Ausgabe 
12.8.1911 Zweites Blatt
 
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161. Mrgang

Zweiter Blatt

Nr. 188

Erscheint täglich mii «u«nahme des Sonntag«.

Bas $d)idjal des entführten Ingenieurs Richter

Üamml, so ganz glaubwürdig ist?

Bor Bremer Spion.

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Xieeichener KamIUeidläNer" werden dem älnueiflfr* viermal roödicntlid) beigelegt, das Kreisblatt für bei Kreis -letzen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Zett- frage" erf ehernen monatlich jweimaL

gicrung hlU in der ttou'.i.icn dann iolltc jic ud), m ..r

treuste Fäden ein Ben»cgungsamricb cnl lieben sollte, na bin cs in die Hand und iprad-;Jetzt fühle ich mich dorthin gegen die lür gezogen. ' Nun schritt ec enn die Türju.Wenn dem io ift, mein Herr," erwiderte ich,so werden >sie jeden davon lehr leicht überzeugen, indem sie biocs 1'incJl m*i aus Wasser schwimmen lassen, dae> 'ich dann ohne Ihre penönlid'e Intervention immer in einem bestimmten 2in» bewegen wird." Tas versprach er zu tu» Ich fühlte mich mut gegen die Tür getrieben und cm prahl mich, da mir etwas unheimlich zu Mute wurde, Es war doch unbehaglich, irgendwo zu verweilen, wo ein verichmrrtes Pater oder ein zujammengeschraubtes Möbelstück durch dte Ungleichheit von Trutt und Gegendruck sich svontan und ielbstäirdig aus bte^ Reise macken und mir an den Mopf fliegen konnte. Seit etwa 20 Jahren habe ich von diesen wunderbaren tiiperimcnten nichts mehr gehört.

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?'iti von Bort» trennt. Jetzt sind sie aus den Subabdan-

-Dram. Längt l-t Meter.

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ZOO Metcr lang.

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bem Leücv.

Samstag, 12. August 19U

RstaiwnSbruck und Verlag der BrüKl'fch« Untvcv..'ät6 IBiicfh und oieinbrudcrtL R. Lange, Rieften.

Redaktion. Eipedition und Trucfetei: ödnrf« ftrafte 7. Grpebftion unb Vertag: e^jebl. Redaktion: 12. XeWftu AnzeigerGießw»,

Einer der merfiuürbigüen Erfinder, den ich kennen gelernt habe, war ein alter Mechaniker. An jeb.-r flicinigfeit bemerttc er irgendeinen Konstruktwnsvortcil und lührtr seinen Qicbantcn soson au^. Er reiormierte die Henkel unb die Form der Bier­glaser, die 25äi(Umangci, den Thcatervorhang, tomtriuertc eine Uhr aus einem beiderseits geschlossenen Barometerrobr, üi roilcbcm ein lur^e-s Cuediilberiäuichen neben einer empiri'ch geteilten, z ei km eis en den Skala herabsank Er war ein drolliger Miu), der an den Turmuhren die Zittern nbidmfiien wollte der müßte schon ein grofer Esel sein, der an der Zeigeritellung nicht erkennen sollte, meld'.c Zeir di. Uhr wein' Er war tut geborener Naturforscher Ich kann nach seiner idflütilcn ersabiung nicht bczn>itt'lu, da» er beim Wegotasen der 2Däne von einer am Rande durchlöd .nen Ärtiv'ägc das Prinzip der xa eiben- sirene und das efeietz der Sckuoiugunaszabl der -töne 'elbitanbig erschaute Er war auch maßlos ivermditig auf Eaginard Latour, als hätte dieser mit ) einer viel älteren Beobachtung dm um die schönste Entdechnng gebracht. Auf das * r i n i i D d c r ©(betbenf irene gründete er ein n e u e s Muitk- i nur um ent, welches er Sircnophon nannte Ein Pedül Per JcFic mittels eines (tzcwichtS unb einer cnMoicn rd'mu das Zostern der Sirenenscheiben in gletdrniäftige llm?tchung unb ;u- q(eid) einen Blasebalg in Tätigkeit. Bei verstärktem ^rul mehr ober weniger tie» euiiallenbe »taviertasten öimeten einen ober mebiere Schläuche, welch, die Lochreihen der 3trencnid*iben i end nden stark anbliesen, so da» auch einzelne -töne geidurdli merben konnten Die tcmv.riertc Stimmung wurde durch das Rabienverbälmis der 5dm]mäirc der -.chttben erzielt. EinWiebes Instrument, welches mit einer viel angciwbmeren xlangtarbe aniprad), als ein Harmonium, war einfach u n v e r t i m m b a > Es konnte durch ein simples Stanwerfahren gleich ui voll­kommener Stimmung b 'gestellt werden. Als ihm an «nnga

den Antrag ikkt . uut

Erttnder- die Erfindung ab^iaujen, erhielt er die Aniwort: Tie Erfindung ist groß, aber unoer lau ri id)/' -sie

Erfindergeschlchten.

Ernst Macht, der Wiener Planster, hat in seiner langen Toicntcniauibahn die verschied.neu Erfinder kennen gelernt, bic ihn m ihren Beschwerden ,n Nate gezogen haben. Gelehrte und Ungelehrte, sanguinische und nüchterne, problemloienbc und pro blcmfdnniebcnbc, uns trauiid e und vertrauensvolle, ruhmnichtige und sachlide, Erfinder um leben Piets und Ok legen hei i-.-.innbci. Aus seiner reichen Erfalnung mit solchen Leuten i.roiienUtcht er nun in beiNaturwissenschaftlichen Wochenichriil euie Reihe hübscher Proben.

Eines Tages wurde nur ein Herr gemeldet, bei nur Wicl> tigeo minutcilen hätte. Er erzählte mir, er hätte eine enge, mit Flüssigkeit gefüllte Röhre, die am oberen Ende geichlolien. am unteren offen war, aus welcher natürlich des --uftdntdes wegen nichts auSilosi, elektrisiert, woraus das Austticßcn loton begann. Er zog hieraus den kühnen Schluß, daß das Elektrisieren den Luftdruck authebc. Ich be­stellte den Herrn aus eine freie Stunde des Nachmittags, um das betreffende Experiment anzustellai. Ta man aber einem Menichen wohl aniieht, ob er envas nur in theoretischem Intereiie unter­nimmt, so äuperte ich zum Laboranten:Ter Herr denkt wohl mit der Elektrisiermaschine einen Evenbahnzug zu treiben^' Am Rachmittag, beträchtlich vor der bestimmten Zeil, war der errembe wieder am Platz.Sie wollen einen Eisenbahnzug treiben ' meinte der ibn einstweilen unterhaltende Laborant. Raich, ohne weiter ein Wort zu verlieren, grih der Herr nach >einem i?ide nnb i cridiivanb für immer. Ich hatte also wohl seine Ablickst erraten unb ihm die Lust benommen, mid) bei seinem vermeintlichen lukrativen Unternehmen ins Vertrauen zu ziehen. Es lind im diesem Vorfälle reichlich 40 Jahre verflossen und her verr wirb sich einstweilen beruhigt haben.

Ich wurde einmal bringend von einem Herrn zu einem Besuch eingeladen, bei mir etwas sehr merkwürdiges zeigen wollte. Als id l.inkam, erzählte er mir zu nächst folgende Geschichte. Er bitte nie an bem Prinzip der Gleichheit von Truck und Gegendruck g< zweifelt. Ta hätte er einmal von einem Reisenden von einem .Tier svreckien gehört, das in Südamerika lebe, das gewandt von 3iveig zu Zweig springe, aber diesen Zweigen hierbei nicht die q Ungfie Ersdütierung erteile, weder beun Abstößen, nod) beim 'Jinivringcit. Ties hätte ihm ein solches Interesse erregt, bau sofort nack Südamerika gereift fei, um dieses einem Eidstwrnchen clHinte Tier zu sehen und zu beobachten. Hierbei habe er sich ii b c l » cu g t, ba B bas G e setz der Gleichhe it vonTruck und Gegendruck nicht b e n e b e. Rach seiner Rückkehr sei es ihm mm gelungen, eine Vorrichtung anszudenkeu, an meldet durch an cvuiu und dem'elbut Mörvcr gespannte Schnüre an diesem eine Bewegungstenden; auitrete. Er zeigte mir cm Lineal, an welchem durch zwischen Wirbeln vielfach gefpaiuue und gc

W

Bahulwssstatt;

dieser Berge berabgestiegen

P a r i 11. Ang. >? a l b a ui 111 d» ivirb gemeldet. Tic sramösische Regierung habe bezüglich der Besetzung von Ain Gaiaka der türkischen Regierung niugeieilt, fie feil iijid :, l ast dies Vorgesten in einer sran-zofischen VtnfluB- ipluue bem Uebereinkommen vom Jahre l-sw xunttderlaitfe und keinesivegs eine vollendete Tatsache werden dürfe, welche bet der von einem französisch türkischen Ausschns; un »erbst d. I vorznnel inende,i Besiimmung der Sabaragrenxe von irgendwelchem Unviibt sein iönnie.

'Kadi einer BlÜtterrneldung |ei vorlaung noch nicht festgestellt, ob die türkisckwn Truppen oon ben Ikarolui 310111)1 herbeigerufen wurden, oder ob dies auf eine von Avnsiantinopel gekommene B.tt'iji,ng erfolgt sei.

r. August rmes ei-ger 1,1

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politische TagerscKam.

Die ersten r.'andlagswahlen in Elsatz-Lothringen.

Straßburg i E., 10. Aug. Als Tag für die all­gemeinen Wahlen zur zweiten flammet des Land-« tags für Elsaß Lothringen ist durch Anordnung des Statt­halters der 22. £Uobcr b. I. festgesetzt worben. Etwa er­forderliche Rachwahlen haben demgemäß am 29. Oktober stattzusindei,. , u

Der Wahlkampf wird bedeuttiiigsvoll werden, auch als Vorspiel zu den Reichstagswahlen, weil die Walsten zur neuen zweiten reichsländischen flammer genau wie für den Reichstag auf Grund des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts bei geheimer Stimmabgabe er­folgen. Turd) die neue Versa),ungsreform ist für Elfaß- Lothringen eine parlamentarische Vertretung in Zorm eines aus zwei flammern beftcbeitben Landtags eingeführt wor den. Für die erste Kammer roerben die Mitglieder zum Teil vom flaifcr ernannt. Tie übrigen sind Vertreter be­stimmter Verbände. Für die erste reichsländische Kammer io mm en also allgemeine Wahlen nicht in Betracht. Wohl aber für die neue zrvcite flammet Tiefe zweite flammer geht aus allgemeinen Wahlen auf Gntnd des Reichstags wahlgefetzes hervor. Sie besteht aus 60 Mitgliedern, von

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhegcn

unbehelligt Rickuer über die Grenze unb iid) selbst in Sicher ui bringen Wenn die deutsche R

Angelegenheit etwas madien will. .... .---

Meinung nach, etwas energneutr mit her g r i ech t \ di i Re­gierung befassen, die angeblich den Räubern, d h der flinüitiuc® (111'111(1 etbera, Vondub leistet Tas ist nod, nicht al Id, was id» in der Angelegenlreit Riditer hier am Schauplatz seiner Cntfubritng in Erfahrung bringen konnte xodi 1inb die mir iveiter g machten Mitteilunlieu nod) nicht vollständig genug, um iie mitleilen zu können Vielleicht kann uh sie in Saloniki vervolluandigcn

A*b dieser Bericht, der türkt chen Informationen au-

sollte also oiieubar lieber als einzigartig und iageiilxjit fort-1 leben, als nutzbringend erhalten loerben Als ein Moll ege einmal versuchen wollte, das Instrument zu ivielen,iel ihm der Er itnbcr ungestüm in die Hände und erklärte dies für eine Ent. weihimg! * K. F.

Tuber fulo* e unb Ä e i stes kr 2 n kd e 11 Bei Zu­sammentritt des englischen Gesundheitsrats zu Bettast hielt der Präsident, Sir X'auDu örunton, eine bemerkenswerte Rede, in der er der juvmidn Ausdruck gab, dast in nicht zu ferner Zeit die Schwind,acht io leimt werden würde, wie letzt die Lepra. Tiefe hof-nuugsv.'lle Prophezeiung auf gänzliches Er löschen der Schwindsucht roirb eingeschränkt durch eine ipitere Feststellung in seiner RedeEs scheint," sagte er ntmlub, eine enge Verbindung zwischen Tubertulose unb Geiitesschwocde ober Geisteskrankheit zu bestehen. Der den Dunsch Hal, die Schwiichsuchl auszurotten und nicht gleichzeitig die Geistes- lrankheiten zu vermehren, must bestrebt sein, die Art dieses Zu-- iammenhanger zu entdecken. Gegenwärtig kennen wir ne noch nickn. Aber man sollte sich jedenfalls vergewissern, ob bei Tob von Geistesfchwachen ober Geisteskranken auf Schwindsucht zurückpiführen ist, und man fpllte jedesmal fest stell en, ob ihr Gehirn Tuberkelbazillen enthielt." Bmmon loarnt bann vor der schablonenha'ten Jlmvciioung von frischer Lust g?fi .-nüber Sduvind'üchtlgen und empfiehlt für sein Land ein G.'etz gegen

,i- 'i> bi UcbertTagung von 2 t au flinber oon vornherein zu verhindern ober wenigneus zu verringern.

Er die ft er. Es gibt zahlreiche Teutsch., bic m einen, besonders gebildet zu erscheinen, wenn sie das Fremdwort Ci d cftei Critbeitcr ausimechen: sie glauben, damit ,u *,eigen, da st iie ihr Franzöttsch verstehen. ?lber o weh! der Frauzosa 'vrickt das Don ja mit k, unb nicht mit sch'. Haben wir aber Anlast, diese, mc richtige französische und auch italienische - Aussorache mit k bei diesem Dörte anzuwenden, wie das fast die meisten Teutleben tun? keineswegs, denn bin» müstten wir aud) Monor'chie sprechen, weil bei Franzos w 'Mich.. Ta wir das Dort aber wohl ober übel als ein nnenibehcliches Fremdwon, ja als em halbes Lehnwort betrachten müttcn, io sollten wir es aud mtürhi t'euhcfr aus'vrcch. ', al io Orchester, mit ch, genau wie cs geid rieben ivirb. Ttefe Äusforache ent- spricht nicht allein ben deul'ch n Sorad'gesetzen, ionbim auch dem gricchtichen Ursprung bes Dortcs Ganz unsinnig ist cs aber. Den Orchesterraum Orkeitra zu nennen. Denn f- >e ganj griechisch gebliebene Form Mv DorteS c?.ri leibfönrilänbltd) auch n:u griechisch ausAc'oroch.ii werben, beileibe aber nicht französisch.

nick>: Orke't. . ..e.rn Crtbeirra, unb weder Ork s> i noch Or sehest er, sondern Orchester.

Aus (S at her in a am £ In m p ist an bie Adresse der .

Pogtl Ftg ' ein Schreiben des Ingeineurs Heinrich , Goldberg gelommen, das interessante Mitteilungen iiber i bie Lage des gefangen gehaltenen Ingenieurs Richter ent hall In dem Briefe heißt es

Tie letzten Tage führten mich wieder ins Clhnipgcbirge, wo ;Dtr "tn her Gegend von Trauma Vermessungen vorzunehmcn xitten Als wir ui Traniüa anlangten, nfunDcricn wir uns über bic Menge Militär, die m diesem Torfe lag. Tas hing taiürlid) mit der Affäre Richter zusammen, ^on den Offizieren, röeldje bie Truppe befehligten, erfuhr ich nun die ncucuc über raldjenbc Den Dung, welche die Angelegenlieit Richter genommen bat Tie türkische Regierung hatte bclanntltdi 500 Inianteristen imD 100 berittene Soldaten zur Verfolgung der Bande aus qjanbi, bic Richter geraubt hatte. Tic Verfolger suchten alle Spur von Richter zu entdecken Tagegen gelang cs ben Ver

n, mit Sick erheit festzi i sich gemnd nnb

wohlbehalten ui öricdjenlanb befindet, '.'lutjerbcm aber unb bau ist das Wichtigste und Interessanteste haben bic Verfolger unumstößliche Beweise dafür erhalten, daß die Ent- iihrung Richters schon lange geplant war, und zwar lieht hinter diesem Plane niemanb geringerer als bic griechiiche Ethiuki dhera Tiefe Gesellschaft treibt großgriechische Propa« janba mit dem Enbzweck, das alte Griechenland in inner ur

ilidjen Form mit der Hauptstadt flonftantim eiltelien ,u lassen. Ratürlick» ist diese (^eiellidiaft ein Feind -er Türkei unb wird von dieser nicht geduldet, so daß iie nur un Gehnmen arbeiten kann. Eine ganze Reihe cinflubrcid)cr, in ber Türkei unb besonders in Saloniki lebender Griechen und Mitglieder dieser Gesellschaft. Um nun Geld für Prova i a n d a z w e ck e zu bekommen, bereitete die Gesellschaft leit langer leit die Entführung Richters vor, da es in Saloniki bekannt war, haft er im Mai dies. 3ahr< wieder nm den Olymp steigen wollte Tie Räuber Strati, Lolios und flonforten waren nur die von der t^esellfchast bestimmten Aus führ er dieies Planes. Tic Ethnil» et Hera rechnete damit, daß im Falle der Entführung eines Tentschen die d e u t s ch c R e g i c r u n g cncrgudi nou der türkischen Regierung die Bezahlung des L oiegelbes mrbern würde, wie fic dies vor etlichen 3ahrenj(hon einmal getan ratic qclcgcntlid) der Entführung von vier neulichen durch ben Hauber Athanas. Bekanntlid) verlangten nun bic Räuber Richters ;,0000' türkische Pfund, etwa 025 000 Mk. Ter türkischen Regie- jung, die bereits seit langem den Zusammenhang der «ringe ahnte, kann man eS unter diesen Umständen nickst verargen, wenn'sie keinen Pfennig Lösegeld zahlen will.

Tiefe Reuigkeiten kamen mir ganz lonbcrbar vor, aber bie .laubwurdigkcit der Offiziere, die nur versicherten, baß die türk,»die H.qurung vollgültige Beweise für die Richtigkeit bie)er Mit­teilung in Händen hat, ist über allen Zweifeln. Tic .Hauptsache >t das; R > ck> ter lebt und gesund ist: nach Meinung iamt> lidicr hiesigen Leute, welche bic Banditen kennen, hat er für ein Leben nie etwas zu befürchten. Vielleicht teilt man dies fein« Frau mit, um sie zu trösten. Tie Rachfonchuugen der Verfolger haben weiter ergeben, baft sich die Räuber »tj a 11 unb Lolios nicht mehr bei Richter befinden Wahrend Strati 1U Griechenland sein soll, wursden Spuren Lolws in der Gegend von Tranilta entdeckt, iveshalb eine Abteilung Soldaten, darunter auch meine beiden Ofuziere, dorthin gesandt wurden. Ta bie Möglichkeit vorhanden war, daß mir bei unseren Veiinenunge arbeiten nut dem Räuber Lolios zuiammengeraten konnten, gaben ns bie Offiziere außer drei (Mciibarmeii noch fünf Loldaten und einen Flur Wächter mit, unter deren Bedeckung wir innere Urbeiten aussührten. Leider machten mir hierbei feine Bekannt- idjajt mit dem Räuber, der hoffentlich bald emgeiangen wird. Man uiuft bei türkischen Regierung großes Lob danir ivendeii, daß lic bie Bersolgiing der Räuber in äußerst tatkräftiger ©euc au|> Genommen hat. Wer bic hiesigen Verhältmsic einigermaßen kennt, wird mir beivflickstcu. Tic türkischen Otttziere behaupten, daß ne die Räuber schon längst erwischt hätten, wenn ne von Anfang an die Verfolgung so hätten aufnehmen können wie bisher. Aber angeblich hätten bic deutschen B e b ö r d e n gleich nach der Entführung darauf bestanden, baft tede Verfolgung bei Räuber unterbleibt, damit diese Rickstcr nichts zu leide tun. -Liefe Taktik wäre natürlich falsch .icmen-u unb baue beu Raul'.ru eHuubt,

Paris, 11. Aug Ter einstige Maruicminister und gegen roärtigc Deputierte Pellet a n veröffentlicht tutMalin" einen Artikel, der sich i c h r f d) a r f gegen daS I un g t u r k c n t um wendet, dem darin grnublidi bic Leviten gelesen werden. Verfasser behauptet, aus bester Quelle zu wnfen, baß bie tuitildn Regierung bie Auniahmc einer riesigen Anleihe von^ mast weniger als einer halben Milliarde Franks und war in <vrant reich plane, und warnt davor, sich am dieies Gcfchast cm- iiilaifen Tain die Türkei werde bann gezwmtgen, zm Wertung ber fliniai die Einfuhi »ölte aus europäische Waren norti mxbr ju erhöhai, was zu einer weiteren Schädigung be» curopäildxn tzandelö im ottonianiutcii :Kcu1 u- inaren mi'me.__,

Ber ftanzösilch-amerilanksche $d}icösgerid)tsvertrag.

Pari s, 11. Aug. Tic Einleitung zu dem französisch amcrilaniidicn Vertrag verleiht dem Entschluß der^beiden Regierung en Ausdruck, anstatt eines beschränkten ^chteds- gerichtsvertrages einen allgemeinen Lchieddgcrichtsvertrag zu setzen. . . ... ,

Artikel 1 bestimmt, daß alle Streitigkeiten, ^dtc nickst auf diplomatischem Wege geregelt werben können, dem >-chiebsaerichts- hof im Haag oder einem anderen >Lchiebsgerickpshof unterbreitet werden sollen. ... .

Artikel 2 setzt bic Einsetzung eines gemucksten Uni. rinchungs auSichufies vor. Tic Streitigkeiten werben diesem Ausichuß über wiesen, bevor sie dem Schiedsgenchtshoi unterbreitet werden Ter Ausschuß setzt lick aus Angehörigen beider Parteien zuiainmen

Artikel 3 umschreibt die Rolle, die dem gemilchten Anchchutz jufällt. Dieser prüft die ihm überwiesenen Fragen nnb erstattet x mt1ic Artikel 1 und b beziehen sich auf bic Boll,nachten und die Tätigkeit des Ausschusses.__

Bremen, 11 Aug. Boesmanns Bureau meldet. An gesichts der vielen Widersprüche, welche m den Mitteilungen ber Presse betreffs ber Lpionageaffäre in Bremen firii finden, und mit Rücksicht auf die Tatfache, daß uns die zuständigen Behörden heute noch erklären, über keinerlei amNiches Ma­terial zu versügen, fallen wir uns veraistaßt, uns an^volst informierter Stelle eingehend iiber die Sachlage des (vnlle? ;n erkundigen. Wir stellen folgendes fest:

Der verhaftete Engländer ist ein Jurist aus einer an- nefebenen Familie, namens Bertrand Stewart, etwa 40 'n ine alt, Teilhaber der bclanittcn Solicilarsirma Mark bn, Sleivart u Eo in London und Reserveoffizier der Beomaurp. Er ist in Bremen wegen auffälligen Verhaltens 1 istiert, vernommen und bann wegen spionageverdachts, Fluchtverdachts und flollufionsgefahr in das hiesige Unter luchungsgefängnis gebracht worden Man vermutet, ihn in Zusammenhang mit den Spionageassären in Borkum und Hamburg bringen zu können; wie weit die Vermutung richtig ist, kann allein die Untersuchung ergeben. TerBeschul- diate bestreitet s ä m 11 i cl) e i h m zur L a st geleg­ten Vergehen, jedoch befinden fich feine Ausfagen teil weise im Widerspruch mit denjeni-eu vernommener Zeugen. Tie bis soweit aufgenommenen Ak.en sind inzwifchen nach Leipzig gesandt, wo über die wei.ere Behandlung der äugen scheinlich großen Umfang annehmenden -Sache entfehtoben nirb.

Aus Englanb find lediglich zwei Personen zum Befuch des Verhafteten hier gewesen, ein Angestellter seines Bure­aus namens Woeif und cm der Familie Nahestehender namens Boston Bruce Beide hatten die Erlaubnis er- l alten, ihn im Untersuchungsgefängnis zu sprechen. Im Einverständnis mit Boston Bruce hat der hiesige Verteidiger Stewarts, Tr. Finke, mit Rücrsicht aus die Bedeutung der Sache den momentan in Wiesbaden weilenden Spezia­listen und Verteidiger in den letzten Spionageprozenen, Fuslizrat Tr. v. G o r d o n-Berlin, zur Mitwirkung in der Verteidigung gewonnen. Irgendeine Unterhaltung mit den Angehörigen des Beschuldigren in Wiesbaden hat n ich t stattgefunden. Verwandle von Stewart sind seil feiner Ver­haftung üb er Haupt nicht in Teutschland gewesen.

Lin Mlisch-französifcher ErenzkonflM in Asrtta.

Wie demTempü" aus Wadai berichtet wird, sollen türkische Truppen Ain Gal a f a in Borku be­setzt haben. Borlu ivirb von den Franzosen' als zu ihrer Eiiifiußzone gehörig betrachtet, und Ain GalaUi bildet das nördlichste Bollwert der französischen Mililärregwn am Tschad. Tas Vordringen der tünischen Truppen von Tripoiitanien aus hat bereits mehrfach zu flonili.tcn mit den Franzosen geführt. Französische Truppen haben bereit.' zweimal Ain Galala besetzt, laben es aber toieoer oerlas|en müssen, weil die französische Militärmacht in dem unge­heuren Wadaigebiel zu schwach ist. Tripolis hat nach Borlu hin fehr unbestimmte Grenzen. Bisher hielten sich bie türkischen Truppen aus der Rorbseite der Bergkette, die

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