Ausgabe 
12.8.1911 Erstes Blatt
 
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unb zahlreiche sonstige Veteranen ufto. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden des hiesigen Krieger- Vereins nahm der Kreisdirektor Oraf Bissingen die Tafeln namens der Negierung in Dfrfynt. Ter Vorsitzende der unterelsässischen Miegervereine, gab in seiner Gedacht- nisrede ein gebens und Charakterbild der ruhmreichen Heerführer, deren Andenken auf den neuen Tafeln ver- rivißt i|t. '

Das neue LinienschiffThüringen" erzielte bei den zurzeit stattfindenden Erprobungen bei normaler Belastung eine Höchstgeschwindigkeit von 21,01 Seemeilen pro Stunde im Mittel aus mehreren Anläufen. Das 6i> gcbnis der Probefahrt übertrifft damit erfreulicherweise die auf Grund der Konstruktionsbedingungen gehegte Erwar­tung. _____

Ausland.

Im ungarischen A b g e o r d n e t e n h a u he beantragte Graf Theodor B a t t h a n n mit Rücksicht daraus, daß eine ft rise im Kricgsministcrium ausgedrochen sei und der Krceas- minifler seinen Abschied nehmen würde, eine Vertagung der Verhandlung über btc W ehr vor läge Der Minilt^erpräsideiü erwiderte, selbst wenn die Demission in beglaubigter Form vor- läge, wäre sie kein Grund zur Vertagung, da die ungarische Negierung für die Vorlage v.-rantivortlich sei. Der Antrag Batthany wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

DemTemps" wird gemeldet, daß die Spanier rn.will­kürlicher Auslegung des französisch-spanischen Marokko Vertrages vom Jahre 1904 die Grenzlinien ihres Einflußgebietes bis zu einer weiter südöstlich den Lukkos- slnst schneidenden Straße bis Uezzan vor rücken und in ihre Einflußsphäre einen größeren Teil des Gharbgebietes einbeziehen wollen.

Die Truppenschau in Mainz.

N. Mainz, 11. Aug.

Die Mainzer feierten von jeher gerne Feste, und die alljährliche Anivesenheit des Kai crs und des Großherzogs wird denn auch jedesmal gründlich ausgebcutet. Es sollte einem aber wirklich auch gar manches zu Augen kommen, was man nicht gerade alle Tage sieht, denn außer den zahlreichen Fürstlichkeiten erwartete man auch das Parseval- luftschiff, das während der Parade den Sand umgreifen und landen wollte. Der Ballon traf zwar programmüßig ein, die Uebung war jedoch, da die Truppen der .Hitze wegen nur in Regimentskolonnen voraeführt wurden, schott vorbei. Außerdem traf, wie ich schott telegraphisch gemeldet habe, auch das LuftschiffSchwaben" ziemlich un­erwartet ein. Es iuar zwar bekannt, daß das Luftschiff eine Fahrt von Frankfurt nach Wiesbaden machen sollte, aber daß es auf der Rückreise auch unsere Stadt berühren werde, sah man nicht voraus

Der Kaiser traf, wie wir schon mitteilten, gegen 6 Uhr an demhistorischen Bahnwärterhatts Nr. 39" ein; die großherzoglichen Herrschaften waren schon gestern um 7 Uhr 30 Mitt, von WolfSgarten im Automobil etngetrvffen. Bei seiner Attkunft begrüßte der Kaiser, der die Uniform des Inf. Regt. Nr. 116 trug, den Großherzog, den komman- dierenden General von Eichhorn, den Gouverneur Graf von Schliessen utw. Darauf bestieg er sein Pferd und begrüßte seine Schtoe tern die Kronprinzessin Sophie von Grie­chenland und Prinzessin Friedrich Karl von .Hessen, die Großherzogin und die vier Söhne der Prinzessin Friedrich Karl. Die Großherzogin sowohl, wie die Prinzessin Fried­rich Karl von Hessen waren in der Uniform ihrer Regimenter erschienen (Inf. Regt. Nr. .117 und Jnf.-Regt. Nr. 80). Nach der Begrüßung ritt der Kaiser mit seinem Gefolge, bei dem sich auch zwei japanische Offiziere befanden, General- seldmarschall Nogi und Oberstleutnant Poshida, zum Sande, wo zuerst das Exerzieren des Magdeburger Dragoner-Regi­ments Nr. 6 vorgenommen wurde. Das Exerzieren, das mit Gefechtsübungen endete, dauerte etwa eine Stunde. Nach der Kritik begann dann das Gefecht, zu dem Generalleutnant von Plüskotv, Kommandeur der 25. Division, die Aufgabe stellte. An der Gefechtsübung ttahmen teil: die Infanterie- Regimenter Nr. 116, 117, 118, das Dragoner-Regiment Nr. 6 und ein Teil des Feldartillerie-Regiments Nr. 63. Der Kaiser beobachtete den Verlauf der Uebung von der Bruchspitze aus. Gegen 7V2 Uhr war das Gefecht beendet, und wälyrcni) sich die Generale nitb Regimentskomman­deure zur Kritik bei beni Kaiser versammelten, stellten sich die Truppen zur Parade auf, die um 8 Uhr ihren Anfang nahm. Au der Parade waren außer den Stäben 27i/2 Batail­lone, 5 Eskadrvns, 2 Abteilungen Feldartillerie und zwei bespannte Batterien Fußartillerie beteiligt. Die Infanterie paradierte mit aufgepflanztem Seitengewehr. In tadel­loser Haltung zogen die Regimenter am Kaiser vorbei, dem die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen ihr Regiment, Füsilier Regiment von Gersdorff Wr. 80, verführte. Darauf führte der Kaiser sein strammes Infanterie-Regiment Nr. 116 dem Großherzoge vor. Iuletzt führten der Groß- Herzog und die Großherzogin ihre Regimenter, Nr. 115 und Nr. 117, dem Kaiser vor.

Nach dem Parademarsch nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen, u a. von Branconi, als General­major und Kommandeur der 49. Jnfanteriebriga.de (1. Großh. Hess.), Elifsvrd ft'ocq v. Breugel, Oberst und Kommandeur der 25. Kavallerie Brigade, Sck)röter, Oberst und Inspekteur der 4. Jng.-Inspektion, Frhr. v. Wechmar, Oberst und Kommandeur der 21. Kavallerie-Brigade, von Crotta, gen. Treyden, Oberst und Kommandeur des Inf.- Regiments Nr. 116, der den Dank' für ein dem Regiment überwiesenes Gnadengeschenk aussprach.

Wahrend dieser Zeit bildeten die Truppen bis zur Gastellschen Waggonfabrik Spalier. An der Waggonfabrik feftc sich der Karser an die Spitze der Fahnenkompagnie, die fine alljährlich von dem Infanterie-Regiment Nr. 116 ge­stellt wurde.

Götzen 9i/2 Uhr zog der Kaiser unter feierlichem Glocken­läuten ui die Stadt ein, wo ihn eine tausendköpfige Mtznge jubelnd begrüßte. Im Schlöffe wurde der Kaiser von dem Oberbürgermeister Dr. GÖttelmann im Namen der Stadt begrüßt.

Der Kaiser verlieh eine große Anzahl Ordensaus­zeichnungen. Unter anderen erhielten die Königliche Krone zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub GeneraUeutuant v. Plüskow, Koinmandcur der Großh. Hess. 25. Divlsion, den «Stern zum Königlichen ft'roncuorben 3. Klasse Oberst v. Etzel, Kommandeur des Leib-Garde- Jnfanterie-Regiments (1. Großh Hess.) Nr. 115, den Kronen­orden 4. Klasse Oberleutnant v. Boeltzig vom 116. Ins.- Regiment

Um Vsll Uhr fand sodann Frühstückstafel statt, zu dem das Infanterie-Regiment Nr. 117 die Tafelmusik stellte

Die Abreise des Kaisers nach Wilhelmshöhe erfolgte am Nachmittag int Automobil, und kurz darauf verließen auch der Großherzog und die Großherzogin unsere Stadt.

Das Parscvalluftschiff, das um 33/4 Uhr in Metz auf- gestiegen war, hatte anfänglich sehr start mit Gegenwinden

zu kämpfen und traf um 9i/2 Uhr in Mainz ein. Es führte mehrere tadellose Manöver über der Stadt aus und landetc gegen 10 Uhr hinter dem Krematorium. Als Insassen hatte das Luftschiff .Hauptmann Lohniüller, Oberleutnant Hage- rneper und Leutnant Baagh. B.i der Landung waren fünfzig Manu des Hanauer Eisenbahnregiments behilflich. Tic Abreise des Luftschiffes erfolgte gegen abend, da der großen .Hitze wegen Neufüllung nötig war.

Prinz Friedrich Karl von .Hessen ist, wie entgegen den ersten Meldungen mitgeteilt wird, mit Rücksicht auf seine Gesundheit der Truppenschau f e r n g e b l i e b e n.

Kronberg, 11. Aug. Der Kaiser, die Kronprinzessin von Griechenland und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen sind aus Mainz hier eingetroffen.

Au» StciOt und Land.

GießLn. 12. ''Anglist 1911.

* Tageskalender. K in e m a t o g r a p h: Täglich Vor- itelhniq.

Biograph: Täglich Vorstellung.

A n l o g e ni usit um eonnmq uouniltng 11'/, Uhr in der Süd "Anlage, Sptelplan : l Ambrostanückier L'obgefana; 2. Cnuerture zur OperWilhelm Teil" von G Rossini; 3. DiatioiinlhcOcr, in ,orm einer Iamasie gidnmmenge'ieUt von P. Tschaikowsky; 4. Arineemaisch 91 v. 27 (ftobiuger oon Josias).

D i e Nta nl- unb Klauenseuche ist nunmehr auch in Grüningen ansgebrochen. Die erforderlichen Sperr» maßregeln sind vom KreiSamt alsbald angeordnet worden. (Siehe amtliche Bekanntmachung.)

Der zweite BeratungStag der Deutschen Geologischen Gesellschaft begann heute früh uni 9*/t Uhr unter Vorsitz des Prof. Tr. Ra uff'-Berlin. Nack Erledigung einiger GesebäftSordnungSsiagen erhielt Dr. 'M o r d z i o l -Mainz das Wort zu einem Vortrag über die Stratigraphie des Mainzer Tertiärs. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, bei der sich die Herren Tr. Stener-Tarmstabt, Dr. Oppenheim-Berlin, Tr. Flügel-Berlin und Dr. K o e r t - Berlin beteiligten. Nach einer Panse sprach noch Ingenieur Fischer-Frankfurt a. "JJL über die obernen -Horizonte des Mainzer Beckens und Dr. Herrmann-Marburg über neue Funde von kalkischem Unterbcuon von böhmischer Faeies bei Marburg. Tie Sitzung wurde bann um 12% Uhr geschlossen. Ter 9lach» mittag wurde dem Studium der Tiorite, Granite, Hornfelje und Granit-Porphyre in dem Bahneinschnitt zwischen Glieder» und Lber-Rainsiadl und in den Steinbrnchen der Oden- ivälder .Hartsleininduslrie bei Nieder-Ramstadt gewidmet.

Warnung. In benachbarten Städten treibt seit einiger Zeit ein Einlogierdieb sein Handwerk, und es wird velmntet. daß er auch hier Gastrollen geben wirb. Er logiert sich gewöhnlich als Maschinenmeilter ober Schriftsetzer ein, erbricht dann in der Wohnung des Logisgebers die Behält­nisse, nimmt alles b. ertoolle an sich um dann damit zu ver- ichwmden. Der Dieb ist 3035 Jahre alt, mittelgroß, dunkelblond, hat Schnurr- und Spitzbart unb trägt Zwicker. Es sei vor ihm gewarnt.

* Unbekannte Leichen. Am 12. Juli l. I. würbe im Frankfurter Stadtwald ein unbekannter Mann erhängt aufgefunden, dessen Persönlichkeit bis jetzt nicht reflgefleüt werden konnte. Der Verlebte war etwa 65 Jahre alt, von mittlerer Gestalt, hatte kurzes, graues Haar, Schnurr- unb Spitzbart und volles Gesicht. Ferner würbe am 28. v. Bits, im Main bei Offenbach die Leiche eines 45 50 Jahre alten Mannes gelänbet, besten Personalien noch nicht bekannt finb. Tie Strümpfe trugen ben Namen H. Schmalzt. Auskunft über bie Persönlichkeiten ber beiden Unbekannten nimmt die Rriminalabteilung des Polizeiamtes entgegen.

* * Fahrradmarder. Am Mittwoch wurde einem Arbeiter bas Fahrrad, das er im Hofe West - Anlage 38 stehen hatte, gestohlen. Es ist ein Deutschland-Rab mit ber Fabriknummer 366 391.

Landkreis Gießen.

Großen-Llnden, 11. Aug. Ber hiesige Ge­rn ein berat hat den mit der Provinz abgeschlossenen Vertrag wegen beS Bezugs von elektrischer Energie aus bei Ueberlanbzentrale Wölfersheim angenommen.

/ \ Burkhardsfelden, 10. Aug. Gestern mittag steckten mehrere kleine Jungen daS am Friedhof lagernde Brennholz in Brand. DaS Feuer griff auf ben den Friebhof umgebenden Zaun über unb zerstörte ihn teilweise. Durch unsere Wasserleitung war bas Feuer rasch gelöscht.

Kreis Friedberg.

-m Friedberg, 11. Aug. Dem Mühlenbesitzer Peter Dietz jun. hier sind sämtliche Enten nebst 25 Hühnern ver­endet. Infolge beS so schnell eingetretenen Todes vermutete man zuerst Geflügel-Cholera; die sofort angestellte Unter­suchung ergab jedoch, baß bie Tiere infolge Trinkens aus der Ufa verendeten. Die Krankheit verlief tliphusähnlich DaS Dtaffenfterben oon Geflügel wirb auch aus Fauerbach gemeldet, unb zwar nur von Gehöften, die direkt an der Ufa gelegen sind.

Bad-Nauheim, 11. Aug. Viele Kurfremde unb Einheimische erstiegen heute morgen nach 9 Uhr den Johannis­berg unb andere Höhen unserer Badestadt, um die in Aus­sicht gestellte Ankunft beS LuftschiffesSchwaben" zu bcob» achten. Die Leute besetzten die Balkone unb sahen imi bewaffneten Augen nach der Richtung von Frankfurt, Schul» tInder stürmten nach dem Berge, aber kein Luftschiff kam, trotz offizieller Ansage. Gegen 12 Uhr verließen die Berg- neiget ihren Ort. Jetzt verbreitete sich die Nachricht: E> lomnit 2 Uhr 15. Liber es kam kein Luftschiff. Aehnlich erging es m Friedberg. Tort belagerten in glühender Hitze die Leute ben Seegarten und die Seewiese, um natürlich auch nichts zu sehen.

Bad-Nauheim, 11. Aug. Bis zum 10. 9(ugufl sind 2 7 5 2 0 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 7508 anwefenb waren, 58äber wurden bis zum 10. August 838 826 abgegeben.

Starkenburg und Rheinhessen.

cm. Darmstadt, 11. Aug. Der in ben vierziger Jahren stehende, bei den Lahmeyerwerkon in Frankfurt a. M. beschäftigte, hier wohnhafte ftaufnunut Wilh. Hasse machte am Mittwoch vor­mittag mit seinem 12 Jahre alten Sohne eine Radtour. Gestern tarn nun an die Fran des H. von Oppenheim die Meldung, daß man am User bei Dienheim zwei Räder, sowie die Poll- ständigen Einzüge mit Uhr und Geld von zwei Personen gefunden habe, aus denen hervorgel>e, daß man es mit dem Hasse zu tun habe. Tie Frau reifte alsbald an die Fundstelle und mußte

leider die Tatsache feststellen, daß die gefundenen Gegenstände ihrem Sohne und ihrem Manne gehören. Ob den beiden beim Baden ein Unglück paniert ist ober im'lchem Umstand ihr Verschwinden zuzuschreiben ist, wurde bis jetzt nicht aufgeflärt.

Darmstadt, 11. Aug. Ter frühere Vorstand des hiesigen Stadtbauamts, Baurat Frenah, ist am Donnerstag abend q e 11 o r b e n. Früher im hessischen Staatsdienst, war er in städti- Ichen Diensten von 1897 bis 1908. Unter feiner Leitung wurden die Schulen in der Lagerhaus-, ber Pfründnerhaus- und ber Hermannstraße gebaut, sowie die Erweiterungsbauteii zu dem Krankenhaus und dem Schlachthos ausgeführt. Eine ganze An­zahl kleinerer Bauten, wie das Oberwaldhaus, die neuen Bade­anstalten im Woog, das Wartehäuschen aus dem^Ernst-Ludwigs- Platz sind gleichfalls unter ihm entstanden. ^ic Meldung von einem großen Waldbrand beim Griesheimer Haus wurde heute morgen vom Dragoner-Regiment art die Feuerwache weiter gegeben. Die Feuerwehr, die auf diese Meldung au£- rückte, vermochte von einem Brande n i ch t s zu en t d eck e n. Entstanden ist bie falsche Feuermeldimg wahrscheinlich durch Staub­wolken, die sich über dem Griesheimer Exerzierplatz durch die Truppenübungen entwickelt hatten.

ytsst U'Nafsau.

x Frankenberg, 11. Aug. Hier weilen gegen­wärtig aus Anlaß der 77. Hauptversammlung des Hessischen Geschichtsvereins zahlreiche Freunde althessischer Geschichte und Landeskunde. Gestern nachmittag fand eine Gesamtvorstandssitzung statt, in der verschiedene Vereinsangelegenbeiten beraten wurden. Abends schloß sich in der städtischen Festhalle eine gesellige Vereinigung an, bei der die Marburger Iägerkapelle konvertierte. Heute früh befichtigten die Teilnehmer die festlich geschmückte Stadt. Ferner erregte eine Ausstellung Frankenberger Altertümer, die man in einem Saale des Lehrerseminars untergebracht hatte, Aufsehen. Die Sachen waren ru diesem Zwecke von ben Bürgern zur Verfügung gestellt. Man hofft bamit den Anfang zu einem Heimatmuseum machen zu können. Um 111/2 Uhr wurde mit einem Gesanasvortrag des unter ber Leitung des Seminarmusiklehrers Kattiofskp stehenden Sängerchors des Lehrerseminars in der Aula ber Anstalt die 77. Mitgliederversammlung durch den Vor­sitzenden, Generalmaj. E i s e n t r a u t-Kassel eröffnet. Seiner Begrüßungsansprache schloß sich Bürgermeister Dertz- Jrankenberg an. Pfarrer Ko ch-Frantenberg gab dann einen interessanten Bericht über den vor 100 Jahren er­folgten Ankauf der Orgel des Kiosters Grafschaft bei Hallen­berg und deren Eimveihung am 18. Oktober 1812. Der folgende Redner, Archivar Dr. Rosenfeld-Marburg, hielt einen einftünbigen Vortrag über Frankenberg im Mittelalter, besonders nach ben AusZeichnungen des Frauen­berger Chronisten Gerstenbera. Aus den sich anschließenden gLschäftckchen Mitteiluiigen sei erwähnt, daß ber Verein letzt 1916 Mitglieder zählt. Ferner wurde bie Wahl des zum zweiten Vorsitzenden ernannten Landgerichtsdirektors Dr. Schroder-Kassel bestätigt. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde ^Schmalkalden gewählt.

Lin Aussehen erregender Presse-Skandal in zranksuri am Main.

Tic Frankfurter Nachrichteii veröffentlichen in ihrer Nr. 222 vom 12. August auf ber ersten Seite in hervorstechendeni Truck folgende Erklärung:

In eigener Sache gegen den Frankfurter Gc - neral -Anzeiger. Wir beschuldigen hiermit in voller Ceffent- lichkeit den Frankfurter General-Anzeiger: Die seit Moiraten in der Fackel gegen die Frankfurter Nachrichtm abgedruckten: Schmahartikel sind b eft eilte und bezahlte Arbeit des Frankfurter General-Anzeigers. In den Räumen des Frankfurter General-Anzeigers, von seinen Redakteuren urw Beamten, auf feinen Schreibmaschinen unb auf seinem Papier ist bie große Mehrzahl dieser Schmähartikel gegen die Frankfurter. Nachrichten abgefaßt worben. Den Beweis für biefc Be schnldigung führen wir in der unserer heutigen Nummer bei­liegenden Broschüre, ohne leider das in unseren Händen besindliche erdrückende Beweismaterial erschöpfen zu können. Die erforderlichen Schritte zur Durchführung unserer Rechtsansprüche sind von uns bereits in bie Wege geleitet worben. Verlag unb Redaktion ber Frankfurter Nachrichten. T-er Direktor: Dr. Karl Rohwalbt. .Der Chefrebakteur: Adolf Schiebt.

Tie 16 Seiten starke Broschüre bringt so viele Beweisstücke, bie, falls sie sich bestätigen sollten, den außergewöhn­lichen unb in ber Presse seither wohl kaum bagetoefenen Schritt berFrankfurter Nachrichten" verstäubt ich unb berechtigt er­scheinen ließen. Wir enthalten uns vorläufig jeden Urteils in dieser eigenartigen unb unerfreulichen Angelegenheit. Da der Skandal außer ben Fachkreisen auch bie Gerichte beschädigen chirb, kann man ber weiteren Entwicklung mit aller Ruhe ent­gegensehen. Die erwähnte Broschüre schließt mit folgenden Worten:

Bisher war es in der vornehmen Presse nicht Brauch, den riichls ahnenden Gegner mit verschlossenem Visier aus dem Hinter­halte anzufallen. Es galt vielmehr als eine Forderung ber Sitte, der Ehre unb des Anstandes, sachliche Gegensätze rein fach­lich und unter Ausschaltung aller persönlichen Animosität Mann gegen Mann und Auge in Auge mit dem Gegner vor aller Oefsent- lichkeit auszusechten. An dieiein schönen unb vornehmen Grund- fatz werbe» wir für unseren Teil nicht rühren unb nicht rütteln lauen. Noch weniger aber können, dürfen und wollen wir zu- g_eben, daß unter Verdeckung der wirklichen Quelle aggresive Schmähartlke^ aus einem feindlichen Lager als Flankenangrtffe, von dritter ^eite gedeckt, crjolgen unb daß die wirklich verant­wortlichen 8)11116011 änner außerhalb der Schußlinie bleiben.

lieber die prinzipielle Bedeutung ber Angelegenheit wird des weiteren m noch vor den Fachkorporationeu der Presse zu verhandeln fein, wie wir andererseits geeignete Schritte in flraf' unb zivilrechtlicher Beziehung bereits getan haben.

Das LuftschiffSchwaben" in SroiUfurtT"

lieber bie Fahrt bes Zeppelin-LuftschiffesSchwaben^ von Baden-Baben nach Frankfurt, die ohne jeden Unfall vor sich ging, liegen noch folgende wichtigere Meldungen vor:

. . $ r.a 11 r t «. M., 11. Aug. Um 9 Uhr 15 Min. kam £ «a* 00,1 ®üken kommend in Frankfurt in Sicht, kreuzte

etnm 20 Minuten über der Stadt, führte bann einige Schwenkungen nam Olten aus unb ging schließlich in ber Richtung nach dem Taunus weiter. Um 9 Uhr 50 Min. Farn bas Zeppelmfchiff in flotter Fahrt über Homburg an, führte über b r Stadt verschiedene = aud, nahm bann eine Schwenkung vor unb ging 10 Uhr 1 n itV1- < , der Richtung nach Frankfurt zurück, wo es

10 Uhr 12 Min. glatt lanbete.

B a den - O 0 s , 11. Aug. Die Rückfahrt würbe wegen Der allzu großen Hitze bereits um 11 Uhr wieder angetreten unb erfolgte über Wiesbaden und Mainz. In Mainz stand der Kaiser auf dem Balkon des Rathauses imd begrüßte die Schwaben" durch Schwenken mit der Mütze. Nachdem dort ge- kreuzt worben war, ging es über Worms, Mannheim, Spepei, tV F.r u 1 a Anstatt nach Baden-Oos weiter, ivoselbst die Ankunft um 2 Uhr 27 Min. erfolgte. Die Fahrt war wunderbar, xaö LuNichifs konnte wegen des böigen Windes noch nicht in die Salle gebracht werden; es wirb dies voraussichtlich erst heute abenb zwischen 5 und 6 Uhr geschehen.

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1 Mainz, 11- Aug.Parseval 1" fuhr beute nacht um 3<- Uhr tu Metz ab und traf heute früh um 9,20 Ähr über Mainz eui, als die Parade vorüber war und die Truppen bereits nach ber <slabt marschierten. Das Luftschiff manövrierte übet bnj ®tobt, zeigte sich dem Kaiser im Schloß unb landete mit Hilfe 'bc-5 Eiienbahnbataillons auf einem freien Platz hinter dem ftrenta» torium. Die Weiterfahrt ist erst für die 'JUx'nbftambcn geplant.