Ausgabe 
11.5.1911 Erstes Blatt
 
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Aber die Fakultätstnmung nötigt, scheint es, trotz aller prin- Ez'ipiellen Freiheit, praktisch zum Studium in Gießen. Auf eine Freigabe der Prüfung beim Eintritt in das Predigerseminar, d. h. tatsächlich aus eine Umgehung Gießens, geht die Tendenz der Eingabe hinaus. Wir begrüßen es, daß an der Stelle der Eingabe Seite 4 > nicht von Gewissensbedent'en die Rede ist, .nurmißlich auch für den tüchtigsten Studenten" wird es genannt, nach auswärtigem Studium bei uns die Prüfung zu bestehen. Darauf kommen wir zurück. Zunächst aber müssen wir an den Motiven sesthalten, die in den Fahren 1896 und 1908 denselben Antrag in allen Instanzen Ministerium, Oberkonsistorium, Landessünode zur Ablehnung brachten. Erstlich ist es ein unvvllzichbarn Gedanke, unseren! Hessenlande die Unterhaltung' einer theologischen Fakultät zuzumuten, der ment die Unterweisung «und Prüfung der künftigen Diener der Landeskirche abnimmt. Denn die fatultativc Zulassung einer auswärtigen Fakultät als Priifungskommission macht sofort die Prüfung im eigenen Lande zu einer in gleicher Weise fakultativen Einrichtung. Es kann hier leine Grenze geben. Tie theologische Fakultät der Landes-- 'universität wird entrechtet und das in einer Zeit, in der für die 'kleinen und mittleren Hochschulen der Kumpf nm die Existenz aufs Aeußerste erschwert erscheint. Zweitens gibt es neben her Gießener keine Prüfungskommission Deutschlands, die auf unsere hessischen Ordnungen eingerichtet wäre. Keine deutsche Landes­kirche außer unserer hessischen kennt den obligatorischen Besuch eines Preöigerseininars, in leincr darum sind der Studiengang auf der Universität und die erste Prüfung jo wie bei uns auf theoretische Unterweisung beschränkt, von dem praktischen Lehrgang in Friedberg und der zweiten Prüsung in Darmstadt gänzlich ge­schieden. Diese Ordnung steht einzig da in Deutschland. Wir halten dafür, daß sie ein Werk hoher Weisheit und glücklichster Organisationsgabe ist. Man rüttelt an bewährten Ordnungen nur, wenn man etwas an ihnen schadhast findet. Hier will man Iie durchbrechen, weil man mit der Richtung derjenigen unzu- rieden ist, die sie zur Zeit vertreten. Aber die Ordnungen dauern, 4e Menschen vergehen. Wird man sich nicht vielleicht vergeblich nach jenen zurücksehnen, wenn diese sich werden geändert haben? Endlich drittens: Wer soll die Entscheidung treffen, wo ein Kandidat sich zur Prüfung melden solj: in Gießen oder aus­wärts? Tie Gesuche um Zulassung zur Prüfung gehen von unseren Kandidaten aus. Sic also werden durch ihr Gesuch sich alsliberal" oderpositiv" bekennen, und sich damit selbst zu Richtungsgcistlichen stempeln. Sie werden das tun in einem Lebensalter, dem wir weder die Reife des Urteils noch die Festigkeit der Gesinnung zusprecheit Tonnen, über die eigene künftige Richtung zu entscheiden. Und sie werden es doch nicht aus eigener Ge- wissensentscheidimg tun, sondern unter einem Gewissenszwang, den die Väter ihnen auserlegcn werden. Wir könnten eine Landes­kirche nicht beneiden, die ihre Söhne dazu verführen läßt.

Die Beleuchtung der Folgen, die der Landeskirche daraus un­fehlbar erwachsen würden, glauben wir dem Großherzoglichen Oberkonsistorium überladen zu müssen. Es würde den Bereich unserer Kompetenz überschreiten.

Aber mißlich, sagte die Eingabe, bleibt die Prüfung vor einem Professor anderer Richtung, dessen Lehr- und Denkweise dem Kandidaten unbekannt geblieben ist. Wir nehmen an, daß die Fälle gänzlicher Uubekanntheit doch nur seltene sein würden. Hat der Kandidat überhaupt nur mit moderner Theologie einerlei ob in Gießen oder anderwärts sich beschäftigt, so vermindert sich die Mißlichkeit bis zu einem erträglichen Grade. Wir haben vor der Landessünode von 1908 den statistischen Nachweis erbracht, daß int Durchschnitt diejenigen Kandidaten in unserer Prüsung zu einem besseren Ziel gelangen, höhere Noten erlangt haben, die einige Zeit auswärts studiert, als diejenigen, die ihre Studien­jahre nur in Gießen zugebracht haben. Dieser Nachweis ist un­widersprochen geblieben. Er müßte genügen, die Ueberzeugung zu begründen oder aufrecht zu erhalten, daß die Fakultät ihren Kandidaten gleichmäßig gerecht gegenübersteht, daß sie nach ihrem Wissen allein und nicht nach ihrer Richtung fragt, daß sie sich ernstlich müht, denjenigen, die ihr fremd gegenüberstehen, möglichst weit entgegen zu kommen. Tie Fakultät muß es vor Eurer Königlichen Hoheit schmerzlich beklagen, daß diese ihre Nachweise Tein Gehör gefunden zu haben scheinen, wiewohl entgegenstehende Tatsachen uns nicht zu Ohren gekommen sind. Diese Klage gilt nicht einer Beschuldigung unserer Richtung, sondern ver­steckten Vorwürfen gegen die Lauterkeit und Gerechtigkeit unserer Gesinnung. Wir ziehen aus ihr eine letzte Konsequenz. Wir bitten Eure Königliche Hoheit, verfügen zu wollen, daß durch einen Abgeordneten des Großherzoglichen Oberkonsistoriums das Ver­fahren bei der theologischen Prüfung in Gießen einer ein- oder mehrmaligen Revision unterzogen werde, damit festgestellt werde, ob zu den schweren Vorwürfen, die die Verfasser der Eingabe gegen uns erheben, Grund vorliegt oder nicht. Offen vor Eurer König­lichen Hoheit uni> vor deut Lande haben wir gehandelt und wollen wir ferner handeln. Werden Schäden bei uns aufgedeckt, uns nach- gewiesen, so sind wir bereit, sie abzustellen. Gegen unbegründete Angriffe auf Eurer Königlichen Hoheit wohlbedachte Landesord- niingen und unsere Gewissenhaftigkeit in ihrer Befolgung bitten mir um Eurer Königlichen Hoheit starken Schutz.

Gießen, den 25. März 1911.

Die theologische Fakultät der Landesuniverfität.

Im Auftrag:

(uuterz.) v. Eck.__________________________

Aus den Ausschüssen der hessischen Zweiten Kammer,

sd. Darmstadt, 10. Mai.

Der Finanzausschuß der Zweiten K am m e r trat heute unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Osann zusam­

sache lvird durch ein Denkmal bekannt, das Epaminondas darsteltt, der sich, wie die Inschriften beweisen, während der spartanischen Krise in Korfu aufhielt und hier als angesehener Mann in Sicherheit vor Sparta lebte und den Feldzugsplan gegen Laeedämon ausarbeitete, in dem auch die zum ©rege führende sogenannte schiefe Schtachtreihe ver­treten war. Er organisierte dann das thebänische Heer und besiegte Sparta'vollständig.

Das Museum wird ungefähr die Summe von 250 000 Mark kosten, eingerechnet der Arbeiten für die innere künst­lerische Ausgestaltung.

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Der zweite deutsche Vogelschutz tag findet in den Tagen vorn 11.13. Mai unter dem Ehrenschutz des Königs von Württemberg in St uttgart statt. Zur Teilnahme haben etngeladen die 5 stärlstett in Deutschland bestehenden Vogel­schutz-Vereinigungen: Ter Bund für Vogelschutz: der Deutsche Verein zum Schutze der Vogelwelt: der Internationale Frauen­bund für Vogelschutz: der Vogelschutzverein für das Königreich Bayern: der Vogelschutzverein für das Großher­zogtum Hessen. Von den Gegenitäitden der Verhandlung dürften für weitere Kreise besoitderes Interesse haben, die Vorträge über: Weinbau und Vogelschutz (Dr. Schwangart-Neu­stadt a. H.); Obstbau und Vogelschutz (Oekonomierat Lukas- Reutlingen): ferner die Referate über Damen mode und Vogelausrottung (Prof. Dr. Schillings) und über die Katze ns rage (Major z. D. Henriei). Der hessische Verein wtrd durch seine Vorstandsmitglieder, Oberfinanzrat Dr. Fuchs und Forstmeister Kullmann, auf dem Stuttgarter Vogelschutztag vertreten sein.

- Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- s eh a s t. Prof. Dr. Theobald Ziegler, der ausgezeichnete Lehrer der Philosophie und Pädagogik an der Universität Straßburg, bcabfid)ligt, wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, mit Ablans des Soinmersemeslerü von seinem Lehramt zurnckzutrelen. Ernst von P o s s a r t, der frühere Münchener Generalintendant, begebt am 11. Mai seinen 70. Geburtstag. Ter Professor der Zoologie an der Universität Bft eS l au, K u k e n t h a l, geht als A u S t a u s ch p r o f e s s o r an die Harvard-Universität in C a m b r i t> g c. In Göttingen ist der Ehirurg und Professor an der Umversität sGcheilnrat Braun im Alter von 64 Jahren an einem Lungenjchlag gestorben.

men, um über das G emei nd e steuer g es etz zu. be­raten. Im ganzen sind 16 teilweise recht wesentliche Diffe­renzpunkte mit der Ersten Kammer vorhanden. Man be­schloß zunächst bezüglich der Grundsteuer auf dem Grund­satz des Gemeinen Wertes festzuhalten. In beson­ders erheblichen Fällen könne nach dem Antrag Weder auf den Ertragswert zurückgegriffen werden. Der An­trag der Ersten Kammer, bei der ganzen landwirtschaft­lichen Grundsteuer den Ertragswert anzunehmen, wurde abgelehnt. Auch bei der Gewerbesteuer, der Warenhaus­und Filialsteuer soll bei dem Beschluß,den Umsatz gelten zu lassen", beharrt werden. Auch an der Deklarations- Pflicht soll entgegen der Ersten Kammer bei der Grund­steuer festgehalten werden. Hieraus wurde mit der Regte- rung hierüber beraten. Die Verhandlungen werden am Donnerstag früh fortgesetzt.

Der Sonderausschuß für die Vereinfachung im Staatshaushalt beriet heute unter Vorsitz des Staats­ministers Ewald. Es wurde besonders über die Einteilung der Oberförsterbezirke beraten. Die Verhandlungen zogen sich bis zum späten Abend hin.

Der Dritte Ausschuß der 2. Kammer befaßte sich heute unter dem Vorsitz des Abg. Breidenbach mit der Vorstellung der Steinbrucharbeiter in Aschoach, betr. Ausbeutung der dortigen Granitlager. Nachdem der Re- aierungsvertreter Geh. Oberforstrat Grünewald das Entgegenkommen der Regierung zugesagt hatte, wurde die Vorstellung für erledigt erklärt.

Die Ersatzwahlen des Abg. Köhler für Worms, Abg'. Fenchel für den vierten Wahlbezirk Oberhessen, wur­den nach Berichten des Abg. Pennrich, sowie die Wahl für den 9. Wahlbezirk Starkenburg, Dr. Box Heimer, nach Bericht des Abg. Eibach, für gültig erklärt.

Der Kaiser und der Prinzregent von Bayern.

München, 10. Mai. Der Kais er sandte aus Metz an den Prinzregenten folgendes Telegramm:

Bei der heute hier vor Mir stattgehabten großen! Truppenübung hatte Ich Gelegenheit, Deine Brigade im Gefecht und in der Parade zu sehen, und Ich bin erfreut, Dir von dem ganz ausgezeichneten Zustande Dainer Regimenter berichten zu können. Es würde Mir eine große Freude sein, wenn Du gnädigst Dich damit ein­verstanden erklären wolltest, daß Ich der neuen, im Aus­bau befindlichen Fe st e O r n y Deinen erlauchten Na­men verleihen dürfte. Für das Armeekorps und besonders Deine schöne Brigade würde es eine' große Ehre sein und große Begeisterung erwecken, sich unter dem Schutze derFeste Luitpold" zu fühlen.

Darauf sandte der P r i n z r e g e n t an den Kaiser irach Wiesbaden folgendes Antworttelegramm:

Es erfüllt Mich mit lebhafter Befriedigung, daß die bayerische Brigade in Metz auch in diesem Jahre vor Deinen Augen bei der gestrigen großen Truppen­übung sich im Gefecht und in der Parade bewährt hat. Deine hohe Anerkennung wird dieser Truppe ein beson­derer Ansporn sein, im Wettbewerb mit Deinen Regimen­tern in Metz allezeit das Beste zu leisten. Die Ehrung, die Du Mir dadurch erweist, daß die Feste Orny Meinen Namen tragen soll, nehme Ich mit großer Freude und herzlichem Danke an. Ick) teile die Ehre mit Meinen braven, unter dem Schutze oieser Feste stehenden Truppen. Möge die Feste Luitpold allezeit ein starker Schutz für des Reiches Grenzen sein und den Frieden bewahren helfen, dessen sich unser heißgeliebtes Vaterland heute seit vier Jahrzehnten erfreuen darf."

Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts und folgte um 1 Uhr einer Ein­ladung des Regierungspräsidenten v. Meister zur Früh­stückstafel.

Der Kaiser hörte heute noch den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts. Heute nachmittag machte der Kaiser mit den Herren der Umgebung eine Automobilfahrt mit anschließendem Spaziergang von der Platte bis zur Eisernen Hand.

Berlin, 10. Mai. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Der Reichskanzler begibt sich am Freitag zum Vortrag beim Kaiser nach Wies­baden und nimmt anschließend daran in Heidelberg an dem Jubiläumstag des Deutschen Handelstages teil.

Der Beginn der Festspiele.

Wiesbaden, 10. Mai. Auf Allerhöchsten Befehl be­gannen heute die diesjährigen Festvorstellungen unter musi­kalischer Leitung des Professors Mannstädt. Das Haus war, wie immer, mit Girlanden und duftenden Blüten geschmückt. Bon dem General-Intendanten Grasen Hülsen- Häseler und dem Intendanten v. Mutzenbecher geführt, erschien in der Hofloge der Kaiser, mit Hochrufen emp­fangen. Neben ihm nahmen die Generaladjutanten von Plessen und v. Scholl Platz. Gegeben wurde dieWeiße Dame" in Wiesbadener Neueinrichtung. Die Titelrolle sang Frau Müller-Weiß, den George Brown Herr Jadlowker, der nach deiw wundervollen Vortrag der ArieKomm, o holde Dame" starken Beifall bei offener Szene hatte. Nachdem der Kaiser ins Schloß zurückgekehrt war, brachten ihm die vereinigten Wiesbadener Männer­gesangvereine eine Serenade dar.

Frankreich und Spanien in Marokko.

Paris, 10. Mai. Der Agence Havas wird aus Al- kassar unter dem 8. ds. Mts. gemeldet: Hauptmann Mo­re aux ist am 7. Mai mit zwei Geschützen nach Suk-el-Arba abgegangen, um dort eine Kamelreiterabteilung zu bilden. Bet Su ar vereinigten sich zwei Stämme und sandten Send­boten an andere Stämme mit der Aufforderung, sich mit ihnen zu einem Aufstand zu verbinden. Der Stamm der Rmaila, her sich gegen Raisuli erhob, wurde auf dessen Befehl in der Nacht vom 3. Mai von dem Käid Bendahan überfallen; 500 Rinder und 1800 Hämmel wurden nach Alkassar entführt. Die Rmaila erhoben bei den Behörden von Rabat Einspruch. Am 7. Mai überschritt Oberst Gouraud mit 1600 Mann Kolonialtruppen den Bu Re- greg, um sich nach El-Knitra zu begeben.

Madrid, 10. Mai. In einer Unterredung über die zwischen den spanischen und den französischen Zei­tungen bezüglich Marokkos entstandene Preßpolemik erklärte der Minister des Aeußern, daß seit Be­ginn der marokkanischen Krise die Staatskanzleien von Paris und Madrid in gegenseitigem Gedankenaustausch ständen, um jede Meinungsverschiedenheit aus dem Wege zu räumen. Ter Minister drückte die Hoffnung aus, daß die Aufregung, die durch das hohe Interesse, das die Frage in den beiden Ländern erwecke, erklärlich gemacht würde, und ebenso -ie Leichtfertigteit ein Ende nähme, mit der man zuweilen ohne böse Absicht Gerüchte und Lärmnach- | richten aufgegriffen hätte, die den anderen Teil verletzten,

und daß man weiter zu dem normalen Zustand der Herz, lichkeit und innigen Freundschaft, die die beiden Völker verbänden, zurückkehren möge.

Aus Hefte«.

Eine dringen.de Anfrage, betr. die Zünd­holz i n d u strie, haben die Abgg. Dr. O s a n n und Lang in der hessischen Zweiten Kämmer eingebracht:

Die Holzdrahtfabrik Rexroth-Lynen in Michelstadt hat in den letzten Tagen wegen mangelnden Absatzes der Hilfsprodukte zur Zündholzindustrie 73 Arbeiter entlassen müssen. Wir fragen bei Großherzoglicher Regierung an, ob und in welcher Weise sie Sem hierdurch entstandenen Notstände der Arbeiter abhelfen will.

Deutsches Reich.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Für den Postscheckverkehr in dem R eich spo st gebiet zeitigte der Monat April das erfreuliche Ergebnis, daß auf den Postscheckkonten erstmalig an Gut- und Lastschriften je über eine Milliarde Mark gebucht worden sinS und zwar 1023 Millionen Gutschriften und 1006 Millionen Last­schriften. Auch die Zahl der Kontoinhaber nahm im April allein um über 1000 zu, so daß sie jetzt auf über 55 000 gestiegen ist.

Ausland.

Der rU s si s ch e G e r i ch t s r e f o rm a u s s chn ß stimmte der Verschärfung der Strafbestimmungen gegen die Juden zu, die sich der Wehrpflicht entziehen. Der Ausschuß beschloß ferner, die Bestimmung aufzuheben, nach der Anverwandte solcher Juden 300 Rubel zu zablen verpflichtet sind.

Der russische Iu stizminister brachte in der Reiä>s- buma einen Gesetzentwurf ein, nach welchem diejenigen, welche im Staats- oder Gemeindedienst Stehende durch Geld und Geschenke oder auf andere Weise bestechen, bestraft werden.

Ein Erlaß der chinesischen Regierung setzt die Eröff­nung des Dorp arlaments auf den 23. Oktober 1911 an

Heer und Flotte.

T e g c r n f e z, 10. Mai. PrinzOttovonSayn-Witt- g e n ft e i n, preußischer Generalleutnant ä la suite der Armee und General ä la suite des Großherzogs von Sachsen, ist im 69. Lebensjahre gestorben.

Aus Stafct und Cans.

Gießen, 11. Mai 1911.

Tageskalender für Donnerstag, 11. Mai. 93erein für Naturheilknnde: Oeffentl. Vortrag von Oberst a. D. Spohr: Das Verhältnis der Naturheilkunde zur Medizin. Abends 81/. Uhr int Hotel Schütz

* * In Audienz empfangen wurde vom Groß­herzog am Mittwoch u. a. Professor Schlesinger von Gießen.

** Erledigte Lehr er stellen. Eine mit einem evana. Lehrer zu besetzende Stelle an der Gemeindeschule zu EberstaSt (Kr. Darmstadt). Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nie- Ser-Stoll. Mit der Stelle ist Organisten- unb Lektor­dienst verbunden. Dem Grafen v. Schlitz genannt v. Goch steht das Präsentationsrecht zu.

* * 91 uS dem 18. Armeekorps. Mit Wahrnehmung einer offenen Assistenzarztstelle beauftragt Dr. Ncinecg, Unterarzt beim 2. Großh. Hess. Feld-Art.-Regt. Nr. 61.

Verhaftet wurde gestern abend ein fremder taub­stummer Mensch, der mit Heftpflaster hausierte und bei dieser Gelegenheit aus einem Ladengeschäft einen neuen Herrenrock entwendete. Der Diebstahl war gleich be­merkt und zur Anzeige gebracht worden: ber Täter wurde noch am Bahnhofe, als er int Begriffe stand, abzureisen, be­troffen unb verhaftet. Der gestohlene Rock fand 'sich noch bei ihm vor.

Landkreis Gießen.

»-Linden st ruth, 10. Mai. In der Nahe unseres DorseS hoben in der vorletzten Nacht junge unreife Burschen auf eine Länge von zwei Metern K l o p f ft c i n c und eine Eisc nplaftte aut die Schienen des Gleises Gießett-Fulda aufgelegt. Die Hindernisse wurden voit dem revidierenden Bahnwärter recht- zütigt beseitigt, so daß ein Unglück vermieden wurde. Wie man hört, ist die Behörde den verbrecherischen Buben, die auch^im Ort Unfug getrieben haben, auf der Spur.

Kreis Schotten.

st. Schotten, 10. Mai. Heute wurde vom Kreis- fomitee für die Veranstaltung des Blumentags im SlrciS- amtSgebäude die Zählung der eingegangenen Gelder vor- genommen unb ber Betrag von 2 2 2 6,7 9 Mark festgestellt. Das Ergebnis von NnppertSburg ist noch nicht bekannt, mit diesem werden etwa 2250 Mark im Kreise Schotten zusammen- fonunen. In ber Stadt Schotten gingen allein 602,22 Mark ein. Heute nachmittag 6 Uhr ging hier ein Gewitter mit furchtbarem Regen unb auch teilweise Hagel nieber, wo­durch viele Blüten vernichtet wurden.

X Gedern, 10. Mai. Nächsten Freitag den 12. d. M. trifft die fürstliche Familie mit Gefolge hier ein.

Kreis Friedberg.

X Friedberg, 10. Mai. Am Samstag fand ander Obstbcruschnle ein Ku r s u s fürBaum -unb Straßen­wärter seinen Abschluß. Er war von 28 Leuten aus Ober­hessen und Starkenburg besucht. Jeder erhielt von der Landwirtschaftskammer einen Zuschuß von 60 Ml. Der Repetitionskursus für Baumwärter schließt nächsten Sams­tag durch eine Prüfung. Zum erstenmal wird diese "Prü­fung im Beisein eines Regierungsvertreters, eines Mit­gliedes der Landwirtschaststammer und des Vertreters des oberbessischen Obstbauvereins abgehalten; seither hielt der Obstoauverein allein die Prüfungen ab. Von jetzt an gibt cs also staatlich geprüfte Baumwärter. Die Prüflinge sind aus ganz Hessen. Nächsten Montag beginnt Ser sogen. Li ebb ab er kur sus für Geistliche, Lehrer und Freunde des Obstbaues; es haben sich 10 Herren gemeldet.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach, 10. Mai. Der Bauausschuß beschäf­tigte sich mit dem Bau eines neuen Stadthauses und beschloß, die städtische Hochbanverwaltung mit der Vor­bereitung eines Preisausschreibens zu beauftragen für den Entwurf eines Stadthausbaues, bezw. einer Gebäudegruppe auf dem Grundstück des jetzigen Stadthauses. DaS Auto­mobil deS Fabrikanten Albert Kopp von hier stieß gestern nachmittag auf dec Fahrt nach Frankfurt in der Nähe der Mühlbergfchule mit zwei sich begegnenden Trambahn- wagen zusammen und geriet in Brand. Die Jnsaspn, Fräulein Kopp, sowie der Chauffeur konnten sich rcchtzeitig retten. Das Automobil wurde vollständig vernichtet, die