der von ihm in Anlehnung an englische Schulen geschossenen Basis weiter bauend, hat private Initiative neue Bahnen gesucht und gesunden, während der preußische Staat seinerseits in der Schülerheimkolonie Dahlem einen Ansang mit einer Alumnats- crziehung auf neuer Grundlage gemacht hat.
Tic markanteste Ausprägung hat die Erziehungsschule in einem neuen Schultyp gesunden, der die vielen Einzalgedanken der Reformer zu einem geschlossenen System auf wohldurchdachtcr philosophischer Grundlage zusammenfaßt. Das ist die Freie Schulgemeinde. Sie beruht auf folgender Grundanschauung vom Wesen der Schule: „Tie Schute ist ein notwendiges soziales Gebilde, in dem die geistige Arbeit einer Zeit zu einem Weltbilde zu- sammengesaßt ivird, die geistigen Werte zu einer Zeit in den organischen Zusammenhang einer Kultur gebracht und der Jugend vermittelt lverden, und in dem die Jugend in ihrer Weste das Leben als ein sozial bedingtes kennen lernt, dem sie sich einzuordnen hat, für desfen Wert und Fortschritt sic aber auch mit veranworlich ist.
Wie die rechte Schule der geiftigen Arbeit der Zeit, in, die sie cinzusühren hat, entsprechen muß, so muß sie andererseits auch dem Wesen der Jugend, und zwar der heutigen Jugend gerecht werden. Der Jugend überymipt, d. h. sie soll sich dessen bewußt bleiben, daß die Jugend ihr eigenes Recht, ihr eigenes Leben, ihre eigene Schönheit hat und nicht lediglich Borbereitungszeit, nicht lediglich Mittel zum Zweck ist; der heurigen Jugend: d. h. der Jugend, deren Gefühl Anspruch erhebt aus Anteilnahme an dem Recht auf Ächtung der Persönlichkeit, am freiheitliche Ent- iridhtng, auf selbständige Betätigung, das der moderne Mensch für sich fordert. "
Tie sorgsame körperliche Pftege, die die Freie Schulgemeinde ihren Zöglingen angedeihen läßt, die vernünftige Lebensweise, bet der die schädigenden Wirkungen von Alkohol und Nikotin ausgeschaltet sind, und viele Tinge der äußeren Organisation findet: uneingesänäntte Anerkennung. Tie .weitgehend Freiheit aber, die den Schülern gewährt wird, und vor allem das kamerad- schrntliche Berhältnis zwischen Schülern und Lehrern scheint den landläufigen Begriffen von Disziplin und Autorität zu widersprechen und begegnet deshalb manchmal vorsichtiger Zuruckhal- ttmg bei dem Publikum. Gan; zu Unrecht. Tenn die Freie Schulgemeinde vereinigt ja in sich die beiden Jnstittttioncn, die sich sonst in die Erziehung teilten, Familie und Schule. Und welcher Pater wäre nicht gern der fördernde Kamerad seiner Heranwachsenden Söhne, welche Mutter fühlte sich nicht als beratende Freundin ihrer Töchter! Taher ist die Voraussetzung für das vorbildliche Gemeinschaftsleben an einer Freien Schulgemeinde eben jenes unbedingte gegenseitige Vertrauen, aus dem so leicht eine herzliche Freundschaft zwischen Lehrern und Schülern entspringt.
Es tvarc Verblendung, wollten die Vertreter der Freien Schulgemeinde glauben, in Dingen des Unterrichts den Nürn berger Trichter erfunden zu haben, der den Schülern die Mühe erspart, sich den Geistesbesitz der Menschheit zu erarbeiten Das kann die Freie Schulgemeinde ebensowenig, wie die gerade hierin so oft und so unverständig angegriffene „Staatsschule".
Was sie aber leisten kam,: bei ihrer geringen Schülerzahl eine individualisierende Methode trotz ihres Grundprinzips der sozialen Erziehung, die Erfüllung konzenttierten Schul arbeitens mit einem tieferen Sinn vermöge Der unaufhörlich it Berührung zwischen Lehrern und Schülern — das sind Vor züge, die ihr auch ehrliche, begeisterte Verehrer des bisherigen Schulsyslem-- unumwunden werden zugestehen müssen, und die bei gewissenhafter Ausnutzung einen hervorragenden Erfolg gewährleisten.
Nachdem ein erster Versuch in Mitteldeutschland Wickers darf bei Saatfeld Saale trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Mißverständnisse, die in den Anfangsstadien einer neuen B.' tregung schwer vermeidlich linb, die günstigsten Ersolgc erzielt und lebhafteste Zustimmung gefunden hat, soll eine Freie Schul gemeinde nunmehr auch, im Interesse der weiten Kreise West deutfchlandS, die mit den Bestrebungen einer vernünftigen Ei ziehungsrcform sympathisieren, in der unmittelbaren Umgebung von Gießen mustergültig verwirklicht werden.
Tie Gründer der neuen Schule, zu deren Abnchtett sich führende Männer der Wissenschaft, der Preise und Der v" schiedenslen bürgerlichen Berufe bekennen, dürfen für ihre Pläne der tatkräftigen Unterstützung breiter Beoölkerungsschichten gewiß fein. Zwar hat Oberlehrer Tr. Vershofen, Jena, in einem bemerkenswerten Aufsatz über Alumnatserziehung neulich i.st gestellt, daß das Bürgertum unserer Städte bei brennend g. wordenen Frage der Erziehungsreform zurzeit noch wenig Inter esse beweise: immerhin aber ist zu erwarten, daß sich üllmihbch die Erkenntnis Bahn bricht, „wie bitter nötig uno am Platz es ist, daß die Interessenten gerade auf dem Gebiet Der ■ihim natserziehung einmal ihre Sache selbst in Die öand neüi". u" Daß diese Erkenntnis auch in der Gießener Bürgerschaft durch Dringe, ist der Zweck der vorstehenden Zeilen, an deren Sch!uh die Worte Nelsons in gehöriger Variierung einen geeignet n P* 1 rinden: „England erwartet, daß jeder seine SchulDiglfit st".."
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— Alfred Bock in Frankreich Alfred Bocks Novellenbuch ,Lessenluft" ist in französischer Uebcrtragv:tg b--* Telesalle in Paris erschienen. Tie Übertragung rührt oo.' R'.n mond Tarsiles und wird der Eigenart der Tichtung^n in hc- wmiderSwerter Weise gerecht. Unseres Wissens ist es das erste
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Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
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eine angemessene Befriedigung feiner kolonialen Wünsche erhielt und Die Idee los würde, daß England ihm im Wege ftehi Aber wenn die Angelegenheit diese Wendung nimmt, und die Algecirasaite durch gemeinsame Zustiin- mung aufgehoben werden foil, haben wir untere Interessen zu wahren und wir Haden Fragen mit Deutschland zu erledigen. die wir in einer allgemeinen Verhandlung aus der Welt geschafft sehen möchten. Bis zu diesem Grade ist man berechtig:, aus Asquiths 9frDc y.i schließen, daß wir uns freie Hand bewahren und die britische Politik verfolgen, jedoch stets im Einklang mit unseren vertraglichen Verpflichtungen.
Die §reie Zchulgemeinde in Hessen.
Von G. H. N c u c n d o r f f, Wickersdorf b. Saalfcld.
Tic nahe bevorstehende Gründung einer Freien Schulgemeinde ,in dec Nähe von Gießen gab uns Veranlassung, einen Der daoei beteiligten Herren zur Entwickelung Der diese Schule leitenden Gcdantcn zu veranlassen. _
Im solgcnden geben wir nun die Leitsätze der neuen Schule, soweit sic heute schon für Die Öffentlichkeit von Interesse sind, wieder. Tie Red.
Castro in Venezuela!
Vertrauliche, ui Washington cingclaufenc Berichte lassen die A n w e > e n h e i t des früheren Präsidenten E a st r o in V c n e- zu eia z weiset los erscheinen. In Laraecas erwartet man ein rasches VorDringen des Tiklators, der über Eoltunbia ein - getroffen ist und 1OOO vorzüglich bewaffnete Leute hinter sich hat. Tie Waffen würden aus iruropa über Muba geliefert, der reiche kubanifck c Bankier Sielvcra soll die Expedition finanzieren. Ucbri gcnS verfüge Expräsident Castro bei dem Crädit Lyonnais über einen Kredit von 3d Millionen Franks. Tie Regierung bemühe siel, so rasch als möglich Truppen zu konzentrieren. Zusammenstöße sind unmittelbar beoorsteheiw. In einzelnen Provinzen sind bereits A u f st ä n b c ausgebrochen, die indessen bisher unterdrückt werden konnten, .kubanische Agenten, die mit reichen Mitteln ausgerüstet find, verhandeln in Neuyork wegen Wanenlieseruiigen zur llnicrbrüctnng der rcvolmionaren Bewegung gegen Den Präsidenten Gomez, Dem persönlich unrechtmäßige Bereicherung, sowie syslcniatiiche Verschwendung nationaler Gelder vorgewvrfen wird. Tie liberale Partei in Venezuela ist gespalten: ein Teil begünstigt die Kandidatur des gegenwärtigen Vizepräsidenten Zayas.
Eine fpätere Meldung besagt: Expräsident Castro sammelte eine Armee von 3000 Mmm; sic steht in starker Stellung angriffsbereit. Man befürchtet den Sturz der jetzigen Regierung.
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fentlidi stärker zugenommen als vorher. Von 1908.09 auf 1909 10 stellt sich die Zunahme auf 14 Proz., von 1909 10 auf 1910 11 aber auf 28 Proz In Mark inngcrcdnict de tragen Die Einfuhrwerte 1908,09 190, 1909 10 .560, 1910 11 71.5 Mill. Mark. Ta nackt wäre also die Einfuhr im letzten Jahre um 155 Mill. Mk. gewachsen Tie deutsche Statistik, die aber nur nach dem 'Kalenderjahr ausgestellt ist, läßt zwar auch eine starke Zunahme unseres Exports nach Frank reim erkennen, indessen erscheint hier die Steigerung doch viel geringer als in Der französischen Statistik Nach ihr haben wir nach Frankreich ausge.uhrt 1908 für 438, 1909 für 45.5, 1910 für .543 Mill. Mk. Waren. Tiefe Zahlen bleiben Doch ivesentlich hinter Den französischen zurück. Zu- genommen hat nach Der deutschen wie nach der französischen Statistik unser Export nach Frankreich u. a. in Lokomotiven, Eisenbahnwagen, Textilmaschinen, Mähmaschinen, Müllerei Maschinen, .Hebemaschinen, verschiedenen elektrotechnischen Erzeugnissen', Steiulohleu, Koks, Kautfchutwaren, Kartoffeln, Weizen, Roggen, Hafer, Mehl ilud anderen Müllereierzeugnissen, Stärke.
M schultcn Erziehungskollegnim auch außerhalb des Unterrichts zu
I weist.
y Einen solchen SchultypuS zu finden, sind seit längeren Zähren
I .‘ tüchtige Pädagogen emsig bemüht. In rastloser Arbeit haben i sie an Den Stätten ihrer Tätigkeit eine stattliche Reihe von !' Cinzelreformen durchgeführr, manchmal bewußt einseitig und im h ausgesprochenen Gegensatz zur öffentlichen Schule, immer aber h ini .Hinblick auf Die hohe Zweckbestimmung iorcr eigenen An
I . Hatten: für unsere Jugend das Allerbeste zu schaffen, was in I 1 ihren Kräften stand.
Es ist Die Pflicht eines gewissenhaften Chronisten, hier den 11 Begründer des Tonischen Landerziehungsheims, Tr. Lies, na- : mcntlid) zu erwähnen, dessen Wirksamkeit vor allen andern an-- I regend uno befruchtend getvcsen ist, und Der immer noch in den V . vordersten Reihen der PfaDfindcr der Schulreform steht. Auf
Ter Ruf nach einer Neugestaltung des Erziehungswcfens :iirb immer nachdrücklicher erhoben. Die starke Entwickelung Des ii.'uzeitlichen Wirtschaftslebens, Die damit verbundene intensive 'IraUanfpannung in sämtlichen Berufen, der rege Anteil, Den die öiail des 20. Jahrhunderts an sozialen Problemen nimmt, die
I. früher fern lagen, und endlich Die gesteigerten Anforderungen ic5 gesellschaftlichen Lebens haben dazu geführt, daß Die Familie, der bisherige Hauptträger der Erziehung, in vielen Fällen »er- hindert ist. Das auf diesem Gebiet Notwendige zu leisten und be 'limmenden Einfluß insonderheit auf die Charalterbildung und die körperliche Ertüchtigung Der Kinder auszuübeir.
Tie öffentliche Schule, deren Umgestaltung schon aus tech Nischen Gründen nur ganz allmählich erfolgen könnte, muß ihre ... Erziehungsarbeit fast ausschließlich auf den Unterricht beschränken, ! iinD wenn auch in Lehrerkreisen vielfach Das lebhafte Verlangen $ bestehe, auch sonst Erziehungsarbeit zu treibe», wenn auch hier lind Da schon erfreuliche Versuche damit gemacht werden, so wird I ■ red) das ungeheure Gebiet erst Dann für Die Schule gänzlich er- N schlossen werden können, wenn sich ein neuer Schultypus heraus II gebildet und erprobt hat. Dieser muß Unterricht und eingentttche
• Erziehung zweckvoll vereinigen, indem er zunächst die Kinder
» einem gehörig aualisizicrten und für feinen Doppelten Beruf g>
Agadir.
Tie Marokko Angelegenheit dürfte nunmehr in rascheren Fluß kommen Ter französische Botschafter C a m b o n , der am Samstag abend in Berlin juicber cingctroffcit ist, suchte am Sonntag nachmittag Den Staatssekretär Des Auswärtigen Amtes v. Kid er 1 c u W äch - ter in dessen Wohnung auf Tic Aussprache beider ergab, daß {einerlei ?1 n l a fj zur Beun ru h i g u u g vorliegt. Daß vielmehr auf beiden Zeiten der aufrichtige W u n s ch besteht, sich über etwaige Differenzen zu verständigen.
Der Berliner Korrefpoudent des „Matin" hat von einer politischen Persönltchleit folgendes über den deutschen Standpunkt gehört: Frankreich könne von Der Ent f er Dung des „Panther" nicht überrascht sein, da zweimal aus Die Ereignisse hingewiesen worden fei, die eintreten konnten, wenn französische Truppen nach Fez marschieren. Tas deutsche Schiss würde so lange vor Agadir bleiben, als Die Interessen Der deutschen Bürger bedroht seien. Diese Maßregel yat mit etwaigen Verhandlungen nichts zu tun und jeder Versuch einer Pression wäre vergeblich und unbedacht, da er aus einer einfachen Schutzmaßregel eine Ehren frage mache. Teutschland wolle ein für allemal mit dem marokkanischen Wirr war ein Ende machen und nicht der Eventualität ausgesetzt fein, daß in kurzer Zeit aufs neue Truppen in Marokko Besetzungen vornehmen. Mit der spanischen Aktion habe Deutschland nichts zu tun. Wenn ein Abschluß zwischen Deutschland und Frankreich erfolge, habe Spanien allein sich mit Frankreich zu arrangieren. — Ter „Figaro" schreibt: daß cs auf die Frage, wer das erste Wort zu sprechen habe, wenig ankomme. Tie Hauptsache sei, daß Die Aussprache ohne .Hintergedanken und Verärgerung erfolge.
Die „Westminster Gazette" meint unter Bezugnahme auf die Darstellung des „Figaro" und des „Temps" über die letzten deutfch-franzö fischen Pourparlers, die beiden Mächte würden einen Ausgleich auf dem Boden do, ut des zu erreichen suchen. Tas Blatt fährt fort: In diesem Falle darf als sicher gelten, daß England nicht französischer sein wird als Frankreich und nicht einen Ausgleich hindern wird, der den legitimen Ehrgeiz Deutschlands befriedige. Es würde unserem eigenen und dem Weltfrieden dienen, daß Deutschland
Nach einem dem französischen Kolouialmiuisterium zu» gegangenen Telegramm wurde am ft. Juni der Stabsarzt Der Kolonialtruppen, Tr. T onillot, zwischen Aradar und Abaschehr im Waldgediet von Eingeborenen über« fallen und getötet Der Befehlshaber der französischen Truppen, Oberst Largean, hat sofort Die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um den Aufstand zu unterdrücken.
Unter Vorbehalt wird aus Tanger mitgeteilt: Oberst Sylvestre ließ dem Kaid Bendahan Mitteilen, daß er, um Unruhen vorzubeugen und Zwischenfälle zu vermeiden, allen Soldaten, außer Den zum Polizeidienst von Larrasch gehörenden, verbot, sich mit Waffen in den Straßen von El Ksar zu zeigen. Der französische In- strukteur. Der am anderen User des Lukkos lagernden Ma halla, Leutnant Tissier, begab sich Darauf nach El Ksar und teilte Dort unter Berufung auf Die Autorität Des Sui- Ians Den Kaids Gazuli unD Bendahan mit, daß sie nicht verpflichtet seien, der Anordnung Des Sbersten Sylvestre zu gehorchen. Dieser wurde davon benachrichtigt und machte Leutnant Tissier daraus auf in er ff am, daß er nur feine getroffene Anordnung ausrecht erhalten könne Diese Vorgänge machten in Den politischen und parlamentarischen Preisen Madrids einen gewissen Eindruck, aber die amtlichen Kreise scheinen ihnen keine große Bedeutung bei« zulegcu.
politische Tagesschau.
Zu dem Entwürfe eines Staalsangehörigkeitegesetzes wird uns geschrieben: Tie Vorarbeiten zu dem Gesetz Erwerb und Verlust Der Staatsangehörigkeit sind feit Jahresfrist abgeschlossen Es war bereits im letzten SÖintcr beabsichtigt, diesen Entwurf dem Bundesrate zu gehen zu lassen, in letzter Stunde waren damals aber itod von Den zuständigen Ressorts Bedenken gegen die Damalige Fassung des Gesetzes laut geworden, so daß die Vorlegung unterblieb. Diese Bedenken sind nunmehr zerstreut, so das; enzunehmen ist, daß der Entwurf dem Reichstage im nächsten Winter zu geh en wird. Tie Grundzüge des G i< t - u iirfes find: Während bisher ein Auslandsdeutscher seine Staatsangehörigkeit verlor, wenn er länger als 10 Jahre int Ausland geweilt hatte, ohne sich in dieser Zeit bei einem deutschen Konsul zu melden, bestimmt der Entwurf, taß ein Anslaudsdetttscher gegen seinen Willen seine deutsche ingehörigkeit nicht mehr verlieren kann, Die An Meldung beim Konsul soll sortfallcn. Als Aequivalcnt verpflichtet sich der Ausländsdeutsche dem Reiche gegenüber, sftne gesetzliche MUitärdicustpslicht abzuleisteu, wenn nicht aanz wichtige Gründe einer solchen Ableistung entgegen* suchen. Für den Mobilmachungsfall wird auf die Ein- «chnng zur Fahne verzichtet, wenn der Teutsche sich im usland befindet, jedoch ist der Ausländsdeutsche ver- plid)tct, sich zu stellen, wenn er sich in der Heimat ober in einer der deutschen Kolonien befindet. Bezüglich der Ab- kiftung der Militärpflicht werden die Anforderungen für die Ausländsdeutschen wesentlich herabgesetzt. Zunächst wird die Möglichkeit, sich überall im Auslände auf die Tauglich leit unterfuchen zu taffen, erleichtert. Im allgemeinen gerügt eine Untersuchung am Orte eines Äonsulars, in schwieligen Fällen sogar die Einsendung eines AtlesteS eines an» gesehenen Zivilarztes. Ter einmalige gesetzliche Dienst in tec Linie soll für den AnslandsdeuIschen genügen, während von der Einberufung zur Reserve- und Landwehr- iliung abgesehen werd. Gegebenenfalls kann die Ableistung der aliiücn Dienstzeit in einer deutschen Kolonie erfolgen. 2er Transport der Dienstwilligen nach der Heimat erfolgt auf Kosten des Reichs. In Fällen, ui denen nachgewicsen pird, das; Die Ableiilung Der Militärpflicht Den Auslands- deutschen wirtschaftlich schwer schädigen würde, kann eine -jutbiuDung von der Dienstpflicht stattiindcn. Der Gedanke, die Ausländsdeutschen in irgend einer Weise zur Steuer herauzuziehen und von dieser Bezahlung die Staatsan- gehörigtcit abhängig zu machen, ist aufgegeben worden.
*
Tenlsch-sranzöfische Handelsbestchuugcn.
Trotz der zum Teil recht rigorosen Erhöhungen des französischen Zolltarifs, die am 1. April 1910 in straft getreten sind und wohl hauptsächlich dem deutschen Im- port gelten sollten, hat dieser Import — nach der französi- ichen handelsstatistik — inzwischen recht bedeutend zuge- nommeii. Ter Wert der Einfuhr Frankreichs aus Deutsch- icnb wird für die Zeit vom 1. April 1910 bis Ende März 1911 auf 894 Mill. Franken beziffert, für den gleichen Zeitraum 1909 10 Dagegen nur auf 700, und für 1908/09 nur auf 613 Mill. Franken, .hiernach hätte Die Einfuhr Deutscher Waren nach dem Inkrafttreten des neuen französischen Zolltarifs nicht nur zugenommen, sondern sogar we-
Ur. 159 Erster Blatt M. Jahrqang Montag, 10. Juli (OH
SichencrAimiger
General-Anzeiger für Gdertzesten SSSe
Annahme von Anzeigen Rotatiottsbrud und Verlag der vruhl'schen Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druderet: ZLttistratze 7. Land-: E.Hed:^ur den dis vormittag "Euhr. vüdingen: Zernfprecher Nr. 50 Seschaftrstelle vahnbofstrahe f6a. Anzeigenteil: H. Beck.
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