Ausgabe 
10.4.1911 Erstes Blatt
 
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gemelM, daß eine starke Kolonne Aufständischer vorgestern gegen die Befestigung üon Kastratt von den umliegenden Höhen ein heftiges Feuer eröffnete, worauf aus Skutari 2Vs Gcwehrkom- pagnien entsendet wurden, welche die Rehellen angriffen. Diese begannen gestern zu fliehen.___________________________________

Die Niedermetzelung einer englischen Kolonie.

London, 8. April. Das Reutersche Bureau meldet nn§ Kalkutta. Gestern cingcgangene Nachrichten bestätigen die Nie- dermetzelnng einer englischen Expedition in Assam. Die Alüeikmg bestand wahrschebüich aus zwei eng­lischen Beamten und 50 Kulis, die unbewaffnet in friedlichster Absicht den Dikang-Flusz hinabgefahren waren, als sie unerwartetvonden Wilden angegriffen wurden. Zwei Kulis entkamen und brachten die 'Nachricht nach Dibrugaru, woher sofort 200 Mann an den Tatort entsandt wurden.

Kalkutta, 9. April Die Niedennehelung der englischen Expedition hat im ganzen oberen Assam gewaltige Erreg­ung hervorgerufen. Man befürchtet den höchst verderblichen Ein­fluß der anderen Stämme. Es lvird ein Freiwilligen-Korps gegen den sämldigen Stamm mobilisiert, der von den befrennbeten Stäm­men Verstärkungen erhielt._____________________________________

rru- Heise«.

Landtagsersatzwahl in Lampertheim.

Lampertheim, 8. April. Bei der heute vorgenom- menen Landtagsersatzwahl wurde anstelle des znrück- getretenen Abgeordneten Seelingcr Rechtsanwalt Dr. Box- Heimer (Zentrum)-Worms mit 32 von 38 Stimmen ge wählt. B. stammt aus Abenheim und ist erst kurze Zeit als Anwalt in Worms tätig.

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Durch das neue Wahlgesetz werden im kom­menden Herbst Neuwahlen für einen Teil der Zwei­ten Kammer notwendig. Es scheiden aus von den Ab­geordneten der Provinz Starkenburg: Kredel (ncckl.)- Airlenbach, Büchner (natl.)-K'önig i. O., Haas (natl.)-Fürth i. O., Uebel (Zentr.)-Hep^nheim, Raab (Soz.--Pfungstadt, Auler (natl.)-Bensheim, Noack (natl.)-Bessungen, Berthold (Soz.)-Groß-Geran, Dr. Fulda (Soz.--Langen, Horn (Zcntr.)- Seligenstadt. O b e r h e s s e n: Mlmann (natl.)-»Bilbel, Breidenbach (Bbd.)-Bad-f)tauheim, Fenchel (Bbd.)-Hungen, Leun (Bbd.)-Gießen-Land, Brauer (Bbd.)-Hombnrg, Korell (Bbd.)-lUi')stein, Erk (Bbd.)-Nidda, Bähr (Bbd.--Büdingen. Rheinhessen: Diehl (natl.--Alzey, Eibach (freis.)- Sprendlinaen, Best (natl.)-Osthofen, Wolf (Bbü.--Stadecken, stltolthan (Zentr.)-'MeLstein, Zuckmayer (Zentr.--Kastel und v. Brentano (Zentr.)-Bingen-Land. Außerdem ist in Offenbach, Mainz, Darmstadt, WormS und Gießen je ein Abgeordneter auf die Dauer von 3 Jahren zu wählen. Nach brei Jahren werden dann diese Städte in drei rcsp. zwei B^irte ein geteilt, die dann je einen Abgeordneten zu wählen haben. Wahlberechtigt ist nach dem neuen Gesetz: wer 25 Jahre alt, seit Beginn des Rechnungsjahres Steuer zahlt, mindestens 3 Jahre im Grobherzogtum wohnt und wenig­stens 1 Jahr die Staatsangehörigkeit besitzt. Wähler über 50 Jahre haben 2 Stimmen.

Alzey, 8. April. Wie das Parteisekretariat der Fort- schritt liehen Dolkspartei von Rheinhessen meldet, ist die mehrfach verbreitete Mitteilung, daß Abg. Korell beabsichtige, die Kandidatur für den Reichstagswahlkreis Alzey-Bingen niederzulegen, falsch.

Ausland.

Das deutsche Kronprinzenpaar überwies durch Ver­mittlung des deutschen Botschafters v. Jagow dem Bürger­meister von Rom 3000 Franks für die Armen der Stadt. Aus Rom wird ferner gemeldet: Das deutsche Kronprinzenpaar ist am Samstag um 12 Uhr 40 Min. abgereift, nachdem es sich auf dem Bahnhof von dem Königspaar verab­schiedet hatte. Die Verabschiedung trug einen privaten Charakter. Bei der Fahrt zum Bahnhof bereitete die Bevölkerung dem Königs­paare und dem Kronprinzenpaare wieder herzliche Kundgebungen.

Der Rat der in Brüssel tagenden Interparla­mentarischen Union beschloß, die nächste Konferenz am 3. Oktober in Rom abzuhatten. Aus der Tagesordnung stehen die Fragen des Verbots des Luftkrieges und der Einschrän­kung der Rüstungen. Auf Antrag des Lords Weardales wurde an den Präsidenten Taft ein Danktelegramm für die Ergreifung der Initiative in der Frage des obligatorischen Schiedsgerichts übersandt.

ardfi tcTt en wurde gestern vormittag in treu von Der Stadt zur Verfügung gestellten Räumen der alten Klinik eröffnet. Zu dem Erossnungsakt Ratten sich u. a. eilige- funden der Rektor der LanoeSuuiversität Geh. Justizrat Pros. Dr. Biermann, Regierungsrat Welcker, Beigeordn. Keller, Vertreter hiesiger gemeinnütziger Vereine usw. Der Verbandsvorsitzeude, Ärcksttett Rohr- Worms, begrüßte die Gäste, besonders die behördlichen Vertreter und verbreitete sich dann kurz über die Ziele und Bestrebungen der Archi- telten-Vereinignng. Weiter dankte er der Stadt und Lem Oberbürgermeister für die Ueberlassung und Herrichtung der Ausstellungsräume und besonders auch dafür, daß die Stadt Gießen durch die Veranstaltung baukünstlerischer Wett­bewerbe die Privatarchitekten sich an der Ausführung be­deutsamer städtischer Bauwerle beteiligen lasse. Hierauf fand ein Rund gang durch die Ausstellung statt, den in Vertretung deS verhinderten hiesigen OrtSgruppen-Vor- sitzenden Seuliug Architekt Hamann führte. Die Aus­stellung ist im unteren rechten Stock des Gebäudes untcr- gebracht, die sich, wie nebenbei bemerkt sei, in jeder Be­ziehung und namentlich auch hinsichtlich ihrer Beleuchtung trefflich dafür eignen. Die Mitglieder der Ortsgruppen Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms haben sich recht zahlreich an der Ausstellung beteiligt, die an Ent­würfen, Plänen und Modellen ausgeführter und projek­tierter Bauten eine Fülle hervorragender und beachtens­werter Arbeiten bietet. Neben zahlreichen Gesch.istsgebäu- den uui) Wohnhäusern sind auch beachtenswerte Entwürfe öffentlicher Bauten zu sehen. Sehr viele Aussteller zeigen auch Entwürse zu Ärbeiterhäuseru und sonstigen Einzel- Wohnhäusern. Auch Gartenanlagen und die Friedhofskunst sind trefflich vertreten, ebenso Renovierungsarbeiten und Innenarchitektur. An der Ausstellung der Gießener Orts­gruppe sind beteiligt die Architekten Hans Burg (auch mit Kunsttöpfereien usw. der Firma Keßler und Burg in Wieseck u. a. kunstgewerblichen Arbeiten), Fischer und Zipp, Christian Karl F r e un d l i e b in Friedberg, Gust. Hamann, Heinrich Kock erb eck, Paul und K. Phil. Müller, Philipp Nikolaus, Ludwig Rohrbach in Alsfeld, Ernst Schmidt und Ludwig S e u l i n g. Auch das Gailsche Tonwerk und das Tapetenhaus H. Hochstätter sind mit sehr hübschen Arbeiten vertreten. Eine eingehendere Würdigung der Ausstellung, die bis zum 30. April ge­öffnet und unentgeltlich zu sehen ist, wird noch erfolgen, wenn die noch fehlenden AussteilungSgegenstände zur Stelle sind.

** Kai s c r m a n ö v e r 1912 i u Hessen-Nassau. Im Herbst 1912 finden die Kaisermanöver zwischen dem 11. Korps, Teilen des 18. KorpS und deS 2. Königl. Bayrischen Armeekorps statt. Die Parade über die preußi- fchen Truppen findet bei Wabern im Kreise Fritzlar, über die Königl. Bayrischen Truppen bei Würzburg statt. Die Manöver werden in der Linie Julda-Brückenau-Waldaschaff- Kissingen sich abspielen.

** Gewerveförderung. Nack dem fDcufter der von der hessischen Zentralstelle für die Ge- w erbe eingerichteten Fachkurse hält jetzt auch die Handwerkskammer für Ni ed ersch les ien Kurse für Sattler in der Anfertigung von Stummeren und Geschirr­teilen ab und hat zu ihren Veranstaltungen den Sattler­meister und Geschirrfabrikanten Louis V ö t z i n g in Groß- Fe t d a zum Fachlehrer gewonnen. Ein Kursus hat kürzlich in Lieguitz stattgefunden, der von 15 Teilnehmern besucht gewesen war; weitere Kurse folgen. Man kann daraus ,ehen, daß die Gewerbeförderung, wie sie in Hessen einge­richtet ist, vorbildlich für andere'Landesteile unseres Reiches gilt

Schonzeit für Fische. Am 9. April hat abends 6 Uhr die bis 9. Juni währende Schonzeit in allen ofsent- liwen Wassern begonnen, die gesetzlich nicht unter dieForellen- gewässcr" sollen.

"Mansardcndiebe. Am Samstag haben Man- sardendicbe hier eine Gastrolle gegeben. Die Mansarden je eines HauscS am Selters weg und in der Nord-Anlage wurden am hellen Tage erbrochen und die Dienstinädchen- kammcrn nach Geld und Geldcsivert durchsucht. Die Bente war indes sehr gering (kleine Geldbeträge und ein goldener Ring), da die Tater in beiden Fällen gestört wurden.

Heer und Flotte.

Posen, 8. April. Graf v. Kirchbach, Kommandierender General des 5. Armeekorps, wurde zum Präsidenten des Reichsmilitärgerichts, Generalleutnant v. Str an B, bisher Kommandeur der 25. Großherzoglich Hessischen Division Darmstadt unter Beförderung zum General zum Kommandierenden General des 5. Armeekorps ernannt.

Aus «ptaOt uu0 Lauv,

Gießen, 10. April 1911.

** In Audienz empfangen wurden am Samstag oom Großherzog Oberst v. Trotta gen. Treyden, Kommandeur des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, Major n. Roller beim Stabe desselben Regi­ments und Direktor Schnell von Butzbach.

** L e hr e r p e r s o n a 1 i e n Ueb ertragen wurden dem Lehrer Ludw. Rexroth zu Leeheim und dem Schul-- amtsaspiranten Hch. Wagner aus Offenheim Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Bad-Nauheini, dein Lehrer Fried­rich Häuserzu Lißberg die Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Selters. In den Rn hestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschute zu Rodau, Wilh. Schnell, auf fein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, und ihm aus diesem Anlaß das Wittertreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* Einalter Hesse gestorben. Jn Philipps- ruhe-Kesselstadt verstarb tm 79. Lebensjahr der Land­gräflich hessische Hosfoucier Bernhard Knieling. Der Verstorbene stammt aus Frankenberg in Hessen, diente beim Kurhessischen Leib-Garde-Regiment, trat dann zum Kurfürstlichen Hoflivreestaat als Hoflatai über. Als solcher begleitete er den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen 1866 in die Gefangenschaft nach Stettin. In demselben Jahre wurde er Kastellan des Schlosses Philippsruhe und trat 1873, nach tzlbschluß des Vertrages zwischen Preußen und dem einstigen Thronsolger, dein Lanografen Friedrich Wilhelm von Hessen, in die Dienste des Letzteren über. Nachdem Knieling vom Jahre 1880 ab einige Zeit in Philippsruhe als Haushofmeister tätig war, wurde er Kastel­lan auf Schloß Htümpenheim am Main und kehrte 1894 nach Philippsruhe zurück und wurde Hofsourier, ein Posten, den er bis zu seinem Tode bekleidete. Mir ihm ist einer der Letzten dahingegangen, die das bedeu^ungsoocre <>ayr 1866 in der nächsten Umgebung des Kurfürsten rniierlebten.

** Architektur-Ausstellung. Die 2. Derbands- pnsstellnng des Verbandes hessischer Privat-

Landttcio Gießen.

g. S t a u f e n b e r g, 8. April. H ier ereignete sich diese Woche wieder einmal ein Unglücksfa 11 durch Schuß­waffen. Ein 16jähriges Bürschchen hatte mit einem Flobertgewehr hantiert und dabei seiner alteren Schwester ins Gesicht geschossen, so daß ihr zwei Zähne wegflogen und |te auch sonft Verletzuugen davonrrägt. Es würde sich emp­fehlen, dem heutigen Unfug des Waffentragens der halb­wüchsigen Jugend energisch Einhalt zu tun.

4 Lich, 9. April, unsere StadhclMlc entließ am Freitag ihre Konsirmandcn mit einer Schul feier in der Turnhalle. Deklamationen, Gesänge il a. wurden in reicher Zahl geboten. Hauptlehrer Roth hielt eine Ansprache. Die Schmseiern, bie erst seit einigen Jahren hier eingeführt worden sind, erfreuen sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit. Die Zunahme Cur Schülerzahl, besonders in" den unteren Schuljahren, bcouigt bie Schäftung der 9. L e hr er ste lle, die mit Ostern errichtet wird. Die Beerdigung der drei volackifck>en Arbeiter, die aus dem nahen Hof Albach aus so tragische Weise umS Leben ge- tommen, erfolgte heute auf dem hiesigen Friedhof durchweinen tatholischeu Geislliaun aus Gießen; die Teilnahme an den Opfern der tranriQcn Katasttophc ist allgemein. Das zeigte auch die Beteiligung bei dem Begräbnis. Das heutige schöne iyni9a lingswetter brad;tc einen starken Touristenjrrom nach Kloster Arnsburg und unserer Stadt.

r. jungen, 9. April. Der Umbau de§ Unter­baues der Bahnstrecke Beienheim Hungen Laubach ist diejer Tage durch den Unternehmer Hch. Koch auS Nonnenroth vollendet worden. ,Da auch die Eiektri- zttäls-Aniagen am Hungener Bahnhof vollendet sind, kann nun wohl bald der Betrieb der Triebwagen vor sich gehen; es fehlt nur noch, wie man hört, an den Wagen. Der Umbau des hiesigen Stationsgebäudes schrecket rüstig vor­wärts.

Kreis Büdingen.

(?) Lindheim, u. April, oajon öfter hat sich bas Schulgebäude der hiesigen Haushaltungsschule als zu tlein erwiesen und stand die Landwirtfchaftskammer schon längere Zeit mit unserer Gemeinde (der das Gebäude gehört wegen eines Umbaues in Unterhandlung. 9ckin sind diese Verhandlungen zum Abschluß gekommen und schon Ende Mai wird mit dem Sauen begonnen werden. Die Schule wird deshalb bereits am 20. Mai geschlossen. Der zwecke diesjährige Kursus beginnt voraussichtlich nicht am 1 Juli, sondern am 1. August.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, b. Apru. ie ijicfige höhere Bür­gerschule (Realschule mit Militärberechttgung) hot heute oas Schuljahr 1910/11 geschlossen. Nach dem Jahres- b e richi beicug die Gcfatntschülerzahl bei Beginn des

Schickjahres 119, darunter 31 Mädchen. AuS Lauterbach besuchten die Schule 85 Schüler, die übrigen 34 stammten, aus den umliegenden Ortschaftrn. Der 'wissenschaftlichen Prüfung zum einjäbrig-freiwilligen Militärdienst unter­zogen sich acht SckMlcr mit Erfolg. Infolge Eingehens >er Mädchenklasfen, die unter die Knabenklassen verteckt vurden, bat sich die Zahl der Lehrkräfte um drei vermin- )ert, so daß im ganzen sieben Lehrkräfte an der Schule verbleiben. Tas neue Schuljahr beginnt am Montag den 24. April.

Kreis Schotten.

r. Schotten, 8. April. Heute nachmittag tourden beim AuSgräben des Kellers zum Neubau des Buchoruckereibesitzcrs Engel zwei Arbeiter durch Einbrechen einer Erdwand Der- chuttet. Dieweil der eine Arbeiter unerhebliche Verletzungen tavontrug, wurde der Arbeiter Ladner so unglücklich Don nieder­gehenden Steinen getroffen, daß er einen Arm- und Beinbruch erlitt. Kegelfreunde wünschen, daß bei dem Erweiterungsbau bes Klubhauses auf b cm Hoherobskops eine .Hegel- bahn angelegt werben möge. In Rainrod erhängte sich in seinem Hause der Beigeorbnete A. K. Derselbe litt an Magen­krebs und hat darnm den raschen Tod einem qualvollen Sieck>- tum vorgezogen. K. war ein beliebter und ruhiger Mann, dessen Hinscheiben bebanert wirb. _

O Rebgeshain, 9. April. Unser Scknl hauSneubau soll an Pfingsten eingeweiht werden. Mit der Feier, wird die Kirchweihe verbunden »verden. Gestern hatten wir wieder starken Schneefall Doch ist der Neuschnee nicht liegen geblieben. Alter Schnee liegt nur noch vereinzelt im Oberivald.

r. Eichelsachsen, 7. April. Zur Abschiedsfeier des Lehrers Braun, der 5 Jahre bei uns ist, hatte sich gestern abend Pfarrer, Lehrer, Ortsvorstand und Schulvorstand bei Gastwirt Schröder cingcfunben, um bei einem Abschiedsessen noch ein letztes Zusammensein mit dem Scheidenden zu feiern. Der Weg­gang des Herrn Lehrers Braun wird allgemein bedauert, er be­kleidet fernerhin eine Stelle in 'Rudingshain, während Lehrer Schaaf von Rudingshain nach Eichelsachsen kommt.

15au bacl), 8. April. Der Henri ette nho f bei Ruppertsburg, der voriges Jahr durch Brandstiftung größten» eils niederbrannte, wird jetzt von der Gräflich Laubachschen Rentkammer wieder aufgebaut. Man hatte beabsichtigt, das Gut an die Landwirte von Nuppcrtsburg und Villingen zu verkaufen, aber die Interessenten konnten sich nicht einigen.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 8. April. Heute vormittag fand tm Anstaltsgcbäude der Taubstummenanstalt hier die öffentliche Prüfung ihrer Zöglinge und damit der JahreSschluß statt. Eine Anzahl Eltern und Angehörige der Viersinnigen hatte sich dazu eingefundcn. Frisch und munter antworteten die Taubstummen. Die Anstalt unterrichtet in 7 Jahrgängen. Die Konfirmation, die früher hier stattfand, findet nunmehr in den Heimatdörfern dec Konfirmanden statt. Außer dem Direktor wirken sieben ordentliche Lehrer am Taubstummeninstitut. Auch die staatliche Blinden- an st alt hat die ihr anvertrauten Blinden in die Ferien ent­lasten. Da8 neue Schuljahr beginnt den 24. April. Der Direktor, drei Lehrer und ein Werkführer, der in den Flecht­arbeiten unterrichtet, sind an der Anstalt tätig.

A Staden, 5. April. Eine geizige Frau versteckte eine Summe Geldes in ein Mauseloch. Die kleinen Nager zerfraßen das Ventelchen und daS Geld war bis auf 10 Mark in der seltsamen Sparbüchse verschollen.

Starkenburg uiiö Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 9. jAprck. Ein Ueberfall am hellen Tage in der Nahe der Stadt beschäftigt zurzeit me-- tere Kreise. Zwei Damen gingen in der Nähe des neuen Balfnhofes spazieren, als die eine plötzlich von hinten durch einen fremden Menschen zusamniengerissen wurde. Ob ein Raubanfalt oder ein Sittlichkecksverbrecheu vor- liegt, läßt sich zunächst nicht mit Sicherheit feststellen, da es dem Täter auf das Schreien bei Damen gelang, zu verschwinden. Er wird als schmächtiger Mensch mit schwarzem Schnurrbart bezeichnet, bei einen guten grauen Anzug trug.

(!) Mainz, 8. dlpril. Heute nachmittag gegen 4 llhr stürzte beim Fenster putz en im BahnhosSgebäudc die 1/jährige Katharina Michel vom 2. Stock durch das Glas ­dach der Bahnhofshalle auf den Bahnsteig herab. Sic trug durch den Sturz so schwere Verletzungen am Kopf und an den Händen davon, daß sofort der Tod eintrat. Der Vorfall ist umso bedauerlicher, als das Unglück eine topfreiche, unbemittelte Familie betrifft, zu deren Unter­stützung das Mädchen beitrug. In letzter Zeit ist in Mainz uno Stangenrod ein bedeutender Preisabschlag bei Fleisch- und Wnrfrwaren cingetreten Der Preis für Schweine­fleisch ist ungefähr um 20 Pfennig, der für Wurftwaieir um 10 Pfennig gesunken.

handel.

-0. O f s e n b a ch a. M-, 9. ^Ipril. I il Z a h l u n g s s ch w ir­rig keil en geraten ist die Leder war ensirma Wckhelm Ewald hier. Der Gläubigerversaminlnng ist ein Vergleich von 35 Proz. angeboten worden, die meisten geben sich damit auch zufrieden. Es besteht eine Hypotheken schuld von 165 000 Mark, die Ge^ säMstsschulden betragen 246 000 Mark, Lohnsorderungen werben in ber Hohe von 12 000 Mark erhoben.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter Meier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

In der letzten Nummer ist veröfsenllicht worden, daß. die durch Vermittlung der hiesigen Ortskrankentasse neu gegründete Baugenossenschaft sich gebilbet habe und dabei als Muster für ihre Einrichtung die Bangenostenschaft in Wetzlar erwähnt. Man hätte in dieser Hinsicht am hiesigm Platz bleiben dürfen. Besteht doch hier sett dem Jahre 1894 die Baugenossenschaft des Ev. Arbeiter-Vereins, die bereits 43 Häuser er richtet und auch durch ihre soziale Einrichtungen für ihre Mit glich er schon Großes geleistet hat. Gerade die Baugenosscnfchaft des Ev. Arbecker-Vereins zu Gießen ist von der LandeS-Wohnungs- Jnspeklion als eine Muster-Geuossenschaft für Hessen bezeichnet worben.

Schwere Grubenunsälle.

B i r m i n g h a m (Alabama), 8. April. In den Banner Kohlenwerken in Littleton fand eine Explosion statt. Von den 190 Sträflingen, die dort arbeiteten, waren bis Mittag nur 20 lebend geborgen. Im Laufe des Tages wurden 45 lebend und f ü n f als Leichen geborgen. Es bestcht geringe Hoffnung, die noch Eingeschlossenen zu retten. Das Unglück wird auf eine Kohlenstaub-Ex­plosion zurückgeführt.

London, 9. April. Gestern nachmittag wurden die ersten Leichen aus der Seranton-Grube in Pennsyl- Pani en berausgefchafft. Es ist die allgemeine Ansicht, daß