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11/05/1911 Zweites Blatt
 
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Nr. HO Zweiter Blatt

16b Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

TieGietzener Famillenblättrr" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da- Krtisblatt für den Kreis Lietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Vberhefsen

Donnerstag, lb Mai 19H

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universität» Buch» und Sleindruckerei.

9L Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul-

straffe 7. Expedition und Verlag:

Redaktion. ^«112. Tel.»AdruAnzeigerGießen.

mb Deutscher Reichstag.

171. Sitzung, Mittwoch, den 10. Mar.

Arn Tische des Bundesrats: Dr. Delbrück, Caspar.

Präsident Traf Lchwerin eröffnet die Sitzung um 1 UW 15 Minuten.

Die zweite Iielung der Reldisuerlfdierungsordnung

sanfter Tag.

Tie Beratung geht weiter bei § 249, der Bestimmungen übel Kugclaffcne besondere Ortskrankenkassen enthält. Hier wie bei den folgenden zu diesem Abschnitt gehörigen Paragra. phen (bi» § 256) werden die sozialdemokratischen Anträge nach Bc. grundung durch abwechselnde Redner abgclcbnt.

Die §§ 257 bis 270 geben die Einzelvorschriftm über die De- tricbS. und JnnungSkran/e.-kass'n. C» wird ein- zeln über die Paragraphen verhandelt. Tic 5»Immission hat al» Vorausschung für die Errichtung einer Betrieb r-kranken« lasse, nachdem in der ersten Lesung überhaupt fein Beschluß zu, stände gekommen war, die ,Zahl von IbO dauernd beschäftigten Per- sicheningSpflichtigen festgesetzt gegenüber 500, die die Vorlage als Mindestzahl verlangt hatte; für landwirtschaftliche und BinnenschisfahrtSbetriebe hat d e Kommission die Mindcstzifser aus 60 ermäßigt. Tic Volkspartei beantragt diese AuSnahmebestinr. mung für die Landwirtschaft zu streichen; die Sozialdemokraten be. cnlragcn die Betriebükrankenkassen ganz, zum mindesten ajkr die Errichtung neuer Betriebskrankenkassen zu untersagen.

Abg. Emmel (Soz.) spricht in langer Rede über dir Betriebskrankenkassen. Diese seien nur ein Werkzeug der Unternehmer zur Entrechtung der Arbeiter. Ter Redner legt Material gegen die Betriebskrankenkassen vor, da» durch eine Umfrage d'r Geueralkommission der Gewerkschaften itesammelt worden ist. Bei der Betriebskrankenkaffe bei der Kaiser­lichen Werft in Kiel wurden z. B. nie Protokolle geführt. DaS sind russische Zustände. Der Redner bespricht die Verhältnisse in einer langen Reihe einzelner BetriebSkrankcnkassen. Zumeist wird von den Arbeitern verlangt, nochzuweiscn, daß der Slrmenverbanb für sie eintritt ober daß sie in einer freien HilfSkafse sind. So drücken sie sich vor den Leistungen und treiben die Arbeiter in kchwindelkaffen. TerroriSmuS im Sinne der Arbeitgeber wird nach feder Richtung getrieben. Darum fort mit den BetriebSkranken- kasicn. (Abg. Emmel hat mehr als anderthÄb Stunden ge- sprachen.)

Abg. Dr. Strcsemann (Nats.)'k

Wir kamen zu ganz anderen Folgerungen als der Vorredner. ES i,'t ganz ausgeschlossen, hier auf alle die Fälle einzugehen, die ec vorgebracht hat. Tic Gencralkommission der Gewerk­schaften hätte dieses Material in Broschürensorm der Kommission zugänglich machen sollen, dann wären wir in der Lage gewesen, die Firmen und SlaatSanstallen, die &err Emmel aufgcführt hat, zur Riikkäusterung aufzufordern. Audiatur et altera pars! Jede, parlamentarische Diskussion wird unmöglich gemacht, wenn man mit solchen Fällen hier plötzlich auf da» Hauö loöstürzt, ohne daß die Augegrisfenen in der Lage sind, sich zu äußern. Daher können w,r aus diese Einzelfälle nicht eingehen. Aber selbst ange­nommen, das alles wäre zutreffend, was öerr Emmel uns vor- geführt hat, daun wurden die 87 oder 47 Fälle doch nur einen ganz geringen Prozentsatz auSmachen von den Tausenden von Betriebs, krankenkaffen, die eS im Deutschen Reiche gibt. Wenn der Ein­fluß der Unternehmer wirklich allein maßgebend ist, wenn der Arbeiter nicht zu seinem Rechte foninü, nun, so müßte dock die logische Folgerung sein, daß die Leistungen der Be. triebsfrnnfenfaffen hinter denen der zentralisierten Ortskrankenkassen weit zurückständen. Aber sieht man sich die Gesamtleistung der BetricbSkrankenkasien an, so sieht man, daß sie weit mehr leisten als die Ortskrankenkassen. (Abg. Molken- buhr: Sell'stverständlich, sie haben auch die Auswahl!) An Krankengeld zahlen die Ortskrankenkassen pro Kopf 10,80 Mk., die BetriebSkrankenkaffen 13,06 Mk., für ärztliche Behandlung die Ortskrankenkassen 5,10 Mk., die Betrieb» kranken kaffen 7X0 Mk., für Arzneien 8,51 Mk. gegen 4,58 Mk.; der Reservefonds der Betriebs- kraukenkaffeu ist 19 Proz. höher als das Gesetz vorschreibt, bei den Ortskrankenkassen fehlen 26 Proz. Die Verwaltungskosten be­tragen bei den Ortskrankenkassen auf den Kopf 2,26 Mk., bei den BetriebSkrankenkassen 22 Pfg. (Hört! Hört!) Sie riefen mir zu, diese Leistungen seien nur deshalb möglich, weil eine Auswahl ftattfludet, weil man nur gesunde Leute nimmt, auch das ist falsch. Zunächst würde man in der Großeisenindustrie nur gesunde Leute auch dann einstellen, wenn keine Betriebskrankenkassen beständen. Aber cS ist auch gar nicht wahr, daß in den Betriebokrankenkasseu nur die gesundheitliche Elite der Arbeiterschaft ist, während die Ortskrankenkassen das schlechte Element nehmen muffen. Im Zentralblatt der RcichSversichcrung", einem sozialpolitisch fortgeschrittenen Organ, wird festgeslcllt, daß im Durchschnitt der Jahre 18S5 Bi8 1908 auf 100 Mitglieder Erkrankungen ent­fallen, bei den Gemeindekaffen 26,6, bei den Ortskrankenkaffen 36,9 und bei den BetriebSkraukenkaffen 43. Es ist also durchaus nicht daS gesundere Material, und trotzdem sind die Leistungen höher. DaS beruht auf der Privatinitiative des Arbeitgebers, die wir nicht ausloschen wollen. Darum sind wir entsckieden da­gegen, daß man die Betriebskrankenkassen weiter einschränkt, als im Interesse deS GesamtgedcibenS der Versicherung notwendig ist. Die Regierungsvorlage ist ja darin zunäckst außerordentlich weit gegangen, die KommissionSbescklüsse haben einigermaßen Wandel geschaffen. Ter Redner empfiehlt namens seiner Freunde einen inzwischen verteilten Antrag der KompromißparLeico Schultz und Genossen.

Dieser Antrag beschränkt die in einem der späteren Para- zraphen enthaltene Bestimmung, wonach Betriebskrankenkassen nur zugelassen werden sollen, wenn sie den. Bestand der Orts­krankenkasse nicht gefährden, auf künftig neu zu errichtende Be- triebskrankenkaffen. Auf die jetzt bestehende Betriebs­krankenkassen soll diese Bestimmung dementsprechend nicht Anwendung finden, ebenso wenig auf neu errichtete Kranken­kassen, sobald ihre behördliche Zulassung einmal ausgesprochen ist. Die Gefährdung einer bestehenden Ortskrankenkasse soll darin angenommen werden, wenn sie nach Errichtung der Betriebs­krankenkasse nicht mehr als 1000 Mitglieder behält; in dieser Beziehung geht der Antrag zugunsten der bestehenden Ortskrankenkassen über die Kommissionöbeschlüsse hinaus, da hier­nach eine Ortskrankenkasse schon mit mehr al3 250 Mitgliedern nicht alö gefährdet angesehen werden sollte. Diese Bestimmungen des Antrag? gelten auch für die Jnnungskrankcnkassen,

Abg. Hormonn (Vp.)k

Mißstände sind zweifellos vorhanden, das kann unS aber nicht bcrnnlaffcn, die Berriebskrankenkassen mit einem Federstrich zu beseitigen, denn im großen und ganzen haben sie bisher sicherlich ganz ersprießlich gearbeitet. Wir stehen auch letzt noch auf dem ursprünglichen Standpunkt der Regierung, daß neue Betriebs- krankenkassen nur gegründet werden dürfen, wenn 500 Versiche- rungspflichtige für sie vorhanden sind. Wir bedauern lebhaft, daß die Kommission bis auf 150, und bei Landkaffen sogar auf 50 beruniergegangen ist, denn dadurch werden speziell den Land kaffen die leistungsfähigen Betriebe entzogen und sie loerden ganz minderwertig werden. Eine Abfchlachtung der Be- trrebökaffen wünschen wir nicht, aficr eine Erschwerung der Jjtugrünbung halten wir allerdings für notwendig. Dem ^ntrog Sckultz werden wir zustimmen, weil er tatsächlich eine ^erveßerung per Vorlage bedeutet, insbesondere eine größere

Sicherung der Ortskrankenkassen verspricht. Tie Anträge der Sozialdemokraten werden wir ablehnen. Stimmen Sie unserem Antrag zu.

Abg. Sachle (Soz.) spricht besonders gegen die Zulassung neuer Knappschaftskaffen.

Die Anträge der Sozialdemokraten und der Soll»- Partei werden aBgelchnt.

Der Komprornißantraa Schultz wird a n g c r»o m m e n.

Ministerialdirektor Caspar verweist gegenüber dem Emmel- scheu Material auf den § SO bc8 bisherigen KrankenversicherungS- gesetze?, der ein Einschreiten gegen die Behaupteten Mißbräuche ge­währleistet.

§ 259 trifft zugunsten der SaisonBetrieBe eine Er­leichterung, indem die borge bür iebcnc Mindestzahl von Betriebs- taffenmitglicdern nur für zwei Monate verlangt wird.

Abg. Bnsold kSoz.) spricht zu dem StreichungSantrag seiner Partei. Diese Bestimmung würde die aanze Last der Landlranken- kaffen auf die Kleinbauern wälzen. 90 Abgeordnete mindestens dürften sich an der Mstimnnmg über diesen Paragraphen nicht be­teiligen, wenn persönliche Interessenten durch die Geschäftsord­nung von den Abstimmungen ausgeschlossen würden.

Abg. Fcgtcr (Vp.)

bekämpft gleichfalls scharf die Bestimmung dieses Paragraphen. Sie würde dazu führen, daß alle leistungsfähigen landwirtschaft­lichen Betriebe au5 den Landkaffen auSsckeiden, und das wurde die völlige Auflösung der Landkaffen bedeuten. Beim Mutter- und Eäuglingöschutz wurde daS Unannehmbar der Regierung gegen diese da? Wohl des Vaterlandes so überaus angehenden Tinge nach Gebühr gekennzeichnet; handelt es sich aber um 93 erteile für b i e Herren der Rechten, da weicht die Regierung mutig zurück. (Unruhe rechts.) Das ist ja gar keine Verband- lung mehr. Unsere Gründe hören Sie überhaupt nicht an. Sie kommen nur zur Abstimmung herein und stimmen alle Ver­besserungen nieder. DaS stelle ich hier vor dem Lande fest. Bei den Wahlen werden Sie die Quittung für dieses Verhalten bc- kommen. (Beifall bei der Volkspartei und bei den Soz., Lachen und Unruhe rechts.)

Die KoinmiffionSbeschlüffe bleiben unverändert.

Die §§ 260 bis 268 werden für die Beratung verbunden. Sie handeln von den Jnnungskrankenkafsen.

Hierzu sprechen die Abgg. Sckickert (Kons.), Schmidt-Berlin (Soz.i, Vrühne (Soz.), Rirsebcrg (Wirtsch. Dgg.) und Molkenbuhr (Soz.)

Die sozialdemokratischen Anträge auf Streichung werden ab- gelehnt und die Paragraphen mit dem Kompromißantrage Schultz, soweit er sich auf die JnnungSkassen bezieht, angenommen.

Damit sind die Abschnitte über die Betrieb?» und die Jnnungskraukenkaffen erledigt. Bei den Betriebskrankenkassen ist die erforderte Mindestzahl der Versicherten, wenn eS sich um neu errichtete Kassen bandelt, 150, bei bereits bestehenden Kassen 100, bei landwirtschaftlichen und Binueusckiffahrtskassen 50, vorbehalt­lich der sonstigen erwähnten Bestimmungen.

§ 271, Streitigkeiten, wird nach mehreren sozialdemokrati­schen Reden unverändert angenommen. Die folgenden Abschnitte: Gleickwertigkeit der Leistungen Vereinigung, Ausscheidung, Auflösung, Schließung von Kassen (§§ 272 bi? 318, sowie die §§ 319 Bis 325, zusammen 54 Para- graphen) gehen ohne Wortmeldung vorbei, obgleich auch hier sozialdemokratische Anträge vorliegen und abgelehnt wer­den. Die §§ 326 bis 339 werden nach kurzen Ausführungen von Molkenbuhr (Soz.) erledigt. Darauf vertagt sich beim Kapitel von den Kaffenorganen das Hauö auf Donnerstag 12 Uhr.

Schluß nach 6 Uhr.

Au; den Reid)$tagsaus|d)üffen.

: Berlin, 10. Mai. Die bergrechtliche» Verhältnisse in Südwcstafrika.

Ter Budgctausschuß des Reichstage setzte heute die Be svrechung der bergrechtlichen Verhältnisse in Teutschsüdwestairika fort. Alle Parteien ohne Ausnahmen äußerten ihre Genugtuung und Befriedigung über die Erklärungen des Staatssekretärs aus die gestern gestellten Fragen, die über die bergrechtlichen Verhältnisse im Tiamanlengebiet nunmehr völlige larbeit geben. Ter Staats­sekretär betonte, daß er sich bezüglich dieser.Auslegung der Besinn mungen des Bergrezesses vollständig im Einklang mit seinem Amtsvorgänger Ternburg befinde. Ter Ausschuß ist der lieber zcugung, daß nunmehr eine Beruhigung auf dem Geldmärkte ein- treten werde. Tie bekannten Mai-Verträge vom vorigen Jahr, die Staatssekretär Ternburg mit der Holonialgesellschait abgc schlossen und die in der Vollversammlung des Reichstags scharfe Angriffe durch den Abg. Erzberger erfahren hatten, waren sodann Gegenstand einer i'luospracke, die am nächsten Mittwoch noch fort gesetzt werden soll. Vom Wortführer des Zentrums wird der Vor­wurf aufrecht erhalten, daß Staatssekretär Ternburg Reichsein­nahmen in großem Umfange er bezifferte sie insgesamt auf 1 12 Millionen einfach fortgegeben habe und noch dazu zwei Tage vor seinem Abgang aus dem Amte. Staatssekretär ,Tr. v. L i n d e a u i st betonte demgegenüber die völlige Legalität der Handlungsweise seines Annsvorgängers, der sich auf ein Gutachten des Reichsjustizamtes stützen konnte und den Vertrag abgeschlossen habe, nm seinem Nachfolger eine klare Sachlage zu, überlassen

Ter Schissahrtsabgabea-Ausschuß

setzte einen Unterausschuß cm zur Verständigung über die zahlreichen Anträge zu 5 11, betreffend die Festsetzung der Ao- gabcucrhöbung. Bei 8 14 ent spinnt fick eine Aussprache darüber, ob außer dem Schisser and) noch der Absender und der Empfänger der Ladnngsanleile für die Gntrrdnung der Abgabe verpflichtet werden soll. Der Ausschuß beschließt, daß nur der Schiffer ver­pflichtet ist. . ,

Von fortschrittlicher Sorte ilt em Antrag als Artikel 2 a gestellt, audi nock für diejenigen vier natürlichen Wasserstraßen, tue fid) int Besitze eines einzelnen Bundesstaates befinden, und die mit ihm iin Gemenge liegenden^inzigwasserstraßen, mstweil sie sich im Staatsbesitze befinden, Strombeiräte zu schaffen, analog also so, wie diese ictzt für die Vorlage beziehungsweise für die Treistromverbände gedacht sind Ter fortschrittliche Redner unter= brtd»r seine Begründung, um sie in nächster Sitzung fortznsetzen. Der Redner weist darauf bin, wie sehr die östlichen Ströme der VerwaltungswrUtür hier ausgeliefert sind. . . .

Minister von Breitenbach gibt eme Erklärung, datz )einer Meinung nach die "?Lnnähme des fortschrittlichen Antrages das ganze Gesetz zu Fall bringen werde. Ter Minister belegt das durch weitere Ausführungeir und erklärt sich bereit, seine Dar­legungen dem Ausschuß bis zur nächsten Siyung, die morgen statt- findet, schriftlich von ul egen. Ter bayerttckc Bundesratsbeooll- mächtigte schließt fick den Erklärungen des Ministers von Breiten­bach an.

Der Ausschuß gegen bte Kurpfuscher verhandelte heute über einen Antrag der konservativen Mit­glieder des Ausschusses. Der Ausschuß soll danach eine Umfrage an d i e Vorstände der Aerztekammern richten, wie diese sich zu der Frage einer ärztlichenVerpflichtungzur .strankenbehandlung in den Fällen stellen, die nach § 3 den nichtavprobierten Srankenbehandlern verboten sind, und welchen Ausweg aus dieser widerspruchsvollen Lage sie empfehlen können. In der Begründung des Antrags wird ausgeführt, daß der 'Ausschuß aus diese Weise für die Aerzte eine moralische Ver­

pflichtung schaffen solle; eine materielle Verpflichtung ei hau |ü In en, sei nickt angängig Okgen diesen Antrag wird von einem reicks- varteilicken Mitgliede eingeivendet, daß seine Annahme ein Jeidwn der Hilflosigkeit des Aussdmises bcbcutcii würde. Ter Antrag­steller habe ja durch seine Begründung übrigens die Berechtigung des Antrages selbst abgcidtroadit. Von einem ärAtlichen Mitgliede der Reichspartei wird der Antrag für ubfrilümg und unzweck - mäßig erklärt, ft eilt Arzt werde ui den Fällen der in Frage kommenden Krankheiten feine vilfe verweigern Ter geicelitbe .fturierzwang sei nicht bereduigt. Ein Mangel an Aerzten be­stehe itidit, wndern im Gegenteil ein Ueberslnß Ter konservative Antragsteller verweist darauf, daß bod) immerhin eine theoretndic Lücke im Gesetzentwurf vorhanden sei, die der Antrag bcicittgcn wolle Ein ärztliches Mitglied der Volkspartei erklärt, daß er als Gesetzgeber gegen den Antrag stimmen müsse: als Arzt würde er sich riesig freuen, wenn er angenommen wurde.

Tie Abstimmung ergibt die Annahme des Antrages mit siebzehn gegen cif Stimmen i

Hierauf kehrt man zum £ 3 zurück, der die in diesem Para­graphen enthaltenen Behandlnngs verböte aud) f ür d ie Tiere in Geltung bringt. Von rheinischer 3 ent nun ernte wird die Streichung dieser Bcstinimungen beantragt Ter m c < giernngsvertreter empfiehlt die Beibel»altnng gerade int Interesse der Tierbcsitzei Zwisdn'n Menschen und Iicrbehanb-1 lung bestehe ein enger Znsaniinenhang. Tie Tierheilkniide in der medizinischen Wissenschaft nahegekominen nnd das komme andi zuin Ausdruck dnrd) Steigerung der Anforderungen an die Tierärzte. Der Regicrnngsvertreter bezieht fick) auf bnj Beschluß der Vor - stände der Landwirtschafte<kammern, die dikrck einstimniigc Aii- nähme eines Antrages von Wangen heim Graf Rantzau das dringende Bedürfnis zur Einsdnaukung der Tierkurpfufcherci be­tont haben. Von vvlksparieilicher ärztlicher Seile wird ver­langt, daß alle anzeigepflichtigen Viel,,end,en den M nrvfuscherit entzogen werden. Von einem konservativen Redner wird die. Gcmeingefahrlichkcit der Tierknrvfn'ckerei durchaus anerlannll aber darauf verwiesen, das; in den weitläufigen Bezirken des Sstens die Laienbehandlung nidit zu entbehren fei. Ter rheinische Antrag steiler vom Zentrum ist der Meinung, daß man in erster Linie das Jnskrautschießcn der Tierärzte zu bekämpfen habe. Zu einer Ab« stimmung Tarn es noch nicht

Ans SlaC't stnC* Land.

Gießen, 11. Mai 1911.

Liebig-Museum. Dem Museum ging anonym anS München eine Sammlung von Liebigs eigenhändig ge­schriebenen NorlesungSnotizcn, d. h. 9lotijcn als Disposition für seine Vorlesungen, aus den öOer und 60er Jahren zu, die wissenschaftlich und persönlich höchst interessant erscheinen. Dem Spender sagt dec LlrbettsauSschuß herzlichen Dank. Der hiesige Klinicislen-Verband, d. h. die Vereinigung der Kandidatur der Medizin an der Uwucrfität, der am Schluß des vorigen Semesters das Laboratorium iin Beginn der Herstellungsarbeiten besichtigt hat, spendete für das Museum eine beträchtliche Summe. Daß die Studentenschaft in dieser Weise zu der Erhaltung einer akademischen Erinnerungsstätte beiträgt, erscheint zugleich als außerordentlich erfreuliches Zeichen für den engen Zusammenhang zwischen den Studieren­den und den Dozenten an unserer Landesuniversität.

" Hansabund-Sonderzug nach Berlin. Wie unS von der Geschäftsstelle der hiesigen Ortsgruppe des Hansabundes mitgeteilt wird, ist bei hinreichender Teilnehmer­zahl für die Teilnehmer an dem Ersten Deutschen Hansa- tage am 12.Juni, in Berliiß die Bestellung eines Personen- SonderzugeS mit Fahrpreisermäßigung von Frankfurt a. M. ab in Aussicht genommen. Nach Auskunft der Eisenbahn- direktion sind hierbei an Fahrkarten von der LlbgangSstation Frankfurt a. M. nach der BestiinmungSsiation mindestens zu lösen: in der 2. Klasse 160 Stuck ober in der 3. Klasse 230 Stück. Der ermäßigte Fahrpreis für die einfache Fahrt iin Sonderzuge von Frankfurt a. M. nach Berlin würde betragen: in der 2. Klasse ungefähr 14.30 Mk. und in der 3. Klasse ungefähr 9.70 Mk. für jede Person. Es ist nun zu wünschen, daß recht zahlreiche Mitglieder deS Hansa- bundeS, die aus Hessen zu dem Hansatage nach Berlin gehen, sich an der Benutzung deS Sonderzuges ab Frankfurt be­teiligen, was um so vorteilhafter erscheint, als bic Fahrpreis­ermäßigung rund bic Hälfte deS Fahrpreises nach Berlin auS- macht. Von der BundeS-Zentrale ist auch die Veranstaltung von Führungen durch Berlin sowie durch die Museen und Sammlungen der Rcichtzhauptstadt zugesagt worden. Damit die Bestellung des geplanten SonderztigeS nun wirklich zu Stande kommt und rechtzeitig vorgenommen werden kann, sind Anmeldungen aus Gießen bei der Geschäftsstelle der hiesigen Ortsgruppe des Hansabundes (Kaufmännisches Vereins- hauS, Nord-Anlage 15) sobald wie möglich zu bewirken.

** Berus-Krankenpflegerinnen des Alice- Frauen-Bercins. liniere Zeit hat das Leben 6er Frauen von Grund auf umgeftoltct. die Führung des .Haushalts ist ui vielen anders geworden, so daß, wenn ihm eine tatkräftige Fran und Mittler vorsteht, für bic herangewachfenen Töchter oft fein Raum zur Betätigung bleibt uno diese gezwungen sind, sich außerhalb des Elternliauses nach einer Tätigkeit umzusehen, bic sie befriedigt und zugleich der Allgemeinheit bient Warum nun denken diese Frauen und '.ffrädchen io selten an den Beruf, der vor allen anbcrai die Tätigkett der Frau gebieterisch fordert, den man den aller weiblichsten nennen darf, dessen Erlernung noch dazu ihnen stir jede Lebenslage nützt, auch wenn sie sich der herraien, an den Beruf bei Krankenpflegerin? Fast alle übrigen Berufsarten sind überfüllt, nur hier bietet sich noch reiche Gelegenheit zur Betätigung für viele Kräfte. Wissen die Frauen so wenig von der Tätigkeit der Vereine vom Misten Kreuz und hier in Hessen von der Tätigkeit besAlrce-Frauen- Pereins für Krankenpflege, der einst nach schweren Kriegszeiten von feiner Stifterin, beten 9änncn er trägt, ins Leben gerufen, feil jener Fett bic Betätigung der Menschenliebe auf seine Fahne geschrieben hat? Wissen sie nicht, was er ihnen bietet? Wissen sie nicht, daß er denen. Oie sich als Schrvestern ieinen Dienste weihen, neben vollständig freier Ver­pflegung, einem auskömmlichen Gehalt, Pensionsberechtigung, eine geachtete Stellung gibt, ein Seim in dem Altce-Sospital unö dem Pflegerirmenheim? Der Alice-Frauen-Verein für tranken-, pflege hat sich als Mutterhaus seiner Schwesternschaft und Pflegeriimenschuke das 2l!- v ual m Darmstadt geschaffen und entsendet von da aus ferne Schwestern in das gante Land, aber wie oft muß er leider Gesuche um Ucberlanung von Schwestern abschlägig bescheiden aus Mangel an Pflegerinnen. Möchten diese Zetten baju beuragen, ihm neue fträfic zuzuführen! Jede Frau> jebeä Mädchen zwischen 20 und 35 Fahren, bas unbescholten, geistig und körperlich gesund ist, wird mit Freuden zu enter Probezeit