Ausgabe 
8.12.1911 Erstes Blatt
 
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bestraften Rekruten wie früher durchweg in die afrikani- schen Bataillone geschickt werden.___________________________

Der »pionageprozeh Schultz und Genossen.

Leipzig, 7. 9cju. Bor dem Vereinigten 2. und 3. Straf- /enat begann der Spionageprozeh gegen den englischen Schiffs- Händler schuld und «Genossen. 20 Zeugen und Sachverständige sind geladen. Ter Präsident eröffnete die Verhandlung um 9,15 Uhr. Es wurde der Erössnungsbeschlub des ersten Strafsenats ver­lesen, wonach die Angeklagten hinreichend verdächtig sind, 1910 und 1911 in Deutschland und England gemeinschaftlich vorsätzlich Pläne, Zeichnungen und andere im Interesse der Landesverteidi­gung geheim zu haltende Gegenstände sich verschafft und zur Kenntnis des englischen Nachrichtendienstes gebracht und damit sich des Verbrechens gegen den § 1 des Spionagegesetzes schuldig gemacht zu haben. Oberreichsanwalt Dr. Nagel beantragte Ausschluß der Oeffentlichkeit während der ganzen Dauer der Verhandlung. Das Gericht gab dem Anträge statt. Das Urteil ist voraussichtlich am Samstag zu erwarten.

Ans Statt und Land.

Gießen, 8. Dezember 1911.

* * Tageskalender für Freitag, 8. Tez. Stadt­theater: Abends 8 Uhr:Was ihr wollt"; Samstag nach­mittag 8^ Uhr:Iphigenie auf Tauris" (Schüler- vorslcllung).

Oeff. Wähler Versammlung der fortschr. Volks­partei: Reichstagskandidat Verbandssekretär Erkelenz. Freitag abend 81/, Uhr in Steins Garten.

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* * Lehrerpersonalien. Uebertrag en wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Michel aus Gundheim eine Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Heldenbergen.

* * Bahnpersonalien. Gütervorsteher Groth ist pom 16. Dezember ab nach Darmstadt versetzt worden. Beamte und Arbeiter der Güterabfertigung sehen ihn un­gern von hier scheiden.

* * Ringstraße. Die schon lange geplante Ring­straße, die für das spätere Groß-Gießen eine wichtige Ver- rehrsaber bilden soll, ist für die erste Strecke zwischen Licher- Straße und Kaiser-Allee jetzt in Angriff genommen worden und soll für diesen Teil bis zu Beginn des Frühjahrs fertige gestellt sein. Die neue Verbindunasstraße wird vollständig eben angelegt und zieht unterhalb des Lärchenwäldchens her. Nach Fertigstellung wird dieser Teil der Ringstraße jedenfalls lieber benutzt werden als die Landmannstraße mit ihrer unbequemen Steigung.

* Automobilvortrag. DerOberhessische Auto­mobilklub, Sektion des Frankfurter Automobilklub", ersucht uns, nochmals auf den am Samstag, 9. Dezember, abends im großen Hörsaal der Universität stattfindenden Vortrag des Herrn E. Engler, Frankfurt a. M., über »Die Prinz. Heinrich-Fahrt 1911" ausmerksain zu machen. Die Allgemeine Automobil-Zeitung" bringt über den Vortrag folgende Notiz: Im Frankfurter Automobilklub sprach dessen Vorsitzender, Herr Eduard Engler, über die diesjährige Prinz Heinrich-Fahrt. Herr Engler ist nicht nur ein erfahrener Autler, sondern auch ein guter Beobachter, der bei einer solchen Fahrt alles wesentliche sich genau merkt und es versteht, seinen Zuhörern nachher ein interessantes und fesselndes Bild zu entrollen. Besonderes Interesse fand naturgemäß der englische Teil der Fahrt. Herr Engler ergänzte seine Aus­führungen wirkungsvoll durch hübsche Lichtbilder; die Photo­graphien dazu hat er selbst ausgenommen. Lebhafter Beifall lohnte die interessanten Darlegungen.

** 4. Vortrag des Kaufmännischen Vereins und O r t s g e w e r b e v e r e i n s. In der neuen Aula des Universitäts­gebäudes hielt vor zahlreicher Zuhörerschaft Dr. Kaegbein- Hamburg einen Vortrag über den Betrieb einer großen Schiffahrtsgesellschaft. >Ter Redner verstand es durch seinen äußerst klaren Vortrag, der durch vorgeführte Lichtbilder unterstützt wurde, den Bau und die Einrichtung unserer neuen Schiffsriesen, sowie das Leben und Treiben zur See und im Hasen recht anschaulich zu schildern, wofür ihm wohlverdienter Beifall zu teil wurde. Während andere Staaten nun infolge ihres Welt- und Seehandels mächtig aufblühten, sich Kolonien schufen und ihren. Nationalreichtum immer mehr vergrößerten, mußte sich Deutschland viele Jahrhunderte lang, eine Folge seiner Zer­rissenheit und nationalen Unselbständigkeit, mit der Rolle des stillen Zuschauers begnügen. Seit der Mitte des vorigen Jahr­hunderts aber ist durch die freiheitliche Gestaltung der Schiff­fahrt, durch den allgemeinen technischen Aufschwung, durch die politische Wiedergestaltung des Deutschen Reichs und den wirt­schaftlichen Aufschwung der Anteil Deutschlands an dem maritimen Weltverkehr so in die Höhe geschnellt, daß wir jetzt direkt nach England an zweiter Stelle marschieren. In Deutschland haben sich besonders zwei Schiffahrtsgesellschaften zu ungeahnter Be­deutung entwickelt: der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg- Ameritä-Linie, die überhaupt die größte aller Schiffahrtsgesell­schaften der Welt ist. Sie wurde als die älteste deutsche Schifi­fahrtsgesellschaft 1847 mit einem Aktienkapital von V4 Million Mark gegründet. Ihre ersten Fahrzeuge waren 3 Segelschiffe. Nach 9 jährigem Bestehen ging sie zur Dampfschiffahrt über, seit der Mitte der 80 er Jahre ist sie aus dem Rahmen einer Hamburger Needereigesellschaft zu einer deutschen Gesellschaft herausgewacbsen und verfügt über ein Vermögen von 125 Millionen Mark. 170 Ozeandanipfer, nebst 225 Hilfsfahrzeuge, rund 1 Million Registertons fassen, stehen in ihrem Dienst. Turch 66 feste Schisistinien werden 400 Hasen in allen Teilen der Welt verbunden, und das Heer der kaufmännischen und technischen Beamten und Matrosen beträgt 23 500 Personen. Wahrend man in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu einer Reise nach Amerika 45 Tage und zur Rückreise dreißig Taae brauchte, legte der im Jahre 1905 erbaute Dampfer Deutsch­land ^bei einer durchschnittlichen Fahrt von 23Vs Seemeilen in der stunde die Amerikafahrt in 5 Tagen 7Vs Stunden zurück, roomit er den Rekord aller Fahrzeuge der Welt geschlagen und zugleich den Beweis geliefert hatte, daß die deutsche Schisssbau- kunst der englischen gleichwertig, wenn nicht überlegen ist. Man hat nun kein Interesse immer noch schnellere Schiffe zu bauen, wodurch ein ungeheurer Mehraufwand an Kapital nötig wird man ist vielmehr bestrebt, bei dem Bau dieser Riesenschifse für größtmöglichste Bequemlichkeit und Behaglichkeit zu sorgen. Ein solches in seinen Ausdehnungen ins Ungeheure gebende Schiff, dieKaiserin Augusta", führte der Vortragende in allen ihren Teilen im Bilde vor. Es überragt in der Länge die Spitze des Kölner Toms um ein gutes Stück. Ihre Länge beträgt nämlich 213 Meter, bei 23Vs Meter Breite und 26 Meter Tiefe. Tie innere Ausstattung ist musterhaft und trägt den weitgehendsten Anforderungen Rechnung. Neben tadellosen Wohnräumen er­blickt man Musik- und Nauchsalon, einen Speisejaal für 550 Personen, ein Restaurant, ein Treibhaus, Wintergarten, Lese-, f9 und Baderäume. Eine nach englischem Muster eingerichtete Küche,, der eine Backerei, Konditorei und Metzgerei zur Seite steht,^wrgt für die leiblichen Bedürfnisse der Passagiere. Mit ^.7>nn8man-n,d)aTt beherbergt eine solche schwimmende Stadt Uber 3000 Personen und wird von Tampsmaschinen von 16 000 Pferdetraften getrieben. -tie durch drahtlose Telegraphie und ^unkenspruch von der Küste und vorbeifahrenden Fahrzeugen ^clltenen Benchte sind in dem auf dem Schiff erscheinenden Atlantischen Tageblatt" täglich zu lesen. Nicht weniger inter­essant sind dw Hasenanlagen mit ihren riesigen Dampskranen ihren Reparaturivertstätten, Lagerhäusern, Verwaltuiig-vauten und dem zur Neuinstandsetzung des heimgekehrten Ozeandampfers unentbehrlichen schwimmenden Dockst

Der Werkmeister-Bezirksverein Gießen hält morgen abend in Steins Garten sein 25. Stiftungs­fest ab.

Vom Biograph wird uns geschrieben: Im Bio­graph gelangt nur noch heute der wirklich vorzügliche Spiel- plan zur Vorführung. Besonders verlangt der Film »Der Rächer seiner Ehre" alle Anerkennung. Es ist dies ein Drama aus dem Leben, mit vorzüglichem Inhalt und hervor­ragendem Spiel. Am besten tritt wohl Herr W. Psilander in dec Hauptrolle als Leutnant Hans v. Bremer hervor. Doch auch die übrigen Schauspieler haben ihre Aufgabe bestens gelöst. Tie übrigen Nummern des Programms lassen nichts zu wünschen übrig; von ihnen heben sichNie Winters Traum" und ,S)ie Schuld des Kammerdieners" hervor.

Landkreis Gießen.

-- Lollar, 6. Dez. Eine Feier, die es Mert ist, daß weitere Kreise etwas von ihr erfahren, veranstaltete am Abend des 3. Dezember der Männergesang­vereinGermania" hier. Wie schon einmal vor zwei Jahren, hatte der Verein auch jetzt wieder zu einem W o h l - tätigkeitskonzert zum Besten der Kleinkinderschule eingeladen. Trotzdem man erst recht spät von dem ge­planten Abend erfuhr, war doch der große Scherbsche Saal dicht gefüllt, ein Beweis dafür, daß der Verein mit feiner Veranstaliung auch bei der Menge Anklang und Verständ­nis gefunden hatte. Durchaus Gutes und Schönes war es auch, was an diesem Abend geboten wurde. Ter Verein, der schon rein äußerlich durch die große Zahl seiner Mit­glieder Eindruck machte, brachte treffliche Chöre zu Ge­hör. Auch die anderen Kräfte, die von derGermania" für den Abend gewonnen waren, wußten sich durch gute Leistungen in reichem Maße den Dank der Zuhörer zu er­werben. Frl. Howe aus Frankfurt a. M. erfreute mit ihrer klangvollen Stimme durch prächtige Lieder und Frl. Müller sand für ihre Kunst in der Rezitation immer Ver­ständnis, sei es, daß sie das Publikum in große Heiter­keit versetzte oder auch in atemloser Spannung hielt. Für Abwechslung im Programm sorgte Lehrer Volz durch Vor­trag eines Violinsolos. Die Begleitung am Klavier hatte Lehrer Jakobi übernommen. Pfarrassistent Gerich sprach im Namen des Vorstandes der.. Kleintinderschule den Ver­anstaltern den gebührenden Dank aus uno wies auf die Bedeutung der Feier hin. Der Ertrag, den die Veran­staltung unserer Schwefrerstation gebracht hat, ist gewiß nicht gering.

Kreis Friedberg.

L. Bad-Nauheim, 7. Dez. Unsere Ernst Lud­wig-Schule (Realschule 2. Ordnung) hat seit Beginn des neuen Schuljahres eine Obersekunda erhalten. Da in den beiden Städten Butzbach und Friedberg die Ober­sekunda eingegangen ist, hat unsere Schute aus den beiden Städten imb deren Umgebung eine Anzahl Schüler er­halten. Zurzeit trägt man sich mit dem Gedanken, die Schule weiter aufzubauen und sie zu einer Oberreal- schule zu erweitern. Die Stadtverordnetenversamm­lung hat die Erbauung eines neuen Militär-Kur^ h o s p it al s genehmigt. Es wird für 100 Militärpersonen eingerichtet. Außerdem werden Zimmer für 30 Offiziere eingerichtet werden. Das Gebäude kontmt in die Nähe des Könitzkystifts, auf ein städtisches Grundstück, zu stehen. Mit Beginn des Frühjahrs wird der Bau begonnen werden.

Starkenburg und Rheinhessen.

R. B. Darmstadt, 6. Dez. Der 1906 gegründete Hessische Verein für ländliche Heimatpflege, Wohlfahrts- und Kun st pflege hielt heute nach­mittag hier seine Hauptversammlung ab. lieber Pflege des körperlichen und geistigen Wohles der aus der Schule entlassenen Jugend aus dem Lande sprach Pfarrer Zi mm ermann-Wixhausen. Er gab einen interessanten Bericht aus seiner 20jährigen Tätigkeit aus diesem Gebiet. Seine Beobachtungen treffen darin zusammen, daß die länd­liche Jugend, anstatt ihren bodenständigen Charakter zu betonen und zu entwickeln, mehr und mehr nach der Stadt gravitiert und ihre Erbauung Sonntags zu sehr im Vereins- leben und allerlei oberflächlichen Vergnügungen sucht. Neben den Turn- und Sportübungen sollte die Gemüts- und Gefühlsbildung nicht übersehen werden. Die weibliche Jugend des Landes müßte sich nicht in Fabrikarbeit ge­nügen lassen, sondern sie müßte auch zur künftigen Haus­frau und Mutter herangebildet werden. Der Redner schlägt zur Besserung der Dinge ein engeres Zusammenwirken von Lehrern und Pfarrern vor; dann sollten hier auch die Fortbildungsschulen eingreifen. Schließlich fordert er für die kleinste Gemeinde Kurse in geeigneten Räumen, in denen die schulentlassene Jugend in Vorträgen mit 'oder ohne Lichtbilder usw.. auf alles Schöne und Erhabene hinge­wiesen wird. Schulinspektor Prof. Dr. Kissi n g er bemerkt, daß er die Verhältnisse nicht so schwarz sehe, wie der Vor­redner. Man möge sich mit geeigneten Vorschlägen den Vereinen unterstützend angliedern. Ziehen wir Lehrer, Geistliche, Aerzte und Offiziere mit heran. Wenn auch keine Parteimänner, so wollen wir doch junge Deutsche heran­ziehen, deren Streben nach Bereinigung hinsichtlich des Verantwortlichkeitsgefühls auch sein Gutes habe. Er er­wartet von einem Ausbau der Fortbildungsschulen und von Veredelung der Sonnlagsunterhaltungen, Büchereien usw. gutes, lieber Ausgestaltung des Haushaltungs-Unter­richts, sowie Einführung von Kochunterricht und Haushal­tungskunde für Fabrikarbeiterinnen auf'dem Lande schlägt Prof. Kissinger vor, beim Ministerium zu beantragen, daß durch statutarische Bestimmung eines Vereins und auf Veranlassung einzelner Gemeinden für Mädchen von 14 bis 18 Jahren l*e Verpflichtung zum Besuch eines 612wöchent- lichen Lehrgangs im Haushalt festgesetzt werden kann. Haupt- lehrer Stör ch - Butzbach berichtet dann über die glänzenden Erfahrungen mit der unter seiner Leitung stehenden Wander-Haushaltungsschule. Kreisrat Steeg- Bingen be­tont, daß er über anfangs schlechte zu so guten Ergeb­nissen kam, daß jetzt alle Mädchen-Fortbildungsschulen voll besetzt sind. Den jährlichen Haushalt für eine solche Schule setzt er auf etwa 15001800 Mk. an. Es folgten Satzungs- abänderungen und die Rechnungsablage für 1910, aus der sich ein Ueberschuß von 541 Mk. ergibt.

(M.) Offenbach, 7. Tez. Die Schneidergesellen sind in eine Lohnbewegung eingetreten und haben ihren Lohntarisvertrag bereits zum 1. März 1912 gekündigt. Tie , .^Forderungen bestehen in einer 1020 Prozentigen Lohn­erhöhung. Tie Meister sind infolge der Teuerung zu der Ge­währung einer Lohnerhöhung bereit. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm eineSchlacht", die Schulknaben aus T u ö e n f) o_f e n undNieoer-Roden inszeniert hatten. Der 19 jadrige Sattler aus Nieder-Roden, der demHandgemenge" zusah, gab einem aus feinem Orte stammenden Schulknaben eine geladene Schußwaffe, die dieser aus das Geheiß eines anderen Knaben auf die Dudenhofener Knaben anlegte. Plötzlich krachte ein schuß, der den siebenjährigen Heinrich Auer aus Duden­hofen fchwer verletzte. ,2ie Kugel war dem Knaben an der

tßerid^tsfaal«

Wiesbaden, 7. 'Tez. Vor der hiesigen Strafkammer hallt sich Graf Josef Spiegel zum Tiesenberg-Hanxleden aus Oesterreich

sich Graf Josef spiegel zum Wiesenberg-Hanxleden aus Oesterreich, wegen verschiedener Betrügereien, begangen in Wiesbaden, Mainz,

für Säuglinge, Reconvalescenten, Magenkranke.- .

Sprechstunden: Vorm. 89 Uhr, nachni. 23 Uhr.

Sonntags nur vormittags.

73SO

AmMHer Wetterbericht.

Wetteranssichten in Hessen am Samstag, den 9. Dezember 1911: Trüb, Regenfälle, kühl, stellenweise Nachtirost.

Nach zehnjähriger Praxis in Hungen und vorher­gegangener, mehrjähriger Tätigkeit als Assistenzarzt habe ich mich hier als prakt. Arzt niedergelassen

Dr. Heinrich Wagner

West-Anlage 27p. Fernsprecher 874

Kleine Tageschromk.

In Mülheim überfielen mehrere Schüler einen fünf zehnjährigen Dreherlehrling und richteten ihn mit Gummiknütteln so zu, daß er nach kurzer Zeit starb.

Während eines Wirbelsturmes sind auf der K a r a i b i s ch e n See drei Dampfer untergegangen. Die Besatzungen und Passagiere wurden gerettet.

In Paris geriet während einer Bahnfahrt der Straßenbahnführer Charby mit einem Mitreisenden in Mei­nungsverschiedenheiten. Ter Fahrtgenosse schoß auf Charpy, den er am Arm und an der Schulter erheblich verwundete. Es gelang Charpn noch, die Notleine zu ziehen. Als die Beamten heroeieilten, schoß sich der Mitreisende eine Ku­gel in den Kopf und starb bald darauf. Aus den Papieren ergab sich, daß es sich um einen als geheilt aus der Irrenanstalt entlassenen Geisteskranken handelte.

In Belgrad erstickte der Bauer Lazarewitsch, der mit seiner Familie ein neues Haus bezogen hatte, infolge lleberheizung des Ofens, mit seiner Frau, Schwiegermutter und zwei Enkeln.

Mannheim und Hannover, zu verantworten. Mitangeklagt der bayerische Leutnant Ludwig Beck aus St. Avold. Tas Urteil lautete gegen Graf 'Tiefenberg auf vier Monate Gefängnis unb 100 Mark Geldstrafe. Beck erhielt 1 Jahr drei Monate Gefängnis.

Berlin, 7. iDez. In der Klage der Witwe Hermanu- Moabit, deren Mann bei den Moabiter Krawallen umkam, gegen den Fiskus und die Stadt Berlin wegen Gewährung einer Rente, beschloß das Gericht, die Verhandlung behufs Vorladung neuer Zeugen zu vertagen.

Nasenwurzel in oen Kopf gedrungen unb dorr necken geblieben Ter Schwerverletzte wurde ins hiesige Krankenhaus gebracht. Tie Kugel konnte noch nicht entfernt werden.

Kreis Wetzlar.

LaunSbach, 7. Tez. Vom 18. bis 21. Dezember wird KreiZobstbaulehrer Kil b einen U nterrichtskursus im Obstbau hier abhalten. Der Unterricht umfaht Pflanzung, Schnitt und Pflege' der Obstbäume, sowie Be. lämpfung der Obstbaumschädlinge und Krankheiten. Tie Unterweisung wird unentgeltlich erteilt.

Hessen-Nassau.

0 9)1 a r b u r g, 6. Tez. Der neue Landrat unseres Kreises, von Löwenstein zu Löwenstein, wurde heute mittag im Fürstenhaus durch den Negierungspräfidenten Grafen v. Bern- storsf aus Kassel in sein Amt eingeführt. Es schloß sich ein Festmahl im Restaurant Seebode an, an welchem die Königlichen Beamten des Kreises, die Verwaltungsbeamten des Landrats­amts und die Kreistagsteilnehmer teilnahmen. Tie Stadt­verordneten genehmigten zu Zwecken eines später einmal zu er richtenden Nordbaues des Rathauses den Ankauf des Bersch scheu Hauses am Marktplatz (Gasthaus zum Alien Ritter) für 70 000 Mark. Tie Errichtung eines Westanbaucs ist bereits früher genehmigt worden.

Letzte 21admd?ten.

Zwickau, 7. Dez. (Priv.-Telegr.) Ein Automobil mit vier Insassen geriet auf der Fahrt nach Leimig beim Ausweichen mit einem Hinterrad in einen Graben uno prallte gegen ein Haus. Hierbei wurde eine Frau Richter-Zwickau sofort ge tötet. Frau Kratz-Wiesbaden erlitt einen schweren Schädel bruch, der Besitzer des Autos erlitt schwere irtnere Verletzungen nur seine Gattin blieb unverletzt.

Die philosophische Infantin (Eulalia.

Der Zwist zwischen dem König von Spanien und der Infantin Eulalia scheint nach dem ersten Aufbrausen in ganz friedliche Bahnen einzulenken, ©ine in Berlin ein- getroffene amtliche Madrider Meldung'besagt: Tie zwischen dem König Alvhons und der Infantin Eulalia gewechselten Telegramme lauten in wörtlicher Uebersetzung: Ich bin überrascht durch die Zeitungsnachricht, daß Du unter dem Pseudonym einer Gräfin von Avila ein Buch veröffent-- lichst, und daß man nach anderen Nachrichten vermutet, daß es Sensation erregen wird. Ich wünsche, daß Du es suspendierst, bis ich es kenne und Dich dazu autorisiere. Alphons.

Hierauf antwortete die Jnfcurtin unter dem 3. Dezem­ber: Ich bin erstaunt, daß Du über ein Buch urteilst, ohne es zu kennen. Beim Empfang Deines telegraphischen Be­fehls sage ich Dir Lebewohl. Eulalia. Das an den König gerichtete Telegramm, welches der PariserTemps" in seiner Nummer vom 3., datiert vom 4. Dezember veröffent­lichte, wurde in Paris am 5. um 11 Uhr vormittags auf­gegeben und ist in'Madrid mittags angekommen, also nach­dem hier der Te^t des an demselben Morgen eingetroffenen Blattes schon vier Stunden bekannt war.

Madrid,?. Dez.I m p a r e i a l" veröffentlicht einen Brief, den sein Pariser Korrespondent von der Infantin Eulalia erhalten zu haben behauptet. Die Infantin er­klärt sich darin bereit, ihr Haupt vor dem Könige zu beugen, bittet diesen demütig um Verzeihung für das, was sie in einem Augenblick der Verwirrung getan habe, drückt den Wunsch aus, ihr Leben- fern von allen Ehren in einem kleinen Haufe bei Avila zu beenden und schließt mit der Versicherung der Liebe zum König, zur Königin Christine und zu Spanien.

9Nadrid, 7. Dez. (Agenee Havas.) Es bestätigt sich, daß die Infantin Eulalia an den König einen Brief ge­schrieben hat, dessen Inhalt ungefähr dem vomJm- parcial" veröffentlichten Briefe entspricht.