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8.3.1911 Erstes Blatt
 
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m. 57

Die heutige Nummer umfafct 12 Seiten.

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was man noch ausstreul!

F. Werner.

Das Stlchwahlergebnis in Smmenftadt.

I m m e n st a d t, 7. März. Bei dcv heu.ti.geu Reichs^ tagsstichwahl mürben für Tr. Thoma (Liberal) 14386 Stimmen und für Emminger (Zentrum) 12 774 Stimmen abgegeben. Tr. Thoma ist somit gewählt.

Bei bcr .Hauptwahl am 25. Februar erhielt Gin mitt- ger (Zentr.) 11856, Thotua (Liberal) 10 588 und Gölzer (Soz.) 3807 Stimmen.

Lens auf zwei Jahre festgesetzt wirb, an. Darauf würbe der Artikel 2 angenommen, bcr beit Minister ermächtigt, im Jahre 1911 die Ausrüstung in gewissen Hafenarscnälcn :u verbessern. Justin Godard (Soz.--Rav.) schlug vor, einen Artikel eiu;ufügen, bcu verbietet, Bestellungen sur Panzerschiffe an Firmen zu vergeben, bic in ihrer Tuet* tion, Verwaltung, juristischen Abteilung oder Kontrolle Par­lamentarier haben. Del c ässe erwiderte, bas Interesse der Landesverteidigung, und die Notwendigfeit,^schnell zu handeln, zwängen dazu, die heikle Frage bcr Intompali bilität der Parlamentarier auszuschalten. Gleichwohl würbe bcr Zusatzantrag Wobarb mit 299 gegen 202 Stimmen (Beifall, und bic Vorlage int ganzen mit 466 gegen 74 Stimmen angenommen.

In der Nachmittagssitzung der Kammer erklärte Del- cassä, er werbe sich als Minister bemühen, bic von der Enquetekommission für bic Flottcuangelcgcnhcitcn gefor­derten Reformen auszuführen, nämlich bic Arsenale zu verbessern und bic unnützen Stellen abzuschaffeu, um der Landesverteidigung alle «räftc intb Hilfsmittel an Leuten und Gelb zu widmen, damit die Flotte stets bereit sei, ihre, Ausgabe zu erfüllen. (Lebhafter Beifall auf vielen Setten.)

M i l l e v e y e (Nationalist) begrüßte die Erklärung Del- cafsös, daß Frankreich für den Fall eines Angriffs einer anderen Macht eine starke Flotte brauche, wenn es and) mit England eine Tcfennventente habe. Admiral Bie-- naime kritisierte den Budgetvoranschlag, wobei er von Delcass 6 unterbrochen wurde, bcr feststellte, daß das jährliche Anwachsen des Mariuebubgets infolge des Flotten-. Programms während der nächsten zehn Jahre nur 15 Mil^ liouen Franks betrage.

Dekafle in der französischen Kammer.

Paris, <. März. Die Kämmer nahm den Zusatz- Paragraphen zu Artikel 1, durch bei: bic Zeit von der Kiel­legung bis zur Vollendung ber beiden Panzerschiffe Höch-

Hol zsl euer zu gestimmt haben. .

3. Wenn £>err Tr. Tavid in seiner Gictzener Rede beitritt, das; bic Sozialdemokraten auch bic Kleinen enteignen wollten, so kann das nur als verlegene Ausrede bezeichnet werden.

Ich erinnere nur an den gegenteiligen Beschluß des lozial- demokratischen Parteitags von 1895. Ich erinnere ferner an Bebels AuchTie Frau und der Sozialismus".

Darin heißt es (25. Ausl, Seite 432): .

In der neuen Gesellschaft gibt cs auch nichts mehr zu vererben, es sei denn, man wolle das Hausgeräte und persönliche Inventar als Erbteil ansehen. Damit ist weiter die Frage nach dem Erbrecht erledigt, das der Sozialismus nicht nötig hat abzuschassen. Ein Erbrecht kann nicht be­stehen, wo kein Privateigentum existiert."

4. Die perjönliche -tampfesweise der Gegner ist teils lächerlich, teils über alles Matz niedrig. Bald soll ich den Gießener Bäctern ihr angeblich zu teures Brot vvrgeworsen haben, während ich gerade anerlannt habe, daß das Gießener Mornbrot 2 Psg. billiger ist als an manchen anderen Plätzen.

Bald heißt cs von mir, ich sei ein schwer reicher Mann, Hausbesitzer und datum für die kleinen Leute nicht geeignet, während ich weder v'td) noch Dausbesitzer bi», was doch schließlich auch leineSchmach des Jahrhunderts" wäre.

Anderes läppisches Zeug übergehe ich. Hervorgehoben muß aber werden, daß in liberalen Organen behauptet wird, ich setze mich in bäuerlichen Versammlungen intblauen Kitte l" unter die Bauern. Ich beneide die vornehmeWormser Zei­tung" nicht um ihren Leserkreis, der sich solchen Unfug bieten läßt.

Es wirb auch den Freiiinnigeit nicht gelingen, den Herrn Julius Bär von sich abznschürteln, dessen Gedangengänge sich in einer Reihe von Artikeln des Gießener Freisinnsblatts wieder­finden, über die wir uns noch an anderer Stelle unterhalten werden. Herr Bär yat.seinen Schlaminausbruch im Easa Leib unter Zustimmung des Freisinns und der Geiwsscn (abgesehen von Herrn Krumm) durchgeiübrt und für Herrn Korell gesprochen.

5. Ich tennc meine liberalen Gegner seit vielen Jahren. Ich weiß IhreGeistesmassen" zu würdigen. Möchten Freunde und obieftibe Gegner wissen, was sie von alledem zu halten haben.

der Bund d. L. sei so bescheiden, sich damit zufrieden zu geben. Tic Frage. .Hat Pro'. Gisevius dem B. d. L. seinem eigenen Programm fremde Zugeständnisse gemacht?, ist des Pudels Kern. Und da sage ich: Wer dies noch einmal behauptet, sagt eine grobe Unwahrheit. Damit Punktum.

Welcher Art bicBeziehungen" gewesen sind, wird von parteioffizieller Seite klargelegt werden. Ich felbst l)abe weder irgendwelcheBeziehungen" bewerkstelligt, noch beutze im die Akten. Ihrer Behauptung, ich sei nun arg blotzgestellt, stelle id) den Satz gegenüber:, habe diesmal so wenig etwas zn bereuen und znrückzunehmen, wie einst.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Prof. Luleh, Oberlehrer,

Vorsitzender des Nationalliberalen Vereins Gietzen.

Nichtigstellungen des Herrn Dr. Werner.

Herr Tr. Werner-Butzbach bittet um Ausnahme folgen-

Aus Fez roitb unterni 3. b. Mts. gemeldet, daß unter bcr Bevölkerung große B e stü r z ung herrsche, da die Straßen unsicher seien, beginne es an Lebensmitteln zu mangeln. Ter französische Konsul habe sich nach Ham- m o ub begeben, wo die Scherst fischen Truppen lagern, um mit dem Leiter der französischen Militärmission Mangin sich zu besprechen, der Verstärkungen verlangt hätte, die man ihm jedoch nicht gewährte, da Fez vollstündig von Truppen entblößt sei. Die Truppe erlftelt den Beseht, vor- läufig jede Osjensive zu vermeiden. Seit mehreren Tagen sei man ohne jede Nachricht von Tanger. Ter deutsche und der englische, sowie drei französische Ku­riere seien von den au f r äFrischen Stämmen an- gehalten und a u s g c p l ü n d er t worden.

Richtigstellungeli: , , . ..

1. Id) habe s. Zt. in Gröningen nicht geiagt, datz die Freisinnigen den lieben Gottabsetzen" wollten, londern daß sie fast ausschließlich zu .Haeckel halten, der in seineilWelt- rätseln" den Gott der Christen alsgasförmiges Wirbeltier bezeichnet und mit seinem Kampfe gegen das geistige Element im Weltganzen inicnblidjcit Schaden bei urteilslosen Leuten an- gcriditet hat. Ick» glaube nicht, daß sich Gottesglaube und Christentum mit Haeckels atheistischem Monismus vertragt.

2. Ich habe nicht onsgesührt, daß die Freisinnigen im Reichstag die Zündholzsteuer beantragt, sondern daß |le in der 141. Sitzung des Reichstags 1908 dem Vorschlag einer streich-

Die kritische Lage in Mexiko.

W ashington, 7. März. Aus der Erklärung der Regierung über den Grund der Mobilisierung an der mexikanischen Grenze erhält sich hier das Gerücht­baß die Regierung sich in Wirklichkeit auf ernste Ereignisse vorbereite und die Lage der Tinge in Mexiko nicht so be­friedigend fei, wie amtlich erklärt wurde. Im Falle wer-

Die Agitation im Wahlkreis Siehen-Srünberg-llidda.

Wir erhalten von Herrn Prof. Luleh folgende

Antwort auf den offenen Dries des Herrn Zustizrat Metz.

Sehr geehrter Herr Justizrat!

Leider konnte id) infolge meiner beruflichen und politischen Tätigkeit gestern noch nicht antworten Zunächst gebe ich nun meiner Verwunderung über den gereizten und starr persönlichen Ton Ihres Brieses Ausdruck. Dieser Ton stimint wieder nicht zu der uns von Ihrer Parteileitung wiederholt versprochenen nihigen und sachlichen Kampsesweise. Ich stelle ferner fest, das; bic Angriffe auf Ihrer Seite ihren Anfang genommen haben. Wir haben weder in Ihren Versammlungen noch in der Presse an­gegriffen, sondern nur abgewehrt Wir haben aud) nicht wieder die bekannte Geschichte mit den Stadtverordnetenwahlen, die Ihnen ja besonders bekannt fein dürste, aufgewärmt, sondern Ihr Partei rebner, Herr Stadtverordneter Justizrat Grünewald, der in seinem wcsttischen Vor Wurf, wir hätten u. a. uns damals mit derPe .uckenmacheriunung" iufammengetan, hat sich einschönes Zeug­nis" seiner Wertschätzung des gewerbetreibenden Bürgertums au-.- gestellt, sich selbst und ,einerdemokraüfchcn Gesinnung".

Sie findenmeine Erregung begreiflich". Ick) auch: aber aus einem anderen Grunde als Sie Was mich erregte, war die trick­mäßige Art, mit der Ihre Varteiredncr die glänzende Rede Strese- man ns für fick in einer der Vernunft ins Gesicht schlagenden Weise auszufchinden suchten. Denn daß Stresemanns Aussüh- . ungen eine tzftnpsehlung des Gisevinsschen Programms waren, habe ich in meinem Artikel zur Genüge bewiesen. .Herr Ltrese- mann hat das ja auch gesagt, ebenso die parteioffizielle Patio nalliderale Korrespondenz. Tie sind dock» wohl tomi'ctenter als der politische Neuling, Herr Tr. Spohr, und Herr Justizrat Grünewald. MeineErregung", lote Sie über treibend schreiben, hatte aud) i hren Grund in den Berichten der sirls. Ztg. und bcr Freis. Zeitung, in denen das Ihrer Seite Un­angenehme geradezu unterschlagen war. Solche Berichter>tattung in' linlslrberalen Hlättcrnlaßt tief blicken"

Sie, Herr Iustizral, geben der Frage eine künstliche Drehung. Aus Ihre Partei scheint .X)crr v. Heist wie ein überall spulender Geist zu ioirken. Hier in Gießen handelte es sich nicht um bic Fragefür" odergegen" v. Herst, sondern um bic Durch­setzung einer nationalliberalen Kandidatur, bic Ihre Partei in soliebevoller" Weise bekämpft.

Sie meinen, dieFlensburger Ecke" sei für Stresemanns Schlußwort sehr günstig gewesen und Sie geben Ihre Partei- treunbe hort auf. Es kömmt aber nickst aufgünstig" oder ..ungünstig" an, sondern auf die Feststellung der Tat,ache, daß in Ihrer Partei auchSünder" sind, daß Ihre Partei auchim Elavhause Ittzt" und in ihrer .stritik etwas maßvoller und vor^ sichtiger sein dürste. .....

Sie schreiben, es müste mir peinlich ictn, dieBeziehungen juni B. d. L. fcngcitcllt zu sehen, bic id) aogcstrittcn hätte. Das ist cüudialcktiiche" Art, die Sache darzustellen, eine Art, bic im ui eiltet bclamiten Sache schon einmal feststellen und bloßpeUen fonmc Was kann man nickst all unterBeziehungen" verstehen ? .IwischenIhnen" undmir" bestehen ja auch Beziehungen. ^a{ ich klar und deutlich sagte (in Nr. 54, 4. Blatt., war, daß ich die Behauptung Ihrer Partei be strittHerr Prof. Gisevius sei m feinem Pro­gramm abhängig vom Bunde der Landwirte". Diese Behauptung aber ist und bleibt unwahr. Schreibt doch Herr Korell-Angenrod in Nr. 53:Tic von Prof. (Gisevius in kurzer Aussprache mündlich gegebenen Darlegun­gen, die sich auch mit bem seither öffentlich ver­tretenen Programm deckten, boten mir Anlaß üsw.

Als Gesetze ausiegender Jurist sollten Sie verstehen, daß hier klipp und klar gesagt ist, daß Herr Prof. Gisevius um kein Iota von seinem uns vor gelegten Pro gramm abgewichen ist, daß er keine neuen Be­dingungen eingegangen ist, weder mündlich _ii o (1) schriftlich. Tas ist dock) der Kern der Frage. In Ihren Parteikreiscn ich habe das gestern selbst erlebt ist man allerdings |o hypnotisiert, daß man gar nicht glauben kann.

(Elftes Blatt 161. Jahrgang Mittwoch, 8. März 19H

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entsprech - Anschlüsse. XF politischen Teil: August

MMM General-Anzeiger für Cberyefsen MMM Tlrmahme von Anzeigen Rotation$bni(f und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Erpedilion und Druckerei: §chulstrahc I. E.Heß: für den M ?ormitatna$n9mu^ vüdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16». ___________________ -luzeigeiiteii: &. Beck.

Aunst, Lvi^enichaft Leben.

Wie Moltke im Feuer stand. Der Gedenktag an den Einzug des deutschen Heei'es in Paris ruft, wie uns Livs Cffiflicr6fmfeii geschrieben wird, bic Erchnernng daran wach, wie oft der greife Generalseldmarschall Graf v. Moltke im Kriege 1870/71 besonders vor Paris sich in die größte Gefahr begab, und mit welch unerschüttcikicher Ruhe er im größten Kugelregen seine Beobachtungen anftclIL. Besonders eine Episooe i?i wieder gegeben, wie sich k?.tKiEiC bura) »einen Heldenmut cinmal^m großer Todesgefahr beiaud. Es ivar am 11. Januar 1871. _ Ter .^ampf wurde vor Panis aut beiden Seiten mit größter Hart­näckigkeit unb Todesverachtung geführt. Besonders an der Süd- frout in der 41ähe des französischen Forts Ivry, wo das srocitc bayerische Armeekorps stand, war der Kampf äußerst luftig, und ununterbrochenes Gewehrfeu.r ertönte, da die Position der Teutschen derartig war, daß von ihrem äußersten Vorpoiten au4 der Feind vorzüglich beobachtet werden konnte. Tie Franzosen wußten das und wollten darum iinttr allen Umständen eine ruhige Beobachtung ihrer Lage von feiten der deutschen Vorposten verhindern. Jeder Schrill, der hier gemacht worden ist, wurde tatsächlich mit Lebensgefahr erlauft. Es wurden stets die aller­größten Vorsichtsmaßregeln bei Postenablösungen angewendet. Eines Tages erschien plötzlich nt einem alten und ziemlich rani panierten UcberrocI, eine zerdrückte Mütze auf bem Kopf, den Feldstecher in der Hand, der greife Feldmarschall zur größten Ueberraschung der Offiziere und Mannschaften. Er Halle mit scharfem Auge erkannt, daß von hieraus der Ausblick sehr günstig war, und wollte sich diese gute Gelegenheit nicht entgehen lassen. Als der Feldmarnpall lviieue maa^c, weder über die »schützen ketten hinaus vorzugehen, wollten ihn die Offiziere davon ab- balten unter Hinweis auf die Gefährlichkeit der Lage. Moltke wehrte aber lächelnd alle Einwände ab und sagte:Wo so viel Soldaten stehen und kämpfen, ohne an ihr kostbares Leben ;u denken, da werde ich aud) mal eine Sekunde nachschauen können, ohne daß es bald an Hals unb Kragen geht." Er wehrte auch gleichzeitig jebc Begleitung ab, da er meinte, allein im Kugel­regen am sichersten zu sein.Denken Sie mal an," so sagte er,wenn wir zehn Mann hoch gehen, dann brauchen sich die Herren Franzosen nur den zehnten Teil so anzustrengen, um uns zu sehen und zu treffen, wie wenn ich allein gehe." Mit diesen Worten führte er seinen Plan aus und sprang wie ein junger Soldat von einer gedeckten Stellung zur anderen, um von Franzosen nicht gesehen zu werden. Eine kurze Strecke, wo Deckung fehlte, liet er so rasch, daß niemand in diesem Krieger einen Marrn von fast 71 Jahren vermutet hätte. Trotzdem die

Offiziere und Mannschaften sahen, daß der Heerführer auch das Handwerk eines einfachen Schützen und Soldaten vorzüglich ver­stand, warteten sie doch mit Zittern und Zagen auf seine Wieder­kehr. 40 Minuten nach 11 Uhr kam er plötzlich hinter einer Teckung hervor, schmunzelte und ging grüßend, ohne ein Wort weiter zu sagen, seines Weges. An seinem Gestckit konnte man aber erlernten, daß er alle seine Absichten erreidrt hatte. So zeigte sich Moltke aud) in diesen kleinen Zügen als das Muster eines echten Soldateu.

8000 00 M a r k für einen Ga iusb o r o u g h. Eine unheimliche Beweglichkeit ist in letzter Zeit unter die großen Meisterwerke des engtisch-en Kunstbesitzes gekommen. Rembrandts berühmteMühle" soll ned, Amerika wandern, und nun wechselt eines der berühmtesten Bilder Gainsborougbs seinen Besitzer: Lord Sackville hat das wuttdervolle Toppelvildnis vonEliza und Tom Linien", den größten Schatz der Knolc-Kollettion, er­worben. Der Preis wird auf 800 900 000 Mark angegeben, eine Summe, bic selbst bic schon bisher bezahlten Preise für diesen teuersten oller englischen Maler übersteigt. Tie Gruppe der schönen Miß Linlev, die später unter so romantischen Umständen bic Frau des Dichters Sheridan wurde, und ihres nicht minder schönen Bruders, des jungen Thomas, ist die großartigste male- risckre Leistung, die Gainsborough während seiner Schafsenszeit tu Bath gelungen ist. Das Werk, das 1768 entstand und sich seitdem immer in der Knolc-Sammlung befunden hat, ist an wun­dervoller Koloristik und zartester Anmut der Bewegung den Ar- beiten der Londoner Reisezeit überlegen, wenn ihm auch ein letzter Grad von Volleiidung in der.Gesamtausführung fehlt. Tiefes farbenschimmernde Juwel, das für alle Besucher von Miiolc Park den Hauvtanziehungsvuntt bildete,, ist, jedenfalls unstreitig eins der feinsten Werke des großen Künstlers, der dem britischen Nationalstolz so besonders wen unb_tcuer ist. Bereits seit einer Reihe von Jahren waren lüsterne Sammleraugen auf das Werk gerichtet: verschiedene Angebote erfolgten, die sich im Jahre 1904 bis zu 640000 Mark steigerten. Nun hat das Bild desidtönen Mädchens von Bath" und ihres Bruders schließlich doch solchen Werbungen nickst widerstcheit^ können, und man fürchtet, daß es, erst einmal von feiner alten etatte entfernt, bald wieder in andere Hände übergehen könnte, vielleicht sogar hinüber übers große Wasser.

Das Fiasko des Millionärtheaters. Das Newyorler Tl-eater der Mitliotiäre, das als ein Heim für das Trama und zur besonderen Pflege amerikanischer Dichtungen gc- icfcifieu war, hat inner halb von zwei Jahren ein Fehlbetrag von 1600 000 Mark gehabt. Das ist felbst den Dollarkönigen zu viel.

Sic wolllcit zwar bei dem Unternehmen nicht dem Gewinnst nach­jagen, aber ihr kaufmännischer Instinkt empört sich über dieses! Fiasko. Tic ganze Schuld soll das prackstvolle Neue Theater tragen, das zu diesem Behtife gebaut mürbe und das ro riesenhafte Ausdehnungen hat, daß es niemals ganz voll ist. Zudem sind bic Unterhaltungskosten bei diesem Riesenbau ganz außergcwöhillich. Es soll nun ein geeigneteres Haus gesucht werden, in dem die Ausführungen des neuen Theaters ffeaitfinben können. In dem prädligcn Bau aber sollen Opernaufführungen ftattfinben, wie in der Metropolitan-Oper, mit deren Verwaltung die Begründer des Millionärtheaters ja in engster Beziehung stehen.

Di e Maya-Hieroglyphen. Zu den schriftlichen Urkunden, deren Entzifferung bis auf den heutigen Tag trotz all« Bemühungen noch nid?t gelungen ist, gehören die sogenanitten Maya-Hieroglyphen, eine Bilderschrift, deren Erfindung unb Ge­brauch auf die Urbewohner von Mexiko zurückgeht. Vielleicht wäre man mit ihrer Deutung schon weiter gekommen, wenn es nicht -außerordottlich schwer und kostspielig wäre, .die erhalten ge bücbenat Schriftlichen üt einer geeigneten Vervielfältigung zu bekommen. An erster Stelle steht in dieser Hinsicht der berühmte Perez-Eodex, der vor rund 50 Jahren zufällig in der Pariser Bibliothek entdeckt wurde. Jetzt hat Professor Gates vom Peabody-- Äcnseum ein Mittel gesunden, diese Hieroglyphen in einfacher Form durch Bttchdruck darzustellen, und es läßt sich ermatten, daß dadurch ihr Studium eine wesentliche Förderung erfahren wird.

Eine merkwürdige Wette hat Earl Percy, ber Erbe des Herzogs von Northumberlaitb, soeben in ftanb.i ge­wonnen, wo er als Adjutant des General-Gouverneurs steht. Er wettete nämlich, daß er die Strecke von Montreal nach Ottawa zu Fuß durch beit Schnee in drei Tagen zurücklegen werde. Der General-Gouverneur war in Montreal gewesen und kehrte am Samstag mit der Eisenbahn nach Ottawa zurück. Am Tage vorher war Earl Percy aufgebrock)en, er ging auf deut Bahndamm ent­lang unb trotz der bedeutenden Kälte und des tiefen Schnees trug er nicht einmal einen Ueberzieher. Nachdem er dreißig Meilen marschiert mar, holte ihn der Zug ein, in welchen) bcr General- Gostverneut fuhr. Earl Percy legte tägiid; 37 englische Meilen zurück. Die gan^e Strerte beträgt gerade 111 Meilen. Zer Earl kam nt Ottawa gerade in dem Augenblick an, wo man sich 311 dem Paardeberg-Diner niedersetzte, und bi : Wette oing ach in, daß ber Earl zur Zeit zu diesem Tiner ankommen mürbe Er konnte sich noch schnell umziehen unb seinen Platz einnehmen als der Braten aufgetragen wurde. Er wurde mit großem Jubel empfangen, aber es ist nicht bekannt geworden, wer der verlierende Teil ist.