Ausgabe 
9.3.1911 Zweites Blatt
 
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Zubereitung: Die Butter rühre zu Sahne, gib Eier, Zucker und Vanillin-Zucker hinzu und zuletzt das mit dem Backpulver gemischte Mehl. Man rolle den Teig 2 Messer­rücken dick aus und steche mit einem Weinglase Scheiben aus, die mit einer Stricknadel durchstochen werden oder über die man ein Reibeisen drückt. Auf einem mit Butter abgeriebenen Blech werden die Scheiben gelbbraun ge­backen und nach dem Erkalten in einer Blechdose aufbe­wahrt

Diese Biskuits sind ein beliebtes Teegebäck. In Milch aufgeweicht bieten sie eine besonders gute Speise für Kinder.

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^Lauterbach, 8. März. Heute wurde hier eine Zweigstelle der Zentrale für Mutter-- und Säua- glingSfürsorge eröffnet. Die Beratungsstelle befindet sich im iRathauSsaale, den die Bürgermeisterei hierzu zur Verfügung gestellt hat. Die Sprechstunden finden alle 14 Tage Mitt- -vochs von 34 Uhr nachmittags statt. Der Kreisarzt Dr.

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Glesien, 9. März 1911.

Sie befliß e Landwirtschaftskammer wird auf der diesjährigen Ausstellung der deutschen Landwirt- ^haftSgesellfthafl in Kassel vom 22.-27. Juni eine S am melaus st« llung von Gemüse und Obst rc. für hessische Züchter veranstalten. Daran können sich auch Linz et zücht er beteiligen. Da die Anmeldungen schon bald erfolgen müssen, seien die Interessenten darauf auf­merksam gemacht, daß die Schauordnung und die Anmelde­formulare sofort von der Landwirtschaftskammer, Rhein- /trasie 34, anzufordern sind. Diese trägt sämtliche Kosten, Ko daß die Züchter nur die Ausstellungsgegenstände nebst Verpackung zu stellen haben.

Vom Stadttheater wird uns geschrieben: Auf vielseitigen Wunsch ist noch eine weitere Aufführung von Karl SchönheccS aufsehenerregendem SchauspielGlaube »unb Heimat" angesetzt worden und zwar für nächsten ^Sonntag nachmittag bei kleinen Preisen. Diese Vorstellung 'bietet die letzte Gelegenheit, dieses Schauspiel, das allseitig als die wertvollste dramatische Erscheinung der letzten Jahre anerkannt wird, zu sehen. Darstellung wie Ausstattung des Werkes an unserer Bühne gelten als mustergültig.

Kreis Alsfeld.

§ Ruppertenrod, 7. März. Unter einem irnge- wühnlich großen Leichenzuge wurde heute der Veteran und Invalide FriÄr. Kratz zu Grabe getragen. Der Militär- verein, dem der Verstorbene angehörte, schritt dem Sarge voran, der Kriegerverein folgte. Nack) der dreifachen Ehren- jfalfre der Vereinsmitglieder und Schülergesang hielt Pfarrer Jung-Ober-Ohmen die eindrucksvolle Leichenrede. Mit Kratz ist wieder ein Kämpfer aus der großen Zeit der Jahre 1870/71 heimgegangen. In der Schlacht bei Gravelotte am 18. August traf ihn, während er im Anschlag lag, eine feindliche Kugel; sie durchbohrte sein linkes Handgelenk. Wie Aerzte zweifelten an )einem Aufkommen bis zum 1. Ad­vent, an dem sie ihm seine Rettung verkündeten. Kratz, der eine Juvatidenpension be^og, war ein allzeit behilf­licher, gegen jedermann freundlich gesinnter Bürger.

x Aus dem vorderen Vogelsberg, 8. März. -Nicht die ersten, aber sichersten Boten des kommenden Früh- 'Ungs, die K r a n ich e, sind gestern zurück gekehrt. Im Garten läuten schon seit einigen Tagen die Schneeglöckchen. Von der nahen Hecke singt abends die Amsel ihre Früh- !lrngslieder. Aber die Arrieregarden des Winters sind noch «icht abgezogen; sie wirbeln am heutigen Tage wieder fet der Lust. Und doch muß es Frühling werden.

= Wettsaasen, 8. März. Welchen kulturellen und Wirts chaftlichen Fortschritt auch unsere kleinsten Dörfer in den letzten 25 Jahren gemacht haben, das zeigt ^unsere Gemeinde. Bor einem Vierteljahrhundert bestand jdie ganze Hufbespannung in einem Esel, den der da­malige Müller besaß. Heute zählt dieser Bestand zehn Pferde.

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Heinricy hat für dos erste Jahr die Leitung der Beratungs­stelle übernommen. Gestern mittag wurde unterhalb Lauterbach an der AngerSbacher Brücke eine weibliche Leiche in d er Lauter entdeckt, in der man, nachdem sie aus dem Master gezogen war, die etwa 60 Jahre alte allein­stehende Witwe Marie Euler von hier erkannte. Sie war schon längere Zeit leidend und dies scheint der Grund zur Tat gewesen zu sein.

Kreis Schotten.

t. Michelbach b. Schotten, 7. März. Der Landwirt Hch. Repp stürzte in seiner Scheune ab. Er fiel auf ein Gerüst und von hier durch eine Luke der Außenwand auf die Straße. Die erlittenen Verletzungen, ein Schädel- und Ober- schenrelbruch, sind lebensgefährlich.

Starkenburg und Rheinhessen.

--- Darmstadt, 8. März. Der V erb and der Detaillisten-Vereine im Großherzogtum Hessen hielt am Montag eine Ausschuß-Sitzung ab. Der Vorsitzende, Kalbfuß-Darmstadt, erstattete den Bericht über die seitherige Tätigkeit. Drei Fragen beschäftigten den Vorstand: Hessisches Gemeindesteuergesetz, Pensionsversiche- runa der Privatbeamten und Lagerei-Berufsgenossenschaft. Der Vorsitzende regte an, am Blumentage der Groß­herzogin eine allgemeine Schaufenster-Dekoration zu ver­anstalten. Bezüglich der Gemeindesteuerreform wurde eine Entschließung gefaßt, in der die Erwartung aus­gesprochen wird, daß die Erste Kammer das Gesetz, be­sonders soweit es die Besteuerung der Warenhäuser und Filialbetriebe betrifft, in der von der Zweiten Kammer angenommenen Form ebenfalls gutheißen wird. Weiter wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Der Vorstand wird beauftragt, weitere Schritte zu tun, um die Mißstände, die sich jetzt bei Anmeldung und Prüfung von Ausver­kaufsanzeigen ergeben haben, zu beseitigen; eventuell ist die Schaffung von Einigungsämtern anzustreben. 2. Der Verband begrüßt die Schaffung einer Pensionsver- sicheruna für Angestellte. Er verwirft jedoch, in Gemeinschaft mit allen Deutschen Detaillisten-Verbänden, den jetzt erschienenen Entwurf, empfiehlt dagegen den Aus­bau des Jnvaliden-Versicherungs-Gesetzes. 3. Der Verband nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, daß das Reichs- vers icherungsamt nunmehr an die Prüfung der Frage, ob eine Detaillisten-Berufsgenossenschaft ohne erheb­liche höhere Beitragskosten möglich ist, herantreten, will. Die nächste Ausschuß-Sitzung wird in Bad-Nauheim stattfinden.

m. Offenbach a. M., 9. März. Der Landesgewerbe­verein für Hessen hält seinen Verbandstag anfangs November hier ab. Gleichzeitig ist damit die 7 5jähr. Jubiläumsfeier des Verbandes verknüpft.

(BeridusfaaL

Das Neustadter Familiendrama vor dem Marburger Schwurgericht.

f| Marburg, 8. März. Unter starkem Andrangs des tkurns beschäftigte sich heute das Schwurgericht mit dem traurigen Familiendrama, bei welchem der Maurer Julius Keßler bei einem Streit mit seinem verheirateten Sohne Wilhelm diesen und dessen Frau durch Revolverschüsse schwer verletzte. Die Frau ist in der Marburger Klinik gestorben. Als Zeugen erschienen etwa 20 Personen, ferner als ärztliche Sachverständige Geh.-Rat Prof. Dr. Friedrich und Kreisarzt Prof. Dr. Hildebrand aus Marburg, ferner der praktische Arzt Engelhard aus Neustadt. Wie aus der Verhandlung hervorging, wohnte Keßler, der zwei­mal verheiratet gewesen ist, bei den jungen Leuten in einem

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Haushalt zusammen. Streit und Zank waren an der Tages­ordnung und so kam es auch am Abend des 15. Januar roieoer. Die jungen Leute hatten sich schon zu Bette gelegt, als der alte Keßler plötzlich in der Türe erschien und eine Anzahl Schüsse auf sie abgab. Keßler gab zu seiner Verteidigung an, er habe geglaubt, fein Sohn Wilhelm wollte ihn umbringen. Aus diesem Grunde habe er, ohne sich zu besinnen, blindlings zugeschosstu Der wiederhergestellte Sohn Wilhelm stellte den Vorfall andere bar. Sein Vater fei nach der vorausgegangenen Zankerei ohne Grund in die Schlafstube getreten und habe geschossen. Die Verhandlung, welche bis abends 8 Uhr dauerte, endete mit der Verurteilung Keßlers wegen versuchten und fahrlässigen Tot­schlags zu 4 Jahren Gefängnis und 3 Jahren Ehrverluit.

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(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Arttkel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen. In der letzten Sitzung der Stadtverord- neten wurde auch über die Errichtung eines Frei­bades für Frauen in der Lahn verhandelt. Hier ließe sich vielleicht folgender Borichlag ohne größere Kosten bewerkstelligen, indem man das städtische Schulbad am Mittwoch und Samstag den ganzen Nachmittag, an Sonntagen des morgens und den übrigen Tagen von 4 Uhr ab für Frauen offnen wurde. Die Badezeit der Schüler ist ja während des Unterrichts, so daß hier Störungen nicht vorliegen. Der schon in einer früheren Sitzung gemachte Vorschlag, bei dem Männerfretbad eine Anstalt für Frauen zu errichten, dürfte art der Platz'rage scheitern, zumal auch bat Militär dort seinen Badeplatz besitzt. Auch ein anderer Borichlag, die Anstalt abwechselnd von Frauen und 'Männern zu benützen, ban nicht gelten, da doch jeder bte lewer schon zu kurze Badezett aus- nutzen möchte. Jedenfalls dürfte sich dieser Vorschlag gut aus­führen lassen und wäre allen Teilen gerecht geworden.

Märkte.

R. Bobenhaufen II., 8. Marz. Der hiesige Petri- markt, der gestern und heute hier abgehalten wurde und der vor Jahren sehr bedeutend war, geht von Jahr zu Jahr zurück. Am gestrigen Schweinemarkttage war der Auftrieb von Schweinen sehr gering. Auch der brütige Krämer markt ließ viel zu wünschen übrig. Bei der abends abgehaltenen Tanz- belufttgung war die Im en) der Umgegend stark vertreten._______

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