terci ausgedehnter Unruhen stehen in Cihnahna sehr viele rusländiscbe Interessen auf bent Spiele.
Der englische Botschafter Bryce konferrerte kürzlich mit dein Staatsdepartement über die Lage inMexiko. Es ü erlaufet, daß England an deutete, es werde, falls Amerika die Ausländer Mexikos nicht beschützen könne mög- licher Weise es als notwendig erachten, seine eigenen Untertanen zu beschützen. Das Dransportschiff „Prairie" geht morgen von Philadelphia mit vier Regimentern Marinetruppen nach Knantanamv ab. Aus San Francisco sind zwei Regiinenter Jrrfanterie nach der mexikanischen Grenze beordert.
Deutsches Reich.
Der Kaiser traf am Tienstag an Bord der „Deutschland" imr 9 Uhr vor Idelaoland ein rmd landete mit Gefolge um 10 Uhr ün neuen Marinehafen. Er besiclüigte die Westnwle imb die im Bau begriffene Urerschuhnrauer, worüber Regiernngs- baum elfter Berlohr einen Vortrag abstattete. Um llVz Uhr erfolgte die Abfahrt nach Beemerbaveii, wo die ,.Deutschland" nachmittags pünktlich um sechs Uhr eintraf. I
Die Matriknl'arbeitrüge der Bnndesstaa - ten für das Hanslsaltsjayr 1911 betragen nach einer dem Reichstag zugegangenen Berechnung 212 004 700 Mark, dies sind 16 507 300 Mk. weniger als 1910. Für hie einzelnen Bundesstoroten setzen sich die Matrikularan- teile wie folgt fest: Preußen 132042979 Mk. (1910: 141831687 , Bal>ern 20 887 423 (23 069 579), Sachsen 15 944 998 (17 140 292) M., Württemberg 7 677 373 (8390503) Mark, Baden 7119 3'.>4 7 647 006) Mk., Hessen 4 281 278 (4 598 660) Mk., Mecklenburg-Schwerin 2 213 072 (2 377133) Mark, Sachsen-Weimar 13/4112 (1 475 979) Mk., Mecklen- burg^Ztrelttz 366 285 (393 438) Mk., Oldenburg 1553840 (1669030 Mk, Braimschweig 1 720612 (1848166) Mark, Sachsen-Meiningen 952140 1 022 725 Mk., SachsenEen- bnrg 731175 (785379) Mt., Sachsen-Coburg unb Gotha 858369 (922 0031 Mk., Anhalt 1 161 439 (1247 540) Mk., Schwarzburg-Sondershausen 301 494 (323 845) Mk., Schwarz- burg-Rudvlstadt 342860 (368 277) Mk., Waldeck 209 349 (224 868) Mk., Reuß älterer Linie 249 981 (268 513) Mk., Reuß jüngerer Linie all 923 (549 873) Mk., Schaumburg- Lippe 159 301 (171 111) Mk., Lippe 515 439 (553 649) Mk., Lübeck 374 804 , 402 589- Mk., Bremen 932 751 (1001 899) Mart, Hamburg 3 097 645 (3327 282) Mk., Elsaß-Lothringen 6 424 754 (6 900 974) Mk.
Ein Entwurf, bv-4reffend die Tagegelder, die Fuhrkosten und die Umzugskvsten, der dem Reichstage zugegangen ist, setzt die Tagegelder für die etatsmäßigen Kolonialbeamten bei Dicnftrdlsen außerhalb der Schutzgebiete im einzelnen fest.
Die Blätter melden aus Berlin: Mittwoch und Donnerstag werden Besprechungen des Reichskanzlers mit Vertretern der verschiedenen Parteien über die elsaß-lothringische Verfass ungs frage stattsinden.
Aus Berlin wird gemeldet: Der Ausschuß gnr Vorbereitung der Wahl eines Oberbürgermeisters hat einstimmig beschlossen, der Stadtvecordnetelwecsammlung die Wiederwahl des Oberbürgermeisters Kirschner auf weitere 12 Jahre vvrzuschlagen.
Der Hrinzrcgcnt Von Daher« überwies der Stadtgemeinde München 10000 Mark zur Verteilung an besonders bedürftige Arme an seinem Geburtstage.
Das Verordnungsblatt des bayerischen Kriegsmünstetiums gibt bekannt: Der Verleger der „Münchener Neuesten Nachrichten", Thomas Knorr, welcher während des Feldzuges 1870/71 dem 1. Infanterie-Regiment als Leutnant angehotte, hat aus Anlaß des 90. Geburtsfestes des Prinzrcgenten dem Regiment 10 000 Mart überwiesen, damit aus den Zinsen zur Erhöhung und Förderung der Frische und Dieustsreudigkeit der Unteroffiziere alljährlich an höchstens acht Unteroffiziers- kapitulanten dieses Regiments Reise ft ipendien verliehen werden.
Ausland.
Die ,Miener Leitung" veröffentlicht eine Entschließung Des Kaisers betreffend die Betrauung des Sektion-Chefs im Ministerium des Aeußern, Freiherrn v. Müller, mit der Vertretung das österreichisch-ungarischen Botschafters in Konstantinopel unter Verleihung ,be§ Titels und Charakters eines Botschafters mitEinveihiung in die zweite Rangklasse.
Durch eine amtliche französische Mitteilung ttnxÜ eine römische Meldung bestätigt, wonach der Erlaß von 1910 über den Eintritt von Minderjährigen in die Fremdenlegion vom französischen Ministerrat am 11. Februar d. Js. aufgehoben ivorben ist, naäAem der italienische Botschafter in einer Reklamation darauf hingewiesen hatte, daß die Weigerung des französischen Kriegsminifters einen minderjährigen Fremdenlegionär frei za lassen, mit bat Bestimmungen der Haager Konvention in Widerspruch stehe.
AusPetersburgmeldet mml: Der Chef des General- ftabes. General Gerngroß, ist Mr Verfügung des Kriegs- mrnisters gestellt worden. An seine Stelle ist der Kommandeur des 10. Armeekorps, Generalleutnant Shilinski, zum Chef des Generalstabes ernannt worden.
Nach Mitteilung destürfifchenKammcrprLsidiums ist der letzte Zwischenfall bereits geregelt. Ismail Kemal erklärte dem Großwesir, daß er seine Worte zurückziehe, die keine Insinuation für die Regierung bedeuteten. Der Grotzwesir erklärte darauf den Zwisck^nfall für erledigt. Der Abgeordnete, der Kemal eine Ohrfeige versetzt hatte, sprach fern Bedauern aus.
Tie portugiesische Regierung ordnete etn, daß die Namen sämtlicher Reisenden, die aus Brasilien oder dem nördlichen Europa kommen, der Polizei übermittelt werden. Die Regierung Hot nämlich eingehende Nachrichten über eine Verschwörung in Rio de Janeiro erhalten, wovon in Lissabon Verzweigungen entdeckt wurden.
Aus Washington wird gemeldet: Der Rücktritt des .'bisherigen Staatssekretärs des Innern Ballinger erfolgt aus Gesundheitsrücksichten. Die Ernennung Fishers als lern Nachfolger wird als ein Zeichen einer Aenderung der Taftschen Politik angesehen.
Heer und Flotte.
Berlin, 7. Ätürz. Der tleine Kreuzer „D u g s b u r*g" erreichte bei der Erledigung seiner Probefahrten eine .Geschwindigkeit von über 27 Seemeilen an der gemessenen Meile. Die Turbinen erzielten eine Leistung von 31900 Wellenpferden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 8. März 1911.
* * TageSkal ender für Mittwoch, 8. März. Stadt- iheater: ,HanS Sange*. Anfang 7 Uhr.
w
* * Russische Gesandtschaft. Der russische Minister- resident Baron von Knorr ing ist aus seinem Urlaub zuruckgekehrt und hat die Leitung der Geschäfte der russischen Gesandtschaft in Darmstadt wieder übernommen.
* * Erledigt ist eine mit einem cvana. Lehrer zu bo setzende LÄrMelh- zu DretzSSbach,
• • Nationalliberale Wählerversammlung. Man schreibt unS: Am Vorabend deS Wahltages veranstaltet die nationalliberale Partei abends 81/, Uhr in Steins Garten eine öffentliche Versammlung, in der außer dem Kandidaten, Professor GiseviuS, Geheimrat Paa sch e, der frühere langjährige Vizepräsident dcS Reichstages, sprechen wird. Da Herr Paasche nicht nur einer unserer bedeutendsten Parlamentarier, sondern auch Autorität in Mittelstands- tmb WirtschaftSfragen ist, wird schon auS diesem Grunde auf einen starken Besuch der Versammlung zu rechnen sein, weshalb eS sich empfehlen dürfte, durch frühzeitiges Erscheinen sich einen Platz zu sichern.
* • Konzert des Bauer'fchen Gesangvereins. Man schreibt uns: Wir machen nochmals auf das nächsten Sonntag siattfindende Konzert aufmerksam. Die Konzerte, die der Verein bisher veranstaltet hat, erfreuten sich eineß regen Besuches und die Teilnehmer kamen stets auf ihre Rechnung. Reben dem schlichten Volkslied kommen wieder recht gediegene Kunstchöre zum Vortrag. Daß Programm verspricht ein Kunstgenuß zu werden, zumal unter den Mitwirkenden Frau Ella Steffens-Harnischfeger (Sopran) au? Frankfurt 6. M., der ein sehr guter Ruf vorauSgeht, zu finden ist; auch Herr Pianist Hahn von hier ist allen Konzertbesuchern bestens bekannt.
* * Im Kinematogravh begann geifern wieder ein neuer Spielplan, der sich lebhaften Beifalls erfreut. 2ln erster Stelle steht natürlich das Detektivdrama Die Bauernfänger, ein sehr spannendes Stück, dessen Vorführung 40 Minuten dauert. Sehr interessant ist das Bild Das tapfere Mädchen, das einen Einbntch in eine einsame amerikanische Station zum Vorwurf hat. Sherlock Holmes letzter Fall ist ebenfalls ein Detektivftück, das viel Anklang findet. Bilder von der Weltreise des Kronprinzenpaares zeigen Ansichten aus den berühmten Häfen, sowie Bilder vom Treiben an Bord, von den Unterhaltungsspielen, an denen sich auch das Kronprinzenpaar beteiligt. Auch der humoristische Teil des Spielplanes ist sehr reichhalttg und unterhaltend.
* * Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet ans Frankfurt a. M_. (Biehhof) und Gethe, Regierungsbezirk Arnsberg.
Kreiß Büdingen.
Büdingen, 7. Mär^. Der WvhlsahrtS- pflegeverein Büdingen stielt am 2. März seine Hauptversammlung im Rathaussaale ab. Wegen des anschließenden Vortrags des Oberlehrers Kraft über seine Reisen in den Kordilleren von Südamerika hatten sich auch zahlreiche Nichtmitglieder eingefunden. Der anstelle des durch Krankheit verhinderten Rechners Hanner von dein Vorsitzenden, Bürgermeister Fendt, erstattete Rechenschaftsberrcht verzeichnete eine Einnahme von 100.14 Mark, denen 37 Mk. Ausgaben gegenuberstehen; die Rechnung des Ausschusses für Volksunterhaltung ergab einen Ueberschuß von 89.70 Mk. Rechnungs- wie Geschäftsbericht, letzterer erstattet von Herrn Regierungsassessor Schäfer, ergaben ein 6efriebtgenbe5 Bild fortschreitender Entwickelung der Ortsgruppe. In den Vorstand wurde Pfarrer Sck-öneck neu gewühlt. Für den nun folgenden Vortrag des Oberlehrers Kraft waren zwei Abende vorgesehen. Am ersten Abend schilderte der Vortragende die Üeberreife nach Bueuos-Ayres, dann durch die Pampas nach dem Abhang des Gebirges, sowie das Leben und die Gebräuche der Einwohner, die Fllira und Fauna des durchreisten Gebiets, welchen Schilderungen sich am zweiten Abend, 6. März, die Reise in das Gebirge an schloß. Diese Reise, für den Zuhörer interessant wegen der Schwierigkeiten, mit der sie ausaefuhrt wurde, gab dem Vortragenden Gelegenheit, Einblick tn die Verhältnisse der Eingeborenen (Indianer )zu erhalten, die in jeder Hinsicht lehrreich waren, und die bewiesen, daß die besuchtest Naturvölker Verständnis für Zivilisation in unserem Sinne haben. Sie üben Gastfreundschaft, Religiosität, bekunden Sinn für Ausschmückung ihrer primitiven Wohnungen, und sind geschäftskundig und versiert im Ankreiden. Die oft mit Humor durchsetzten Schilderungen von Land und Leuten in den vom Vortragenden bereisten Gebieten schlossen nrit dem Ausdruck freudiger Genugtuung über alles, was unser deutsches Vaterland und unser Volk berechtigt, mit seinen geistigen Gütern in fernen Weltteilen befruchtend zu wirken. L^hafter Beifall lohnte die Schilderungen des Redners.
Starkenburg und Rheinhessen.
m. Darmstadt, 7. März. Dem Hoftat Gustav BenedictuS Ackermann, Dr. plul. L o., Mitinhaber der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner zu Leipzig, wurde in Anerkennung hervorragender Verdienste, die er sich um die Verbreitung wissenschaftlicher Forschung im Gebiete der reinen und angewandten Mathematik, der Naturwissenschaften und der Technik, sowie um den Unterricht in diesen Wissenschaften durch allseitige Ausgestaltung feines Verlages erworben hat, von der hiesigen Hochschule bte Würde eines Doctor- JngenieurS ehrenhalber verliehen.
w. Griesheim bei Darmstadt, 7. März. Heute mittag flog der Eulerpilot Diplomingenieur Wider statt auf seiner Eulerflugmaschine von feinem Flugplatz bei Weiterstadt zum Kaffee zum Eulerflugplatz auf dem Truppenübungsplatz Darmstadt. Gegen abend kehrte er mit feiner Frau als Paffagier nach seiner Halle, den Wald von Darmstadt überfliegend, zurück und landete glatt vor seiner Halle.
Hessen-Nassau,
X. Hanau, 8. Marz. (Tel.) Der nach Verubnng von Wechfelfälschnngen geflüchtete Kanfmann Weinberg von Hünfeld ist von Kanada ausgeliefert und heute dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis zugeführt worden.
Sport.
Dresden, 7. März. Im Sechstagerennen siegte das Paar Lorenz-Saidow mit 31869 Runden._______
Luitschiffahrt.
Paris, 7. März. Auf dem Flugfeide von Chalvns sur Marne legte Nieupert mit zwei Fahrgästen an Bord eine Strecke ton 101 Kilometer in einer Stunde zurück und stellte damit einen neuen Weltrekord auf.
Der Geldschrank des Leutnants.
Eine tolle Geschichte, die sich schließlich zu einer Tragödie gestaltete, hat, wie bereits telegraphisch gnneldet, Dem Leutnant Erb vorn 130. Infanterie-Regiment in Metz nach zweitägiger Verhandlung vor Dem Kriegsgericht eine Strafe von einem Jahre sieben Monaten Gefängnis und Entfernung aus dem Heere eingebracht. Erb stammt aus einfachen Verhältnissen, sein Vater »var Oberamtsdienln. Als er einige Jahre Offizier war, lernte er Frätllein Marie Mungenast, die Tochter eines Stadttats, kennen und bewarb sich um ihre Hand. Das Verlöbnis war aber noch nicht proklamiert. Um nun vor feinen zukünftigen Schwiegereltern seine bescheidenen Verhältnisse nid)t barlegen zu ffltiiea, kB Mr auf feüsenben, tzMa.1l«> 6a schaffte ftch öS» der
Fabrik Haffner in Saargemünd einen mächtigen Geldschrank an und traf dann mit einer Versicherungsgesellschaft in Verbindung, bei ber ec sein gesamtes Eigentum einschließlich des Geldschrankes mit 60 000 Mark versicherte. Kurze Zeit, nachdem die Versicherung m Kraft getreten war, erfolgte bei dem OffiziTr ein Einbruch. Bei der Untersuchung ttnrrbe ber Gelbschrank offen unb seines Inhalts beraubt gefunben. Der Verbacht ber Täterschaft lenkte sich zunächst auf verschiebene Solbaten, balb aber auf ben Angeklagte» selbst, namentlich als dieser ganz romanhafte Angabe» über ben Inhalt be5 Schrankes machte In biesem sollten sich nach seiner Behauptung 50000 Mark befunden haben. Auf die Frage woher er diese, für seine Verhältnisse bedeutende Summe habe, erzählt.' er, er habe Gelegenbeit gehabt, einer reichen Dame das Leben zu retten, unb diese habe ihm aus Dankbarkeit die 50 000 Mk. geschenkt. Diese Behmuttung erschien der Untersuchungsbehörde so unglaubhaft, daß Erb sofort in Haft genommen wurde. Zu der Verhandlung, die Oberstleutnant Lepper leitete, waren auch der alte, mit Orden geschmückte Vater unb bte Mutter des Angeklagten erschienen, bte beide in Weinen ausbrachen, als sie ihren Sohn auf der Anklabebatck erblickten. Duck die Braut des Angeklagten, Fräulein Marte Mungenast, deren Vater, Kameraden Erbs, Polizisten und Soldaten waren als Zeugen geladen. Auf dem Gerichtstisch befindet sich der offene große Geldschrank, den sich der An- aeklogte beigdegt hatte, um sein Manöver wahrscheinlicher erscheinen zu lassen. Der Zeugenraum war überfüllt Als Erb in den Saal geführt wurde, musterte er mit scheuem Blick zunächst seine alten Eltern. Dann nahm er auf der Anklagebank Platz. Er sah äußerst nick>ergeschlagen und blaß aus. Sofort nach Gr* Öffnung der Sitzung stellte der Vertreter der Anklage den Anttag, die Oeffentlichkeit mtszuschließen, damit er seinen Anttag am Ausschluß der Oeffentlichkett während der ganzen Tauer ber Der hanblung begründen könne. Der Gerichtshof beschließt demgemäß. Nach einiger Zeit wirb bie Oeffentlichkeit toieber heraestellt, ober nur zu ber Derkünbung bes Borsitzenben, daß währeno bet Dauer ber Verhanblung bie Oeffentlichkeit aus Grünben Des militärischen Interesses ausgeschlossen bleibe. Dies galt natürlich auch fite bie Presse. Nach zweitägiger Verhanblung fällte ber Gerichtshof das oben mitgeteilte Urteil, und zwar erging es wegen versuchten Betruges, militärisch-aualifi^ierter Unterschlagung und Erstattung einer falschen Meldung. Die Begründung des Urteils erfolgte ebenfalls aus Gründen des militärischen Interesses wieder unter Ausschluß der Oeffentlichkeit.
Rektor Bock.
Berlin- 7. März. Im Prozeß gegen den Rektor Bock ging die Beweisaufnahme zu Gitbe. Der Staatsanwalt beantragte mit Mrcksicht auf das überaus gerneingefährliche Tretben des Angeklagten zwei Jahre Zuchthaus und gegen den Lehrer Knöfel ein Jahr Gefängnis. Das Urteil lautete aup ein Jahr und drei Monate Gefängnis. Der Angeklagte ßebrer Knöfel wurde freigesprochen. Wegen seines schlechte» Gesundheitszustandes wurde Bock aus der Haft entlasse» In der Begründung des Urteils gegen den Rektor Bock ist auSgeführt, es fei sehr viel übertrieben worden. In zwölf von fünfzehn zur Verhandlung stehenden Fällen mußte Freisprechung erfolgen. In drei Fällen habe sich ber An- geklagte strafbar gemacht. Die betroffenen Mädchen seien Schülerinnen und noch nicht 14 Jahre alt gewesen. Bock fei stark erotisch veranlagt, er führte auch unzüchtige Reden, habe ebensolche Handlungen begangen unb einige feiner Schülerinnen Personen Angeführt, bte später mit den Schülerinnen in unzüchtigen Verkehr getreten seien. Da Bock degeneriert unb im äußersten Grade minderwertig fei, seien ihm mildernde Umstände zugebilligt.
Berkin; 7. März. Die Bluttat in bett Schießstänben der Jrrngfernheide, wobei am 26. August v. I. der Monteur Otto Schmiedicke von dem Wachtposten, dem Fahnenjunker v. Vrebah» vom Kaiser-Dlexandet-Gatde-GrenaDiet-Regiment durch einen Schuß getötet wurde, beschäftigte in bet RevisionS- instanz «das Obetktiegsgeticht deS Gatbekorps. Die Angelegenheit hat bereits am 7. Januar d. I. vor bem Kriegsgericht eine Erörterung gefunden und endete damals mit bet Freisprechung bes Angeklagten v. Diebabn. Da noch ein Zeuge zu laben ist, ber seither nicht aufzufinoen wat, witb bic Verhanblung ans Freitag vertagt.
Magdeburg, 7. März. In ber Vethanblung des Prozesses Kniitelius, der wegen Etmorbung bes Apv thekerS Rathge unter Anklage steht unb in Sübametika der haftet würbe, wurde Der Hauptzeuge Ritter vernommen, der wegen Teilnahme an dem Einbruch in der H ir sch a p o t heke 3fli sechs Iahten Zuchthaus verurteilt worden war. Rittet sagte aus, er habe mit Knittelius verabredet, nach Magdeburg ju fahren unb sei früher dort angekommen als bieser. Et habe inzwischen in Magdeburg ben „schwarzen Arthur" getroffen, einen ihm aus Berlin bekannten Verbrecher, ber ihm vorgeschlagen habe, einen Einbruch zu verüben. Als Knittelius angekommen war, weigerte sich dieser, teilzunehmen. Auf die Frage des Vorsitzenden, weshalb er bei allen bisherigen Vernehmungen KnittelmS als Mörder bezeichnet habe, erwidette der Zeuge, er habe den vielen Fragen aus dem Wege gehen wollen, müsse aber heute, da er unter Eid stehe, die Wahrheit sagen. Hierauf wurde ber Prozeß auf morgen vertagt.
Markte.
te. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 8. März. Aulgetrieben waren 1082 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 btS 100 kg Lebendgewicht 47.00-49.00 Mk., Schlachtgewicht 59.00— 61.00 T1L, vollfleischige Schweine unter 80 k^ Lebendgewicht 46^0—49.00 Mk., Schlachtgewicht 58— 60.00 Mk.; oollfleifchige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 47.00—49.00. Mk., Schlachtgewicht 59.00—60 Mk.: vollfleischige Schweine von 12C bis 150 kg Lebendgewicht 47.00—49.00 Mk., Schlachtgewicht 58— 60.50 Mk.; Fettschweine über 150 kg Lebendgewicht 00.00 bis 00.00 Mk., Schlachtgewicht 00.00—00 Mk. Sauen 00—00 Mk. Geschäft gut.
Amtlicher Wetterbericht.
Verlauf der Witterung seit gestern srüh: Deutschland liegt im Bereich eines Hochs. Daher überall trockenes kühles Wetter Aufklärung ist jedoch nicht eingetreten. Heber England liegt ein Fallwirbel, der unS jedoch nicht erheblich beeinflussen wird.
Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag dem 9. März 1811: Trub, feine erheblichen Niederschläge, milder.
Letzte Nachrichten.
Aus der pesftsüjeu .viammcr.
Darmstadt, 8. März. Die Zweite Kammer wähllc beute zunächst ben Abg. Kohler-Worms in den GesctzgebungsauSschuß anstelle des zurückgetretenen Abg. Selina et. Die Haushalts beraiungen werden bann bei Kapitel: Weinbaudomänen fortgesetzt. Nach kurzer Aussprache wird das Kapüel angenommen Es folgte bann die Beratung übet daS Sraunfoblenbergrocr! Ludwigshoffnung unb über Bad-Nauheim Bei Bad-Nauheim erhebt ber Abg. Breidenbach Einspruch gegen die Angriffe auf bat Zatcnbesuch unb wendet sich Dann gegen bie Errichtung eines Badehotels ntü eigenem Anschluß an die Sprudel. Tic Sitzung bauert fort.
Vom Aufstaud in Marokko.
Paris, 8. März. Nach einet Meldung aus Fez vom 3. März wurden bei dem Gefecht am 1. März dieGematbas, die einen Angriff auf bie Truppen des Sultans gemacht hatten, nach heftigem Kampfe zutückgeschlage». Die An greifet erlitten große Verluste.
Athen, 7. Mätr. Ein Erdbeben in_ben Bezirken item C rchemones unb Livabia hat großen Schaden angerichtet. Tie Bewohner wurden in Schrecken gesetzt. Trotz Rege» und 'SM« stuupiereu viele Weuscheu ie Freien.


