Nationaler Deutscher Rundflug.
von denen
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9. Juli. Georg R otS-
Auf dem Zimmerplatz über Nacht Feuer, bei dem eine Dampf
Werk eines hessischen Dichters, das in französischer Uebersetzung erscheint.
Linden eingelegt.
A Große n- Buseck, 8. Juli, der Firma Dort & Wagner entstand daS eine kleine Halle zerstörte und maschine leicht anbrannte.
— Allendorf a. d. Lumda,
Der Ausstand der Seeleute.
Amsterdam, 8. Juli. Der Minister für Industrie und Handel ist hier eingetroffen, um die Vermittlung zur Beilegung des Ausstandes der Hafenarbeiter zu versuchen. Bevor die Vermittlung begann, ersuchte der Minister die Vorstandsmitglieder der Vereinigung der Dockarbeiter, zu ihm zu kommen und gab ihnen in einer Unterredung zu verstehen, daß er nur dann seine Vermittlung anbieten könne, wenn er die Gewißheit .habe, daß die Führer der Vereinigung sich nicht des Terrorismus und der Einschüchterung schuldig machten. Die Führer erwiderten, daß sie nienials hierzu aufgereizt hätten und versprachen, den Arbeitern unverzüglich den Rat zu erteilen, stch jeder Handlung gegen die öffentliche Ordnung zu enthalten. Nach dieser Erklärung bot der Minister seine Vermittlung an.
— Eine erfolgreiche Operette. Aus Bremen, o. Jull, wird uns geschrieben: „Das Bett der Pompadour", Operette in drei Akten von Karl Schneider, Musik von Dr. G. Ceoca, gelangte im Bremer Schauspielhaus zur Uraufführung. Der Textdichter ist seines Zeichens Kabaret-Künstler ui Berlin und versteht es als solcher, seinen Versen die leichte witzige Pointe (übrigens ohne die uad) dem Titel zu erwartende scharfe erotische Würze) und die schlanke, natürliche, sprachliche Form zu geben. Die Handlung ist dabei sehr einfach. Antoinette, des reichen Fabrikanten Chocolad Tochter, liebt den liebenswürdigen, aber finanziell verkrachten Grafen Toujoursfidele. Auf ihre Veranlassung ersteigert ihr Vater bei der Auktion der Habe des Grafen deren Glanzstück, das Bett der Pompadour, und als der Graf aus Stolz der Bürgerstochter Hand und Gold zurückweist, läßt sie ihm, als er zum letzten Mal in dem historischen Bett ruhen will, einen Schlaftrunk beibringen, erscheint dem halb Traumbefangenen als Pompadour und läßt den Schlafenden dann in das Kostüm der Zeit dieser Daine kleiden. So angetan, wird er, noch schlafend, auf den von ihr in gleichem Kostüm gehaltenen Ball gebracht und verlobt sich nun wirklich mit ihr. Sein Nebenbuhler aber ruft eine spanische Tänzerin herbei, der der Graf in einer leichtsinnigen Stunde sein Eheversprechen gegeben, und die ihn, auf dieses trotzend, dann auch in ihr Vaterland zur Trauung entführt. Antoinette aber reist ihr nach und tritt ihr auf ihrem Wege zum Altar entgegen, indem sie ihr als Attrappe den Gatten präsentiert, den die Tänzerin, einst schnöde verlassen. Zu diesem Text hat der Komponist, ein italienischer Musiker, der sich als Kapellmeister in Mailand seine musikalischen Sporen verdient hat, eine äußerst melodienreiche Musik geschrieben, die mit ihren dankbaren und leicht in Gehör und Gedächtnis übergehenden Weisen den ekla- tanten Erfolg des Abends entschied. Ein Marschterzett im ersten, ein Lied des Grafen und ein paar Duette im zweiten und ein elektrisierend temperamentvolles Banditenquartett im dritten Akt verdienen als gelungenste, zumeist auch auf Verlangen da capo gesungene, Piecen hervorgehoben werden. Dabei arbeitet diese Musik, die fast nur Streicher und Bläser verwendet, mit ebenso ernsachen als betreten Mitteln und siegt im wesentlichen lediglich durch die natürliche Anmut eines seinen und beweglichen Talents.
und Flotte.
lieber die Zweckmäßigkeit der neuen Feld- uttiform sind in letzter Zeit starke Zweifel aufgetaucht. Bei den diesjährigen Kaisermanövern iverden deshalb größere Verbände in der neuen grauen Felduniform nicht erscheinen. Die starke Voreingenommenheit zugunsten der neuen Uniform hat stark nachgelassen, da sich die Uniform in der Praxis nicht io bewährt hat, als angenommen worden war. Der einzige Vorteil der neuen Felduniform ist der, daß die Uniform sich vom Gelände nicht )o sehr wie die alte blaue Uniform ab hebt. Demgegenüber find die Nachteile der grauen Uniform gegenüber der blauen sehr starke. Die graue Uniform hält den Unbilden der Witterung lange nicht so stand wie die blaue, sie wird nach sehr kurzer Zeit bereits unansehnlich. Auch für die Beschls- ubcrmittelung haben sich Schwierigkeiten ergeben, da infolge der alles gleichmachenden Uniform die Truppenteile sich für die Be- fehlsüberbringer viel schwieriger bemerkbar machen. Für den Mobilmachungsfall wird die neue Felduniform allerdings zur Anwendung kommen, doch sollen noch anderweitige Versuche mit widerstandsfähigerem Tuche gemacht werden.
Deutsches Reich.
Die J a ch t „H ohenzollcr n" nahm am Samstag vor Bergen Kohlen ein. Der Kaiser machte früh einen Spaziergang an Land, erledigte dann an Bord des begleitenden Kreuzers „Kolberg" die laufenden Arbeiten und begab sich dann um 1 Uhr mittags nach der Villa des deutschen Konsuls Mohr, wo er mit einem Teil des Gefolges das Frühstück einnahm. Um 4 Uhr erfolgte die Rückkehr der „Hohenzollern".
Die „Nordd. Allg. Ztg." hält bezüglich der Einladung des englischen Arbeiterführers R a m a i) Macdonalv zum Kaiserfrühstück bei Haldanc dem „Vorwärts" gegenüber ihre früheren Feststellungen in vollem Umfange aufrecht und bemerkt: Es ist unzutreffend, daß die Einladung durch den Wunsch des Kaisers veranlaßt wurde. Tie Einladung wurde vielmehr englischerseits angeregt und ist auch ergangen, nachdem in üblicher Weise das Einverständnis des Kaisers nachaesucht worden war. Die deutsche Mitwirkung beschränkte sich aus die Feststellung dieses Einverständnisses.
In Begleitung seines persönlichen Adjutanten, Oberstleutnant Joshita, ist am Samstag der japanische Generalfeldmarschall Gras N o g i, der Eroberer Port Arturs, in Berlin eingetroffen. Dem inoffiziellen Charakter der Reise entsprechend, waren von den Behörden keinerlei Empfangsmaßnahmen getroffen, dagegen hatte sich der japanische Botschafter mit den Mitgliedern der Botschaft auf dem Bahnhof cingesunden.
Reichstagsabgeordneter Prinz S ch ö n a i ch - C a r o l a t h , der seit dem Jahre 1881 ununterbrochen den Wahlkreis Guben-Lübben Vertritt, gab gestern in einer in Guben abgehaltencn national- liberalen Verttauensmänner-Verfammlung die Erklärung ab, daß er nicht weiter kandidieren werde.
Die heutige Strecke des deutschen Rundfluges, die von Halberstadt über Dessau und Wittenberg nach Berlin-Johannistal führt, ist mit 203 Km. die letzte Strecke des Fluges, der etwa vier Wochen gedauert hat. Von den 25 Fliegern, die am 11. Juni auf dem Flugplatz Johannistal aufgestiegen sind, ist der größere Teil im Laufe der Wochen ansgeschieden und der Wettbewerb um die letzte Strecke ist verhältnismäßig schwach bestritten. In Halberstadt stiegen heute früh vier Flieger auf, von Büchner um 6.45 Uhr unter dem überschwenglich fall zahlreicher Zuschauer als Erster auf dem Flugplatz in Johannistal landete, lieber den Verlauf des letzten Tages gingen uns folgende Drahtnachrichten zu:
Halberstadt, 9. Juli. Wegen des allzu heftigen Sturmes, der eine Stärke von 12 bis 14 Metern in der
hausen Eheleute feierten am Freitag in seltener Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit im Kreise ihrer Kinder und Enkel.
rrn. Lich, 10. Juli. Eine Versammlung ehemaliger oberhessischer Landwirtschaftsschüler derAandw. Schulen zu Friedberg, Alsfeld, Lich und Büdingen fand heute bei guter Beteiligung hier statt. Es wurde beschlossen, einen Verband ehemaliger landwirtsch. Schüler zu gründen. Zum Vorsitzenden wurde vorläufig Landtagsabg. Fenchel-Ober-Hörgern gewählt.
Z- Lich, 9. Juli. Der Gesangverein „Männerguar- tett" unternahm heute bei guter Beteiligung seinen Familienausflug nach Bad-Ncruheim, Homburg v. d. H. und der S a a l b u r g. — Bei. Kanalisatronsarbeiten auf dem Kirchenplatz stieß man vor und hinter der Kirche am alten Festungswrm verschiedentlich auf menschliche Gebeine. Tie Knochensunde erinnern an die Zeit, wo sich der Friedhof noch inmitten der Stadt, rund um die Marien- tistskirche befand. Auch eine alte Friedhofslinde, die mit einigen Gedächtnisbäumen den freien Platz vor der Kirche chmückt, gemahnt noch an diese Zeit. Doch ist der neue Friedhof vor der Stadt an der Straße nach Grünberg wohl schon feit 200 Jahren im Gebrauch.
Kreis Büdingen.
x Düdelsheim, 9. Juli. Sein 25jähriges Jubiläum und Bundes-Sänderfest hielt heute der Nid- der-Seemental-Sängerbund hier ab, verbunden mit dem 40- jährigen Jubiläum des hiesigen Gesangvereins „Liederkranz". Außer den hiesigen Vereinen nahmen 28 Gesangvereine aus der östlichen Wetterau und dem Vogelsberg teil, so daß nahezu 1000 Sänger hier weilten. Dem Fest ging gestern abend eine schöne Vorfeier voraus, die Lehrer Vierheller mit einer Ansprache eröffnete. Der Turnverein führte Stabübungen und Pyramiden vor, und
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Antwerpen, 8. Juli. Der Seele ute-Aus st and ist, nachdem die letzten Schwierigkeiten im Laufe des Tages beseitigt wurden, nunmehr auf allen belgischen Linien beendet. Dagegen dauert der Konflikt mit der R ed - S tar-Li ne an.
Cherbourg, 8. Juli. Hier kam es zwischen ausständigen Kohlenverladern und Mattosen, die die von den ersteren verweigerte Arbeit fortsetzten, zu heftigen Zusammenstößen. Mehrere Matrosen wurden verwundet. Ein starkes Polizeiaufgebot räumte die Hasenkais.
London, 8. Juli. Tie auswärtigen Blättermeldungen über schwere S t r e i k u n r n h e n in Belfast sind stark übertrieben. Es handelt sich nur um einen Zusammenstoß zwischen zwei Polizeibeamten und einigen Bauern, die zum Markt gingen. Ein Polizeibamter wurde von Steinen getroffen und ungefährlich verletzt.
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stunden durch die Hauptstraßen Neuyorks wandett, kann man glauben, daß es noch früh am Abend ist. Aber das Neuyorker Nachtleben ist nicht etwa wie in anderen Großstädten dem Vergnügen gewidmet: es gehört der Arbeit und fast nur der Arbeit. Es ist, als ob der Tag nicht mehr ausreicht, dem rast- lolen Tätigkeitsttieb der amerikanischen Geschäftsleute zu genügen Tie großen Ladenfenster sind um Mitternacht hell erleuchtet, eifrige Geschäftsleute sind hier am Werke, die Auslagen zu erneuern und zu ergänzen, am Hafen drunten fahren die Verkehrsboote ununterbrochen bis zum Morgen, die Untergrundbahn kennt überhaupt feine Pause, und ebenso gibt es keine Stunde, in der die elekttischen Straßenbahnen ihren Verkehr einstellen. Eine ganze Anzahl von Geschäftszweigen sind dazu übergegangen, einen ständigen Nachtbettieb aufrecht zu erhalten, nicht etwa nur die Gasthäuser, sondern auch Banken, ja wer am Tage feine Zeit Hübet, geht zum Nachtzahnarzt, um sich hier um zwei Uhr morgens die Zähne plombieren und goldene Brücken in die Schmerzlosigkeit bauen zu lassen. Zu jeder 'Nachtzeit findet man Barbierläden die geöffnet sind, und auch die Schuhputzer sind nächtlicher Weile am Werke. Seit wenigen Monaten tagt bekanntlich em diachtgerichtshof, und neuerdings hat man auch in einer großen Kirche nächtliche Gottesdienste eingerichtet. Jetzt ist sogar der Vorschlag aufgetaucht, ein Theater zu eröffnen, tu dem nachts zwei Vorstellungen gegeben werden; die eine soll um halb jtvei und die andere um Ijalb fünf Uhr morgens beginnen. Die Vorkämpfer dieser nicht alltäglichen Idee stützen ’m .J)trcQUf' daß es in Neuyork Hunderttaufende von Menschen gibt, die durch die Art ihrer Beschäftigung gezwungen sind, am Tage zu schlafen, und infolgedessen nur nachts die Erbauungen der Muse genießen können. Eine stattstische Zuiammenstellung der Arbeiter und Beamten, die in der Millionenstadt während der Nacht ihre „Tagesarbeit" verrichten, hat ergeben, daß weit über 125 000 Menschen in Neuyork des Nachts arbeiten, müssen. Und sie sind nur ein kleiner Bruchteil all derer, die aus privaten Gründen oder aus geschäftlichem lieber» eifer auch die Nacht zum Tage machen wollen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- schäft. Zur Einweihung des neuen Kunstausstellungs- g ebäudes auf dem Alten Theaterplatz in Stuttgart soll unter dem Ehrenschutz des Königs eine große Kunstausstellung von Mai bis Oktober 1913 ftattfinden. Die Vor- — Ncuvorker Nachtleben . bereitungen der Ausstellung sollen im Herbst dieses Jahres durch
ameritanifchen Meti^vole nn« -Nachtleben _ der Einberufung eines Ausschusses cingeleitct werden, an dessen Spitze "nLn h°uN"m et6at8* ** K»ch-N. mch ,S.Wn3 treten Ä
Sekunde hat, wurde der Start für die letzte Tagesstrecke Halber st adt-Berlin auf morgen 3y2 Uhr früh verschoben. Infolgedessen verschiebt sich der letzte Zeitpunkt für die Ankunft der Flieger in Berlin auf Dienstag, 11. Juli, 9 Uhr abends.
Halberstadt, 10. Juli. Bei herrlichem Wetter sind heute früh zum Fluge nach Berlin aufgestiegen König 3.31, Vollmöller 3.31, Büchner 3.36, Sait feg 3.43 Uhr. In Aschersleben hat König um 3.50 Uhr den hier vorgeschriebenen Schleifenweg ausgeführt; er kam in ungefähr 250 bis 300 Meter Höhe an, umkreiste den Signalballon und flog dann in der Richtung nach Dessau weiter. Laitsch führte den Schleifenflug um 3.55 Uhr ans. Auf dem Flugplatz in Aschersleben hatte sich eine große Menschenmenge cingesunden.
Dessau, 10. Juli. Um 4.53 Uhr landete Büchner bestimmungsgemäß am Elbzollhaus bei Roßlau und flog um 5.01 nach Berlin weiter. König kam um a.01 Uhr hier an und stieg i.m 5.30 Uhr wieder auf. Laitsch landete um 5.40 Uhr und flog um 6.03 Uhr nach Berlin ab.
vollendeter Sprechiunst — ohne Phrase; einfach, klar, bescheiden, und brachte sie zu nachhaltiger Wirkung. Daß die Künstlerin, die sich aus ihrer früheren Wirksamkeit am hiesigen Theater eines guten Rufes erfreut, Schönherrs packende Skizze von dem armen Schnauzerl am Ende brachte, gab dem Abend einen wuchtigen Schluß, der noch lange nachklang. Eine wohltuende Aowechselung von den gewöhnlichen Vortragsabenden, die mit billigem Kleinzeug schließen. Auch Fräulein Poppe zeigte sich als geschmackvolle, sichere Künstlerin, die ihre Laute mit behenden Fingern zu beseelen wußte. Reicher Beifall dankte den beiden Künstlerinnen, die ihren Gästen ein paar genußreiche Stunden bereiteten. N.
** Die Nieder-Mörler Raubmörder verhaftet. In Frankfurt a. M. wurde am Samstag abend der 17 Jahre alte Hch. Wolf aus Nieder-Mörlen verhaftet, weil er verdächtig schien, an dem Raubmorde in Nieder-Mörlen beteiligt zu sein. Gestern wurde Wolf durch den Kriminalkommissar Müller in das hiesige Untersuchungsgefängnis eingeliefert und er hat bereits ein Geständnis abgelegt. Der zweite Täter wurde heute früh in Colmar verhaftet. Es ist der 19jährige Schlosser Wilhelm Erbel aus Frankfurt a. M. In seiner Begleitung befand sich die zwanzigjährige 'Schwester des Heinrich Wolf, Kätchen Wolf, die wegen Mitschuld ebenfalls verhaftet wurde.
Von anderer Seite wird uns noch berichtet: Kätchen Wolf, die wußte, daß die Eheleute Walter eine Erbschaft gemacht hatten, ist die Anstifterin zu dem Verbrechen. Sie machte ihrem Geliebten Erbel von der Erbschaft Mitteilung und drängte ihn zu der Tat. Wolf will von Erbel verführt worden sein.
" Zusammenstoß. Als gestern vormittag der Fabrikant Schädel aus Hanau mit seinem Auto in langsamer Fahrt von der Schulstraße nach dem Kirchenplatz um die Straßenecke bog, kam gerade ein Wagen der elektrischen Straßenbahn vom Kirchenplatz her. Ein Zusammenstoß war unvermeidlich. Am Auto wurden die Laternen zertrümmert. Dadurch, daß beide Wagenlenker an der gefährlichen Stelle langsam fuhren, wurde weiteres Unheil verhütet.
Landkreis Gießen.
Großen-Linden, 9. Juli. Hier fand heute das Verbandsfest des Kriegerverbands Hüttenberg und zugleich das Bezirksfest des Hassiabezirks Gießen statt. Es waren dazu 55 Kriegervereine erschienen, 30 aus Hessen und 25 aus dem Kreis Wetzlar. Der Festzug, der sich um i/23 Uhr durch das Städtchen bewegte, umfaßte 62 Abteilungen und Vereine. Dem Zug voraus ritten Festreiter, darunter befand sich auch ein Kriegsveteran, der ehemalige hessische Chevauleger Magnus; darnach folgten auf mehreren Wagen die anderen Kriegsveteranen und die Ehrenmitglieder des Vereins, die Fest- damen und Ehrengäste. Das Städtchen war reich geschmückt. Auf dem schön gelegenen Festplatz begrüßte Festpräsident Dr.. Platz die Kameraden aus Preußen und Hessen und toastete auf den oberen Kriegsherrn, den Kaiser, worauf „Heil dir im Siegerkranz" gesungen wurde. Beigeordneter Lana sprach namens der Gemeinde. Sein Hoch galt dem Großherzog. Der Gesangverein „Harmonie" sang ein Be- grüßungslied. Der Bezirksvorsitzende, Lehrer ®aaO- Sollar, sprach seine Freude über das Zusammensein preußi- ; scher und hessischer Kameraden und über ihr Zusammenstehen zum großen deutschen Vaterland vor 40 Jahren aus. Seine Rede klang in ein Hoch auf das geeinte Vaterland aus. Nachdem der Gesangverein „Germania" ein Seemannslied unter Beifall borgetragen hatte, überbrachte das Präsidialmitglied Lehrer Wtll-Rendel beiden Verbänden die Grüße des Präsidiums. Unter lebhaftem Beifall wies er auf das energische Eintreten der deutschen Regierung gelegentlich der Marolkowirren hin und wandte sich schließlich zur Jugendbildung und Refervistengewinnung. Ein Damenreigen mit Blumengewinden unter Leitung des Turn- warts Klingelhöfer und turnerische Darbietungen des Turnvereins am Barren mit Begleitung der Musik, sowie Konzert und Tanz füllten den Nachmittag aus. Auf dem Festplatz wogte eine große Menschenmenge hin und her, besonders fiel die schmucke Hüttenberger Tracht auf. Tie Bahnbehörde hatte ans Anlaß des Festes am Mittag und Abend je einen Sonderzug zwischen Gießen und Großen-
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Gießen, 10. Juli 1911.
" Hoftrauer. Der Groß Herzog hat wegen des Ablebens der Großfürstin Konstantin Witwe von Rußland eine Hoftrauer vom 6. bis einschließlich 10. d. MtS. angeordnet.
** Fünfzigjähriges Militärjubiläurn. Arn morgigen Tage feiert der Major z. T. Walter, gebürtig aus Offenbach a. M., fein 50jähriges Militär-Jubiläum. Er trat am 11. 7. 1861 im Regiment ein, nahm in feinen Reihen an den Feldzügen 1866, 1870/71 teil und verblieb im Regiment bis zu feinem llebertritt zum Bekleidlmgsamt 11. Armeekorps am 1. 5. 1888. Der Veteran des Regiments lebt z. Zt. in Kassel.
" Hochherzige Stiftung. Für die Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime sind in den letzteri Tagen wieder größere Stiftungen erfolgt, u. a. von Herrn Geh. Kommerzienrat Heichelheim hier 5000 Mark.
** Zu einem Vortragsabend im Gesell- schaftsverein hatten am Samstag abend die Damen Lilh Do nn eck er vom Stadttheater in Kiel und Lina Poppe aus Frankfurt a. M. geladen, für den ein mit erlesenem Geschmack ausgewähltes Programm vorlag. Mit llugem Bedacht hatte man ein paar kostbare Perlen unserer Literatur zu einem schlichten Geschmeide vereinigt, das in seiner vornehmen Einfachheit von feinen Reizen war. Ein paar Gedichte von Goethe, Moericke, Hebbel, kleine Stücke von Wilde und Spitt eler, dazwischen einige Lieder zur Laute und zum Schluffe die meisterliche Skizze Schnauzerl aus Karl Schönherrs Merkbuch, das wir kürzlich besprochen haben, das wars. Und wie es geboten wurde. Fräulein Donnecker spürte den feinsten Regungen der Dichterseele nach und gab sie mit
Ausland.
Die Sekretäre des Parrf er Bauarbeitershndikates, Baritaud, Vian und Dumont, bei denen in den letzten Tagen wegen a n t i m i l i t a r i st i s ch e r Umtriebe Haussuchungen vorgenommen wurden, sind verhaftet worden. Eine Versammlung der Arbeiter aller Betriebe des Baugewerbes bestätigte den Beschluß des Komitees der Syndikate, den allgemeinen Ausstand zu erklären.
In Portugal herrscht Ruhe. Es befinden sich augenblicklich 35 000 bewaffnete Portugiesen an der Nordgrenze, man begann auch die Südgrenze zu besetzen. — Ferreira Mes- auita, Unterdriektor der portugiesischen Bahnen, der Schwager von Conceiro, wurde auf dem Zcntralbahnhof in dem Augenblick verhaftet, als er nach Paris abreisen wollte.
Das neue serbische (altradikale) Kabinett setzt sich folgendermaßen zusammen: Präsidium und Aeußeres: Dr. Milowanowitsch: Inneres: Trifkowitsch; Finanzen: Stojan Protisch; Krieg: General Stepanowitsch: Justiz: Professor Dr. Ärandjelowitsch; Kultus: Ljuba Jowanowitsch; Bauten: Ilitsch; Ackerbau und Handel: Kapetanowitsch.
Wie verlautet, entsendet die Pforte eine aus höheren Offizieren, Justiz- und Verwaltungsbeamten bestehende Kommission zum Studium der notwendigen Reformen nach Albanien. — Nach einem Telegramm des Oberkommandanten von Albanien wiederholten in Albanien die A u fst än d i s ch cn vorgestern ihre Angriffe auf die Abteilungen der ersten und vierten Division beim Zemftusse, wurden jedoch zurückgeschlagen.


