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16V Zahrgang
Zweites Blatt
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ErfcheiM täglich mÜ Ausnahme des Sonntag».
Tie „Siebener ZamittenblStter" werden dem »Anzeiger* otermal wöchentlich beig'legt, da» „Krclsblatl für den Kreil «letzen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen 5ttt» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheften
Mittwoch, 18. Gttober 19U
Rotationsdruck and Verlag der Vrüblichen Unwersität» • Bilch- und Eteindrurkerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Tnitfcrti: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 61.
Redaktion: 112. TeU-Adra AnzeigerGießen,
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von Anfang bis Ende.
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Die
G utsvorstehersrelle selbständig m Angeklagten zu verjxiiweÜL,
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Dom früheren Schah von Persien.
Tie Londoner „Morningpost" meldet aus Teheran: Dec frühere Schah hat sich über die Grenze nach Ascha- bad in Russisch-Turkestan begeben. Unter dem Gepäck, das in Firuskul) in die Hände der Regierungstruppen gefallen ist, befand sich ein v 0 l l st ä n d t g e $ Tagebuch über den von ihm unternommenen Versuch, wieder zur Herrschast zu gelangen. In dem Tagebuch finden sich Angaben, ivoi)er er seine Unterstützungen sinanziellcr und anderer Art bezogen hat. Dadurch sind verschiedene hochgestellte Persönlichkeiten b l 0 ß g e st e l l t, deren Anhänglichkeit an das jetzige Regime bisher nicht in Zweifel gezogen worden war.
Der Mord auf dem Griezhcimer Exerzierplatz vor Gericht.
x Frankfurt a. M., 17. Okt.
Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute die Verlwndlnng gegen das Mörderpaar Max Löffler und Johann Pöll^ mann, die vor etwa zehn Monaten auf dem Griesheimer Exer- zicrplah ton 51 Jahre alten Agenten Wilhelm Bienen hiitlernicks überfielen und ermordeten. Pöllmann ist 23, Löffler 20 Jahre alt; beide sind uneheliche MinDcr. Sie lernten sich auf dem Bahnhof in höchst kennen, als Pöllrnaim, der eben. 19 Mark Wochetwcrdienst erhalten hatte, nach Frankfurt fahren wollte. Unterwegs sprach sich Pöllmann dahin aus, daß er leine Lust mehr habe zu arbeiten und daß er einen großen Schlag führen wolle. Löffler war damit einverstanden und bcibc suchten nach einem Eiscngcschäst, in dem sie für 65 Pfennig einen schweren Hammer lausten. Sie waren übereingclommen, die Tat in einem der Außenbezirke der Stadt auszusühren, wo sie sich sicherer fühlten. Als Schauplatz wählten sie die Mainzer Landstraße. An dieser wohnte der Nahmafchinenreisende Vielter, der jeden Morgen zeitig seine Wohnung verließ. Tas tat er auch an einem trüben Tczembcrmorgen des vorigen Jahres. Er wollte zum Frankfurter vauptbahnhof, um eine kleine Reise anzutreten. An einer dunklen Stelle der Mainzer Landstraße ermatteten die beiden Verbrech.r ihr Lpser. Pöllmann folgte dem nichtsahnenden Biener, überholte ihn, und musterte, ob er Wertsachen bei sich tragen könne. Ta die Prüfung bciriedigend ausfiel, ging er wieder zu Löffler zurück^und beide näherten sich nun dem Manne, den -sie mit einem Schlag auf den Kopf niederstreclten.
Wer der eigentliche Täter gewesen ist, konnte bisher noch nicht sestgcstellt werden, da sich die beiden Angeklagten gegen* fettig beschuldigen. Sie schleppten den Bewußtlosen in den Straßengraben und töteten ihn hier durch weitere Hammerschläge vollends. Tann plünderten sie den Toten aus, und begaben sich nach dem Frankfurter Hauptbahnhof, wo sie sich vom Blute reinigten.
Tie Forschungen der Polizei waren eine Zeitlang erfolglos. Man verfolgte falsche Spuren. Rach etwa 10 Tagen meldete sich aber bei der Polizei ein gewisser May und bekundete, daß ein Bekannter von ihm namens Pöllmann Andeutungen gemacht habe, als ob er von Dem Morde wisse. Taraus wurde aus Pöllmann gesahndet, der schließlich auch bet einer reisenden Theatergescllschaft ergriffe« wurde. In der Untersuchung leugnete er hartnäckig und wollte auch von einem Mittäter nichts wissen. Pöllmann hatte aber dem Map gegenüber davon gesprochen, daß er sich zur Zeit dcS Mordes in Gesellschast eines Mannes befunden habe. Der der Berliner Max genannt wurde. Max Lösfler stammt auch tatsächlich aus Berlin. Als die Berliner Kriminalpolizei seinen Aufenthalt ermittelt hatte, wurde ein Frankfurter Kriminalkommissar nach dem Moabiter Untersuchungsgefängnis gesandt, der Löffler die Tat auf den Kopf zusagte, worauf dieser auch ein offenes Geständnis ablegte, in dem er allerdings die Hauptschuld nur Pöllmann zu wälzen suchte. Bei der Jugend des Löffler sah sich die Untersuchungsbehördc veranlaßt, ein Sachverständigengutachten darüber einzuholen, ob er bei Begehung der Tat die nötige Einsicht hatte. Dieses Gutachten ist bejahend ausgefallen.
Der ermoroete Biener erfreute sich in seinen Bekanntenkreisen allgemeiner Achtung. Er war bei dem Heb erfüll durch die Mordbuben so zugerichtet worden, daß dem Wunsche der Angehörigen, Den Toten noch einmal im Sarge zu sehen, wegen des schrecklichen Anblicks nicht stattgegeben werden konnte.
Das Urteil.
Tie Geschworenen sprachen den Pöllmann des Mordes, den Lössler, der noch unbestrast ist, nur des Totschlags in Verbindung mit Raub schuldig und das Urteil des Gerichts lautete bei Pöllmann auf Todesstrafe und bei Löffler auf 15 Jahre Zuchthaus.
Ausland.
Tas österreichische Abgeordnetenhaus verwies die Vorlagen über die Teuerungszulagen für Beamte an einen Ausschuß und trat in die Aussprache über die Reform der Geschäftsordnung ein und beschloß nach Abschluß der Aussprache über die Vorlage, betreffend die italienische Rechts- salultät zu verhandeln entgegen dem Vorschläge des Präsidenten, nach der Geschastsordntuigsreform über das Budget zu beraten.
Ter französische M a r i ne m i n i st c r Tel c ässe unterbreitete dem Staatsrat eine Verfügung, nach der künftig auf allenKriegs schiffen vonmehrals 9000 Tonnen Gehalt Der P 0 st c n eines zweiten Fregattenkapitäns geschaffen wird. Der Zweck dieser Verordnung ist, zu verhüten, daß es aus den Schissen im Falle der Abwesenheil des Kommandanten an der höheren Aufsicht gebricht, wie es im Falle der „Liberte" vorram.
Aus Toulon wird berichtet: Sieben Matrosen, die an Bord des „Volraire" gemeutert hatten, wurden zu sechs bis 26 Monaten Gesäng nis verurteilt.
Wie aus Chicago gemeldet wird, sprach sich der Konvent der fortschrittlichen republikanischen Partei für die Kandidatur des Senators La Follette als Präsidenten Der Republik aus.
Heer und Flotte.
Ein Telegramm des Kaisers. Außer der Mit teilung an den König von Sachsen, daß das Linienschiff „Ersatz Aegir" den Namen „König Albert" tragen soll, richtete der Kaiser ein Telegramm an den Prinzregenten von Bayern, in dem er seine Absicht kund gibt, den Namen „Prinzregent Luitpold" dem Linienschiss „E r s a tz £ b i n" zu geben, das im Lause des Winters aus der Germaniawcrst in Kiel vom Stapel läuft.
Gaftwirte-vrrsaminlung.
th. Gießen, 18. Okt.
Tcr Verein der G a st w i r t e von Gießen und Umgegend hatte gestern nachmittag eine Gastwirteversammlung im Hotel Einhorn einberufen, die sehr gut besucht war.
Ter Vereinsvorsiycnde Jaskowsk» sprach über den Zweck der Versammlung. Seit dem Juli lö.si sei ein Eichgesetz für d i c Schankgefäße bei uns in Deutschland in Geltung, das trotz seiner Mängel sich eingelebt habe. Es sei zwar ungerecht, daß der Gastwirt für die richtige Eichung der Gläser usw. haste, aber verschiedene Versuche, den Glassabriken diese Haftung zu- zuschicben, waren bisher vergeblich. Nach dem Gesetz von 1881 mußte der Eichstrich am Glase etwa 1 Zentimeter unter dem Rand angebracht sein. Mit dem letzten Biersteuergesetz hat der Reichstag ein neutä Eichgesetz angenommen, wonach vom 1. Oktober 1913 an in den Wirtschaften bei Trinkgesäßen von 5/io Liter abwärts der Eichstrich zwischen 2 und 4 Zentimeter unter dem Rande sich besinden muß. Von diesem Tage ab Dürfen Gläser mit der alten Eichung nicht mehr an die Gäste verabfolgt werden. Tie Norm, nach der innerhalb des Rahmens der neuen Gesetzes bestimmung in jedem der deutschen Einzelstaaten Die Eichung von 1913 an üorgenomincn werden soll, ist der Landesregierung überlassen. Tas hessische Ministerium hat aus Anfrage erflärt, daß durch Verordnung bestimmt werden wird, der Eichstrich solle 2 Zentimeter unter dem Rand sein. Würden nun im Jahre 1913 mit einem Schlage die Gläser mit dem alten Eichstrich von den Gastwirten außer Betrieb gesetzt werden, so wäre dies ein Kapitalverlust von rund 6 Millionen Mark in Teutschland. Ter Kapital Verlust würde sich aber noch um rund 10 Millionen erhöhen, wenn die Glassabriken nicht sich entschlossen hätten, jetzig schon die Fabrikation nach Dem neuen Eichgesetz einzurichsten. Sobald also Die nicht mehr erheblichen Lagerbestände in Trinkgefäßen, die mit dem alten Eichstrich versehen sind, ausverlaust sind, wird der Wirtestand nur noch solche erhallen können, die den Eichstrich 2 Zentimeter unter Dem Rand ausweisen, unD Dieser Zeitpunlt wirD jedensalls sehr bald, und sicher in einem Jahr eintreten.
Tie nach Den neuen Eichvorschriften hergestellten Trinkgefäße haben aber einen größeren Rauminhalt als die «ach den bisherigen Vorschriften geeichten Gläser, wodurch Den Wirten ein Schaden von 2—3 Mart am Hektoliter entsteht. Ter Redner beweist an Gläsern, die nach Dem neuen Gesetz geeicht sind, daß z. B. der Inhalt eines ^,10-Liter-Glases nach der alten, noch jetzt gültigen Eiche ein Glas mit 1/i Liter Inhalt nach der neuen Eiche füllt und umgekehrt. Es sei ein Unrecht, wenn man verlangen wolle, daß Der Wirtestand, dem durch Die Antialkoholbewegung, Durch Die Teuerung Der Lebensrnittel und Durch Auf- bürdung von allerhanD Lasten und Abgaben das Leben sauer gemacht wird, durch die neue Bestimmung des Eichgesetzes ein weiterer Schaden zugesügt wird.
Man habe die Versammlung cinbcrujen, um zu erwägen, wie man Den DrohenDen Verlust abroenDen könne. Man wolle den Konsumenten nicht das Bier verteuern sondern die Sache so einrichten, daß Der Gast für Das gleiche Geld später nicht mehr Bier bekommt wie heute.
Ter Verbandsvorsitzende H a u ft - TarmstaDt wies Darauf hin, daß jeDer Wirt Die Eiche an Den Gläsern selbst vornehmen ober durch jemand machen lassen kann. Denn Dafür trage er ja Die Verantwortung für Deren Richtigkeit. Tie Wirte sollten jebcu= falls Die Richtigkeit Des Eichstriches nachprüfen, was sehr leicht sei. Weiter sei Darauf zu achten. Daß jeDes Stammglas eine Eiche hat. Mit Dem Inkrafttreten des nc.ien Eichgesetzes sollte man die nach Dem alten Gesetz geeichten Gläser vernichten, um zu verhindern, daß sie nicht wieder eingeschmuggelt werden. Es sei Der Vorschlag gemacht worden, beim Reichstag und Bundesrat zu versuchen, das neue Eichgesetz wieder zur Aushebung zu bringen. Ein solcher Versuch wäre ein Schlag ins Wasser. Tie neue Eich- crDnung verdanke ihr Dasein einigen Tausend Schreiern in Bayern (', Die nicht genug Bier für ihr weniges Geld erhalten können und Denen zu Liebe man Den großen Rand über Dem Eichstrich gesetzlich eingesührt sehen will. Ein Preisaufschlag durch Die Wirte, Die nach Der letzten Steuererhöyung Dein Brauer 3 Mark sür das Hektoliter mehr bezahlen, habe eigentlich nicht stattgefunDen. 3/io Liter kosten heute noch bei uns 10 Psennig, genau so wie vor der Steuererhöhung. Man hat allerdings Dementsprechend Den Schoppenpreis aus 15 Psennig reguliert und der Schleuderet ein Ende gemacht. Die 4/io Liter Bier früher für 12 Pfennig abgab. Es fei geboten. Daß man in Dieser Frage Zusammenhalte, um einen gerechten Ausgleich zu schaffen. Hieran schließt sich eine überaus lebhafte Aussprache, bei Der zum Ausdruck kommt. Daß man in der Frage Bestimmungen, die sür alle Wirte bindend find, nicht treuen iann, weil verschiedene Verhältnisse bestehen. Man war aber in der Mehrheit Dem Vorschlag zugeneigt, vorerst in Den alten Gläsern weiter zu zapsen, diese aber sür Das lommcnDe neue Eichgesetz in Der Weile eichen zu lassen, daß Der alte, 1 Zentimeter unter Dem Rande befindliche Füllstrich durchstrichcn werden soll, dagegen Die Gläser mit 5/10 auf 0,45, Die mit - 10 auf 0,25 und Die mit \'t Liter auf 0,2 umgeeicht roerDcn sollen. Tie Gäste werden dann sehen, daß sie dasselbe Quantum Bier wie seither erhalten und gewöhnen sich daran. Den Füllstrich nach Den neuen Bestimmungen 2 Zentimeter vom Rande zu finden. Es wurde auch Der Vorschlag gemacht, daß man Die Glassabriken angehen sollte, Gläser her- zustellen, welche Die seitherige Eiche und die neue Eiche enthalten, damit würde ja das Mißtrauen der Gäste beseitigt. Man war sich aber Darüber nicht klar, ob Dies gesetzlich zulässig sei unD
erklärte, daß Die Glassabriken schwerlich daraus eingehen würden.
Deutsches Aeich.
Der Kaiser begab sich am Dienstag abend nach Aachen, Bonn und Liefer.
Bei der L an d t a g s e r s a tz w a h! in Hanau, Die am Dienstag stattfand, wurde der n a t i 0 n a 11 ijj e r al e Kandidat Baurat Wohlfarth- Hanau mit 154 Stimmen gewählt. Der konservative Kandidat erhielt 72 und der sozialdemokratische 75 Stimmen.
Bei der L andtags er s atzwah l in Fritzlar- Mel z u n g e n wurde der freitonservative Gutsbesitzer Noll aus Gudensberg mit 114 Stimmen gewählt. Ter deutsch-soziale Kandidat, Gutsbesitzer Bluin, erhielt 73 Stimmen: der Kandidat der Nationalliberalen, Kaufmann Barthel aus Melzungen, war nicht in die Stichwahl gekominen. Er hatte nur 55 Stimmen erhalten.
Statiftit der deutschen Seeschiffe
Angaben über den Bestand der deutschen Seeschiffe (Kauffahrteischiffe) am 1. Januar 1911 werden in Teil I des Bandes 244 der „Statistik des Deutschen Reichs" veröffentlicht.
Danach waren an registrierten Fahrzeugen mit einem Bruttoraumgehalte von mehr als 50 Kubikmetern vorhanden 4675 Sckiiffe mit einem Gesamtraumgehalt von 4 513191 Registerlons brutto und 2 903 570 Registertons netto gegen 4658 Schiffe mit 4 430 227 Registertons Brutto- und 2 859 30 < Registertons Nettoraumgehalt am 1. Januar 1910. Gegen das Vorjahr hat die Zahl der Sck)iffe um 17 zu ge nommen, der Bruttoraumgehalt um 82 934 Registertons, der Nettoraumgehalt um 44 263 Registertons.
Der Gattung nach waren am 1. Januar 1911 2371 Segelschiffe mit 452 996 Registertons brutto und 403 241 RegistertonS netto, 331 Seeleichter (Schleppschiffe) mit 110 436 Registertons brutto und 103 596 Registertons netto, sowie 1973 Dampfer mit 3949759 RegistertonS brutto und 2 396 733 Registertons netto vorhanden, während am 1. Januar 1910 die Zahl der Segelschiffe 2377 mit einem Raumgehalt von 453 411 RegistertonS brutto und 404 576 Registertons netto, die der ^eeleichter (Schleppschiffe) 331 mit einem Raumgehalt von 111540 Registertons brutto und 105174 Registertons netto und die der Dampfer 1950 mit einem Raumgehalt von 3 865 276 RegistertonS brutto und 2 349 557 RegistertonS netto betragen hatte.
Die Verteilung auf die einzelnen Größenklassen war bei den drei Schiffsgattungen sehr verschieden. Unter den Segelschiffen waren der Zahl nach die kleineren Fahrzeuge am stärksten vertreten, und zwar die Schiffe von 30 bis unter 50 RegistertonS Bruttoraumgehalt mit 33,3 v. H., die von 50 bis unter 100 Registertons mit 26,7 0. H. und die unter 30 Registertons mit 24,2 v. H. aller Segelschiffe. Tie größte Zahl der Seeleichter (Schleppschiffe) entfiel auf die Größcn- Itasse von 200 bis unter 300 RegistertonS Bruttoraumgehalt mit 27,5 v. H. aller Seeleichter, demnächst auf die ''rößenNassen von 300 bis unter 400 RegistertonS mit 19,3 v. H. und von 100 bis unter 200 RegistertonS mit 16,6 v. H. Bei den Tampfschissen fand eine gleichmäßigere Verteilung auf die einzelnen Größenklassen statt. An erster Stelle standen hier die Schiffe zwischen 100 und 200 Re- gislertons Bruttoraumgehalt mit 12,8 v. H. aller Tantpf- schiffe, dann folgen dte Schiffe von 200 bis unter 300, von 50 bis unter 100, von 800 bis unter 1000, von 2000 bis unter 2500 und von 600 bis unter 800 Registertons (8,8 v. H., 7,5 v. H., 5,7 v. H., 5,0 V. H. und 4,9 v. H.).
Die Versammlung faßte am Schluffe der Debatte folgende Entschließ u n g:
„Tie von 134 Vertretern des Gamvirlsgewerbes bcfuckue Versammlung ist einstimmig der Ansicht, daß die Einführung der neuen Gläserciche für V, Liter abwärts eine große Schädigung des Wirtsgewerbes bedeutet, sie erklärt ausdrücklich, daß bei Der Abwehr dieser Schädigung keine Steigerung Der Bier preise sür Die Konsumenten beabsichtigt wird, sondern cs sollen bei demselben Rauminhalt der seitherigen Gläser zu dem seit- hcrigen Preise neue Gläser mit entsprechender Eiche verwendet werden. Der Rhein Main-Gastwirteverband wird ausgcfordcrt, zu gegebener Zeit bei der Großh Regierung vorstellig zu werden, 'um eine Verlängerung des Einsührungstermins Der neuen Eiche herbeijuiühreu. Ferner soll der Bund Tentschcr Gastwirte
durch den Rhein-Main-Gastmirteverband ersucht werden, bei den Glassabrilen vorstellig zu werden, die Gläser sür das Gast- Wirtsgewerbe bis zum Einführungstermin der neuen Eiche mit Der alten und mit der neuen Eiche zu versehen."
(Eine Kunögebung de; Slotte..Dereins.
Am 16. Oktober veranstalt.te oer Hauptausschus; für Berlin und Die Mark Brandenburg dcS Teutschen Flotten- Vereins für die Ortsgruppen von Berlin unb Umgegend eine große Versammlung in der Brauerei Friedrichshain, die von 4000 Personen besucht war. Ten Vorträgen der Herren Admiral ä la suite des Seeossizierlorns der Marine Büch- sei und des Wirkt. Geheimen Rats Prof. Adolf Wagner wurde lebhafter Beifalt gezollt. Unter der jubelnden Zustimmung der Verfammlnug wurde ein Tele- gramm an den Reichskanzler abgefandt, in dein die dringende Bitte ausgesprochen wurde, den Ausbau der Wehrmacht des Reiches zu Wasser zu beschleunigen und eine etttsprechende Vorlage noch für daS Etatsjahr 1912 den gesetzgebenden Faktoren zuzustellen.
Der italienisch-türkische Krieg.
Der „Messagero" meldet auS Malta: Das Schiff „Eitta di Milano" sei nach Berichten damit beschäftigt, ein neues Kabel zwischen Sizilien und Tripolis zu legen. Man hoffe, daß das Kabel in 8 bis 10 Tagen in Betrieb genommen werden könne, wenn das Meer sich genügend beruhigt habe.
Eine türkische Schifssbeivegung.
London, 17. Lkt. Nach Blättermeldungen aus Gallipoli ist gestern früh eine türkische SchisfSdivi - s i 0 n vom Goldenen Horn mit unbekanntem Ziel abgegangen. _________________________
Der neue veckcrprozetz.
4. Stettin, 17. Okt.
II.
Am heutigen zweiten Verhandlungstag des Prozesses gegen teil Rittergutsbesitzer Becker ist Der Andrang Des Publikums ganz bedeutend.
Nach Erpssnung Der Sitzung wird zunächst die Eingabe des Angeklagten an den preußischen Minister für Handel und Gewerbe verlesen, in Der er sich über die falsche Erhebung von Beiträgen für Die Baugewerl^ Berufsgenosscnschast beschwert. In ter Beschwerde behauptet Der Angeklagte, der Landrat habe seine Macht als politischer Beamter Dazu mißbraucht, um einen mißliebigen Führer einer gegnerischen politischen Richtung wirtschaftlich zu schädigen; Das sei cm echtes Bild ostelbischer Vcr- waltungswirtichaft. Von'.: Es ist richtig. Daß Die Beitrage an Die Berufsgenossenschaft zu Unrecht von Ihnen eingezogen worden. Sie sagen nun immer, Der LanDrat wäre dafür verantwortlich, aber Sie haben nicht zum Ausdruck gebracht, inroi> fern Der Landrat Der Berufsgeiwlsenschaft Anzeige von angeblichen Bauarbeiten Jhrerseiis gemacht haben soll. Wollen Sie Denn Ihre Behauptung aufrecht erhalten? Ter Angeklagte gibt zu, daß er Das heute nicht mehr könne, er habe ficy damals in einem Rechtsirrtum befunden Damals mußte er des Glaubens sein. Daß die umichtigen Behauptungen über die Bauarbeiten von dem Landrat herrnhrten.
Tie Vernehmung des Jlngeliagten ist damit beendet und es wird in Die Beweisaufnahme eingetreten. Tabei wirD Freiherr v. Malt zahn über sein Verhältnis zu Dem Angeklagten vernommen. Der Zeuge bekundet: Als er Becker kennen lernte, tarn ihm dreier persönlich sympatisch vor. Es entstanden Dann die Zwistigkeiten wegen der B-esevung Des Gutsoorsteher- vostens. Tann trat wieder eine Zeitlang Ruhe ein, Becker kümmerte sich nicht um Die Behördm, und Die Behörden kümmerten »ich nicht um ihn. Aus der Tatsache, Daß Becker in einer beruflichen Sache an ihn schrieb, hat der Zeuge entnommen, daß Becker eine Versöhnung anstrebte und hat Daher den Angellagten auf Dem Remontemarki ersucht, ihn zu besuchen. Tas geschah aber nicht, so caß der Landrat bezw. Der Kreisausschuß die Be-


