Ausgabe 
10.3.1911 Drittes Blatt
 
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um

nicht verstehen. Die polnischen Postbeamten stnd

geringer beseitigt

Mehrheit werden.

ve.

Wir

diesen Ausdruck bin ich vor, die Wünsche der Beamten ----- -- ,x

sind, was sie dann durch d.e Bcsoldunysresor.n erhielten.

Die in der Kommission mit nur schlossenen Streichungen sollten wieder

sterbeetat gesetzt worden.

Abg. Latimnnn (Dirtsch. Vg.):

DieGießener ZamiliendlStter^' weichen dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, da» '.Xreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Diecandwirtschaftltcheu Mi- fragen" erscheinen monatlich zweunal.

mb. Deutscher Reichstag.

143. Sitzung vom Donnerstag, 9. März. Hm BundeSratLtisch: Kraetke, Kommissare. Präsident Graf Schwerin eröffnet die Sitzung 1 Uhr 16 Minuten.

Aba Finger Otati.) erklärt, daß er sich dem Anträge des Vorredners anichließe, da das von diesem Gesagte auch Jur Pfeddersheim zutrefse. Redner verliest eine Eingabe des dortigen Gemeindevorstandes, worin darum nachgcsucht wird, die scfom seit rirka 100 Jahren dort vorhandene Bezirkskasse weiter be- ftcbcn zu lassen. Weiter führt der Redner Beschwerde darüber, dan nach einem Beschluß des Finanzausschusses das Amtsgericht zu Psedder-lieim nach Worms verlegt werden toll; man wolle ali'o den Ort zu einem Fabrikarbeiterdorf herunterdrucken.

Abg Stövler (natL) spricht gegen die Aufhebung der Bezirkskasse in SchAtz und führt aus, daß Die Beibehaltung dieser Bezirlskassen für die kleineren Städte sehr wichtig und notwendig sei. ...... . < R.

Abg B e ü (natL) bringt lerne ichon früher in der Kammer gegebene Anregung in Erinnerung, die Vergütung an Beamte für den Verlauf von Stempelmarken zu beseitigen. Im Etat seien dafür wieder 42 000 Mark verausgabt, eine Summe, die man sehr wohl sparen kenne, denn die Beamten besorgten den Ver­kauf doch während ihrer T-ienstitunden. _

StaatSmiiiisler Ewald freut nch, daß der Vorredner kernen Antrag in diefer Frage gestellt habe. Man könne die Anregung in der Vereinfachungskommiision noch einmal besprechen, ^er Minister ist aber der Meinung, daß die Beseitigung der kleinen Provision für den Stempelmarkenoerkauf untunlich sei. In jedem

tjejlijche öiveite Kammer.

R. B. Darmstadt, 9. März.

'Um Regierungstische: Staatsminister Ewald, Geheimrat c d c t

In der um 9>, Uhr vom Vizepräsidenten Korell eröffneten Sitzung wird sofort in der

daushaltßberatuuq

fortgefahren. Kapitel 11, Lotterie, Einnahme 805,810 Mk., wird ohne Debatte bewilligt. « - ,

Zu einer längeren Erörterung führt Kapitel 12, iirelie Steuern, Regalien u,w.

Abg. Dr. tz e i d e n r e i ch matt) erörtert einige steuer tech­nische F-rageii und wendet sich dann gegen den Plan, die 2k- zirkskassen in Wald-Mickielbach, Altenstadt, Schlitz, Pfeddersheim und Wöllstein auszuheben und, soweit als ersorderlicb, durch Umererhebcslcllcn zu ersetzen. Redner betont namentlich die Notwendigkeit der Bezirkskasse in Wald-Michelbach, deren Auf­hebung in der Bevölkerung viel Unwillen erregen wurde. Man habe dort erst ganz kürzlich ein neues öe>iube für 25 000 Atark für die Bezirlskaise errichtet und dem Lande eine Zinsenlast ausgebürdet: da wäre es doch verkehrt, jetzt die Kaise einfach zu beseitigen. Ter Redner erklärt, daß er die Beibehaltung der fünf Bezirlska'sen beantragen werde.

Der PoffefaL

(Zweiter Tag.) a .

Dl« allgememS Aussprache w,rd fortgesetzt in Verbindung mit den bereits mitgeteilten Resolutionen.

Abg. Dr. TrzcinSki (Pole):

kaufmännischen Betriebe würden für besondere Leistungen Meine Vergütungen gewährt und es kämen auch schwierigere Stempel berechnungen vor, die von den Beamten außerhalb ihrer bienü lichen Tätigkeit vorgenommen werden müßten; da sei es doch nicht unbillig, eine kleine Vergütung zu gewähren, schon des­halb, um die Betreffenden für den Verkauf der Marken mehr zu intereffieren.

Abg. Wolf (Dbd.) spricht sich gegen die Beibehaltung der fünf Bezirlskassen aus; man müsse eben ernstlich anfangen zu sparen.

Abg. Schönberger natl./ wiederholt seine schon früher gegebene Anregung, die Erhebung von Staats- und Gemeinde­steuern in eine 5)and zu legen.

Abg. Korell das Präsidium hat Abg. Dr. Schmitt über­nommen führt aus, daß er sich der Anregung oes Vorredners anschließe und hoffe, daß Der Finanzausschuß im nächsten Jahre zu positiven Vorickilägen kommen werde. Tie Bemerkung d?s Staatsministers, daß man die Beamten durch Tantiemen mehr interessieren solle, halte er für etwas gewagt. Ter Anreguna des Abg. Leidenreich auf Heicheiführung von Ersparnissen bei den Konrrollbeamten könne er nur voll zuslimmcn; die Kontrolle, könnte nach seiner Meinung ebensogut durch die Bezirkslasstn- buchhaltungen ausgeführt werden. Tie Kontrollbeamten seien wohl auch nicht voll beschäftigt, sonst könme doch einer derselben.

Zreitag, 10. März M

Rotationsdruck und Verlag der Drübl'schen UnwersuälS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: e^ 6L Redaktion: 112. TeU-AdruArt-eigerGießen.

eine freundliche Parteinahme gegen die Regierung gibt es doch nicht, und eine feindliche Parteinahme dagegen ist ein weißer Schimmel. DaS sind doch wirklich keine Angelegen­heiten, die hier vorgebracht werden müssen, um bie Verwaltung herunterzusetzen. Run ist bemängelt worden» daß nur Atteste de PostvertrauenSärzfe angenommen ^werden.

Ich würde es für falsch halten, wenn es ständig geliebt, aber cs können berechtigte Fälle vorkommen. Der Staatssekretär erwidert auf die Beschwerden des polnischen Redners. Gegen- über Lattmann wiederholt der Staatssekretär seine vorfahrigen Erklärungen, daß sich das weibliche Personal beim sernsprech- dicnst besonders eignet.

Abg. Lehmann-Wiesbaden (Soz.):

Wegen der Steuerschen des schwarzblauen Blocks muß die Post Ueberschüsse machen und für die Beamten bleibt nichts übrig. Ebenso wie mit Oesterreich-Ungarn könnte auch mit Frankreich und anderen Staaten ein Uebereinkommen zur Herabsetzung des Portos herbeige führt werden. Wenn Dr. Dröscher uns Wähler- sang vorwirft, scheint er von sich auf andere zu schließen.

Ist nun eigentlich gegen den Beamten, der das Briefgeheimnis verletzt hat, im Verfahren gegen Unbekannt eingeschritten wor­den? ' Darauf hat Zubeil keine Antwort erhalten.

Abg. GieSberts (Zentr.) erwidert auf die Angriffe gegen daS Zentrum. Wenn man die Wünsche der Oberpostbeamten wohl­wollend behandelt, dann ist es nicht gerechtfertigt, an den Unter- beamten spurlos vorbeizugehen. Ich und ein Teil meiner Freunde beantragen deshalb eine Resolution zugunsten der alteren Post- und Oberpostassistenten, aber sprechen darin auch den Wunsch aus, daß jeder Unterbeamte, ausgenommen die Land- Briefträger, nach zehnjähriger Dienstzeit etatsmäßig angestellt wird.

Abg. Eickhofs (Vp.) will in die etatmäßige Anstellung nach spätestens zehnjähriger Tienstzeit auch die anstellungsberechtigten Telegraphenarbeiter einbeziehen.

Abg. Dr. Struve (Vp.): Gegen die Heftigkeit der Antwort des Staatssekretärs lege ich mit meiner Verwunderung 53er- wahrung ein. Es ist die Sprechweise eines Mannes, der weiß, daß er unrecht hat. Tie Zufriedenheit der Beamten wird wachsen, Herr Staatssekretär, wenn Sie, statt einem Abgeordneten unsachlich zu antworten, die Dcschverden prüfen und nach Mög­lichkeit abstellen. Aber noch viel schwächer, Herr Staatssekretär, ist Ihre Position, die Sie in Sackfen der Resolution Ablaß ein- nehmen. Damit begeben Sie sich nur auf das Gebiet der Kur­pfuscherei. Krebs diagnostizieren Sie und wollen ihn mit fettem Hundefleisch kurieren. So wächst das Blümlein Zufriedenheit in Ihrem Beamtenheer nicht.

Ich habe mit aller Mühe und der Liebenswürdigkeit, die miL nie verläßt, gesprochen. Sie aber, Herr Staatssekretär, haben gesagt, ich hätte gehetzt. Hier ist mein unkorrigiertes Steno­gramm, Herr Staatssekretär; weisen Sie mir ein Wort nach, das zu diesem bisher noch nicht zur Zierde des Reichstags gereichenden Ausdruck berechtigt. (Beifall links.)

Abg. Beck (Heidelberg, Natl.): Im Zentrum regt sich so e'n ganz klein bißchen das Gewißen gegenüber den Oberpostassistenten.

Weiterberatung: Morgen, 1 Uhr.

Schluß gegen 8 Uhr.

müssen. (Beifall.)

216(1. Fkbr. v. Gump (Np.)k

Die VcsoldnngSfrage muß doch endlich für eine Reihe von Jahren erledigt sein. UcbrigenS liegen die Tinge jetzt nicht mehr so schlimm. Tas Getreide ist billiger geworden. Die Mieten sind zurückgegangen (Oho-Rufe.) Wir wollen an dem BesoldungS- kompromiß nicht rütteln. Zunächst muß doch die schauer­liche Mißwirtschaft im Reiche beseitigt werden. Gewiß wollen wir die Beamten besser bezahlen. Aber ihre Zahl soll vermindert und ihre Leiilungen sollen gesteigert werden. Herr von Stephan wollte, daß jeder Beamte den Stab des General- Postmeisters im Tornister tragen sollte. Seine Nachfolger ver­langten wieder möglichst ausgedehnte Vorbildung. So hat man herumexperimentiert. Nicht die Sozialdemokraten nehmen pch der Unterbeamten an, sondern wir. Tie Rede deS Herrn Zubcil hatte keine sachliche Bedeutung, es war eine deplacierte Wahl­kreisrede. (Lärm bei den Soz.)

staaten, die mit großen Opfern und zum Nachteil ihrer Finanzen dem Vorbild bet Reiche» gefolgt sind.

Unruhe und Unzufriedenheit würden von neuem erregt werden. Tie Bundesstaaten ^üjbcn damit in die übelste Lage kommen. S-.e sehen also, ©reifen Sie einen Beamten heraus, um ihm wohlzutun, |o tun,Cte hundert anderen wehel Neue Opfe. der übriger. BevolkerungSkrei e wären notwendig. Ich bin recht errreut, daß gerade von- der Linien Seite die Finrnzen dcS Reiches a[8 in be onderS gluck- kicher Entwicklung stehend betrachte, werden. (Hortl Hort, rechts.) Ich erbUcke darin vielleicht den Beginn zu einer U e b e r b r ü ck u n g der Kluft, die die iS'nanzresorm ge­schaffen bat (Hörti Hört!) Vorläufig gründen sich ciesc! gim,U- gen' Anschauungen aber nur auf daS Ergebnis eines Monats Da müßen wir doch erst Verreiche anstellen und auch daS Ec- gebnis des Februars abwarten. v.a iqi-i

Selbst bei günstiger Entwicklung werden d,e Mittel bis 1913 in vollem Maße zur Sanierung der Finanzen in Anspruch ge­nommen werden. Seit 2 Jahren werden dem Volke lahrlich 100 Millionen Lasten mehr auferlegt im Interesse der Beamten. Wenn Sie jetzt weiter die Gehälter erhöhen wollen, dann muh die Bevölkerung auf neue Steuern gefaßt sein. (Hort. Hört!)

Das soll fein Abschreckungsmittel sein, das ist eine einfache Tatsache. Ich erkläre unumwunden, daß die verbündeten Regierungen für eine Aenderung beS.»efol- dungSgesetzeS sicherlich nicht zu haben sein wer­den. (Hört! Hört! und Beifall.) Ich bitte Sie, auf dem bis- formen Standpunkte zu beharren und bk, den Beamten nicht unerfüllbare Hoffnungen zu erwecken, durch die die ubrmen Streife der Bevölkerung in Furcht vor neuen Opfern gesetzt werden

rechts.) Deshalb müssen wir für die Unterbeamten eintreten und alljährlich dieselben Beschwerden vorbringen, um den Staats- feitetär zu zwingen, Abhilfe zu schaffen.

Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke:

ES liegt mir ferne, gegen die Liebhabereien des Vorredners, &h für die Postunterbeamten alljährlich einzusetzen, zu sprechen, ber ich lege Verwahrung dagegen ein, daß die Postuntcrfoamtcn ihn als Vertreter ihrer Interessen gewählt haben. (Widerspruch bei den Soz., Sehr richtig! rechts.) Der Vertreter der P o st unter- beamten bin ich und ich weiß, daß sie die Vertretung durch Herrn Zubeil nicht wünschen. (Abg. Zubeil ruft: Sie kommen zu mir, ich suche sie nicht auf!) Ich will auch Verwahrung ein­legen gegen die maßlosen Angriffe des Vorredners gegen die Post- verwaltung. Er hat hier einen Fall vorgebracht und den Post- beamten Verbrechen zur Last gelegt. Tas ist kein faires Vor- halten (Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum, Wider- fpruch bei den Soz.), wenn Sie hier öffentlich die Be­amten eines Verbrechens zeihen ohne zu wissen, ob ein solches Verbrechen vorgekommen ist! (Zuruf von den Soz.- Ist das alles, was Sie zu sagen haben? Zuruf rechts: Mehr als genug.)

bewundere fein Spezialinteresse. Er behauptet, er wolle 3u- fnedenheit in dcr Beamtenschaft erziel-n. Verehrter Herr, auf diese Weise wird das nicht geschehen. Solche Reden müssen vcr- fotzend wirken. (Beifall rechts.) D,e Folgen sind gar, nicht nbsebbar Denn Sie alle Wünsche dcr Beamten für erfüllbar halten bann tommentoir nicht weiter. Und 1-0 das Zureden foit erwecken, wenn «Sie immer behaupten, der StäatSsZretar tue nichts für seine Beamten, und er Je. ,ogar schuld daran daß die Postschaffner nicht mehr Gestalt bekommen. Sind Sie sich bewußt, was man tut, wenn man so etwas von der ^ribunc aus spricht, ohne unterrichtet zu sein. (Hortl Hort!) In. der Kommission wurde beantragt, die Unterbeamten besser zu stellen. Ich bin wastrlicp der Letzi-, der nicht für Deainten m diefer ober jener Weise emtn't- Nun wurde aber behauptet unsere Beamten hätten einerbarm l'chcsGeha lt. Gegen ... i***gcgangerL Ich wieö darauf hin, daß

1907 weil hinter dem zurückgeblieben ..... - (Hortl

Ml)°W bähe" ^»-S/babt.nt maftnnVc bie eine Wohltat für alle ReichSbeamt.n ist, die bi§ 53olf mit 100 Millionen jährlich belastet, als .^barniliches Machwerk be­zeichnet wird. (Beifall.) Tas mutzte doch Eder Abgeordnete unterschreiben. .

Ein großer Schritt vorwärts ist getan.

Zu diel Beamte haben wir nicht, denn wenn der Verkehr fteipt sind Menschen nötig. Der Vorredner drehte sich ständig im Kreise Berum Einmal sagte er, die Anforderungen seien zu hoch, dann sagte er wieder, cS sei zu viel Personal vorhanden^; reI"t

sich das zusammen? Die Macht des Verkehrs geht uBeruns hin­weg. Sie zwingt uns, neue Kräfte anzustellen. Wir sind durch­aus Bereit, Arfoiten, die von UnterBcnmten auSgefuhrt werden können, auch diesen zu üBerlassen. Wenn die Karriere so schlecht ist, wie kommt es denn dann, daß wir ^'^.3u^asiungsgesuchen übersck"' tot werden, sogar von PostBeamten, die doch den BetrieB genau i.mnen? Tas müßten doch RaBenvater se,n, dw ihre SUnder in eine Karriere Bringen wollen, die _??Seblich so schlecht ist. Tas alauBt ihnen doch kein Menich. Die Verhältnisse rn anderen Landern kennt Herr Struve anscheinend nich Wenn wir an die letzten Vorkommnisse in Frankreich denken, so können wir doch nur sagen: der Herr Bewahre uns vor solchen schonen Einrichtunnen. Nun ist in den Postverordnungen Bestimmt wor­den, daß fort Beamten scde feindliche Parteinahme gegen dic Verwaltung untersagt sei. Ter Pleonasmus "se^dl'ch rst nun weggesallen. Tas findet Herr Struve unerhört. Du lieber Gott,

den Unterbeamten bloß

Sand in die Augen streuen und sich als ihre Retter hinstellen. Wir können nicht WfcDtt t te allgemeine Erhöhung der Gehälter der unteren Beamten vor­nehmen. Die übrigen Kreise der Bevölkerung würden sich da­gegen empören. Tic Resa'-ution dec Fortschrittspartei unter- stutzen wir nach Kräften. Die Postbeamienfowegung muß wieder in ruhige Bahnen gelenkt werden. Trotz der Verhetzung der Sozialdemokraten wird das gute Verhältnis zwischen der Be­amtenschaft und der Verwaltung fortbauern.

übg. Brüh« (Refp.) vertritt vor leerem Hause die Wünsche der mittleren und unteren Beamten

Abg. Zubeil (Soz.) i

Ich muß olle Kamellen vortragen: Die schlechte Stellung und Behandlung der Unterfoamten. Die oberen Be- amten sind nicht belastet, die unteren überlastet. Der Redner spricht in diesem Sinne über die neue Dienstanweisung für die Unterfoamten. Die Hoffnungen dcr Unterfoamten sind in keiner Weise in Erfüllung gegangen, dank der Sparsarnkeitsaktion.

Der Redner Düngt Beschwerden verschiedener Postbeamten­kategorien vor. Er erzählt einen Fall, in dem sich der GcsckstiftS- füstrcr eines gewerkschaftlichen DerbandcS telegraphisch wegen des Ausbleibens eines Pakets erkundigte, in dem Plakate zu einer sozialdemokratischen Versammlung enthalten waren. DicscS Telegramm wurde von der Post unter Verletzung des Postgeheim­nisses geöffnet, unb ba man einen hochverräterischen Inhalt ver­mutete, ber Polizei übergeben. Wie stellt sich ber Staatssekretär zu diesem Verbrechen, das von seinen Beamten begangen wurde? (Unruhe rechts.) Die Rechte schert sich den Teufel um die Unterfoamten. (Lebhafter Widerspruch und große Unruhe

Reichssckiotzsekretär Wcrmntb:

Wir haben die Besoldungsfragen dem Etat entzogen und in ein Gesetz zusammengefaßt, um dadurch die Gesamtregulicrung forfoizuführen und besondere Bestrebungen zugunsten einzelner Klassen hintanzuhalten. Die v'.rbündeten Regierungen halten durchaus an diesem Standpunkt fest, und ich bedaure es, daß ent­gegenstehende Bestrebungen jetzt wieder im Hause zur Geltung kommen. Die W'insche nach neuen Gehaltserhöhungen bienen Weber bem Interesse ber Beamtenschaft» noch dem Interesse ber übrigen Bevölkerung. Fangen wir einmal an, die Besoldungc- frage wieder aufzurollen, so ist e3 ganz unmöglich, sie irgendwo zu lokalisieren. Ter Wette f e r auf der ganzen Linic wird wieder entfesselt werden, auch dort, wo die Beamten mit der Regelung ganz z^s.ieden waren. Denn wenn die Beamten sehen, daß eine nahestehend- Grupp- aufgebcsscrt wird, so ist es ganz natürlich und berechtigt, daß He ebenfalls weitere Forde­rungen stellen. Es wäre auch unrecht gegenüber den Bundc-s-

bitten dringend, die Zahl der etatSmäßigen Stellungen zu vec- mehren. Wir wären dankbar für eine klare Mitteilung des Staatssekretär», welches Ziel er bei der Neuregelung der hohercu und mittleren Beamtenlausbahn verfolgt. Tie Zulagen für die Oberpostassistenten lisßcn sich ohne Erschütterung des Etats fo- willigen. Es muß hier festgestellt werden, daß bei der BesoldungS- Vorlage in der Dritten Lesung die Nalionalliforalen genau so wie die Rechte unb da» Zentrum mit Rücksicht auf daS ganz enischiebene Unannehmbar ber Regierung umgefaHen sinb. Des- halb war ber Angriff bcS Abg. Slresemann auf die Rechte ganz unangebracht. Die sozialdemokratische Resolution ist, das wissen die Antragsteller ganz genau, undurchsührbar. Sie wollen aber

Dir f'tnmen ber Resolution zu, die auf eine Besserung der Sage Der Postbeamten abzielen. Bedauerlich ist eS, daß die Post- beamten in den Cftmatlen meisten» die Sprache der Bevölkerung ' ~ > auf den Auö-

Herr Dr. Strefemann sollte so ganz u n q u a I i f i -- zierbare Angriffe, wie er sie gestern hier vorgebracht hat, unterlassen und lieber vor ber eigenen Tür kehren. T,c Zulage bet Postbeamten im Osten ist n.i- eine Entschädigung sur bie Mehrarbeit, die ihnen ausgebürdct wird, und keine politische Zulage. Aber es .oexe an der Zeit, hier endlich Wandel zu schassen, damit Ruhe eintritt. Der Redner tritt für Pensions- kassen für die Bei der Post- und TelegraphenarBeiten Beschäftigten Oka inten ein. .

2T6n. Tr. Struve (Vp.):

In weilen Steifen dcr UnterBeanitcn herrscht ernst­liche Not. Unsere Resolution spricht aBsichtlich von unbeabsichtig­ten Härten der Besoldungsordnung. Man kann die Beamten zufrieden machen, Beweis die Landbricfträger, die diesmal nicht petitioniert haben. In der Desoldungsaufbcsserung und dem WohnungSgcldzuschuß sind die Unterfoamten zumeist sehr schlecht weggckommen. Gerade in den teuren großen Städten sind die nicht etatsmäßig angestevten Beamten verhältnismäßig am zahl- reichsten. Tie Aeußeruna dcs Staatssekretärs, der Verband der Postunterbeamt-n sei selber Schuld, daß er nicht mehr erreicht habe, ist sehr unglücklich und könnte das Gegenteil von dem er­zielen, was er beabsichtigt. In ärztlichen Kreisen herrscht große Mißstimmung bariiber, daß die Postverwaltung nur die Atteste ihrer Vertrauensärzte anerkennt, nicht die dcr Acrztc, die das Verlraucn der Beamten genießen. Ter Staatssekretär wurde ja sicher was für die Aufbesserung seiner Beamten tun, aber dcr Schatzsekrctär erlaubt es ihm ja nicht, der hält auch die letzten hunderttausend Mark von den Ueberichüssen fest.

Tie oberen Postbeamten müssen lange warten, und die De- förderungsverhältnisse der mittleren Beamten sind so schlecht, tote in keiner anderen Staatsverwaltung. Sobald sie etatsmäßig an- gestellt sind, werden sie überhaupt nicht mehr befördert, ihr ganzes Leben lang bleiben sie Assistenten. Noch schlechter sind die Ober­postassistenten daran, für sie sollte man jedenfalls noch vor der neuen Besoldungsreform sorgen. Im vorigen Jahre hielt das Zentrum 3600 Mark Gehalt nach 21 Jahren für berechtigt, jetzt, wo es nicht mehr Oppositionspartei ist, will es ihnen das nicht einmal nach 24 Jahren in Form einer persönlichen Zulage ge- währen; jetzt ist es Regierungspartei! Hat doch der Redner des Zentrums in der Biidgetkommission erklärt, die Beamten petitionierten ins Blaue hinein. Petitionen über Petitionen, weil die Fühlung ber Spitze ber Verwaltung mit der Beamten­schaft fehlt: daher muß der Reichstag die ganze Arbeit machen. Nach dcm Muster von Tänemark, England, Frankreich, Oester­reich sollte eine Kommission eingerichtet werden aus Vertretern ber Verwaltung und der Beamten, bie bicse Sachen erledigt. Tic neue Dienstordnung verbietet den Organisationen die Stellungnahmc pepen bie Verwaltung. Ja, wie denkt sich der Staatssekretär die politische Betätigung der Beamten?

Sic'.atssekretär des Retchsposcamts Kraetkc:

Herr Struve stellt cs so dar. als ob wir an Fettsucht litten. Wenn cs nach ihm gegangen wäre, bann litten wir an Krebs. Seine Ausführungen erinnerten mich lebhaft an gewisse Artikel in bev Fachpresse, in denen genau dasselbe gesagt wurde. Ich

Nr. 59 Drittes Blatt 161. Jahrgang *

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General-Anzeiger für Gberhefjen