lii di« Wähler des Wahlkreises GieOen-Griinberg-Nidda!
Mitbürger!
(Es ist So gekommen, wie man es voraussehen konnte! Die Antisemiten, die beteuerten, unsachliche und persönliche Angriffe im Wahlkampfe vermeiden zu wollen, haben in letzter Stunde die schmählichsten Flugblätter verbreitet, die von verleumderischen Angaben über unsere Partei und unseren Kandidaten, Herrn Pfarrer Korell, geradezu strotzen. Die Zeit ist nicht mehr vorhanden, diese Unwahrheiten auf Grund aktenmäßiger Beweise widerlegen zu können. Unsere Gegner haben es vermieden, ihre Angaben rechtzeitig im Laufe des Wahlkampfes zu machen, weil sie uns die Möglichkeit einer eingehenden Antwort rauben wollten. Wir vertrauen aber auf den gefunden Sinn nnd das Anstandrgefühl -er Wähler, -atz sie die gegen einen Sohn unserer Provinz gerichteten, von Hamburger Agitatoren verfaßten Schmähblätter verächtlich zur Seite werfen.
Unserer Partei werden in den Flugblättern Abstimmungen vorgchaltcn, die vis in die 70 er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückreichen. Zum Teil sind die Angaben über diese Abstimmungen unrichtig. Zum Teil entsprechen sie auch heute noch unseren Anschauungen, zum Teil aber beruhen sie aus Anschauungen, die wir heute unter veränderten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen nicht mehr teilen. Es kommt aber für die jetzige Wahl überhaupt nicht in Betracht, wie die Freisinnigen zu den politischen Fragen einer früheren Zeit gestanden haben, sondern darauf kommt cs au, wie sie zu den politischen Fragen der Jetztzeit stehen. Die letzte Milrtär- vorlage ist von den Freisinnigen, weil sic bedeutende technische Verbesserungen in unserem Hcereswesen brachte, angenommen worden. An den sozialpoMischeu Gesetze« arbeiten unsere Freunde im Reichstage im Geiste unseres früheren Abgeordneten Dr. Entfleisch und im Sinne des bedeutenden modernen Sozialpolitikers Zriedr. Naumann mit. In der Behandlung laudwirtsrhafckicher Frage« geht unser Kandidat, Pfarrer Norell, neben anderen Politikern bahnbrechend innerhalb der Freisinnigen Partei voran.
Warum sprechen aber die Anlisemiten soviel von vergangenen Dingen? Weil sie die Aufmerksamkeit von den Geschehnissen der jüngsten Vergangenheit und der Jetztzeit ableuken wollen. Sie wollen vergessen machen, daß sie die Erbaufallsteuer, die die Bauern und kleinen Leute frcigelassen hätte, zu Fall gebracht haben und daß sie dafür eine Steuer auf Grundstückverkäufe mit eiugeführt haben, die die Bauern schwer belastet. Sie wollen vergessen machen, daß sie der Streichholzstener, der Tabaksteuer in schädlicher Form zugestimmt haben. Daß sie die Beibehaltung der Branutweiuliebesgabe für die Junker, die Aufrechterhaltung der Zrickersteuer und der Fatzr- kartensteuer durchgesctzt haben. Sie wolle» vergessen machen, daß fie bei der Reichsfinanzresorm die Interessen des Boltes an den Block der Junker und der Priester verraten haben. Wähler laßt euch keinen schwarz-blauen Dunst vormachen!
Die Antisemiten greifen unseren Kandidaten, Herrn Pfarrer Korell, in persönlicher und häßlicher Weise an, well sie an seiner Politik nichts Sachliches aussetzen können. Sie machen ihn für Dinge verantwortlich, die er nicht geschrieben hat, und die in einem Kalender stehen, der halb hessisch und halb bayrisch ist. Pfarrer Korell ist nur für den hessischen Teil (Seite 30 bis 48) verantwortlich, der in Darmstadt unter seiner Redaktion zusammengestellt wurde, und in dem die von den Antisemiten angezogencn Sätze nicht stehen.
Wähler, laßt euch durch solche Dinge nicht irre machen! Es handelt sich darum, ein Urteil zu fällen über die Stenerftinden der Antisemiten. Es handelt sich darum, ein Urteil zu fällen über die Kampsesweise der Frennde Dr. Werners, die unseren Kandidaten in der ungeheuerlichsten Weise beschimpft haben.
Sorgt für gerechtere Stenern,
indem ihr Dr. Werner nicht wählt!
Sorgt für anständige politische Kampfcsmittel,
indem ihr keinen antisemitischen Zettel abgebt! Wühlt
Pfarrer Adolf Korell aus Königstädten
und tretet damit ein für
Vaterland, Freiheit nnd Volkswohlfahrt!
Das Wahlkomilec der Fortschrittlichen Volkspartei.


