Ausgabe 
11.4.1911 Erstes Blatt
 
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Nr. 86 Erster Blatt lös. Jahrgang

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WWA General-Anzeiger für Gberhessen

anna^me4 oon »njtigei Rotattoiu6ru<! «nd Verlag 6er vrlihl'lchen Univ.-Vllch- nnö Steinbniderei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: SKuIftrahe 7.

b£ vüdingen: Zirnlprecher Rr. 50 SeschSflrPelle vahnhosjtratze j6a.

Dienstag, U- April I9fl ve;n gSvretS: monatlich75Vk., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Hbhole- il Zweigstellen monatlich Pi.; durch die Post 2.Dtertel- zährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15'BU auswärts 20 Pienniq. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz. für ,5eutlle- wn", .Vermischtes' und .Genchtssaal-: K. Neu­rath; für .Stadt und Land": E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

handelzpolitlsche Strömungen in Lrantteich.

Die ©ociete d'Economie Jndustrietle et Commerciale, welche mit unseren großen Vereinen zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen zu vergleichen ist, hat der fran­zösischen Regierung einen Antrag unterbreitet, fte mvge die Initiative ergreifen, um mit dem Auslande Tarif­verträge im Sinne einer Herabminderung des Zoll- fchutzes durch gegenseitige Zollzugeständnisse abzuschließen. Zu diesem Zwecke solle die im Zollgesetz vom 9. Dezem­ber 1891 enthaltene Bestimmung, welche ihr den Abschluß von Handelsabkommen nur unter dem Vorbehalt jähr­licher Kündigungsmöglichkeit gestattet, beseitigt werden. Da die französische Regierung auch mit der deutschen Ver­handlungen anknüpfen soll und der Minister der auswär­tigen Angelegenheiten vor einigen Tagen beim Festmahl der Pariser Handelskammer sich ebenfalls entschieden für eine .Handelsvertragspolitik ausgesprochen hat, gewinnt die Angelegenheit für uns besonderes Interesse. .

Tie französische Handelspolitik ist seit 1892 ebenso wie die der Vereinigten Staaten von Amerika auf der Unterlage eines .Höchst- und Mindesttarifs ausgebaut. Es sollten keine Handelsverträge mehr geschlossen werden, sondern mir Ab­kommen über Annahme oder Ablehnung des Minimaltarifs. Doch dies System, dessen meiste Sätze durch das Gesetz vom 1. April 1910 noch wesentlich erhöht worden sind, hat den französischen Außenhandel mehr stationär gehalten denn gehoben. Besonders ist die Einfuhr und Ausfuhr von Fabrikaten gegen die Vorjahre bis 1908 fast stabil geblieben, um von da ab eine Steigerung aufzuweisen. Die Aufnahme der Kolonien in das Zollgebiet des Mutter­landes hat in keiner Weise den darauf gesetzten Erwar- lunaen entsprochen, so daß Anlaß genug vorliegt, die fran­zösische Handelspolittk neu zu ordnen.

Ueber die Grundlage unseres handelspolitischen Ver­hältnisses zu Frankreich ist allgemein nur bekannt, daß es durch § 11 des Frankfurter Friedens vom 10. Mai 1871 ein solches der beiderseitigen Meistbegünstigung ist. Deim gemäß steht also beiden Ländern das Recht zu, vvn jeder Zollvergünsttgung Gebrauch zu machen, welche eines von ihnen irgend einem dritten Lande einräumt. Räumt Frank­reich u. a. Rußland irgendwelche Zollvorteile ein, so nimmt Deutschland ohne weiteres daran teil. Aber ein Zusatz Lu diesem Uebereinkommen bestimmt, daß von dem Grund­sätze der Meistbegünstigung Deutschland dann ausgeschlossen ist wenn es sich um französische Zugeständnisse handelt, die anderen Ländern als England, Belgien, den Nieder­landen, der Schweiz, Oesterreich und Rußland eingeräumt werden. Dadurch hat sich Frankreich speziell in Europa den romanischen Ländern (Italien, Spanien und Portugal) gegenüber völlige Handelsfreiheit Vorbehalten, außerdem tn seinen Beziehungen zu den nordischen Reichen und allen Balkanländern. Doch findet ein späterer Zusatz zum fran­zösischen Zollgesetz, der ähnlich wie die Mac Känley-Bill, Art. 4, die Regierung ermächtigt, Zuschläge oder völliges Einfuhrverbot auf alle oder einen Teil der Waren cin> Zufuhren, die aus Ländern kommen, nrelche die französischen Waren differenzieren, auf Deutschland keine Anwendung Die eingangs erwähnten Strömungen wollen vor allem den franzöjijchen Weinen und Likören in Deutschland einen größeren Markt schaffen.

Vie Ersatzwahl für den Abg. Singer.

Im vierten Berliner Wahlkreise ist gestern anstelle des verstorbenen Abg. Paul Singer ein anderer Sozialdemokrat, der Kassenbote Otto Buechner, in den Reichstag gewählt worden. Wir erhielten folgende Meldung:

Berlin, 10. April. (Vorläufiges amtliches Wahlergebnis.^ Bei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreis Berlin IV wurden insgesamt 72 696 gültige Stimmen abgegeben Davon erhielten Kassenbote Otto Buechner- Berlin (So-.) 69 872, Gras v Oppersdorfs (Ztt.) 1827 und Newicki - Posen ^Polc 718 Stimmen. Zersplittert waren 279 Stimmen. Buechner ist somit gewählt.

Verschiedene Blätter heben denn auch schon hervor, daß bei der gestrigen Ersatzwahl die sozialdemokratischen Stimmen trotz ungeheurer Agitation um rirnd 12 000 Stim­men abgenommen haben gegen das Jahr 1907. Damals war die Wahlbeteiligung in diesemangestammten Sih" der Sozialdemokratie allerdings viel stärker gewesen: 108 497 Wähler waren zur Urne gegangen, und davon litten 82 039 den Sozialistenhäuptling, 15 749 den frei­sinnigen Kandidaten, 6601 den Konservativen, 2708 den Zentrumskandidaten und 1313 den Polen gewählt. Große Bedeutung ist dem Sinkender sozialdemokratischen Stimmen­zahl kaum beizulegen. Singer war doch eine andere Per­sönlichkeit als der Kassenbote Bueckner, und mancher wasck- cchter Sozialdemokrat hat vielleicht eine begeisterte Kund­gebung angesichts des doch sicheren Wahlausganges für überflüssig gehalten und ist zu Hause geblieben.

Das Lronprinzenpaar in töten.

Wien, 10. April. Der K r o n p r i n z und die Kron­prinzessin begaben sich heute vormittag in die Kapu­zinergruft, sowie an die Särge der Kaiserin Elisabeth und des Kronprinzen Rudolf, wo sie Kränze niederlegten und längere Zeit im Gebet verweilten. Darauf kehrten sie in die Hofburg zurück. Von dort begaben sie sich in die spanische H o f r e i t s ch u l e und wohnten den Vorführungen bei. Der' Kronprinz besichtigte außerdem das Rcitlehr- inftitut. Das Kronprinzenvaar machte bei Mitgliedern des Kaiserhauses Besuch und nahm beim Erzherzog Franz Ferdi­nand und Gemahlin das Frühstück.

KaiserF ranz Joseph verlieh der Krvnprinzeffin, der Frau von Alvensleben und der Hofdame Gräfin vvn Wedel den Elisabethorden 1 Klasse, dem Gen er aladstttanten o. Schenck und oem Oberbosmarschall des Kronprinzen Grafen von Bismarck-Bohlen sein Bild in kostbarem Rahmen mit eigenhändiger Unterschrift, dem Kammerherrn von Behr und dem Hofstaatssekretär Sommer den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse und dem Leutnant v. Zabeltitz das Ritterkreuz des Franz Josefsordens.

Nach dem Frühstück beim Erzherzog Franz Ferdinand und Gemahlin begab sich das Kronprinzenpaar in die deutsche Botschaft zum Besuch des Botschafters v. Tfchirfchky und Gemahlin. Das Kronprinzenpaar weilte etwa eine Stunde in der Botschaft und unterhielt sich mit Herrn und Frau v. Tschirschky und deren Tochter sowie den Gästen des Hauses auf das Liebenswürdigste. Dann fuhren sie in die Hofburg zurück.

Abends nm 7 Uhr fand in der großen Galerie zu Schönbrunn Hoftafel beim Kaiser statt. Der Kaiser schenkte die aus Anlaß seines 80. Geburtstages geschaffene Pla­kette in besonderer Ausführung dem Kronprinzen.

DieNordd. All gern. Ztg." schreibt:

Das Kronprinzenpaar trifft morgen (11. April> nach fünf monatiger Abwesenheit in Potsdam ein. Der Kronprinz bringt Erfahrungen und Eindrücke heim, die von dauern dem Wert für ihn fein werden. Neben eingehenden -Studien wickttiger Kultur- und Wirtschaftsgebiete batte der Thronfolger tcid.c Gelegenheit, mit seinen Landsleuten in der Fremde und Vertretern anderer Nationen in vielfache Beziehungen zu treten. Leider mußte er daraus verzichten, seine Reise nach Siam, China und Japan auszudehnen. Dafür konnte er eine umso genauer^ Kenntnis Indiens gewinnen, wo er dank der entgegen kommendem Llufnahme durch die englischen Behörden und Private errnnerungs- reiche Monate verlebte. Die gleiche herzliche Gastfreundsck-aft genoß da§ lionprinzliche Paar in Aegypten bei dem Khedive unb den anglo-agyptischen Behörden. Der glücklich verlaufenen bähen Mission, mit der der Kaiser den Kronprinzen und Gernahlm beim italinreschen Königspaar betraut hat, folgte der Besuch das Wiener Hoss, der erneut bekundete, in wie innigen Beziekurngen die beiden Kaiserhäuser verbunden sind. Mit besonderer Freude verfolgte Deutschland, mit welch warmen Sympathien der Kron Prinz überall ausgenommen wurde und wie einmütig und an erkennend das Urteil des Auslands über seine Person und fein Auftreten gelautet hat. So ist die Reise ein voller Erfolg für den Kronprinzen und ein Gewinn für Deutschland. Zu der Rückkehr tn die Heimat heißen wir das Kronprinzenpaar bon Herzen willkommen. L ~ .

Im Anschluß an die auch vvn uns kurz erwähnte Zei­tungsmeldung, der Empfang bei der römische n Bevölle rung sei ziemlich kühl gewesen, Hutten einzelne Blätter behauptet, das sei auf einen amtlichen Berliner Wink zurück zusühren. Dazu schreibt nunPopolo Romano":Die Nordd. Allgem. Ztg." bezeichne es mit vollem Recht als eine unsinnige Unterstellung, daß der Charakter der V-rungen und die Grenzen des Empfanges des deutschen Kronprinzenpaares auf einen besonderen von Berlin ge­gebenen Wink festgestellt worden sei."

Uebersall eines türkischen Konsulates in Persien.

Konstantinopel, 10. April. Nach Meldungen, die der Pforte zugegangen )inb, wurde das türkische Konsulat in Buechir von persischem Pöbel angegriffen, welcher die Auslieferung des Konsuls und eines geflucht freien, wegen Mordes verfolgten persischen Polizeibeamten verlangte. Der Pöbel drang in das Konsulat ein, tötete einen Polizeibeamten und zwei Konsulats­diener und richtete in den Amtsräumen Schaden an. In­folgedessen verlangt die Pforte von der persischen Regierung G r. n n gluung, Bestrafung der Schuldigen und Entscha- ^D?e persische Regierung bewilligte alle Forderungen. ___________________

Dom albanischen Ausstand.

Konstantinopel, 10. April. Auf die Kunde von dem Anmarsch eines Regimentes Men sich die Auf­ständischen aus der Umgebung in ihre Befestigungen im Kastratigebiete zurück Ihre Stellungen bei Kurn bere wurden durch Artilleriefeuer zerstört. Auf ihrer Flucht gegen die Höhen von Gradeca erlitten die Aufständischen große Verluste. Bei den Gefallenen wurden monte­negrinische Mausergewehre gefunden.

Nach Meldungen, welche von der Grenze eingetroffen sind, ist es den Aufständischen gelungen, verschiedene Stet hingen wieder zu erobern und die Truppen bis Suki im Kvstratigebiet zurückzuwerfen. Durch eine Umgehungs­bewegung soll es den Aufständischen gelungen fein, die Ver-

Gespräche mit 3bfen.

In den persönlichen Erinnerungen an .Henrik Ibsen, die fiegennwrtig in der dänischen ZeitungPolitiken" erscheulen er­zählt der norwegische Dichter Gunnar »eiberg wunderliche iutb interessante Dinge darüber, wie Ibsen sich bei Unterhal­tungen berhalten hat.

So verschlossen derMagnus des Nordens" im allgemeinen war, so offenbarte er doch besonders in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine große Neigung, au na­tur wissen schastlichenUnterhaltungen teilmnchmcn, und dabei stand die Keckheit, mit der er sich in die Auseinander­setzungen warf, zu seiner sonstigen Zuruckhaltung ui offenbarem Gegensätze. (Hneii gewissen komischen Beigeschmack erhielten dicic Gespräche mit Ibsen dadurch, daß seine naturwissemchanlichen Kenntnisse in einigem Mißverhältnis zu seinem naturwnsenschaft liehen Interesse standen. Er sprach über Flugmaschinen und Elek­trizität nur so munter drauf los denn er pflegte gerade ui diesen Gesprächen noch mehr zu antworten als zu fragen; er mußte sich aber freilich auch einmal von einem d ann eben ^n- aenicuroisizier kurzer Hand sagen lassen, daß er der elcmcntariten Kenntnisse über den zur Erörterung itehenden Gegenstand entbehre. So schüttelte auch I. P. Jacobsen, der an diesen Gesprächen mit Ibsen häufig teilnahm, so manches Mal seinen Kops, wenn der Dichter auf sein Spezialfach, auf Botanik zu sprechen kam, und er sagte dann wohl hinterher, daß viel Schuljungen bann besser Bescheid wüßten als dieser alte Apotheker.

Bei der starken Selbstkritik und Selbstbeobachtung, die Ibsen kennzeichnet, liegt es nahe, anzunehmen, daß es ihm bei diesen Gesprächen mehr daraus ankam, die Gemüter tn Bewegung zu setzen, Kontraste der Ansichten zu schasseii und auseinanderplatzen zu sehen, als eigentlich naturwissenschaftliche Probleme zu lösen. Er wollte geistig angeregte Menschen beobachten. Noch merk­würdiger aber ist vielleicht, daß Ibsen zuweilen Unterhaltungen einfach als Ruhelager benutzte. Er hatte bann die eigentüm­liche Fähigkeit, eine ganze Zeit lang nur so daherreoen zu können. Heiberg erzählt dafür einen interessanten Beleg.

Eines Tages traf Ibsen mit L. P. Jacobsen in ihrer Kneipe zusammen und, angeregt durch einen glücklichen Kauf, den er gemacht hatte, bewirtete er die beiden mit Kognak. Wie es kam, dessen weiß Heiberg sich nicht mehr richtig zu erinnern kurz, die drei waren auf einmal in einem Gespräche über Gold, Goldeswerl, Chemie des Goldes, Gold in Handel und Wandel, kurz: Gold in jederlei Hinsicht begriffen, daß so tief­sinnig war, daß es schon gaiiz unverständlich wurde. Herberg saß so dösend dabei, und weil es ihm vortam, daß das Gespräch ganz zusoMmenhaugslos sei, warf er plötzlich mit Nach­

druck die Bemerkung dazwischen:Belgien hat ja eben feine Währung konvertiert". Und richtig ging die Unterhaltung jetzt daraus Über, gleich als ob die Aeußerung in irgendeinem Zer- 'amnicnüangc mit dem boraufgegangenen Thema stände. Es war also wirtlich bloß ein Daherreden, woran Ibsen damals teilnahm, und Heiberg ist davon überzeugt, daß Ibsen diese eigentümliche Art der Unterhaltung mir wählte, um sich auf seine Weise geistig auszuruhen. Sehr bei der Sache und gar grimmig war er aber, als er eines Abends in dem skandinavischen Klub zu Rom mit zwei dänischen Theologen ein Gefecht über Theologie und Christentum hatte. Jedes Mal, wenn er von den Dänen in die Klemme gebracht wurde, rief er seinen in der Nähe stehenden Sohn Sigurd heran, der ihm schnell mit ein paar wissenschaftlichen Argumenten bcispringen mußte. Beim Heim- wege am selbigen Abend war Ibsen bitterer und pessimistischer gestimmt als je. Sckaver hing er sich woran vielleicht der genossene schwedische Punsch nicht ganz unbeteiligt sein mochte tn .Helbergs und Jacobsens Arm und räsonierte über die hoff­nungslos zunehmende Schlechtigkeit und Wettlosigkeit der Mensch­heit. Und als ihn Heiberg an einen Vers erinnerte, den Ibsen selbst früher geschrieben hatte und dessen Gedanke der war, daß die Menschheit gleichsam auf einer Wendeltreppe in die Höhe klimme, da antwortete der Dickster:Verse! .... Verse!

Bloße Verse!" Dabei sprach aus Ibsens Stimme bic tiefste Vcrackstuna. Ein Ausruf, der in die düstere Seele des merkwürdigen Mannes einen tiefen Einblick eröffnet.

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40 000 Mark für eine Suppenschüssel. Aus London wird berichtet: Mit den erst kürzlich für alte Silber- gegenflänbe bezahlten Märckienpreisen scheint die wachsende Vor­liebe für alte Silberfachen bei den Künstfteunden noch immer ihren Höhepunkt nicht erreicht zu haben. Bei der letzten Verstei- gerung'bei Christ« entspann sich um den Besitz einer versilberten Suppenschüssel aus der Zett Karls II. ein heißer Wettstreit, und das nur 140 Unzen schwere Stück wurde schließlich mit nicht weniger als 40 000 Mark bezahlt. iEne andere Suppenschüssel rntt Decke! und Ständer und einem Gewicht von 47 Unzen erzielte 20 000 Mark und ein Pokal aus der Zeit Jakobs I. mit ein­graviertem englischen Königswapven fand einen Liebhaber, der 11600 Mark für das alte Stück bezahlte.

Ein Gedenkstein für Walter Leistikow Die Witwe des Malers Leistikow hat das Anerbieten der Gemeinde­vertretung der Kolonie Grünewald, auf dem Friedhof der Ge­meinde unentgettlich einen Platz zur Bestattung des Künstlers zur Verfügung zu stellen und die Kosten der Ueberführung der sterblichen Ueberreste von Steglitz nach Grünewald zu übcrnebmni, abgelehnt, aber die Bitte ausgesprochen, im Gemeindebezirk Grüne­wald -aneu Platz zu getoäbren, auf dem eyi von Freunden und

Verehrern des Meisters zu stiftender Gedenkstein Aufstellung finden soll. Die Gemeindevertretung hat einstimmig beschlossen, diesem Wunsche zu willfahren, und sich gleichzettig bereit erklärt, die Kosten der Unterhaltung des Gedenksteines und des Platzes zu übernehmen.

Anekdoten von Verdi. Verdi, derSchwan vvn Busseto", der in feiner stillen Villa in der Nähe des anmutigen Städtchens in Parma den größten Teil seines arbeitsreichem. Lebens verbracht, war stets der Stolz Busfetos, das er durch feinen Aufenthalt in der musikalischen Welt berühmt gemacht hat. Aber der Meister stand mit feinet Heimatstadt nicht immer auf dem besten Fuße. Als im Jahre 1879 in der Gemeindet' Trabe von Busfeto die Stelle des Organisten neu zu besetzen war, empfahl Verdi einen jungen, begabten und vielversprechenden Mai ander Musiter für den Posten und setzte sich energisch für diese Kandidatur ein. Aber die biederen Stadträte von Busseto wollten es besser verstehen und wählten einen anderen Kandidaten. Verdi war darüber sehr berärgert und schftvor, das Weichbild Busfetos nie mehr zu betreten. Wenn er von Mailand nach seiner Villa bei Busseto zurückkehtte, mußte das Fuhrwerk in der Tat von dieser Stunde an einen großen Umweg machen, nur um die Stadt nicht zu berühren. Bald darauf sollte in Busseto der 50. Jahrestag her Erstaufführung desNabucco" gefeiert werden, durch dessen Uraufführung in der Mailänder Scala feiner» zett der Ruhm des Meisters von Busseto begründet worden war. Die wackeren Bürger des Städtchens hofften, daß diese Jubiläums­feier den Zorn Verdis besänftigen könne, man verpflichtete berühmte Künstler zu der Aufführung und schickte dann Abordnung auf 'Abordnung nach der Vllla Sant' Agata, um Verdi zu bewegen, der Festaufführung beizuwohnen. Dem greifen Meister taten die besorgten Bürger leid, aber aus der anderen Seite, so erklärte er, müsse er sein Gelöbnis halten. Er lttß sich schließlich doch erweichen und versprach, zwar nicht ins Theater zu kommen, aber doch die Festaufführung anzuhören. Tenn das Theater liegt gerade an der Grenze des stad rischen Weichbildes, der Bühnen tairm bat ein kleines Fenster, das an der großen Landstraße liegt, die hier zur Stadt einbiegt. Während nun die Auwihrung begann und im Zuschauerraum das Publikum den Klängen des Werkes lauschte, hielt draußen auf der Landstraße neben dem Fenster des Bühnenhauses ein Wagen. Der Schlag wurde ge öffnet, Verdi stieg aus, und durch das Fenster lauschte er be wegungslo-s der Aufführung. So wohnte er dem Jubiläum des Werkes bei, das ihn einst berühmt gemacht hatte. Der Kutscher erzählte am folgenden Tage die Anekwte Edmondo Eorradi. der sie jetzt in derVita" veröffentlicht.

Svarsamer Patriotismus. In ganz Six weiß jedermann, daß König Alfons ein Gegner der Hau- ist und niemals einen Handschuh anlegt Selbst der