161. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 58
Erschein« täglich mit Ausnahme deS Sonntag».
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Donnerstag, 9. März I9fl
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'fcher, UnürersuälS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
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Tic Einzelgebühr beträgt 4 Pf. tue rede Verbindung.
Die Pauschgebühr beträgt: ..
ntclil über 3uuu Beibmvnngen 80 Tli. fahrllch, ,
mehr als 3000 bis eiiifdjl. buOO Verbindungen 130 Mk. jahruch,
60U0 , , 7000 „ 17d , ,
£te „Gictzener Zanillienblätter" werben dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, vaS „Kreisblatt für den Kreis riehen" zweimal wöchentlich. Tie ..Landwlrtlchaflltchea Zeil- fragen" erscheinen monailich zweimal.
Die alte Mimt als Rathaus.
Gießen, 9. Mär; 1911.
Man schreibt unS: So verführerisch der Gedanke ist, die alte Klinik vor dem gänzlichen Verfall zu retten unö sie als Bürgcr- mellterelgebäude (Rathaus?) einzurichten, so sprechen doch so viel Gründe dagegen, daß sich die Stadtoäter wiederholt besinnen sollten, bevor sie ihre Zustimmung hierzu geben. — Als Hauptpunkt spricht dagegen, daß mit einem Umbau der Ruine die Frage eines Rathaus-Neubaues nur für den Moment, aber nicht für die Zukunft gelöst fein wird, ferner ist der Platz für ein Rathaus wenig geeignet und bleibt nur die jetzige "age der Bürgermeisterei oder des Gaswerks durch die zentrale Lage für ein Rathaus die geeignetste. Drittens ist das Klinikgeländc als zukünftige Geschäftslage viel zu wertvoll; cs ist schon jetzt für die Stadt besser und günstiger zu verwerten, die Stadt wolle sich nur dazu verstehen, das Ganze zu parzellieren und die alte Klinik (Krachenburg Nr. 3) auf den Abbruch zu verkaufen. ES ist vielleicht wenig bekannt, daß das Gebäude nicht unterkellert ist und sich in so schlechtem Zustande befindet, daß die vorgesehene Summe von 200 000 Mk. kaum für die Umwandlung zum Rathaus ausreichen wird. Durch den Verkehr Bahnhof—Liebigstraße—Frankfurter Straße—SelterSweg, der nie genommen werden kann, wird die Liebigstraße Geschäftslage, und daß dieses keine Utopien sind, beweist der Umstand, daß der Stadt für das Gelände, nach Abzug des LieblgmuseumS, ein Gebot von Million vorlag! Es wäre dieses Gebot doch einer Prüfung wert gewesen, — 250 000 Mk., 60000 Mt. Erlös für das Liebig- mujeum — 310 000 Mk., ein ganz netter Erlös. Zieht man das zukünftige Steuerobjekt, Gebäude mit Geschäften noch in Frage, so wird der Wert nicht weit von der 3. Million bleiben; welche Steuersumme ergibt dagegen em altes Rathaus? Es ist zu hoffen, daß das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen ist und man sich im hohen Rat zu dem entschtießen wird, was dem ,allgemeinen Interesse* am dienlichsten ist.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Scbul- ftro5»* 7. Expedition und Verlag: e^Ä»6L Skdok>ow^-^ll^Tel.-Mr^AnzeigerGießen.
Eichener Anzeiger
General-Anzeig« für Cberhefjcn
’ „ , 70o0 , , 10000 „ 200 , „
In den Netzen mit nicht mehr als 100 Anschlüssen i|t außerdem eine Pauschgebübr von 30 Mk. Tür nid)t über 100 *>cr= lindungcn und in den Netzen mit nicht mehr als 200 Anichlmien eine Pauschgebühr von 60 Mk. für nicht über 2000 Verbindungen zugesahen^^d^^ btm e^ncm Anschluß aus zulässigen Gesprächsverbindungen beträgt 10060 fährlich.
Sind mehr als zwei Pauschgebührenanschlüfse des,elben Teilnehmers für den Fernsprechhctrieb so bereinigt, daß die Anichlüpe beliebig zur Herstellung der ‘Rcrhintungcn benutzt werden können, jo erhöht sich die Zahl bet auf jeden der bereinigten Anschlulic zulässige" Gesprächsberbi.idun^en auf 14 000: die Paufchgedühr für die Gcsvrächsverbindi'nqen über 10 000 bis 14 000 beträgt für jede ongesangenc 2000 Verbindungen 20 Mk.
Wird bei Anschlüssen gegen Einzelgebühr die Hochstzahl der Gesprächsberbindungen überschritten, so ist für jede Verbindung die Einzelgebühr und für je 10 000 Verbiirdungen oder einen Teil davon die Grundgebühr für einen weiteren Anschluß zu entrichten. Wird bei Anschlüssen gegen Pauschgcbühr die Hochstzahl der Gesprächsberbindungen um mehr als sechs Prozent überschritten, so ist für je 10 000 Verbindungen oder einen Teil davon und im Falle des bärigen Absatzes bon je 14 000 Verbindungen ober einen Teil dabon die Pauschgcbühr und autzcrdem die Grundgebühr sür einen weiteren Anschluß zu entrichten.
Aerzte und Reichsverficherungsausschub.
Die Einigungsborschläge über das Verhältnis der Krankenkassen zu den Aerztcn und Zahnärzten hatten, wie aus der Verhandlung der vorigen Sitzung des Ausschusses sich ergab, auch die Antragsteller in teiner Weise befriedigt. Inzwischen haben bie Vertreter der Einigungsparteien, Zentrum, Konservative, Nationalliberale, Reiclfspartci und wirtschaftliche Vereinigung, sich auf neue Vorschläge verständigt, die nunmehr der heutigen Vcr- vandlung zugrunde lagen. Danach sollen die jetzt in der Reichs- versichernngsordnung zu treffenden Bestinimungen provisorischer Natur sein und Geltung haben, bis ein besonderes Gesetz die Beziehungen zwischen uen Krankenkassen und den Aerztcn, Zahnärzten, Krantenlfäuscrn und Arzneimittelhändlern, regelt. Bis dahin wird folgendes bestimmt:
Die Beziehungen zwischen ttrantemanen und Aerzten werden durch schriftlichen Vertrag geregelt; die Bezahlung anderer Aerzte kann die Kasse, bon dringenden Fällen abgesehen, ablehncn.
Soweit es die Kasse nicht erheblich mehr belastet, soll sie
2lus den Reichslagrausfchüssen.
: Berlin, 8. März.
Ter Posthau^halt im Budgetau«schutz.
Dem Budgetausschuß ist eine Denkschrift „Erläuterung zu den Hilisarbeiterfonds im Etat oer Rcichs- poft* und TelegravhenVerwaltung" emgegangen. Ter Wortführer des Zentrums führt Beschwerde über den ,'bäten Eingang dieser Denkschrift. Es ergebe sich aus ihm, daß es sich nicht nur um die Unterbringung bon siebzehntaufend Be amten handelt, sondern daß dazu iwch zehntausend Militäranwärter kommen. Wie sollten diese eingereiht werden? Die Zahl der Gehilfinnen sei außerordentlich angeschwollen. Der Vorsitzende hes Ausschusses, F r h r. b. Gamp, bittet, auf die Reform des Leamtenwesens nicht weiter cinzugchen. Man könne aus der Denkschrift alles ober nichts herauslcscn Von fortschrittlicher Seite wird mit-Rucksicht aus ben späten Eingang der Denkschrift die Aussetzung der Titel über die dauernd erforder- lidxn Hilfsleistungen, die Posthilssstellcn und die Stellvertretungs- losten beantragt
Ter Ministerialdirektor gibt sollende Erklärungen ab: Ter Mgang der Beamten bei den einzelnen Kategorien in der Denkschrift ist nach den Erfahrungen berechnet Zu der Bedienung des komplizierten TelegraphendiensteS mit feinen feinen Apparaten können bie Unterbeamten nicht bermenbet werben. Sodann sind die etatmäßigen Hilssstellen billiger als die gehobenen Unterbeamtenstellen. Tas Anwachsen des Beamten- lörpers beruht lediglich auf der Steigerung des Verkehrs. Man muß berücksichtigen, daß sich die Einnahmen der Post aus Nickel und Pfennig zusammensetzen. Tic Einstellung bon Sauerbcrtrctcrn ist eine Maßregel im finanziellen Interesse.
Der Vertreter der Konserbatiben stellt hierzu fest: der Kern der Sache ist, der Budgetausschuß wünscht eine Reform, weiß aber nicht, wie er sic machen soll. Ginftiocilcn muß die Reform borbereitet werden durch Absetzung der Forderungen für Hilfsleistungen.
Tie borerwähnten Titel werden nunmehr ausgesetzt.
Im übrigen wird das Drbinarium des Posthaushalts erledigt und ebenso die einmaligen Ausgaben. Bei ben Einnahmen wird von fortschrittlicher Seite ein einheitliches Welt- porto empfohlen, zum mindesten ein einheitlicher Tarif für alle Linien nach Nordamerika. Der Staatsfekretär erklärt, der Wunsch lasse sich nicht erfüllen wegen der Weigerung von Amerika.
Zn bezug auf die Privatbeförderungsanstalt en erklärt der Staatssekretär, daß an dem Monopol gegen- überden Messenger Boys festgchalten werde. Tic Privat- bcjörderungsanstcllten verstießen in großem Umfange gegen die gesetzlichen Bestimmungen. Von konservativer Seite wird barm dem Staatssekretär zugeslimmt und sein Standpunkt gebilligt, wahrend der Vertreter der N a t i o n a l l i b e r a l e n btefen Standpunkt bedauert. Ein Zentrums Mitglied rügt die Portofreiheit bei- staatlichen Babeverwaltungen, bie nur ben Pächtern zugute Tom nie; der Staatssekretär stellt bas in Abrcbe, die Pächter müssen der Postverwaltung Porto bezahlen. Auf Anfrage erklärt der Staatsfelretär, baß ber Druck b er Scheckformulare nicht freigegeben werben soll. Eine längere Aussprache findet statt über die Frage, ob die Einnahmen des Posthaushalts nicht in bie höhe gefetzt werben können. Von Zentrums feite wird einer solchen Erhöhung widersprochen, bie etwaigen Ueberschüsfe sollen zur Reichsschuldentilgung verwendet werden. Auf Anfrage wirb von ber Verwaltung mitgetcilt, daß die Ueberschüsfe des laufenden Rechnungsjahres, April bis Ende Januar zirka 27 Millionen mehr als int Vorjahre betragen, aber im Februar und März mürben sie nicht steigen. Auf Anfrage erklärt der Staatsfekretär das Gerücht, wonach die berühmte, M a u r i t i u s m a r k e tm Reichspostmuseum gefälscht fei, für falsch.
Nunmehr werden die ausgesetzteu Titel überdieHilfs- steilen noch einmal verhandelt. Der Staatssekretär erklärt, daß bis aus weiteres keine Anwärter mehr zur Annahme gelangen sollen. Hieraus toer» bett bte Titel genehmigt. Damit ist der Po st haus halt erledigt. Donnerstag Fernsprechgebührenorbnstng und Reichsdruckerei.
ihren Mitgliedern die Auswahl zwi»'d>m minbeflcn» iivci Aerztcn rei [offen. Die SxiXzng kann jedoch bestimmen, daß der Behandelte während desselben BerficherungsfaUes ober Geschäftsjahres den Arzt nut mit Zustimmung des Vorstcutdcs wechseln darf.
Wird bei einer Krankenkasse die ärztliche Versorgung dadurch ernstlich gefährdet, daß die Kasse keinen Vertrag zu angemeffenen Bedingungen mit einer ausreichenden Zahl von Aerztcn schließen kann, oder daß die Aerzte den Vertrag nicht einhallen, so ermächtigt das Oberversicl-erungsamt ^Bcschlußkammer) bte Kaste auf ihren Antrag widerruflich, statt ber Krankenpflege oder sonst erforderlichen ärztlichen Behandlung eine bare Leistung bis zu zwei Dritteln des DurchschniUsbetrages ihres gesetzliche Krankengeldes zu gewähren. Tas Oberversicherungsamt kann zugtetchl beftunmat, 1. wie der Zustand dessen, der dic Meinungen erhalten soll, anders als durch ä r z t l i ch e D e sch c i n i g u n g c w nach gewiesen werden darf, 2. daß die Kasse ihre Leistungen 'o lange einstellen oder zurückbehalten bari, bis ein ausreichender Nachweis erbracht ist, 3. daß die Stiftung Ml idrt der Kasso erlischt, rocim binnen einem Zähre nach Fälligkeit ',cs Ansprudfs lein ausreichender Nack-weis erbracht ist und 4. daß dic Stoffe diejenigen, denen sie ärztliche Bclfchtdluna, zu gewahren hat, in et n Krankenhaus verweisen darf.
Gegen den Beschluß des Oberverftcherungsamts bat der Kassenvorstand die Bcfchwerdc bei ber obersten Verwaltungsbehörde^
Z u einer Abstimmung kam c s heute noch nicht, weil auf Vorschlag des Vertreters ber wirtschaftlichen Vereinigung die Ausschußmitglieder sich vorher mit ihren Fraktionen i n V erbindungsetzen werden.
Zur Fernsprechgebühreoorduuug,
die am Donnerstag im Budgcbausschuß zur BerhanMuna steht, haben die Abgeordneten Dr. Troescher (Konst), Frhr v GamP iRp.), Herzog (Wirtsch. Vereinigung) und Nacken (Zentr.) folgenden Einigungsantrag eingebracht:
Tie 2 und 3 der Fernsprechgebuhrenordnung über bte Grunbgebühr und Gesprächsgebühr erhalten folgende Fassung:
S w.
Tie Grundgebühr ist die Vergütung für die Ueberlassung und Unterhaltung der Apparate sowie für den Bau und die Instandhaltung der Sprechleitungen.
Ste beträgt in Retzen:
mit nicht mehr als 10t) Anschlüssen . . . . . 50 Mk.
mit mehr als ICO bis entschließt. 1000 Anschlüssen 60 ,
, luoo . , 5000 , 75 ,
' ' 50U0 , , 20 000 , 90 ,
’ . 20 000 , v 70 000 „ 100 ,
, „ „ 70 OOJ bis einschließlich für jede oitgeiangenen
weiteren 50 000 Anschlnsfe 10 Alk. mehr fährt, für ,eben Anjchlnß, bei nicht weiter ats 5 Kilometer von der VerntitletnngLflelte entfeint tst.
§ 3.
Tie Gesprächsgebühr ist die Vergütung für die Herstellung der Gespröchsverbindungen. Sie ist nach Wahl des Teilnehmers als Einzelgebühr für jebe Verbindung oder als Pauschgebuhr
Der Zudrang zuin Theater.
Die „Genossenschaft bcutiu.ct Bühnetiangehöriger" versendet jo eben an alle deutscl-en Sck>ulleiter ein gedrucktes Schreiben, in dem ersucht wird, „die vor der Schuletttlassung stehende Jugend vor der Ergreifung des Bühnenberuses zu warnen". Begründet wird das Ersuchen durck) längere Ausführungen, die ein grelles leicht auf die Verhältnisse der bcutidjen Vühnenangehörigen werfen:
„Der von der, Genossenschaft jährlich herausgegebene Bühnenalmanach weist 2oOOO Theatcrangehörigc nad), von denen mindestens 10 000 Schauspieler find, der Rest verteilt sich auf Sänger, Choristen, Kapellmeister, Musiker und techuiia-es Personal.
Von diesen zehtUausend Schauspielern und Schauipieterinnen kann im günstigsten Fall nur ein Fünftel eine einigermaßen auskömmliche Stellung finden, alle übrigen sind auf die kleinen und Wanderbühnen angewiesen, die Ntonatsgagen von 80 bis höchstens 250 Mark zahlen, aber nur für sechs bis sieben Monate. Zieht man bet foldjen Einkommen die Auslagen sür Reifen, Bühnentieidung, dte Abzüge für den das Engagement vermittelnden Agenten in Betracht, so ergibt sich die eridjredenb geringe lährliche Dur d-schni11seitmahnte von 600 Mark, bie von feiten ber Genofsensdfast vor fürgcm statistisch festgestellt wurde.
Von den zehtilaufetid Schaufpielem aber, die ber Bühnen- almanad) namentlich ansührt, finden nid)t alle Sefdjäftigung; cs bleiben in jeder Spielzeit ungefähr zweitaufcnd außer Eitgage- meni. Bringt man fclbft in Einschlag, daß Krankheit, Erfüllung der Militärpflicht, Fortsetzung der Studien usw. die Ursacl>e der Engagcmentslosigkeit sein kann, und verringert diese Summe kurzerhand auf öi£ Hälfte, so ist immer nod) der zehnte Teil der aktiven Schauspieler ständig brot- und erwerbslos. Erschtverend fällt dabei ins Gewicht, daß bie Spielzeit, also bic Zeit für den Verdienst, fieben bis acht Monate zahlt; wer ohne Engagement bleibt, hat bis zum Beginn der näd)ften Saison nicht nur den Winter, auch noü) den Sommer zu überdauern, da gegenüber^ der Anzahl der Theater, die im Winter spielen, bte Zahl der ^oommerbuhneu eine autzerorbentlich geringe tst; auch merben mit zunchmenbcm Alter bie Engagementsaussichten für ben Schaufpieter, nod) mehr aber für bie Schauspielerin, ungünstiger und geringer.
In feinem Verhältnis zum Bedarf an Nachwuchs steht die Anzahl der Theaterschulen; in Berlin allein gibt es etwa zwanzig, üt Wien zehn, in Dresden ein halbes Dutzend, etliche in Leipzig, ■i-üiietöori, Wiesbaden, Graz, Nürnberg, München, insgeiamt mvtdcstens süiiszig Schulen, dic allein, gering gerechnet, jährlich Mnfhunbert Sdjüler ausbllden. Dazu kommt bie enorme Anzahl ber dramatischen Einzellehrer, an federn ber größeren Theater Hitb mindestens süns bis sechs Sdwuspieier unb Schauspielennneii, bic in Privatstunden dramaliscpen Unterricht geben, alles in alunn nicht unter dreihundert. Rechnet man aus jeden nur zwei <^i)ulcr, so ergiöt das wieder sedrshundert sJteulmge, dazu tommen no^ des weiteren die Sufauspieier, bte fein Engagement mehr
“HÖ sich vom Unterria.’tgebcn ernähren, turz, die Zahl »teinaen beläuft sich in jebem Jahr auf mindestens eintauseuü-
zweihundert bis eintausciidfünfhundert, von denen sich viele, nur um ein Unterkommen zu finden, umspnst anbieten, denn ber ge- lualtigc Zulauf entfpridst, wie bic oben mitgcteilten Zahlen dar- legen, in keiner Weise bem Bebarf. .
So liegen bie Verhältiliffe auf bem Gebiete bcs Schaufpiels, auf bem ber Oper sinb sie womöglich nod) ungünstiger, die Gageii sind wohl besser, aber bie Anzahl ber Opernbühnen ist eine weit geringere."
— Der Streit um bas Bismarckdenkmal am Rhein. Der „Künstler-Verband Deutscher Bildhauer" erhebt beim Kunst- und Bauausschuß des Bismarck-National- benkmals sür die Elisenhöhe bei Bingerbrück Widerspruch dagegen, daß Prosessor Hermann Hahn-München, der uriprünglid) dem Preisrichter-Ausschuß angehörte, sich am Wettbewerb beteiligt habe und sogar mit dem ersten Preis ausgezeichnet ioorben sei. Es hätte zubem ber Ocssentlich- leit bekannt gemacht werben müssen, baß Hahn aus bem Preisgericht ausgetreten sei unb an dem Wettbewerb teilnehmen wolle. Ties sei aber nicht geschehen, wodurch jener Verstoß gegen die Wettbeweibsnormen der Künstler nod) bedeutend erschwert wurde. Tie Entscheidung des Preisgerichts wird auch sonst unb im allgemeinen vom Künstler-Verbanb Deutscher Btlbhauer bcanftanbet. Der erste Protest betrai bie Art mit ber ber Kunstausschuß über die Arbeiten verfügen wollte, namentlich die Frage der Umarbeitung der Entwürfe.
— Eine amerikanische Oper. Die Oper „Natoma" von Victor Herbert, die soeben in Philadelphia mit großer Begeisterung bei ihrer Erstaussührung ausgenommen worden ist, ist die erste große Oper, in der ein amerikanischer Komponist einen Stoss aus dem ameritanisd)en Leben vertont hüt. Das Werk spielt aus der Insel Santa Eruz an der Küste von Kalifornien, und zwar zur Zeit der fpanifchcn Mission. Die Heldin, eine Indianerin, opfert sich für ihre Freundin auf, eine reiche Erbin spanischer Herlunft, die von einem kalisornifchen Bösewicht umgarnt wird. Den Höhepunkt blldet ein spanischer Dolchtanz im zweiten Akt, während dessen die heroische Indianerin den verjührepischen Intriganten ersticht. Im dritten Akt geht die Tochter der Prärien m ein spanisches Nonnenkloster und begräbt in ihrem Herzen die Erinnerung an ihre Rasse und ihre Heimat, die ihr in einem schwermütigen Jndianergesang nachklingt. Zn der Musik suid lehr stark nationale Elemente verarbeitet, besonders Themen der Ipanischen und indimnsd-en Volksmusik.
— Der Entdecker Venezuelas. In großen Tellen Amerikas wurde kürzlich das Andenten Alonso be Ojedas gefriert, bes Entbeckers von Venezuela. Lieda, 1465 zu Cuenca in Spanien geboren, begleitete Columbus auf seinen Fahrten unb erforschte üi Begleitung Amerigo Äespuceis bie Nord lüsten Südameritas vom Cap San Roque im heutigen brasilianifchen Staate Rio Grande be 'Jtorte an bis zum Golf von Rtaracaibo. Tort jaiib er ausgedehiite PsahlbtUllen ber ebigebsrenen Indianer, ivas ihn veranlaßte, das .Gebuu als jtleüutiencuig, als Venezuela zu
bezeidjnen. Später wurde er Gouverneur des zwisdjen bem Golf»' von Maracaibo und dem Isthmus von Tarieu gelegenen Gebietes, das den Nomen Nueva Andalucia erhielt, unb segelte von Spanien aus 1509 dorthin ab. Seine Expedition war Uidessen nicht von Glück begünstigt, er stieß aus überlegene Strcitträftc der Ein- geborenen und enttarn dem Massaker in Begleitung eines einzigen Gefährten. Im Jahre 1515 starb er aus Santo Tomingo.
— Ter höchste Berg von Nordamerika. Ein Ingenieur, der von der konadisd)en Regierung zur Vornahme von Gretizbeststnmungeii in den hohen Norden Kanadas, in die Nähe von Alaska, entsandt wurde, hat dort einen Berg entdeckt, der sich als die hödjste Erhebung des ganzen nordamerikanischen Kontinents erwies. Er ist 7445 Meter hoch unh überragt damit den Mae- Kinley-Berg um 600 Meter. Er befindet sich auf dem 67. Groh nördlicher Breite.
— Vom heiligen Bureau kratius. Ter „Cri be Paris" führt seit einiger Zeit mit allen Massen bes Witzes und ber Ironie einen energischen Kampf gegen allerlei Absonberlich- f eit en unb Torheiten der französischen Bureaukratie; dieser Kanihs dürste aber leider ebenso Tläglid) enden, wie Ton Quixotes glorreicher Wafscngang mit den Windmühlen, denn der heilige Burcau- kratius, der dem Boulevardblatt als Gegner gegeimbersteht, läßt sich nicht so leicht unterkriegen unb ist Pielleich: überhaupt nicht zu besiegen. Besonders reizvoll — so berichtet das erwähnte Blatt — ist eine der jüngsten Großtaten des berühmten Heiligen^ Ein französischer Kaufmann, der mit der Türkei in Geschäftsverbindung steht, wandte fid) mit irgenb einer Beschwerde an hen französischen Konsul in Alexandrctte (im kleinasiatischen Wilajet Adana). Er richtete an den hohen Würdenträger ein in höslichster Form gehaltenes Schreiben, das mit der in französischen Briesen üblichen Formel schloß: „Empfangen Sie, Herr Konsul, die Versidjerung meiner ausgezeichneten Hochachtung". Ein paar Tage später erhielt der Kaufmann seinen Brief genau so zurück, wie er ihic abgcschickt hatte; er trug nur am Rande den Vermerk: „Der Konsul Frankreidjs hat die Ehre, Herrn E. mit- zuteilen, daß et nickst die Versicherung einer ausgezeichneten, sondern die Versichern^ einer respektvollen Hochachtung zu empfangen gewohnt ist." Bums! „Der Konsul," so kommentiert der „Cris de Paris" diese schöne Randbemerkung, „hak unzweifelhaft recht, toeim er darüber wacht, daß die vornehmen^ franzöfifchen Formen und Traditionen aufreckck erhalten werden^ Was kommt es daraus an, baß der franzöf.'che Handel verliert, wenn nur die französische Kultur neuen Glanz gewinnt?!"
— Kurze Nachrichten au 5 Kunst u. W i s s e n s ch a st.
Der Vorstand des Vereins Berliner Künstler legte wegen des Zwistes, der über die Beschickung der biesjährtgen großen Düsselborfer Kunstausstellung unter ben Mitgliebern bes Vereins ausgebrochen war, bie Remter nieder. — Ter Geheime Jusiizrat Richard Wilke, einer der Schöpfer des Vurg> r- ltchen Gesetzbuches, ist im Alter von 81 Jahren in Potsdam geworben.


