Ausgabe 
1.2.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Sroettes Blatt

Nr. 27

Erscheint tSgllch mit Vu4nahmr der Sonntag-.

isevius.

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LILA, - GIESSEN.

M, II FEBRUAR, IB. 8 UHR

LiREOAW CASSEL.

AG, 14. FEBRUAR, 4B. 8 UHR.

1V0LX

Kop&chuppen Haarausfall «ere dein Haar ol das Beste /'

cüwestenwaus, tt roüanneutx I.

Die Pestgefahr in Ostaßen.

T-er VudgetauS schuß beriet danach den Haushal für Krau tschou. Ein BertreterdesReichs marine amts erstattete dabei einen Bericht über die Pestgesahr in

Jnstitut für medizinische Heilgymnastik in München. In München wurde vor kurzem im Anschluß an die orthopädisch-chirurgische Anstalt des Chirurgen, Privat- bo,enteil Tr. Hans von Bayer Veterinärstraße 9 , ein ,sxv» ftitut für das gesamte Gebiet der medizinischen Heilgnmnastik eröffnet. Dasselbe ist mit zahlreichen Avvaraten neunter Art für die mechanische Behandlung aller einschlägigen äußeren und inneren Krankheiten, für Massage und Leißftiftbehandlung aus­gestattet Ein großer Teil der Apparate wird mit ele.tr |cher Kran betrieben. Gesonderte Raume i'tetrn für die Unterleibs- massage und für mechanische Atmungslheravie zur Verfügung. Tie behandelnden Aerzte Tr. v. Bayer und Tr. Berge at sind jederzeit bereit Münchener und auswärtigen Kollegen die Einrichtungen der Anstalt, die für München einem dringendem Bedürfnis entspricht, vorzuführen. Tie regelmäßigen Sprech- stunden finden von 1112 und 45 Uhr statt

Kurze Nachrichten aus Kunst ii Wissenschaft. In Frankfurt a. M. ist der Kgl. Musikdirektor Profess^ August G r ü t e r s, Tirigent des dortigen Cäcilienvereins, int 70. Lebensjahre gestorben. In München ist am 28. Ian. der Ornithologe, Frauenarzt Tr. med. Karl Parrot, erster Vorsitzender der ornithilogifchen Gesellschaft in Bayern, im Alter von 44 Jahren gestorben.

Heber die Verschlechterung öes Mimar durch die grohen Stööte und die Industrie

plaudert P. H. France int Januarheft der Monatsschrift ,.Tie Welt des KauftnaunS" (Verlag von Georg T. W. Callwer in München). Er schreibt da: Als Ursache dessen, daß über den großen Städten ständig eine Schichte schlechter, verdorbener Luft lagert, die einen großen Teil der Sonnenstrahlen verschluckt und Anlaß zu häufigen uud hartnäckigen Nebelbildungen gibt, sieht man vor-

tor reisende

\\L Damen

Eine 87jährige Studentin. Einen unerschütter­lichen Wissensdurst beliRt eine ehrwürdige alte Dame, Mrs. Amy T 'Winship die itot an ber Chio State Universfty in Columbus in ihr zweites Semester tritt. Schon in früheren Jahren hat die'

Au; den Rcich;<ag;au;lchüssen.

:: Berlin, 31. Jan.

Ter Marinehanshalt im Budgetansfchuh.

Der Budgetausschuß erledigte heute zunächst den Marine- hai>shalt. In der lebten Sitzung tourben die hohen Kosten des Neubaus eines M a r i n e l a z a r e 11 s aut Helgoland be­anstandet, für dos 300 000 Mark veranschlagt sind. Staats­sekretär v. Tirpitz legt dar, daß der Bau auf Helgoland um 15 bis 20teurer sei ali in der Provinz, da alle Materialien zu Schiff nach der Insel befördert werden müssen, die Lohne der Arbeiter hoch und ihre Unterbringung schwierig ist. Der Titel wird genehmigt. v , r,

Der Deut scheTechnlker-Verband beschwert sich beim Reichstage darüber, daß der Staatssekretär des Marineamts Ver­handlungen mit dem Verband ablehne, das sei eine Beeinträchtigung des Koalitionsrechte-?. Die Budgetkommision gibt aber dem Staats- sekrelär recht, weil es sich nicht um eine Organisation von Marine- beamten handelt, sondern einen die Technikerkreise in ganz Deutsch­land umfassenden Verband, lieber die Eingabe wird zur Tages­ordnung gegangen.

Herstellung der 10000 Mk. beantragt. Der Vertreter« des Rcichsschatzamts bittet, die endgültige Entscheidung bis zur zweiten Lesung im Plenum zu vertagen, da vorher die Zusttm- mung des Bundesrates zu dem Anträge herbeigesührt werden müsse. Zentrum und Sozialdemokraten crnarcn sich für die Beibehaltung der Gehaltskürzung. Tie Abstim- in ung ergibt die Ablehnung des Antrages au£Wieder, Herstellung des früheren Gehalts, mit 13 gegen 11 -stimmen«

Von fortschrittlicher Seite wird die Errichtung eines, L c h rst u h l s für K o l o n i a l ro c i e n angeregt.

Der Staatssekretär teilt mit, daß der Reidiskanfteu im kolonialen Interesse auf gemeinsame Vorlage des Koloniale amts und des Reichsinarineamts an den Kultusminister die Bitte gerichtet habe, bald Lehrstuhle für K o l o n ialr e ch tun ft K o l o ii i a l w i r t s ch a f t an der Universität Berlin zu errichten« Tie Enischeidung des Kultusministeriums sei ihm nod) ni*ü bcFannt

Weiterberatung: Mittwoch.

eifrige Studentin in Wisconsin ihre Studien begonnen und galt als eine der fleißigsten Schülerinnen. Sie ist die Witwe eines großen Fabritanten aus Racine, und als ihr pfattc ne mit einem großen Vermögen unabhängig zurückließ, beschloß sie, den Reit ihres Lebens den Studien zu widmen. Tieser Entschluß wäre ar sich nichts Ueberraschendes, wenn Mrs. Winship nicht heute tu einem Alter von nicht weniger als 87 Jahren stände, allo in einer Lebensperiode, in der man gewöhiilich solche roeitgreirenben Pläne nicht mehr saßt. Aber die rüstige alte Tarne führte ihren Vorsah aus, und ohne daß ihre Angehörigen etwas davon er- ftihrcn, legte sie in Columbus vor einem Jahre an der Univerfttät die Aufnahmeprüfung ab und begann neue Philologie zu studieren. Sie ist voller Zuversicht und hofft nach vier Jahren auch noch ihren Doktor zu machen. In diesem Jahre hat sie außer neueren Sprachen und Literatur auch noch Philosophie und Piychologie belegt, ihre Spezialität aber ist das Studium Shakespeares. Als die erftaunten Freunde und Verwandten die energische Matrone nach den Zwecken ihres Universitätsstudiums befragten, meinte sie lächelnd, sie wolle nichts weiter, als ihren geistigen Horizont er­weitern und ihre Muße vernünftig anwenden. Die 87jährigg Studentin hat einen Sohn, der bereits im reiferen Alter steht und seit Jahren als Arzt seine Praxis ausübt, und eine Tochter, die seit langem verheiratet ist.

DieGießener ZamlliendläNer" werdendem ,Sinniger' viermal wöchentlich beigelegt, ba4 KreisblaU für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Leit' fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Au» Staöt und CattS.

Gießen. 1. Februar 1911.

** Konzertverein. Zn dem K o n z c r t e am Sonn« tag, 5. Febr., schreibt man uns: Professor Hugo Heer­mann gehört zu den berufensten Vertretern des Vwlin- spiels und ist allen, die ihn von früher her kennen, noch in bester Erinnerung; feine Technik ist eine ausgezeichnete, fein Ton von tadelloser Schönheit. Er war einer der ersten, welche dem ebenso wundervollen als schwierigen Violin-

wiegend das Uebermay von Ranch an, das sich in Jndultriezenften in die Lüfte erhebt. Unsere etabte lind zu bicht gebaut. Ta­st IQn sich ein Nachteil, besonders wenn in den unzähligen Daus- aftungen unzweckmäßiges Brennmaterial verwendet wird. Was Jaan als solches gelten ? Torf, Braunkohle, Holz, mindere Sttm- ohle. Zweckmäßiges Brennmaterial dagegen und Anthrazit, Koks mb Briketts Sie verbrennen vollständig, mllen die Luft nicht mit den Produkten unvollständiger Verbrennung, nämlich mit chwcfeliger Säure, Kohleteilcken, KohlenwaiierstoN, u. Kdhlenoxyd. Von die'en Verbrennungsprodukten wirken die Ga,e an |ich sckMdlich, üe festen Teilchen aber bilden den Sonnenschirm und sie und es, Die bann, wenn die Temperatur auf den Taupunkt sinkt, als Kondensationskerne" für die Nebelkröpfchen wirken und dadurch 'zur Nebelbildung in der Stabt Anlaß geben, wenn ringsum alles sich des Sonnenscheins freut.

Ein Ofen macht allerdings nicht viel, aber 50000 Haus- laltnngsöfen geben einen großen Unterschied, je nach dem ver- iwnibten Heizmaterial. Hier kann also jeber selbst beitragen zur Besserung ober Verschlechterung feiner Laune.

Taä ist die eine Hälfte des Problems, die andere geht die Fabriken an Sie können durch dreierlei an ber Gesundung der Verhältnisse mitwirken. Auch für sie ist die Wahl des Brenn­materials ausschlaggebend, daneben aber die Verwendung von rauchverzehrenden Apparaten, wie es sie heute in großer Voll­kommenheit gibt und wie sie von der Gesetzgebung in wachsendem Maße vorgeschrieben werden. Fast ebenso wichtig aber ist für die Industrie die Technik des Heizens. Ein rationelles Heizvenahren soll nach Ansicht der Fachleute die Rauchentwicklung einer Stadt auf die Hälfte vermindern können. Es muß etwas Wahres daran sein sonst würde man nicht zur Errichtung von Heizerschulen schreiten, in denen sparsames und hygienisch einwandfreies Heizen gelehrt wird. '2lber das führt ins rein Technische und das^ist nicht imiere Sache. Was zu zeigen war, wurde erblickt. Xie Datsacke des Uebet-5, ferne Ursache und die Möglichkeften, ihm abzuhelfen Nun liegt es an der Gesamtheit, zur Tat zu schreiten, vor allem jene aufiuHären, die unter den Tatsachen leiden, deren Ursache sie nicht kennen, und bann, wenn endlich eineönenthdje Meinung" entstanden ist, durch ihr Gewickst die Aenderung berbei- znführen, die schließlich auch bei der Sanierung ber Luft ebemo- tneniq ausbleiben wird, wie sie bei der ^.Gesundung" des Bodens und des Wassers der Städte ausblieb, als man ihre Notwendig­keit ein sah.

HIbBarmflaöt und Georg Moller.

Aus Darmstadt wird uns unterm 30. Januar geschrieben TasDenkmalsarchiv für bas Großherzogtum Hessen" hat gestern in den Ausstellungsräumen des Kunstvereins eine intereifanb Ausstellung eröffnet. Sie ist betitelt: Alt-Darmstadt und Geor Moller und gibt einen ganz eigenartigen Uebcrbücf über di. Geschichte und den äußeren Werdegang d.r hessischen Residenz­stadt. Sie wird aber auch für jeden hessischen Kunst- und Acchi tetturfreunb von weiterem Interesse dadurch, daß ihm zum ersten­mal ein umsasfendes Bild von dem außerordentlich Dielfeitigcn und fruchtbaren Schaffen des berühmten Architekten Georg Moller dargeboten wird, der, aus Diepholz im Hannöverschen stammend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, von 181018dl als Großherzoglich hessischer Hosboumeister in Darmstadt gewirkt und dem Bauwesen 'seiner Zeit ein charakteristisches Gepräge verliehen hat. Tie Sonderausstellung Moller besteht aus etwa 70 großen und kleineren farbigen Entwürfen und Spezialzeich­nungen, in denen der Meister in der Struktur des Daches vor allem seine Kunst zeigt, die Schönheiten ber mittelalter­lichen Architektur festzuhalten und auszubauen. Außer ben Skizzen und Entwürfen zu bett meisten der großen Darmstädter Bau­werke, wie dem Hoftheater, dem alten interessanten Kollegien- gebäube am Luisenplatz, der neuen Kanzlei, dem Wachtyanse am Rheintor, dem Gebäude der Vereinigten Gesellschaft an der Nbetn- sttaße. ber katholischen Kirche, der Freimaurerloge, des Prinz Kaft-Palais, ber neuen Münze usw finb auch die Entwürie zahlreicher bedeutender auswärtiger Bauten ausgestellt, wie das Theater in Mainz und die von ihm 1828 aufgebaute Domkuppel daselbst, das Kurhaus in Homburg v. d. H., die Elisabethen- kirche in Marburg, die Kirchen in Friedberg und Bensheim, der Dom zu Limburg, der rekonstruierte Straßburger Münster, der Freiburger Tom usw. Neben zahlreichen Straßenbildern, monu­mentalen Bühnendekorationen und antiken Baujkizzen enthält die Ausstellung auch vorzügliche Bildnisse Molle s und seiner zwecken Gattin. Eingerichtet ist die sehenswerte Sammlung von Prof. Dr. Kautzsch und Dr. Dammer.

Mittwoch. 1. 8ebmar M

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'khen Unwersiiäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: fca^ol.

Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

I m Namen des gesamten Ausschusses sprach ein k o n s e r v a t i v e s Mitglied den Dank aus für die angeord­neten Schutzmaßiiahmeii und erklärte, bau die criorbcrlimcn Mehr­ausgaben am keinerlei Widerspruch stoßen würden. Ein Zen­trum s m i t g l i e b betont die Notwendigkeit internatio­naler Maßnahmen gegen die Einschleppung der Pest auch durch Waren. Der Wortführer der N a t i o n a l l i b e r a I e n regt an, die Absperrung des K i a u 11 ch o u g e b i et e £ in anderer Form vorziinehmen. Ter Staatssekretär bittet indes, die Einzelheiten der Lokalregierung zu. überlast en. Er persönlich sei für eine praktische Absperrung auf ber Linie, die wir Init unseren Kräften gut überwachen können. Ein S o S t al­be m o l r a t hofft, daß das ganze Kiautichougebiet künftig weg­fallend sein werde. Ter Vorsitzende der tiomnumon, W v. Gamp, bittet, diese Frage zu vertagen, bis der Ausichutz mehr Zeit habe.

Der Rücktritt des Gouverneurs von Kiautschou.

Bei der Beratung des Haushalts für Kiautschau richtet ein Mitglied des Ausschusses an die Marineverwaltting die Anfrage, ob die Gerüchte zutreffend seien, daß d cr G o u D eineur sein enj Abschied nehmen wolle. Ter Staatssekretär be­stätigt das und fügt hinzu, daß die Nacknolge r - # r a g c deswegen etwas schwierig sei, weil da s G ouD erne urs gehalt im letzten Jahre um 10 000 Mk das ist 20 Prozetft, ge urzv worden sei. Ter Wortführer der Na 11 o na l l i b e r a l en führt aus daß nach seinen persönlichen Wahrnehmungen der Gehatts- abftridi besser unterblieben wäre. Es fei angebracht, die geitricheuen 10 000 Mk. wieder einzusetzen. Ter Staatssekretär steht der An­regung auf Wiederherstellung des früheren Gehalts lympathisch gegenüber. Von konservativer Sette wird die Wieder­

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejjen

DKRABKXD /ETTE LEERT UND DIE Voncfbts St°cuW iXnOLEl'AMOURl UTS (VIOLE DEOAMBE) [URY (FLUTE)

Ädtboisd'MOV» >Y (C0NTREra<0- äN0. 6. TERRARI-

DStCballier.

Der ReickStagSausichuß für die Gewerbenovelle faßte heute zur Frage des F o r t b i l d u n g s u n t e r r i ch t s auf volksparteilichen Antrag einen Beickstuß und zwar mtt 1^ gegen 10 Stimmen, der erheblich über die Vonchlage der Re­gierung hinausgeht. Der Regierungsentiviirf enthaft über d,e Ein­führung des Fortbilduiigsiinterrichts überhaupt nni eine fakul' tative 'Bestimmung. Demgegenüber wurde beichloiseu, datz tu Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern her Fortbildiings- unterricht eingeführt werden mutz, soweit iich in neineren Städten ein Bedürfnis herausstellt, soll die Landeszentralbehorde auch hier die Errichtung von Fortbildungsschulen anordnen fonneir Weiter wurde die Vorschrift, wonach der Fortbildungsunterricht auch für Zeiten der Arbeitslosigkeit vorgeschrieben werden kann, in eine Mußvorschrift umgewandeft.

Ostafien und die dagegen durch die Marineverwaltting getroftenen I Maßnahmen:

Die Pest, die bisher im ersten Jahrzehnt unseres Jahr­hunderts verhältnismäßig milde auf getreten war, begann im Herbst vorigen Jahres in der Kirgisischen Steppe einen grotzeren Umfang anzunehmen. Durch Feldtransporte an die Ludmandichu- rifche Bahn berangetreten, bahnte | ie sich von Eharbin aus eine von Hunderten von P e st l c i ch c n g e renn- zeichnete Gasse. Die Zahl der Opfer dieser Gegend bunte etwa 1000 betragen, doch ist die Zahl ganz unzuverlastig. xie jetzt auftretenhe Pest, die sogenannte Lungenpeit, ist identtlch mit dem sogenannten Schwarzen Tod, der im 14 Jahr­hundert ein Viertel bis ein Fünftel aller Lebenden wegrante. Bei der Lungenpest ist die Möglichkeit eines ^elbstichutze.' ui ba5 Pflegepersonal sehr eingeschränkt Anfang Januar hat ftch in Mukden ein chinesifch-japanisches Komitee gebildet, baS ein Seuchenlazarett mit Beobachtungsstation und 200 Betten gebildet bot ^iefe und andere Quarantänemaßnahmen haben es nicht rermocht, das Fortfchreiten der Seuche zu verhindern. Xie P e st greift jetzt auch in Tientsin und Peki n g nm sich: an der Balm von Tientsin nach Tsinanion itnb pest- ierdächtige Fälle vorgekommen. Die Pest steht sonnt un­mittelbar vor den Toren Schantuugs, wo |ie bei her starken Uebervölkerung von verheere,idster Wirkung lein kann. Tic geringen Erfolge der Engländer in Indien lasten es un^ wahri'cheinlich erscheinen, daß systematische Abwehrmatzregeln viel Erfolg haben werden. Anders, dürfen wir Höften, wird es mu ter Möglichkeit der Abwehr der Seuche von der Stadt T | i n g t a u liegen. Ter strenge Abschluß der Stadt auf Der Landseite durch einen Militärkordon, die Unterbrechung der Esten­balm bei Sysana, die Errichtung eines Seuchenlazaretts lur Chinesen außerhalb Tsingtau« und die genaueste Ueberwachung aller im Stadtgebiet verbleibenden Personen werden zuiammen mit der für alle einlaufenben Schifte eingerichteten Quarantäne und ber Ueberwachung ber Küste überhaupt die Ansftcht bieten, die Seuche vor den Toren der Stabt zu halten. Das Gouverne­ment bedarf hierzu besonderer Hilfskräfte. Es hat deswegen die Aerzte, die mit dem Ablösungstransport zurückkehren tollten, zurückbchalten. Besonders zu erwähnen ist die Schutzimp­fung mit Pestserum, das aus Shanghai, Yokohama und Saigun in ausreichenden Mengen bezogen worden ist und Mit dem alle Personen geimpft werden, die mit Pestkranken in, Ver­bindung kommen können. Frühere Versuche mit dem Serum haben ergeben, daß Jmvfu''«gen die Lterblichkettszstfer günstig beeinflulfen können. Einzelne Beobachter der ftraukhelt haben gefunden, daß von den geimpften Erkrankten bis zu oO Vrozent weniger sterben als von den uugeimpiten Kranken. Seiber bauert ber Schutz ber Impfung erfahrungsgemäß nicht über 14 Vage.

Tie Nei-HSversicherungsordnunft

Ter Reichsversicherungsausschuß setzte die De» ratung beim Abschnitt O b e r v e r s i ch e r u n g s ä m t e r tort. Tie Bestimmungen über die Wahl der Beisitzer wurden am Grunb eines Antrags von Zentrum, Konservativen und Nattonalftbe« raten in der Hauptsache nach der Regierungsvorlage w i eber - hcrgestellt. Doch wird die Verhältniswahl cingcfubrt. Ter Beschluß erster Lesung, das; sämtliche persönliche und lockstichc Kosten deS O b e r v e r s i ch e r u n g s a m t e s d e m, B u n desstaat zur Last fallen sollen, wird a Utrecht-- erhalten, obgleich die Regier'.ing baS für u il a n n ehmbar erklärt In einem S 93 wird hinzugefugt, daß alle Kosten der für Betriebe des Reichs ober des Staates errichteten bciou deren Oberverwaltungsärnier den Verwaltungen der Betriebe zNr Last fallen. Beim 8 112, der von den Senaten handelt, wird von fortschrittlicher Seite auf den Mange la n Aerzten im R e i ch s v e r s i ch e r u n g s a m t ammetnant gemacht. Diesem müßten Aerzte ebenso angeboren, wie alle Lebensversicherungsgesellschasten Tireltionsärzte haben. ,tur die Würdigung ärztlicher Gutachten und für die richtige Auswahl, der Obergntachten fei eine solche Einrichtung von höchstem Werte. Die Anregung soll bei der Beratung des sechsten Buchen noch näher veriolgt werden. ,r . .. .

Von den weiteren Beschlüuen ist erwahneNsIvert die teil­weise Wieder her st ellung ber vom Ausschutz m erlter Lesung abgelehnten Landesversicherungsämter. Nach der Vorlage sollte jeder Bundesstaat für sein Gebiet und ach seine Kosten ein Landesv.ersicherungSamt errichten können. . Nach dem jetzt gefaßten Beschluß sollen nur Landesveruche-. rungsämtcr, bie schon vor I nr r a t t t r e t en der R e i ch s v e r f i ch e r u u g s o r d n u u g c r r t d) t c t 11 n b , be­stehen bleiben können, und zwar, solange zu dem Bereiche des betreffenden Landesverficherungsamtes vier OberverftchernngS'' ämter gehören. Weiterberatung Mittwoch.

3mmobiIiarDerträge von Nommunalverbänden.

Wir erhalten folgende Zuschrift aus Darmstadt:

Die Bestimmung der Städte- und Landgemeinde-Ord­nung, wonach Urkunden über Erwerb und Veräußerung von Immobilien and) von drei Mitgliedern der Gemeinde­vertretung unterschrieben sein müssen, wurde bei der Be­ratung des neuen Gesetzes von der Zweiten Kammer ge­strichen. Ta man dabei Vereinfachung und Kostenersparnis im Auge hatte, sei auf Vorschriften hrngewiesen, die beides noch in höhereni Maße herbeiführen. Es find die Bestim­mungen, wonach bei Grundstücks-Käufen und --Verkäufen, die ein Kommunalverband vornimmt, ein Kommunal- beamter den Vertrag ebenso wirksam wie ein Amtsgericht oder ein Notar beurkunden kann. Obwohl die Vorsdiriften anderwärts auch für Liegenschaftsgeschäfte des Staates, der Provinzen und Kreise gelten, haben sie doch für die Genieinden das schwerwiegendste Interesse. Man wollte dürft) sie den Gemeindebehörden Gänge zum Gericht oder Notar sowie die Gebühren der Beurkundungen ersparem Diese find bei höheren Wertobjekten meist recht hoch und fallen bei einem ausgedehnten Jmmobilarverkehr erheb­lich ins Gewicht. Es kam aber bei dem Erlaß der erwähnten Vorschrifteii noch ein anderer Umstand in Betracht. Man hatte die Erfahrung gemacht, daß notarielle Beurkundungen kommunaler Grundstückskänfe rasch bekannt wurden, die Preise dadurch in die Höhe gingen und so manch wichtiges Unternehmen gefährdet wurde. Wer, wie der Verfasser, mit Gemeindeangelegenheiten vertraut ist, wird bestätigen, daß diese Ersahriing auch in Hessen zutrifft Es ist deshalb schwer verständlich, daß die Vertreter der hesftschen Städte den Erlaß einer solchen Vorschrift bisher nicht herbcigesuhrt haben. Dazu böte sich bei der Beratung der Städte- und Landgemeinde-Ordnung in der Ersten Kammer Gelegenheft. Ein besonderes Gesetz verdiente aber vielleicht den Vorzug, weil die Vorschrift anderwärts ja auch für den Staat und für Kreise und Provinzen gilt. Auch sie haben lebhaftes Interesse daran, Zeit und Kosten zu ersparen und ihre Zirkel tiicht durch Preistreibereien gestört zu sehen.

Ein Vorgehen im Sinne dieser Ausführungen wird vielleicht dem Widerstande der Interessentenkreise begegnen. Wir meinen aber, was das Bürgerliche Gesetzbuft) zulaßt und was nicht nur in Preußen, sondern fast im ganzen übrigen Deutschland Rechtens ist, muß im öffentlichen In­teresse auch in Hessen gelten. Deshalb sollten die städtischen Abgeordneten die versäumte Anregung alsbald mit allem Nachdruck nachholen.

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