Ausgabe 
9.11.1911 Erstes Blatt
 
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gehören.

Vier Jungtiirken ermordet.

Mch'le Markt findet i

Uesküb, 8. Nov. Aus Ipek wird die Ermordung von vier Mitgliedern des Komitees für Ein­heit und Fortschritt gemeldet.

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hin und bespricht die entgegenstehenden Bedenken. Der Inhalt des Blattes muß bodenständig sein und alle eine Gemeinde be­wegenden kirchlichen Fragen von hoher Warte behandeln. An- -eigen gehören nicht hinein, um die öffentlichen Anzeigenblätter nicht zu beeinträchtige. Nach ihm sprach Pfr. Heß- Michel­stadt in anziehender Weise über das im Dekanat Erbach eingeführte Gemeindeblatt für das ganze Dekanat, das alle vier Wochen unter dem TitelMonatsbote" erscheint.

In der sich an die beiden Vorträge anschließenden sehr anregenden Aussprache, an der sich u. a. auch Superintendent D Petersen-Darmstadt beteiligte, wurde allgemein der Wert eines solchen Blattes von der einen oder der andern Art, zur Belebung der kirchlichen Gemeinschaft anerkannt, ohne daß da­durch den Tageszeitungen Abbruch getan würde. Der Vorsitzende hofft zum Schluß, daß die Verhandlungen d n Erfolg haben würden, auch in Oberhessen die Gemeindeblätter aufleben zu sehen.

In dem um 6V2 Uhr in der Stadtkirche abgehaltenen Fest­gott es dien st, den der hiesige Kirchengesangverein und ein Knabenchor durch ihre Mitwirkung verschönerten, predigte Pfarrer Wissig von Bad-Nauheim. Im Anschluß an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Luc. 10, 2037) sprach er herz­erwärmend über das Geheimnis der christlichen Nächstenliebe, was sie sei und was sie wirkt.

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lieber die -Kolportage in Oberhessen berichtet, sodann an Stelle des erkrankten Vereinsgeistlichen Psarrer G l 0 ck - Nieder-Ramstadt. Die wirksamste Kolportage, die wirklich ihren Zweck erreicht, ifr die seit einem Jahr in verschiedenen Dekanaten betriebene Gemeindekolportage, die allen Gemeinden als ein wichtiges Mittel zur Bekämpfung der Schmutzliteratur zu empfehlen ist. Ein neuer Weg, gute Bücher unter das Volk zu bringen, ist der Ver­such des Lehrers Hassinger-Alzey, öffentliche Ausstellung guter , Bücher, zu veranstalten, ähnlich wie die von Pfr. Meisinger- ; Fränkisch-Crumbach eingerichteten Bilderausstellungen. Lehrer j Eül er - Annerod befürchtet von den Gemeindekolportagen eine i Schädigung der Volksbibliotheken und bittet um Unterstützung fi dieser so segensreichen Einrichtungen. Ihm gegenüber stellen j Pfr. Glock und Buchhändler B 0 h r n s - Darmstadt fest, daß die Gemeindekolportage keineswegs die Volksbibliotheken schädige, viÄmehr beweise die Erfahrung, daß beide Einrichtungen sich gegenseitig unterstützten. Ein weiteres Mittel für die innere Mission, der Gemeinde mit dem Evangelium zu dienen, ist das Gemeindeblatt, dessen Einrichtung Pfr. Mei sing er- Fränk.-Erumbach in eingehendem interessanten Vortrag empfiehlt. Er weist auf die Notwendigkeit und den Wert des Gemeindeblattes

mständlich fehlen d svrderlichen Sicherhk Westen Stand der iind. Tas gilt ganz ,-cheren Gewölbe ti Meßfächer für Pr Äl. Der Zugang do Tide abgeschlossen u übrigen Sicherheitst I folgt die hiesige Reil jinit diesem Neubau

w Eine Ehr tkanstgewerbemuseum schreibt, gegenwärtig Lrteidigung von ükslellt, die für die cauer-Düffeidorf ge leften W. Spahr i dronze von Herman goffen ist.

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Aus Stadt und Land«

Gießen, 9. November 1911.

" Tageskalender für Donnerstag, 9. Nov. Frei- b e n f e r - e r e i» i fl u n q : Oeffentl. Vortrag von Schristßeller E. Vogtberr: Der Zusammenbruch des Glaubens. Abends 87, Uhr tm Hotel Einhorn.

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Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Lehrer Ferd. Weitz zu Dorheim das Ritterkreuz 2. Klaffe deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

. ** R^dttheater. Mrs die Ausführung vonPol- nr > ch e W tri s ch a ft am nächsten Sonntag abeno bei kleinen Fersen I« besonders hrngewiesen, da das Werk an den zwei nächsten Sonntagen, an denen keine Musik zu haben ist, nicht gegeben werden kann.

** D er V erein der D etaiNisten hielt gestern abend seine ordentliche Hauptversammlung ah. Aus dem von dem Vorsitzenden Rohr erstatteten Geschäftsbericht entnehmen baß die Tätigkeit des Vereins auch im letzten Jahre recht rege war. Die Geichafte wurden erledigt in acht Borstandssitzungen, einer ordmtlichen und einer außerordentlichen Hauptversammlung; tn Versammlung wurde zu der Handelskammer-Ersatz­

wahl Stellung genommen. Ferner fanden noch mehrere Sitzungen in der dem Verein angeschlossenen Rabattsparvereini- Erstand nahm an fünf Ausschußsitzungen des hessischen Detailisten-Verbandes teil und war durch mehrere Mitglieder auf,dem Verbandstaa in Bingen vertreten. Die Tages­ordnungen auf den Ausschußsitzungen sowie dem Verbandstag waren für den Detaillistenstand von besonderem Interesse. Er- walnu sei hier nur u. a. die Filialsteuer und deren Einführung, die Warenhaussteuer usw. Mit dem Ablauf dieses Jahres scheidet w ..rx retTkirtf?? feiner Kündigung aus dem Süd- und West- deutichen ^etaillisten-Verbande aus; er gehört jetzt nur noch dem Hessischen Detaillisten-Verbande an. Infolge des Austritts

nrm erstgenannten Verbände tritt auch in dem Verbandsorgan eme Aenderung ein, indem an Stelle desDetaillist" das vom hesfttchen Verbände herausgegebene Blattfür Handel und Ge­werbe tritt Das GesO betr, den unlauteren Wettbewerb gab

Gberhessijches Hliffionsfeft.

Gießen, den 8. November.

Tie Verhandlungen des 3 3. Jahresfestes des Ober­hessischen Vereins für innere Mission wurden mit einer Versammlung der Synodal Vertreter für innere Mission im oberen Saale des Gemeindehauses der Matthäus- gemeinde eröffnet. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wurdm die Ergebnisse der vorjährigen Verhandlungen über Volksbibüo- theken und die Bestrebungen zur Vermittlung evangelisch-kirchlicher Nachrichten an die öffentliche Presse besprochen. Weiter wurde darauf hingewiesen, daß die Arbeit der inneren Mission in un­seren Gemeinden immer mehr als Gemeindearbeit angesehen und erkannt werde.

Am Nachmittag fand eine gut besuchte Mitgli eder ver- sammlung statt. Nach einigen kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Kirchenrat D. Schlosser hier, berichtete Pfarrer Schwabe hier über den Stand der Landkrankenpflege in Ob er Hessen. Er kann feststellen, daß diese dem Land so nötige Einrichtung in allen oberhessischen Dekanaten gute Fort­schritte macht. Die von dem Verein in Angriff genommene Ausbildung von Nothelferinnen nach dem Vorbild der Preuß Frauenhilfe hat der Verband Hessischer Frauenvereine über­nommen,, der die, Sache weiter ausbauen wird. Das Diakonissen­haus Elisabethenftist-Darmstadt will die berufliche Ausbildung der Nothelferinnen übernehmen.

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verschiedener Naturgebiete, zwischen denen man irgendwelche Zu­sammenhänge noch nicht feststellen konnte. Erst allmählich gelang es der experimentellen Forschung im Laufe der letzten Jahrzehnte, gewisse Naturkräfte auf andere zurückzuführen und durch andere zu erklären, und so das System der gesamten Physik immer mehr zu vereinheitlichen. Alle Erscheinungen der Physik konnte man zurückführen auf drei Urkräfte: Mechanik (d. h. Stoffbewegung), Thermodynamik (Wärme) und Elektrodynamik (Elektrizität tm weitesten Umfange des Begriffs). Doch auch bei dieser Dreiteilung haben die Physiker noch nicht Halt gemacht. Das mittlere dieser drei Gebiete, die Thermodynamik, läßt sich unter die beiden anderen restlos aufteilen, so daß heutzutage die Physik nur noch die Mechanik und Elektrodynamik als zwei gewaltige Teilgebiete gelten läßt.

Tie im letzten Jahrhundert entwickelten Vorstellungen über das innere Wesen der Naturvorgänge sind immer noch nicht genügend geklärt. Das Problem, das Wesen einer Naturkraft zu erkennen und zu präzisieren, stellt die Physik vor eine sehr schwierige Aufgabe. Beim Schall z. B. wurde das Problem endgültig gelöst durch die Erkenntnis: das Wesen des Schalls ist Bewegung von Stoff; beim Licht durch die Einsicht: das Licht ist ein elektromagnetischer Vorgang. Allgemein heißt das Wesen einer Naturkraft ermitteln nichts anderes, als sie auf eine andere Naturkraft zurückzuführen, sie durch eine andere Naturkraft erklären. Daraus ergibt sich zunächst die Folgerung: die Frage nach dem Wesen der Elektrizität ist gleichbedeutend mit dem Problem, die Elektrizität durch irgendeine andere Naturkraft zu erklären.

Früher ging man von der Voraussetzung aus, der unsicht­bare Stoff, der den elektrischen Erscheinungen zugrunde liege, sei em unwägbares, alles durcl>dringes Medium. Die Erschei- nungen des Lickstes und ihre Deutung als Schwingungen eines elastischen Mediums führten den holländischen Physiker Huyghens zuerst zur Annahme dieses Stoffes, den er denWeltäther" nannte. Der Wettäthw ist die Bahn für die Strahlungserscheinun­gen, wie z. B. rur das Licht. Maxwell, Helmholtz und LoreutA ^a.n^n zu dem Schluß, daß die Schwingungen des Aelhers elek- trisck>er Natur sind, und erklärten das Licht für eine elektro­magnetische ^lttberi.chnnngiuig von sehr geringer Schwingungs­dauer, deren Schwingungszahl jedoch pro Sekunde, je nachdem es ftch um rotes oder violettes Licht handelt, 400800 Billion betragt. Tie etwas langsameren Schwingungen, die wir nicht Mehr als Licht zu eriennqi vermögen, das Ultrarot, äußern sich

Eine Sitzung der türkischen Kammer.

Konstantinopel, 8. Nov. In der heutigen Kam­mersitzung antwortete der Minister des Aeußern auf die Interpellation betreffend dieitalienischenGrausam- t eit en in Tripolis. Der Minister erklärte, die ersten Nachrichten über die Grausamkeiten der Italiener, die von der Presse gebracht wurden, seien durch amtliche Berichte bestätigt worden. Die Pforte richtete an die Mächte eine Protestnote gegen die Grausamkeiten,- die für Italien einen unauslöschlichen Schandfleck bedeuteten, und bat, ein Ende zu machen. Am 3. dLovember habe die Pforte eine neue Protestnote an die Signatarmächte der Haager Kon­ferenz gerichtet. Es sei zu hoffen, daß dieser Schritt auf Entgegenkommen stoßen und den Grausamkeiten der Ita­liener ein Ende machen werde, die in der ganzen zivilisierten Welt lebhafte Empörung hervorgerufen hätten. In­zwischen werden wir, schloß der Minister unter Beifalls­rufen der Kammer, furchtlos unser Gebiet gegen den Feind verteidigen. Die zivilisierten Nationen haben das Urteil über Italien gefällt.

Die Kammer fand die Erklärungen des Ministers für ausreichend. Der frühere Minister Talaat rief unter Beifall der KammerTod und Verderben den Barbaren!" Hodjcr Said verlangte, daß die Regierung alle Ita­liener unter Befolgung der gesetzlichen Modalitäten a u s - weise. Die Deputiertenkammer erörterte daraus in An­wesenheit des ganzen Kabinetts die Angelegenheit Lutfi Fikris, der Einzelheiten zu dem Versuche seiner Verhaftung erzählte. Der Kriegsminister protestierte in der Antwort, oft unterbrochen, gegen die Anschuldigung, daß er die Verfassung unterdrücken und Diktator wer­den wolle. Er erinnerte daran, daß er seine Macht nach dem 13. April nicht mißbraucht habe und protestierte gegen die Beschimpfungen der Opposition, die auf die ganze Armee zurücksielen und jeden rechtschaffenen Mann verhin­dern könnten, das Portefeuille zu übernehmen. Es gebe augenblicklich eine einzige Macht, bas Komitee für Ein­heit und Fortschritt; selbst bei den neuen Wahlen werde das Komitee gewinnen, da es organisiert sei. Zum Schluß erklärte der Minister, er weise die Behauptung zu­rück, daß er während des Besuches in Deutschland dem Kaiser gesagt haben solle, die ottomanische Armee werde der deutschen im Falle eines Krieges gegen Frank­reich Helsen. Wie hätte er eine derartige Erklärung ab­geben Hinnen, welche die äußere Sicherheit des Staates als Wärme, Wärmestrahlen, wie wix sie von der Sonne erhätten. Die etwas schnelleren Schwingungen, die wir ebenfalls nicht sehen, das Ultraviolett, wirken chemisch z. B. auf die photo­graphische Platte, sind also chemische Strahlen. Die von Hertz untersuchten langsamen Schwingungen, deren Schwingungszahl allerdings noch etwa 100 Millionen pro S.künde betrugen ver­halten sich ganz wie Lickst, nur wie unsichtbares Licht, und finden m der drahtlosen Telegraphie ihre Anwendung.

. Es liegt demnach nahe, anzunehmen, daß auch das Licht durch elektrische Schwingungen verursacht wird, und zwar durch Bewegung von tn der Lichtquelle vorhandenen elektrisch gela­denen Atomm oder Jonen, die etwa ein Tausendstel des Ge­wichtes von Wasserstoftatomen haben sollen. Der wahre Träger aller elektrischen Erscheinungen sei der Aether: die Kraftlinien die für die Erklämmg elektrischer Vorgänge und auch für die Praxis Die größte Bedeutung gewonnen haben, sind die sichtbaren Zeugen für die Misbr^itung der unsichtbaren elekttischen Kräfte in2^ Medium, dem Aether. Zugunsten der An­

nahme des Aethers spricht nur, daß sie eben etwas erklärt, was man sonst nicht erklären kann. Nachdem sich jedoch die Vor­aussetzung, daß der Weltäther kontinuierlich sei, als unhaltbar h^rausgesteNt hatte, mußte man die ganze Aetherhypothese fallen

. Eine ganz vorbehaltlose Antwort kann die Wissenschaft, die ewig tm Fluß ist, auch heute noch nicht auf die Frage nach dem eigentlichen Wesen der Elektrizität erteilen. Man kann nur sest- [te ^So[n9 DEems zurzeit von der Mehrheit der Physiker für die wahrscheinlichste gehalten wird, und kommt hierbei zu folgendem Schluß: Das Wesen der E ektrizität besteht physikalischen Sinne des Wortk^ nicht besitzt, das heißt, daß sie selbst nicht erklärbar ist durch andere Naturkräfte. Dafür aber ist sie Diejenige letzte Urkraft bie die Erklärung der ganzen physikalischen Welt in sich schließt' Gelingt es nachzuweilen, daß die Elektrizität das Wesen aller anderen Nattirkräfte bildet, so werden hiermit auch die beiden Teilgebiete der Physik, die Mechanik und Elektrodynamik auf eme einzige Urkraft zurückgeführt, und der Monismus (Ein­heit) aller physikalischen Erscheinungen ist begründet.

P , Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen» sch a ft. In Straßburg i. Els. ist der Romanist, emer. ord Zroftssor "der trügen philosophischen Fakultät Geh. Reg.- Gröber tm 68. Lebensjahre gestorben. Er war 1909 tn den Ruhestand getreten.

Der italienisch-türkische Krieg.

Die neuesten italienischen Schlachtberichte geben zu, trotz der formellen Einverleibung die Zustimmung de^ Kriegsgottes noch aussteht. Bei Tripolis und bei Homs haben wieder schwere Gefechte stattgefunden. Besonders auffällig ist es, daß der italienische Bericht über die Kämpfe bei Tripolis nur die Zahl der italienischen Verwun­deten angibt. Die Zahl der türkischen Toten wird dagegen prompt beziffert. Das läßt tief blicken! Und wie die Dinge in Homs stehen, davon kann man sich ein Bild machen, wenn man in dem amtlichen italienischen Bericht, der den Ernst der Lage nicht bestreitet, durch die Zeilen zu lesen versteht:

Wieder ein Kampf bei Tripolis.

Tripolis, 8. Nov. (Agenzia Stefani.) Gestern mittag fand ein weiterer kleiner Angriff auf die achte Kom­pagnie des 93. Infanterie-Regiments statt, die von Ha- midie zur Rekognoszierung einen Vorstoß nach Schara- s ch a t unternommen hatte. Die Kompaanie, die plötzlich auf dem rechten Flügel angegriffen wurde, machte Front gegen den Feind, während g.eichzeitig auch von rechts die siebente Kompagnie desselben Regiments gegen die Flanke des Feindes vorrückte. Alsbald wurde auch der Rest des Bataillons in den Kampf verwickelt, wobei die Truppen von je einer Batterie Gebirgsgeschützen, Schnellfeuerlanonen und von der Schiffsartillerie unterstützt wurden. Der Kämpf war sehr lebhaft und dauerte über eine Stunde, bis der Feind sich ^urückzog. Er ließ etwa 80 Tote auf dem Platz. Die Italiener hatten 15 Verwundete.

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Die Ereignisse in Homs.

Bei dem italienischen Oberkommando sind folgende Mel­dungen aus Homs über die Ereignisse vom 23. und 28 Olt. eingegangen. Am 23. morgens rückte eine Aufklä­rungsabteilung bestehend aus acht Kompagnien und vier Landungsgeschützen auf Margheb vor, das ange­sichts des Feindes besetzt wurde. Der Feind unter­nahm sofort mit 500 Mann einen Gegen­angriff und drang bis etwa 400 Meter gogen die italie­nische Stellung vor. Nachdem dieser Angriff abgewiesen war, trat ein italienisches Detachement gegen Mittag den Rückmarsch auf Homs unter Zurücnassung eines Ba­taillons in Märgheb an. Gegen 2 Uhr mittags erschien der Feind mit etwa 1500 Mann von neuem vor Margheb und versuchte die italienische Stellung zu umgehen. Sechs Kompagnien eilten von Homs zur Unterstützung herbei. Gegen 6 Uhr abends befand sich der Feind wieder auf dem Rückzug. Die sämtlichen italienischen Abteilungen trafen wieder um 10 Uhr in Homs ein. Der Verlust auf Seite der Italiener betrug drei Tote und 18 Verwundete, der des Feindes war viel größer.

Am 28. Üktover morgens griffen die Türken mit ungefähr zweitausend Gewehren die ita­lienische Verteidigungslinie Hvms Plötz­lich von mehreren Seiten gleichzeitig an, schloffen sie vollständig ein, drangen bis gegen die Schützenlinien vor und schossen besonders auf die Lan­dungsbatterien. Der Angriff wurde von dem Mutessarif persönlich oeleitet. Gleichzeitig brach in einigen Teilen der Stadt Rebellion aus, die sofort durch eine Abteilung Truppen und zwei Abteilungen Matrosen unter­drückt wurde. Der Angriff war aegen sechs Uhr abends endgültig a b.g e s ch l a g e n. Die Italiener hatten drei Tote und z.weiVerwundete. An den folgenden Tagen bombardierten die Kriegsschiffe Sliten, von wo ein Teil der Feinde anrückte. Von nun ab verbesserte sich die Lage um Homs immer mehr. Jetzt, nach Ankunft der Verstärkung, ist sie ruhig.

Rach derEinverleibung".

Tripolis, 8. Nov. (Agenzia Stefani.) In Dadjurah hängten die Türken einige arabisHe Häupt­linge, welche die Unterwerfung unter die Italiener ge­predigt hatten. Auch Kundschafter der Italiener, Die ergriffen werden, werden gehängt. Die Leichname bleiben zur Schau hängen, nachdem man ihnen das Erken­nungszeichen, das die Kundschafter von den italienischen Kommandanten erhalten und das ihnen ungehinderten Durchgang durch die italienischen Linien gewährt, am Arm befestigte. Gestern um 2 Uhr nachmittags verkündete Ge­neral Caneva die Einverleibung von Tripolis und Cyrenaika in das Königreich Italien, sowie die volle und ganze Souveränität Jta.iens über die annektierten Länder feierlich in Gegenwart §af)un Paschas und hundert arabischen Häuptlingen. Unter Beifallskundgebungen hör­ten diese das Dekret an, das ein Dolmetscher übersetzte. Mit der Nationalhymne schloß die Feier.

Beschwerde eines deutschen Forschers.

Der Afrikaforscher Adolf Krause, der insbesondere mit dem Studium der Negersprachen beschäftigt ist, telegra­phierte derKölnischen Zeitung" aus D s ch e r b a unterm 8. November: Mein Haus in Tripolis ist, während ich abwesend war, von den Italienern gewaltsam erbrochen und alle wissenschaftlichen Manuskripte und Bücher, 30 000 beschriebene Lexikonzettel, druckfertige Manuskripte, Gram­matiken und Wörterbücher bisher unbekannter zentral­afrikanischer Sprachen, sind chaotisch durcheinander gewor­fen und fortgeschleppt worden.

Die italienischen Grausamkeiten im österreichischen Abgeordnetenhaus.

Wien, 8. Nov. Am Schlüsse der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam der slowenische Abgeord­nete Ryb ar in Form einer Anfrage an den Präsidenten auf die in- und ausländischen Berichte über die Grausam­keiten italienischer Soldaten an arabischen Frauen, Kindern und Wehrlosen zu sprechen. Er fragte den Präsidenten, ob er geneigt sei, sein Bedauern über diese Greueltaten auszusprechen. Der Präsident erwiderte, wenn Greueltateu vorgekommen seien, so seien sie unter allen Umständen zu bedauern. In diesem Falle liege kein authen­tischer Bericht vor; daher könne er sich nicht äußern. Uebri- aens Babe der Abgeordnete Breyter heute eine Anfrage 0er)einen Angelegenheit beim Ministerpräsidenten einge­bracht. Die Regierung werde also Gelcg mheit haben, darauf zu antworten. In seiner Anfrage fragt der Abg Breyter Den Ministerpräsidenten, ob er geneigt sei, den Minister des Aeußem zu veranlassen, wegen der barbarischen Art der Kriegsführung Vorstellungen zu erheben.

3 er Zmpchenfall in Tunis.

Paris, 8. Nov. Nach einer Blättermeldung aus Tunis sind bei heute vormittag neuerdings zwischen Ara- b ern und Italienern ausg:brochenen S chlägereien ein Araber und zwei Italiener getötet worden. Durch einen Erlaß des Bei wurden mehrere arabische Zeitungen suspen­diert, welche angeblich an den gestrigen Ruhestörungen die Hauptschuld tragen. Amtlich wird erklärt, daß die unter den Eingeborenen herrschende Gärung einen ausgesprochen antiitalienischen Charakter habe und auf einen kleinen Teil des Eingeborenenviertels beschränkt sei.

in Frage stelle? Schließlich erklärte der Kriegsminister daß er aus Patriotismus auf seinem Posten bleiben werde. Der Kammer stehe es frei, ihm sein Vertrauen oder Mißtrauen auszusprechen.

Das Komitee für Einheit und Fortschritt beschloß nahezu einstimmig, dem Krieg sMinister sein Vertrauen auszusprechen.

Eine Gegenerklärung der Pforte.

Konstantinopel, 8. Nov. In einer an die Groß­mächte gerichteten Protestnote gegen die Annexion von Tri­polis erklärt die Pforte, sie betrachte die Annexion für null und nichtig und ohne jede Bedeutung sowohl vom Standpunkte des Rechts als von dem der tatsächlichen Ver­hältnisse aus, weil sie den elementarsten .Grundsätzen des Völkerrechts zuwiderlaufe.

Türkischer Boykott.

Saloniki, 8. Nov. Das Boykottkomitee veröffent­licht einen Aufruf, in dem es gegen jene italienischen Staatsangehörigen Stellung nimmt, die jetzt frem­den Schutz genießen und ungestört ihren Geschäften nach­gehen. In dem Ausruf wird die Bevölkerung aufg-fordert, oiese Geschäfte zu boykottieren. Das Komitee beginnt mit der Veröffentlichung einer Liste der be­treffenden Firmen, die fast ausschließlich Spaniolen

abgetanen.

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