Ausgabe 
13.1.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Swett« Blatt

Erscheint Ü-Mh mit AuSrrahme des SsnntogS.

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Flüssen und Winden ohne Unterbrechung ins Meer verschleppten festen Materien. Man kann dieser Beweisführung nicht alle Berechtigung absprechen, da ein andauernder Sirbstcnrzverlust der Festländer zugunsten der Meere vor Augen liegt. Müßte demnach das Weltmeer also wirklich eine Neigung zum Steigen haben, wie das, Wasser eines Gefäßes, in das man Steine hincinwirft, so ift es im Gegensatz hierzu nahezu sicher, daß aus den Meeren und Landseen fortwährend große Wassermassen ins Erdinnere

Die Samilienblötter" werden dem

»Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krdsblatt Mr den Krei* Sieben" zweimal wöchentlich. Die ,.Landwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Köhlers Versetzung.

R. B. Darmstadt, 12. J<m. Die BeisetzUngs- feierlichkeit für den verstorbenen Reichs- unb Land- tagsabgeordneten Philipp Köhler, die ^eitay nach- Mtttag 3 Uhr in Langsdorf erfolgt, verspricht eine außer­ordentlich zahlreiche Beteiligung. Als Vertreter der Zweiten Kammer begibt sich der erste Vizepräsident Abg. K o r e l l mit Bureaudirektor Regierungsrat Schenck dorthin, um namens der Volksvertretung einen großÄi Lorbeerkranz mit Schleife und Widmung niederzulegen. Dasselbe wird durch den stellvertretenden Vorsitzenden der hes ischen Land- wirtfchaftskammer geschehen. Auch zahlreiche Abgeordnete, Vertreter der landwirtschaftlichen Behörden, Vereine usw. werden der Tratterfeier beiwohnen.

Wir erhalten folgende Zuschrift:

Es ist Teilte Frage, bt* als Nachfolger des verstorbenen Herrn Köhler zumLandtag viele Bewerber auftreten. Da aber zurzeit mehr als genug praitische tüchtige Landwirte in der tiammcr vertreten sind, und da bei der wirischiftlichen Vereinigung im Landtag sich seit Jahren schon zum Schaden der Partei der Mangel eines rechtsgclehrten Beistandes gezeigt hat, trägt man sich mit dem Gedanken, einen Juristen als Nachfolger Köhlers in Vorschlag zu bringen und es werden bereits Namen genannt, die Herren Rechtsanwälte v. Hellrnolt in Friedberg, Fischer in Gießen und Sandmann in Hungen, die beide mit dem Landtagswahlkreis Köhlers in enger Berührung stehen und als warmherzige Vertreter der bäuerlichen Bevölkerung bekannt sind.

(Eine neue Siniflutprsphezeiung.

Während die Mehrzahl der Geologen die Ansicht vertritt, daß alles Leben auf der Erde in einer unschätzbar fernen Zukunft an dem Verschwinden des Wassers zugrunde gehen wird und daß die Verteilung von Wasser und Land bis dahin infolge der so­genannten Hebungen und Senkungen sich abwechselnd zugunsten der nördlichen und südlichen Erdhalbkugel ändert, vertritt Professor Gaston Doulist die Behauptung, daß alles feste Land aus der Erde unaufhaltsam der Bedeckung durch die Meere entgegengehl. 3ur Begründung seiner ziemlich vereinzelt dastehenden Bchauptung rdeift er darauf hin, daß an den weitaus meisten Küsten der Festlands- und, Jnselküsten sich die Niveauveränderungen im; nega­tiven Sinne, also in der 9lrt vollziehen, daß die Meere heuth höher hinaufreichen, als zu jenen Zeiteir, da man mit den ersten genauen Pegelbeobachtungen begann. Nach seinen Ausführungen, die zweifellos in Fachkreisen einem lebhaften Widerspruch be­gegnen werden, seien in Europa nur die atlantischen Küsten von tier Mündung der Garonne bis nach Jütland, die Westküste Sardiniens und das dalmatinische Litorale, in Afrika nur der Strand von der großen Syrte bis zur NUlmindung und in Amerika nur hie Westküste der Vereinigten Staaten und die Mündung des Amazonenstromes m langsamer Hebung begriffen. Langsam dem Meere entsteigen ferner nach Doulin noch die Inselgruppen der Komoren, Ädmiranten, Sehchellen, Malediven, Karolinen- und die Marschall-, Gilbert- und Paumotinseln, wäh­rend an allen übrigen Stellen teils Stillstand, oder aber ein Herabsinken der Küsten stattsinde.

Wichtiger als, die zum Teil sehr zweifelhaften Angaben Doulins über die an den einzelnen Küsten beobachteten Veränderungen.

Oxyden und Hydroxyden einzugehen, die ein größeres Volumen als ihre Konrponenren eiirnehmen. Die Frage, ob die Erde einer allgemeinen lleberftutung ober dem Trockentode entgegen­geht, ist also nach (bent F/utigen Stande unseres Wchens mcht zu beantworten. 0. K.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Vertag: esgÄol. Redaktion.e^ll2. Tel.-Adr.:AnzelgerGießen.

Stettag, 13. Januar 1911

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universuäts - Blich- und Sleindruckerei.

R. Lange, Gießen.

hob besonders seine großen Verdienste um den Geweichc- verein und die Gewerbeschule hervor. Sichtlich gerührt erhoben sich die zahlreich erschienenen Mitglieder am Schluß der Rede zur Ehrung des Verstorbenen von ifyren Sitzen.

" Für die Reichs grün dun gsfeier am Sonntag ist ein der Sache entsprechendes würdiges Programm auf­gestellt worden, das wohl jeden der Besucher vollauf befrie­digen wird. Bei dem Festakt im Stadttheater wird Pro­fessor Dr. Roloff die Gedächtnisansprache halten, während der Akademische Gesangverein und der Kronbauer'jche Quartett- oercin unter Leitung des Universitäts-Musikdirektors Professor Traiitmann zwei Chöre mit Orchesterbegleitung (Kapelle beS Inf.-RegtS. 116)Frisch auf in Gottes Namen" von M. Bruch und den Kaisermarsch von R. Wagner vortragen werden. Bei dem Festkommers am Abend werden verschiedene An­sprachen gehalten und die Kapelle ivird unter Leitung bc5 ObermusikmelsterS Löbcr einige Musikstücke vortragen. Ein unter Leitung deS Herrn Franz Bauer stehender Sängerchor, zu dem sich der Bauer'sche Gesangverein, die Bürgergesell- schäft, Gemütlichkeit, Harmonie, Heiterkeit, Lieberkranz, Maschinenbauer-Gesangverein unb Sängerchor deS Turnvereins vereinigt haben, wird teils mit, teils ohne Orchesterbegleitung cmige Chöre vortragen, darunter das altniederländische Dank­gebet unb Friedrich Rotbart. Nochmals sei darauf auf­merksam gemacht, d< etwa nicht benötigte Karten zurück- gegeben werden mögen, damit sie anderweitig vergeben werden können. Beim Festakt im Stadttheater werden die Damen gebeten, möglichst in Hellen Kleidern zu erscheinen, während bei den Herren schwarzer, bezw. dunkler Anzug erwünscht ist.

* Gesellschaft für Erd- und Länderkunde. 9(m nächsten Montag abend findet im Hörsaale des physika­lischen Institutes die Generalversammlung der Ob er hessi­schen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde als gemeinschaftliche Sitzung beider Abteilungen statt. Stach Er­ledigung der geschäftlichen Angelegenheiten findet ein Vor­trag über das Erdöl statt. Bei der großen allgemeinen und wirtschaftlichen Bedeutung des Themas ist eine Zwei­teilung vorgenommen worden. Privatdozent Dr. Meyer wird, zuerst über die natürlichen Vorkommen des Erdöles und über ihre Entstehung sprechen. Privatdozent Dr. Beschke wird dann die Verarbeitung des Rohmaterials behandeln und auf die technische Bedeutung der daraus hervorgehenden Produkte eingehen. Gäste sind willkommen.

** Stadttheater. Zur heutigen Erstaufführung des VaudevillesEr und seine Schwester" fei noch b^ merkt, um Mißverständnisse im Publikum zu vermeiden, daß die Handlung des 3. Aktes, ähnlich wie beiKecm", sich teil­weise im Zuschauerraum abspielt:

** Die Schlachtung en für Unsere Stabt waren, rvas Schweine anlangt, im November und besonders im Dezember sehr stark zurückgegangen: jetzt nehmen sie aber wieder kräftig zu Der Bedarf an Rind-- und Ochsenfleisch blieb sich gleich: nur der KalbfleischbedaN ging im Dezember weit unter dem Durchschnitt herab, doch ist auch hierin wieder eine Zunahme zu verzeichnen. .

** Die Eisernte für die Brauereien be,chäfttgt zurzeit : kleinere Landwirte aus unserer nächsten Umgebung, die für den Zentner Eis an Fährlohn 910 Pfg. erhalten. Bisher swd über die städtischen Lastwagen über 20 000 Zentner Eis ge­gangen, für die ein Wägegelb von 200 Mark gezahlt wurde.

LanokreiS Gießen.

= Annerod, 12. Jan. Die Land wir ts ch a f ts - ! kammer veranstaltet am Samstag abend im Gasthaus i von Engelhard einen Vortragsabend, in dem Land­wirtschaftslehrer Tamm von Lich über die Anwendung : der künstlichen Düngemittel und Wiesenkultur sprechen - wird.

; -- Beuern, 12. Jan. Am Dienstag wurde der hiesige

» Alt-Polizeidiener Dort unter großer Anteilnahme zu

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhetzen

sicht gesichert.

Diediplomatische" Krankheit einer^ nigin. Die spanischen Blätter erzählen, daß die Königin Marie Christine, die Mutter des Königs Alfons, an den glänzenden: Festen, die am spanischen Hof gelegentlich des Jahreswechsels veranstaltet werden, nicht teilgenommen habe. Sie fügen hinzu, daß die Königin-Mutter seit einiger Zeit unpäßlich fei: es scheint sich jedoch so wird demMessaggero" aus Madrid geschrieben um einediplomatische" Krankheit zu handeln. Es ist in Madrid ein offenes Geheimnis, daß die Beziehungen zwischen der jungen Königin Viktoria, der Gemahlin des Königs, und der alten: Königin, btc sich immer mehr in den Turm des Schweigens zurückzieht, schon seit längerer Zeit recht gespannt sind. Marie Christine wird von ihrem Sohne nicht mehr wie früher in po­litischen Angelegenheiten um Rat gefragt, und sie ist fest überzeugt, daß diese Nichtachtung, durch welche sie sich schwer gekränkt fühlt, auf den Einfluß der Schwiegertochter zurückzuführen ist. Der Zwist nahm seinen Anfang, als die spanische Regierung ihrer Politik eine ausgesprochene antiklerikale Richtung gab, unb spitzt« sich von Tag zu Tag mehr zu, bis er sich zu offenem Kriegs gestaltete. Die Königin-Mutter hat schon seit 14 Tagen ihre Gemächer nicht 'verlassen, lieber die unmittelbare Ursache ihrer schlechten Stimmung wird in Hoskreisen folgendes erzählt: Ein paar Tage vor Weihnachten saßen die Kinder des Königspaares in einem Zimmer des Palastes und vertrieben sich die Zeit mit einem vergnüglichen Geduldspiel. Sie sollten ein Tier bild zu-- sammensetzen und fügten aufmerksam Stück an Stück. Plötzlich zeigte der Prinz von Asturien, der das Bild fast fertig gebaut hatte, seinem Brüderchen einen Assen unb sagte:Sieht der nichts aus wie Großmama?" Himmel, öffne dich! Die Königin-Mutter/ die im Zimmer war. beugte sich über den Tisch, um zu sehen, was so aussehe wie sie, und wurde, als sie den Affen erblickte, von solchem Zorne erfaßt, daß sie bem löstiglichn, Entelsohno eine Maulschelle gab. Auf das Geschrei und Geheul der Kinder eilte die Königin herbei: als sie erfuhr, was ihrem Aeltesten geschehen war, zog sie sich, ohne ein Wort zu sprechen, mit den Kindern in ihre Gemacher zurück. Am nächsten Tage gab es zwischen dem König und seiner Mutter einen heftigen Auftritt, und feiibem hat sich Marie Christine nicht mehr in der Oefsenb^ lichtest gezeigt . . e .

tretet des R ei chs s ck a tz a m ts nimmt den Rechnungshof gegen die Vorwürfe in Schutz. Er erklärt aber, daß in Zukunft nach den vorliegenden Entschließungen verfahren werden soll: die Ro- visionen sollen sich in Zukunft nur auf wichtige Punkte, und nickst auf Kleinigkeit^: erstrecken.

Ein nationalliberales Mitglied des Ansschuye- halt es doch für möglich, in einem Reichsbetriebe völlig kauf­männische Verwaltung mit kündb ar er Leitung versuchsweise einznführen. Man werde dadurch Erfahrungen sam­meln Der Vertreter der Volks pari ei stimmt den Eni- fÄießmigen, die der Niederschlag mehrjähriger Verhandlungen im Reichstag und im Ausschuß seien, zu. "Aber nur, wenn eine kaufmännische Bstanz aufgestellt werde, fei die geforderte Heber- tragbarfeit der Titel möglich Der Redner ersucht den Staats-' sekretär um eine, formelle Erklärung, ob er mit den Entschließungen einverstanden sei, die sicher auch, wenn sie auf andere RnchS- betriebc ausgedehnt werden, zu einer Besserung des Karies der Reichsanleihen führen würden. Der Versuch, einen Reichsbettieb rein kaufmännisch zu gestalten, sei ja nach Lage der ganzen Ver­hältnisse zurzeit unmöglich. Man solle aber bei Besetzung ty}- fieret Stellen nicht zu sehr nach der Anciennstät venahren. xer 'Schatzsetcetär erklärt das volle Einverständnis mit den Ent- sckhießungen, warnt aber davor, die Uebertragbarfcit der Titel heute schon zu beschließen. Von sozialdemokratischer Seite wird den Entschließungen gleichfalls zugestimmt, weil man Ersparnisse hofft. , . .

D i e Entschließungen wurden hierauf ein­stimmig angenommen. Weiterberatung Freitag.

Die Keichsversicherung.

: Berlin, 12. Jan.

Der Reichsversicherungsausschuß setzte die Beratung beim Abschnitt Wochenhilfe fort. Die Be­stimmungen über falultative Gewährung von Schwangern­geld usw. werben durch Teilung in mehrere Paragraphen nur redaktionell geändert. Es bleibt die Bestimmung über obligatorische Gewährung der erforderlichen Hebammen­dienste und ärztlichen Geburtshilfe an Ehefrauen und fakul­tativ bei unehelichen Geburten. In erster Lesung hatte der. Ausschuß in einem neuen 218a beschlossen, daß auch versicherungsfreie Ehefrauen der Versicherten auf die Heb- ammcnbien|tc und ärztliche Geburtshilfe Anspruch haben sollen; diese Bestimmung wird gegen die Stimmen der Volkspartei und der Sozialdemokraten abgelehnt. In § 232 wird der Beschluß erster Lesung, wonach bei Leistungen einer au sich nicht zuständigen Kasse der Ersatz etwaiger höherer Aufwendungen auf über 3$ des Grundlohns er­folgen sollte, wieder beseitigt. Nach § 237 der Regierungs­vorlage kann die Landesregierung für das Gebiet oder für Gebietsteile des Bundesstaates bestimmen, daß keine Laud- lrankenkasscn neben den allgemeinen Ortskrankenkassen er richtet werden. Die in erster Lesung gestrichenen Worte ober für Gebietsteile" werden wieder emgesügt. Die Be­stimmung des § 238, wonach neben der allgemeinen Orts- lrankenkässe eine Landkrantenkas.se nur dann errichtet werden darf, wenn sie mindestens 500 PfKchtmitg.ieder haben würde, inirb dahin geändert, daß nur 250 Pflichtmitalieder erforder­lich fein sollen. Durch eine Aenderung des § 245 wird klarer als in der Vorlage zum Ausdruck gebracht, daß die in der Gärtnerei, im Friedhofsbetrieb, in Park- und Garten­pflege beschäftigten nur dann Mitglieder der Landkranken­kassen sind, wenn sie in Teilen landwirtschaftlicher Betriebe tätig sind. Freitag Weiterberatung.

Der Marinehaushalt im Sudgetausschuh.

:: Berlin, 12. Jan.

_ Der Budgetansschuß des Reichstages begann heute feine Arbest unter dem Vorsitz des Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.) mit der Beratung oes Marinehaushalts. Vor Eintritt in die Tagesordnung Tom der Vorsitzende des Ausschusses auf einen Artikel der Freisinnigen Zeitung" über die Verteilung der Berichte im Budgetausschuß. Er erklärte, daß die Zeitung inbezug auf seine Berichtigung nicht loyal gehandelt habe. Die Vorwürfe, daß er die Berichtverteilung zu Gunsten des s ch w a r z b l a u e n Blocks beeinflußt habe, müsse er zurückweisen. In der Verteilung der Berichte sei in den letzten Jahren nur inbezug auf denKolonia l Lau5 fialt eine wesentliche Aenderung eingetreten.

Die Vertreter des Zentrums und der Konser­vativen bestätigen dem Vorsitzenden, daß der Aus­schuß selber und zwar ohne Widerspruch die Berichte

verteilt habe. Ein Mstglied der fortschrsttlich-en Volkspartei rügt, daß die Linksliberalen bei den Berichten der großen Haushal imgen nicht beteiligt seien, nackchem man ihnen den Bericht über ixwt .kolonialhaushalt abgenommen habe. Auch der iozialdemo- Trati^fie Redner hält die vollsparteiliche Beschwerde nicht für »ans berechtigt: sei zu rügen, daß ein Nationftliberaler der Vor

fitzende einer in Kamerun tätigen Erwerbsgesellschast sei, zum Berichterstatter für die Kolo,neu bestellt sei. Der angegriffene '-'ch^ionalliberale erklärt, er habe das Amt lediglich aus patrio­tischem Interesse übernommen.

Die Verhandlung über den Marinehaushalt beginnt mit zwei Entschließungen der Abgg. Erzberger (Ztr.), Nacken C3tr.), Dr. Weber <Ntl.), die die Werften Kiel und Wil­li e l m s fi a v e n besichtigt haben:unb beantragen, daß die Werften nack) einheitlichen einfacheren Grimdsätzen verwaltet werden sollen mtb daß für 1911 eine k a n fm ä n n i s ch e B i l a n z für die Werft Wilhelmshaven auigeftellt roerbe. Die Rechnungskontrolle müsse an Ort und Stelle ausgesührt und vereinfacht werden. Ein Zentrumsredner sührt hierzu aus, die Rechnungskontrolle des Rtthnungslwfes sei in ihrer jetzigen Fornr nahezu wertlos, kosten der Revision^ seien größer als die Objekte, um die es sich bandle. Bei den Werstverwaltungen müßten anstelle der un­absetzbaren Beamten außeretatsmäßige Beamte auf Kündigung angestellt werden.

Staatssekretär v. Tirvitz begrüßt die Entschließungerr mit großer DanLarkeit. Er stimmt der Forderung zu, daß die Kon­rolle mehr am Ort unb Stelle stattfinden soll. Es sei unerläßlich, oaß bic Verwaltun^s- und Ressort-Direktoren der Werften unter den § 25 des Reichsbeamtengesetzes fallest: sonst könne man unbrauchbar gewordene Beamte nicht los werden. Der Staats­sekretär führt das in einem Spezialfalle näher aus. Der lieber» gang der leitenden Ressortdirestoren zu Beamten auf Kündigung wäre aber sehr schwierig, wenn nicht unmöglich sein. Ein Ver-

Aus ytaöi und Ccmfc.

Gießen, 13. Januar 1911.

** Gedächtnisfeier für Kommerzienrat Heyligeustaedt. In der Mitgliederversammlung des Gewerbevereins am Mittwoch abend stellte Stadtv. Petri den Mitgliedertt den neuen Vorsitzenden Herrn Pros. Dr. Krausmüller vor. Dieser gedachte dann in längerer Rede des verdienstvollen Vorgängers in seinem Amte, Kom­merzienrats Heyligenstaedt. An der .Hand von Daten aus seinem Leben schilderte er sein segensreiches Warten und

'versinken, um dort chemische Bindungen zu neuen Gesteinen, aeschichte des Bildes, erklären lassen, das während des - - - - ' ' ----- Krieges in großer Hast gemalt wurde. So erscheint die

Echthett des neuen Bildnisses, für die ausgezeichnete Kenner: wie Beruete und Claude Phillips eintreten, in jeder Hin-

Grosse Elite- m Vorstellig

Heute Frtitn i den 13. Jaw 'Hangen. Anjaug ölll II. -«Msteriöie TeL Hinten Holländiläen « Mwirkunlt von Äadae rss» ft»

"'SW »rbelebung in der cgyvist £ das -W

7 j/, Uhr abeudS ab

Ein neuer Velasquez aufgefunden. Tas bekannte Bildnis Philipps IV. von Velasquez, das srch in der Dulwich-Gallery befindet, war von den besten Ken­nern des großen Spaniers für das Werk seines Schwieger­sohns del Mazo erklärt worden. Das Originalwerk, das Velasquez 1644 in Farga gemalt hat, ist nu n au f g e fun - den worden, wie dem Cicerone aus London berichtet wird. Diese überraschende Mitteilung erhält chren beson­deren Wert dadurch, daß die Echtheit des Werkes sich doku­mentarisch erweisen laßt. Das Bild stammt aus dem Be­sitze der Herzöge von Parma unb hat bis zum Jahre 1859 tm Palast zu Parma gehangen. In diesem Jahre wurde Herzog Robert aus Jtatten vertrieben und nahm das Bild als sein Privateigentum mit sich. Nach seinSm Tode 1907 erhielt es Prinz Elias, der es erst im Schloß Li.chtcnegg auf- hangte und dann nach Wiett schaffte. Hier haben die Lon­doner Kunsthändler Agnew das Bild, dem man bisher keine allzu große Bedeutung beigemessen hatte, und dessen Wert zum mindesten niemand erkannte, entdeckt und für eine gewaltige Summe man spricht von 1600 000 Mk. angekauft. Dieser Verkauf soll übrigens noch einen Prozeß im Hause Parma nach sich ziehen, da die anderen Familienmitglieder einen Teil der riesigen Verkaufssumme für sich beanspruchen. Neben den dokumentarischen sind es stilkritische Gründe, die das neue Werk dem Btldc in der Dulwich-Gallery gegenüber als das Original erweisen. Auf dem neuen Gemälde erscheint Philipp IV. viel mensch- Echer und bei aller königlichen Würbe realistischer aufgefaßt. Die Kleidung ist malerisch feiner und interessanter durch­geführt, und das Gesicht ist mit dem Wains zu einer wunder­vollen, zartrötlichen Harmonie zusammengcsttmmt. Für die . Echtheit des neuen.Werkes sprechen ebenfalls die charatteristi- '' M)cnPentimenti", die wahrend des Malens vorgenom- e menen Korrekturen, die sich leicht aus der Entftehungs-

iinb die von ihm für das Hereinbrechen einer künftigen Sintflut geltend gemachten Gründe. Er erblickt sie nicht in ^einer Ver­änderung des Schwerpunktes der Erdkugel in dem Sinne, daß die Wassermassen von bem aus dem antarktischen Meer höher herauswachfenden SüdpolarkoMinent nach der nördlichen Halb­kugel abströmen, sondern prophezeit eine langsame Ausfüllung der miteinander kommunizierenden Welttneere durch die mit den

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