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Erstes Blatt
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Nr. 85 Erster Blatt M Jahrgang Montag, 10. April Ml
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W General-Anzeiger für Oberhessen WM
Annahme von Anzeigen Botationsbrud und Verlag ber Vruhl'schen Univ.-Vuch. unb Steinbruderei K. Lange. Nebaltion, Lxpebltlon unb Druderei: Schulstratze 7. Land-: E.Heß; für den biUorm1®n" vüding-n: Fernsprecher Nr. 50 Se,chä,IrsteIIe Sahnhssslratze ,b-. w^nte.i: H. B.-r
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Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten.
thifcher Erinnerung sei. Mate ittiü) kvien wurme,
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Dia Lronpriirzossrn, bi.
Die marokkanische Krage in der spanischen Kammer.
Madrid, 8. April. Im dicht besetzten Hause richteten die Liberalen an die Rcgi e r u n g folgende A n - frage: Welche Haltung gedenkt die Regierung einzu- nehmen erstens für den Foii, daß die Reh ulken, welche Fez belagern, vernichtet rnerben, zwcitcns für den Fall, daß der Sultan entfernt werden sollte. Wird Spanien Mulay Hasid bei der BerndiguNg seines Reiches unterstützen'? Wird Spanren in beiden Fallen mit F r an kre i cl) zu demselben Ziele zufammenwirlen, mir welchen Mitteln und mit welchen Maßnahmen?
Minifterprä s i d en r Canalej as erwiderte: Ich fürchte, da,r ich nicht auf alle Fragen überall antworten lann, das Interesse der Ration geaatlet nicht, soweit zu gehen. Die Verhandlungen jmb im Gange und cs wäre meinerseits nicht pa,fend, darüber zu sprechen. Nichtsdestoweniger ist es gut, da^ das Parlament über unsere zwilisato- ri|ü)C und keineswegs aur Eroberungen ausgen.'nou Mis,ion in Marorko berat. Ministerprä,ident Canalejas erinnerte sodann an die Ereignis,e in Fez bis 2. April, seit welchem Tage die Regierung ohne Nachrichten aus ber Hauptstadt Maro Ros in. T.e ,ranzö,is^e decgi.rung . a.te den Augenblick für gekommen, bie Signatar machte b'e s Alge- ciras^Vertrages zu benachrichtigen, daß es sich verpflichtet hält, sich auf wichtige Ereignisse
vom albanischen Ausstand.
Konstantinopel, 9. April. Aus Sanaa wird über H ,j m p f c gemeldet, die an sechs Orten der Umgebung Sanaas sich abipielren. Die Rebellen wurden unter Verlust von mehreren hundert Toten vertrieben. — Aus Skutari wird
der Repre,eiuani der victutc vjtieui n . i<-... für sie lein Fremder und sein eüi- ^.c.-.cr Aufei.i
Liebenswürdigkeit die Herzen der Wiener gewinnen. Das „Fremdenblatt" schreibt: Man wird ui dem Besuche unb den Begrünungen nicht bloße Akte freundlicher Eourtoiiie, sondern das 3deinen einer außerordetttlichen Intimität zwischen den Herrsckjerhüusern erblicken. Diese herzlich sck-üuc Freundschaft der Ldaisersamilien steht in Uebereinstimmung mit der feiten Freundschaft ber Völkerfamilien.
Heber die Ancunst ivirb ausführlicher gemeldet:
Der ganze Sttaßeiizug, den bie Fürstlich testen bei ber Fahrt vom Südbahnhof nach der Hofburg passierte, prangic in reichem Fest schmuck. Besonders prächtig war die Ausschmüäung am äußeren Burgtore. Eirlanden zwich en den Flaggenmasten intb kunstvolle Arrangements in deutschen unb österre-.cri chen Farben
umsäumten den Festwcg. Trotz des unfreundlichen kühlen Wetters hatten an dem ganzen Einzugsweg entlang große Menschenmengen Aufstellung genommen, um die Gäste des Kaisers begrüßen zu können. Die an geeigneten Plätzen unb vor dem Burgtore er- richteten Tribünen waren vom eleganten Publikum dicht besetzt. Aus bein Dahnstetge hatte eine Elxrcnkompagiiie mit Fahne unb Musik unb den direkten Vorgesetzten Aufstellung genommen. Gegen 4 Uhr trafen die Erzherzogin Maria Annunziata unb Erzherzog Franz Ferbinand ein. Außerdem waren die übrigen in Wien weilenden Erzherzöge in den Uniformen ihrer preußischen Regimenter aus dem Balnhofe anwesend. Geraume Zeit vor der Ankunft des Zuges erschien der K a i fer in preußischer Feldmarschatl- uniform unter dem Jubel des Publikums vor dem Bahnhofe und begab fick' unter den Klängen der Vollshhmne auf den Bahnsteig, wo er im Gespräch mit den Mitgliedern des Kaiserhauses verweilte. Pünltlich um 4 Uhr 20 Minuten fuhr der Sonderzug mit dem kronprinzlichen Paare unter den Klängen ber deutschen Nationalhymne in die Halle. Kaiser Franz Joses war der Kron- pimzessin Cecilie, welche, als erste den Wagen verließ, beim Aussteigen bchilslich unb begrüßte iic nut herzlichem Händedruck. Die Begrüßung des Kaisers und des Kronprinzen, ber bie Uniform seines österreichischen Hus'arenregiments trug, war überaus herzlich. Während die Kronprinzessin Cercle hielt, schritten der Kaiser unb ber Kronprinz die Front der Ehrenkompagnie ab, tvorans der Kronprinz die Meldung des Ehrendienstes cnigegenuahm. Nachdem bas lronprinzliche Paar die Aufwartung der übrigen 511m Empfange erschienenen Damen und Herren entgegengenommen halte, bot der Kaiser der Kronprinzessin den Arm und geleitete sie zum Wagen: ihnen folgte ber Kronprinz mit ber Erzherzogin Maria Annunziata.
Vor dem inneren Burgtor begrüßten die Vertreter der Stadt das lronprinzliche Paar. In der Hofburg machte Ober- hosmcister Monten novo unb der Oberzeremonienmeister^Gtas E h 0 t 0 n i 0 w s k i bie Honneurs. Hieraus begleitete Kaiser Franz Joses seine Gäste die Schwarze Adler-Stiege hinaus, wo sich bie Erzherzogin Maria Theresia, Maria Christina unb Blanla, sowie die Herzogin von Hohenburg zum Empfang eingesuiiden hatten. Die Begrüßung war sehr herzlich. Sodann begaben lieh die krön- priNvlichen Herrschasten in ihre Gemächer, wo sie bald darauf die obersten Hosnoirdenttäger empfingen. Um 7 Uhr sand beim Kaiser Familientasel unb gleichzeitig Marscksalllasel statt, an ber das Gefolge des kronprinzlichen Paares, sowie ber Ehrend lenst teilnahm.______________________________ _
Das deutsche Aronprinzenpaar in Wien.
Wien, 8. April. Die „Politische Korrespondenz" schreibt: Eine Reihe von Ereignissen, die sich in den letzten Wochen in rascher Folge aneinander schließen, läßt die außerordentliche Intimität, welche die Höfe von Wien «und Berlin verknüpft, in besonders sinnfälliger und erfreulicher Weise zutage treten. Nach dem Besuche des 'deutschen Kaiserpaarcs in Schönbrunn ergriff der Erzherzog iFranz Ferdinand die Gelegenheit, der Fahrt der hohen Gäste durch die österreichischen Gewässer, um Kaiser Wilhelm durch ein Geschwader den Gruß der österreichisch ungari schen Flotte entbieten zu lassen. Morgen wird sich der Kronprinz Wilhelm in Wien einfinden, um dem Kaiser und König seine Gemahlin, die Kronprinzessin Cecilie, vorzu stellen. Der Erzherzog Franz Ferdinand kommt ebenfalls, wie anläßlich des Besuches des deutschen Kaisers mit Gemahlin, wieder aus Brioni, um an diesem neuen Austausch der Herzlichkeiten zwischen den beiden Höfen teilzu- nehmen. Den Kronprinzen des verbündeten Deutschen Reiches behielt man bei seinem ersten Besuch in freund lichstem Andenken. Sein offenes Wesen, seine sehr gcwin nenden Umgangssormen, seine Zuneigung, die er für Sesterreich-Ungarn bekundete, erwarben ihm allgemeine Sympathien, die ihm dauernd gewahrt btteben und sich seither durch verschiedene Vorgänge vertieften. Tic Bevölrcrung Oesterreich-Ungarns, weiche fede Berührung zwischen den Hosen in Wien und Berlin mit herzlicher Teilnahme begleitet, heißt auch den jetzigen Befuch freudig willkommen. Das Kronprinzenpaar wird hier von einer Atmosphäre besonderer Freundlichkeit umgeden sein, zu deren Scha.fung Kaiser Wilhelm durch seine Periönttchkeic und die Art seines Auftretens in Wien in hohem Maße beigctragen hat. Tie Wiener Bevölkerung empfängt das Kronprinzenpaar mit warmen Gefühlen. Die Zurufe, die ihm hier enrgegentönen, gelten gleichzeitig dem auf Korfu weilenden deutschen Kaiserpaar.
Die Aukunft.
Wien, 9. April. Der Kronprinz unb die Kronprinzessin sind um 4 Uhr 20 Minuten hier emgciroffcn unb am Bahnhofe uoii Kaiser Franz Josef, den Mitgliedern des Kaiserhauses, den Staats- und mititäriick^en Würdenträgern empfangen worden. De. Malier unb der § ronprinz hinten sich zweimal. Aus ber Fahrt nach ber Hofburg war bas Ltronprinzenpaar Gegenstand fükrmischer Ovationen.
Tie Blätter begrüßen das einireffenbe Kronprinzenpaar auf das herzlichste. Sie weisen darauf hin, daß der Kronprinz,
vorzubereiten. Wir haben geantwortet, daß Span '.en treu feinen Verpflichtungen diese Benachrichtigung zur Kenntnis nehme, und daß wir, wenn der Augenblick ge kommen sei, um Maßnahmen zu ergreifen, unseren Der Pflichtungen nachkommen würden. *$ir haben die Pflicht, uns vorsichtig gegen jede Eventualität zu sichern, die in der Umgebung unserer festen Plätze cintreten kann. Wir haben auch die Pflicht zu erfüllen, welche uns die Vorsicht überall da gebietet, wo ,ich die svanischen Instrukteure besrnden.
Manra (kons.) erklärte betreffend die marokkanische An • nelcflcnbcit, die konservative Partei werde gegebenensalis der Regierung jede Hilfe und Unterstützung angedeihen lassen. (Lebhafter Beifall bei den Konservativen und Ministeriellen.) ,
Ter republikanische Führer Azcaratc nahm zur Kenntnis, daß es sich nicht um ein Abenteuer in Marokko handle. Ter Nationalist S e n t v s a und der Karlist Mell a sicherten der Regierung gleichfalls die Unterstützung ihrer Parteien in der marokkanischen Frage zu, während der Sozialist Iglesias erklärte, die Sozialisten seren durch die Worte des Ministerpräsidenten nicht überzeugt und be hielten sich ihre Haltung vor.
Ca n a l ej as dankte den Konservativen^Natronakislen und Karlisten unb bemerkte zu den Sozialisten, wenn sie etwa die Absicht hätten, die Soldaten zu hindern, zu ihren Regimentern zu eilen, wenn sie das Vaterland riefe, so werde die Regierung dem mit allen Mitteln, über die sic verfüge, entgegenzutreten toi)fen. (Langanhattender Beifall.)
Darauf wurde die Aussprache über den Ferrer pro - SCH wieder aufgenommen. SolvorteHa beleuchtete den Prozeß von der politischen Seite und bemühte sich, die Kon servativen für die Ereignisse in Barcelona verantworttich zu machen. Nachdem mehrere Redner gesprochen hatten, wurde die Aussprache geschlossen. Der Antrag der Repu- Milaner, die Regierung möge das Abänderungsgesetz zum Militärstrasgesetzbuch vorlegen, wurde nrit 179 gegen 23 Stimmen abgelehnt.
Die umzingelte Stadt Fez.
Tanger, 9. April. Wie ans Fez vom 2. ds. ge- meldet wird, zeigt eine Kanonade auf der Sette von Dar el Maghfen an, daß die Truppen des Sultans von den Beni Mter nach Azala Taradji znrückge- schlagen wurden, während auf der Seite von Bal Fetuh die Aizensfi die Truppen im Südwesten der Stadt an> griffen. Die Umzingelung dauert fort. Zahlreiche K a u f l e u t e s ch l 0 f s e n i h r c L ä d e n und schaff ten ihre Waren nach Fez Djedid. Die Beamten des Maghzen .eigen sich nur noch mit einer Eskorte. Ausrufer warnen die Bevölkerung vor dem durch die Stadt fließenden Wasser des Flusses, da die Beni Mter die Leichen der gefallenen Soldaten in diesen hineinwerfen.
Aus Fez wird untenn 3. April, mittags, gemeldet: Ter Tag verlies ruhig, der Kampf gegen die Beni Mter endete gestern mit der Flucht der Rebellen.
Prinz Heinrich als Schriftsteller.
Eine Borrebe bes Prinzen Heinrich leitet bas-Werk cm, bas um seiner Bebeutung wie um seiner Tarstellung unb Ausstattung willen ein Anrecht aus besondere Beachtung hat: „M i t Zeppelin nach Spitzbergcn". Bilder von der Studienreise der deutschen arktischen Zeppelin-Expedition. Herausgegcben von A. Miet he und H. Hcrgcsell. Tcutsches Pcrlagshaus Bong u. .Co., Berlin W. 57.
Als durch den greifen Grafen Zeppelin und feine Mitarbeiter zum ersten Male dec Geoaine ausgeiproa/cn wuroe, bau man bie vervollkommneten starren Luftschiffe der Neuzeit in den Dienst ber Erforschung ber Erboberflächc zu stellen gebachte, wurde ber Beschluß gefaßt, eine Borexpebition nach Spitzbergens Norb- we|tküste zu unternehmen, welche unter Leitung bes Prinzen Hein- reich unb bes Grafen Zeppelin im vorigen Sommer zur Ausführung gekommen ist. Tein Zweck ber Aufgabe entiprcchenb, und um die Expedition nach sonstigen Richtungen hin wissenschaftlich wertvoll zu gestalten, schloffen sich der Studienreise eine Reihe Gelehrter an, von denen nur Geheimrat Hergescll, Prof, von Trygalsli, Geheimrat Mietpe, der Zoowge kyrar Zedlitz und Prof. Reich genannt fein mögen. Die erste Lieferung des^ auf 15 Lieferungen berechneten Wertes „Mit Zevvelin nach Spitzbergen" liegt nunmehr vor. Sie beginnt mit dem Vorwort des Prinzen Heinrich von Preußen. Ter Artikel „Tas arktische Luit- fchiffuntemehmen unb ber Zweck unserer Stubienreise" von Geheimrat Hergesell schließt sich an. Geheimrat Prof. Dr. Miethe fchilbert in einem mit vielen Illustrationen geschmückten Kapitel bie Reise ber „Mainz". Tas Vorwort des Prinzen Heinrich sei hier roiebergegeben:
„Die Echterbinger Katastrophe im Jahre 1908 rief im beut- schen Volke eine Bewegung hervor, bie klar erkennen ließ, baß das Zeppelinsche Luftschiff nicht nur bas Werk eines genialen, Sähe ausharrenben Mannes war, fonbern, daß diesem Werke auch ein nationales Empfinden zugrunde lag, dessen Ausfluß in der )einerzeit gesammelten Spende Har zutage trat.
. Naturgemäß wurde somit das Interesse an der Lustschisf- jahrt unb im besonderen an dem System des Grafen Zeppelin weit über die Grenzen iknferes Reiches hinaus geweckt, und büdete bann längere Zeit den Gegenstand lebhafter Erörterungen, be>anders in den weitesten Kreisen unseres Volkes. Ebenso be- grei|licherweise erwartete man große Erfolge, die, wie man an- Uahm, in kurzer Zeit sich verwirklichen i'ollten, ohne zu bedenken, daß die Technik trotz ihrer hohen Entwicklung nicht immer irn- uanbe :|t, dem menschlichen Geiste in gleichem Tempo zu folgen. Wohl aber bestand bei ernsten Mannern der Wille, das starre
Luftschiff — System Zepp:iin - -n vervollkommnen, um es dann womöglich auch in den Dienst der Wissenschaft zu stellen, wie zum Beispiel zur Erforschung der arktischen Regionen, wohl verstanden, nicht zur Entdeckung des Nordvols, wie leiocr häufig fälschlich angenommen nnrb — denn ein solcher Plan hat nicht bestanden, auch nicht ehe Cooks und Pcarys Unternehmungen betannt wurden. Der Wunsch, unseren Erdball gründlich in allen Teilen zu er>or>'a,cu, ta; ic 1 veuanben uno
wird weiterbestehen Ohne Zweifel gehören die arktischen und antarktischen Regionen zu jenen Teilen des Globus, welche wegen ihrer widrigen klimatischen und som.igen Verhältnis c dem Forscher die größten Widerstände entgegensetzen: daher lag der Gedanke nahe, diese Wiberitanse niu Mute l-<uh)'clijc^ aur?zuia)alien, unb zwar zu ter für die Luf.sck^'ier günstigsten Periode des Polarsom- mcrs. Die a n t i r 11 i f ch enRegi 0 nen (amen für den gcbadyicn Zweck nickt in Frage, weil die dort auch im Sommer herrsche üben orlanartigcn Winde icgliche Unternehmungen „zur Lust" unmöglich machen, dahingegen schien die Grioridning der arktischen Regionen durchaus im Rahmen der Möglichkeit zu liegen und wurde deshalb ins Auge gefaßi. Diese Studienreise erwies sich als außerordentlich nutzbringend, bot sie doch Gelegenheit, klimatische, meteorologische, sowie geograpyiiche Studien anzustellen, auch oie Beschaffenheit des Polareises kennen zu lernen, und zwar unabhängig von dem augenblicklichen Stande der ^uftschifftecknit und unriüiängtg von der »yrage, b.u oiojct«. dec tyrsorschung ber arktischen Regionen mit Luftschiffen setzt ober später zur Tat wird, mit einem Wort, die Studienreise war Vorbedingung sür das geplante Unternehmen! Somit entwickelte sich der Gedanke einer Studienreise nach Svitzbergen bis an die Grenze des Polar cises, ciu Gedanke, der zur -Eat wurde und dessen Aus'ühnmg im Iuli-Augnst des Jahres 1910 eriolgte. So entstand die Studienreise, an der, uni sie auch auf anderen Gebieten erfolgreich zu machen, deutsche Männer Der Wissenschaft sich beteiligten. Im ferneren Verlaufe der Untersuchungen dieser Frage stellte sich das Bedürfnis heraus, an Ort unb Stelle eigene Eindrücke zu sammeln, um Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Unternehmens gegeneinander abzuwägen. In wie großer "Nähe oder in wie weiter Ferne die Verwirklichung des Gedankens ber Erforschung bei arktischen Regionen mir Hilfe von Luftfahrzeugen liegt, wird wefenttich abhängig sein von dem Maße ber Entwicklung dieser Fahrzeuge zu Tauerleistungen, großem Aktionsradius und Unabhängigkeit von technischen Hilfsmitteln.
Sind diese Bedingungen erfüllt, so dürste der Ausführbarkeit einer arktifchcn Forschungsreise mit Luftfahrzeugen — System Zeppelin — nichts im Wege stehen. Sofern flaattiche Mittel für ein solches Unternehmen nicht flüssig zu machen sein sollten, wäre zu hossen, daß opferfreudige Männer sich in der Zukunst
finden werden, welche bereit sind, eine Knituraufgabe lösen zu helfen, die des deutschen Namens würdig ist.
Heinrich, Prinz von Preußen, „Mainz", Nördl. Eismeer, August 1910.
— Die Entdeckung von Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Ein interessanter Fund wurde vor kurzem, wie im Cicerone berichtet wird, im Chor der Kirche San Francesco zu Brescia bei der Wiederherstellung eines Oclgemäldcs von Cerolamo Romanino gemacht. Als man mit aller Vorsicht einen Kalkantourf entfernte, tauchten Wandgemälde auf, die die Gestalt Christi und der vier Evangelisten darstellen. Mit diesen Figuren war die Wölbung des Chores geziert, und als man nun weiter nachsorschte, ergab sich, daß die Apsis vier Lünetten mit den Riesengestalten der Kirchenväter und in der Mttte ein gewaltiges Bild enthielt, das die Madonna mit item Icsu- kinde, von Engelscharcn umgeben, zeigt. Die kunsthistorische Untersuchung/ die von den sogleich zugezogenen Sachverständigen Prof. Venturi und Galeriedtrettor Mo big 11 a tt t vorgenommen wurde, stellte fest, daß es sich hier um Werke verschiedener Künstler handelt. Die den Er leier, die Evangelisten nnd die Kirchenväter darstellenden Fresken, die nicht sehr gut erhalten sind, rühren jeden falls von Romanino her. Weit wichtiger aber sind ine anderen, im Gegensatz dazu vortrefflich erhaltenen Fresken, die der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstam men und zu der Kunstgeschichte dieser Zeit einen beachtenswerten Beitrag liefern.
— NeuesoonPionardoDaVinci. Professor S 0 l m i von her Universität Pavia, ber bekannte Lionardosorscher, Per öffenklicht demnächst einen aufgefundenen Briefaufiatz, der, wie die ,Lunstchronik" berichtet, ein neues und merkwürdiges Lich. auf t>cn Charakter des Meisters wirft. Hier fucht üionaröo 1493 Den Auftrag für die Bronzetüren des Tomes von Piacenza und ankere von dem Bischof Fabri.iv Marliani ins Auge gefaßten Arbeiten zu erhalten. Svlmi kann nachweisen, baß Lwnardo zahlreiche Malereien i n ben Räumen des Kastells Vigevano ausführte , dessen Bau unter der Leitung von Bramanic stand. Einige Tarstetlungen sind m den Handstyristen geschildert. Die Pläne, welche lwnardo für die Srainterung Der P 0 n ki n i s chen Sümpfe getiesen hat, sind, wie Svlmi feftftelit, in den Fahren 1514—1515 von dem Ingenieur Giovanni Scotti aus Como als Unterlage 'iir seine Arbeiten in den Pon- tinischen Smnpsen benutzt worden.


