Markte.
Gießen, 11. Febr. Marktbericht. 9Iuf riettftqent Wochen- inarfte foftete: Butter pr. Psd. 0,95—1.05 Tlf., Hühnereier 1 St. 10—11 Psg„ Enteneier 1 Stück 0 Psq., Käse pr. St. 6—8 Pf- Käsematte pr. St. 5—6 Psa., Tauben pr. Pr. 0,80-1,00 9)iL kühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Hahnen pr. Stück 0,80—1,80 Pik- Enten pc. St. 1,80-2,20 Mk., Gänse das Psd. 75-80 Pfq^ Ochsen- rleisch pr. Pid. 84-92 Psq„ lliindfleisch pc. Pfund 84—88 Psq,. Kuhflelsch 70 Psq., Schweinefleisch pr. Pfund 80—96 Pfg„ Kalb- 'leiieh vr. Pfd. 84—88 Psq., Hannnelfleisch pr. Pkü. 60—84 Psq., Kartoffeln pr. 100 Kq. 7.50 bis 8.00 Pik., Weißkraut das Stück 20 bis 30 Psq., Zwiebeln per Ztr. 8,00—10,00 Pik., Milch das Vtter 20 Psq., Birnen per Psd. 15-20 Pik., Aep'el per Rtc. 10 bis 15 Mk., Stusse 100 Stück 50—60 Psq., per ßtr. 0—00 Pik- Bohnen per Psd. 00-00 Psq. Piarktzeit von 8—2 Uhr.
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Dr. Zuteur I. seiner Revision gegeben hat, so wie so nicht gereicht haben würde, um eine 2mfhebnng des ergangenen Urteils herbeizuführetr.
** Besitzwechsel. Die Firma W. u. G. Schuch- Hard hat zur Vergrößerung ihres Anwesens die L>of- reitk des Fuhrunternehmers Marx, Wolkengasse 16/18, für 38 000 Mk. erworben. Die Käufer wollen die alten Gebäude, die aus dem nach der Straße zu offenen Hof- raum keinen sehr schönen Anblick gewähren, niederlegen lassen.
'** W ahres Geschichtchen. „Daß dut's net mich, die Welt is zu schlecht — eih muß ’n Bollezeihund huu!" meinte jüngst der neuangestellte W a ch t m e i st e r eines Taunusörtchens. Und da ihm die Gemeinde keinen genehmigte, so verschaffte er sich selber einen. Stolz durchzog er mit dem vierbeinigen Beiwächter mit Spieß und Horn abends die Ortsftraßen und freute sich nicht wenig, wenn der wackere Luchs jeden Vorübergehenden anknurrte. Da nahm der Hund eines Abends plötzlich die Raft zu Boden, schnüffelte, wedelte und benahm sich so, daß sein Herr ganz aus dem Häuschen war. Einige Leute kamen hinzu. „Do is 'n Spitzbub in d' Gang!" sagte der Wächter der Nacht ganz bestimmt, „baßt entöl uff, den wern m'r gleich hawe"? Und er ließ den Hund von der Leine, der „die Spur sofort aufnahm" und, siehst de nicht hast de nicht, zu dem Hause seines Brotherrn eilte, wo er im Hose einen Fremden verbellte. Der Hüter der Ordnung und das übrige Publikum eilten herzu. „Wer biste und was willste hi e?" so schallte des Nachtwarts Stimme dröhnend in die Nacht den knorrigen Ziegenhainer schwingend. „Mach doch so kaa Bosse, kennste mich denn nit? Eich sein do un will das Geld for mein Hund, den ich d'r neilich verkaaft hab. Wenn eich mein Geld jetzt nit sofort krieh, nnmm eih 'n wirrer mit!" dröhnte es entgegen. Da der Nachtgewaltige gerade nur einen blauen Lappen hatte und niemand diesen wechseln konnte, so zog der „Spitzbub" mit „Luchs" ohne weiteres von bannen. — Jetzt geht der Nachtrat ohne Hund, nur mit Spieß und Horn, un es dut's ach su!
Landkreis Gießen.
— Lollar, 10. Febr. Der Radfahrer-Verein Lollar „189 5”, der 68 Mitglieder hat, hielt gestern abend in der „Germania’' seine Hauptversammlung ab, die sehr gut besucht war. Nach dem Jahresbericht hat der Verein im vergangenen Jahre wieder überall gut abqeschnitten und steht in seinen sportlichen Leistungen auf der Höhe der Zeit. Der Vorstand wurde meistens einstimmig wiedergewählt. Bei der Rechnungsablage wurde ein guter Kassenbeftand fest- gestellt, so daß von den Anteilscheinen, die zur Beschaffung von Saalmaschinen angelegt wurden, zehn ausgelost werden konnten.
2ich, 10. Febr. Nachdem da? Lißberger Projekt eines Elektrizitätswerks aufgegeben worden ist, wird dec hiesige Gemeinderat von den gewerblichen Jnter- effenten gedrängt, unter allen Umständen unsere Gemeinde recht bald mit elektrischem Licht und Kraft zu versorgen. Man plant, ein eigenes Werk anzulegen. Zu diesem Ende sind bereits Erhebungen im Gange.
Kr. Muschenheim, 10. Febr. Das Volksbildungs- Wesen scheint in unserer Gemeinde wieder etwas aufzuleben. Vor einigen Wochen veranstaltete Pfarrer Doering und Lehrer Günther einen Lichtbildervortrag: Die ev. Mission m den deutschen Kolonien. Am Montag abend nun veranstaltete Lehrer Günther mit seinen Schulkindern eine sehr schöne Kaisergeburtstaasfeier. Der Saal des Gastwirts Roth war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Lehrer Günther begrüßte die Erschienenen, und Lehrer R u p p e l brachte das Hoch 'auf den Kaiser aus. Hierauf hielt Lehrer Günther einen längeren Vortrag über die Königin Luise. In den Vortrag waren eingeflochten passende (Hyöre des Gesangvereins Liederkranz und Gedichte, die von den Schülern in schöner, verständnisvoller Wei'e vorgetragen wurden. Hierauf folgten noch einige Vorträge der Schulkinder, die auf Kaisers Geburtstag Bezug nehmen, ebenso noch mehrere dreistimmiae Schülerchöre. Die Feier verlief sehr schön und die Anwesenden waren von dem Gebotenen befriedigt, das bewies der gezollte Beifall.
-Grünberg, 10. Febr. In einer gestern abend abgehaltenen Sitzung hat der Gemeinderat die am Mittwoch abgehaltene Jagdverpachtung der hiesigen Ge- metndejagd nicht genehmigt. Es wird infolgedessen m 14 Tagen zu einer nochmaligen Verpachtung kommen Es hatten gestern gesteigert: den 1. und 2. Jagdbezirk denen zum erstenmal der fiskalische Jagdbezirk „Hölzchen" in der Gemarkung Stockhausen beigegeben war, W Albers tn Laubach zum Preise von WO Mk. Gegner war Fabrikant Karl Repp in Grünberg; den 3. Jagdbezirk Karl Jäckel VI tn Grünberg und zwei Teilhaber für 70.5 Mk., Gegner war Rentier Ober von Frankfurt la. M., den 4. Jagdbezirk Rechtsanwalt Beilstein in Grünberg für 275 Mk., Gegner war Karl Dörr in Grünberg; den 5. Jagdbezirk Fabrikant Karl Repp in Grünberg für 200 Mk , ohne Gegner. Der Gesamterlös war geringer als seither. Dem Vernehmen nach sind Nachgebote eingereicht worden.
Kreis Schotten.
O Laubach, 10. Febr. Heute fand unter Vorsitz des Geh. Schulrats Nodnagel am hiesigen Gymnasium die mündliche Maturitätsprüfung statt, der sich 11 Schüler unterzogen. Vier waren infolge guter schriftlicher Leistung von der mündlichen Prüfung befreit, die übrigen sieben bestanden.
Kreis Wetzlar.
---- Erda, 10. Febr. Ter vor Jahresfrist gegründete Männergesangverein zählt jetzt 60 Sänger und hat die Anschaffung einer neuen Fahne beschlossen. Der Verein in dem „Sängerbund am Dünsberg" beigetreten und hofft daher auf eine große Beteiligung an feinem Fahnenweihfesle am 16. und 17. Juli.
1. Sitzung Großherzoglicher Handelskammer Gießen für die Streife Gießen, Alsfeld und Lauterbach.
Protokoll-Auszug.
Gießen, 30. Januar.
. Anwesend sind die Herren: Geheimer Kommerzienrat Heichel- henn als Vorsitzender, Kommerzienrat Schirmer als 1. stellvertretender Vorsitzender, Kommerzienrat Grünewald als 2. stellvertretender Vorsitzender, Dürbcck, Friedberger, Jhring, Klingspor, 7?UI}fer, Roll, Ramspeck, Rinn, Röhr, Rühl, Stammler unb der Syndikus.
Vor Eintritt tn die Tagesordnung bringt der Herr Vorsitzende ÄÄ" Begrüßungsworten die Bestätigungs-Urkunde des Grotzh. Ministeriums des Innern über die am Ende des ver gangenen Jahres stattgehabten Ergänzungswahlen zur Handels lammet zur Verlesung.
rtJ--? "nstituierung der Handels kämme r.
, rp,®cmao 25 des Handelskammergesetzes hat die Han «tu kmes jeden Jahres aus ihrer Mitte einen
Vorsitzenden, sowie einen oder zwei Stellvertreter desselben zu Wahlen. Bei der vorgenommenen Wahl wurden die Herren: Geh fe(l?;3eini Vorsitzender, Kommerzienrai Kommerzienrat E. Grünewald
Zllsseld alS 2. stellvertr. Vorsitzender wiedergewähll. Als Rechner
der Kammer wurde der Kaufmann E. Röhr ebenfalls wiedergewählt. Ferner beschließt die Handelskammer, da sie eine Ersatzwahl für ihr verstorbenes Mitglied, Herrn Kommerzienrat L. Heyligenstaedt, für erforderlich hält, an Großh. Ministerium des Innern die Bitte zu richten, in Gemäßheit von Art. 19 Abs. 5 des Handelskammergesetzes die Vornahme dieser Ersatzwahl anzuordnen.
2. Lesungitder Einleitung zum Jahresbericht für 1910.
Ter Entwurf der Einleitung zum Jahresbericht für 1910 wird einer ausführlichen Besprechung unterzogen und mit einigen Abänderungen genehmigt.
3. Eingänge.
a) Wanderlager, Hausierwesen,Detailreisen. Der Verband der Rabattsparvereine Deutschlands strebt schon seil Jahren ein gesetzliches Verbot der Wanderlager bezw. eine Einschränkung derselben durch schärfere steuerliche Heranziehung sowie eine Beschränkung des Hausierwesens und Tetailreisens durch Einführung des Bedürfnisnachweises an und erbittet hierzu die Unterstützung der deutschen Handelskammern. Tie Handelskammer erkennt im„ Prinzip die Bestrebungen und Forderungen des Verbandes für berechtigt an, hält aber ein Vorgehen ihrerseits in der gedachten Richtung zurzeit für aussichtslos, zumal erst durch Gesetz vom 1. April 1910 in Hessen eine stärkere Besteuerung der Wanderlager stattgefunden habe.
b) Gesetzentwurf betr. Mißstände int Heil- g e werbe. Der Deutsche Drogistenverband hat um Unterstützung einer Eingabe an den Reichstag gebeten, in welcher er sich int besonderen gegen die Fassung des § 6 des Gesetzentwurfs betr. Mißstände im Heilgewerbe wendet. In diesem Paragraphen wird nämlich der Kreis der Fabrikate, deren Verkauf beschränkt oder Untersagt werden kann, außerordentlich weit gezogen, so daß eine schwere Schädigung des Drogisten-Gewerbes befürchtet werden muß. Ferner bestimmt § 6, daß dem Bundesrat eine aus Rechtskundigen und aus dem Gebiet der Medizin, der Tierheilkunde und der Pharmazie entnommenen Sachverständigen bestehende Kommission beigegeben werden soll. In dem Umstande, daß das Drogistengewerbe in dieser Kommission überhaupt nicht vertreten sein wird, erblickt man eine Zurücksetzung des Standes. — Die auf leine entsprechende Aenderung des § 6 hinzielenden Anträge des Verbandes finden die Zustimmung und Unterstützung der Handelskammer.
c) Tarifierung von Wild und Geflügel. Der Deutsche Wilb- und Geilügelhäiidler-Verband bittet um Unterstützung seiner Bestrebungen, welche auf eine Beförderung von Wild und Geflügel als Eilgut zu gewöhnlichen Frachtgutsätzen durch Einreihung des Artikels Wild in den Spezialtarif für be- Itimmte Eilgüter hinzielen. — Tie Handelskammer erkennt die Forderung grundsätzlich als durchaus berechtigt an, beschließt aber bei der Tragweite des Antrages noch weitere Ermittelungen anzustellen.
d) Internationales U eb er ei nk o m m e n über den Eisenbahn-Frachtverkehr. Nach Artikel 18 des internationalen Uebereinkommens über den Eisenbahnfrachtverkehr ist bei dem Vorliegen eines unüberwindlichen Transporthinüer- nisses die Eisenbahn nur verpflichtet, den Absender, nicht aber den Adressaten, um anderweitige Disposition über das Gut anzugehen. Die Handelskammer stimmt einem Vorschläge zu, wonach Artikel 18 des Uebereinkommens dahin ergänzt werden soll, daß außer dem Absender auch der Empfänger entsprechend zu benachrichtigen ist und ihm anheim gegeben werden soll, in den Frachtvertrag einzutreten bezw. das Gut an Ort und Stelle abzunehmen.
e) Prüfungsordnung für den Einjährig- Freiwilligen-Militärdienst. Der Deutsche Verband ür das kaufmännische Unterrichtswesen hat beim Bundesrat und der Reichsschulkommission eine Aenderung der bestehenden Prü- rungsordnung für den Einjährig-Freiwilligen Militärdienst dahingehend beantragt, daß 1. künftig junge Kaufleute an den Handelsrealschulen als Extraneer zum Einjährig-Freiwilligen-Eramen zn- gelassen werden und 2. die bestehende veraltete Prüfungsordnung nach dem Vorbild der bei den höheren Schulen für die Erwerbung der Einjähriy-Freiwilligen-Berechtigung gestellten Anforderungen reformiert wird. — Die Handelskammer, welche dem genannten Verbände als körperschaftliches Mitglied angehört, stimmt diesen Anträgen zu.
f) Vorgehen gegen N ahrungsmittelv erfäl- chung. Eingaben verschiedener Verbände über das Vorgehen gegen Nahrungsmittelverfälschung geben Veranlassung zu einer Aussprache, bei der festgestellt wird, daß auch im Kammerbezirke lebhafte Klage über die Mängel des Verfahrens vor der Erhebung der, öffentlichen Anklage geführt wird und daß eine Reform auf diesem Gebiete dringend notwendig sei. Die Handelskammer beschließt, in dieser Angelegenheit noch weitere Unterlagen zu sammeln und alsdann entsprechende Schritte zu unternehmen.
4. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes hervorzuheben:
a) D er Wagen- Und Zolldienst am Güter- Gießen hatte einer größeren Anzahl von Interessenten Anlaß zu Klagen gegeben. Um ihre Unterstützung in dreier Angelegenheit angegangen, hatte sich die Handelskammer mit einer entsprechenden Eingabe an die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. gewendet. Daraufhin ist ihr von der genannten Behörde der Bescheid zugegangeit, daß die Uebertragung des Wagen- dienstes tn Gießen an den Bahnhof (Personenbahnhof) versuchsweise zur Beschleunigung des Wagenumlaufes eingerichtet worden sei. Tie Versuche seien noch nicht abgeschlossen, w paß zurzeit noch nicht angegeben werden könne, ob die Wiedereinrichtung der früheren Verhältnisse möglich sein werde. Hinsichtlich der beklagten Nichtbereitstellung der mit Zollgut beladenen Wagen am Zollschuppen an i>en Viehmarkttagen Jollen für die Folge auch an diesen Tagen die Zollwagen, die bis 6 Uhr morgens eingehen, sofort am Zollschuppen bereit gestellt werden. An besonders stark befahrenen Viehmarkttagen könne cs jedoch vorkommen, daß einzelne Zollwagen nicht unmittelbar vor die Tore am Zollschuppen bereit gestellt werden sondern tn demselben Gleis, aber etwa 30 Meter von den Toren des Zollschuppens entfernt, an der Ladebühne der Güterabfertigung ab^estellt werden müssen.
b) Es ist in Anregung gebracht worden, den Ausnahme- ^^tf.für Braunkohlenbriketts vom rheinischen, hessen- nassauischen und oberhessischen Bezirk, der jetzt nur zum Betriebe der Generatoren der Siemens-Martinöfen nach den Stationen Getswew uiw. gilt, auf die Bezüge zum Betriebe der Generatoren von Puddel- und Schweißöfen des sogenannten Notstandsgebietes auszudehnen. — In ihrem gutachtlichen Bericht an die Kgl. Etsenba.hndirektwn Frankfurt a. M. hat die Handelskammer sich gegen dielAusdehnung dieses Tarifes ausgesprochen, weil dadurch die Wettbewerbsverhältnisse weiter zu Ungunsten der oberhessischen Braunkohleuindultrie, welche schon an sich gegenüber der rheinischen Braunkohlenindustrie im Nachteil ist, verschoben werden würden. . . ,,c) Iii einer gutachtlichen Aeußerung an die Kgl. Eisenbahndirektion _A-ranfturt hat sich die Handelskammer im Interesse der in igt^m -öeäirfe eingesessenen Seifenindustrie dahin ausgesprochen, daß Palmöl, wie bisher, so auch sernerhin den Vorzug des Ausnahmetariss S 25 genießt.
di Einen bei der ständigen Tarifkommission der deutschen Eisenbahnen gestellten Antrag auf Aufnahme von Eisenbetonwaren in den Spezial tarif III hat die Handels- tammer bet der Kgl. Eisenbahndirektion Kattowitz befürwortet. _ d ,Irt Gemeinschaft mit der Handelskammer Friedberg hat die .vanrelskammer Schritte 'wegen Einführung eines Vieh- expreßzuges unternommen, der, in Hamburg abgehend, in H an.n oü er die Dlehtransportc von Bremen,Oldenburg, Leer, in • et en len das Vieh von Berlin über Kassel, in Gießen ne Viehwagen der Strecke Fulda—Gießen für den Viehho' Dachsenhausen ausnehmen und in Frankfurt-Sachsen bauten einmünden.würde.
^£uf eine an die Kgl. Eisen bahiidirektion Frankfurt a. M. ge- cia>tete Bille, für eine unbedingte Sicherstellung zwischen den Zügen I z 513 (Ankunft in Gießen 11.59 vormittags aus der Richtung Gelnhausen—Gießen) und D 78 (Abfahrt von Gießen 12.03 nachmittags in der Richtung Gießen—Frankfurt) besorgt zu fein, ist
der Handelskammer der Bescheid zugegangen, daß bei der Ausstellung des Fahrplans für das Jahr 1911/12 in Erwägung gezogen werden soll, den Zug 513 wieder in seine frühere Sage (Gießen an 11.41 vorm.) zu bringen.
g) Einem Anträge der Handelskammer auf eine Verlängerung des Fernsprechdienstes beim Postamt in Romrod konnte die Kaiserl. Oberpostdirektion Darmstadt nicht entsprechen, da sie hierfür ein allgemeines erhebliches Bedürfnis nicht anerkennen konnte.
h) Vom Deutschen Tabakverein ist dem Reichsschahamt ein sehr ausführliches Gutachten über den Entwurf von 3iga = retten ft euer-Ausführungsbe st immunden erstattet worden. Die Handelskammer hat das Großh. Ministerium des Innern gebeten, die unveränderte Annahme dieser Anträge an geeigneter Stelle zu befürworten.
i) Die Handelskammer hatte in einer Reihe von Fällen Gelegenheit, sich zu Anträgen auf Bewilligung eines zollfreien Veredelungsverkehrs gutachtlich zu äußern.
k) Der Frühjahrsverkehr auf den Eisenbahnen wird auch in diesem Jahre voraussichtlich wieder hohe Anforderungen an den Güterwagenpark stellen, so daß die rechtzeitige Bestellung aller angeforberten Wagen nicht immer möglich sein wird. Sehr schwierig wird es insbesondere auch wieder werden, die für Düngemittel angeforderten Wagen nach den Wünschen der Versender und Empfänger unverzüglich und stets vollzählig zu stellen. Einem Wunsche der Kgl. Eisenbahndirektiou Frankfurt a. M. entsprechend, richtet daher die Handelskammer an die beteiligten Kreise, insbes. an die Verfrachter und Verbraucher von Düngemitteln, die Bitte, die Bestrebungen der Eisenbahn- verwaltiingen auf eine glatte Abwickelung des Verkehrs nach Kräften dadurch zu unterstützen, daß sie die zur Frühjahrsbestellung erforderlichen Düngemittel und sonstigen Bedarfsgegenstände möglichst bald einkaufen und noch vor Beginn der Feldarbeit beziehen. Dabei müsse von allen Sellen darauf gehalten werden^ daß die Wagen umgehend be- und entladen werden, sowie datz das Ladegewicht — namentlich bei den Wagen mit 15 Tonnen; Ladegewicht — voll ausgenutzt wird.
1) Von unterrichteter Seite liegen der Handelskammer noch Mitteilungen vor über zweifelhafte Firmen in Großbritannien, Niederlanden, Rußland, Serbien, Spanien, Asiatischen Türkei, ferner über wirtschaftliche Verhältnisse in Sibirien, Beteiligung an russischen Ausstellungen, ständige Lehr-Ausstellung für die Fortschritte der Maschinentechnik in Dresden. Nähere Auskunft hierüber wird auf dem Sekretariate der Handelskammer erteilt.
Außerhalb der Tagesordnung wird auf Antrag des Herrn Vorsitzenden noch beschlossen: 1. wegen Aushebung des Verbotes der Viehmärkte in Gießen eventuell in Gemeinschaft mit der Großh. Bürgermeisterei Gießen beim Großh. Ministerium des Innern vorstellig zu werden; 2. zwecks Vorberellung einer Eingabe an das Reichsbankdirektorium wegen Umwandlung der hiesigen Reichsbanknebenstelle in eine Reichsbank st elle und wegen Bereitstellung hierfür geeigneter Räumlichkeiten die erforderlichen Unterlagen zu beschaffen; 3. eine auf den 1. Februar nach Rod heim einberufene Versammlung zu beschicken, in welcher die vorbereitenden Schritte für ein Bahnprojekt Gießen — Krofdorf — Rodheim — Bieber — H ohensolms — Gladenbach, — Sieben« köpf — Battenberg unternommen werden sollen.
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R. B. Darmstadt, 10. Febr. Eine interessante Ge« richtsverhandlung mit stark politischem Hinter« gründ fand heute, vor der hiesigen Strafkammer statt. Am 11. November v. I. hatte in Offenbach im Gewerkschastshaus eine sozialdemokratische Versammlung stattgefunden, in der gegen die Errichtung einer Fabrikkrankenkasse der Firma Theodor Böhm protestiert wurde. Im Anschluß daran fand bann der bekannte große Kimdgebungszug statt, der unter wüstem Schreien, Johlen und Pfuirufen unter Führung des Redakteurs Georg Kaul vom sozialdemokratischen „Offenbacher Abendblatt" durch die Straßen zog unb vor der Wohnung des Stadtverordneten Böhm eine Zeitlang die ärgsten Schmährufe ausftieß. Der genannte Redak' teur war deshalb des Vergehens gegen die Art. 7 unb 19, Abs. 1 des Reichsvereinsgesetzes und bes Art. 360 (Groben Unfug) ange» klagt, aber nur wegen des letzteren Vergehens zu 40 Mt. Geldstrafe verurteilt worden, wobei der Amtsanwalt Dr. Aull noch ausdrücklich das Verhalten des Angeklagten öffentlich belobte. Der Amtsanwalt legte aber doch sofort Berufung ein. In der heutigen umfangreichen Verhandlung wurde nun durch Zeugen nachgewiesen — was der Angeklagte Kaul hartnäckig bestritt daß er tatsächlich der Leiter und Führer des Zuges gewesen fei unb daß er auch vor der Wohnung des, Stadtv. Böhm durch seinen angeblichen nur einmaligen Ruf „Pfui Böhm" das Zeichen zu den weiteren Schmährufen gegeben habe. Staatsanwalt Schreiber geißelte scharf das Treiben des Angeklagten, der als gebildeter Mann sich der Konsequenzen bewußt sein mußte, die sein Beispiel mit dem Pfui-Ruf nach sich zog. Die Straße sei zum freien Verkehr da und dürfe nicht zum Tummelplatz wüster De» monstrationen gemacht werden. Ter ganze Aufzug fei einem ober- bayerischen Haberfeldtreiben vergleichbar gewesen, bei welchem der Angeklagte die Leitung hatte. Der Staatsanwalt bean« tragte für die beiden Delikte, das Vergehen gegen das Reichs« Vereinsgesetz und den durch die Demonsttationen verübten groben Unfug, je 3 Wochen Haft. Das Gericht gab der Berufung stall unb verurteilte Redakteur Kaul wegen des Vergehens gegen das Reichsvereinsgesetz zu 30 Mk. Geldstrafe unb wegen bes groben Unfug zu 14 Tagen Haftftrafe, sowie zur Tragung bei Kosten beider Instanzen. Die Haftstrafe hat das Gericht für angemessen gehalten wegen des gefährlichen Charakters der be- gangenen Ausschreitungen. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer auf einen Ausspruch des Ma. Ulrich in der Stadtverordnetenversammlung hingewiesen, daß ein Blutbad nur verhindert worden sei, well sich die Polizei in keiner Weise zum Einschreiten herbeiließ; auch her Verteidiger des Angeklagten hatte aus- gesührt daß es zweifellos zu Tätlichkeiten gekommen wäre, wenn Kaul den Demonstrationszug nicht abgelenkt, sondern ihn zv der Wohnung des früheren Krankenkassenrechners Greb hätte marschieren lassen.


