Ausgabe 
12.8.1911 Zweites Blatt
 
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Händen war. Beim Zurückschwunrnen verschwand er plötzlich vor den Augen seiner Mitarbeiter, ein Herzschlag hatte ihn dahingerafft.

b. Biedenkopf, 10. Ang. Ein Antrag der Herdbuch- aesellschaft des Kreises Biedenkopf für das Vogelsberger Rind lind deS Kreis - Ziegenzuchtverbandes auf ausnahmsweise Gestattung der Abhaltung der diesjährigen Tierschauen ist mit Rücksicht auf die große Seuchengefahr ablehnend beschieden ivorden.

denen jedes in einem besonderen Wachbkreis gewühlt wird. In den Reichstag entsendet Elsaß-Lothringen 15 Abgeord­nete.

TicVoss. Ztg." erirmert daran, daß nach dem neuen Wahlgesetz für Elfaß-Lothringen dort die Kammerwahlen an einem Sonntag stattfinden müssen, und die Nachwahlen, für den Fall, daß kein Kandidat die absolute Mehrheit er­hält, am ersten Sonntag nach der .Hauptwahl. Stichwahlen, bei denen nur die beiden Kandidaten mit der größten Skimmenzahl des ersten Wahlgangs in Frage kommen, gibt es für die zweite reichsländische Kammei- nicht. Hier können, wenn kein Kandidat die absolute Mehrheit im ersten Wahl­gang erlangt hat, in derNaclMahl" für beliebig viele Kandidaten Stimmen abgegeben werden, auch für Männer, die im ersten Wahlgang überhaupt nicht in Frage kamen. Erst die Erfahrung muß lehren, wieweit diese Bestimmung den Abschluß von Wahlvereinbarungen herbeiführen wird.

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Reserveoffizier und Sozialdemokratie.

Die Entfernung des Abg. Dr. Potthoff aus dem Offizierkorps ist in den letzten Wochen von rechtsstehenden Blättern verlangt worden, weil dieser öffentlich für die Reserveoffiziere das Recht in Anspruch genommen hat, eventuell in einer Stichwahl dem sozialdemokratischen Kan­didaten als dem Heineren Hebel die Stimme zu geben. Wie dieFranks. Ztg." aus München meldet, ist der Abg. Dr. Potthoff bereits Ende Juni um seinen Abschied als bayerischer Reserveoffizier e i ng e k o m m e n. Nach dem Reichs'tagshandbuch ist Dr. Potthoff Leutnant der Reserve im bayerischen 1. Trainbataillon.

3um Zusammenbruch der hassiawcrke in Siegen.

Der ehemalige Direktor der Hassia-Werke, Herr Kaufmann, bittet uns, unseren Lesern folgende Darstellung über den Zu­sammenbruch der Hassiawerke in Gießen zu machen:

Der Konkursverwalter, Rechtsanwalt Hornberger, hat den Arttkel vom 7. ix M. als einen der persönlichen Stimmung des Verfassers entsprungeneu gekennzeichnet aber auch der Bericht, den der .Konkursverwalter in der Gläubigerversammlung vor­brachte, dürste von einer persönlichen Stimmung beseelt gewesen sein, denn der Konkursverwalter hat versucht, möglichst einzig den Geschäftsführer Kaufmann für ben Zusammenbruch des Unter­nehmens verantivortlich zu machen. Es dürste deshalb interessieren, wie das Unternehmen ins Leben gerufen unb wie der Zusammen­bruch hervorgerusen tonrbc. Es ist in erster Linie nicht richtig, daß jemals Kapitalien von 400 000 Mark im Geschäft gewesen sind. Auf Grund welcher Erfahrung oder welches sachverständigen Ur­teils kann der Konkursverwalter die Behauptung ausstellen, der Geschäftsführer der Gesellschaft habe von der Fabrikation nichts verstanden? ES wäre ihm ein Leichtes gewesen, sich bei ver­schiedenen Abnehmern in und außerhalb Gießens Gewißheit zu verschaffen, daß die von den Hassia-Werken gefertigten Automobil- und Fahrradreifen ihren Slnforderungen entsprechen, ehe er den Geschäftsführer des Werkes als einen Laien hinstellt. Wenn es auch richtig ist, daß der Geschäftsführer ehedem in anderen Berufs- Msten tätig Ivar, unter anderen vor 22 Jahren li/a Jahr lang em Hotel-Restaurant fülsrte, das damals einen guten Rus hatte Nachdem Herr Kaustnann anfang der 90 er Jahre in Bordeaux bereits Versuche wegen der Verwendbarkeit von Kibokohüuten beobachtet hatte, errichtete er später eine Werkstätte mit elek­trischem Betrieb, in der er Elfenbein-Artikel, wie Billard-Bälle, Billard-Queues, sowie Elfenbeinspitzen herstellte imb hierzu aus zelbst vorberetteten Nilpferdhäuten kleine Schrauben verwendete auch gleichzeittg Versuche anstellte, diese Häute für Gteitschutz- zwecte brauchbar zu machen. Nachdem K. diese sehr kostspieligen Versuche 6 Jahre lang aus eigenen Mitteln betrieben hatte, und mehrere Wochen die Herstellung von Autoreifen in einer Gummi- fabrik selbst Praktisch ausgeführt hatte, wobei sich die Brauchbar­keit bestätigte, interessierten sich die Herren Architekt Stein, Karl Frensdorf und Max Baer für die Verwertung des von Kaufmann erworbenen Patentes und weiterer vatentamtlicher Schutzrechte

Diese Herren stellten nun dem Patentinhaber Kaufmann in Aussicht, eine Gesellschaft mit einem Kapital von 150 000 Mark W bilden, wofür eine Provision von 15 000 Mark bei Ab­schluß der Gründung zu zahlen sei. Da aber diesen Herren die beabsichttgte Gesellschaftsbildung nicht gelang, zogen sie noch Generalagent Fröhlich und Bankier Grünewald hinzu. Von Kaufmann wurde ein Kapital von 300 000 Mark verlangt, wo­gegen er sich verpflichten mußte, eine weitere Provision von 12000 Mark an die beiden neu hinzugetretenen Herren abzu­führen. Inzwischen wurde, um den Betrieb aufzunehmen, von M!?'»L^borf, Baer und Fröhlich ein Privatdarlehen von ,7500 Mark zu 4Vs Prozent Zinsen gewährt.

_ ^Lutzessen war man mit der Gründung einer G. m. b. H. beschäftigt, doch konnten die Gründer bis zu dem festgesetzten Termin, 1. Mai 1909, das Kapital von 300 000 Mark nicht aufbrmgen. Daraufhin wurde dann die Gründung einer Gesell­schaft mit einem Stammkapital von 150 000 Mark, mit einer Nachichußpslrcht von weiteren 50 000 Mark beschlossen und am 14. Mai 1909 durchgeführt. Den Einwendungen Kaufmanns gegenüber, daß dies Kapital zu gering sei, stellte man eine Er­höhung des Stammkapitals in Aussicht, worauf Kaufmann in die Gründung einwilligte.

Nach Ansicht des Konkursverwalters wäre nun ein Patent­konto von 45 000 Mark errichtet worden, obwohl diese Patente von ieher wertlos gewesen seien. Diese Ansicht kann man ohne weiteres alsirrige Sluffassung" bezeichnen, denn es wurden durch Kaufmann tatsächlich Patente eingebracht, die srch in der Praxis bewährten und nach denen bis zur Einstellung des Betriebes auch gearbeitet wurde. Allerdings ist es richtig daß Käusinann von diesen 45 000 Mark die bewilligten Grün­dungsprovisionen sowie bas ihm gewährte Darlehen zurückbezahlen mutne, io datz ihm von biefer Summe nur 10 000 Mark ver­blieben, die er im Vertrauen auf seine Sache in Anteilen über­nahm. Allerdings behielt sich Kaufmann vor, gegen sehr ge- rmgen Gehalt den Geschäsksführerposten zu übernehmen.

In Fachkreisen ist man der Meinung, daß gerade das pa­tentamtlich geichutzte Verfahren zur Herstellung von Gleitschutz- relsen aus Nilpterdlstiuten einen sehr hohen Wert darstellt, wenn man erst ein -Verfahren ermittelt, das die Verarbeitung der D<lute verbilligt Die Fabrikation derartiger Gleitschutzreifen wurde eingestellt, weil sie wegen ihres hohen Preises nicht leicht ver- rauflich waren. Herr Kaufmann engagierte in Uebereinftimmung mit dem Au Nichtsrate einen von einer größeren Gummifabrik besens empfohlenen Werkmeister, der aber wegen Unregelmäßig- feiten mteber entlasten werden mußte, worauf Kaufmann die Mnifche Leitung zum Teil selbst übernahm. Ueber die Be- schanenheit seiner Fabrikate können keine ungünstigen Urteile hergebracht werden.

, wirklich vorhandene Betriebskapital von 105 000 Mark Ötng nur sehr langsam. Dem Gesckstistsstihrer stand deshalb das .'ehr geringen Betragen zur Verfügung, so daß auf rem.Auff verzichtet werden mußte, and) verzögerte sich Eröffnung des Betriebes. Der Konkursverwalter hat

Sf?tort-e9sn'iMaschinen und Fabrikeinrichtung vorhandur sind, daß Rohmaterialien, Gehälter, Arbeitslöhne, Reklame u>w. erforderlich waren, bevor ein einziges Stück fabriziert Werden konnte.

Die Einrichtung des Werkes kostete allein über 120 000 Mark a?.1 c "hoch-elegante" Bureaueinrichtung befand, die 469 Mark verschlang. Es wurde ferner in Uebereinfttmntung mit bem ylustichtsrate ein Automobil angeschafft, das 11 000 die mit 4000 Mark in Gummireifen und 7000 Mark tn löar bezahlt wurden.

_ Wie mit ben.105 000 Mark Gründungskapital gewirtschaftet wordenist.darüber kann nd) icbtr nach der vorstehenden Auf­stellung selbst nn Urteil bilden imb auch darüoer, daß weitere Mittel erforderlich wurden. Weun von vornherein das vvn Kaufmann verlangte Kapital von 300 000 Mark bereitgestellt worden wäre.

wäre die Gesellschaft niemals in solche Geldverlegenheit geraten, baß man eine Bankschuld in solcher Höhe hätte aufnehmen müssen.

Es dürfte weiter als eine irrige Auffassung zu bezeichnen fein, wenn der Konkursverwalter meint, daß sich vereidigte Bücher­revisoren dazu bestimmen ließen, verschleierte ober entstellte Bi­lanzen aufzustellen: beibe haben in den Aufsichtsratssitzungei', und in ihren schriftlichen Gutachten den Wirklicheck Stand des Werkes genau klargelegt. Die kündigungslose Entlassung des Ge­schäftsführers Kaufmann durch ben Konkursverwalter, sowie die weiteren Anschuldigungen werden gerichtlich llargestellt; daß sich Der Aufsichtsrat durch den Geschäftsführer hätte täuschen lassen, wird wohl von niemanden geglaubt, denn in dem Aufsichtsrat saßen lauter durchaus geschäftsgewandte Perfonen. Herr Stein Hal auf Wunsch des Vorsitzenden des Aufsichtsrates einen Teil von seinem als Gründerprovision erhaltenen 5500 Mark Anteile der Gesellschaft für 4000 Mark davon zur Verfügung gestellt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates hatte sich erboten, diese Anteile 5um Nutzen der Gesellschaft zu verwerten. Als nach einigen Tagen Herr Stein diese 4 Anteile Vergeben sollte, knüpfte er Daran die Bedingung, daß er die 4 Anteile nur dann hergebe, wenn ihm 2 weitere Anteile abgenommen und 2000 Mark in bar dafür bezahlt würden. Also so großmütig wie der Herr Konkursverwalter hervorhebt, hat Arckä ckt Stein nicht gehandelt.

Auf alle Fälle standen dem Ausjichlsrat die Bücher, Kasse imb die anderen Angestellten zur Verfügung, außerdem waren zwei vereidigte Bück>erreviforen tätig.

An» stnör atiiO

Gießen, 12. August 1911.

** Die Hinterlandbahn. Aus Krofdorf wirb uns geschrieben: Rach den Erklärungen des Oberburger- uieiiters von Gießen in der Stadtverordnetensttzunq vom 27. Juli soll, so Diel es an der Stadt Gießen liegt, die An- Gelegenheit beziigl. des Bahnbaues GießenRodheimWallau beschleunigt werden. Die zunächst liegenden Orte von Gießen, wie Launsbach, Krofdorf-Gleiberg, indirekt auch Wißmar sowie Vetzberg, mit etwa 5000 Einwohnern, deren geschäftliche Beziehungen von jeher nach Gießen geneigt haben, sollen nun, so viel man hört, rechts liegen bleiben. Es wäre bic§ ein Fehler, den Gießen nie wieder gut machen könnte. Es herrscht in diesen Orten nur die eine Ansicht, baß die einzig richtige Linienführung Nordbahnhof Rodberg- Gießen direkt nach Krofdorf oder durch den Viadukt der Berlin-Metzer Bahn Rodheim märe. Soviel man hört, sind Schürfungen nach Erzen, die im Krofdorfer Wald vor- iienommen sind, von Erfolg gewesen, wieder ein Faktor mehr, die vorgenannte Linienführung zu empfehlen. Die vor­genannten Orte iveröen diese Verkehrsverbesserung begreiflicher Weise mit Freuden begrüßen.

** D a s D ü n s b e r g t u r n e n des Gaues Hessen, das von den beiden hiesigen Turnvereinen veranstaltet wird, findet am 27. August statt. Die Zusammenkunst der Turner ist morgens um 8 Uhr in Gießen an der Turnhalle des Turnvereins und um 8.20 Uhr geht ein Sonderzug der Viebertalbahn nach Station Bieber. Sogleich nach der An­kunft in Bieber findet bei Gastwirt Schlierbach daselbst die Kampfgerichtssitzung statt. Darauf erfolgt die gemeinschaft­liche Wanderung über den Dünsberg zu dem am Fuße des Berges sehr schön gelegenen und geeigneten Turnplatz, auf jem fo zeitig eingetroffen wird, daß das Wetturnen (Frei- hochsprung, Freiweitsprung, Stemmen und Hindernislaufen mit 3 Hürden) spätestens um 11 Uhr vormittags beginnen kann. Nach Beendigung des Wetturnens etwa gegen 3 Uhr nachmittags ist ein Stafettenlauf in einer Bahn von 75 m mit 2 Hürden vorgesehen, zu dem nur die Turner zugelassen werden, welche beim Wetturnen durchgeturnt haben. Im übrigen gelten für diesen Wettlauf die gleichen Bestimmungen wie beim Gauttirnfest in Schlitz. Als Fest- reitrag find von jübern gemeldeten Wetturner an den Rechner )es Turnvereins Universitätssekretär Wilh. Erle 50 Pfg. einzusenden. Die namentliche Anmeldung der Wett­turner erfolgt bis spätestens den 20. August an den ersten Gauturnwart, Universitäts-Turn- und Tanzlehrer Wilh. Will, Gießen. Alle ersten ©teger der früheren Bergfeste innerhalb des Gaues und der diesjährigen Bezirksturn­fahrten tonnen dieses Mal mitturnen, nicht dagegen die der früheren Gauturnfahrten: als Sieger gelten lr. Gou- turntagsbeschluß alle Turner, die 45 und mehr Punkte er­reichen und erhalten Ehrenurkunden. Das EintrittsgeÜ) für alle sonstigen Besucher beträgt 30 Pfg.

Vom Eoang Ar beiteroercin wird uns ge­schrieben: Auf dem vorn Evang. 9lrbcitcrvcrein morgen, Sonntag, auf der Liebigshöhe veranstalteten Garten- und Trachtenfest wird u. a. ein Vortrag des Zivil-Ingenieurs E. Iaeobi-SieSmayer, technischer Lester derPone" Per­manente Ausstellung neuester Ersindungen, Tochtergesellschaft m. b. H., Frankfurt a. M. über Patent-Verwertung unb der Deutsche Schutzoerband für geistiges Eigentum abgehalten werden.

** Der Gabelsberger - Slenographen- Verein begeht heute abend in Verbindung mit einer kleinen Feier anläßlich der 50. Wiederkehr des Gründungs­tages ein seltenes Jubiläum, nämlich die Feier des Tages, an dem v o r 5 0 I a h r e n der Verein zum er st en Male im Cafe Ebel, als seinem Vereinslokale, tagte. Er ist dem Cafe Ebel in den langen 50 Jahren immer treu ge­blieben, und von manchen schönen Stunden, die die Mit­glieder in den Räumen des Cafe Ebel verleben durften, zeugen seine Protokollbücher. Hier haben viele bekannte Männer der Schule Gabelsberger ihren ersten Unterricht in der Stenographie genossen, und nach Hunderten zählen die, die die Kurzschrift hier erlernten, um ihr in spateren Jahren Stellung und Exisienz z.i verdanken. Am Sonntag unternehmen die drei oem Hesfisch-Na,sanischen Verbände angehörigen Gabelsbergerschen Stenographenvereine, der Verein von 1861, die Stenographen-Gesellschaft und der Damenverein einen gemeinschaftlichen Ausflug nach dem Philosophenwald.

Kreis Alsfeld.

§ Ruppertenrod, 11. Aug. Die Radbrüche sind in diesem heißen Sommer an der Tagesordnung. Tas er­fuhr auch unsere Post, die von Mücke kommt. Beim Ein- fahren in daß Dorf brach ein Rad zusammen, die Post neigte zur Seite unb die Mstfahrenden kollerten zusammen, ohne außer unbedeutenden Hautabschürfungen Schaben zu nehmen. Daß Rindfleisch ist nun auch auf bem Lande ab­geschlagen. Tas Pfund, bas seither 85 Pfg. gekostet hat, lostet nunmehr 80 Pfg. Der Preis für Kälber ist in den letzten Tagen ebenfalls gesunken.

Dermifcbtcs.

* Die Feuersbrünste mehren sich in beängstigender Schnelligkeit. Wie aus Lübeck gemeldet wird,,brach im Dorfe S i r k s s e l b e auf bisher unbekannte Weife Großfeuer aus. In Bothenborf b. Crossen (Ober) wurden durch Großseuer fünfzehn Gebäude, Wohnhäuser, mit Getreide gefüllte Scheunen und Stallungen ein geäschert. In Berlin brach, vermutlich infolge Brandstiltung, ein umfangreicher Brand im Grünewald aus. Etwa neunzig Morgen Baum b e st a n d sind gefährdet. InBretten brach 1 ->5 Uhr morgens ein großes Schadenfeuer aus, dem sechs Keine Wohnhäuser unb fünf zusammengebaute Scheunen zum Opfer fielen. Das Feuer war gegen 10 Uhr beschränkt. Entstehungsurfache un­bekannt. Donnerstag abend gegen 10 Uhr brach hinter Lehen­gericht im Schwarzwald ein Waldbrand aus, dem etwa sieben Hektar gemischter Wald zum Opfer fielen. Bis 2 Uhr nachts hatte die Feuerwehr zu tun, um das Feuer, das durch Funkenwurf einer Lokomotive entstanden sein soll, einzudämmen. Seit Freitag mittag brennt das Dorf Z a m s _im Oberinntal. .Tie halbe Ortschaft ist bereits vernichtet. Das Hotel zur Post in Tegernsee mit zwei dazugehörigen Nebengebäuden ist a b g e b r a n n t. Seit gestern nachmittag brennt bas ganze Dorf Montebrä oberhalb Locarno. Es besteht große Ge fahr, ba sich in biefer Höhe fein Wasser hefinbet. Das Tu­riner Elektrizitätswerk ist abgebrannt.

* Eine eigenartige Hinrichtung in Ungarn Aus Szeggebin wirb gemelbet: Der Raubmörder Stefan S3aImol, der drei Raubmorde begangen hatte, wurde am Freitag früh hingerichtet. Der Delinquent blieb bis 7 Uhr ruhig und wurde kurz nach 7 Uhr auf ben Gerichtshof ge­bracht. Der Staatsanwalt übergab ihn bem aus Bubapest ge­kommenen Scharfrichter, der ihn zum Galgen führte. Dort sagte der Scharfrichter zu dem Verurteilten:Ich bringe Sie hin, bleiben Sie ruhig." Der Verurteilte erwiderte:Ich bin ja ruhig." Als ihm die Schlinge nm den ^Hals gelegt unb der Fußichemel weggezogen war, verhüllte der Scharfrichter ben Kovi des Mörders. Es dauerte sieben Minuten, bis der Gehängte anscheinend leblos war. Als man ihn nach 30 Minuten, während deren der Gerichtshof das Schlußprotokoll verfaßte, abnahm, ver­kaufte der Scharfrichter den Strick zu bem Galgen in einzelnen Stücken um etliche Kronen. Das Tuch, mit dem der Kopf bebeckt war, um vier Kronen. Der Anbrang des Publikums war so groß, baß ber Gefängnisbirektor ben Platz räumen lassen mußte. Der Gesamterlös dieses Reliquienschachers betrug 44 Kronen.

ttiCiii u<iesü»foiilf.

Das Befinden des Chauffeurs des Prinzen Heinrich ist unverändert. Die Aerzte hoffen, ihn am Sehen zu erhalten.

-In einer Wirtschaft in Waldenborn (Regierungsbezirk Erfurt) gerieten zwei Bahnarbeiter während des Kartenspiels mit­einander in Streit. Im Handgemenge versetzte der eine dem anderen Spieler einen so heftigen Schlag in das Genick, baß der Geschlagene zu Boden stürzte. Bald darauf versöhnten sich aber die Stteitenden und spielten weiter. Auf dem Nachhause­wege lauerte der Geschlagene seinem Gegner auf und versetzte ihm dann einen tiefen Stich in ben Unterleib. Der Tod trat nach einigen Minuten eilt. Der Mörder würbe ver­haftet.

In Berlin beschloß der Magistrat mit Mcksicht auf die anbauer ndeHitze ben großen Wasserverbrauch zur Spreng- ung der Straßen und Plätze einzuschränken und bie Spring­brunnen vorläufig zu schließe n.

In O b e s s a war bei bem kürzlich^ verabschiedeten früher en Chef ber Geheimpolizei, Fürsten Kerkulidse, eine Haussuchung vorgenommen, wobei die Polizei stark kom­promittierende Briefe und Dokumente fand.

dhokro.

Saloniki, 11. Aug. Die Zustände in Ipek sind ttostlos. Die Cholera fordert täglich fast 50 Opfer, befonders unter ber mohammedanisch-albanischen .Bevölkerung, die die Seuche als Schickung des Himmels betrachten und gar fein e hy- gicnischen Vorsichtsmaßregeln beobachtet. Deshalb sind bisher bereits über 800 Mohammedaner gestorben, während ^ntercY&en übrigcH Elementen 60 Todesfälle zu verzeichnen sind. Der Markt ist meist geschlossen, die Geschäste stocken. Auch in ben umliegenden Ortschaften fordert die Cholera zahlreiche Opfer.

, l1- Zn Marseille kamen heute 34 Cho­

le ra s a l l e vor. Es verlautet, daß das 9. Husarenregiment in C a r p i a g n c untergebracht werden soll.

I)anöcl.

* ^i c Eierausfuhr Rußlands ist in relativ ganz kurzer Zeit zu einem wichttgen Fattor der russischen Handels- btlanz geworden: er beträgt gegenwärtig beinahe 5 Proz. are -c V11 m ® C- a m t a II s f u h r und rund 40 Proz. ber Ausfuhr von Nahrungsmitteln aus Rußland. Die Ausfuln stieg von 1777^ Mül Sttlck im Werte von 31313 Mill. <Rub. im ^abre 1900 auf 2998 Mül. Stück im Werte von 63 689 Mül.

rcP11 < Id 10. Rußlands Hauptabnehmer von Eiern

Und England, Deutschland und Oesterreich-Ungarn, wobei L« oen letzten Jahren England an die Stelle Deutschlands an >en ersten Platz ^getreten ist. Tie Preise steigen langsmn, aber 1895 15,80, 1900 16,40, 1905 18,86 und 1909 -0,86. Russische Eier werden auf dem Welt- SS» niedrigsten notiert. In dieser Beziehung stehen sie bPV sranzoiüchcn, dänischen, italienischen und pn- C£v Prunkt, dos um 50 bis 90 Proz. höher bewertet nwdrrge Bewertung des russischen Produkts ist auf IwA6 ^.^nttven Mangel unb zu einem nicht geringen Test auch aus bte Desorganisation ber Ausfuhr und unreelle Prak-

--erK r?r?Hu führen. Die wichtigsten Zentten ber ^s^o^Eron ynb das Äolgagebiet, ber zentrale Ackerbaurayon, öaä Sudwestgebret, ber Donraiion, Kleinrußland und Polen. Es - rüLÄ Abbiete die ut klimatischer Beziehung für die Gc- lügelzucht bie günstigsten Bedingungen ausweisen. Wenn trotzdeut 2ilirürftn!akI>ClriCkl9&nbct Produkt geliefert wirb, so ist bas daraus rahonelle Geflügelzucht nur ganz sporadisch Staat unb bie Tierproduktion im roeientlicben Sache des Zufalls ist.

. MüUerlche Badeanstalt.

-Isaf i e rw arme der Lahn am 12. August: 20" st.

NESTLE

Altbewährte Nahrund rürKinder und Kra nke

Hessen-Nassau.

n. Naunheim, 10. Auq. Der Anstreicher Ludw. Kern stand an der Eisenbahnbrücke Wetzlar, an der zurzeit der Anstrich erneuert ivirb, in Arbeit, wobei ihm der Pinsel 'n den Lahnfluß fiel. Kern entledigte sich seiner Kleider und sprang dem Pinsel nach, welcher auch bald in seinen

Kassensdiränke

Fr. Krogmann

Bahnhofetrasbe 30 D10/, Fernsprecher 401