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10.3.1911 Erstes Blatt
 
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Bisher hat niemand hierin etwas Bedenkliches gefunden. Der Anttsnorveher von Brockau.fühlte sich aber durch die Uebersendung bet 30 Pfennige beleidigt: er erblickte darin einen BcstechungS- verfuch und übergab das Schreiben samt der Bestechungsimnnm vvn drei schlesischen Böhm der Staatsanwaltschaft, die auch wirk­lich Anklage er hob. "Das Schöffengericht tat dem Staatsanwalt aber nicht den Gefallen und sprach den Verbrecher frei, mtt der Begründung, daß 30 Pfennige keine BcsteckmngSsummc darftellten. Bielmebr müsse dem Angeklagten geglaubt werden, wenn er lagt, er babe den kleinen Betrag sozusagen als Auskunstsgebübr be­trachtet, wie sie auch vvn anderen Behörden erhoben werde und am allerwenigsten habe er daran gedacht, durch das Geld dem Amts­vorsteher amtlidre Geheimnisse herauszulocken. Gegen das Urteil wttrrde von der Anklage! l.örde Berufung eingelegt, die aber von der Strafkammer ebenfalls verworfen wurde. Alles um 30 Pfg.

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Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach a. M., 10. März. Die Bahnhofs­frage stand in der heutigen Sitzung der Stadtverordneten zur Beratung. Nach jahrelanger Wartezeit bat die Eisen- bahnverwaltung den Rest deS Bahnprojekts vorgelegt. Bür» germeister Dr Düllo erläuterte das Projekt. Früher seien in der Bahnhofsfrage die Ansichten geteilt gewesen, indem die Einen für eine Verlegung deS Bahnhofs nach dem Süden, die Andern für die Höherlegung eingetreten seien Bei dem jetzigen Projekt sei der Plan durchweg höher gelegt Die .Höherlegung beginne an der Landes- Srenze und ziehe sich durch die ganze Stadt derart, daß das ilonum etwa 45 Meter höher zu liegen kommt. Die itratzen sollen sämtlich unterführt werden. Zu den Kosten deS Projekts mit 6 700 000 Mk. hat die Stadt 300000 Mk. «zu leisten Eine große Schwierigkeit bestehe je- rin, daß die Eifrnbahnverwallung diesichere Er» Wartung"' ausgesprochen habe, daß angesichts diese? Ent­gegenkommens in finanzieller Hinsicht die Stadt nichts mehr gegen die Aufl>ebung deS StaatSvertrageS vom Juni de? Wahres 1868 einzuwenden habe, wonach alle den Bahnhof Offenbach passierenden Züge dort halten müssen. Das In­teresse des Haltens der Züge in Offenbach sei sehr groß und deshalb müsse die vorteilhafte Situation, die sich aus dem Staatsvertrag ergebe, nach Möglichkeit ausgenutzt wer- den, vielleicht so, daß man nicht auf das jetzige Recht Verzicht leistet, sondern nach der Richtung eine Begrenzung vornimmt. Man müsse einen geeigneten ModuS finden, der die Interessen der Stadt nach Kräften zu wahren weiß und zwar müßten, um sich etwaige Konkurrenzstädte fern zu halten, in einem zeitlich begrenzten Umkreise alle die Züge ,die anderSwo anhalten, auch in Offenbach halten. Schließlich wurde der Antrag deS Ausschusses angenom­men, wonach die Höherlegung der Bahnhofsanlage und die vorgeschlagene Verteilung der Kosten beschlossen wird.

Kleine Eaqeschronik.

In Wien führte das Erscheinen von Damen im Losens red wiederholt zu Ausschreitungen. Mehrfach mußten die Damen vor der Menge in Geschäftshäuser flüchten, wenn sie auch k.-iney Hosenrock anyatren. In einer Privatmädchenschule wurde ein; Schülerin im Hosenrock vom Direktor aulgefordert, bad Haus iu verlassen und in anständiger Micibung wieder zu kommen^

In einem Dorfe bei Amsterdam wurde ein Mann unter Erscheinungen krank, die auf Vergiftung durch Arsenik hin­deuten Vor seckis Wochen war seine Nachbarin unter den gleichen Anzeichen gestorben. Ter Verdacht liegt vor, daß Die Ver­giftungen von einem Paar ausgehen, da- in unerlaubten Be­ziehungen zueinander gestanden hat und sich beitaten wollt«.

Zu Nizza wurde eine alle Frau beim- Betteln verhaftet^ die sich später alS die Gräfin von Lugo erwies.

In Madrid hat nach zwei Monaten fortgesetzten Früh. lingSwetters plötzlich wieder strenger Winter eingesetzt.

In der Lissabon benachbarten Stadt AbranteS geriet während Jahrmarkt «abgehalten wurde in einem Kinemato- gravhentheater, infolge Ueberhitzung der elektrischen Drähte, ein 5ihn in Brand. Bald daraus stand das ganze hölzerne Gebäude in Flammen. Eine entsetzliche Panik brach aus. Der Wind trieb die Flammen gegen drei benachbarte Schaubuden, die alSbald Feuer fingen. In wenigen Minuten war der ganze Jahrmarkt ein einziges ff eu ernte er. Wasser war nicht zur Stelle. DaS Militär half der Feuerwehr zahlreiche Menschen vor dem sicheren Flammentode zu retten. Die Zahl der Verwundeten ist überaus groß.

In einem Kupferbergwerk des Artwrnbezrrkes verschüttete, nach einer Meldung aus Tiflis, eine Lawine ein zwei- stöckiaeS steinernes HauS, das von Arbeitern bewohnt wurde. 19 Personen wurden getötet, 16 schwer und 70 leicht verletzt.

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() Kirchhain, 9 Mär^ Der für bett 21. März anstehende Diehmarkt fällt wegen der drohenden Gefahr der Maul- und Klauenseuche aus.

v. Dlez, S. März. Heute vormittag wurden beim Bau einer Unterführung im hiesigen Bahnhof durch nieder­gehende Erbmassen zwei Arbeiter verschüttet, von denen einer getötet wurde und der zweite schwere innere Verletzungen erlitt.

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X. Hanau, 8. März. Das Schwurgericht bat beute den 48 Jahre alten Lehrer an der landwinschastlichen Winterschule in Gelnhausen, Bernbard Rnunböbner. wegen vorsätzlicher Brand- fttfiunfl zu 1 Fahr 5 Monat Zuchlbaus verurteilt und ihm & Mo­nate der erlittenen Uiuers»,chungshast in Anrechnung gebracht.

Wiesbaden, 8 März. Der (Mchäfteführer der Bezirks- koste WreHbaden deS Verbandes deutscher Buchdiucker, Franz Bcrtina, der dieser Kaste 21 "0-> Alk. verunlieul batte, wurde heute von der eiraifainmer zu I V, Jahren (ä e i ä n g n i S und ö Jahren Ehrverlust verurteilt.

Magdeburg, 9. März. In der Verhandlung des Kniteltus-Prozesses erklärte der Hauptzeuge Ntt- ter auf dringendes Ermahnen deS Verteidigers, er wolle der Wahrheit die Ehre geben, und bekenne, daß Kinite- liuS zurzeit deS Einbruchs in die Hirschapotheke nicht in Magdeburg gewesen sei. (Große Bewegung.! Rach weiterer Vernehmung sagte Ritter auf dringende Fragen deS Verteidigers, ob er noch etwas hinzuzufugen habe, seine Reise nach Magdeburg habe mit einer nach § 175 strafbaren Handlung -usammengehanaen. Er habe noch eine längere Aussage zu machen, sei aber jetzt zu erschöpft. Darauf wurde die Verhandlung auf morgen vertagt.

Zwei Gerichtsverhandlungen wegen 3 0 Pfennig.

4 Breslau, 9. März. Nach einer neuesten Statistik kom­men jährlich in Deutschland 6 Millionen polizeiliche und gcricht- liche Bestrafungen vor. lieber diese hohe Zahl braucht man sich nicht zu wundern, wenn man folgende Haupt- und Staatsaktion um 30 Pfennige lieft. Ein Auskunftsbureau hatte sich an den Amtsvorsteher von Brockau gewandt und in dem Briefe unter Beifügung von 30 Pfennigen um Auskunft über einen Einwohner gebeten. Es ist dies eine Praxis, die wohl von allen Auskunft- bureaus gehandhabt wird. Wenn Anfragen über Personen tu kleinen Flecken oder Dörfern kommen, in denen Die betreffende Gesellschaft leinen Vertreter besitzt: wendet sie sich an einen dortigen Kaufmann, der au- dem Adreßbuch eruiert wrrd, oder an eine amtliche Perlon. (35 ist auch allgemein Usus, daß dev Anfrage ein Keiner Betrag beigefügt wird, teils zur Erstattung der Portoauslagen, teils als Honorar für die Austunttscrleiluug.

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