Erstes Blatt
M Jahrgang
General-Anzeiger für Gberyeffen
Nr. 110 Erstes Blatt M Jahrgang Donnerstag, 11- Mai M
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-ZLZL" General-Anzeiger für Oberhessen LK8L
■ nimmt« ^tationsbrud «nd Verlag dervrühl'schen Univ.'vuch- und Steinöruderei H. Lange. Nevaktion, LxpeöMon und Drudcrei: Schulstrahe 7. Laich-: E-HeßElür den ti; vormittags"^Uhr. vüdingen: Fernsprecher Nr. 50 Seschäftzstelle Bahnhofstrasse ;62. Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
tragen hat.
Wenn wir zuerst her Geistlichen der Landeskircke gedenken, die ans der 3chulunn der Fakultät hcrvorgegangen iinb.Jo müssen
siegreiche Waffen zu erhalten. Als der Krieg zuungunsten CorcnraS, da» durch Bürgerkriege arg mitgenommen wurde, beendet war, vernachlässigten die Corcyräer den undankbaren 0oit und seinen schönen Altar und wandten sich, teils au» Resignation, teil» au» der Erkenntnis, daß nur ein großes Volk stark und mächtig sein kann, den Göttern und Göttinnen der Liebe und der Nahrung hin. Unzählige Denkmäler erstanden der Frau Venus und ihrem Lohn Amor. Da die drei obersten Götter als Brüder cm erfreuliches Zu sannnenaehörigkeitsgefühl besaßen, halten die Eorcyraer auch aus Lee als Handelsvvlk wenig Glück Syrakus rir, beit handel im Ionischen und Adriatischen Meere volllom men an sich und verdrängte U'orcpra mehr und mehr Auch einige Flotten znußten an den Unmut de» Meeresgotte» glauben. In dieser höchsten ")lot wandten sich die Corcyräcr an die Brattt des Meeresgottes, Pallas Athene, und baten diese um ihre Vermittlung zur Versöhnung mit den Mitgliedern des alten Götterhauses. Ueberall entstanden nun Denkmäler und Altäre zum Ruhm der Göttin dec Weisheit Vorsichtshalber wurde auch Hephaistos mehr beachtet. Lein Altar erhielt neue Verzierungen. Doch im Jahre 229 wurde Corcnra abermals von Syrakus mit Krieg bedroht, der für die Insel unglücklich verlief. Um den Tyrannen von Syrakus, Agat ho cles, der nun als Beherrscher Korfus auftrat,' günstig zu erhalten, wurde fein Brustbild in Lebens große nebst schöner Widmung auf dem Altar des Hephaistos eingemeißell Agatbvcles trat jedoch Eorcyra au Pyrrhus von Epirus ab, und das vielgeprüfte Lpferinstrumenr uiußle sich auch noch den epirensischen Herrscher in feinen Lew ein- nieißeln lassen. Der Wetten Lauf har ihn nun schlummern lassen, um ihn im Jahre 1911 zu neuem Leben und Leiden zu erwecken. .. . _ . .
Bald wird ihn der Zettgeno,,e im Korfu Muieum cr- &lidcn. Da» Museum, da» voraussichtlich Bodo Ebhardt erbauen wird, soll als Königliches Mufemn der Vcrwalning dieser Kunsttustitute unter Leitung von Geh Wilhelm u Bode bcigcgeven werden Tie Bauart wird, denr Zweck entsprechend, in antik-griechischer Stilarr erfolgen. In
erkennen würden, als das der lauteren und, sei es, der bitteren Wahrheit Allerdings man does not live by knowledpre but by faith! Dieser Satz selbst ist doch wieder ein Ergebnis der Wisien idiaft. Er kann nidn ausgesprochen werden, ohne das; die Namen Kant und Schleiermacher, vorlnle und Emerson verschwiegen in iDm inirflängen. lind nur meinen versichern zu dürfen, daß es keinen unter uns gibt, der diese Wahrheit seinen oändern nicht immer wieder ins Gedäätlnis mriufriefe. Dennoch, wir sind her men, eben nicht dem Leben als solchem, dem hnhhdwn Leben in Verwaltung und Praxis, — wir sind berufen, der 2 heonr des Lebens, der Wissenschaft von Religion und Christentum zu dienen. Dieier Ausgabe, zu der wir verpflichtet sind, fölincn wir nicht gerecht werden, wenn wir nicht den rückhaltlosen Mut der Wahrheit haben dürfen, sondern nach kirchlichen Sorgen oder gar nach Partei wünschen lnnüberlausäien oder säiielcn sollen. Daraus ergeben jid) notwendig Gegensätze und Reibungen., Eine Wissenschaft, wie , sie den Verfassern der Eingabe genehm wäre, gibt es zurzeit aui vrotestantisdien Mnthebcrii iiberhaupt nicht. Sic reden von einer „liefen Mluit", die in Gießen die Wissenschaft von den Bedüri nissen des vraktischen Annes trennt Aber sie versdnveigen natürlich unbewußt , daß auch die Theologie, bereit Vertreter sie demonstrativ uns gegenüber feiern, das nicht bietet, nicht bieten kann, was einer von niobernen Fragestelluiigen unberührten Gemeindeorthodorie allein wirklich genügen würde. Denn und hier allerdings tut sich eine linüberbrückbare Must aus, aber eine, die alle heutige Theologie von der des 17. Jahrhunderts trennt — es gibt zurzeit keinen Theologen mehr auf bcutidten Maihebcrn, der ernstlich und ivdhrhaft die Lehre von bei wörr lidien Inspiration der Heiligen Schrift verträte. Ganz besonders ■ult das and) von den gefeierten Dogmatikern „modern-positiver" Theologie: D Sccberg Berlin und I). Jhinels Leipzig. dem Augenblick aber, wo der Hinfall dieser sicheren Grundlage alt protestantischer Dogmatik ehrlich anerkaniit wird, güt es nur ein Mehr oder Minder der Abweichung von aller Theologie oder Gemeindeorthodori. Wirklich ahgciuidicn iind sie alle. Da ist keiner, der an diesem einzig-klaren Maßstab nod) bestehen könnte, auch nicht einer!
Das Mehr oder Minder also schafit die schmerzen, an denen die Verfasser -der Eingabe zu tragen haben. Wir kennen selbst diese Schmerzen, die der unvermeidliche Bruch mit dem Alten bereitet Leben und vollends Leben der Wahrheit entsteht nirgends ohne diese Wchen der Geburt. Aber wie dann lallten wir baian denken, lemandenl zu wehren, aus anberen Wegen als den iins- rigen, dieser Schmerzen Herr zu werden ? Wir erkennen die rela itocn Gegensätze an. Also sind ivir uns and) wie die Verfasser der Eingabe verlangen -- der Pflicht bewußt, den in Gießen Studierenden „die Möglichkeit zu verichafsen, nach dem Glundiap audiatur et altera pars auch Vertreter der >sogenannten> positiven Theologie zu Horen". Welche ^lubienorbnung Deutschlands gilbe dazu größere Freiheit? Wir fordern fedzs Semester Univecsitals ftubicn, darunter kein einziges Zwangssemester m Gießen. SoT denn diese Ta'iache nnbeschränkter Studieiisreiheit gar nichts geb' len? Gar nichts, datz von ihr ausgiebiger ttlebrauch gemachi wird? In den letzten zehn Semestern haben von 110 Kandidaten 43 nur m Gießen, 67 auch auswärts studiert. Wcun das Recht gut auswärtiges Studium nicht beschränkt, jeder leiseste Truck aus die Studierenden in dieser Beziehung vermieden wird, wie will man die Behauptung ausrecht erhalten, daß die Gießener theologische Fakultät die Beeinslufsung durch andersartige Umw logische Richtungen unmöglich mariic' Abi r allerdings sind wilder Meinung, daß eilte Kenntnisnahme moderner Theologie für einen Pfarrer der Gegenwart ein unumgänglickics Erfordernis ist, daß es darum für hessische Landeskinder kein Schaden sein wird, wenn nicht Zwang, sondern freier Wille sie für einen Teil ihrer Studienzeit zu uns nad) Gießen führt Nur dann wird das audiatur et altera pars nicht einseitig g c g c n u n 0 in Anwendung
Di Verfasser der Eingabe reden aber nicht mit Recht von einem Preisgeben ,,von Vergünstigungen wie Stipendien und dergl " im Falle auswärtigen Studiums. Es werden von dem Groß herzoglichen Lberkonsistoriuin und von dem Vorstände Der Lntherstiflung namhafte Stipendien, auch und) auswärts verliehen, und wir haben von bedeutenden Unterstützungen vernommen, die ohne unser Wissen gerat. nur auswärts Studierenden verlieben werden, io daß dief unter Umständen pekuniär befi werden als unsere Gießener. So wenig hält man in diesen althessischen streifen auf eine Förderung der Landesuniversität und ihrer Interessen. _____________________________
an. Ter Pfarrer Jean Gunvt bat der Fakultät in bösen und in guten Tagen Treue gehalten. Er ist für sie und ihreIWissen schäft eingetreten, wann immer es not tat. Aber die Fakultät hat dem Verstorbenen ihren Doktor verliehen ausdrücklich um inner kirchlichen Wirksamkeit willen. Tie Landgemeinden um Mainz stehen in glücklicher.Blüte: er bat sie geschaffen. Tie Iohannesgemeinde in Darmstadt ist von ihm gegründet. Er ift in der Geschichte der letzten zwanzig Jahre des hessischen Gustav Adolf-Vereins an erster Stelle wirksam gewesen. Er hat einen umfassenden Einfluß weit über Parteikreise hinaus auf die Geist- lichkeit des Landes geübt. Seines Sinnes find darum auch heute viele, bie, wie er, kirchlich aiirbaucnbe Wirksamkeit und freie wissenschaftliche Stellung verbinden wollen. Er bedeutet ein Programm, wenn wir es sagen dürfen, ein Ideal für Hessische. Geistliche. Und eben, weil er kein Einzelner nur war, sondern eine Persönlichkeit, die ihre Gedanken und Lebensziele tief in die Gesinnung vieler grub, darum bürgt uns sein Name dafür, daß es, um nidit zu sagen ein schweres Unrecht, so jedenfalls eine unbedachte Uebereilung ist, der „liberalen Richtung" der Hessischen Geistlichkeit die im besten Sinne positiv-anfbaucnde Wirksamkeit abzuivrechen.
Aber wir selbst! ilaint und darf von den gegenwärtigen Mitgliedern der Fakultät behauptet werden, daß sie dem kirchlichen Leben fentheben?, baß destruktive Tendenzen oder aud) nur Gleich gültigkeit gegen die evangelische Gemeinde sie beseelen? Wir müssen einzelnes aufzäblen. Tie Herren D. ttrüger, ö. Bälden sperger, D. Eck sind Mitglieder der .stirchengemeinde Benretung in Gießen. Es bat niemals verlautet, daß fic_ in dieser Stellung oppositionelle Führer gewesen wären. D. Schian und l). Eck bienen, seit sie in Gießen sinb, aus freien Stücken der Gemeinde im Gottesdienst: sie predigen jährlich feder etwa zehnmal. Es ist uns niemals zu Ohren gekommen, daß unsere Predigtttltigkeu Anstoß erregt hätte Wohl aber büricn wir es mit Freuden ausivrechen, daß wir diese freie Tätigkeit nidit ganz ohne Erfolg geübt zu haben glauben. Naturgemäß fällt dem Vertreter der praktischen Theologie in her Fakultät der größte Anteil an praktifcher Wirksamkeit in der Landeskirche zu. I). Schian sitzt im Vorstand des Landesvereins und des Sberhessifchen Vereins für Innere Mission, er ist Vorstandsmitglied des Landesvereins des Evan gelischen Bundes und des Ausschusses iür die Evangelische Be wegung in Ccfterreid), er hat als Vortragender .1908 an einem Instruktionskursus für Innere Mission in Darmstadt tcilgcnom men, ui Stadt und Dorf hat er seine Sirart mannigfach evan gelischern Vereinsleben zur Verfügung gestellt. Er ist der Mitbegründer der Konferenz für evangelische Gemeiiidearbeit, die im nächsten Monat m Tarmstadt ihre zweite Tagung erleben will. Aber auch wir anderen, wenn auch in geringerem Maße, haben an dieser Arbeit unseren Teil. Wir sind in Gießen, Worin», Mainz wiederholt auf wichtigen Versammlungen des Evangeli scheu Bundes bei Gelegenheit der Aufregung über die Eanisius, die Borromäus Enzyklika, in Friedberg bei den Tagungen des Vereins. füi‘ Aenne re Mission i1!* betreten. Wie hab?" als die Pfarrer der Stadtgemeinde Darmstadt nnS riefen, uns sofort zur Abwehr der radikalen Thesen des Philosophen Arthur Drews zur Verfügung gestellt. Wir haben der Aufforderung derselben Stadtgeistlichkeit Folge geleistet und im vorigen Winter in tüm vorzüglich besuchten wiistnscka'tlichen Vorträgen über religiöse Fragen rückhaltlos, aber in positiv aufbaucndem Sinne uniere Meinung geäußert. — — Tas alles geschähe, wir wollen nicht sagen in der Absicht, aber doch mit dem Nebenerfolg „vorwiegend negativ kritischer" Wirkung * Es ist positiv kirchliche Wirksamkeit. Niemand beirr wagen, das in Abrede zu stellen. Warum wirb es verschwiegen? Warum vor dem Großherzoglichen ^Lber konfistoriuiii und vor Eurer königlichen Roheit selbst der ^dwin erweckt, als ob diese Tätigkeit der Fakultät für ein Gesamturteil über ihre Wirksamkeit gar nicht in Betracht käme? — Wir haben von uns selbst reden müssen. Tie Verantwortung dafür wird
dieses Museum werben alle weiteren Ausgrabungen nicht nur von Storni, sondern aus dem Bereiche aller jonischen Inseln untergebracht werden, wofür eine Abteilung: „Ionische .Eunsl" eingerichtet werden soll. Tie Aufstellung und Anordnung in den einzelnen Sälen erfolgt zeitgefchicht lich. Tu der Hauptbestandteil aller Ausgrabungen Werke vom Zeitalter des Peloponnesifchen Krieges enthalt, so wird diesen Arbeiten ganz besondere Leganisation gewidmet werden. Mit der Befördernng der einzelnen Kunstwerke wird bereits in allernächster Zett begonnen. Dieser dürfte nicht ohne große Sckstvierigkciien vor sich gehen, wenn man bedenkt, daß einzelne Ausgrabungsstücke die Mlcinigfeit von vier Metern im Umfang besitzen Da die Witterung einzelnen künstlerisch sehr wertvollen Arbeiten bereits ihre Spuren aufgedrückt Hal, so werden die meisten Bildwerte vor ihrer Aufstellung von den bekanntesten Bildhauern und Mosaitarbettern der Gegenwart mit jonischem Material an Crt und Stelle r e fta u r i e r t 1 werden.
Im ganzen sind bisher 173 Stücke ausgegraben worden, von denen 98 noch gut erhalten sind und nur kleinerer Aus" besserungen bedürfen, während die übrigen Kunstwerke teilweise durch sm eg oder elementare Ereignisse stark beschädigt find. Nur sehr wenige Arbeiten sind gänzlich unbrauchbar. Allerdings darunter einige sehr wertvolle Standbilder au» dem ,eht seltenen schwarzen jonischen Marmor.
Ta» schönste und zugleich tast unbeschädigte Denkmal altgriechischer .stunst ist ein R t e s e n st a n d b 11 d der Minerva, dessen einzelne Teile chsammengesetzt wurden. Tas Standbild stammt aus der Zeit des Anoeginns der ro mischen Weltherrschaft Bekanntlich reinigten die Römer nach'den Pyrrhustriegen die Insel Korfu von den illyrischen Seeräubern, dte da» Land öe,etzt hielten Ter rechte Arm der Pallas Athene halt eine scheinbar abgebrvck
die, Hach der Inschrift zu schließen, einem Standbild der römischen Zwiiinigsgotttn linerva angeböric und eine Huldigung auf die panisch-römische Freundschaft darstellt. Ta» Standbild ist ungefähr .7 Meter hoch.
Eine in der griechischen Geschichte wenig bekannte .Tat-
Vas Berliner ttorsu-Museum.
Pon Georg von Rosen.
Unter den Auspizien der .vohenzollernslagge sind auf der homerischen ISennra wichtige Steindokumente der großen altgriechisch ionischen Kultur geftmden worden, oie auf Wunsch des Deutschen Kaisers in einem neu zu errichtenden Museum in Berlin untergebracht «erden sollen. Ein würdige» Gegenstück zum Perganion-Museum'
Welcher „SDOincrift" gedenkt bei dieser gewitz allgemeine .streife interessierenden 'Jiacbriait nicht an die griechischen Greueltaten vor Troja, die als strafe für den irevelhatten Raub einer freien Griechin an den armen Trosancftn ver- übt wurden: und man spürt den ^auch der Versöhnung, wenn Troja und >?e(la», Zieger und Besiegte, nnt ihren großartigen Kunstschätzen, als Geschenke für die 'Aachwelt, aemeiiisam bei späten Epigoiten Bewunderung vor den Werken des Altertums beivorrufen. .
Durch die Ausgrabungen auf der Insel st o r s tt wird bewiesen, das; die sozialen und politischen Zustande eines Lande» sehr wohl großen Einfluß auf die Entwicklung der stunst au'iiben können. Tie Linie im Bilderwerk wechielt ständig. Bald ist e» die zarte Form athenischer stunst, sehr bald weicht diese der unbeholfen plumpen Linie der storinther. Man erkennt an den mächtigen Statuen einiger Freiheitshelden die, allerdings nur zeitweise, Unabhängigkeit vom Festland, um bald wieder an .Vaud mehrerer Denkmäler und Standbilder des Periander storinlhs Ein flutz zu fühlen. Ein Altar des Hephaistos, der nnt keinen vielen Schnörkeln und Verzierungen in allen ^Harten nicht gerade schön wirkt, scheint durch verichiedeue niltzliche Umstände viele Jahre bis zu seiner Fertigstellung gebraucht zu haben Desto einwandfreier läßt er die politischen Wirren dieser Jahre erkennen. Zu Ausbruch de» pelopon- uesis.hen Krieges — dessen indirekte Ursache die ^n)el M^rpi durch ihren Streit mir Korinth war wurde, wie Aufzeichnungen besagen, dein Gotte Hephaistos ein großer Altar erbaut, um durch seine Hilfe, als Gott der Waften,chmlede,
Eingabe -er Theologischen $atultät zu Gießen an Seine königliche Hoheit den Grohherzog.
Tic Theologische Fataltäl zu Gießen übersendet der „Darmst. $:g.", dem Organ bet Hess. Regierung, nachstehende Eingabe zum 'Jfbbrud mit dem Bemerken, daß sie aus die Peröi'entlidning Gewidu legen müsse, nachdem die Eingabe der stirchlid> positiven Vereinigung im Großherzogtum Hessen an da» Großherzogliche Obertonsistcrium, am die lic sich bezieht, ber Lcffentlichieit übergeben worben ist '5lorresponbenzblatt für b;? Evangelückw Konferenz in Baben, der Rheinpfalz und die Mhd) licl».positive Vereinigung im GroßHerzogturn Hessen, Nr. 1H voiu 3D. April 1911).
Auch wir geben diese Ausführungen wörtlich wieder, weil sie für die weitesten Volkskreise von höchstem Interesse fein werden:
Allerburchlanckstilpier Großherzog k Allergnäbigster Fürst und Herr!
< Eure stönigliche doheit iMiben der theologischen Fakultät der Banbcyiuiivcriitäi eine (Angabe der „Kirchlich poiiti reinig ung des Grosherzogtums dessen" <ui Großl^rzogliches Cher konsislorium zur stenntniSnähme und gutackstlichen Aeußerung zu gehen lassen. Wir sprechen Eurer stöntglichen voheit Allem zuvor unseren gehorsam steil Dant dafür aus, daß in einer Angelegenheit, die die Interessen der A-atultät und Landesuniversität angeht, uns die Möglichkeit offener Aussprache vergönnt ist Wir sinb uns der schweren Verantwortting bewußt, die bieses beglüdenoc Ver^ tränen uns aiitcrlegt. Wenn wir zu dem Gesuck) der „stirchlich- rosiliven 93creiiugimg" im wesentlichen eine ablehnende Stellung entnehmen und in ihr beharren zu müssen glauben, so wollen Eure Königliche .s?oheit uns die Versicherung gnäbigft gestatten, daß das auf Grunb eingehendster Erwägung und Beiprechung gc- iWicht, in der wir alle bei der verwickelten Sachlage in Beträgst koinmcnbeii Instanzen des Groß her zotztums, der Landes lirckte, dec Lanbesuniversitat, der ibcolognrhen Fakultät — ernstlich zu berücksichtigen gesucht haben.
Das Schreiben /geht von der „Tatsache" aus, baß eine „vor den äußersten, stoiiseauenzcn nickst zuruckschreckenbe liberale Rich hing" aus bas innere Leben unb die äußere OJefialtung ber Laubes- hraic inaßgebcnben Einfluß gewinnt. Es führt diese „traurige Erscheinung" der vanptsache nach auf den „»um, Unglauben neigenden Zeitgeist", daneben aber ans den Einstuß der „vorwiegend negativ kritischen und zum Teil bewußt unkirchlichen Geistes I“ idnung" der theologiicheii Fakultät zurück. Wir können nickst inhin, dem Erstaunen Ausdruck zu geben, daß unsere Wirksam- Teil so hohe Schätzung erfährt. Wir selbst denken über sie bescheidener. Einerseits erfahren wir es immer wieder, baß einzelne unserer Schüler und zum Teil recht begabte — nach den Gießener Studienjahren SScge einschlagen, die von den unserigen weit abzubiegen scheinen. Sollten diese jüngeren „positiven" Pfarrei den Verfassern der Eingabe unbekannt geblieben sein? Andererseits sind wir uns bewußt, nur ein Organ protestantischer Wissenschaft zu sein. Neben, um unb über uns besitzt sie seit Luthers Tagen int gedruckten Wort ihre unmeßbare Wirksamkeit, deren Einfluß in deutschen Landen durch keine gesetzliche' Maßregel abzu'perreu ist. Tenn für einen Index librorum prohibitorum gibt es im Protestantismus, Gott Lob, keinen Raum
Aber besteht die angebliche Tatsackie der vorwiegend negativ- kritischen, zum Teil bewußt unkirchlichen Geistesrichtiing der Fokicktät wirklich zu Reckt? Es würde — wir stellen es nickst in Abrede — für eine theologische Fakultät einem Todesurteil gleichkommen, wenn der Nachweis, daß dein so ist, gelänge. Wir jleben durch Eid und Pslickst im Dienste Gottes, des Vaterlandes und der stirche. Wie kann man durch bloßes Zerstören diesen erhabenen Wirklichkeiten dienen wollen ? Allein der Nachweis ist uock, nickst einmal versuckt worden. Wir sind genötigt, den cntgegeitgck'HtCH zu fuhren, den Nackuveis, daß die Wirksaiukeit der Fakultät positive Ziele verfolgt und positive Früchte gc^
auf die zurückfalleu, die uns dazu nötigen.
Alles, was wir gesagt haben, berührt freilich das Amt nicht unmittelbar, in dos Eure Königliche Hoheit uns als Glieder der Fakultät und Landesuniversität berufen haben. Tie Wissenschaft ist unser Beruf, unsre Pflicht, unsre Ehre. Tie Versaiser der Eingabe gönnen bei Wissenschaft nicht nur, sie fordern für sie „volle Bewegungsfreiheit". Was kann das anders heißen, als daß wir in unsrer eigensten Arbeit und Wirksamkeit von tirck wir i' vermeiden" Lebende zu nennen. Aber einen Toten, der liehen Maßstaben unb Direktiven frei fein sollen?, daß wir unsre Eurcr 'ldinglichen voheit wohlbekannt war, ruten wir als Zeugen Pflicht venäumen wurden, wen^vir^hier^eiN^andere^Z^


