Ausgabe 
9.6.1911 Zweites Blatt
 
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Nr. 153

Zweites Blatt

161. Jahrgang

Zreitag, 9. Juni 1911

Giehener Anzeiger

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oderhesfen

reichende befriedigende Lage der Volksfdmllehrer

Will die Schule

inhaltlich juristischer

tomnimbcn Formen bc

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Staatsver-

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TieSiebener ZamilienblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da» ..«rei,blatt für den Urei» Sieben" zweimal wöchentlich. Dielandwirtschaftlichen Seit» fragen.' erscheinen monatlich zweimal.

wirklichen Lebens Hochgebildet werden.

red lsphllosophiid er Beziehung. Ole

Redaktton, Expedition und Druckerei: Schul- strahe 7. Expeditton und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Tel.-Adr>An,eigerGiehen,

Zlatholische Gottesdienstordnung

Sonntag den 11. Juni 1911: Nidda: 8^ Uhr.

Büdingen: 10 Uhr.

titt It Hots out l'ager it! crimz.billigiienPmd

t'itbtoin Lazarnt, tcrnicß 53. 'Jcrnlin.il

Rotationsdruck und Declag der Drühl'lchea UniversuätS - Buch- und Cieindruckerri. R. Lange, Gießen.

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Kreiensen (Hut) *'w

mögen der einzelnen Bundesstaaten konnten nur" in bezra auf wichtigere Bestandteile erbracht werden. Neben llclcr* schüssen früherer Rechnungsjahre, vcrsügbarcm Staatsver mögen usw. besitzen die Bundesstaaten an Domänen ein Areal von 770109 Hektar, an Forsten 5 056 485 Hektar. Tic Staalseisenbaynen repräsentieren eine Länge von 54 003 Kilometer tim Reich 1875) und ein Anlagekapital von 15687 (im Reich 810) Millionen Mark.

Tic fundierten S t a a t s s d; nlden beziffern sich zu Beginn des Rechnungsjahres 1910 für die Bundesstaaten auf 1 i 729 (darunter Preußen 8777, Bayern 2166', für das Reich aus 4557 Millionen Mark. Tic schwebenden Schulde n betragen insgesamt 1037 Millionen Mark: sie entfallen in der Hauptsache auf das Reich (340; und Preußen (645).

' -Huni

[c _ ^iefeiitutc.

kirchliche Nachrichten

der evangelischen Gemeinde Büdingen.

Trinitatis, Sonntag den 11. Juni:

Vormittags 10 Uhr: Viarrer Schäler.

ttatechismuslehre (finnben).

Nachmittags 2 Uhr: Psarrer Göbel- Wols.

Tie Amtswoche hat Pfarrer Schäfer.

Sport.

2 6. Mainzer Regatta. Tie Meldungen zu der zwei­tägigen Regatta des Mainzer Ruder-Vereins sind großartiger wie ;c ausge'alleki. An dem Feste, das Samstag, 17. und Sonntag, 18. Juni, slattfindet, iverdcn 28 Vereine aus Biebrich, Eoblenz, Tüsjeldorf, Fechenheim, Frankfurt a. M., G i c ß c^n , Hanau, Heidel ­berg, Karlsruhe, Köln, Mannheim, Offenbach, Schweinfurt, Straß­burg, Stuttgart, Wiesbaden, Worms und Mainz mit 110 Booten und 577 Ruderern teilnehmcn. Wcgetr des UmbalieS der obcien Eüenbahnbrücke mußte die Rennstrecke diesmal verlegt werden; sie befindet sich auf der rechten Rheinseitc zivischen Straßen- und 5talserbrücke, die Tribünen und die übrigen Plätze liegen direkt neben dem Offiziers-Kasino des Nass. Pionier-Bataillons Nr. 25.

Luttschisfahrt.

Tie Einweihung der Flugplatzanlagen in Weimar.

Weimar, 9. Juni. Bei Anwesenheit des Großherzogs- paares, foivie des Herzogs und der Herzogin von Sachsen-Allem bilrg wurde gestern die Einweihung der Flugplatzanlagen voll­zogen.

handel.

* Konkurse in Hessen. lieber den Nachlaß bc5 Metzgers Jak Arnold 11. in Gießen ivurdc aut 30. Mai das Konkursverfahren eröffnet. Kaulmann 2l l t h o f l in Gießen ivurde zum Konkursverwalter ernannt. KonkurSsorderungen sind bis zum 15. Juni bei dem Amtsgericht Gießen anzumelden. Uebcr daS Vermögen des Ludw. Fifcher zu Llfcnbach wurde am 16. Alai das Konkursverfahren crösinet. Rechtsanwalt Tr. Gold­schmidt zu Offenbach wurde zum Konkursverwalter ernannt. Kon- kurssorderilngen sind bis zum 17. Juni bei dem Amtsgericht Offen­bach anzumclden. lieber das Vermögen des Wagners Konrad Tietz und dessen E h e l r a u Emma, geb. Hartmann, m 31 Is­sel d, ivurde am 23. QJlai das Konkursverfahren eröffnet. Rechts­anwalt B e r g h c i m e r in Alsfeld ivurde zum Konkursverwalter ernannt. Konlurssordernngen sind bis zum 19. Juni bei dem Amtsgericht Alsield anzumelden. Ueber den Nachlaß des zu E n s h c i >n verstorbenen Will,. Timon, Landwirt, wurde am 27.Mai das Konkursverfahren eröffnet. Slotariatsgehilse S t r e u b e r in Glieder-Saulheim wurde zum Konkursverwalter ernannt. Kon­kursforderungen'sind bis zum 26. Juni bei dem Amtsgericht Wörr­stadt anzumelden. lieber daS Vermögen des Eugen Stern in O s i e n b ch wurde am 30. Mai das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Tr. Dl e r z b a ch zu Offenbach ivurde zum Konkurs­verwalter ernannt. Konkurssorderungen sind bis zum 8. Juli bei dem 'Amtsgericht Offenbach anzumclden.

pädagogische Bestrebungen, wie sic burdi die Stichworte

Die 2lu$tül)r.ingsbeftimmungen zum Kaligefet,.

:: Berlin, 8. Juni.

Gestern fand int Reichsamt des Innern unter Vorsitz des Unterstaatssekretärs Wirkl. Geheimen Rats Tr. Richter die Beratung der Bundesratsvorlage,i über die Ausfüy- rungsbeftimmungen znm Kaligcsetz statt. Tic Vorlagen wurden non den anwesenden Vertretern des Handels und der Kaliindustrie einer äußerst scharfen Kritik unterzogen, die sich in der Hauptsache dahin aussprach, daß die neuen Be- jtünmungeit eine völlige Ausschaltung des Handels beim Kaliabsatz zur Folge haben würden. Tie Verhandlungen führten auch bei dem Reichsamt zu der 'Ansicht, daß die Vorlage, soweit sie die Rabattstasfelung betrifft, in der jetzigen Form nicht aufrecht erhalten werden könne, und es wurde infolgedessen der Beschluß gefaßt, daß sämtliche Parteien am 30 Juni unter Vorsitz des Kalisyndikats noch­mals eine Verständigung unter sich versuchen sollten, um daraufhin dem Reichsamt einen Einigungsvorschlag zu unterbreiten.

Bezüglich der Weiterberechnung der Ucber­fuhr g e b ü yren konnte das Syndikat mit seiner Auf­fassung nicht durchdringen. Es wurde vielmehr vom Reichs- amt die Weiterberechnung als ein ungesetzlicher Zustand bezeichnet, der so schnell wie möglich beseitigt werden müsse. Tic Entwürfe bezüglich der Kontrollanalysen wurden von allen Parteien in verschiedene^ Punkten bemängelt. Es wurde beschlossen, das; die einzelnen Interessenten ihre Aen- derungsvorschläge dem Reichsamt unterbreiten sollten. Ter Entwurf bezüglich Ausführung der Provagandamaßnahmen wurde von den Syndikatsvertretern aufs yeftigste vekäinpfi mit der Begründung, daß die erschwerenden Bedingungen die Entfaltung einer wirkungsvollen Propaganda anstatt zu fördern, direkt verhindern mürben. Vom Staatssekretär wurde demgegenüber eine großzügige Behandlung der Pro­paganda zugesagt.

ein »roktor der sozialen Erziehung fein, io muß der Unterricht wie das S ibn lieben darauf hinausgehen, die Schüler in ein reges Gemeinschaftsleben zu versetzen, ihnen Interesse an oicicm Ge nieinschaitsleben cinzuflößen und Gelegenheit zu geben, sich ui ihm bewußt zu betätigen. '21 erfolgreichsten würde dies ge scheheu, wenn es gelange, die Schule zu einem Avbilde des Lebens, zu eine m A usichn111 aus dem c b c n Hi in a ch e ii, zu einer Arbeitsgemeinichaft, in der alle in Frage

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mciniame Arbeit des Psychiaters und Juristen und gegenseitige Vernertung des Materials muß gefordert werden und ebenso eine obligatorisch.' recl'ispkilofophisch Vorlesung für Jurißeu. Eins der \)anpt?icle der Rechtsphilosophie ist du- GaraMie der selb- slünbigei' r e ch t s p h i l o i o v ff i s ch c n B e g r i f f S b i l d u n g. Tie Besprechung wurde vertagt.

lieber juristisches S t n h i u in und Repetitorium berichtete dann nert) 2.'.Uler Voll a a Berlin, der die Einrichtung von Repetitorien für die juristischen Kandidaten als Ergänzung zum lliiiversitätsüudiunt empfahl and die darüber in Berlin gemachten Ersalnniig.il mitieilte.

3ii der R a ä» in i l! a g s s n- u n g sprach erster Staatsanwalt Z eilet Zweibrücken über ..Maßnahmen zur Sicherung des Rechts. 3um Schluß sand eine kurze Aussprache über die am Vormittag bchanbelten Gegenstände statt. Für iiachinirtags 5 Uhr waren die Teilnehmer zum gee bei Staatsministxr Ewald geladen. Torans folgte ein Besuch der Kunstausstellung.

Zahlenmäßige Nachweise über das

Arbeitsprinzip und Selbstverwaltung gekennzeichnet werden, er halten in diesem Fuiamiueuhaug besondere Bedeutung. Alle Mittel sind aber davon abhängig, daß die Volksschnllehrerschast durch drungen ist von gesunder lozialvädagogifcher Gesinnung, und oes halb verdienen alle Bestrebungen, die Ausbildung der Lehrer nach sozial pädagogischen Grundsätzen zu gestalten, Unterstützung.

lieber das giriere Thema sprach im Anschluß hieran Fräulein Margarete He lisch le Berlin. Sie führte a. aus: Ganz besonders wichtig iik, daß auch die l er anwach »ende weibliche Jugend zu den Interessen und Aufgaben des Gemcinschaktslebens hingestihrt werde, zu einem Verständnis der Ordnungen und Formel', des öiicniiid:cn Lebens, zu der ErlenntniS, daß Recht und Gesetz sittliche^Lebensmächte sind, Ausdruck des frkiamt gewissen:. daß der Staat das Fundament einer sittlichen Lebeus- orditung ist, daß wir hier objcltiDcn Mächten gegenübersteh n, die uornigibend sind und sein müssen auch iür das Leben des Einzelnen. Eine Erziehung für die sozialen Aufgaben sei aber im Grunde h - > / e Erziehung. Nur diejenige Sämle iverbe ein Faktor sozialer Erzichung sein fönncit, die zugleich eine Schule des Eharaiter« ist.

Es enripann sich eine leobafte Aussprache. Professor Baum­garten «Kiel, crllärt, daß er die Ansidten des ersten Vor- rragenden M ii t h e s i n . nicht teilen lönne, weil tr an eine Hebung des geistigen Niveaus der Menge als Masse nicht glaube. Er erkenne das Sehnen des V.lksul iillehrerst rndes nach wissenschaft­licher Vertiefung auf den llnir-miläten an, Halle es aber int Hin blick auf die Berussiätigleit des Lehrers für verfehlt. Auf die Gefahr hin, für einen Reauionär gehalten zu werden, erscheinen ihn die Forderungen Muthesius nicht realisierbar. Er empfehle Fried­lich Wilhelm Försters BuchAutorität und Freiheit". Ter Unter schied zwischen abgeklärter Autorität und unreifer stürmischer Jugend müsse gewahrt bleiben.

Professor R ade ^Marburg, stimmt den Ausführungen der Vortragenden im ganzen bei. Er will die Unstimmigkeiten be­seitigen durch Fühlungnahme zwischen Lehrerschaft und Familie, Schule und Elternhaus. Tas habe er in dem Jdeengange von Mutbesius vermißt, halte es aber für notwendig, um tuciterc Kreise für die Frage zu begeistern. Ju beklagen sei die maitgel- baste Verständigung zwisesien Oberlehrern und Volksschullehrern. Tic verschiedenen beruflichen Sonderoereiue seien ein Unglück. Professor Gregor» «Leipzig' rühmt da- Emporsrreben der Lehrer schäft, das man nicht unterdrücken solle. Lebhafter Beifall.) Pastor Herbst(SIjanniD) will die soziale Erziehung nach drei Stufen regeln. Er verlangt die Erziehung zur sozialen Tat durch Gewöhnung der Kinder zu gegenseitiger Hilfeleistung in frühester Jugend, zweitens Erziehung zu sozialer Gesinnung vom 9. bis 10. Jahre an und Erziehung zu sozialem Wissen vom 11. Jahre an. Als ein besonderes Erziehungsmittel bezeichnet er die Eltern- abenbe. Regicruttgsrat Bonstcdt weist nach, daß an der fehlen Fühlungnahme zwischen Schule und Elternhaus vielfach die Kurz- Hri'tigicit der Eltern Schuld trage. Freiherr von der Goltz bedauert, das; die Landgemeinden durck' das Trängen der Lehrer nach besserer Betätigung ihre besten Kräfte verlieren. Man solle die Berufsfreudiglcit der Lehrer als der besten sozialen Kraft erhöhen.

Rach dem gern'infamen Mittagessen sand ein Ausflug nach Glettlau und Oliva statt, womit die Tagung ihr Ende erreicht hatte.

Die Finanzen des Reichs und der deutschen Bundesstaaten.

Tas Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht eine Tat stellung der Finanzen des Reichs und ter deutschen Bundes­staaten. Tie Ausgaben, die Einnahmen, die wichtigeren Be standteilc des Staatsverinögens, solvie die Schulden werden angegeben. Tic Nachweise beziehen sich für die Voranschläge aus das Rechnungsjahr 1910, für die Staarsrechnungeti auf das Rechnungsjahr 1908.

Insgesamt betragen die Staats aus gab en nach den Voranschlägen der Bundesstaaten 5869 Millionen Mark «darunter außerordentliche 263', für das Reich 3032 dar unter außerordentliche 191), zusammen in Reich und Bundesstaaten 8901 idarunter außerordentliche 454 Tie Staatseinnahmen belaufen sich in den BitndesstaalC'.t auf 5852 Millionen Mark, im Reich a.if 3032, zusammcit in Reich und Bundesstaaten aus 8884 Millionen Mark «dar unter außcrordeliiliche aus Grundstock, Anlehen und fonfli gen Staatsfonds 334 bezw. 191).

Unter den ordentlichen Ausgaben und Einnahmen der B u n d e s st aa l e n stehen die Erweroseinkünfte mit 2848 bezw. 3742 Millionen Mark an erster Steile. Ter Haupt anteil entfällt auf die Staatseisenbahnen mit 2082 vezw. 2718. Der Rest verteilt sich auf Domänen, Forsten, Berg werke, Staatsdampffchisfahrt, Post, Telegraph und die sonstigen Staatsbetriebe.

Die ordentlichen Ausgaben und Einnahmen des Reichs ait Erwerbsanstalten (756 bezw. 872 Millionen Mark- entfallen hauptsächlich auf Post und Telegraph (640 bezw. 702) und die Eisenbahnen (106 bezw. 122).

Tic nächstwichtigc Einnahmequelle bilden Steuern und Zölle. Tie Bundesstaalcn erheben an direkten Steuern 726, Aiifwandsteueru 108, Verkehrssteuern 105 und Erbschaftssteuern 30, zusammen 969 Millionen Mark Das Reich bezieht aus Zöllen 760, aus Aufwandsteuern 642, aus VcrkchrSfteuern 203 und aus der Erbschaftssteuer 34, zusammen 1639 Millionen Mark

GerichtssacN.

F. ('. Frankfurt a. M, 8. Juni. Ei« Landwirt au-,- Södel erhielt von Frankfurt aus einen Strafbefehl über 15 Mark, iveil seine Mi 1 chkannen nicht geeicht waren. Außerdem wurde die Konfiskation dieser Kannen augeordnct. Ter Strafbefehl wurde auf Gntnd von Beschwerden' mehrerer Frankfürler Milchhäudler erlassen, die sich über die vielfach zer­beulten Milchkannen der Landwirte beklagten, da diese nicht dos richtige Maß enthalten. Gegen den Strafbefehl beantragte der Landwirt richterliche Entscheidung, indem er iichjiuf den Stand­punkt stellte, das; er kein Gewerdetreibendci int Sinne des §369* des Strafgesetzbuches sei, der nur den Gebrauch von den in ihrem Gewerbe nötigen Maße, die nicht geeicht >eien, verbiete. Er liefere seine im eigenen Betriebe erzeugte Milch au einen Frankfurter Händler und kaufe keine Milch zum Weiterverkauf an. Auch seien die Kannen keine Maße jonoern dienten lediglich zum Transport der Milch. Tas Schöfsengericht sprach den Au geklagten frei, da die Kannen nicht dem öffentlichen Verkehr, ionbern nur dem Transport zwischen dem Produzenten und seinem Abnehmer dienen.

X Hanau, 8. Juni. Tic Sucht, um jeden Preis eine Provision zu erlangen, bat dem Reisenden August Waltz aus Frankfurt, der heute vor der Strafkammer stand, eine empfindliche St rast- eingetragen Als vor zwei Jahren eine Hanauer Witwe ihr Haus zu verlaufen beabsichtigte, trat sie mit der Filiale Frank­furt der Jeiitralverkaufsbörse Tentichlands in Verbindung. Tee zu dieser Feit bei dieser Filiale beschäftigte Reisende Waltz schloß nut der Witwe über die BerkLussbediiigungeu und die zu gewah­renden Provisionszahlungen einen Vertrag ab. In diesem Ver­trage beraub sich auch der Pasnis, daß^ selbst wenn der Verkauf nicht diircki die Zentralverkaufsbörse erfolge, dieser eine Gebühr von 300 Mark zu zahlen sei. Als dann der Verkauf des Hauses ohne Milwirluug der Verkanfsbörse sich vollzog, verlangte diese 300 Marl. Tie Witwe aber gab an, dieser Passus des Vertrags sei ohne ihr Wissen nachträglich ausgenommen worden, lusolgedesscn ein Verfahren gegen den Reisenden Waltz eingeleitet wurde, dem heute die Strafkammer 1 Jahr Zuchthaus, 160 Mark Geldstrafe und 3 Jahre Ehrverlust diktierte, auch seine sofottigc Verhaftung verfügte.

Kongreß für Rechts- und wirtschaftrphilosophie.

R. B. Tat m stadt, 8. Juni.

Heute vormittag sprach zunächst Tr. jur. Berolzheimer über: Tie Gefahren einer Gefühlsjurisprudenz in der deutschen Gegenwart. Ter Redner führte aus, es gebe auf alten Gebieten des Rechts Materien, die sich von der po­sitiven Gesetzgebung nicht erfassen lassen oder infolge der mo­dernen Entwickelung mancher Lebens- und Wirtschaftsgebiete noch nicht erfaßt find. Man müsse eine höhere Rechtsordnung neben und über dem geschriebenen Gesetzrccht annehmen, an die sich der Richter in solchen Zweifelsfällen anlehnt. Tic weiteren Aus füfcrungen des Redners gipfelten in folgenden TInnen: Tie In teressenjurisprudenz erweist sich als haltlos. Freie Rechtsfindung ist gleich Entscheidung contra legem. Freies Recht darf nur nach Rechtsgrundsätzen Anwendung finden. Tie Grundsätze desfreien Rechts" erwachsen aus der Geschichte und Wirtschaft. Tas Prinzip des freien Rechts ist die Idee der Freiheit, d. i. die Ausschließung jeglicher Versklavung aus dem Recht.

In bei Aussprache gnng Geh. Rat Prof. Tr. Köhler auf die Ideen des Redners näher ein, desgleichen Prof. Tr. Leonhardt- Marburg, wobei sie einzelnen Ausführungen des Berichterstatters entgegentraten.

lieber das: Verhältnis von Soziologie und Rechts Philosophie, insbesondere die Förderung der Rechtsphilo sophie durch die Soziologie hielt Geh. Justizrat Köhler c neu Vortrag, worin er ausführte, daß die Soziologie neben d.v Kulturgeschichte als neuere Erscheinung eine lehr wichtige Hilfs Wissenschaft 'ur vergleichendes Recht und Rechtsphilosophie dar stellt und sich von der Kulturgeschichte besonders dann unter-- sckwidet, daß sie auch Gesetzwissenschait ist. Der Reck)tsvhilosoph wll aus dem Reich der Erscheinungen zu dem gelangen, was über Cai Erscheinungen schwebt. Man fvreche vielfach als höch'tes Gur der Menschheit die Freiheit au. Nach feiner Meinung liege das höchste Gur . im Intellektualismus, J)cr Wissenschaft,^ der schöpferischen Kraft und Kunst und der Technik. - An stelle des bel inoertcn zweiten Berichterstatters Prof. Tr. Fclir o m I u - Klausimvurg trug Prof. Toenis Kiel beiten Leit)ätze und im Anschluß daran feine Anschauung vor. Im Lause der Besprechung,- an der sich Prof. Tr. Türr- Bern, Rechtsanwalt Tr. Hcr z- fc l d - Amsterdam, Pros. S tau d i u g e r -Tarm'radt, Jusu; rat Tr. Fuld - Mainz, Pros. Le o n h a r d i' Marburg und jlx. Beiolzheim c r beteiligten, erschien a u ch ö e_r G r o ß - Herzog und hörte den Verhandlungen bis zum Schlusie zu.

Heber: Tic Bedeutung bei P s h ck o logie für bic Rechtsforschung uno die Vorbildung der Juristen imadi Land gerichtsrat und Piivatdozent an der Universität Gießen, Tr. Julins Friedrich, der etiva folgende LciOätze aujitilitc: Ta> Pipchische ist die Gesamtheit der seelischen Wirkung als inner: Entwickelung, die eigenen Gesetzen unterliegtPsnchologie ilt die me-hodischc Beobachtung, Beschreibung uiw Systematisierung des Psychischen. Tu Psnchologie des Recktes ist die Beseitigung be- Piycksischen int Recht und umgekehrt im Lunte der Psnchologu mit Einschränkungen: Tie Rechtspsvchologie iit eine Psychologie

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22. Loangelisch-sozialer Kongreß.

~ Tanzig, 9. Juni.

Vorgestern sand ein öffentlicher Volksabend statt, bei dem fine Anzahl Redner Ansprachen hielten. Tie Reihe der Redner eröffnete Stadtschulrat Tr. Tamus mit der Begrüßung der zahl- reich Anwefendeil. Tie erste Rede hielt Pros. Tr. Gregory- vcipjig, der die Wichtigkeit der Autorität, des gegenseitigen Ver­trauens und der Selbstaufopferung als Prinzip hinstellte. Reichs- tag-abqeorbneter D. Ranmann verbreitete sich in cimtünbfgcr Siebe überKapitalismus unb Arbeiterbewegiuig", wobei er an ein vor kurzem ausgegebenes sozialbemokratisckes Flugblatt au» knüpfie. Professor Telbrück hielt einen knizen Vortrag über einige wichtige Punkte der Reichsversicheruugsordnui'.g.

Tie 3. Hauptversammlung, bie geitern vormittag abgeh'.Heu wurde, war von dem ThemaSchule" beherrscht. Generalsekretär Sie SchNeemel ch e r erstattete zunächst den Geschäftsbericht, Ler einen Rückblick auf Die vorjährige Tagung warf und her »orljob, daß der Landesverein eine ganz energisckw Tätigkeit entfalte, io daß die Zahl der Mitglieder von 160/ auf 1631 ge­stiegen ist. Seminardirektor Schulrat M u £h esius - Weimar sprach über das Thema:Tic Schule als ?yaftor bei 'vzialen Erziehung". Ter Rebner führte aus: Erziehung unb Jl-olks wirtschaft haben stets in enger Verbindung gestanden, alle sozial resormer großen Stils sind zugleich Pädagogen und Die meisten «roßen Pädagogen sind zugleich Sozialreformer gewesen, ^as Bohuuugseleud, mangelhafte Ernährung, frühe Heranziehung der

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des Handelns. Sie erfaß: nur die Bewußtseinsvorgänge und überlas t dieGrenzbeziehung neid' dem lludewusnein dem Pinchiad^r Sie bildet die Rcchtsvinckologie bei Begriiie selbst. Sie ist nicht rein pivckwlogisck, 'onb-.ru uu.eiv' rechtlich bnccrtcnb: die Be­deutung der Pfvchologie für Die Menschforfckung und die Bor- bilduna Der Juristen ergibt sich aus zahllosen Einzelrecknsinstituten und Bcgrissen, sowie audi aus dem Wesen des Rechts in formaler.

Kinder ui gewerblicher oder lanbiuirtidmftlidier Arbeit erfchweren sozialerzielferische Wirkungen ber_5(huk' gleicherweise wie die st a n h_i g e Gliederung unseres Schutweiens, die bau an abhängige Spaltung im Lehrerstande uno Die noch immer nicht sozial ans-

, mit

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