Ausgabe 
12.9.1911 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Tielernet famlllenbiatter" werden dem «Anzeiger^ viermal wöchentlich betgelegl, da« Mretsblatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. TierandwlNschasllichen Seit- tragen" erscheinen monatlich zweimal.

Ur. 2H Zweites Blatt 16h Jahrgang

Lrlchetrrl lägNch mit DuSnahme des Sonntag«. O

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dienstag, 12. September 19U

Rotationsdruck und Verlag der Brü blichen Universträi'- Buch- und EtrinbmdcrtL 9L Lange, Gießen.

Redaktion, Spedition und Tmtfettl: Schul- stroße 7. Expedition und Verlag: fcaB 5L $Rebafiton:e^ll2. Tel.-LldrudlnjeigerGreßen.

Deutscher SfäMetag.

_ . _ + Vosen, 11. Sept.

unter Beteiligung von etwa .>00 T (edierten der größeren ttnb mittleren Gemeinden deS deutschen Reiche? trat hi-r der im Jahre 1903 gegründete Deutsche Stödtetag ru seiner dritten Tagung zusammen Oberbürgermeister Kirschner Berlin cr- össntte die Verhandlungen Ter erste Punkt betraf den Bericht des Vorstandes über die 'Prüfung der

Krebitvcrhälrniiic deutscher Städte Ter erste Berichterstatter, Oberbürgermeister Tr. Tbelina (DessauI, gab einen Ueberblirk über das vorliegende Zahlenmaterial, 1907 entfielen auf den Kops der Bevölkerung 407 Mark ttci'am*.. schulden und zwar Reichsschulden 66, Bundesstaaten 220 und Kommunen 121. Im gleichen fohre entfielen in England pro Kops >57, m Frankreich 718 Mark. Bei Prüfung der Frage, ob die gegenwärtigen formen und Wege zur Lesriedigung des Krcdilbedarf- au-reichen könnt.'n, ist sestzustellen, daß es den Städten im allgemeinen leicht geworden ist, zu günstigen De- bmgungen Anleihen zu erhalten Ter Redner kommt nach ein- gehenden Ausführungen zu dem Schluß: Ein Einschluß an die von den preußischen Landkreisen in Aussicht genommene preußische Kommunalbank wird nicht cinpsohlen, da die berechnete Renta­bilität bedenklich sei und wegen des jederzcitigen Austritts der Mitglieder eine Wirksamkeit nicht zu erwarten steht. Es sei nicht auzunehmen, daß der Üommunalbank gestattet werde, mündel- sichere Papiere heranSzugeben. Für die

Begründung eines einheitlichen Geldinstituts sei bisher ein gangbarer Weg noch nicht geschaffen. Tic Ver­handlungen hatten aber den Erfolg gezeitigt, daß die Bankwelt einen tieferen Einblick in die städtifche Finauzrnacht gewonnen hätte und daß die Städte auf die Beseitigung einer Anzahl Mängel hingewiesen seien. Durch das bereits mit 'JJhit und Glück be­gonnene Zusammensassen der verfügbaren Gelder in einer Grld- vermitteluitgsstelle der deutschen Städte zeige sich ein neuer Weg zum Zusammenschluß, der langsam aber sicher zum Ziele sühre.

Ter Gegenberichterstatter, Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Deutler (Treebcn), lucnöct siel, gegen den Versuch, diejenigen Städte, die Mitglieder des Teutschen Städtetages und, zum An­schluß an ein kommunale- Kreditinstitut zu bewegen, d. b. von ihnen Zeichnungen auf Aktien.zu verlangen, bevor sie die Gründe gehört haben, die ihren Vorstand abgehallen haben, selbst an die Errichtung eine- Zentralinstiluts zu gehen und bevor der Städtetag hierüber Belchluß geias-t hat. Dadurch sei man ge­zwungen, namentlich da ein neueres Rundschreiben ergangen sti, aus der beabsichtigt gewesenen neutralen Stellung gegenüber dem Vorhaben der preußischen Landwirte herauSzulreten. Ter Vor- stand hält es nicht für ratsam, daß die öcutimcn Städte sich an der geplanten Unternehmung, die olle deutsche Slädie und ebenso auch alle deutsche Landgemeinden und kleineren nicht zum beut- schen Städtetag gehörigen Städte umschließt, zu beteiligen. Würde vom Vorstaiid später einmal die Rotwendigkeil eines besonderen Instituts für die Städte anerkannt, so solle es für die deutschen Ltädte allein gegründet werden, bereit Verhältnisse dem Slädtetag befannt sind und von einer Zentralstelle aus leicht übersehen werden können. Tas Institut würde dann aber vor allem in einer form gegründet werden, die die zahlreichen Bedenken gegen eine Aktien Gesellschaft auSschließt. Ter Vorstand empfiehlt in erster Jtnic eine Vermittlungsstelle für kommunale Tarieren cinzu- ria)ien. -Liefe VermittelungSstekle soll allen dem Teutsck-en Slädte- tage selbständig alS Mitglieder angeljörenbcn Städten, ebenso wie bi'nicnigcn,_bie nur in ihrer V-igcindiail al5 Mitglieder eines pro­vinziellen Städte- oder Gcmeindeiages dem Deutschen Städletagc angehören, zu dienen bestimmt sein.

Tie Verhandlungen werden iortgeseht.

Sojialöemofratijdfcr Parteitag.

Tie gestern l"vj 1 'Mi t- b'i-e des allen Bebel wollen wir noch etwas auöitihrlichcr lukberg.'beiL Er stlhrle miß:

Wir haben In der banmltglit ErAffnuitgSversammlung eine Reibe von Fragen erörtert, die auch beute wieder durch eine merk­würdige Fügung des Schicksal- nn Vordergründe des Interesses stehen. Ta ist m aller erster Linie

b i c Marokkosrage.

Zm Jahre 1905 war es, als der Kaiser icinc merkwürdige Reise nach Tanger tat, wo er eine Rede hielt, nach der Marokko un­bedingt selbständig bleiben müsse. Kaiserliche Reden sind schon oft der Gegenstand von Erörterungen gewesen, und wir haben es erleben müssen, daß sie sich völlig m leere Lust aufgelöst haben Bereits dos Zahr 19u6 brachte die Algeeiras-atte. eine Konferenz, iüe. wie die Diplomaten behaupteten, die Stabilität aller Ver- hälhnne iu 2,'tarufiu unngen joide. Auch das ist nicht der Fall gewesen. .

Tie Algeeira kte liegt zerrissen am Boden. Tic Vereinbarungen, die Deutschland und Frankreich im Jahre 1909 bezüglich der inneren Lage Marokko^ aetrossen haben, stehen in wesentlichen Punkten nut der Algecira Safte in Widerspruch, und man kann dem Deutschen Reiche den Vorwurf nicht er sparen, daß es zu seinem Teile an der Durchbrechung der 'Ifigvcirat- alle mitgeroirft Hai Marollo hat die Welt i'djon öfter m in diesem Sommer, als der .Panther" nach Ägadir entsandt war. ES ist nicht meine Aufgabe, hier einen Vortrag über die Marokto-Angclegeuheit zu halten, Parteigenossen, das wird der Parteitag im Lause feiner Verhandlungen besorgen. Tenn daß eine solche Frage, die alle Welt ui Atem gehalten f,it und noch hält, die uns zeitweilig icci hart an einen europäischen Krieg herangesührt hat, auch auf dem Parteitag behandelt iver* den muß, das betrachte ich als selbstverstaiidiich. ^.ebh. allge­meine Zustimmung.)

Eine andere foage, die ick damals im Rahmen des Partei- Vorstandes erörterte, war die der

r u f f i s ch e n Revolution.

Man har mir damals vorgeworfen, es scheine, ich* hatte leine großen Hoffnungen auf jene .'luVolution Parteigenossen: Host- wungen hatte ich, aber nur die, die Revolutionäre pabrn, die Hoffnungen und Erwartungen, die di. Parteigenossen hailm, teilte ich nicht. Und leider hat mein Pessimismus recht behalten. Es ist allerdings nicht richtig, wenn es heißt, die Revolution habe gar keine Eriolge aufzuweisen gehabt Zar habe damals schon gesagt, die nruiefre Revolution roire» ahnher aus- gehen wie die deutsch preußische Revolution van 184b. Richt, was die Revolulionäre gewollt Haden, ein einiges TcuiiGUanö, aber doch wenigstens ein anderes Preußen als vor 1848, hat uns die Revolution gebracht. So war es

auch in Rußland. Ein Fortschritt ist jept zu

verzeichnen. S o traurig die Verhältnis seauw beute liegen mögen, si e sind andere als vor 1905. Tie Revolution hat auch den Zaren und seine Schildhaltcr gezwungen, einer modernen Zeitströmung Rechnung zu tragen. Es ist eine Duma errichtet worden, und in ihr sitzen sogar Sozialdemokraten l Tie revolutionäre Bewegung wird in Rußland roeiierc Fort­schritte machen, und es wird ihr Hilfe von einer Seite kommen, an die bis jetzt noch kein Mensch denkt, ja, an die noch kein Menich zu denken wagt! (Bewegung.)

Wir haben diesmal eine Sicile felrc wichtiger Fragen auf dem Parteitag zu behandeln. Der Vorredner Hai eine Parallele ge­sogen zwischen der Tagesordnung von 1905 und der heutigen und

glaubte seststellcn zu können, die bruhge stände ^hinter der ba- maligen zurück. Ich verstehe nicht, wie man zu einer solchen Aunanung kommen kann. Tie heutige Tagesordnung steht nicht int geringsten hinter der damaligen zurück Vor allem hat die ganze europäische Situation durch

das Eingreifen Englands

.n der Marokkosrage em ganz andere? '.Ins,eben d.kommen Partei­genossen! Tic Frage der Abrüstung wird uns künftig ui ch t m e h r t r e n n e n Bewegung Richt Abrüstung, sondern Aufrüstung ist jetzt die Lofung, Aufrüstung zu Wasser und zu Lande. Parteigenossen! Wir gehen einer Entwicklung der a.ingc entgegen, die unbedingt mit einer großen Katastrophe eiben mutz. Bewegung und Sehr ridrig!) T.e jüngste Kaiser rede in Hamburg war die erste Kundgebung für eine neue

unungen sprach. Ra, die Hamburger Bourreo..- sm nun die allerletzten, die sür weitere Flottcurüsnmgeu so leicht zu begeistern sind. «Sehr richtig.'! Wir haben daS bereits gelegent­lich der letzten Flottenvorlage beobachten können. Es kommt aber nicht nur eine neu: Flottenvorlage^ sondern es kommen auch

neue Steuervorkagen

Tenn trotz der 450 Millionen neuer Steuern haben wir noch lange nid# genug. Und schon haben w,r die ungrlwuerc Pre.s- Neigerung, die un5 für den näd>|.cn Winter eine ungeheuere Hungersnot bringen wird. (Sehr richtig! Bewegung > Tic Preise Itcigcn mehr und mehr. Schon heule sind viele Millionen, bic sich nicht mehr sottessen können, die unterernährt sind. TaS wird sich im Lause der nächsten Zeit noch bebcutenb verschlimmern. Und wenn bann die Frage entsteht: Wo sollen die neuen Steuern bet?, so hat bic Partei zu erNät.m: dasür mögen auch einmal die Reichen sorgen, d.ren Reich das Reich ist. Und wir wissen, daß die jetzige Preissteigerung bleiben wird. Alic Erjahnmgen zeigen und, daß Preße leicht ft eigen, ober nur sehr schwer wieder fallen. Wir müssen selbstverständlich die Oesfnung der Grenzen verlangen, ferner die Herabsetzung der Lebens- mittelzölle, die Beseitigung der Futtcrmitielzölle ui'w. iDeisall. Zn dem Augenblick, roo es un3 gelingt, weite Bevölkerungskreise in diese unsere Bewegung hineinzuziehen, ist

dem deutschen Reich der Lebensnerv a b g cd, n 111 c n ,

da seine Existenz auf inbircltcn Steuern beruht. Tann wird die Regierung ju_ direkten Steuern greifen müssen, und wenn wir erst direkte Steuern un Reiche haben, dann schweigen alle Flöten, dann hört der Patriotismus out.

Noch einen Punkt, der uns selbst betrifft, möchte ich nicht unerwähnt lassen. AuS den vorliegenden Anträgen habe ich ersehen, daß in den letzten Wochen eine

Opposition in den eigenen Reihen entstanden ist, und zwar, gegen den Parteivorstanb. (»eiterfeit. Behr richtig? und Zuruse! Jawohl, manche von Euckj sind unzufrieden mit Eurer Regierung. (Heiter­keit.) Sic möchten gern, daß wir hier unb da mal ein Feuer- rficn anmachen möchten und so weiter. (Heiterkeit Hort! Hört!) Ra, wir im Parteivorstand sind ja gespanitt, was dabei heraus kommt, aber das können wir schon jetzt sagen: Wir werden unS auch vorschen und uns unserer Haut wehren. Heiterkeit.) luf der anderen Seite molken wir gern zugcben, daß cd auch ein gutes Zeichen ist, wenn solche Anträge kommen, die und zeigen, baß inan nicht mit allem cinverstanbcn ist. Und baß einmal eine Regierung allzu bequem wird, Parteigenossen, bas kommt nicht nur bei uns vor. (Heiterkeit unb Bei satt.« Lassen wir eS also ruhig auf eine Probe anfommen M acht Euere Verbesserung Svorschläge, wir sind die Letzten, bic sich dem entgegeniletten. Beifall.) Tas müßte eine schöne Partei leitung fein, die starr am Alten festhült. Teswegen stnd wir ja eine deine frakische Partei, daß mir glke unser Herz aus- schüUcn. diss Mcs.rhejt tstlscheidkii stzssen unb bfiim fröhlich m* mtmfdiit ivfltev arbsitvn, wie bisher. (SHirm. ÖdltilL) Mir htufkit tüchtig arbeiten, die Reihen fester zusammenschlirsten. und dann: Auf zum Kampf, auf $um Sieg! Minutenlanger Beifall Bebel verlaßt bann bic Tribüne, kehrt aber gleich noch einmal zurück und bemerkt unter allgemeiner Heiterkeit: Nun habe ich gemeint, eine schöne Rede gel-alten zu haben und alles sei gut Tabei habe ich aber die Hauptsache vergessen, nämlich den Parteitag für eröffnet zu erklären. Sic sehen, ich werbe alt. Also ich erkläre den Parteitag für eröffnet unb bitte um Vorschläge für das zu bildende Präsidium.

Aus Vorschlag von Groger-Berlin werden daraus die Reichs und LandtagSabgeordneten Tietz Stuttgart und fieber - fona zu Paricitagsvorsitzcndcn mit gleich n Rechten gewählt. Tas Präsidium wird also wieder Dietz haben, obwohl er auf dem letzten Parteitage in Magdeburg in einer erregten Stunde den Genossen erklärt hatte: Sucht Euch einen anderen Präsidenten!

Aus die Tagesordnung des Parteitags würd' bann als be­sonderer Punkt die Marokkosrage gestellt und Bebel ;um Referenten dafür ernannt.

. 3ena, 11. Sept.

Tic geschäftlichen Sitzungen des biesjährigcn so-ialdemo krati'chcn Parteitages wurden heute früh kur; nach 9 Uhr durch den Vorsitzenden Reichs- und Landtagsabgeordneten Tietz - Sttitt gart eröffnet. Rach einigen Begrüßunien erteilte der Borstzend- dem früheren Vorsitzenden des Secmannsverbcmdcs, jetzigen Partei fefretär Müller (Berlin) das Wort zam

Geschäftsbericht, aus dem wir bereits die wesentlichsten Angaben mitgeteilt haben Zn seinen Ausführungen kam der Vortragende auch auf ben sogenannten Geheimerlaß über Partei uno Gewerkschaften zu sprechen, der zuerst in derZittauer Morgenzeitung ' ücrcrcntHcbt wurde. Man habe mit dem Rundschreiben, bas die Bitte um Geheimhaltung enthielt, der Parlcipresse keineswegs einen B'aul korb umhängen oder die Unabhängigkeit der Parteivrcfte ge sährden wollen. Bezüglich der Marokkosrage iei zu konstatieren, oaß die Aktion der Sozialdemokratie gegen bic Kriegshetzer von bestem Ersolgc begleitet gewesen sei. (In bicicm Augenblicke er cheiitt

Zeppelin? Luftschiff Schwaben über Zena un) schwebt langsam über Dem Dolksbause dahin, weshalb viele Genossen und Genossinnen den Saal verlassen. Ter Vortragende Müller weist dann die Vorwürie zurück, die gegen das von dem Parteioorstande zur Marokkoa'säre beraus- gegcbenc Flugblatt betrenen. Tic Art uns Seife, wie Rosa Luxemburg und dieLeipziger Volkszeitung" in der Marokkoaf'äre gebandelt hätten, sei vom Parteivorstande ein­mütig gcmißbilligt worden. Sodann erstattete Partn- efretär Ebert (Berlin) den

Kassenbericht, der, wie er anftchrt, im Gegensatz zu dem vorjährigen eine sehr erfreuliche Aufnahme in der Parteipresse erfahren habe unb cm günstiges Resultat aunveifc. Tie Partei sei heute finanziell so stark, daß sie nut vollem Vertrauen den kommenden Kämpfen entgegensehen dürfe.

Rachdem K a h d e n Treibern den Bericht der ftontroll- kommission erstattet hatte, wurde die Vormittagsfttzung ge- chkofsen.

Zn der Nachmfttagssitzung wurde in die Aussprache über bic verschiedenen Berichte cmgctrctcn. ES liegen dazu verschiedene

Anträge vor, die sich u. a. gegen den f»genanntenMarokko­rummel" richten. AIS erste Rednerin betritt

Rosa Luxemburg

die Tribüne, um sich dagegen zu verwahren, daß der Partei­vorstanb ben Tekegleiten in einer besonderen Tentschritt feinen streit mit der Rednerin in der Marokkosrage unterbreitet bai. Bekanntlich hatte Roka Luxemburg in brr ,,Leipziger Volk' zeitung" einen Bries des ParteivorstandSmttgliebes '.'kolkenbuhr oerön'enllicbt, in welckjcr dieser dem Zntcrnationalen Bureau nn:

m Sadien der Marokkosrage zurzeit nicht mumach.-n konnten. Rosa^fiuremburg loen'ct sich sehr erregt gegen die Behauptungen der Tenkschrist, daß sie eine grobe Zrrnühruwi begangen hab?. Man habc^ den Artikel derVolkszeitung" nicht richtig durch fltiefen Tie Handlungsweise deS P a r t e i v o r st o i:

d e S m o k 1 e s i e n i ch t n ä h e r b c ; e i ch >, e n Eine Znbiskretion lei di? Veröffentlichung auch nicht gewesen, da Molkenlmdr seine Meinung schon vorher in der Versammlung aliSgesprochen hatte Der P a r t e i v o r st a n d habe sich einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht,

als er nich£ sofort eine Marokkoaktiou einleitete, unb ihre, der Rednerin, Sünde habe nur darin bestanden, daß sie eine Unter lassuiigSsündc deS Parteioorstanbes auibrcftc. Es sei boch nicht nnwalirscheinlich gewesen, daß der Parltioorstand aus fHüÄ'idit auf die Rcichstagswahlen die Marokloakliou unterlassen habe.

Ter Ehesredakteur derLeipziger Volkszeitung'" Tr. Lensch meint, die Art unb Weise, wie gegen Vuremburg in der Teuk schritt polemisiert werde, sei e i n s a ch s k a n d a l ö o Ter Parte, Vorstand scheine zu verlangen, daß die PoNcirebaktionen bic Lchlafmützen über ben Ohren behalten Tic Veröfseut lidiunfl bes Molkenbuhrsdjen Briefes sei nicht ein Verbrechui, fonbern ein Verbienst

NeichStagSabgcorbnetcr L edcbour erNärt, baß man Rosa Luxemburg aus der Vcröisentlidjun.i eines angeblichen Privat bricfed einen Strick habe brcljcn wollen Wenn noch eine Kund gebung der beutschen Sozialbemokratie in ber Marokkosrage zu- liiiitbc gekommen sei, so sei das einzig und alle tu bai Verdienst von Rosa Luxemburg.

August Bebel

verteidigt in sehr temperamentvoller Weise das Vorgehen des Parteivorstandes. Rosa Luxemburg habe sich erlaubt Vcröfsent Hebungen in die Presse zu bringen, btc alle Beteiligten als Zn biSkretion auffancn mußten, und zwar in einer Weise, die nuh: immer der Wahrheit entsprach. Bebel roirit dann der Gcnostm Luxemburg Verdrehung unb ganz infame (Jntftcl lung vor. Man verlange vertrauliche Besprechung mit wem denn? E t w a m 11 R osa L uxc m b u r g? Z banke. (Große Heiterkeit. Er werbe der Oknoii'in Luxemburg nur n och Briefe schreiben, von benen sie nicht später wo möglich Gebrauch machen tonne. Man möge ben Partcioorstaiw ruhig kritisieren, baS sei bas gute Recht bes Parteitages, und wenn er nicht selbst im Parteivorstand säße, würde er auf nicicii jvomöglich^nod) mehr schimpfen. Wenn der Partcnag nad) bei richtigen Seite schiebt, läßt sich der Vorstand gern idjicocn.

Grünbach (Colmar- polemisiert ebenfalls heftig gegen den Vorstand, weil er nicht mit der Zitternationalcn zusammen gegangen sei. lBebcl ruft erregt: Ra zum Teufel, jvarurn ist den IauröS nach Argentinien ab» gereist?

Grünbach erwidert, das; sickf ZauröS damals bereits vorher nad) Argentinien verpflichtet hatte.

Ter Gewerkschaftsführer Robert Schmidt nimmt den Partei- Vorstand in Schutz und meint, bic ganze Aussprache scheine barcnii huiaiwzulausen, den Vorhand burd) anbcrc Manner zu ersetzen, er n-ilic nur noch nickst, ob er fiecebour, Tr. Len sch ober Rosa fiiUviiibui!) ben 1601)110 gehen solle.

kirn 'Nürnberger Vertreter begründet einen Antrag der Nürn­berger Geuoileii auf Vermehrung der Mitglieder des PartcivorftandcS und verbreitet ,ich ausiüljriid) über bic Notwendigkeit einer stärkeren Wahlagitation Tie Fiuanzresorm sei zu wenig ausgcuützt worden Speziell das Zentrum als volkLvcrrätcrischc Partei mühe auid Morn genommen werden.

Es treten noai eine ganze Rciyc von Rednern auf, die teils für den Partewontand, teils für Rosa Luxemburg reden.

Zn später Äbendltundc wurden die weiteren Verhandlungen auf morgen vertagt.

«

Wie derVorwärts" mit teilt, ist Genosse Hildebrandt wegen seiner Ä pCieien vorläufig aus der fo5iaibcmofratndKn iat- tei a g cf d)l o f f e n worden.

Der christlich-soziale Parteitag.

0 Wiesbaden, 11. S(pl.

Ter christllch-sozialc Parteitag begann heuteVormittag ist geschlossener Sitzung mit £>» g.-sd-astlidicn B.ratungen Zn ba «urcau des Parteitages wurden gewählt: Pfarrer Bernbeck- i-färben uno Professor Tr. Val tewath Gütersloh ais Bor fttzende, Generalmajor Klingender Or. Flottbeck, Freiherr eben! zu Schwcinsbcrg Tarmftabt, v. Mncb:l Wiesdc-dcn unb Sicler-Aiesbaden als Beisitzer. Kaufmann Rcuhaiis- Barmcn critattctc den Geschäftsbericht Tanam tu bic Partei im letzten Jahre erheblich gewachsen. Itc Gcanireninghm n betrugen 53 955 Mk, die Gesamtausgabei, 44876 Mk. .'In cdirirten sind über 17O(KJ ciud. abqci'it.t roorb.it Tic Partei bcschcstigt zurzeit sieben besoldete Beruisarbciter Für die näa- Iteii Reichstagswahlen sind b.soer in 9 W a h l k r c t s e n ch r > 'i '.ich-soziale Kandidaten auf gestellt. Wo T/uiidi- lojtalc oder Kandidaten der Wirtfchaitl. Vereinigung auigcncllt und, treten die Ehnstluh-Sozialcn für diese ein lieber die Stellung ju den anderen Peirtcien sagt der Redner etwa folgendes: Tc? Sozialdemokratie flehen wir schroff ablehnend jegenüber. tic liberalen Parteien ausgenommen die ?>iechts nationalliberalen neben uns heute fern . :

i'.nn und Sozialdemokratie ,ur Stichwahl stehen, werben wir uns jn Der Regel der Stimmabgabe ; u e n t b o 11 c it ^ahen Tic Konfervativen hsb.-n wiederholt versuch.', uns Schwierigkeiten zu machen, troxd m haben wir von Gegenmaß .cgcln abgefch:n, da sic ohnehin in ihren eigene:! Kreisen Schwierige feiten genug haben. Mit dem Z e n t r u n: ha. n wn Berührung. - punkte insbesondere sozial- und winschaftspolitischcr Natur.

Zn der recht lebhaften Aussprache, die dem Bericht folgte, erklärte Freiherr Schenk zu Schwei ne-berg, oaß er abweichend von brr vorgetragenen Ansicht ben Slanbounlt pcrtreie, in der Stichroa h 1 io scheu einem Frei innigen und einem Sozialdemokraten müste man tets den Freisinnigen wählen

_ Nach der 1 .stündigen Mittagspause fand ein? öffentliche üßung fian, m der zunrchn Lic. Mumm-Berlin über bt- voIiii|d,e L a g c berichtete. Ter Redner erfiärr:, die Suchi. durch spckulauven Gewinn die Lebenshaltung zu erhöhen > nb die Schaffung fikt.rer durch Börsenspekulation c . -,.i

den arg en schaden der Gegenwart unb es sei eine 1'2x1 rf. Ju .,<.'5 teuer au' Börsenpapi . f.ne pro- -ugig» innert lolonv fatum ju rorbcrit 2?:ir : .'/. - t::c ber Hutner eine fraft- vohe coziatpoluik ur.b C n: :-'u ar L" chr !ich-nationalL 2Lx*