hatte seinen Sitz' in der Hauptstadt Lome. Etwa fünfzig Kilometer von Lome entfernt liegt Aneho, wo Regierungsarzt Dr. Günther feinen Sitz hatte. Zwischen den beiden Aerzten herrschte keineswegs Harmonie. Der Angeklagte empfand eine unüberwindliche Abneigung gegen Dr. G. und er mied diesen, wo er es nur konnte. Diese Antipathie bestand nach den Bekundungen des Dr. S. auch bei vielen anbcren höheren Beamten und Offizieren. Fast ein.Jahr hindurch währte dieses gespannte Verhältnis, bis es schließlich in Lome zu einer erregten Szene zwischen beiden Aerzten kam. Man hatte in der Hauptstadt von Togo ein neues Hotel eingeweiht, wobei auch Dr. G. zugegen war. Am folgenden Tage fanden sich die Offiziere und höheren Beamten in dem neuen Hotel ein, um zum ersten Male dort zu speisen. Much der Angeklagte und Dr. G. waren anwesend. An dem Tisch, an dem der Angeklagte saß, hatte man einen Stuhl für Major v. Döring reserviert, so daß für Dr. G. kein Platz mehr blieb. Man wollte ihn offenbar nicht am Tisch haben. Anstandshalber lud aber Major v. Döring Dr. G. ein, mit am Tisch Platz zu nehmen. Der Angeklagte mied ihn offensichtlich, und als er später den Major zu einem Glase Sekt einlud, tat dies auch Dr. G. Der Major hatte zwei Sektgläser vor sich stehen, so daß er gezwungen war, mit beiden Aerzten zu trinken. Bei einem Gespräch ließ der Angeklagte inbezug auf seinen verhaßten Kollegen eine Aeußerung fallen, wonach er dem letzteren den Rat gab, mit dem nächsten Zuge wieder nach Aneho zurückzufahren. Im Billardzimmer kam es dann zwischen den beiden Aerzten zu Tätlichkeiten. Der Angeklagte hatte in der Absicht, die Gegenwart des Dr. G. loszuwerden, das Eßzimmer verlassen und war nach dem Billardraum gegangen. Dr. G. folgte ihm dorthin und versuchte mit dem Kollegen ein Gespräch anzufangen. Der .Angeklagte wies ihn aber in schroffen Worten zurück und meinte, er sei für Dr. G. nur dienstlich, nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, in seiner Wohnung zu sprechen. Hierüber geriet Dr. G. in eine solche Erregung, daß er dem Angeklagten, der gerade ein Billardqueue in der Hand hielt, eine schallende Ohrfeige versetzte. Hierauf ging der dlngeklagte auf Dr. G. los und erwiderte die Tätlichkeit ebenfalls durch eine Ohrfeige. Zwei anwesende Regierungsassessoren sprangen hinzu und trennten die beiden Gegner. Die Folge dieses Vorganges war dann die Herausforderung zum Zweikampf. Es fand jedoch kein Pistolenduell statt, sondern ein schwerer Säbelzweikampf. Interessant waren die Bekundungen, die der Angeklagte auf Befragen des Verhandlungsführers, warum die Forderung nicht auf Pistolen gelautet habe, machte. Er erklärte, man habe aus politischen Gründen kein Pistolenduell geduldet. Er müsse zugeben, daß ein Pistolenduell geplant war, doch man wollte den Eingeborenen nicht Gelegenheit geben, mitanzusehen, wie sich Europäer mit der Waffe entgegentreten. Das Duell fand erst später in Deutschland statt. Die Bedingungen lauteten auf schwere Säbel ohne Binden und Bandagen. Zwanzia Minuten standen sich die Gegner gegenüber, bis dem Zweikampf ein Ende bereitet wurde. Beide Duellanten wurden verletzt Ein Arzt war sonst nicht zugegen und der Angeklagte gab an daß aus diesem Grunde starke Blutungen hätten Lebensgefahr Hervorrufen können. Der Vertreter der Anklage, Gerichtsaisesscn Dr. Zielte, hob hervor, daß das Duell hauptsächlich durch das Bei halten des Angeklagten provoziert worden sei. Er beantragt vier Monate Festungshaft. 1 Das Gericht erkannte auf drei Mo nate Festungshaft. Dr. Skordski betonte zum Schluß noch, c sei mit der Urteilsbegründung, in der er ebenfalls als Provokateur hingestellt wurde, nicht zufrieden. Er habe nicht provoziert uni bitte um Einreichung eines Gnadengesuches. Das Gericht wir! dem Wunsch des Angeklagten auch stattgeben.
Landwirtschaft.
Neustadt a. d. H., 31. Aug. In der Zuversicht auf ein. hervorragende Qualität des 1911er Jahrganges hat der Ausschuß des Verbandes rheinpsälzischer Weinhändler m Neustadt beschlossen, darauf hinzuwirken, daß die Regierung für dieses Jahr jede Zuckerung der Pfalzweine unter- sagt. Der Termin der Weinlese soll ko wett htnausgeschoben werden, daß die Vorbedingungen einer Vollreife erfüllt werden, wie es dem Sinne des neuen Weingesetzes entspricht.
Vermischter.
* Statt st isches von der Reise um die Welt in 40 Tagen. Einige interessante Einzelheiten von der jüngsten Reise um die Welt in 40 Tagen, mit der der Pariser Journalist
Jäger-Schmidt einen neuen Rekord ausgestellt hat, werden in Pariser Blättern veröffentlicht. Der eilige Reisende hat genau 39 Tage 19 Stunden 43 Minuten und 37*/s Sekunden für seine Erdumkreisung gebraucht. In dieser Zeit hat er 63 Stunden lang gerastet und rund 31 000 Km. zurückgelegt. Die Gesamlkoslen dieser hastigen Weltreise bezifferten sich auf genau 4840 Mk., und zwar kostete die Fahrkarte Paris—Paris rings um die Erde 2300 Pik., für Lebensmittel und Trinkgelder hat Jäger-Schmidt 2400 Mk. aus- gegeben, und die besonderen Ausgaben werden mit 140 Alk berechnet. Während der ganzen Weltreise Hal der Journalist nur viermal in einem Hotel gesci,lasen, und zwar in Potohama, Vaneouver, in Motttreal und in Neuyork. Ten längsten Auieuthall Haiti er in Yokohama, wo er abends um 8 Uhr cmtraf und erst um tue Mittagszeit des folgenden Tages Weiterreisen konnte. Tie größte Reisegeschwindigkeit wurde aus der Strecke Montreal- Neuyork erzielt. Tie kürzeste Zeit für eine Weltreise konnten vorher zwei junge Ainerlkaner, W. Brown und I. Munnick aus Neuyork, ausiveisen, die ihre Weltreise im Jahre 19u9 aussübrten und insgesamt 41 Tage 12 Stunden brauchten, also anderthalb Tage mehr als dieser jüngste Rekord.
* Der Segen des Phonographen. „Das machen S' denn da, Frau Nachbarn!" — „Ich tu jetzt meinen Mann a mal ins Phonograph einschnarchen lassen, damit er auch einmal zu hören bekommt, wie's tut!"
Handel.
= Postscheckverkehr. Die günstigen Erfolge, die mit dem Beitritt des Berliner Postscheckamts zur Abrechnunystelle der Reichsbank gemacht worden sind (int Monat Juli sind rund 14 000 Postschecks im Gesamtbeträge von über Milliarde Mark durch die Abrechnungstelle in Berlin verrechnet worden), haben dahin geführt, daß vom 1. September ab auch die Postscheckämter tn Breslau, Köln, Frankfurt a. M. und Leipzig den in diesen Städten bestehenden Abrechnungstellen der Reichsbank als Mitglieder beitreten. Im Abrechnungsverfahren werden insbesondere die Postschecks ausgeglichen, die einer zur Abrechnungstelle gehörenden Bank zur Einziehung übergeben worden sind. Die durch die Abrechnungstellen auszuglcichenden Postschecks dürfen über höhere Beträge als 10 000 Mark lauten.
** Billige Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika (10 Pf. für je 20 g) können in der nächsten Zeit mit den folgenden Schiffen befördert werden: ..George Washington" ab Bremen 2. September, „Kronprinzessin Cecilie", ab Bremen 5. Sept., „Cincinnati", ab Hamburg 7. Sept., .Kaiser Wilhelm der Große", ab Bremen 12. Sept., „Kaiserin Auguste Viktoria", ab Hamburg 14. Sept., „Prinz Friedrich Wilhelm", ab Bremen 16. Sept., „Kaiser Wilhelm II.", ab Bremen 19. Sept., „Viktoria Suite", ab Hamburg 23. Sept., „Kronprinz Wilhelm", ab. Bremen 26. Sept., „Amerika", ab Hamburg 28. Sept., „George Washington", ab Bremen 30 Sept. (Postschluß iach Ankunft der Frühzüge). Alle diese Schiffe außer „Cin- innati" sind Schnelldampfer ober solche, die für eine bestimmte 3eit vor dem Abgang die schnellste Besöederungsaelegcnhcit bieten, ks empfiehlt sich, die Briefe mit einem Leitvermerk to.e , d rektcr Weg" oder „über Bremen ober Hamburg" zu vergehen. Die Porto- rmäßigung erstteckt sich nur auf Briefe, nicht auch auf Postkarten, Drucksachen usw. unb gilt nur für Briefe nach ben Vereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten Amerikas, ;. ,B. Kanada.
Essen (Ruhr), 31. Aug. Gegenüber anderes lautenden Zlättermeldungen wird vom Essener Roheisenverband nitgeteilt, daß die Verhandlungen wegen Beitritts derloth- ingisch-luxemburgischcn Werke zu dem Roheisen- Syndikat tatsächlich gescheitert sind. Ob die Verhand- ungen nochmals ausgenommen werden, erscheine zweifelhaft. Gleichzeitig wurde auf die heutige Sitzung des Stahlwerkverbandes hingewiesen, in der dieselben Verhandlungsteilnehmer vertreten, sind, die vielleicht neue Verhandlungen anregen würden.
Düsseldorf, 31. Aug. In der heutigen Hauptversammlung des Stahlwerksverbandes wurde über die Geschäftslage folgendes mitgeteilt: In Halbzeug verlief das Jnlandsgeschäft weiterhin zufriedenstellend und der Abruf hält sich infolge guter Beschäftigung der Verbraucher in dem bisherigen Umfange. Der Verkauf für das letzte Vierteljahr des Jahres wurde heute zu den bisherigen Preisen und Bedingungen freigegeben. Die neulich gemeldete festere Lage des Auslandsmarktes hat sich aufrecht erhalten bei steigenden Preisen. Der .Absatz war gut trotz der Beeinträchtigung, die er durch die Aus
stände der Seeleute, Hafenarbeiter und Eisenbahnangestellten in Großbritannien erfahren mußte. In schwerem Oberbau- b e b a r f haben nun auch die württembergischen Staatsbahnen ihren Jahresbedarf aufgegeben, der das Vorjahr wieder etwas übertrifft Das Auslandsgeschäft in schweren Schienen lag nach wie vor gut und brachte eine weitere Anzahl größerer Abschlüsse herein. In Rillen- und Grubenschienen war der Abruf befriedigend. Der Eingang von neuen Aufträgen verlief etwas ruhiger. In Formeisen (Inland) ist der Austtagseingang und besonders der Abruf rege geblieben und stärker als in der gleichen Vorjahrszeit. Die Frc^abe des Verkaufs für das letzte Vierteljahr zu den seitherigen Preisen und Bedingungen wurde beute beschlossen. Das Auslandsgeschäft verlief in den meisten Ländern befriedigend und der Eingang von Spezifikationen war recht rege; in Großbritannien blieb allerdings wählend der dortigen Ausstandsunruhen der Abruf fast ganz aus, jedoch besteht die Hoffnung auf ein günstiges Herbstgeschäft. Die nächste Hauptversammlung ist auf den 30. September anberaumt.
Airchliche Nachrichten.
Evangelische wemeinöe.
Sonntag, den 3 September, >2. nach Trinitatis. Kollekte für die Kaiser-Wilhelm-Ltutung für deutsche Invaliden.
Gottesdienst.
3n der Stadttirche.
Vormittags 8 Uhr: Piarrer Schwabe.
Ebrisleulehre <ür die Neukonsirnnerten aus der Markus» gemeinde.
Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer D Schlosser.
3n der Lohanneslirche.
Vormittags 8 Uhr: Piarrer A u s < e l d.
Christenlehre für die Neulonsirmierten aus der Johannes» gemeinde.
Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Bechtolsheimsr.
katholische Gemeinde.
®ottc$öien|t
SamStag, den 2. September 1911:
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur Heist Beicht
Sonntag, ben 3. Seot, 13. Sonntag nach Pfingsten. Fest der heil. Schutzengel.
Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur Hst Beicht
, um 7 Uhr: Die erste helst Messe.
, um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.
, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
, um 11 Uhr: Heist Messe mit Predigst
Nachmittags um 2 Uhr: Andacht mit Segen.
Israelitische Keiigionsgeincinöt.
(Bottesouiut m öer S^nnaoat Süd-Anlaqe-, SamStag, den 2. September 1911:
Vorabend: 6.45 Uhr.
Morgens: 8.30 Uhr.
Nachmittags: 4.00 Uhr
Sabbatausgang: 7.55 Uhr.
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