Die heutige Nummer umfahr 14 Seiten.
eines
mir als Kandidat
Rechtsanwalt.
er
Damir beende i i
tbaren Streit und über
Wer vollends noch gestern die Rede des Herrn Reichstagsabgeordneten Paasche gehört und aufmerksam verglichen hat, bi wird und muß zugestehen, das; Herr Prof. Gisevins seiner
Antwort an die Herren Zustizrat Metz und Grünewald.
Herr Prof. Luley, dem wir, um ihm eine weitere Zuschrift zu ersparen, gleich Einblick in den neuesten offenen Brief des Herrn Justizrat Grünewald gewährten, schreibt uns:
Gegen vorgefaßte Meinungen kämpfen Götter selbst vergebens. Ich deshalb erst recht.
Ich stelle nochmals fest, das; die parteiprogrammatischen Aus-^ sührungen des Herrn Dr. Stresemann auch nicht in einem Punkte anders waren als die des Herrn Prof. Gifevius, sich aber in wesentlichen Punkten von denen des Herrn Pfarrer Korell unterschieden. Das ist doch für jeden ernsthaften Politiker die Hauptsache. Für Ihre Partei scheint indessen eine Ausnahme zu bestehen, denn entgegen Ihrem Parteiprogramm ist Ihr Herr Kandidat in gewissem Maße Schutzzöllner. Trotzdem beimitt sie den redegewandten Herrn Pfarrer als Werber für die Partei, und die ausgesprochen st en Freihändler, z. B. der Stab der „Franks. Zeitung", genierten sich nicht, für ihn — d. h. doch hier gegen ihr eigenes wirtschaftliches Programm zu reden. Das geniert Sie nicht, meine Herren!
Tas Programm des Herrn Prof. Gisevins ist kein einseitig agrarisches, das haben Sie nicht bewiesen und können Sie nichi beweisen. Sic brauchten ja nur unbefangen zu lesen, was darin steht, dann würden und müßten Sie cs zugeben.
Auch die Behauptung des Herrn Grünewald, Herr Dr. Stresemann stehe der Sozialdemokratie anders gegenüber, ist falsch. Er steht auf dem nationalliberalen Boden.
Ueberzeugung nach der nationalliberalen Partei zu gehört. Herr P a as che, der ja auch in einer freisinnigen großen Annonce als im Gegensatz zu Gisevins stehend bejeiumet war, erjrciit iid> nie oicjer m ocm leit Jahrzehnten in nationalliberalem Besitz befindlichen Wahlkreis Kreuznach eines freisinnigen Gegenkandidaten. Und Kreuznach liegt doch nicht in Hessen! Was ist im Lause der Jahrzehnte nicht alles von Ihrer Partei im Namen des Liberalismus bekämpft worden!! Fassen wir zusammen: Ihre Versuche, das Programm des Herrn Prof. Gisevius als agrarisch-bündlerisch- antiliberal darzustellen, sind kläglich an den Tatsachen gescheitert. Ich kann Sie auch versichern, daß wir Ihre Wahltaktik von vornherein durchschaut, richtig erkannt haben. Sie entsprang nicht dem liberalen Gedanken, sondern dem Wunsche uns zu isolieren, um dann ernten zu können.
prinzregent Luitpold von Bayern.
3m feinem 90. Geburtstag (12. März 1911). Von Dr. Karl Mayerhofer (MünchenV
Wie Kaiser Wilhelm L, mit dem er das Erreichen wahrhaft patriarchalischen Lebensalters, des 90. Jahres, gemern- ani hat, hatte auch Prinzregent Luitpold von Bayern in seiner 'ugenb- und Manneszeit niemals daran gedacht, daß er in einem Alter, da die meisten Menschen sich von den Geschäften und "ftien der Welt zurückziehen, die Geschicke eines Landes werde leiten haben. Ein langes Leben — 65 Jahre — batte der im schon hinter sich, als die immer düsterer sich gestaltenden rl)ältnisse im Hause Wiltelsbach ihn zur Reicl-sverwesung be- riefen Die Auspizien, unter denen er die Regierung antrat,
waren wahrhaft schrecklich: Ludwig II. von Bayern war feit einer Reihe von Jahren von zerstörender Geisteskrankheit be fallen: sie hielt ihn vvn den Menschen fern, iagte ibn bi? Rächte hinburck über Pässe und Gebirgspfabc oder hielt ihn in mein jener burgartigen Schlösser gefangen, bic er sich, aus einem Rausch von romantischer Schönheitsliebe unb Irrsinn be- fehlend, in seinen geliebten Bergen hatte austürmen lasten. Es ;ab, besonbers wenn bet König fluchtartig von Schlost zu Schlotz jagte, Tage, da kein Mensch wußte, wo die eigentliche Regicrungs' aewalt lag . oer König selbst gab sic in die Hand seiner Friseure und Reitknechte, die er mit der Bildung eines neuen Ministeriums betraute. Als der Zustand des König» in offenen Irrsinn überging, konnten sich die Anwärter und Räte Der Krone der Notwendigkeit nicht länger entziehen, Ludwig II. für geisteskrank erklären zu lassen unb einen Stellvertreter zur Regent,chaft zu beruien 2aS Anrecht herauf hätte des Königs jüngerer Bruder, Prinz Cito gehabt, der indes schon seit einer Reihe von Jahren cullig geisteskrank unb bah er unfähig zur Ueberiiahmc der Reichs- yerwesuiig war. So mußte denn als bet nächste Agnat Prinz Luitpold, der Onkel ber beiden Prinzen, die Regentschaft an- rreten. Auf ärztliche unb staatsrechtlich örünbe gestützt, erklärt? er am 10. Juni 1886 im Verein mit dem gelernten Staats- minifieriuni die Uebernahme ber Lerwei rfchaft des Königreichs unb berief bie beiden Kammern des Landtages, um ihre vcrfas wngsmüßige Zustimmung einzuholen und den Eid vor ihnen
Schönredner zu sein, kann man behaupten, daß es nicht zum mindesten * die Vorurteilslosigkeit des Regenten war, die in den neunziger Jahren bet neuen Richtung in ber Kunst gerade in München Licht und freie Luft gewährte — nn Gegensatz zum hohen Norden, wo manch bedeutende Künstlernamen an den höchst- offiziellen Stellen noch immer kaum ausgeivrochen werden Dürfen
Vorurteilslos, auSgleichend unb bie Gegeniatze mildernd, hat ber Regent auch in politischer Beziehung gewirkt. Bayern ist ein Land, in dem dos demokratische Prinzip immer .eine große Rolle gespielt hat: dies hat sich in den letzten dreißig Jahren vielleicht noch verstärkt, und das Landesoberhaupt hatte etgenthd) raum Gelegenheit, in politischer Beziehung persönlich stark V?r- vorzutre.cn. Um so tiefer ging Der Mlle Einfluß des Regenten, meen es galt, allzu große Parteileidenschaften unb Gegensätze auf bas Niveau der Verständigung W bringen.
Bezeichnend dafür ist cm sehr politisch gefärbtes Vorkommnis, das einst nicht nur in Bayern, sondern un ganzen Rmch größtes Aussehen erregt bat. Ter noch jugendliche Kauer Wilhelm II^ machte bald nach seiner Throichestelgung leinen ersten Beiuch in München und trug sich, als er im Rathaus mipfatigen wurde mit der Devise „suprema lex regis vvluntas ins goldene Buch ber Stadt ein, - ein Satz, der sofort nicht nur in BaMii, sondern in ganz Deutschland und darüber hinaus v,el Anfiehen erregte und lebhaft kommentiert wurde. Einige Zeit verging unb auch der Regent besuchte das Rathaus. Als er.nch ebenfalls ins Goldene Buch eingetragen hatte, laS man die Worte, faluv publica '"^^Fürs^ öffentliche Wohl im Stillen zu arbeiten, persönlich aber zurückzutreten, — diese moderne Reglernngskunst ist vor- zuglich, die des Prinz-Regenten. Auch damtt bewahrt er die Tradition des Wittelsbacher Hauses und der Wahlspruch seines königlichen Vaters Ludwig L, des lebendigen Menfchen und menschlich fühlenden Fürsten, ist nicht allein dem Wort, lonbern dem Wesen nach auch ber seine:
„Gerecht unb beharrlich.
Herr Juftizrat Grünewald sendet uns noch entert „offenen Brief" an Prof. Luley.
Sehr geehrter Herr Professor!
Ihre ebenso unsachliche wie fettgedruckte Antwort hat mir eine heilere Viertelstunde bereitet — ich bin mir als Kandwat ber Antisemiten und als angstschweißwischender, bedrückter Ver- lammliuigsredner so ganz verändert vorgekommen als ich sanft der Oessentlichkeit unb mir selbst bekannt bin! Sollte nicht in Ihrem Borstellungsvermögen eine Störung cingctrctcn sein? Ich hatte Sie doch ermahnt, sich nicht zu sehr aufzuregen. Woher wollen Sie wissen, daß ich bedrückt von bannen gegangen bin? Bebenken Sie, daß von etwa 700 VersammlungS^ teil nehmern etwa 600 mir zugestimmt, ja zu- gejubelt hatten, daß von vielen Seiten ich beglückwünscht wurde und daß ein solcher Erfolg doch auf einen Menschen nicht gerade niederschmetternd zu wirken pflegt, auch wenn derselbe im Vergleich mit Anderen nicht mit großer Selbstzufrieden heft behaftet ist. Sie irren sich vielleicht in der Person —* es ist mir schon in der Versammlung gesagt worden, national- liberale Führer hätten sich außerhalb des Saales gestritten, wer denn Herrn Dr. Stresemann hergebracht hätte: keiner wollte es getan haben? Sollten Sie da einen Bedrückten ooei« Angstschwitzenden gesehen haben?
Hochachtungsvoll!
Justizrat Grünewald-
Die Agitation im walMis Giehen-Snmberg-lMda.
Der letzte Tag vor der Wahl hat doch noch einige Erregung gebracht. Zwar sind die beiden großen Versamm- unqen, die nationallibcrale und die fortschrittliche, ruhig und fachlich verlaufen, dagegen zeitigen die letzten „offenen Briefe" bedauerlicherweise einige persönliche Verstimmungen. Wir wollen, um uns Vorhaltungen zu ersparen, die Änseinandersetzungen ungekürzt bringen, obwohl das achlichc Ergebnis wohl gleich Null ist. Wenn heute Herr Justizrat Grünewald mißbilligend auf die „fettgedruckten' Ausführungen des Herrn Prof. Luley in der gestrigen sttummer hinlveist, so bemerken wir, daß Herrn Lulcys Antwort vor der Wahl nur teilweise noch bekannt ge geben werden tonnte und daß lvir darum die von ihm unterstrichenen Stellen in dieser Form wiedcrgegeben haben. Tie Wendung in der Veröffentlichung des Herrn Justiz rats Grünewald in Nr. 58 „Regen Sie sich nicht zu sehr auf" hat auch dazu beigetragen, die Sache am
Ende doch noch etwas ins Persönlickfc zuznspitzen/ Jetzt ist man auf beiden Seiten ein wenig
aufgebracht. Heute, am Wahltag, wollen foir mit diesen unnützen Streitereien endgültig Schluß machen. Wir hoffen, daß die Beziehungen der führenden liberalen Persönlichkeiten wieder in ein ruhigeres Fahrwasser einschwenken.
München, 9. März. Bei der großen Feier der Landes- Huldigung im Throns aale der Residenz war heute vormfttag ganz Bayern vertreten. Mit den Inhabern der höchsten Stellen beim Hof, im Staat unb im Heer unb in den Gemein- den waren weiter erschienen Vertreter aller Hof- unb StaMslUulen, bie Direktorien ber gesetzgebenden Körperschaften bie Standes- Herren, bic Vertreter ber Kirche, des Oftizieikoips und alle großen -Organi^tiou unb V'^oanoe des ganzen Landes. Eben- o Vertreter ber Bayrischen Hochschulen, der Gelehrten- unb Künstlerwelt unb der Presse. Aus ber -Tribüne des ^hron- saales war auch als Zuschauer der Urenkel des Regenten, der kleine Prinz Luitpold, mit den Übrigen Kindern her prinzlichen Familie zugegen. . _ .
Al» ber Regent den Saal betrat, begrüßten ihn ,-,2Nfare>i- flängc. Festen Schrittes stieg er bie Stufen zum -rhronsestel empor, vor welchem er währenb bet ganzen Feier mit bdpunbern4= werter Frische stand. Zur Linken des Thrones standen bic Pratzen und Fürstlichkeiten, zur Rechten die Prinzessinen .
Der Erste Präsident ber frommer ber Reichs- rate, F st r st Löwenstein, richtete im Namen des ganzen Bayrischen Volles an ben Regenten eine Ansprache, in welcher er hcrvorlwb, daß ber 90. Geburtstag bes Regenten ein Ltamilten fest, nicht nur für bas Königliche Haus, lonbern auch für das ganze bayrische Volk sei. Die Gefühle, bic in biefem großen- ^Nomcni alle bewegten, seien Dank gegen Gott, baß er bem Regenten ein so langes unb reichgesegnetes Leben geschenkt habe, dann aber auch Dank gegen ben Regenten leibst, baß er biescs Leben in einer Weise verbracht hat, baß er zu einem Herrscher geworben sei, bem seine Lanbeslinder in Liebe unb Verehrung untertan sind. Aus bem Leben des Regenten leuchten ebenso Familiensinn, tiefe Pflichttreue, wahre Lebenskunst und echte Frörnmigteit eiugeacn. Gttulliw ein Volk, das einen Regenteil besitzt, dessen Farnftienleben den Untertanen zum Vorbild dienen kann. Vom frühzeitigen Eintritt in die Armee bis zum heutigen Tag hat ben Regenten tiefes Pflichtgefühl geleitet. In stiller wie in bewegter Zeit mit ber Uebernahme ber Regentschaft hat der Regent im Jahre 1886 mit sicherer Hanb die Zügel b?r Regierung ergriffen und unter strenger Wahrung ber Verfassung Lis ZN diesem Tag geführt, zum reichsten Segen für Volk und Land. Der Slebncr ivioij mit einem .vorn aur den Regenten, das lebhaft ausgenommen würbe und brausend durch den Saal drang.
Die Musik intonierte bie Nationalhymne. Hierauf verlas ber Prinzregent, von tiefer innerer Bewegung ergriffen, eine Ansprache, in der er u. a. sagte: Es ist eine allgütige Fügung, daß bic Zeit meiner Regierung zusammenfällt mit einer Zeit friedlicher innerer Entwickelung Bayerns, wie sie bie Geschichte irüf,cr kaum gekannt hat. Im Deutschen Reich komme Bayern eine geachtete Stellung zu, hübet bie treue tapfere Armee einen starken Pfeiler ber mächtigen Schutzwehr, bie den Frieden verbürgt und die Früchte ruhiger Arbeit reifen läßt. Alle Zweige unseres Erwerbslebens zeigen glückliches Gedeihen. Tie Wissenschaften schreiten von Erfolg zu Erfolg. Die Kunst, bie schönste Blüte, die Gei'fttung unb Wohlstand hervorbriiigen können, bat sich herrlich entfaltet.
Rackst)em der Regent biefe Ansprache bcenbet hatte, schritt er bie Stufen des Thrones herab auf ben Fürsten Locwenstein zu und sprach ihm persönlich feinen Dank aus. Ebenso begrüßte er andere Mitglieder des Reichsrates und der Kammer, sämtliche Minister unb andere Anwesende. Nockynals ertönten begeisterte Hochrufe, als der Regent gefolgt von den Mitgliedern ber königlichen Familie ben Saal verließ.
Im glänzenb erleuchteten Ballsaale ber Residenz unb ben anstoßenden Nebensälen fand heute nachmittag eine große Galatasel statt für alle, welche heute vormittag an ber Landeshuldi- gungsseier für ben Regenten tcilgenommen hatten. Im Verlaufe der Tafel wies Prinz Ludwig darauf hin: Der Prinzregent sei der erste Wfttclsbacher, ber bas seltene Alter von 90 Jahren erreicht habe. DaS gelte zu gleicher Zeit ber 25jährigen Regierung des Regenten. Die Fortichrftte, bie Bayern in feiner Entwicklung auf allen Gebieten in biefem 25 Jahren machte, feien weltbekannt. Der Prinz schloß mit bem Wunsche, baß ber Regent mit gleicher Gesundheit und Rüstigkeit nodMange bem Lande erhalten bleibe zum <segcn Bayerns und zum Segen bes ganzen beutschen Reiches. Unmittelbar, nachbem das Hoch verklungen und bie Regentenhymne gespielt war, erhob sich ber Regent unb sprach mit kräftiger Stimme feinen herzlichen Tank aus für bie Huldigung. „All bem Empfinden, fo fuhr ber Regent fort, bas mich in dieser Stunde bewegt, gebe ich Ausdruck mit bem innigsten Wunsche für unser beuftches Vaterland, bessen Wohl Zeft meines Lebens mein Denken unb Handeln gewidmet war." Der Regent schloß mit einem Hoch auf Bayern und sein treues .Volk.
leisten zu tonnen.
Prinz Luitpold, zur Zeit seines Regierungsantritts bereits den Siebzigern nahe, war am 12. März 1821 in dem brädi- ftgsten Schlosse Bayerns, in ber Residenz zu Würzburg, dem edlen Werk des großen Rokokomeisters Balthasar Neumann ge- huren l?r war der Drille Sohn des genialen Königs Ludwig I. uui) seiner Gattin, der Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen. Seine beiden älteren Brüder waren Prinz Maximilian, per spätere ixag 11 von Bayern und Prinz Otto', her 1833 un Triumph nach Griechenland zog, um dort König zu sein, allerdings nur ar hn;c Zeit, denn ber mehr aus romantischen Ideen als auf -olnischen Realitäten errichtete Thron stürzte gar bald zusammen. x\m Gegensatz zu seinen beiben '-Brühern blieb Prinz Luitpold zu seinem Alter, als eben die Ereignisse ihn dazu beriefen, ber Politik im großen unb ganzen fern. Er wählte schon in -ruber Jugend das Wasfcnhandwerl, und zwar als spezielle Waffengattung bie Artillerie. Nach gut bayerischer Sitte hatte er dabei, obwohl er königlicher Prinz und bereits majorenn war, noch im Alter von 18 Jahren (im Jahre 1839) drei ÜSodjcn als gemeiner Artillerist zu bienen; er war Bombarbier und Feuerwerker tute icbcr andere Soldat auch. Diese demokratisch am mutende Sitte, die noch aus bei Zett des Absolutismus stammte, wurde übngenS erst in den achtziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts abgefdtafft; bis dahin hatte jeder Prinz die Pflichten eines gemeinen bayrischen Soldaten wenigstens einige Wochen lang zu erfüllen. An seinem 21. Geburtstag erhielt der Prinz das HauptmannSpatcnt, 1839 wurde er Inhaber des 1. bayerischen Artillerie Regiments, vier Jahre darauf Generalmajor und Kommandeur der 1. Infanterie-Brigade, 1848 Generalleutnant unb Artillerie-Korps Kommandant. Am 4. August 1856 erhielt er das Kommando der 1. Division, und hieraus erstieg er die höchsten Stufen in der bayerischen Armee: er wurde nacheinander General öclbjcugmeifter und G.neralinspektor der bayerisdien Armee. Im Jahre 1866 führte Prinz Luitpold eine ber vier bayerischen Felbdivisionen gegen Preußen unb machte an ihrer Spitz? das Gefecht bei Helmstedt in Untcrjranten mit, in bem sein ältester Sohn, Prinz Ludwig, ber jetzige Thronfolger, an seiner Seite schwer verwundet wurde. Tie politisch? Abneigung gegen bas durch Bismarcks Eroberergestatt furchtbar gewordene Preußen, bie bei Prinz mit vielen durchaus nicht kurzsidstigen Politikern der Südstaaten teilte, hinderte indes nicht, daß er schon längst die gemeinsame große deutsche Idee erkannte und so finden wir ihn denn vom August 187U bis zum 8. März 1871 im Hauptquartier des Königs Wilhelm. Mit diesem hat er Graoelotte, Sedan und den großen Tag von Versaftles erlebt; er ist einer Der wenigen noch lebenden Zeugen ber Kaiserproklamation unb von ihnen jebensalls bet älteste.
Der Prinz-Regcnt, ber sich heute noch einer seltenen Rüstigkeit erireut, war vor fünfzig Jahren in so schlechten Gejunbhefts- verhältnissen, daß ihm bainals niemanb ein auch nur annähernd so hohes Alter prophezeit hätte. Seine 9lü|‘tigteit verdankt er nicht zum mindesten seiner Lebensweise als Soldat und Jagdherr. Seine geliebten^Jagdgebiete sind vor allem das Berchtesgadener Land unb der Spessart; beide wildreichen Gebiete besucht er noch heute ein paar Mal im Jahr mit einer durchaus nicht nach höflichen Regeln, fonberu ganz nach seinem persönlid^en Gesdimack Msammengeladcncn Jagdgesellschaft, Die mit Dem Regenten recht zwanglos verkehrt. Zwanglos und natürlich ist auch die Art, wie der Landesvater seine. Jäger, Treiber und die Bauern seiner Jagdgebiete zu nehmen versteht; es gibt da mandKrlei hübiche Historien, die von der beiderseitigen Urwüchsigkeit zu erzählen wissen. — Der oberbayrische Dialekt, ben der Regent wie überhaupt der ganze Hol sehr liebt und anwendet, ist an und für sich schon die Grundlage des Sichverstehens.
Ebenso ungezwungen ist der Regent im Verkehr mit den Münchener Künstlern. Er ist da recht vorurteilslos. Sckstag- roortc haben ihn niemals abgehaltcn, einen Künstler hintan- zusetzen, und niemals hat er itdj durch die Devise „Sezession" davon zurückhalten lassen, den Spuren eines tüchtigen Kün.llers .nadizugehen. Atelierbesudie zu machen ist noch immer eine Lieb- lingsgcwohnheit bes Regenten, unb so erscheint er in gleich liebenswürdiger und gleid) interessierter Weise ebenso bei einem Der Jüngsten, wie etwa bei Den „Akademikern". Di? Münchener Künstler versichern Denn auch, es sei eine Freude, den vornehmen alten Herrn zu porträtieren, der, wenn er darum gebeten wird, meist ohne weiteres dazu bereit ist zu sitzen. Ohne ein
lasse eS Ihnen, den mir gegebenen Rat selbst auszuführen, nämlich „im stillen Kämmerlein Einkehr bei sich halten". Ich verlange gar nicht, daß Sie bann bie Ergebnisse biescs Nachdenkens ber Oeffentlichkeit lunbgeben. Prof. Luley.
Nachschrift: Seyr geehrter Herr Justizrat Grünewald! Seien Sie versichert, baß mich Ihr Ton völlig falt läßt. Was meine Bemerkungen über Ihren Seelenzustanb von damals anlangt, so berufe ich mich auj meine eigenen Beobachtungen — ich stand an ber Garderobe neben Ihnen — unb auf Mitteilungen guter Beobachter. Daß Ihnen von 700 Besuchern 600 Beifall gezollt haben, Ut eine Behauptung, bie andere für sehr falsch halten Sie machen sich morgen, wer Dr. Stresemann gerufen hat. Ich antworte in Ruhe: Unsere Leitung unb meine Wenigkeit Jcy hatte ihm sogar einen Bries von 8 Setten geschrieben. Zerbrechen Sie sich Darüber nicht mehr ben rtops. Ihre Beyauptuno 'Fetner wollte es getan fcaben", ist also vbl.ia unwahr. Nun Schluß, bamit Sie Ruhe bekommen! I. Luley.
Nr. 59 Erstes Blatt M Jahrgang Freitag, lv. Marz M
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