Stuttgart gewählt wird, sehr wahrscheinlich, daß er auch die königliche Bestätigung erhält, zumal er ja außerdem alle mit seinem Amt zusammenhängenden Repräsentationspflichten auf sich genommen hat. Ein Sozialdemokrat als Oberbürgermeister einer Residenz ist ja freilich etwas neues.
Ans Stabt und Land.
Gießen, 8. Mai 1911.
** Wissenschaftlicher Fortbildungskursus für Volksschullehrer an der Universität -Gießen. Mit Rücksicht aus vielfach geäußerte Wünsche wird der Fortbildungskursus auf eine spätere Jahreszeit v e r s ch o b e n. Es hat sich Lei den seitherigen Kursen als mißlicher Umstand fühlbar gemacht, daß die Ferien (Pfingst- und Heuferien) je nach örtlichen Verhältnissen von verschiedener Dauer sind und auch nicht gleich liegen. Daher war es für viele Teilnehmer mit Schwierigkerten verknüpft, alle Vorlesungen zu hören, und das ist bei den Meldungen zum diesjährigen Kursus mehrfach zum Ausdruck gekommen. Die am 20. d. M. hier im Restaurant Metropol stattfindende Konferens der Vorsitzenden aller Lehrervereine der Provinz Oberhessen wird sich u. a. auch mit d^r Regelung dieser Frage beschäftigen und sie hoffentlich in einer alle befriedigenden Weise lösen.
* • Rückgang des BierkonsumS. Die Brauereien im Handelskammerbezirk Gießen sind in den Jahren 1906 bis 1910, also in 5 Jahren, von 12 auf 10 zurückgegangen. Die Herstellung von Bier ist in diesem Zeitraum von 175 959 hl auf 130 213 hl zurückgegangen. In 1910 betrug der Rückgang der Produktion gegen daS Vorjahr rund 13 400 hl. Als Grund für den geringeren Bierkonsum wird die vorjährige Biersteuererhöhung und die dadurch bedingte Erhöhung der AuSschankpreise, die allgemeine wirtschaftliche Lage und die stärker gewordene Antialkoholbewegung angegeben.
Landkreis Gießen.
- ck. Wieseck, 6. Mai. Heute abend hielt der Gesangverein Jugendgrund eine außerordentliche Hauptversammlung ab, die verhältnismäßig gut besucht war. Der Verein blickt im nächsten Jahre auf fein 30jäh- riges Bestehen zurück. Um diese Feier würdig zu gestalten, wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die Festlichkeit in Form eines Gesangswettstreites zu begehen. Eine Mitgliederzahl von annähernd 200 und ein beträchtliches Baroermögen gestatten es dem Verein, dabei allen An- forderungen gerecht zu werden. Es ist dies die erste derartige Veranstaltung in unsrem Orte und da der deutsche Männergesang gegenwärtig auch hier in bester Blüte steht, wird ein schönes Fest zu erwarten sein.
- Annerod, 8. Mai. Am Sonntag fand in unserem schmucken Kirchlein ein geistliches Konzert statt, das trotz des bescheidenen Rühmens, den es nach außen trug, einen schönen Verlauf nahm. Eine kleine Schar jugendlicher 'Musikbeflissener hatte sich zusammen getan, Musiktehrev Kasten (Gießen), der an der Spitze zu stehen schien, führte den Orgelpart aus. Ihm schlossen sich an: Fräulein Rose Lehr (Sopran) Gießen, Fräulein Hanna Hüneck (Alt) Heidelberg, Lehrer Volp (Violine) Lollar. Die Einleitung bildete eine Orgelfantasie von Barner über den Choral „Nun danket alle Gott", dessen musikalische Wiedergabe die Zuhörer in weihevolle Stimmung versetzte. Ihm schlossen sich, in woblgelungener Ausführung Arien und Duette für Sopran uno Alt aus den Meisterwerken von Bach, Mendelssohn und Rubinstein, sowie das berühmte Largo von Händel für Violine und Orgel an. Am' Schluß vereinigten sich die vier Mitwirkenden zum Vortrage des schönen „Engel Lied" von Braga. Die Würde des Raumes verbot selbstredend jede laute Beifatlsäußerung, es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die zahlreich Erschienenen, darunter viele bekannte Musikfreunde aus Gießen, hochbefriedigt den Darbietungen gefolgt waren.
ö Lang-Göns, 7. Mai. Das trockene Wetter ist daran schuld, daß das Korn, das an und für sich schon schlecht überwintert und durch die Mäuseplage im Herbst gelitten hatte, in letzter Zeit fast völlig eingegangen ist. Viele Bauern ackern gegenwärtig die Wintersaat aus und bestellen das Feld noch mit Gerste.
2 2ich, 6. Mai. Die 9. Schulstelle ist mit dem neuen Schuljahre hier eingerichtet und dem Schulverwalter Frey übertragen worden. Die unteren Schuljahre mußten geteilt werden, da gegen 70 Schüler neu ausgenommen wurden.
Kreis Büdingen.
-l- Büdingen, 5. Mai. Gemeideratssitzung. Für das vom 1. bis 3. Juli hier in Verbindung mit der bOiäfyrigen Jubelfeier des Turnvereins stattfindende Gauturnfest bedarf der Bauausschuß einige Laternen, deren leihweise Ueberlassung der Gemeinderat beschließt. — Die gärtnerische Anlegung des Platzes vor dem neuen Schulhaiy'e, wofür 200 Mark bewilligt wurden, soll nunmehr ausgeführt werden. — Die Kosten für Sand- und Basaltsteinfuhren werden bewilligt, ebenso die Kosten für die Erneuerung des Fußbodenbelags (150 Mark) für den Flur im oberen Stock des Kreisamtsgebäudes. — Das Gesuch des Friedr. Franz um Einführung der Gasleitung in das an einer noch nicht eröffneten Straße zu errichtende Wohnhaus des Gesuchstellers wird bis auf drei Meter Entfernung vom Hause aus Kosten der Stadt genehmigt. — Der laudw. Winter schule sind die nötigen Räume im alten Schulhause pachtfrei überlassen worden. Der vorgelegte Vertragsentwurf wird durch Bestimmungen über die Unterhaltungsarbeiten und Einfügung eines weiteren, die Kündigung betreffenden Paragraphen, erweitert und genehmigt. •— Der von Kveisstraßenmeister Straub erläuterte Voranschlag über die Errichtung eines Geländers entlang der nach dem „Ge- bücf" führenden Straße, wozu die Steinsockel der alten Straßen- kandelaber verwendet werden sollen, stellt sich auf 220 Mark. Es wird beschlossen, das Geländer alsbald auszuführen und die Kosten in den Voranschlag für 1912/13 einzustellen. — Vor Unrpslasterung des Ortsstraßenzuges vom Kriegerdenkmal bis zum Obertor und der Anlage von Bürgersteigen sollen zwecks Verhütung des Wiederaufbruchs die Hausanschlüsse der Wasserleitung erneuert werden. Die zu einer Besprechung erschienenen Anlieger haben sich mit der Uebernahm'e eines Teils der Kosten einverstanden erklärt. Der Gemeinderat beschloß, die Hälfte der Kosten auf die Stadt zu übernehmen und bei der Berechnung der Kosten die Straßenmitte zugrunde zu legen. — Die Beschwerde eines Ortsbürgers, der von dem Bezug von Losholz ausgeschlossen wurde, wurde abgewiesen, da der Gemeinderat der Ansicht ist, daß der Beschwerdeführer fernen eigenen Haushalt führt. — Der Ge schichtsverein hat um Ueberlassung zweier Räume int neuen Schul hause zur Unterbringung seiner Altertumssammlung nachgesucht. Der Gemeinderat beschließt, dem Gesuche stattzugeben, dem Geschichtsoerein aber auch Räume im Rathause zur Verfügung zu stellen, falls dies für zweckmäßiger erachtet wird. — Der Antrag des Pfarramts auf Gewährung von Kredit in Höhe von 400 Mark jährlich für die Aufnahme eines gebrechlichen Kinde- in das Alicestist wird abgelchnt. — Für das gelegentlich des Bezirks-Vertretertages Gabelsbergerscher Stenographen des Rhein MM-Gsaues am 13, und 14. Mai d. I. hier stattfrudende Weit
schreiben, an dem sich oa. 300 Mitglieder beteiligen, bewilligt der Gemeinderat zur Stiftung eines Ehrenpreises 25 Mark. — Dem Gesuch des Turnvereins um Beteiligung der Stadt an der Zeichnung eines Garantiefonds für das am 1., 2. und 3. Juli hier stattfindende Turnfest des Main-Kinziggaues wird stattgegeben und der Garantiebetrag auf 200 Mark festgesetzt. — In einem zwischen der Stadt und den Steinbruchbesitzern wegen der Ausnutzung eines städtischen Steinbruches entstandenen Rechts- strefte wird beschlossen, nochmals mit den Steinbruchbesitzern zu verhandeln.
Kreis Alsfeld.
= Alsfeld, 6. Mai. Der Stadtv orstund hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, zum Besten der Wiederherstellung des Alsfelder Rathauses und der Walpurgiskirche eine gemeinschaftliche Lotterie für Stadt und Kirche zu veranstalten. Man rechnet damit, die Genehmigung zu einer Lotterie von drei Serien zu erhalten. Die Ausführung der gesamten Lotterie soll der Lotteriebank Eisenach, G. m. b. H. Eisenach, übertragen werden. Der evang. Kirchenvorstand hat sein Einverständnis zu dem Projekt erklärt. Nachdem der von der Staatsregierung für die Renovierung des Rathauses bewilligte Zuschuß gekürzt und der für die Wiederherstellung der Walpurgiskirche in Aussicht gestellte Staatszu-' schuß bei der schlechten Finanzlage Hessens in -absehbarer Zeit wohl nicht zur Bewilligung gelangen wird, hofft man durch die Lotterie wenigstens einen Teil der sehr erheblichen Renovierungskosten für die beiden altehrwürdigen Bauwerke aufzübrrngen.
Kreis Lauterbach.
<~ Lauter b ach, 7. Mai. Heute vormittag während des Gottesdienstes wurden die hiesigen Bewohner plötzlich durch Feuersignale erschreckt. In dem wenige Minuten von Lauterbach gelegenen Krömmelb ein scheu Dampfsägewerk mit Oelmühle war Feuer ausgebrochen, das in kurzer Zeit das ganze Anwesen in Asche legte. Sämtliche Maschinen, sowie ein großer Vorrat von geschnittenem und ungeschnittenem Holz wurden vom Feuer vernichtet. Der größte Teil des Mobiliars nnd eine Anzahl Säcke wertvollen Leinsamens konnten noch rechtzeitig aus dem bereits brennenden Wohngebäude gerettet werden. Das Feuer kam im Kesselhause zum Ausbruch, seine Entstehungsursache ist wohl darauf zurückzuführen, daß infolge dringender Arbeit das Sägewerk bis Mitternacht im Betrieb war und hier vielleicht schon durch Heißlaufen 'einer Welle das Feuer zur allmälichen Entwickelung gekommen ist. Der Bescher erleidet, da das Holz und die Maschinen usw. nicht vesftichert waren, einen außerordentlichen Verlust.
lz. L a u t e r b a ch , 5. Mai. Seit voriger Woche befinden sich im Walddistrikt „Hellsberg" zwischen Wallenrod und Maar zwei Köhler, die dort für eine Firma aus Schmalkalden zirka 700 Raummeter Nadelholz zu Kohlen brennen. Täglich kann man Neugierige hineilen sehen, die dem heute immer seltener werdenden Handwerke eines Holzkohlenbrenners, das so viel Interessantes bietet, zusehen wollen. Nicht bloß das Abbrennen eines Meilers, fonbern auch dessen Aufbau und Konstru- tion sind für den Serien interessant. Zu dem Verkohlen des oben genannten Holzes ist etwa eine Zeit von einem Vierteljahr notwendig, Nach welcher Zeit sich die Köhler in die Wälder in der Umgebung von Wernges begeben, um dort noch eine Holz- menge von 1000 Raummeter zu verkohlen, ober „toie es bei beit Köhlern heißt, „schwarz zu machen". Bei ben herrschenden lebhaften Luftströmungen und bei dem noch zutage treteuden dürren Grase, wie auch überhaupt bei der noch herrschenden großen Trockenheit, ist das Wbrennen der Meiler nicht ohne Feuersgefahr für den Wald, und die beiden Köhler müssen stets mit allergrößter Vorsicht zu Werke gehen, um nicht etwa jnadjtä durch Unvorsichtigkeit einen Waldbrand zu verursachen.
Kreis Schotten.
— OLer-Seemen, 6. Mai. Am 20. d. M. feiert Lehrer Keller, der jetzt 18 Jahre in hiesigem Orte an der ersten Schulklasse wirkt, fein 25jährig es Dienst- ju'biläum. Der Bezirklehrerverein Gedern plant an diesem Tage dem Jubilar zu Ehren eine Festlichkeit.
§ Ulfa, 7. Mai. Gegenwärtig sind die Arbeiten der Wasserversorgung in vollem Gange. Sie werden von der Firma Alberding in Fulda für die Bausumme von 49 000 Mk. ausgeführt. Das Wasser erhält die Gemeinde von der 6, ^Kilometer entfernt liegenden Gemeinde Rainrod, die das Wasser von dem dortselbst schon erbauten Wasserwerke als Ueberschuß ablassen kann. Die Gemeinde R. erhält eine Abfindungssumme von 18000 Mk.
lz. Vom Vogelsberg, 7. Mai. In der Forstwirtschaft ist man zurzeit eifrig damit beschäftigt, die Arbeit in den Pflanzgärten und im Wald zu vollenden. Den Arbeiten war das seitherige trockene Wetter nicht günstig, doch dürfte jetzt die meiste Arbeit getan fein. Man wird sogar dieses Fahr wider Erwarten früh mit dem Vorpflanzen fertig und an manchen Plätzen ist bereits Schluß gemacht worden. Allgemein hört man es bedauern, oaß anstelle unserer schönen Buchenwälder immer mehr die Fichte und die Kiefer die Oberhand gewinnen und daß man damit ein unserer Gegend charakteristisches Merkmal raubt, ohne dafür vollgültigen Ersatz zu schaffen.
Starkenburg und Rheinhessen.
w. Darmstadt, 6. Mai. Anläßlich des Namenstages der Kaiserin Alexandra von Rußland fand heute in der russischen Kapelle auf der Mathildenhöhe Gottesdienst mit daran anschließendem Tedeum statt, an dem der russische Gesandte Baron von Knorring und Mitglieder der russischen Kolonie teilnahmen.
w $ßorm§, 6. Mai. Heute vormittag geriet in der Tuchfabrik W. I. D. Valckenberg der 24 Jahre alte Arbeiter Philipp Horn in die Transmission. Er wurde mit- gerissen und gegen die Decke geschleudert, wodurch er schwere Schädelverletzungen erlitt. Ferner wurde ihm die linke Hand vollständig abgerisien. Der Tod trat kurze Zeit darauf ein.
Kreis Wetzlar.
X Lützellinden, 7. Mai. Die 6. Bundes-Aus- stellung bes Mitteldeutschen Kaninchen- und Geflügel-Züchter-Verbandes war mit 80t Nummern beschickt. Doch zeigte bie Ausstellung fast durchweg erstklassige Zuchttiere, in erster Linie waren die Belgischen Riesen unb Silber- caninchen stark vertreten. Das Ergebnis der Preisver tei- l ung war: Belgische Riesen: Sieger-Ehrenpreis: Will). Gilbert-Dutenhofen,, Ehrenpreis: Abolf Rau-Wieseck, 1. Preis: W. Gilbert-Dutenhofen, 2. G. K. Schmibt-Kinzenbach, 3. A. Rau- Wieseck, Joh. Franz - Lützellinden, K. Herbig - Lützellinden. B. Deuts ehe Riesenschecken: Ehrenpreis: G. K. Schmidt- Kinzenbach, K. Fleischer-Gießen, 3. Preis: Schmidt-Kinzenbach. C. Silber: Sieger-Ehrenpreis: K. Pfeiffer-Wiescck, Ehrenpreise: Ph. Zimmermann-Großen-Linden, Ang. Rinker-Großen- 2neben, 1. Preis: Hch. Pfeiffer-Wieseck, Gustav Schrader-Leih- aestern. 2. K. Pfeifter-Wieseck, 3. L. Viehmann-Kinzenbach, L. Schäfer-Wieseck, Ph. Zimmermann-Großen-Linden, Ph. Faber- Aroßen-Linden. D. Andere Kani nchen: Ehrenpreise: Hch. Arzt-Großen-Linden und Hch. Pfeiffer-Wieseck, 2. Preis: Adolf Rau-Wieseck unb W. Sommerlad-Großeit-Linden, 3. Wilh. Weller- Wieseck, Hch. Kreiling-Wiestck, .4, Karl Stein-GarbentLich, In
der Jün gtierklasse erhielten Preise: Ehrenpreis: G. K. Schmidt-Kinzenbach, 2. Preis: Ph. Zimmermann-Großen-Lindon. 3. Hch. Kreiling-Wieseck. In der schwach beschickten Abteüung für Geflügel errangen u. a. Ausstellern Ehrenpreise für weiße Wpandottes: Joh. Franz-Lützellinden und G. K. Schmidt-Kinzenbach, 1. Preis: K. Pfeiffer-Wiei'eck. Sehr schöne Produkte aus Kaninchenfellen hatten ausgestellt: Schmidt-Kinzenbach, Ludw. Kreiling-Gießen unb Wilh. Sommerlad-Großen-Linden.
X Wißmar, i. Mai. Zwischen der Gemarkung Gießen und den Gemarkungen Lannsbach und Wißmar beftndet sich ein Gebiet, das zu den letzteren (preußischen) Gemarkungen gehört, aber unter .hessischer Oberhoheit steht. Die Lahn, die diesen Teil durchfließt, macht dort eine scharfe Krümmung, die zur Folge hat, daß fortwährend von dem rechten (preußischen) Ufer Land abgerissen und am linken (hessischen) User angeschwemmt wird. Dadurch hat sich die Hoheitsgrenze in der Mitte der Lahn allmählich so verschoben, daß ihre Neu- regulierung für erforderlich erachtet wurde. Die hessische Regierung hat einstweilen untersagt, an dieser Stelle Baggerungen vorzunehmen, bevor die Regulierung des Flusses erfolgt .ist.
Heffen-Nassau.
□ Marburg, 7. Mai. In der Aula der Universität fand heute in Anwesenheit eines zahlreichen, den akademischen Kreisen angehörenden Publikums und der Vertreter sämtlicher studentischer Korporationen, die Jahrhundertfeier für den berühmten Ehemiker, Prof. Dr. R. W. Bunsen, iftait. Die Gedächtnisrede hielt der Direktor des chemischen Instituts, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Z i n ck e. — Bei der gestrigen Gegenüberstellung des wegen Raubanfalls verhafteten Maurers Karl S ch r öd e r mit dein Verletzten, erkannte ihn der letztere wieder.
X Hanau, 7. Mai. Der verheiratete Geschäftsdiener Sin- s e n i ch der Fabrik Huber & Co. erhielt gestern früh den Austtag, einen auf 1910 Mark lautenden Scheck einzulösen. Mit diesem Betrage ist S. verschwunden. Die Ermittlungen haben ergeben, daß er nach dem Süden gefahren ist.
W Wiesbaden, 6. Mai. In einem Neubau in der Aarstraße wurden sieben schulpflichtige Knaben von der Polizei festgenommen, die gemeinschaftlich Ladendieb stä hl e verübt hatten. In dem Keller des Neubaues hcttten sie ihr Standquartier, in dem sie bie Beute verteilten unb auch zuweilen nächtigten.
n. Diez, 7. Mai. In der Nacht zum Samstag wurden hier und in der Umgebung fünf Einbrüche verübt. In der Gastwirtschaft Stoll in der Kanalstraße erbeutete der Dieb einige Flaschen Wein und Kognak, in der Gastwirtschaft Preußer in Freiendiez einige Mark Wechselgeld unb einige Flaschen Branntwein, bei Gastwirt Euler in Holzheim wurden einige Mark Bargeld entwendet. Bei zwei Einbrüchen in Flacht gelangte der Dieb in den Besitz einer Uhr unb 20 Mark Bargeld. Dem. Täter ist man auf der Spur.
(BcridjtsfaaL
-< Osnabrück, 5. Mai. (Unterschlagungen eine? Bürgermeisters. Unter der Anklage der Amtsunterschlagung hatte sich vor der hiesigen Strastammer dec Bürgermeister Sluguft Jonen aus Meppen zu verantworten. Nach der Anklage hat er Steuern, Wegegelder, Stempelgelder, beschlagnahmte Betrage und anderes Geld, das ihm tu seiner amtlichen Eigenschaft als Bürgermeister übergeben worden ivar, zu seinem eigenen Nutzen verwandt. Durch ein Betrugsmanöver soll es ihm serner gelungen sein, den Sparkassenrendanten zur Hergabe von 600 Alk. zu verleiten. Als die Verschlungen des Angeklagten bekannt wurden, wurde über sein Vermögen der Konkurs eröffnet und gegen ihn Anklage erhoben. Jonen, der zu der Verhandlung aus der Untersuchungshaft vor- gesührt wurde, gab offen seine Vergehungen zu. Zu seiner Entschuldigung führte er an, daß er noch aus seiner Studentenzeit her Schulden hatte, als er nach Meppen kam. In Meppen habe er häufig die Wohnung wechseln müssen, auch habe seine Schwester nicht verstanden, sparsam seinen Haushalt zu führen. Ter Gerichtshof erkannte an, daß sich der Angeklagte in einer Rol- lage befunden habe und nahm für die zur Anklage stehenden Sttcr'- taten zu feinen Gunsten eine fortgesetzte Handlung an. Da bet Angeklagte außerdem in der Verhandlung aufrichtige Reue an den Tag gelegt und sein Vater sich nach Möglichkeit bemüht hat, die Unterschlagungen des Sohnes durch Verschreibung einer Hypothek an die Stadt zu decken, ließ der Gerichtshof verhältnisinäßige Milde walten und erkannte nur auf eine Gefängnisstrafe von neun Monaten, wovon ein Monat als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet wurde.
Handel.
** Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke norm. Fernie in Gießen. Nach dem vom Gruben Vorstand der Gewerkschaft versandten Bericht für das erste Vierteljahr 1911 beträgt der Erlös für ab gesetzte Erze unb Manganschlemme 389 487.— Mark. Dagegen sind Kosten entstanden für Löhne unb Gehälter 150 231.— Ml.: Materialien, Reparaturen usw. 61710.— Mk.; Steuern, Abgaben, Lasten 24 291 — Mark, im Ganzen 236 233.— Mark, wozu noch als Abnahme ber Lagerbestände 13 003.— Mk. zur Verrechnung kommt, so daß in Summa vom Erlös 249 236 Mark in Mzug kommen unb ein Bruttoüberschuß von 140 250.— Mark verbleibt. Hier von sind zu decken für Zinsen unb Tilgung ber Anleihe I unb II 70116.— Mark, so baß ein Reinüberschuß von 70133.— Mark erzielt wurde, von dem, wie schon mitgeteilt, für. jede Kuxe 50 Mark zur Verteilung kommen.
Spielplan Per vereinigten Srantfurter Staöttt)e5eK"
Opernhaus.
Montag, 8. Mai"): Diai-Festspiele. 4. Abend: „Rigoletto." Dienstag, 9. Mai: „La Boheme." Mittwoch, 10. Mai: Mai- Festspiele, 5. Abend: „Tannhäuser." Donnerstag, 11. Mai: „Der Evangelimann." Freitag den 12. Mai geschloffen. Samstag den 13. Mai: „Hoffmanns Erzählungen." Sonntag, 14. Mai, abends 6’/, Uhr: „Der Rosenkavalier.' Montag den 15. Mai, abends 7*/” Uhr: „Frühlingsluft." Dienstag, 16. Mai: „Margarethe."
Schauspielhaus.
Montag, 8. Mai *): „Der heilige Hain." Dienstag, 9. Mai: „Die Ratten." Asittwoch, 10. Mai: „Der kleine Mann." Donnerstag, 11. Mai, abends 71/, Uhr: „Eyrano von Bergerac." Freitag, 12. Mai, abends 71/, Uhr: „Glaube und Heimat." Samstag den 13. Mai: „John Gabriel Bortman." Sonntag den 14. Mai, nachmittags 31/, Uhr: „Glaube und Heimat." Abends 7 Uhr: ^John Gabriel Borkmann." Montag, 15. Mai: „Ter kleine Alann." Dienstag, 16. Mai: „John Gabriel Bortman.' Mitt' woch, 17. Mai: „John Gabriel Bortman." Donnerstag, 18. Mai: „Wallensteins Lager." Hierauf: „Tie Piccolomini."
*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Meteorologische Beobachtungen der Station Siehen.
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Wetter
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1911
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Höchste Temperatur am 6. bis 7. Mai — -ft 15,7 ’J.
Niedrigste , , 6. , 7. , =4-5,2
Niederschlag: — 0,0 mm.
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