Ausgabe 
10.11.1911 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ZM-

161. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 265

tdtbetni tLgttch mit Autznahme de» konntag».

ü

anzeige!

Kkrouc, LölMSv^

er: Tie Rcfi . . . die Resi

g. den ll.bfl.0tf.

Vorftr/lang

eilt er zur Ringstraße zurück. Schon hört er ein Fenner offen fleht, Leute die Angslsrage Ist alles Daheim? War niernand im Ring- n?te er an tue Brandstätte gelangt, da ist die

er enormen Koda erbübten Prcilt.

vieren der Pläbe on jetzt erwünföi

Srcitag, 10. November 1911

RolanonSdruck und Vertag der Vr2blichen Unwersnärs Buch- und StcmbrudcreL

R. Lange, Dieben.

Tie türkische Kammer.

Konstantinopel, 9. Nov. Tie Kammer nahm mit großer Majorität die Tagesordnung an, die die Er­klärungen des Kriegsrninisters für ausreichend bezeichnet.

Mens-en reixn auf ryn ein und tooden ihn beruhigen: es wäre icc.'/ lange schon c.icä zur, fein Mensch im Theater, ades gereuet. Aber der junge Mensa) will nicht Haren, ümnec wieder schreit

Redaktion, Expedition und Tnidereti 6AuI- strabe 7. Expedition und Verlag: 6L

Redaktion: 112. Tel.-Adra AnretgerSleßen.

Tte ^Gietzener Zamiliendlätter" werden dem Bnzelger^ viermal wöchentlich betgelcgt, bat Krcliblatl für de» Krell Sieben" zweimal wöchentlich. Die ..randwlrtlchastllcht» Seit- krage»" erscheinen monatlich zweimal.

verbunden und

Aber dann unterwegs, wo hrnaufschreren: theater?" Und

d:e Resi Nun hör ich rorn von Freude in der Seele:

M *\W

11.Nov., abb#.9Ubi

reiße die Einguvickelte mit fort. Irgendwo auf der. :.r? im So,-jllenraurn? hör' ich eine vorzwei e.te U ri.lende Weid er > ftimnie. Zur Rechten seh' ich in ein wogendes Feuer htnem. suhle cn meinet rechten Wange eine sengende Hitze und ... - iwifchen unfaßbaren Bildern, die sich in meiner Erinnerung j ihn nimmer, mir i|t ein heitz.r

ihre Arme Lämmern sich um m.inen Hals und nur beide sind aneinander gewachsen fürs Leben."

Ludwig Eanghoferr Erinnerungen an den Uinglheater-Vrand.

K»f. Es war am 8. Dezember des Jahres 1881, als aus dem Buhnengieoel des Ringthcaters zu Wien eine gelbe, rauch­lose Flamme zu schwarzem Winlerhimntel au:fuhr. Unter den Mensl^cnscharen, die Die em fajnxLiaien ö anaic zucilten, brnno sich auch der Dramaturg des Ringtl-eatcrs, der Tvktor Ludwig Ganghofer, und ihn trieb neben der allgemeinen noch eine ganz besondere Angst: die Angst, bau sein heimlicher Schau, das Mädchen, dem er fein Her; gesa-enkt hatte, die Schau­spielerin Kathinka Engel sich ut dem Ung.üctshausc betinDc. In dem ncueiicn Kapitel seiner Lebensermnerungcn, das im nächsten Hefte derSüddeutschen Monatshefte" in München erscheint, schildert Ganghoier mit großer Straft und Sebenoiglcit der Anfa-auung, die furchtbaren Eindrücke und Er­lebnisse jener unvergeßlichen Winternacht.

Ihn trieb nur ein Gedanke:Auf die Bühne mußt du, in die Garderobe! In die Garderobe! In die Garderobe! Bor dem Bühneneingang m der Heßgasse war Gedrung unD Gesa»rci. Ich wühlte mich durch. Dieser blasse, Dcmörte Aken sch ? War bad der Portier? Ich packte ihn an der Brust und schrie eine Frage. Er sah mich ratlos an und lallte. Und da war ich schon in dem engen Flur. Kreischende Menschen kamen über die steinerne Treppe herun.ergezappe.t. Ich rann.e hinaus. Zwei steile Treppen. Nun^war ich am Garderobengang, sah sch.varze Löcher und grellen Schein und diese Leere und Sülle, das war die Garderobe meines Madels. Noch erleuchtet _ die Schrninkschcuude stand verschlossen au: dem Tisch, vor der Schatune lag ein uneröffneter Briet, und neben dem Spiegel hing em weißes, frifa,gestärktes Rockeichen, dabei das Pfirsich aroene Siü.crl und die schillernde S.idenschürze, die sie im Herrgottfchnitzer getragen hatte. In mir ein Schrei der Freude.Sie 11 noch gar nicht gekommen, iwch nicht im Theater!" Ich reiste die Tür der danebenliegenden Garderobe aus. Auch die ist noch er­leuchtet. Und mit seitwärts gestreckten Armen, wie oerueinert, fiel;: ein junge-3 Mädchen im Hemd vor mir. Ich schreie:Jesus, raus da, raus!" Sie kann sich nicht rühren, nur der b.asse Mund bewegt sich tonlos. Auf dem Boden liegt ein Pe r. Den packe ich, wickle ihn um das weche Frauenzimmer und

Der italienijch-türli.che Krieg.

kleine Scharmützel.

Rom, 9. Nov. TieAgenzi.i Stefani" meldet aus Tripolis vom 8. November: Gestern abend traf der amerikanische KreuzerChester" hier ein, um den a m e r i k a ii i s ch e n K o n s u l a n H o r d z u n e h m e n wegen der Gerüchte in der türkischen Presse von der be­vorstehenden Einnahme von Tripolis. Um diesen Gerüchten nicht neue Nahrung zu geben, lehnte der Kon­sul es ab, jetzt abzureisen, und versicherte seiner Re­gierung, in Tripolis sei alles ruhig, es bestehe teine Gefahr für die Europäer. General C a n e v a dankte dem Konsul für seinen Entschluß. Ter KreuzerChester" ging an demselben Abend lveitcr. Gestern abend und heute nachmittag fanden"Tl e i n e Scharmützel statt, bei denen der Feind das Gelände, das überall Ge­legenheit zu Ucber fällen aus dem Hinter­halt bietet, ausnützte, um die Aufklärungsarbeit der Italiener zu stören. Tas 93. Infanterieregiment, das besonders start engagiert war, hatte zwei Tote und, 26 Ver­wundete. Tie Araber wurden an verschiedenen Punkten von der italienischen Artillerie wirksani beschossen, woraus sie sich zerstreuten. Italienische Kundschafter berichten, im türkischen Lager herrschen außer der Cholera auch Blattern.

sich doch offenbar nicht alle in dem Tempo erfüllen, wie eS in unseren Tagen oft notwendig erscheinen mag.

In der BesoldungSsrage aber kann wohl die Beamten­schaft zu der StaatSregicrung das Vertrauen haben, daß sie der augenblicklichen Lage der Beamten volles Verständ­nis entgegenbringt. Eine Verbitterung und Erregung aber ist nicht am Platze, solange keine ablehnende Erklärung der Regierung vorliegt. Sensationsmeldungen, die von irgend einer unverantwortlichen Zeitungskorrespondenz stammen, sollte die Beamtenschaft ihr Ohr verschließen.

ivilalor, Setitator, 1 ivicr-Hiinwrist rtenreisdichter

und der w| ittHilii

Szene verwandelt:Ein Schreck, der nur leise reuet, ist in den Menschen. Sie sagen, man hätte Leichen im Theater gefunden, viele, hundert, fünfhundert, txun'enb . . . Immer ist eine Gasse vor nur, immer hör ich die Leute sagen:Durchlässen! Turch- lasscn!" Und immer werden durch diese Gaffe dunkle regungslose .Körper getragen, unb so oft die entsetzlich Staran>ane passiert, hört man dumpfes Aufschluchzen unö heiseres Atmen in der Menge. Und eine furardiare Reihe von SchreckenLbiloern, von Tov und Quai, billigt nur zu schnell Die schlimmste« Bc ürchtungen

B -

B iS

EH»

SIM?

P =_ ü

Alles gerettet. Doch plötzlich klammert sich eine grauen Hafts Angst um mein Herz zwischen den Polizeüettten und Soldaten seh' ich eine junge Person: ihre Kleider sind verwüstet, ihr Gesicht ist verzerrt, die Augen sind vorgequollen, wie eine Tob­süchtige gebärdet sie sich. Immer schreit sie:Licht! Laternen! Licht! Laternen! Ta brm ist alles finster! Licht! Laternen!"/ Man redet gütlich mit der Tobenden, ein Offizier beschwört, daß alles gerettet wäre. Mit zuckenden Händen greift sie nach ihm unb reißt an seiner Uniform. Ihre Stimme wirb wie dünnes Kindergeschrei:Laternen! Licht! Alles ist sinster! Tausend Menschen sind noch brüt Sie ersticken, erwürgen sich, verbrennen! Licht! Laternen! Meine Mutter, mein Bruder, meine Schwester/ alle ersticken unb verbrennen!" Aber man weiß doch, daß alles gerettet ist. Und man nimmt das grillende Frauenzimmer für eine Hysterische, die ihren Anfall bekam."

Aber Ganghofer treibt es nun nach der Wohnung seiner Liebsten. Ter Fiaker fährt ihm nicht schnell genug, die Knie wollen ihn nicht hinauf tragen.Und da kommt aus der Kinder­stube mein liebes Mädel heraus, in einem Hellen Hauskleid«:'!/ mit erschrockenem Gesicht. Ich brülle in meiner Freude, in meinem Glück und springe auf das Mädel zu, reiße die Erschrockene an mich, und lache und weine und küsse, küsse, küsse, was mein Mund zu erwischen v.rrnag. Immer wehrt fie sich; immer stammelt sie:Jesus, Jems!" Und da bring ich es, zwischen Lachen und Küssen, mit Lallen heraus:Tas Ringthealer brennt!" Und nun scheint das Mädel zu ahnen, aus welchem Schreck und Grauen ich komme. Sie zittert, die blauen Augen werden groß.

Truppen beharrten. Ob drittens die englische Regierung die Proklamation anerkannt ober ihr zngestimmt habe; viertens, ob die enalische Regierung bei der italieni­schen gegen euvaige auf Grund der Proklamation über die Bevölkerung verhängte Strafen protestieren werde.

Staatssekretär «ir Edward Grey bejahte die erste Anfrage und erklärte zur zweiten, daß er sie nicht beant­worten könne, weil er es selbst^nicht wisse. Die beiden: letzten Anfragen verneinte der Staatssekretär. Wenn ictt eine andere Antwort gäbe, würde dies eine Einmischung in den Krieg zwischen Italien und der Türkei bedeuten.

Tillon fragte weiter, ob die Proklamation bedeuten solle, daß alle, die den italienischen Truppen Widerstand leisteten, als Rebellen behandelt werden sollten. Grey antwortete: Ich kann nicht sagen, welches die Aus­legung der italienischen Regierung über die Wirkung der Proklamation ist, ebenso wie der Protest der türkischen Re­gierung gegen sie, der uns mitgeteilt wurde. Dao scheinen meiner Ansicht nach Tinge zu sein, über die man nichts weiter sagen kann, und denen gegenüber man sich alle Rechte Vorbehalten muß, solange Die Feindseligkeiten an­dauern.

***

, von ö M, Ende 10'/' 011

-sch

* alrtfle 1,1 -loti-'"

1

Än nöf. I

Ein türkischer Erfolg.

Konstantinopel, 9. Nov.oabalj" meldet: Vor­gestern sand bei Suk el Tjuma, fünf Kilometer süd­östlich von Tripolis, ein Kamps statt, in dem die Türken Sieger blieben. Tie Italiener hatten große Verluste. Tie Italiener machten einen Gegenangriff, wur­den jedoch zurüctgefchlagen. Tie Türken besetzten vier a r t e s i s ch e B r u n n e n, die von den Italienern außerhalb Tripolis gebohrt worden waren. Der Mutesarif und einige Beamte aus Benghasi sind in Konstantinopel angekommen.

Anfragen im englischen Unterhaus.

Im englifchcn Unterhaus ist es gestern kund geworden, daß Italien und Frankreich ein förmliches Abkommen vor dem tripolitanifchen Abenteuer abgeschlossen hatten. Die englische Regierung hatte, wie Sir Edward Grey erklärte, Kenntnis davon. Nun darf sich natürlich niemand mehr darüber wundern, daß Italien an einer allen Gepflogen­heiten des Völkerrechts widersprechenden Weise vorgeht.

London, 9. Nov. Im Unterhaus fragte Til­lou die Regierung, wann die britische Regierung Kenntnis erhielt von dem '21 b f 0 in m e n zwiscyen Frankreich und I l a l i e n, in dem Italien freietzand inTripolis gelassen werde unter der Bedingung einer freundlichen Hal­tung Italiens gegenüber den französischen Plänen in Ma­rokko, und ob die britische Regierung nicht in der Lage ist, eine Erklärung abzugeben über ein Abkommen, das zwischen anderen Mächten bestehen ober nicht bestehen mag, woran wir nicht beteiligt sind und wofür wir teine Verantwortung haben. Weiter fragte Tillon, ob die italienische Regierung der englischen die Proklamation mitgeteüt habe, in der die Annexion von Tripolis venündet wurde und ferner, welche Wirkung die Proklamation nach der Aus­legung der italienischen Regierung für die Bewohner Tri- politaniens haben würde, die im Widerstand gegen die grell oder schwarz durcheinander wirren, lodert eine rote Hölle mit einer grauenhaften Riesenflarnme, die vorn Bühnenboden 111 einer mächtigen Spirale bmamlcdt gegen das Buhnendach. Tann stehe ich in grauer Finsternis, muß immer husten, halte das in den Pelz genuckelte Frauenzimmer an mich geklammert, suhle krallende Hande an meinen Armen, an meinem Körper vier, fünf, sechs Menschen hängen an mir ich atme einen Tunst, von dem mir übel wird, und nun trinke ich frische Lust und erkenne mit kaltem Schrecken, bau ich als Führer dieser sechs, sieben, acht lallenden Menschen Die richtige Treppe verfehlte. Statt den Bühnenausgang zu finöcn, kam ich in einen kellerartigen Hof. In der rauang&i Dämmerung sah ich ein Tor. Tas muß aus eine Straße führen. Es ist veiickstossen, in der nächsten Sekunde ist es hinausgedrückt. Ich bin auf der Gasse, seh? Mensckien laufen, höre Menschen schreien. Tie Sechse oder Sieben, die Himer mir waren, rennen davon."

Dieser packenden Schilderung reiht sich eine Anzahl weiterer Szenen von jenem Unglücksabende an, wie sie eben nur ein Dickster sckjauen und zeichnen kann.Aus Fenstern und Maucr- ludcn strecken sich Anne mit gespreizten Fingern heraus, sahle Gesichter sieht man, hört verzweigtes Geschrei. Und die Loggia über dem Portal und ein Balkon des Theaters ist angefüllt mit hundert kreischend.n Menschen, die sich unöerunnig bewegen wie Gespenftcr, an die man nicht glauben kann. Ein junges Frauenzimmer springt herunter. Dann ein Mann, ein zweiter, ein dritter, man hört, wie die fallenden Körper aus das Sprui meiner Erinnerung ist eine Stimme,

Die immer schreit:Nur Ruh?, Die kommen herunter. Die kommen ade herunter." Leitern werden in Die Höhe geschoben, dunkle Gestalten mit blinkenden Helmen klettern hinaus, und Droben sieht es so aus, als schlügen die Mcnsckxm, die den Sprung nicht wagten, mit Faunen au'einander los." Erschütternd geftyilDert ist der Wechsel b.r Na:.,richten, Stimmungen und S cnen, hervor- gerufen durch Die Unstch.nheit darüber, ob noch Menschen im Theater sich befänden. Jetzt soll es die Polizei gesagt haben, daß niemand mehr Drin fei,und wi? ein glückseliges Schlagwort geht es durch Die vieltausendköpfige, plötzlich frohgewordene Menge hin:Alles geredet!' Aber ein paar Mißtrauische wollen cs nicht glauben. Ein junger Mann null den Kordon immer wieder durchstoßen,und wie ein Irrsinniger schreit er immerwährend: Tie Resi ... die Resi ... Di.e dicht . . . Zwanzig, dreißig

Eichener Anzeige-

General-Anzeiger für Oberhefsen

ttduisken

1 niitSP^*

15. November

8 Kasistnel deS te I > deutschen Reicht eitbelanmen

M Schilf

cht'sröbliche

toberseß

in vollstem Sum'."

Die Revolution in China.

Hongkong, 9. Nov. Tie Stadt Kanton hat ihre Unabhängigkeit erklärt. Heute mittag wurde die Drachenflagge unter Abfeuern einer Salve nieder­geholt. 1

Um großes Blutvergießen zu vermeiden, fügte sich der Vizekönig der Erklärung der Unabhängigkeit von Kanton. Der Vizekönig sucht ein vorläufiges Asyl in Hongkong.

35. zahrcrseft Oes GverhesMen Dercins für innere imifton.

II. Zag.

Gießen, Den 9. November.

Der gestrige Tag schloß mit einem zahlreich besuchten Fa­nt i l i e n a b e n d in Siems Garten. Nachdem Kirchenrat D. Schlosser die Anwesenden willkommen geheißen hatte, erzählt: Pfarrer Schlosser-Rodhetm in srisckier, anregender Weise über seine Erlebnisse auf einet Studienreise nach England, bc- sondeis über die englischen Iünglingsvereine und wanne vor einer schlechtsinnigen Uebcrtragung derselben in unseren ob:r- hessischen Gemeinden. Auch der zweite Vortrag, den Pfarrer R ö S ch e n - Freienseen überLeiden und Freuden eines Jugend- fürsorgers" hielt, wahr sehr ansprechend und durch seine huuior- uolle Erzählungsweise belebt. Besonderen Dank verdient noa> der Kirck)engesangverein unter stellvertretender Leitung des Herrn Assefsors v. Blumenau für seine ausgezeichneten Gesangsvorlräge, Die ungeteilten Beifall der Anwesenden sanden.

Heute morgen wurde Die Tagung mit einer vom Psarrassisten- ften Schorlemmer hier gehaltenen MorgenanDacht im Anschluß an Evgl. Iohs. Kap. 6, Vers 2829 in dem Ge- meinbefaal Der Johanniskirche eröffnet, nachdem vorher eine kurze Besprechung Der Helfer und Helferinnen Der Jungsraueitvereine Lberhessens in kleinem Kreise üattgefunDen hatte. Daraus er­stattete Der BorsitzenDe Den Jahresbericht, Dem wir folgen­des entnehmen: An Stelle des seitherigen verdienten Vorsitzenden Geh. Schulrat D. Stamm ist im Lause des Jahres Kirchenrat D Schlosser getreten und Pfarrer Schwabe hat das Amt des Schrift­führers übernommen. Für Herrn v. Leonhardi ist Graf Wilhelm v. Solms-Laubach, für CberftaatSamvalt Dr. Lang LanDgerichts- direktor Schmeckeribecher hier in den Vorstand geivählt worden. Tie Buchhandlung des Vereins in Darmstadt hat einen guten Fortgang genommen. Die Herberge zur Heimat hier entwickelt sich in Den alten Bahnen weiter. Auch das Eleonoren-^Hospiz in Bad-Nauheim erweist sich immer mehr durch seinen guten Besuch als ein Bedürfnis. Der Lichtbiüdec-Apparat ist in vielen oberhessifchen Gemeinden verwendet worden und steht auch in

abendlich^ ifmischer Ä Beifall!

Die Not der hessischen Beamten.

Unser Darmstädter Mitarveitcr schreibt nnS auf Grund guter Informationen:

Durch die hessische Presse ging jüngst die Nack)richv von einer gemeinsamen Sitzung der Ministerien, in der der Beschluß gefaßt sein sollte, den mittleren und unteren Beamten eine Teuerungszulage zu gewähren, während bie Revision des Besoldungsgesetzes selbst wiederum verschoben werden sollte. In den weitesten Kreisen der Beamten­schaft mußte diese Nachricht Beunruhigung, oder, wie es in Drcßäußerungen heißt, Niedergeschlagenheit oder gar Verbitterung Hervorrufen. ES ist dies umso bedauerlicher, als die Frage der Beamtenbcsoldung auch in der Wahl­agitation eine Drohe Rolle gespielt hat und noch spielt.

Tie Tatsache, daß eine Sitzung der Ministerien statt- aefunden hat, die sich mit wichtigen Angeleaenheiten zu befassen hatte, trifft zu. Tie Mitteilung aber, daß in dieser Sitzung beschlossen wurde, den mittleren und un­teren Beamten Teuerungszulagen zu gewähren, resp. die Revision des Besoldungsgesetzes wie­derum zu verschieben, beruht auf Vermutungen, die jeder tatsächlichen Unterlaae entbehren. Diese Mel­dung, die aus irgend einer Korrespondenz zu stammen scheint, sollte wohl nur in die Welt gesetzt werden, uni die Staatsregierung zu veranlassen, an offiziöser oder gar offizieller Stelle Erklärungen darüber ab^ugeoen, die dann, e nach der Parteirichtung, zu AgitationSzweckcn Verwcn- mng finden könnten. Ties ist aber nicht geschehen, und ms mag als ein Beweis dafür gelten, daß man amtlichcr- eits dieser Veröffentlichung keine Bedeutung beimeffen wollte, die ihr nicht zukommt. Was in jener Sitzung der Ministerien beschlo,sen wurde, ist zurzeit noch strengstes Geheimnis der Teilnehmer. Man wird daher auf Grund dieser, auf vagen Kombinationen beruhenden Mitteilung kein Urteil fällen dürfen.

Wie schon gesagt, hat es sich bei dem Zusammentritt der Ministerien um Fragen von großer Wichtigkeit gehan­delt. Daß man sich an den verantwortlichen Stellen völlig klar darüber ist, daß die Lage der Staatsbeamten eine Ver­besserung dringend erheischt, darf als sicher angenommen werden. Es ist danach wohl in Kürze eine Erklärung der Staatsregierung zu erwarten. Vor der Eröffnung des Landtages aber wird man jedoch nicht auf diese Erklärung rechnen dürfen.

Es ist häufig in der Dresse gegen die Negierung der Vorwurf erhoben worden, daß sie über die pekuniäre Lage ihrer Beamten nicht genügend unterrichtet sei. Dies Irisst aber m keiner Weise zu. Durch zahlreiche Eingaben und Bittgesuche sowie durch Deputationen von Beamten sind die Staatsminister vollkommen über die Verhältnisse der Beamten orientiert. 9)tan darf aber nicht erwarten, daß ein bei der Finanzlage doppelt schwieriges Werk wie die Aufbesserung der Beamtengehältcr, so leicht seine allseitig besriedigende Erledigung finden kann. An der Deckungs­frage geht man in vielen Fällen vorüber oder streift sie nur, ohne sich der Muhe zu unterziehen, ernstlich an ihre Lösung heranzugehen. Als Ersparnismöglichleit führt man namentlich immer wieder eineVereinfachung des Beanitenapparates" an, ein Wort, das nachgerade zu einem Schlagwort geworden ist. Wie unendlich f ch w i e r i g aber hier eine plötzliche und die nötige Aufbesserung der Beamten alsbald ermög­lichende Aenderung ist, wird den meisten wohl nicht einleuchten. Es ist doch nicht angängig, einen Teil der Beainteusckstift einfach in Penfion zu fajiuen oder gar ganz zu entlassen. Dazu kommt, daß trotz ungünstiger Finanz- läge des Staates auf der anderen Seite immer wieder die Anforderungen steigen, die man an den «taat zur Lösung von Kulturanfgaben ftellt. So sehr auch hier die Berechti­gung mancher Wünsche anerlannt werden soll, so lassen