Landrat.
Landkreis Gießen.
Deutsches Aerch.
Die „Nordb. Allgem. Ztg." schreibt zum 2 5. Regent- schaftsjubiläum des Prinzen Luitpold von Bayern:
Mit 65 Jahren zur Leitung des Bayernlandes berufen, führte der Prinzrcgent mit milder, aber fester Hand die Zügel der Negierung. Von den Tagen, die den Prinzen an der Seite des Königs Wilhelm von Preußen auf blutgetränkter Wahl statt für die Einigung des deutschen Volkes wirken sahen, bis zu der jüngsten Feier zum Gedächtnis der Errichtung des Deutschen Reiches — immer bewährte sich der Prinzregent als treuer Förderer des NeichsgedankenS. Aus warmem Herzen bringen im Verein mit den Söhnen des Bayernlandes die Deutschen aller Stämme dem ehrwürdigen Fürsten aus dem Hause Wittelsbach am morgigen Tage ihre Glückwünsche dar.
Der sozialdemokratische Parteitag soll vom 10. bis 17. September in Iena abgehalten werden.
X Klein-Linden, 9. Juni. Unser Torf prangte bei der Durchreise des Großherzogspaares im Fahnenschmuck. Am Ortseingang nach Großen-Linden zu hatten Schuljungen eine Ehrenpforte errichtet. Um 1/o4 Uhr nahmen die Schulklassen hier Aufstellung und badeten Spalier, indem sie ihre Fahnen und Fähnchen fröhlich im Winde schwenkten. Um Ihr Uhr kam der erste Kraftwagen, in dem Großherzog und Großherzogin saßen. Sichtlich erfreut übe» die Huldigung der Schuljugend winkte das Paar nach beiden Seiten. In mäßigem Tempo fuhr der Wagen durch die Reihen der Kinder. — Tie Einweihung der Ehrentafel für die Kriegsve tera Ken ist auf morgen festgelegt. Um 9 Uhr ist Festgottcsdienst, darnach begibt sich der Kriegerverein zweck Ehrung der verstorbenen Krieger zum Friedhof. Beim Gottesdienst und auf dem Friedhof wirkt der Posaunenchor mit. Nachmittags ist eine allgemeine Gemeindefeier auf der Burg. Die Festrede hält der Bezirksvorsteher des Kriegerbezirks Gießen.
-ck. Lang-Göns, 9. Juni. Die Beteiligung an dem G e s a n g s w e t t st r e i t hier wird allem Anschein nach äußerst zahlreich sein. Allein von Frankfurt treffen um 9,09 Uhr morgens etwa 800 Sänger mit Sondcrzug ein, während von Gießen etwa 350 Mann leilnehmen. Außer den regelmäßigen, natürlich entsprechend verstärkten Zügen fährt, noch ein Sonderzug zur Rückbeförderung der Sänger von Gießen bis Hanau-Ost. Die Abfahrt dieses Zuges erfolgt um 5,42 Uhr nachmittags, die Abfahrt von Lang-GönS 6,12 Uhr abends.
Starkenburg unD Rheinhessen.
d. AiaiNz, 9. Juni. Der Kaiser wird auch dieses Jahr im August aus dem Großen Sande eine Truppenschau abhalten. Wie wir vernehmen, soll der Kaiser am 14. August hierher kommen. — Am 28. Ndärz v. Js. war der 30 jäljrige verheiratete Geschäftsführer der Westdeutschen Holzindustrie hier, Jakob Koch aus Alsfeld, nach Unterschlagung von 8500 Mart flüchtig gegangen. Ter steckbrieflich Verfolgte wurde kürzlich in Italien festgcnommen. Heute wurde er ins hiesige Untersuchungsgefängnis eingeliefert.
Kreis Wetzlar.
--- Krofdorf, 9. Juni. Richt nach Waldböckelheim, sondern nach Meddersheim im Kreise Meisenheim wurde Bürgermeistereisekretär von Bülow von hier zur Verwaltung der Bürgermeisterei berufen.
Hessen-Nassau.
---Weilburg, 9. Juni. Am nächsten Sonntag wird hier ein Kornblumcntag zum Veiten hilfsbedürftiger Veteranen abgehalten. Auswärtigen Besuchern empfiehlt sich der Besuch der Veranstaltiing umsomehr, als vormittags und nachmittags bei freiem Eintritt Konzerte im Schloßgarten stattfinden und den ganzen Tag über in der Orangerie des Schlosses das Panorama „Die Kreuzigung Christi" von Professor Ohlsen besichtigt werden kann.
Ausland.
Carnegie stellte der holländischen Regierung 500000 Gulden zur Gründung eines Fonds für Lebensretter zur Verfügung.
Die Witwe des verstorbenen französischen Ministers Rou- vier hatte den Wunsch ausgesprochen, daß ihr Gatte ein kirchliches Leichenbegängnis erhalte. Ter Pariser Erzbischof weigerte sich jedoch, diesem Wunsche zu entsprechen, weil das Parlament gerade unter der Ministerpräsidentschaft Rouviers das Gesetz über die Trennung der Kirche vom Staate erörtert und angenommen habe.
In der italienischen Kammer wurde am gestrigen Freitag die Besprechung der auswärtigen Politik fortgesetzt. Marquis di San Guiliano betonte, Italiens Politik habe ebenso wie die der anderen Großmächte die Integrität des ottomanischen Reiches zur Grundlage. Er fuhr fcM: Ich erhoffe, gute Früchte von den bevorstehenden Besprechungen mit dem o t t o m a n i s ch e n M i n i st e r des Aeußern, der uns mitgeteilt hat, daß er den türkischen Thronfolger bei seinem Besuch beim König am 2. Juli wahrscheinlich begleiten werde.
Die griechische Kammer genehmigte die Ausgabe einer Anleihe von 110 Millionen Drachmen.
Die Suche nach dem versteck der entführten Ingenieurs Richter.
Saloniki, 9. Juni. Eine sieben Mann starke Gendarm c r i c a b t e i l u n g , die auf der Suche nach dem entführten Ingenieur Richter mit dem Abstreifen der Umgebung des Klosters Palmosa beschäftigt war, stieß man auf dre i Hirten, als plötzlich eine vierte bewaffnete Gestalt aüftauchte. Da dieser Verdächtige fliehen wollte, schossen die Gendarmen ihn nieder. Der Tode wurde als ein Mitglied der Bande fest gestellt, die Richter entführt haben. Die Gendarmen arretierten die drei Hirten. Bei ihrem Verhör in dem Kloster im Beisein der Mönche ergab sich, daß auch Mönche an der E n t f ü h r u n g b e t e i l i g t sind. In einigen Tagen hofft man, das Versteck Richters ausgekundschaftet zu haben.
unseren Dozenten. Ta war der berühmte Pädagoge Curl- mann, der tüchtige, wenn auch etwas bequeme Mustk- professor Thurn, der treffliche Historiker und Geograph Roth, der dicke, redegewandte und witzige Wahl, die Hilfslehrer F- e l s i n g und L a n g. Als Religionsprosefsoreu leuchteten Schwabe und Tiegel hervor. Wer es ernst nahm, konnte schöne Kenntnisse sammeln. Tie Schüler dieser Männer fühlen heute noch, nach mehr als 50 Jahren, welche treffliche Grundlage sie für ihren Berus mit hinaus ins praktische Leben nahmen.
Auch an den alten Seminardiener Weiß erinnerten wir uns gerne. Er war ein Original und konnte reichlich grob werden. „Ist cs wahr, daß Sie sich mit Ihrer Trommel hinter einen Hollerbusch versteckten, als die Burg vor mehr als fünfzig Jahren erstürmt werden sollte?" fragte ein unvorsichtiger Fuchs. „Eich hag' Ihne inei' Gaißkann' off de Kopp, daß Säi de Himmel sor c Baßgei' ansehe'." rief der Alte grimmig. Da machte sich das Füchslein aus den Reisern und der. Alte schmunzelte, als ihm ein blanker Sechser als Beschwichtigungsmittel überreicht wurde.
Der Wirtshausbesuch war untersagt. Trotzdem tranken wir bei Burk, gegenüber der Stadttirche, zuweilen einen Schoppen (damals noch ein halbes Liter!) delikaten Bieres für drei Kreuzer. Ein kleines Nebenzimmer — euphemistisch Ltidlamshöhle benamset — gab etwas Sicherheit. Aber Seminarlchrer Wahl gedachte uns auszuheben. Wir schlüpften, rechtzeitig gewarnt, hinten hinaus und über' die Entcngasse ging es durch ein enges, etwa einen Meter breites Gäßchen auf die breite Straße, die jetzt den stolzen- Namen „Kaiserstraße" führt. Wahl folgte uns durch das hohle Gäßchen. Bei seinem seltenen Umfang — 140 Zentimeter Taillenweite — ging es langsam vorwärts. Ueber- dies verfing sich sein Paletot in einem aus der Wand hervorstehenden Nagel. Bis sich der wohlbeleibte Herr los gemacht hatte, waren wir längst in der Burg und vom Zwinger aus in das Schlafhaus gekommen. — Zwanzig Jahre später erzählte der Schreiber dieses den Vorfall seinem Freunde Wahl, mit dem er gemütlich im „Hotel Trapp" zusammen saß: er erinnerte sich noch daran und fügte hinzu, daß ihn der tückische Nagel noch lange geärgert habe.
Ein tüchtiger Violinist war Musiklehrer Felsing: er verzog das Gesicht, wenn falsche Töne herauskamen. Tann rief er: Greifen Sie fis. Der Geiger griff dann erst recht falsch und es gab eine „wundersame Melodei". Späte: exekutierten wir Quartette miteinander, wobei wir uni | an die Seminarzeit erinnerten- — Nun sind sie alle zur i großen Armee abgegangen und wir machen uns bereit 1 dazu. Aber ein gutes Andenken haben wir ihnen bewahr:. : Hequiescant in pacel _ ;
Gcrichtssaal.
Hamburg, 9. Juni. Das Urteil im Margarineprozeß, das nach zweitägiger Verhandlung heute verkünd:: wurde,, lautete gegen den Angeklagten I. H. Mohr weget fahrlässiger Körperverletzung in Verbindung mit fahrlästigcc Nahrungsmittelfälschung aus 7 0 0 Mark Geldstrafe beirr. 70 Tage Gefängnis.
Trier, 9. Juni. Der wegen Mordes zum Tode verurteilte Rennfahrer Breuer wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt.
Tagen hat n. a. die Chemische Fabrik, Aktien-Geselljchast, vorm. Moritz Milch & Co., Posen, 10 000 Mark gestiftet. Den gleichen Betrag gaben die Drahtseilbahnfabrik Adolf Bleichert & Co., Leipzig, und die Clchoriensabrit Heinrich Franck Söhne, Ludwigsburg.
** Ausflug der Bahnbeamten und -Arbeiter. Ain 18. und 25. d. M. maryt der hiesige Allgemeine Staats- Eifenbahn-Verein seine Jahresansflüge in je 2 Sonderzügen nach Limburg a. d. Lahn. Beabsichtigt ist n. a. die Besichtigung des hvchbedeutenden Domschatzes dort. Die Abfahrt der Züge von hier erfolgt an beiden Tagen nm 12,54 und 1 Uhr mittags, die Rückkunft abends um 9,28 und 9,51 Uhr.
** Vermißt. Tie 80jährige Katharine Hartmann hat sich am 8. l. Mts. ans ihrer Wohnung entfernt und wird seitdem vermißt. Ta sie sich mit Selbstmordgedanken trug, ist die Möglichkeit vorhanden, daß sie den Tod in der Lahn gesucht und gefunden hat.
•• Fahrrad marder. Aus dem Hofe einer Wirtschaft in der Neustadt wurde am 8. l. Mts. ein Fahrrad, Marke „Gritzner", mit der Fabriknuuuncr 180 816 und der Polizeinummer G. 1593 gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt.
** E i n Großherzogsbesuch im Iah re 18 3 0. Heber die Vorbereitungen zum Besuche des Großherzogspaares in der Provinz Oberhessen im Jahre 1830 gibt uns ein vorliegendes Aktenstück genaue Auskunft. Tex Hessische Landrat des Bezirks Gießen richtet an die bei der Reise in Betracht kommenden Gemeinden folgendes Ausschreiben: „Es wird der hiesigen Provinz das hohe Glück zuteil werden, unser hochverehrtes Fürstenpaar, dm Großherzog und die Großherzogin in ihrer Mitte zu sehen. Den 6. Juli werden die Allerhöchsten Herrschaften von Butzbach her nach Gießen kommen. Es wird nur diese Nachricht bedürfen, um amtliche getreuen Untertanen mit der größten Freude zu erfüllen und die Gefühle der Liebe und Verehrung bei der Ankunft des Regentenpaares auf angemessene Weise an den Tag zu legen. Man ist unterrichtet, daß den Gemeinden große Kosten verursachende Empfangsfeierlichkeiten nicht gewünscht werden; dagegen wird es angemessen fein, daß am Ein- und Ausgang der Ortschaften, die an der Chaussee liegen, Ehrenpforten mit Laubwerk und Blumen errichtet werden. Die ganze männliche Bevölkerung hat in der üblichen Tracht, in ganz reinem weißen Kittel zu erscheinen, die in Urlaub befindlichen Soldaten in Militärkleidung, also völlig ordnungsmäßig in Rock, Czako, Säbel, blauen Hosen und schwarzen Gamaschen, überhaupt in größter Propretät. Wenn bei dem Schmuck der Häuser Bänder verwendet werden, so müssen sie in den hessischen Farben rot und weiß sein. Tas Streuen von Blumen durch Mäbchen dürste angemessen sein und ein allgemeines herzliches Vivatrusen .wird ohne alle Bemerkung von selbst stattsinden. Tagegen ist das Schießen mit Böllern und Gewehren schlechterdings untersagt. Die Herren Ortsgeistlichen und die in der Gemeinde wohnenden Staatsdiener, die Bürgermeister und Ortsvorstünde werden sich bei den Ehrenpforten aufstellen, sowie die Schullehrer mit der gesamten Schuljugend. Bei der Ankunft des Großherzogspaares wird mit allen Glocken geläutet, lange Anreden sollen nicht gehalten werden, aber zur Ausbringung eines herzlichen Vivathoches wird die Untertanen ihr Gefühl treiben. Gießen, 30. Juni 1830. Ouvrier,
Vermischte».
* Ein Dampfer untergegangen. Auf dem 51 inuc ist der Dampfer Murawjew verbrannt. Die Ursache ins Brandes konnte bisher nicht ermittelt werden. Als da» ausbrach, wurde der Dampfer, der viele koreanische: Arveuca
imr.icj noch 23 Proz., die 1833er sogar noch 33 Pcoz. am Leben. Die beiden letzten Jqhrc rissen starke Lücken.
Am 3. Pfingstseiertage feierten wir noch einmal einen Familientag in Homburg v .d. H. Freund Baer, ei:_ Hessen-Homburger, hatte als Festleiter sür Leibesnahrung und Notdurft und für ein hübsches Lokal gesorgt. Die .Präsenzliste wurde ausgestellt. „Meine lieben Freunde!" erklärte der Schriftführer, „wer kann wissen, ob wir nicht den letzten Appell vor beut Abmarsch zur großen Armee abhalteu, denn 100—106 Semester Dienst in Erziehung und Unterricht der Jugend, erschöpfen die Kräfte und erinnern daran, sein Haus zu bestelleu." — Eine ernste Stimmung trat ein, doch nur für kurze Zeit. Schnell kam wieder eine muntere Unterhaltung in Fluß. Mein Nachbar aber, ein Mann mit schneeweißem Barte, aber munter blickenden Augen sprach: „fcerr! wie du willst, nur feine Eile nicht!
9hm begann' der Aufruf! Von 1858er Abiturienten, — und noch fünfzig Jahre bin ich bereit, mitzumachen, wenn es nicht schlechter geht wie heute."
50 an der Zahl, leben immer noch 12, also rund 25 Proz., davon waren 5 beim Appell erschienen.
Von den 47 Abiturienten des Jahres 1859 leben noch 15, folglich 32 Proz. (eine stattliche Anzahl!), von der neun Vertreter anweseno waren.
Der Jahrgang 1860 hatte 51 Mitglieder, die Anzahl der Lebenden konnte nicht festgestellt werden; erschienen waren 2.
Nicht alle waren dem Lehrerberufe treu geblieben. Aus der Klasse von 1858 wurde einer Theologe. Die 1859er zeigten mehr Abwechslung: einer wurde ein berühmter Arzt in Neuyork; ein anderer wandte sich der Kameral- und Finanzwissenschaft zu; ein Dritter wurde Veterinärmediziner unb ein Vierter würbe Spezialist im Reckmungs- unb Kassewesen. — Von ben 1860ern ist zu melden, baß einer von benen, ben bie Preußen 1866 mit bem hessischen Hinterlanbe eroberten, ein tüchtiger Postbeamter würbe, ber seine Ruhejahre in Oberhessen verbringt unb sich gerne an seine Jugenbfreunbe erinnert, wie ber Kameraliste.
Interessant ist, welche Berufsarten bie Söhne ber Lehrer ergriffen ober zu ergreifen pflegen. Auf bem Lande galt unb gilt noch heute ber Pfarrer als ber erste Mann im Dorfe. Darauf folgt ber Doktor (ber Arzt), bann ber Lehrer. Die Lehrerssöhne stubieren deshalb entweder Theo- logie ober Mebizin ober Philologie (Mathematik u. bgl.h b. h. sie werben Oberlehrer bezw. Professor?
Noch ein kurzer Rückblick auf bie Seminarzeit möge gestattet sein. Die Jahre 1857—1859 brachten eine gewaltige Hitze — beshalb auch treffliche Weine. Wir Seminaristen verspürten nichts baüoit. Wohl aber verspürten wir eine ungeheuere Vermehrung ber cimex lectularius, bie wahrscheinlich auch ben hartnäckigen Pharao in Aegypten plagen halsen, wie in 2. Mos. 8. 1—29 zu lesen ist. Wir mußten schließlich bas Felb, b. h. bas Seminar räumen, benn es brach auch noch eine typhusartige Krankheit aus, an ber in kurzer Zeit fünfzig unb mehr Prozent ber Zöglinge erkrankten. Der Unterricht würbe geschlossen, wir eilten nach Hause. Erst Anfang Oktober, als ber gewaltige Donatischc Komet in seiner ganzen Pracht unb Schönheit am Himmel staub unb bie halbe Menschheit erschreckte — also baß sich manche junge Brautpaare schleunigst trauen ließen, bamii sie vor Weltuntergang noch glückliche Eheleute werben könnten — begann ber Unterricht iöieber.
Ein bankbares Anbeuten bewahren wir bis zur Stunde
(06 Semester!
Eine Lehrerzusammenkunft.
Von geschätzter Seite wirb uns geschrieben:
Den wenigsten Sterblichen ist es beschieben, hunbert Semester aus dem Posten zu stehen, ben fie fiaj tn ber Juqenb gewünscht, burch fleißige Arbeit erreicht unb durch tüchtige Wirksamkeit ausgefültt haben. Der Lehrerberuf ist anftrengenb unb verantwortungsvoll. Das bedarf fernes Beweises. Wer ein halbes Jahryundert bar in tätig war, hat Anspruch aus Ruhe unb Aperkennung, stnd die Klassen, bie in ben Jahren 1856/58, 18d</o9 unb I808/6O ihre Bevufsbilbung auf bem Lehrerseminar tu Friedberg erhielten unb sich bis ins hohe Greisenalter eine oauernde Freunbschaft bewahrten, selbst bic mit eingeschlossen, die sich anderen Berufsarten zuwandten.
Seit einem VierteUahrhunbert pflegen diese Seminar- klassen eine Art „Familientag" abzuhalten. Anfangs geschah es alle fünf Jahre; als aber das „goldene Jubiläum" immen näher ruckte, geschah es häufiger. Nun begannen auch die sog. „Windfälle" stärker aufzutreten. Nach 30 Jahren waren die Reihen schon bedeutend gelichtet. Rach 40 Jahren war weit über bie Hälfte ins bessere Jenseits gegangen. Als bas goldene Jubiläum gefeiert wurde, hatten die 18o8er
-ukarkorps auf die Einladung des spanischen Konsuls zu einer Besprechung zusammen. Der Kreuzer „Carlos" wird mit Truppen erwarict. Eine Abteilung der spanischen Polizcimann- schaften marschiert heute nacht nach El Ksar ab.
Ans Staöt mio Land.
Gießen, 10. Juni 1911.
Die Ankunft des Grotzherzogspaares.
in Gießen erfolgte gestern nachmittag gegen 4i/2 Uhr. Die Herrschaften tarnen, wie angekundigt, im Automobil, während in zwei weiteren Autos das Gefolge anfant Besondere Empfangsfeierlichkeiten fanden auf Wunsch des Großherzo^s nicht statt. Das überaus zahlreiche Publikum, das sich auf dem Brandplatz eingefunben hatte, empfing bas Großherzogspaar mit lebhaften Hochrufen, wofür beibe sreunb- lich dankten. Alsbald nach feiner Ankunft machte bas Fürstenpaar einen Spaziergang im Botanischen Garten. Die schaulustige Menge, bic baS Schloß bis in bie späte Abeub- [tunbe umlagerte, hatte noch ben Genuß eines militärischen Schauspieles, da kurz nach ber Ankunft bes Großherzogspaares eine Kompagnie unter fHngenbent Spiel bie Fahnen unseres Regiments nach bem alten Schloß verbrachte, wo sie bis zur Abreise bes Fürstenpaares bleiben.
Die Prinzen Georg unb Lubwig verleben bie Zeit bes hiesigen Aufenthaltes unb ber sich anschließenben Englaubreise ihrer fürstlichcti Eltern in Kiel, wohin sie gestern gebracht würben.
Seine Königliche Hoheit ber Großherzog nahmen heute vormittag int Schloß bie Melbung bes Provinzial- birektors Dr. U sing er entgegen.
*
•• Im Schwurgericht für da? 2. Vierteljahr 1911 werden folgende Fälle zur Verhandlung kommen: Montag, 12. Juni, vormittags 9Uhr, gegen Marie Gottwald ans Metzingen wegen Meineides; die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Brill, Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Spohr. Dienstag, 13. Juni, vormittags 9 Uhr, gegen Jakob Weitzel aus Brcitenborn und Richard Scheerer auL Pirmasens wegen Totschlagsversuchs usw.; die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Hofniann, Verteidiger die Rechtsanwälte Engisch und Fischer. Mittwoch, 14. Juni, vormittags 9 Uhr, gegen Paul Becker aus Dierdorf wegen Brandstiftung; die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Hofmann, Verteidiger Rechtsanwalt Peters.
** Fach Prüfung der Finanzamtsgehilfen. Die schriftliche Prüfung für die Finanzamtsgehilsen wird am 4. September 1911 und den folgenden Tagen zu Darmstadt abgehalten werden. Gesuche um Zulassung zu der Prüfung sind unter Verwendung des Eingabciiempels uon 1,50 Mark bei ber Prüfungskommission für Finanzamtsgehilfen bis spätestens zum 22. Juli 1. Js. einschließlich einzureichen. Dem Gesuche sinb beizuschließen: 1. eine Darlegung der persönlichen Verhältnisse und des Lebenslaufs des Gesuchstellers; 2. der Nachweis der Reichsangehürig- i'eit; 3. ein Leumundzeugnis der zuständigen Polizeibehörde; 4. der 9lachweis darüber, daß der Gesuchsteller den vorgeschriebcnen Vorbereitungsdienst bestanden hat. Nach Zulassung zur Prüfung, jedoch spätestens 3 Tage vor dem Beginn, hat der Kandidat durch Vorlage der von einer der Bezirkskassen ausgestellten Quittung den Nachweis zu erbringen, daß er bic in der Verordnung vorgeschriebene Prüfungsgebühr von 10 Mark entrichtet hat.
In d en Ruhest and versetzt wurde der Gefangeu- aufseher am Landcszuchthaus Marienschloß Hch. Wendel auf sein Nachsuehen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit.
•* Der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns- Erholungsheime, die ihr erstes Heim in Hessen errichten will, gehen fortgesetzt größere Stiftungen zu. In den letzten


