zug zum Ausdruck. Es ist für das Fürstenpaar nicht einmal etwas Nettes, so zu hantieren ünd dem Gewoge standzuhalten. Hinter diesem lebhasten, farbigen Bilde steht ein anderes, das in grauen Schatten von Krankheit und Not redet. Wahrlich, es ist ein edles Zurückstellen aller eignen Wünsche, ein freundliches Spfer von Zeit und Mühe, das unser Landesfürstenpaar bereitwillig barbringt. Kein Freudenfest, sondern ein gutes Werk der einzige Lohn ein in der Sorge für geringere und unglückliche Nächsten zufriedenes Gewissen.

Ta draußen unter dem Blätter dach der hohen Ulmen rettet man sich aus der stürmischen Lebenswelle heraus.

Hier tauscht man bei Wein, Bowle oder Sekt Erfahrungen und Erlebnisse aus. Es ist wie hinter den Kulissen, ivir lauschen den Geheimnissen anderer, aber es ist kein böser Klatsch, der hier breit getreten wird. Mit bedeutungs­vollen Blicken kichert hier eine Schone über die flinken Bewegungen und die regen Hände des Großherzogs, dem es schwer gelingen wollte, einer Frau vom Lande die Vor­züge verschiedener Auslagen klar zu machen. Wie er, ob das Geschäft zustande kommt oder nicht, mit derselben be­friedigten Gelassenheit sich eine neue Zigarette entzündet. Tod) als wir uns erheben und dem Schanktisch uns nähern, aus dem die Erfrischungen fließen und, wie aus einem Bienenkorb, die eifrigen Schönen mit ihren Tabletten aus- unb cinfliegen, da überzeugen wir uns von der Auf- opferungssähigkeit auch der anderen Mitwirkenden.So­viel habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht geschafft wie heute", erklärt eine heitere Frau, die das bestätigende Aha" einiger Belagerer lachend quittiert. Studenten helfen aus, wo die Arme der Tarnen ermüden, und es entwickelt sich in der stillen Ecke des Gartens ein emsiges Getriebe. Tie Musik tönt herüber, unb ein Schimmer von Romantik huscht über bic schön geschmückten Zelte im Freien. Ter bunte unb ber gelbe Stand bergen reiche schätze. Auch dort malten auserlesene Schonen ihres Amtes, von der zierlichen Knospe bis zur reich entfalteten Blüte. Tie Wände reich und bunt bemalt: den bunten Stand frönt ob der Anwesenheit der Frau Oberbürgermeister das imposante Gießener Stadtwappen, während über dem gelben zier­liche Zitronenbäumchen, allerdings nur im Flächenbtlde, ihre Zweige ausbreiten. Es sind kleine Warenhäuser: man lauft Handarbeiten, Tecken und Kissen, Perl- letten, ~ selbstgefertigte Bilder, Spielzeug, Hand­taschen, Schreibpapier. Ter Kauf geht flott von- ftatten, die Kavaliere, denen nach Einnahme allerlei Er­frischungen der Magen nicht mehr knurrt, achten nicht auf das Knurren des Geldbeutels und suchen neben den ma­teriellen Anschaffungen auch wärmere Herzensimpulse. Ge­genüber erschallen im Kommandotöne bie Einlabungen zur

Vielliebchen-Bude Unab.. ,ig wirst das Geschick seine Lose aus; Hausierer locken zu immer neuen Versuchen.

Tie Zeit rückt vor, und wem bic belegten Brote und Erfrischungen noch den Trang nach einem reicheren Abend­mahle gelassen haben, der strebt dem Ausgange zu. Nun tritt auch im großen Saale der Fürstlichkeiten Ebbe ein; wir treten ein und halten Umschau. Tes Großherzogs­paares Verkaussstand lockt natürlich die meisten an. Jeder und jede will aus der Hand des Landessürsten oder seiner Gemahlin eine Gabe empfangen, llnb unermüdlich, ist das hohe Paar auf dem Poften. Ter gewissenhafteste Klein­händler bewahrt hinter seinem Ladentische feine größere Ge­duld unb solche immer gleich bleibende Freundlichfeit als man sie hier beobach en durste. Und es ging 0' ne zeitraubende Aussuche auch hier nicht immer ab. £ft blitzt ein freund­licher Blick aus den Augen des Großherzogs, wenn er jugendliche- Schonen mit kleinen Handarbeiten feiner Ge­mahlin häufig billigen, kleinen Plunderwaren, denn der Bedarf ist groß beglückt von bannen ziehen sieht Unb er spart nicht die anpreifenben Bemühungen des Kaufmanns. Zu ber Frau Großherzogin ist der Zudrang nicht minder groß. Tic Postkarten vom Großherzog und Familie gehen reißend ab. llnb so geht es in ber Runbe weiter. Schon kaust man am Zelt ber Fürstin zu Solms-Lich, unter lilafarbener -lusstattung, zu billigeren Preisen als anfangs. Auch anberwärts macht fick gegen Schluß all­gemach ein Sinken der Preise bemertbar, denn man will mit den Beständen möglichst oi-liig reinen Tisch machen Tie reich ausgestatteten Stände in Grün, Rot und Blau ziehen nicht minder als alle übrigen die Scharen der Käufer an, unb es ist immer tvicbcr basselbe liebliche Warendurcheinander zu finden, das den wirklichen Geschäfts teuten aus dem Seltersweg ober ber Mäusburg feine schmerzenben Konkurrenzseufzer zu entlocken braucht Es wirb auch schon damit begonnen, die größeren Gegenstände meistbietend zu versteigern, wobei es an wihinen Bemer­kungen nicht fehlt.

Unter den Ulmen wird es am . enb noch gastlicher