Erstes Blatt
Donnerstag, 14. September Ml
161. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberheffen
©r in fliwrrlt: mono 11 icf» 75 'B! w oiertel- i.Tbdid) M. *20; bnn»
Nr. 2(6
Ter Gießener Anzeiger W \ DM
erschein! täglich, außer DM ▼
»Gletzener Anzeiger
^N'jprech-«iischlüste. MM MM ^enuuioortlicb für ben
hit Die Oiebaftion 112 Ä W Polinnen teil: ShiauU
»g General-Anzeiger für Gberheffen SSiK
STäÄ Rofationsörutf und Verlag der vrühl'Ichen UniüjBud). und SlelndruSerel R. fangt. Reöaffton, trpeöilion und ürnlertl: SLuIftratze 7. ch.°ü,
dl» vormittag« d Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16«. Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.
Der erzbereite Herr Delcaffe.
Nachdem Herr Thcovlnk Tclcafi<; bei der Touloncr Flotten Parade jenen miBglüdien Blusf versuch! halte, der EuropenS ungeteilte Heiterkeit erregte, begab jtd) die „jur alle Eventualitäten bereite" TUotte der :He« publik ins Mittelmeer, um hon 311 manövrieren Aber diese Armada, welche nach dar Verjicheruna des Minister» in einer Viertelsrunde bereit sei, ins — offene Meer zu iahten und überall dort einzugreisen, wo man sie brauche, scheint auf dem offenen Meere doch nicht die glorreiche Haltung gewahrt zu haben, mit welcher sie auf der geschürten Reede von Toulon die überschänmeiide Begeisterung des Herrn Tel cassL erregt hatte. Tic „Munch. Reuest. Rächt' stellen deS striegSminifters Leboeus „Rous sornrnes atchiprsts'" vom 15. 5uti 1870 mit dem Telcafseschen Wort: „Für olle Eventualitäten bereit!" vom 10. Leuten der 1911 nebeneinander und lassen sich dann ans Pans über tragikomische Erlebnisse der erzdeveiteu Delcassöschcn Flotte berichten:
„Rach einer Schilderung Ludovic Raudeaus im „Journal" war seit Mittwoch abend die Lage der beiden einander gegenüber- stehenden französischen Mittelmeergeschwader folgende- Tas vom Admiral und früheren Marincminister Bo uv de Lavcnräre befehligte Geschwader, bestehend aus den fünf „Tanlons" und den ütreuiem „86on Gambelta", „Edgar-Quinet", „Walbeck Rousseau" und „Michelet", sowie zwei Abteilungen von TorpcdoiSngern, blockierte in der Reede der 2alins-b Hijdres die andere Flotte unter dem Befehl des dldmirals Aubert, bestehend aus den sechs Schlachtschiffen der „Patrie-Blasse", sieben alten Schlachtschiffen, den Streitern „Gloirc", „Marseillaise" und „Admiral Aube", sowie ebenfalls zwei Abteilungen von Torpedo- iängem und den Torpedobootsgruvpen von Toulon und Aiacew. Gegen bret Uhr nwrgenS signalisierten die .streu$er der ersten Flotte, der belagernden, dem Admiral de Lapctzrörc, baß die feindliche Flotte des Admirals Aubert plötzlich die Reede zu verlassen und durch die östliche Fahrstraße zu entschlüpfen suche.
Wir verbrackiten die Nacht mit Mrcujen bei völlig aus- gelöschten Feuern zwanzig Seemeilen südlich von der Insel Por- auerolles. Aus ben Bericht unserer Eelaireurs machten mii uns sofort auf die Jagd und bemerkten jenseil der Levaui-Insel die feindliche Streitmacht, wie sie ostwärts floh. Allmählich holten wir sie ein und der Admiral Aubert muhte den Mamin an- nehmen. Um sieben lllzr morgetes waren die beiden Flotten voneinander nur noch fünf Kilometer. entfernt Sicherlich hätte, wenn diese Schlacht nicht fingiert und schweigend gewesen wäre, ine dichte Rauchwolke von den Schüssen Pen Raum erfüllt.
Ta tauchten plötzlich die Flotten in wattige Tiefen eines Nebels^ der über die Wellen kroch. Tie Flotten verloren sich auS den Augen. Um acht Uhr war der See» nebel so dicht geworden, daß die Fahrzeuge, bic hintereinander m einer Linie fuhren, einander nicht mehr sahen. Born Hinterteile des „Miradeau" aus war es unmöglich, den „Diderot" zu entdecken, der in der Entfernung von weniger als 400 Metern folgte.
Unter solchen Umständen erachteten die Admirale, daß es gefährlicher sei, die Schiffe halten zu lassen, alS weiter zu fahren. Tie beiden feindlichen Geschwader setzten also ihren Weg fort, indem sie keine anderen Leitmitlel hatten, als Hörsignale, das heißt Trompetengeschmetter und Nebelhörnerschrillen. Um 9 Uhr 30 Min. zerstreute die Sonne wie mit einem Zanberschlage die Wolken. Was entdeckten wir? Tas ganze Schlachtfeld war in seltsamer Weise verwirrt. Irci der „Duntons", der „Mirabeau", der „Tanlon" selbst und der „Eon- ' borcet", sanden sich noch in einer gewissen Nähe von einander: 'aber der „Voltaire" war weit von ihnen nach Eiten jibgeinebcn worden und stand buchstäblich vier feindlichen Schlachtschiff e n v 0 m Typus „Patrie" gegenüber, linier fünfter „Danton", der „Diderot", der dem „Mtrabeau" hätte folgen
müssen, wurde fünf Seemeilen westlich bemerkt. Der „Suffren" war von feinem Geschwader Aubert durch die drei großen Kreuier „Wambel ta", „Edgar L^uinet" und „Ernest-Renau" des Gkichnm- bess Lapeyröre getrennt. Dagegen waren sechs von den sieben alten Ponzerschisten genau in itrer Schtachtiormieruna geblieben Tiefe Fahrzeuge kommen nämlich aus dem Lzean und aus dem Aermelmeer: ihre Estizieie und ihre Maiiiischaiten sind daher geübter a 1 s die des Mittelmeeres, sich im Rebel z u r e ch t zu finden und trotz diesem gemeinsam ihre Evolutionen iortzuseyen. Tas einzige Schlacbtidiift, bas von feiner Gruppe entfernt wurde, der „Suffren", wird von einem Offizier befehligt, der nicht aus den Rordmerreu kommt.
Man denke fidi nun einmal, was bei solchen Zerstreuungen bei Streitkräfte in einer wirklichen Schlacht vorgefallen wäre Eine furchtbare Zerstörung wäre unter solchen Umständen unvermeidlich gewesen.
Ter Reichskanzler in Berlin.
Tie „Norddeutsche Allgemeine Zettung" schreibt: Der Reichskanzler ist in Berlin eingetroffen.
fliberkn und Eanibon.
Berlin, 14. Sept Ter S:aa..sckretär v 0 n K i d e k- len Wächter soll gestern abend um ä1 . Uhr dem französischen Botschafter Eambon int Botschaftshotel Unter den Linden einen Besuch abgeftattet haben
Ter wirtschaftliche Ausschuß bet Kolonialverwalluag»
Tie „Norddcutsaje Allgemeine Zeitung" schreibt: Die erste Sitzung des ft ä n b i g c n wirtschaftlichen Ausschusses der M 0 10 n 1 a l v e r ro a 11 u ii g .,t auf den 28. September vormittags 11 Uhr anberaumt. Tic Tagesordnung umfaßt: 1 Aufgaben der Mrcbitorganifation in den deutschen Schutzgebieten mit besonderer Berücksichtigung von Südweslatrika. 2. Maßnahmen gegen unsolide lolonialc Gründungen und bei ausreichender Zeit 3. Förderung der Handelsbeziehungen der deutschen Schutzgebiete mit dem Mutterlande.
Warum steht die Marotkofrage nicht mit auf der Tagesordnung ? Tann könnte man einige sicher beachtenswerte Urteile über die „Kompensationsfrage" hören.
Ansturm auf bic Bonner Sparkasse.
Bonn, 14. Sept. Auf die hiesige städtische Sparkasse ist während der letzten Tage ebenfalls, ein An- sturm kleiner Sparer erfolgt, die die Rückzahlung ihrer Einlagen verlangten.
Tic Getreideernte in Frankreich.
Paris, 13. Sept. Bei dem gestern im Ministerium des Innern abgehaltenen MQbinettSrat gab der Ack erbau m i n i st e r die Schätzung der Getreideernte in Frankreich nach den Berichten der Professoren für den Ackerbau bciannt. Tie angebaute Fläche wird auf 6331250 Hektar geschätzt gegen 6 555370 Hektar' im Vorjahre. Ter Ertrag war 110 b*J3 400 Hektoliter gegen 90801300 Hektoliter im Vorjahre, das sind 87105 000 Zentner gegen 68806 100 Zentner im Vorjahre.
Gewaltherrschaft bet Spanier in El Ksar.
Paris, 13. Sept. Aus Tanger wirb gemelbet: Tie spanischen Behörden in E l Ksar unten egten dem Kadi (Richter , dem Nadir ^Verwalter her frommen Stiftungen) und beni Moch tasseb (Leiter ber Gemeindeverwaltung), keinerlei Urteile u nb Entscheidungen ohne vorherige Genehmigung der spanischen Behörden zu fällen und verboten gleichzeitig den Maghsenbehörden, die Befehle des Sultans auszuführen. Man befürchtet, baß bas Vorgehen der Spanier unter beit Stämmen bcs Eharbgebietcs einen Aufstanb Hervorrufen werbe, der sich rasch ausbreiten könnte. El M 0 kr i
bestätigte einem Mitarbeiter des . T»inp>>' diese Meldung vuf Wrunb eines^ Telegramms E l Gebbas, loeldict bereite mi Namcn des Sultans beim spanischen Gesandten und beim Doyen des diplomatischen Korps >n Tanger entschieden Einspruch' gegen die Verletzung der Souveränität des Sultane erhoben habe El Mokri bemerkte, baß die unverzeidliMen Trei- bereien ber spanischen Behörden geeignet seien, einen allgemeinen Aufstanb im Diedallegediet zu vcruriachen.
Franzöffische Borschläge.
Zu den vorn „Tenips" in ber vorigen Woche wiedergegebenen Hauptpunkten der f ü n f t i g c n £ r b n u n g i 11 M a - r 0 kko bringt heute das Blatt einige Einzelheiten, von denen zwei für die späteren Berliner Verhandlungen interessant siitd: 1. Als zuständige Behörde für Streitigkeiten in Zollsachcn würde das in der Algeciras Akte vorgesehene Zoll-kontitcc zu gelten haben 2. Die Bestimmungen der Algeciras Akte (Artikel 107—111 regeln die Vergebung der öffentlichen Arbeiten.
Eine böswillige Ausstreuung.
Ein großes Neuyorker Blatt veröffentlicht ein Kvibcl- tekgramm seines Pariser Korrespondenten, ein e r st e s P a riser Institut verweigerte der Deutschen Bank, einen Vorschuß von sechs Millionen Franken zu erneuern
Gegenüber solchen böswilligen Ausstreuungen erklärt bic Deutsche Bank, baß sie keinerlei Borschstss c von englischen ober französischen Banken, Firmen ober Per fönen genommen habe, lonbcrn dauernd bedeutende, kurzfristige Guthaben im Ausland unterhalte.
Unruhige marokkanische Eingeborene.
Paris, 13. Sept. Aus Fez wird unter dem 9. ds. gemeldet: Die Aitzussi haben nach dem Abmarsch der französischen Truppen wieder mit Plünberung b.e- gönnen. Ein Leutnant mit 60<) Mann schcrisischei Truppen, der Sefru besetzt hielt, wurde von den Aitjussi ange- arissen und schlug sie nach ernstlichem Mampfe zurück. Tie Aitfussi halten aufs neue die Umgebung der Stadt besetzt. Sic haben die Verbindung mit Fez abgeschnitteu und die Postlauscr angehalten. Everst Bramond brach am Morgen mit 1500 Mann nach Sefru auf.
Das Ende der Kaifermanöoer.
Woldegk, 13. Sept Ter Kaiser traf um 6 Uhr morgens per Automobil bei Helpt ein und fncg dort zu Pferde. Tie blaue Armee überschritt um 6.30 Uhr bix. Linie Kreckow-Helpt-Plath mit ihren Spitzen, um die Verfolgung von rot energisch fortzusetzen und mit der Absicht, überall sofort anzugreifen. Tie Garde Aa- valleriedioision schlug die Richtung nach Brohm und Golm ein. TaS Garde ko rps ging über st reck ow auf Golm und Äublank vor, das 20. Korps über Woldegk auf Eölpin und Dewitz. Die rote Armee wollte rhren Widerstand auf der gestern abend erreichten Linie fortsetzen. Das 2. Morps hatte alfo Verteidigungsstellung bei Helpt cinacnommcn, während das 9 Korps auf dem roten rechten Flügel einen Gegenstoß machte. Rackfdem schon ein langer Artillerie- kampf vorangegangen war, erreichten um 8 Uhr die Spitzen der Garde Helpt. Der rote Lenkballon „M. 3" war gleichfalls in Tätigkeit, er wurde von blau beschossen. Ter linke rote Flügel ging in nördlicher Richtung zurück. Um 10 Uhr zeigte der Ballon der Manövcrleitung das Sianal: „Ta- Gan^e Halt!" Das xaifermanooer war zu Ende. Der Kaiser hielt Kritik ab und begab sich nach kurzem
Der diplomatische Kurier.
Die Marokkoverhandltiugcn und die politische 2Umo- sphäre dieser Tage lassen eine Persönlichkeit hervortreten, die sonst unbeachtet in der Stille ihre Pflickst tut: den diplomatischen Kurier, diesen verschwiegenen Ueberbringer guter ober böser Nachrichten. Er hat zwar heute nicht mehr die gleiche Bedeutung wie in vergangenen Zeilen, die Telegraphie hat ihm viel von seinem rätselhaften Nimbus geraubt, aber noch immer liebt es der Bürger, sich in dem diplomatischen Kurier eine gewichtige Persönlichkeit zu denken, die mit einer Mischung von Reugier^und Scheu vetrachter wird. Ist er doch bisweilen der Trager von Botschaften, die über Wohl und Wehe von Millionen entscheiden können!
In Wirklichkeit.ist der diplomatische Kurier der modernen Zett nur ein untergeordneter Beamter, ber von dem Inhalt und der Tragweite der in seiner Leder lasche enthaltenen Dokumente nicht mehr weiß als ein Briefträger; feine Aufgabe beschränkt sich darauf, den im heimischen Ministerium sorgsam versiegelten Sack.sicher und unberührt dem Adressaten zu überliefern. Ter französische Kurier z. B., der in diesen Tagen die Antwort auf die deutschen Forderungen von Paris nach Berlin bringen wird, wird voraussichtlich einer jener drei Kuriere des französischen Ministeriums des Äuswänigen fein, die sonst regelmäßig am Montag von Paris ihre Fahrt antreten. Tenn von der großen ^char von diplomatischen Kurieren, die in früheren Zeiten die Verbindmig mir dem Ministerium und den Botschaften im Auslande aufrecht erhielten, find in Frankreich nur drei übrig geblieben. Ter eine von ihnen fährt regelmäßig jede Woche nach konstaurinopel und vermittelt auf dem Wege auch den Attcnaustaufch nut Bukarest, Sofia und Belgrad; der zweite reift regelmäßig von Paris nach Petersburg und wieder zuruck und über nimmt dabei auch die Botschaften von Paris nach Berlin ober von Berlin nach Paris. Ter britte enblich bient ber lleberbringung von biplomarifchcu Schriflsrücken zwiickun Paris unb Lonbon. Ter Reisende, den vielleicht ein Zu fall in das Kirpee des diplouialischen Kuriers führt, wirb fast nie ahnen, baß er sein Abteil mit einem Wertzeug, der hoben Tiplomarie teilt Tie Leberlasche bes Marlers Mterjcheibet sich kaum VLN einer gewöhnlichen Reisetasche;
nur bie Kette mit bem kunstvollen Vexierschloß, die sich um die Lrirerhülle schlingt, kann dem Beobachter verraten, daß jenes sonst unauffällige Gepäckstück einen vielleicht nicht alltäglichen Inhalt hat. Tiefes Schloß entspricht ben kunstvollen Verschlüssen nrobemer KLssenschränke, cs muß auf ein bestimmtes Wort eingestellt sein, um geöffnet werben zu können, unb fein Geheimnis kennen nur Ab- feuber, Empfänger unb ber Kurier Aber bamii ist fein Wissen auch erschöpft, unb feine Pflicht beschränkt sich darauf, die diplomatische Tasche nicht auS den Augen zu lassen. Wenn er sich zur kurzen Ruhe im Kupee ausskreckr, wlrd er sie als Kopfkissen benutzen, keinen Augenblick trennt er sich von dem ihm anvertrauten Gut, und erst wenn er feinen Schatz am BesrimmunHsorte abgeliefert hat, atmet er auf in dem schonen Gefühle, seine hoch- iinchtige diplomatische Mission erfolgreich durchgeführt zu haben. Hin und wieder kommt es auch vor, daß einem jüngeren Attachs das Amt des Kuriers zufällt.
Tie Fälle, in denen die diplomatische Aktentasche Abenteuer erleben durste, sind selten. Bisweilen aber sind kleinere Zwischenfälle doch vorgekommen. Ein Mitarbeiter des Gaulois weiß von einigen aufregenden Augenblicken zu erzählen, die vor längerer Zeit ein junger französischer Attache durchleben mußte. Tem eleganten jungen Herrn war die Pflicht des Kuners anvertraut worden. Ter hoffnungsvolle „Twlomat" stand vor dem Abgang des Zuges, der Bedeutung feiner Mission sich voll kommen bewußt, vor der geöffneten Tür feines Mupces, schmauchte lässig eine Zigarette und hielt dabei den Blick stolz unb stetig auf die drinnen im Gepäcknetz liegende Tasche gerichtet. Plötzlich tritt ein vornehm gekleideter älterer Herr auf den jungen Attacke zu und batet höflich um Feuer. Tarr man eine solche Birte abschlagen? Ter liebenswürdige junge Tiplomar reicht dienstbereit sein Feuer, ber alte Herr bank höflich, bie ganze Szene hat kaum 20 Sekunben gebauert. Als ber Attache wieder den Blick auf feine biplo- matif'che Tasche rid icn will, sieht er nur ein leeres Ge- päonetz: ber noffer ist rerfebrounben. Der Zug ist im Begriff, abzufahren, in höchster Erregung alarmiert ber junge Diplomat Stationsvorsteher, Bahnpolizei: selbstr..>.ano- hü) muß cs sich um Spione hanoein, schreckensbleich sieht ber jugenbliche Sraarsmailu bereu» die schweriviegenbsren Geheimnisje jeines. Länbe» verraten^ ireMe MMie 0?
sahren alles . . . Zum Gluck war ber Diebstahl früh genug bemerkt worben, bie beiben Komplizen hatten nicht Zeit, ihren Raub in Sicherheit zu bringen, sie warfen ihn beiseite, und man fand ihn in einem Winkel des Bahnsteigs.
Bisweilen ereignet es sich im diplomatischen Verkehr auch, daß der Botschafter feine Beruhte an den Ministers einer ihm genau bekannten vertrauenswürdigen Person lichkeit übergibt. Dieser Fall ist freilich feiten, hol sich aber gerade in diesen Tagen wieder einmal ereignet. Tic deutschen Gegenvorschläge, die Eambon nach Paris tveitcr- gab, wurden nicht durch den Petersburger Kurier gqanbl: der Berliner Botschafter der franzvsijchen Republll vcr traute die Dokumente dem Tirekwr ber 5ociete GLnoralc, Herrn Torizvn, an, ber zufällig einige Tage in Berlin geweilt hatte und an dem betreffenden Abend die ^ud • reife nach Paris antrat. So ist in diesem Fall der uiplo- makischc Kurier um den Ruhm gekommen, zwischen Paris und Berlin zu ^vermitteln". Es war kein „Diplomat", sondern ein Privatmann, der Herrn de Selocs, sreiliüi wohlversiegelt, bie deutschen Gegenvorschläge überbrachte.
— Freivorstellungen. Amerika und Frankreich finb die einzigen Länder, in denen auf großzügige Wciie zu bestimmten Zeiten, an vaterländischen Festtagen, Frcworüeilungeu geben werden. In Amerika fließen oie Mittel dazu au- raten Snstunaen, während in Frankreich der Staat icme t 3 .: Theater zur Verfügung stellt. D-er Gedanke, dem Voll une.i,- gelrliche Vorstellungen zu geben, ging von Frankreich aus, t.ä> zwar war Mazarin fern Urheber. Der Kardinal hatte ICT den ohrenäischen Frieden abgeschlossen unb war über seinen .; solg so erfreut, daß er dem Volk «wa- Besondercs iun n?ci • und chm das Theater im Hotel de Bourgogne ö'fncre. gab damals ben „Stllicho" des Corneille. Ter Versuch wi in demselben IahrhuudeN nur einmal wiederhol!, nämlitr , 1 Jahr daraus mu der Euer ^Perseus" von Gumault und Lu! dann gerrel der Gedanke auf lange Zeit in Vergessenheit. . Ludwig XVI. nahm ihn im großen Stll roiebei auf, uvt Erfolg freilich, daß der Pöbel darin nur einen Enr-ctzu!^^. periuch für die Feste des Hofs in Trianon sah und Dcr, j-ac.: durch eine „Representation gratuue" 1794 ber Jahrestag 1 einer Hinrichtung festlich begangen wurde.
,,j i


