Ausgabe 
10.11.1911 Drittes Blatt
 
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im

die Regierung gegenüber diesen kinmffckung-rl der englififen StaaiSrnänner getan bat. Auch auS der heutigen Mitteilung de» Staatssekretär» bc8 Aeutzern können mir nur ersehen, das, der

weiter, wie die ganze Aktion vorbereitet wurde. Hat uns < unser Botschafter unterrichtet oder sind wir voll- ständig durch die üble Stimmung, die in England einsetzte, über- ' rasckt worden? Dieselbe Frage- könnte man auch bezüglich der ; Tripolis-Affäre aufwerfen. Es ift doch nicht gut denk- ; bar. daß unser Botschafter, unser Militärbevollmächtigtcr und da» ganze Personal unserer Vertretung von den Vorbereitungen eines solchen Feldzüge» nicht die mindeste Kenntnis bekommen haben sollten.

Die Mitteilung, daß wir keine territorialen Erwerbungen beabsichtigten, bat in Deutschland große Enttäuschung und Er- nuchtcrung hervorgerufcn. Ta« Nationalgefuhl war mächtig auf- geflammt, man rechnete mit der Möglichkeit erneS Kriege». Kaum jemals ging eine so entschiedene KriegSentschlossenbeit durch weite Kreise wie damals. Und plötzlich kommt die Mitteilung, wir suchten Kompensationen nicht in Marokko, sondern am Kongo! Hier muß ick in der Tat gegen die Preßabteilung de» Auswärtigen Amtes einen Tadel richten, daß man alle diese ertraüanganten Hoff­nungen sich hat entwickeln und weiter spinnen lassen (Sehr richtig!). Und weiter muß ich fragen' ist da» wirklich alle» un- richtig, wa» von diesem oder jenem Beamten de» Auswärtigen Amte» gesagt wurde? Wir seben doch, wie Meldungen durch die Presse gehen, daß Leute unter ihrem Zeugeneide sich erbieten, die Wahrheit jener Behauptungen zu bekunden. Die Presscabteilung bat ihre absolute Unzulänglick-Ieit erwiesen. Da» bat die ..Köl­nische Zeitung" betont, dieDeutsche TageSze'tung". die ganze nationalliberale und freisinnige Presse. Eine Reform ist durchaus notwendig.

Nun zum Abkommen selbst. Eine freundliche ®cur- teilung bat e» nicht gefunden. Herr von Hertling hat eine Diebe von Zweifeln geäußert. Herr von Heydebrand hat mit vielen Ja und Aber, aber doch sehr kräftig, feine Schäden beleuchtet. Der einzige freundliche Kritiker war Derr Bebel. (Heiterkeit.) Wenn meine politischen Freunde diese» Abkommen zu genehmigen batten, so würden sic eS ab- lehnen. (Lebhafter Beifall.! ES scheint den deutschen Interessen nicht zu entsprechen und auch nicht der Würde des Reiche». (Bei- fall.) Frankreich erhält eine neue Provinz von der e» heißt, daß sie große Eisenerze besitzt und daß sie landwirtschaftlich auSge- beutet werden kann. Jedenfalls steht da», was wir dafür be­kommen haben in gar keinem Verhältnis zu dem. waS Frankreich erreicht hat. Die großen Errungenschaften für Frankreich müßen ins Auge treten. Herr Bebel hat bei der Besprechung der wirt­schaftlichen Garantien auch auf Dr. Seniler hingewiesen. Auch er ist der Meinung, daß ohne politischen Einfluß der wirtschaftliche Einfluß in Marokko sehr zweifelhaft ist. In dieser Hinsicht sind bittere Urteile der deu'schen Industrie laut ge­worden. Der alte Führer der Industrie, Kirdorf, sagte: Ich halte daS Abkommen für eine wirtschaftliche Nieder­lage. die Deutschland tatsächlich aus bir Reihe der Großmächte streicht. Das sind freilich Uebertreibungen. (Zuruf linkS: WaS sagt Stinnes?) DaS ist auch sehr flau; er sagt nur, eS könne aus ben Kongofetzen eventuell mal etwa» Gutes herauskommen. Ich könnte Ihnen zahlreiche Aeußerungen verlesen von feiten der deutschen Industrie. die alle sehr pessimistisch sind. Ich verweise auf die Resolution de» ZentralverbandeS Deutscher Industrieller, auf die Aeußerungen der sächsischen In. dustriellen und auch auf englische Blätter, die sagen: Wird Ma- rokko eine französische Kolonie oder französisches Schutzgebiet, so verschwindet die Möglichkeit für andere Nationen, sich hier wirt- schaftlich zu entwickeln, weil eS tausend Fußangeln gibt, den Fremden zu benachteiligen.

Alle» in allem, auch wenn die Regierung bemüht war, «ine Reihe von flautelen zu schaffen, «in günstiger Vertrag liegt nickt vor, viel erreicht ist nicht. Nun zu den Kompensationen. Man darf die Sache nicht so behandeln wie der Reichskanzler, der nur erwägt, waS Frankreich erhält und was wir erhalten. Wir tnüffen doch in Berücksichtigung ziehen,

sofort in dieser heftigen Weife den Einspruch England» auf den HotS brachte, gewiß ein unrichtige. Wir hätten wohl durch andere Mittel den Franzosen den Ernst der Lage klar macken können, und zwar mit Vorgängen in Europa, ongejicht» der Tat- lache, daß alle Streitigkeiten, btc zu einem Kriege mit Frankreich führen konnten, doch nicht in Ajrlka, sondern in Europa au»- getragen werden. (Sebr richtig.) Ick habe in den Ausführungen de» Reichskanzler» gefunden, daß doch in vielen Dingen hier eine gewifje Prlitik der Illusion hockschim» merl, die vor der rauben Wirklichkeit nickt Stand hält. Auch

daß Frankreich eine neue Provinz gewonnen hat. (Lcbh. Zustimmung.) War es notwendig, deutsche Gebietsteile ab­zutreten. die nach sachverständigen Aeußerungen wertvoll sind? So- gar an der Schlafkrankheit findet der Verfasser der amtlichen Dar­legungen etwas Erfreuliche». Er freut sich, daß wir nun wenig- sten» den Herd der Schlafkrankheit besitzen. (Große Heiterkeit.) Wenn man die Bestimmungen über die KonzessionSgesell- schäften lieft, dann muß man sagen, daß b t e Reibung»- r 1 ä d? e n auf der ganzen Linie vergrößert sind. Wenn wir den französischen Gesellschaften auf die Füße treten, werden sie immer sofort nach Paris laufen. Nun wird gerühmt, daß wir die Verbindung mit dem Kongo haben. Für alle diese Dinge bat das deutsche Volk aber sehr wenig Sinn. E» bestand nirgends im deutschen Volke ein Bedürfnis. Kongogebiete unseren Schutzgebieten anzugliedern. sLebh. Zustimmung.') Diese Erwer­bungen sind keinesfalls baß wert, was wir dafür geben mußten. Früher klang es ganz anders. Da hieß es: Deutschland würde ein großes, abgerundetes, äquatoriales Reich erhalten. Jetzt sind ba­uen zwei schmale Zipfel Übrig geblieben, die vielleicht einen gewissen Wert haben mögen, vielleicht aber auch nicht.

Bülowsche Politik sagen, einerlei, ob sie richtig oder falsch war, einerlei, ob es richtiger gewesen wäre, wenn Fürst Bülow in irgend einem Zeitpunkte auf Territorialerwerbungen in Marokko loSgesteuert träte : mit der Tatsache, baß Frankreich weder die AlgeciraS-Akte gehalten hat. noch daS Abkommen von 1909, waren die vertrage gebrochen, und eine neue Orientierung deutscher Po­litik fing in Marokko an, und auf neuer Grundlage konnte nun weilergearbeitct werden. (Sehr richtigl) Diese neue Phase hat ja allerdings die extravagantesten Hoffnungen erweckt und hat eine einheitliche Beurteilung zunackst gefunden bezüglich ihres Zweckes im Inlands und im AuSlande. Ein großer Schlag werde vorbereitet, so la» man da und dort, eine gänzlich neue Marokkopolitik, eine aktive Marokkopolitik werde damit anbeben.

Das Aufsehen, daß das Erscheinen de» .Panther" vor Agadir auch im Vaterlande erregt hat, ist damit zu erklären, daß die An- fdbauungen über die wirtschaftliche Bedeutung Marokkos sich im Lause der Jahre geändert haben. Als Fürst Bülow mit hiesigen Finanzkreisen über den wirtschaftlichen Wert von Marokko und seine Ausbeutung konferierte, da war eigentlich die Meinung in diesen Kreisen noch ziemlich ablehnend. Aber später kam dann die ganze Erzfrage in Fluß, einmal durch die Detriebfam-- keit der Gebrüder Mannesmann, dann aber und weit darüber hin­aus dadurch, daß Leute, wie Geheimrat Kirdo-'f, die Aufmerk- samkcit auf die Erschließung der Erzschätze in Marokko lenkten und offene Tür für Deutschland verlangten. Meine Freunde haben in diesem Stadium auf die Wichtigkeit dieser Sache hinge- wiesen, insbesondere war es mein Freund Stresemann, der eS verlangte, daß die deutschen Jnteresien mit größerer Energie ver- treten werden müßten, namentlich waren seine Ausführungen gegen den früheren Staatssekretär von Sckön gerichtet und gegen sein Weißbuch, von dem gesagt werden konnte, daß die deutsche Regierung hierin Material liefere gegen deutsche Ansprüche. (Sehr richtig!) Meines Erachtens war das eines bet unglück­lichsten Schriftstücke, die jemals von unserer Regierung herausgegeben wurden. (Sehr richtig!) Ter Jubel über das Er- scheinen des .Panthers" bot Agadir machte bald Platz wackien- dex Entrüstung über die Angriffe bet englischen Staatsmänner. ES handelte sich hier in der Tat nickt um Tischreden, sondern um Drohungen. ES war ein schweres Gefühl, das auf Deutschland lastete, baß wir un» daS bieten ließen, und ich hätte wohl gewünscht, daß es durch öffentliche Kundgebung der Regierung zurückgewiesen worden wäre. Wit müssen ein Weißbuch erwarten, woraus wir ersehen können, was

Bonckasicr keine Kenntnis von bet Leröffentlickung gehabt und die Veröffentlichung nicht bewirkt hat, ob et aber die fraglichen Aeußerungen nicht getan hat, da» wissen wir noch nicht. Tie ganze Einmischung England» ist eigentlich erstaun- I i ch. Wenn England mitgeteilt wurde, daß wir keine koloniale Besitzergreifung beabsichtigen, so war die Flut der Einsprüche der englischen Presie nicht zu verstehen, denn diese grün, bete fick doch gerade darauf, baß Deutschland Süden Marokko» Land erwerben wolle. ES fragt sich

der Vertrag mit Rußland bat uns eine große Enttäuschung ge­bracht, nachdem man vorher nach den Worten de» Reichskanzler» hier große Hoffnungen auf ihn gesetzt hatte. Auch dort fanden wir Verzicht auf Konzessionen für Eisenbahnen, für Wegebau, für Schn'iabrt. für Telegraph, und dafür wiederum «is dem Papier die Gleickb-recktigung de» Handel» ausgesprochen. An eine Verständigung mit Frankreich ist wenig zu denken. Der alle Groll Frankreich», der auf ben Verlust von Elsaß-Lothringen zurückzuführen ist. wird durch diese» Ab- kommen nicht verschwinden. Die Reibungsflächen sind ver« mehrt. AuS dem Kongoabkammen können eine Reihe neuer Streitigkeiten sich ergeben, zumal durch die absonderliche Besti m m »ng, daß wir in Kamerun d-n Franzosen Etappen st raßen einräumen, die allerdings nickt militärisch besetzt werden können, wo nur die Leute hinkommen dürfen, die mit der Proviantierung zu tun haben. Diese werden aber auch nicht mit Sonnenschirmen kommen (Heiterkeit), sondern sie werden Gewehre haben und werden unter Umstanden auch mit ihrer französischen Flagge durch deutsches Gebiet marschieren. Aus her Rede des französischen Ministerpräsidenten leuchtet auch der berechtigte Stolz über die Resultate hervor. In Frank­reich besteht allgemein ein Tri u m p h. Die Ansprüche der Franzosen sind gewachsen, und so können sich die Verhältnisse zwischen den beiden Ländern verschlechtern statt verbessern. Wir lesen auch heute schon in der dortigen Presie. daß diese ganze Marokkopolitik nur ein Anfang ist, daß man versuchen wird, die französische Kolonialherrschaft weiter au-zudehnen.

Aber abgesehen davon, ob unsere ©-.Werbungen in Kongo mm von großem Vorteil für Deutschland sind ober nicht, wir müsien doch auck die Folgen bedenken, die für bie allgemeine beutfdje Politik entstanden sind. E» ist ja in ben letzten Tagen mancher Tadel gegen den Fürsten Bülow laut geworden, aber al» er abging, da bat doch in der .Kreuz-Zeitung" und anderen Organen das Anerkenntnis gestanden, daß eS ihm gelungen sei, die allge­meine Politik so zu gestalten, baß Deutschland stark und mächtig in der Welt haftete. Da» war jene Politik, die ansckloß an die Vorgänge in Bosnien und der Herzegowina, wo Deutschland sich bereit erklärte, nötigenfalls fein Schwert in die Wagsckale zu werfen und im Kriegsfälle an Oesterreichs Seite »u stehen. Damit war btc frühere Einkrei s u ng«poli11 k zerrissen und Deutschland in einer starken politischen Position. Heute aber ist im Zusammenhänge mit der Aufrollung des marokkanischen Problem» und als Folge der Verabredungen zwischen Frankreich und Deutsch­land der Moment gekommen, der bisher hinauSgeschoben werden konnte, daß Italien seine Hand auf Tripoli» legte. Damit kommt die ganze deutsche Politik in eine schwi«r i ge Lage. Auf der einen Seite der Dreibundstaat, der ohne Rücksicht auf die Interesse.' seine» Dreibundgenosien seine Hand auf em mohammedanisches Gebiet legt und auf der anderen Seite die müh­sam aufgebaute beuticke Pol^ik mit der Türkei, die in 20 Jahren konsequent dem deutschen Einfluß in der Türkei Eingang verschafft hat. Wir haben biefen Einfluß wachsen sehen, und da» ist jetzt alles ins Wanken gekommen. Wir lesen ja jetzt schon von Verhand­lungen türkischer Staatsmänner mit England, und so kann man sagen: durch die Marokkopolitik. die Verhandlungen mit Frankreich si't unser: bisherige ganze Politik durchbrochen worden und man muß sich fragen: wäre es da nicht richtiger gewesen, die AlgeciraSakte unangetastet zu kaffen? Wir sind mit stolzen Schiffen nach Aga­dir gefahren, und eS ging ein Jubelruf durch ganz Deutschland, al» diese Aktion ins Werk gesetzt wurde. (Widerspruch der Soz.) Da» können Sie nicht leugnen, Herr Bebel, denn die Sozialdemokraten sind ja von solch n Fragen überhaupt ausgenommen. In der ganzen islamitischen Welt war der deutsche Name früher genannt worben al» Schützer ber Unabhängigkeit von Marokko. Wir stehen heute vor einer Niederlage, gleichviel, ob wir ba» hier aussprechen ober verschweig'n, e» steht zu lesen in ber ganzen deutschen Presie und diese Meinung geht durch alle deutschen Par­teien, und in eine freimütige Kritik dieser Politik einzutreten.

muß un» gestartet sein.

Die auswärtig« Politik hat sick in allen diesen Stadien wenig um da» VolkSemvfinden gekümmert, sie ist ihren eigenen Weg gegangen und bat nickt nach dem gefragt, was ba» Volk gebacht hat. Wir mußten sehen, wie e» schäumte in Deutschland, wie viele Patrioten von tiefem Weh erfüllt waren, daß die Seften unsere» Volkes eS schmerzlich empfanden, daß von den Macht- Mitteln des Reicks» nicht der Gebrauch gemacht worden ist. den sie erhofften, daß wir aus dem Marokkostreit mit einer Ge­fährdung unserer bisherigen Allgemeinpolitik herauSgekommen sind, und daß wir uns mit einem mageren Ver g le i ch abfinden mußten. Ta wendet sich unser Blick unwillkürlich aus das deutsche Heer und die deutsche Marine. Wrr haben die volle Ueberzeugung, daß die Heere»- und Marrnever- maltung bereit sind, daß sich unsere Machtmittel in der Verfassung befinden, daß wir e» in jedem Augenblick auf Ernstfall ankommen lassen können. Wir muffen aber ben Wunsch ausspreckien, fall» Zweifel darüber vorhanden sind, ob nicht in Heer und Marine Lücken bestehen, wie jetzt zmn Beispiel auch der Flottenverein behauptet, daß hier eine ernste Prüfung der zuständigen Ressorts und btt gierung vorgenommen wirb und baß man ben festen Willen hat, unbekümmert barum, welchen Einbruck die e v e n t u c: l l e Vermehrung der Flotte im Auslände macht, diese Lücken auszufüllen. ,Lebhafter Widerspruch bei den ^oz.) Wrr müssen in der auswärtigen Politik eine feste Hand haben, die sich frei hält von theatralischen Effekten und großen Gesten, die schließlich nicht zu dem gewünschten Resultat führen. Erne energische Politik zu führen, ist für die deutsche Regierung leicht, denn sie ist. wie die Vorgänge dieser Monate gezeigt haben ge­tragen von einem starken nationalen Empfinden. In alle dem Unerfreulichen, baß diese Monate zutage gefördert haben, ist etn großes nationales Moment: die Tatsache, daß rn biefen Monaten mit einem Schlage in ganz Deutschland ein starkes nationales Empfinden zutage trat, eine Kriegsbereitschaft, bei der, wenn eS jein muß. jeder em- zelne Gut und Blut einsetzt für die deutsche Nation und da» deutsche Vaterland. Diesen Gesichtspunkt möge sich auch daS Ausland merken. Es möge sich klar darüber werden, daß wrr unserer nationalen Ehre nickt zu nahe treten lassen und ixrt eS, wenn gilt, die deutsche Ehre mit den Waffen zu verteidigen, ein einiges Deutschland finden wird. (Lebhafter Bei­fall.)

DaS Hau» vertagt sich. Freitag 1 Uhr, Weiterberatung.

Schluß 6 Uhr.

nW in dieser Nelle ein zu weitgehende? Einsetzen und Erponieren ' Er. - e'lor zu finden sei. Ich habe fein Hetzt daraus gemacht, baß es nut lieber gewesen wäre, wenn die Reise unterblieben träte, aber was der Kaiser in langer sagte, war nur baß, wa, Fürst Bulow früher und später hier im Reichstage gesagt hat. Er har in feierlicher Form lediglich die Grundzüge unserer Ma- rokkcpolitik dargelegt. Daß diese Kaiserrede einen mächtigen Eindruck wachen mußte, vor allem in der ganzen islamitischen üb eit ist ja ganz selbstverständlich. Tie Resonanz war ba bis in die biiitetjten Winkel ber Lander, die keine Post und keine Telegraphen haben und wo dock derartige Worte mit WmdeSe le bekannt werden. Heute ist diese Politik bereits aufgegeben worden Wit haben Frankreich ein Protektorat über Marokko Äugcitanben und unsere Positionen geräumt, und da» Urteil im Islam wird beute ander» lauten al» damals.

Und nunmehr jetzt die Tendenz ein. Die ganze Misere, bie sick in diesem Abkommen nnck unserer Auffassung widerspiegelt, auf bie frühere Periobe der Bülow sehen Ma- rokkopolitik zuräckzuführenl (Sehr richtig! recht».) Vor allem wirb bie Frage aufgeworfen, ob Bülow nicht 1905 einen großen historischen Moment versäumt habe. ES fragt sich vor allem, konnte er in biefem Jahre, al» DelcaffL gestürzt war und in dem Ministerium Rouvier eine friedliche Stimmung herrschte, ein Separalabkomwen zwischen Frankreich und Deulsch- lanb abschließen, ba» un» territorialen Gewinn verschaffte? Tic Frage ist zu verneinen unb auch vom Fürsten Bülow verneint toorben. Er hat ausgesprochen, baß ein solches Separatabkom, men angesickt» ber allgemeinen politischen Situation nicht mög­lich war. Zunächst war Deutschlanb durch die Rede des Kaisers feierlich auf sein Marokkoprogramm festgelegt. Aber ganz äu­ge (eben davon, unsere ganzen Beziehungen dem Islam gegen­über, unsere ganze Türkenpolitik oerbot-n eine Politik, die in der Aneignung eines territorialen Gebietes von Marokko bestand. Ta» war der große Gesichtspunkt des Fürsten Bülow, der in ber heutigen Rebe des Reichskanzlers nicht zum Aus- druck kam. ES gibt nickt n' r Kongofehen sondern noch eine große Politik, bie Deutschland im Orient zu verfolgen yat, die es zwanzig Jabre lang mühsam aufgebaut bat und die heute durch daS Kongoabkommen zer­stört worden sind. (Sehr richtigl bei ben Natl.) Anbercrseits lag 1905 ein Angebot Frankreichs überhaupt nicht vor. Wenn in ber Presie etwas anderes behauptet wirb, so ist baS ein Irr­tum. Unb wenn wirklich territoriale Gebiete angeboten toorben wären, glauben Sie benn, daß England zu jener Zeit, als noch Eduard VIl. regierte und die TorieS am Ruder waren, ge­duldet Hätte, daß wir uns an den Ufern bcS Atlantischen MccreS niedergelassen hätten? Mir erscheint da» sehr unwahrscheinlick. AuS diesen Gesichtspunkten heraus sind wir zur Konferenz von Algeciras gekommen, zu jenen mühseligen Verhandlungen, bei denen uns Spalten nn Stiche ließ, und in denen wir trotz der treuen Sekundantendienste Oesterreichs nicht zu dem Resultate kamen, das wir erhofft hatten. (Sehr richtigl)

Aber eins muß man doch faaen: Tie AlgeciraSakte schob bet Tunilierung von Marokko einen Riegel vor ES war in ihr festgesetzt, daß die Unabhängigkeit beB fdKrififchen ReickeS aufrecht erhalten werden muh, ebenso die selbständige Existenz beS Sultanfl unb die offene Tur. Frankreich hat diese Algecirafl- akte als eine Unbequemlichkeit, als ein Hemmnis für fein Vor- bringen betrachtet und hat versucht, sie nach unb nach zu burch- löchern. Der Aba. Bebel hat in Jena baoon gesprochen, baß ich mich über das Abkommen von 1909 gefreut hätte, in dem noch­mals die Unabhängigkeit des scherifischen Reiches und die wirt« schaftlicke Gleichberechtigung betont war. Bebel hat meine Aus- fühlungen nicht vollständig wiedergegeben. Kch habe gesagt: Frank, reich kann mit diesem Abkommen sehr tüogl zufrieden fein, habe aber genau fo tote Herr v. Richthofen zweifelhaft gelassen, ob wir auch eine große Freude an diesem Abkommen haben könnten. Von einer Freude über dieses Abkommen war bei mir nicht die Rede. Allerdings habe ich im Anschluß daran damals die Hoff- i nung ausgesprochen, daß nun ein friedliches Zusammenarbeiten deutscher und französischer Kaufleute in Marokko möglich werde. Diese Hoffnungen sind getäuscht worden. Die Franzosen haben sich um die Integrität des marokkanischen Reiches nicht sonderlich gekümmert. Sie haben verschiedene Eroberungen vorgenommen. Tann kam die Casablanca-Affäre und schließlich der Vormarsch nach Fez. Tie wirklichen Verletzungen der Algeciras- alte fallen in diese letzte Reit. Dor allem war es der eine Zeil- punkt, wo die französische Regierung entgegen der AI- gectraflafte einen Geheimvertrag mit dem Sultan abjchloß, in welchem die Sultan gegen die pekuniären Vorteile seine Unabhängigkeit Frankreich preisgab. Damit war mit einem Schlage die deutsche Politik frei geworden, war eine boll- ftä n btg neue Situation eingetreten. Da» haben wohl auch die Bemerkungen der »Norddeutschen Allgem. Zeitung" vom Frühjahr dieses Jahres erwiesen, die nicht anders aufzufassen waren, als daß nunmehr, nachdem die Verträge gebrochen sind, wir freie Hand auch für unsere eigene Marokkopolitik haben. (Lebhafte Zustimmung links), daß damit eine neue Phase dieser Marokkopolitit angebrochen sei.

Wenn das aber so ist, dann muß man über die frühere

nicht froTHe, weder 5'errifonaTgeh'inn, noch Md llnahhängtaTeU bei Süden», dann war die Entsendung bei Kriegsschiffe» überhaupt ein Fehler. (Sehr richtig!)', Die Regierung sagt, e* war notwendig, KrieaSschisfe nach Afrika zu entsenden, weil wir Den Frankreich keine Antwort mehr bekamen. In diesem Falle war aber eine Maßregel, die un»

ES ist ja eigentümlich, daß gerade die Kolonialsachverstän- digen, die sich in der Deutschen Kolonialgesellschaft zusammen- finden, nickt über den neuen Kolonialbesitz erfreut sind. Was sehen wir da? Uebcrall Proteste, überall Ablehnung, überall Be­bauern, daß wir unsere Stellung in Marokko vollständig geräumt hoben, daß wir sogar deutsche Schutzgebiete aufgeben.

Nunmehr der Fall L i n d e q u i stl AuS den Ausführungen des Reichskanzlers entnehmen wir. daß der StaatSsekrerär von Lindequist sich in allen Fragen korrekt benommen hat. (Leb- hafte Zustimmung.) Er wollte von dieser ganzen Sache offenbar nickis wissen. Vielleickt wollte das ganze Slolomalamt davon nickte wißen, und wenn daS schließlich durcksickert. so ist daS nicht zu ver­wundern. Herr v. L'ndequist hat sich als charaktervoller, auftich- tiger Mann bewiesen (Beifall), der kein Streber ist, der baß Schiff deS Herrn von Selbmann in dem Augenblick verlassen bat, in dem er ben Kurs nicht als den richtigen erkannt hat. Tie Vorwürfe gegen Herrn v. Lindequist würden höchstens Vor- würfe gegen den Reichskanzler fein, daß er solchen Mann mit dem Amt betraut hätte. Das KriegSmomcnt ist erst in die Debatte geworfen worden, als ter .Panther" vor Agadir er­schien, als man an Territorialerwerb dachte. (Sehr richtig!) Diese Meinung bestand jedenfalls im In- und Auslande. Ma- roHo war auck von Frankreich noch nickt vollständig besetzt. Tas SuSgebiet im Süden Marokkos war frei von den Franzosen. Konnten wir nun nickt die Unabhängigkeit te» Südens verlangen? ^ wäre ein Programm gewesen, baS überall Zustimmung ge- sünden hätte unb bas, ba kein Territorialgetoinn damit hätte im Zusammenhang stehen sollen, auch keinen Widerspruch von Eng- lanb bervorrusen konnte, weil auch England dort seine wirtschaft-1 [idjc Freiheit hätte haben können. Wenn man aber das alle»