Jahrgang
Zwettes Blatt
M. 101
Erschein! täglich mit Ausnahme deS EonntagS.
er auch
an.
und zur Durchführung zu bringen.
Tie Erkenntnis, daß unsere Var,obren in der Gründung des landwirtschaftlichen Vereins segenbringyrdcS iür die Landwirtschaft der Provinz geschaffen, daß sie opsei willig durch eine Innnr Neide hon 3abreit die Hessische Landwirt,chatt gefordert
Tte „Gietzener ZamiUendlätter" werden dein .Anzeiger' Viermal wöchentlich beigelegt, daS „Krtisbloii für Öen Kreis Giefoen" zweimal »»chentlich. Die „randwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: odnti* strafe« 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:E-GD 112. Tel.-Adr.: AnzeigerSiehen.
Schiller.
Was ivill die Tro m m e l, gebet acht.
Dir io o l l e n fein ein einig Volk von Brüdern.
Was kümmert uns der Hut.
Es führt kein anderer Weg nach Rüfen ad).
Schönherr.
Ich hör von der Weiten was trommel n.
Will dir Bruder sagen.
Rott rückt ehrfürchtig den Hut.
Die Landstraß ist grob geschobert.
Montag, Mai Wt
Rotationsdruck »md Verlag der Br üblichen UniverütatS-Dnch- und Stein drucke rei.
R. Lange, Gießen.
Berta v. Bruneck wieder. ,,
Tie Parallclstellcn, die P. Wonne m gar großer Zahl annchrl, lind io zwingend, Ckif man sagen möchte, Lchönherr hat das ganze Schillei'che Stück einfach abgeschrieben. Wir führen nur einige der markantesten Stellen
ttrankeniajsen-Nongreh.
Berlin, 30. April.
Eine ganze Reihe von Organisationen der deutscktzii Kranken - lassen bezw. ihrer Angestellten haben hier in Berlin Verlamm- hingen abgehalten, in der Hauptsache, um zu der o-aniing der Reichsversicherungsordnung Stellung zu nehmen. 3m roert* schastshause am Engelufer tagten die freien H i l s s l a, 1 enj Deutschlands. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der gesagt wird, bafe auch durch die Fassung, die die R.V. O. im Ausschuß erhalten, die ersprießliche Tätigleit in keiner 'Seife gewürdigt werde, welche die Hilfskassen bisher entfaltet haben.. Der Kongreß erwarte, daß der Reichstag den Interessen der Hilfslassen, die als historische Tröger der Krankeiw-rsicherumg unbestritten Großes geleistet hätten, in weitestem ')J*aBc aechirung trägt und nicht Besrirnnrungen seine Zustimmung gibt, welche die'brutale Dernichtting der Hilsstaisen als Ersaplassen zur Folge haben. In einer weiteren Entschließung wandte iid, der Kongreß gegen den Gesetzentwnrs betreffend die Aushebung des Hilfskasfen- gesetzes
Im Savoy-Hotel tagte der Verband zur Wahrung der Interessen der deutschm Betriebskrankenkassen unter demj Vorsitz von Iustizrat Wandel (Essen). Zur Reim:wersicherung4- ordnung wurde ebenfalls in einer Entschließung Stellung genommen, die u. a. besagt: „Es wird mit aller Entschiedenheit! gefordert, daß die Betriebskrankenkassen wie ^-bisher nnc gleichberechtigte -Organisationsform der Krankenversicherung bleiben und daß die für sie geltende Mindestzahl der Versicherten von 50 nicht erhöht wird. Vollkommen unannehmbar ist die Festsetzung, daß Betriebskrankenkassen nur zugelassen werden sollen, solange sie die allgemeinen Orts- und Landtranlenkassen nicht „gefährdens Tie Gefährdungsbestimmung würde eine Ouelle ständiger Beunruhigung und Agitation bilden " Die Entschließung erklärt schließlich: Sollte nickt eine Aenderung erzielt werden, welche den ungeschmälerten Fortbestand der Betriebskrankenkassen sichert, so ist die gesamte Neuregelung der Versicherungsgesctzgebung für den 93erbaut) unannehmbar.
Ferner tagte in der „Neuen Welt" der Krankenkassen^ beamtentag, um Widerspruch gegen das Einführungsgesetz zur Reichsversicherungsordnung zu erheben. In einer Entschließung gab der 2. Krankenkassentag seiner Empörung Ausdruck über die Art, wie in der Reichsversicherungsordnung die dlngestellten üollen* bet er aufsichtsbehördlicher Willkür pr eisgegeben und nnc durch das Einführungsgesetz zur R. V. O. ihre wohlerworbenen Recht« brutal kassiert werden sollen."
Schließlich tagte noch ebenfalls in der „Neuen Welt" der
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefien
„Glaube und Heimat", ein Plagiat nach Schiller; „Wilhelm Tell"?
Das Berliner Tageblatt veröffentlicht eine köstliche Ironie auf die ebenso gesuchten als einfältigen Plagiatsbeschuldigungen, die ein P L i e'b e in Augsburg und P. Expedttus Schmidt utBerlin gegen Schönherr erhoben haben. Tie Abhängigkeit des Dramas „Glaube und Heimat" von Schillers Tell ift mit betreiben Geistes- schärfe und derselben Logik bewiesen: .
Jetzt scheint es dem schönen lücrrn Schonherr ernsthaft an den Kragen gehen zu sollen. In dem „Intelligenzblatt für L.uaken- bausen und Umgegend" veröffentlicht der: Literatzrrforscher P. Wonne einen längeren Artikel, in dem er darlegt, datz 5t,1!„
so ziemlich wörtlich von dem belannten Drama, „Wilhelm Teil von Schiller abgeschrieben ist. Und man mutz lagen, datz bid Argumente des trefflichen Literaturhistorikers nianckies Tut lich haben, und darf auf die Antwort Schönherrs gespannt lein.
P Wonne folgert so: Sowohl „Wilhelm Teil' wie '.Glaube und Heimat" spielen in einem ländlichen Milieu und im Gebirge. In beiden ist der Held ein Bauer: in dem einen heißt'dreier Held Teil, in dem anderen Rott, und schon diese Namen sind ttck ver- bädHia ähnlich. Man braucht nur aus dem T ein R^aus dem e ein o -und aus den zioei l zwei t zu machen, und aus -teil wird Rott. Sehr angestrengt hat also dieser gute Sckönherr lerne Phanvana
Weiter: Rott hat einen Knaben ebenso wie Tell. Und^noch merkwürdiger: Rott bat auch eine Frau, genau so wie ^ell. Ist das nicht im höchsten Grade auffällig ? Warum nicht eine Cousine oder einen Großonkel? Warum muß es gerade und ausgesucht eine Frau fern? Der Reiter ist eine Kopie nach Geßter der ja auch einmal zu Pferde ankommt: und ui der Gestalt des Schreibers kehrt — wenn auch nicht ganz so deutlich, doch für die philologische Akribie unverkennbar — die Figur der
in einem Strich und einem Punkt, und zwar bedeutet lener die (Äner, dieser die Zehner Für die Bezirke 1 bis 12 ist nut ein Strich unter der betreffenden Stundenziffer nötig, während beispielsweise beim Bezirk 34 bei der Stundenzahl 4 ein Strich und bei der 3 ein Punkt angebracht wird. Das System ist in der Tat so einfach, daß eine wettere Erläuterung überflüssig erscheint., Tie einzelnen Kreise innerhalb der Bezirke erhallen dann noch einen besonderen Buchstaben. Auf diese Weise lrnn jeder Ort seine feststehende Marke haben. Es ist anzunehmen, daß mit einem guten Feldstecher die Uhren von einem Luftschiff aus in der Regel wahrzunehnren sein werden. Zur Nachtzeit müßten sie selbst verständlich erleuchtet sein.
— WiederBerliner seinenFontane fenni Zwei österreichische Aerzte, Teilnehmer des Chirurgenkongresses, bei sichtigen, so erzählt die Kreuzzeitung, die Denkmäler des Tiergartens und beschließen, nach der schwierigen Entzifferung der Inschrift des Moltke-Denlmals, Fontanes Standbild aufzusuchen« Wo mag es stehen? Ein Gymnasiast kommt des Vege^? oaher^ „Junger Freund, wo finden wir hier das Fontaneoestkmal?" „Fontanedenkmal? das weiß ich nicht." „Aber Theodor Fon-» tanc! der Dichter — du tennft doch das Gedicht: Herr v. 'fRibbafl auf Ribbeck im Haveland, — Ein Birnbaum in seinem Garten stand." „Tas haben wir noch nicht gehabt." — Tie beiden Oester- reicher fragen weiter. Da sitzt eine ganze Gesellschaft, oiwnbatt einheimische, eingeborene Berliner, darunter einige Träger der schönen Literatur: zwei feine Tarnen. „Bitte, wo Tommcn wir hier zum Fontanedenkmal?" „Fontane? Ach, Sie meinen wvhl die Fontäne? Die ist leicht zu finden. Nur geradeaus." „Nein, wir meinen den Dichter Fontane." „Ten Dichter? Welchen Dichter? Dedaure, den kennen wir nicht." Tie Oesterreichett begegnen einigen jungen Leuten in Tennistracht. „Bitte, das> Fontancdenkmal soll hier in der Nähe fein." „Fontaned.nkmal?, Fontane?" „Der Dichter, der ja auch die berühmten „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" geschrieben hat.'" „Wände-, rungen durch die Mark Brandenburg? Nicht bekannt. Bitve- wenden Sie sich doch an den Verein für brandenburgische Geschichte ober noch besser an den Klub „Wandervogel". Ta werden Sie jede Auskunft erhalten." Ein Unteroffizier von der Regiments-, nurfit erscheint. Der muß es wissen. „Die Gardemunk bei Cblum! Die drei Einzüge in Berlin! Archibald Douglas' Er! sucht. „Fontane? Der nfab in der Siegesallee fein Fragen Sie drüben den SchuLmnnu, der weiß es." Der Schaumanns „Fontanedenkmal? Warten Sie. Ich muß mal nachfchen Fou^ tanebenfmal! Das muß. da irgendwo hinter dem 2£agnerbcnfmal sein, in der Tiergartenstraße. Sie haben nicht weit. Drübo, den Weg, bann rechts, bann links und dann — fragen Sie anX besten noch einmal v
Und so weiter. Sehr charakteristtsch ist auch das Vorkommen der Vegetation in den beiden Stücken. Im „Teil" kommt ein Apf e^ bäum vor, in „Glaube und Heimat" gibt es daraufhin natürlich auch gleich einen Obstbaum, aber, o Wunder, keinen Apfelbaum, sondern einen Kirschbaum. Daß Schönherr aus einem Apfel eine Kirsche gemacht hat, das ist seine einzige selbständige Leistung. Und mit einem solchen hortikulturistischen Kunststück wird man „der" deutsche Dichter. * D. A.
— Josef Kainzens zweite Bestattung. Auf dem Friedhöfe auf der Türkenschanze in Wien wurde die Wiwer- bestattung der irdischen lleberrefte des Hofschauspielers Jo'ef Kainz ohnejedeFeierlichkeit vollzogest. Auf dem Fried- Hose hatte sich nur ein kleiner Kreis von persönlichen Freunden und Verehrern des Meisters eingefunden. Aus der Gruft 19, in der Kainz bis jetzt ruhte, wurden drei schwere Steinplatten gehoben, dann der Sarg zur neuen Gruft 9h:. 15 überführt und in die Tiefe versenkt und wieder mit drei schweren Steinplatten die Gruft bedeckt Tie Tafel aus weißem Marmor, die bloß den 9tamen Joseph Kainz trägt, wurde von der alten Stelle an die neue gebracht. Ein mächtiger Lorbeerkranz und ein Kvanz aus frischen Blumen schmücken die letzte Ruhestätte des Künstlers.
— Tas Grab Türers. Der Magistrat von Nürnberg beschloß, das auf dem St. Johannisfriedhof befindliche Grab Albrecht Dürers, das sich gegenwärtig im Besitze eines Privatvereins befindet, aber am 29. Mai 1911 „verfällt", auf die Dauer von 50 Jahren für die Stadtgemeinde zu erwerben. Wäre cs nicht vielleicht die Pflicht der 92ation oder doch die Pflicht Nürnbergs, so bemerkt das B. T. hierzu, das Grab dieses Künstlers zu erwerben, und es vor allen 93 erfal [Terminen &u sichern? .
— T i c Ausnutzung von Turmuhren für die Luftschiffahrt. Rittmeister v. Frankenberg, der es sich zur Ausgabe gefetzt hat, ein System von Orientierungsmitteln für die Luttschiffäbrt zu schaffen, hat nach dieser Richtung einen, weiteren Sckmtt getan, indem er in der „Deutschen Zeitschrift für Luft- schiffahrt" auseinandergesetzt hat, wie die Turmuhren zu diesem Zweck ausgenutzt werden könnten. Er versteht darunter Uhren an ftrrchrirrmcn und andere, die von genügender Größe sind, um auf weitere Entfernungen erkennbar zu sein. Tas ganze Deutsche Reich soll in 90 Bezirke geteilt werden, deren jeder eine bestimmte Nummer erhält. Innerhalb der Bezirke werden kleinere Gebiete und Ortschaften mit Buchstaben bezeichnet. Im Höchstfall sind eine 9hunmer und zwei Buchstaben erforderlich, um einen Punkt genau fefau legen, und der Luftschiff er, der diese Zeichen wahr- genommen hat, braucht nur auf einer Tafel nachzusehen, um zu erfahren, welchen Ort er gesichtet Hai. Tie Marken, die auf den Zifferblättern der Turmuhren angebracht werden sollen, bestehen
lange Reihe von Jahren die Hessische Landwirtschait g haben bis zu der heutigen stolzen Höhe, sollte uns ab' veranlassen, das Geschaffene zu erhalten. .. .
Wir haben ja die Landwirtschaftskammer und sie wird mit ihren reichen Mitteln das mehrfache leisten können nne der Pro- vinzialverein. Hat dieser aber nicht den großen Vorzug, daß er allen Landwirten der Provinz in seinen Mitgliederversammlungen Gelegenheit gibt, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen ?, Jeder kommt zum Wort, nickst bloß eine beschrankte Zahl Auserwählter. Der Provinzialverein als freier unabhängiger Verein ist heute noch so notmenbig, als zur Zeit seiner Gründung, en Aniang des vorigen Iahrhunderls.
Man darf überrascht sein von der Tätigkeit des Provinzial- Vereins in jener Zeit Wie schwierig war der Verkehr _ Die Postlinien konnten vielfach nicht benutzt werden, gemietetes Fubr- roerf konnte nur auf den Staatsstraßen rasch vorwärts kommen, alle Seiteststraßen waren bedenklich. Tas Fortschassen der Meß- inftrumente und der sonstigen Gerätschaften für den Wie, en bau
B war kostfpielig, zeitraubend, umständlich. Tas Herbei- schaffen von Zuchtvieh aus der Schweiz geradezu ein Wagnis. Ader alle Schwierigkeiten wurden überwunden und das Notwendige durch den Verein geschaffen. Mit großer Hochachtung müssen wir ans diese aufopfernde Tätigkeit unserer Vater' zurück- blickcn und haben nicht die geringste Ursache, da uns alle Hilfs- mittcl der modernen Zeit zur Verfügung stehen, mit überlegenem Lächeln aus die nickst imm£r vom Erfolg getragene Tätigkeit unserer Vorfahren herabzublicken. Es ist jetzt gegen damals em Kinderspiel, Maßnahmen, die fördernd wirken tollen, etnzuletten
(Ein Rückblick auf die oberhessische Landwirtschaft vor 60 Zähren.
ui.
Bis zum April erscheinen Annoncen des Dereins stets in der Großh. Hess. Zeitung in Darmstadt Unterm 4 Avril 1846 ist in dem Anzeigcblatt für die Stadt und den Kreis Gießen Nr. 27 offenbar der 'chon ziemlich entwickelte Embryo des heutigen Gießener Anzeigers seitens des Vereins annonciert. Ter Vereinsrechner Tauernheim meldet: Ter Unterzeichnete wohnt letzt in seinem von den Advokat Hosimännschen Erben crfaimen Hause am Kanzleiberg, neben Herrn Geh. Iustizrat v. Helmolt und Advokaten Busch. Tauernheim, Tekanatsreckmer. Professor Tr. o_£'iebig annonciert: Tie mittlere Etage meines Hauses an dem Selterstor, bestehend aus sechs heizbaren Piecen, Küche, heizbarem Korridor, Magdekammer, Bodenkammer, Keller, Holz- platz und Mitgebrauch der Waschküche, ist zu vermieten. Aus verlangen kann ein Stück Garten und in der Mansarde ein hciz^ bares Zimmer nebst Kabinett dazu gegeben werden. Professor Tr v Liebig. Am gleichen Tage meldet das Anzeigeblatt, daß auf allgemeines Verlangen Marie ober die Regimentstochter, kom Lpcr usw., gegeben wird. Am Sonntag, 5. April, haben das Frischbacken Mail Löber am Lindenplatz, Karl Noll in den Neuen Bäuen, Christ. Löber in der Neustadt, Louis Kämmerer auf dem Seltersweg. *
Von am 31. März angekommenen, am 2. April abgereisten Fremden kommen auf den Rappen 22, Einhorn 28, Prinz Karl 13, Hirsch 6, Stern 7, Darmstädter Haus 18, in der Sonne 8, m der Rose 10, in Privathäusern 9 Nr. 28 des Anzeige' dlattes vom 8. April enthält einen längeren Aussatz: Mahnungen in Beziehung auf die diesjährige Martoffclfaat. Der Großh. Hess Kreisrat des Kreises Gießen Prinz läßt ihn verössentlichen. Tie Mahnungen des Aufsatzes haben auch heute noch Gültigkeit. Sie nxiren damals bei der herrschenden Kartoffelkrankheit doppelt angebracht. — Ein Herr Jakob Landauer in Gießen quittiert über Saalmiete, Unterrichtsraum für die Wiesenbauschüler. Ein längeres Verzeichnis über geliefertes Brennholz und Braunkohlen ne Beheizung des Saales für die Wiesenbauschule, die Ausstattung mit geliehenen Tischen und Bänken und sonnigen In- omt.irstücken ist -aufgeftcHt und geregelt. Ein Herr Ebel quittiert.
Tie Wiesenbanschüler kommen aus Langenhain ^Bönsel), Oberdieten (Petri), Nidda t ScharmannWetterfeld (Neuß), Ober Mockstadt < Ullrich), Rädchen (Hahn), Steinberg (Gerhard, Albach «Fink), Rockenberg iTheilmann), Breidenbach (Kinkel), Niedergirmes iZteuernagel), Hausen tTern', Lanbach (Krecker), Wenings «Weitzel», Zell, Provinz Starkenburg «Müller), Geinsgrün. Prov. Starienburg (Haus», Königsberg (Krauskops), Odernhain (Simon). Also 18 Wiesenbauschüler, davon zwei aus der Provinz Starkenburg. Es ist bewundernswert, wie unternehmend der Provinzialverein in jener goldenen Zeit sich betätigte. In der Wiesenbauschule wurde in den Monaten Februar und März theoretischer Unterricht erteilt. In der guten Jahreszeit waren die Schüler beim Wiesenbau in der Provinz praktisch tätig gegen Lohn. An der Reise nach Siegen zur Besichtigung der dortigen mufter- eültigcn Wiesenkulturen beteiligten sich sämtliche Schüler unter Führung des Vereinstechnikers Di. Fries. Es. wurden dabei verausgabt zu Lasten des Proviuzialvereins 26 ff
Es ist ausfallend, daß selbst bei Quittungen, die der Gemeindeeinnehmer «unterschreibt mit seinem Namen, diese Untcr- ichrift anerkannt sein mußte durch den Bürgermeister, der den Gemeindestempel mit dem Hess. Löwen neben seinen Namen drückte. Der Gemeinderechner in Mornshausen namens Engelbach emp- sangt vom Provinzialverein 40 ft. Er quittiert. Der Bürgermeister Fiselbach bestätigt die eigenhändige Namensunterschrist des Ersteren. Der Großh. Kreisrat des Kreises Biedenkops, Herr App, hat die Rechnung für Wiesenbauarbeiten selbst ausgestellt. — Hier liegt die Reckmung über mineralische Dünger der Firma Pseisser und Schwarzenberg u. C. in Kassel vor. Eine merkwürdige Reckmung der 32 Säcke enthalten die gleichen Gewichtsmengen Dünger, auch dieselbe Oualität, jeder -sarf kostet < sl Die Säcke »verden in Kassel dem Fuhrherrn Hoback übergeben: 1 Sack A, 5 Säcke B, 5 Säcke C, 4 Säcke E, 4 Säcke F, 7 Lücke G, 5 <5ärfc H, 1 Sack J. — Welchen Sinn hat diese Gruppierung der Säcke unter besonderen Zeichen? Ohne Zweck wird ttc.doch nicht gemacht fein. War das damals ein besonderer Brauch bei den Kaufleuten? Wie schon an anderer Stelle erwähnt, gelchah die Bezahlung der Rechnung vom 17. Juni 16 durch die Gebrüder
Windecker in Gießen. Tie Firma in Kassel schreibt unter die Rechnung, die an den Vereinsrechner Tauernheim gerichtet ist: Wir erlaubten uns dem gegenwärtigen Schreiben gleich eine An weifungsordre der Herren Gedr. Windecker dort bei luftigen und ersuchen Sie um gewogentl. Schutznahme derselbeii bei vor- kommen Kaufmannsdeutsch). Die Fracht für die 32 Ztr. Dünger nach Gießen beträgt 18 ft. 9 fr Für das Geld würde man heute 200 Ztr. auf der Bahn verschicken können. - Die Abrechnung betr. die landwirtschaftliche Zeitschrift durch den Lekonomierat Zeller in Darmstadt — wohl der Generalsekretär der Zentralstelle, ergibt, daß der Provinzialverein für Ober Hessen 773 Exemplare bezog, Starkenburg 614, Rheinhessen 467. Also auch damals Oberhessen voran!
Da ist eine Rechnung eingehestet von der H. T. Brtihlschen Buch- und Steindruckcrei, Kanzleiberg Lit. B. Nr. 1, eine zweite aus der Lithographie-Anstalt von Job. Kraft Brühl IV neuen Bätien Lit. B. Nr. 62. Die Rechnungsformulare sind künstlerisch ausgeführt und unterscheiden sich sehr vorteilhaft von der nüchternen Form der Formulare auch der Großkatifletite. Man sieht diesen Formularen, die eben nur notwendig linierte Papierbogen sind, den ausgeprägtesten Sparsinn an. Lehrlinge haben mit den einfachsten Mitteln die Papierbogen zu Rechnungssormularen her- gerichtet.
Der Großh. Landrat des Landratsbezirkes Lauterbach erhält aus der Maschinen- und Geräte-Niederlage des Provinzialvereins Geräte stir den Wiesenbau zugesandt. Sie gingen mit der nächsten Fuhrqelegenhett ab. Der Großh. Hess. Freiherr Ried- eselische Landrat des Bezirks Lauterbach bestätigt wenige Tage später den Empsana. Verschiedene Rechnungen werden anerkannt für die Herrschaft Itter, Thalitter durch den Großh. Hess. Kreis- rat Zimmermann des Kreises Böhl. ..
Der Vorstand des Landw.-Bezirksvereins tm ftrene Nidda, Wetterauer Abteilung, wendet sich an den Präsidenten um Rückerstattung von Vorlagen. Ter Rechner des Bezirksvereins zeichnet sich als August Reuning. Er ist auch Hospitalrneister in Nidda.
Das teure Porto in der damaligen Zeit läuft gewaltig zusammen. Besondere Rechnungsstellungen und umständliche Omt- tungen sind die Folgen. Auch ^iele Botengänge werden bezahlt, sie verteuern ansckteinend die Sendungen nicht und führen oft rai'dtcr zur Erledigung dringender Angelegenheiten.
Der Dekanatsrcchner K. Glas in Selters hat eine Reihe von Abschriften für den Verein vorgenommen unb liquidiert in einer längeren Aufstellung unter anderem: Abschrift deS von Herrn Tr. Heldrnami gehaltenen Vortrages in der «itzung des landw. Vereins vom 14. Nov. 1845: 23-'< Dogen a 8 Er. = 22 fr., drei Vogen feines Papier 3 kr. zus. 25 fr. — Kopie eures Aufsatzes über den Mangel an gutem Gesuche, 2 volle Bogen ä 8 fr. usw. .
Die Beiträge der Mitglieder des Provinzialvereins werden erhoben durch die Tisttiktseinnehmer. Diese erhalten dafür Gebühren u,ch zahlreiche Quittungen darüber sind die Folge. Man liebte in jener Zeit amdieincnb sehr die Schnörkel, xurdi biete sind die meisten Untendniften unleserlich. — So geht es auch mit der Untcrfdiriit des Tisttiktseinnehmers in Bnfeck.
Ausfallend ist, daß in der armen Zeit des Jahres 1846 tm landwirtschaftlichen Provinzialverein ein Vortrag notwendig erschien über den Mangel an brauchbarem Gelinde in einer Zeit, in der aus dem Lande unter der geringen Bevölkerung Arbeitslosigkeit unb Hunger herrschten, die zum Diebstahl, Bettel unb zu starken Ailswanberungen auch besser Bemittelter führte. Auch über bie Teuerung ber notwenbigsten Lebensrnittel wirb aus Bensheim geklagt (siehe oben», obgleich bas Mizcigcblatt für bie Stabt und den Kreis Gießen die Frucht und Bittualienpreiie zu Gießen vom 4. bis 11. SIpril TS46 wie folgt angibt^ >ich führe nur die Preise auszugsweise an. Ein Psund gutes Ochsen- sleisch kostet 11 kr. 2 Pfg., Kalbfleisch 6 fr., Schweinefleisch 10 fr, Bratwurst 16 fr., Schinken 16 fr., Schweineschmalz 16 fr, das vierpffindige ordinäre Brot, halb Roggen, halb Gerstenmehl 13 fr, 2 Pfg., 41/» Lot Milchbrot 1 fr., 1 Liter Milch 3 fr., 1 Pfund Butter 22 fr., drei Handkase 4 fr 5 Eier 4 fr., 200 Pfund Weizen 12 fl. — Billige Prem, schlecht bezahlte Arbeit, Arbeitslosigkeit, Auswanderung. Es ist nicht so eimach, diese Berhälttüsse zu crfläreii. Ter Kartottelkrieg in Oberhessen, die Revolution infolge allgemeiner Unzufriedenheit folgten. Die Landtagsverhandlungen im badischen Landtag, in dem Weicker und Hecker im Jahre 1846 redeten, ließen alles erwarten, obgleich ber Ton in ben Landtagen noch ein viel anständigerer war als heutzutage in den meisten Parlamenten.


