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7.4.1911 Erstes Blatt
 
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Nr. 85 Erster Blatt M. Jahrgang Hreltag, 7. April iou

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'LLL" General-Anzeiger für Oberyeffen LM-

Annahme von Anzeige« Rotationsbrud und Verlag der vrühl'schen Univ.'Vuch. und Zteindruckerei H. Lange, «edaklion. Expedition und Vnickerei: Zchnlstratze 7. W-r LH-?r"ür b« ms vormittags" s'^ühQ Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16 a. A.rzergenleü: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Vie Zrühjahrstagung der hessischen Ztändekammern. R. B. Darmstadt, 6. April.

Die Volksvertretung unseres Hessenlandes ist am Mitt­woch etwas plötzlich in Die Osterferien gegangen. Sie hatte sich für ihre weiteren Beratungen noch eine Tagesordnung von 33 Gegenständen zurechtgemacht, darunter die Rück- Äußerungen der Ersten Kammer über die drei wichtigen Vorlagen zur Verwaltungsgeseürevision und die infolge dieser Gesetze notwendig werdende Abänderung der Kreis- und Provinzial, resp. Städte-Ordnung, ferner mehrere Sachen von allgemeinem Interesse, wie die Zulassung der Frauen zur Schulverwaltung, die Abänderung der Ferien­ordnung, die Erhaltung des Liebig-Laboratoriums in Gießen, die Rheinbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim, die Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild bei öffent­lichen Auslagen, Kinematographen usw., die Pensionsver­sicherung der Privatangesteilten u. a. m., so daß man also noch aus recht eingehende Erörterungen gefaßt sein konnte. Nachdem dann aber statt des gewohnten akademischen Viertels die Mittwochssitzung erst nach dreiviertelstündigem vergeblichen Harren begann und vom zweiten Vizepräsi­denten Dr. Schmitt bei Beratung der drei Berwalinngs- gesctze ein außergewöhnlich rasches Tempo angeschlagen wurde, da mußten auch die weniger intim mit den Ge- pslogenhetien der Volksvertretung vertrauten Zuhörer be­merken, daß man mit der Absicht umging, nach der Erledi­gung des Notwendigsten für diesmal Sa)luß zu machen. Und das nur scheu Geahnte und Ersehnte ward dann auch schnell Ereignis; das Haus beschloß Die vom VizeprL,iüenten vor­geschlagene Vertagung, trotzdem der Lbg. Bähr, dem schon jüngst in der Landwirtschastskammer das allzu flotte Diäteumachen sehr deutlich vorgehalten worden war, sich lebhaft bemühte, die Weitersührung der Sitzungen zu er­reichen. -

Die Zweite Kammer hat, man muß das offen aner­kennen, seit ihrem Zusammentritt am 22. Februar bis zum jetzigen Abschluß der Frühjahrstagung fleißige Arbeit ge­leistet, und Die Zungen der Volksvertreter sind in dieser Zeit so andauernd in Bewegung gehalten worden, daß bis­weilen den arbeitsgewohnten Zeitungsvertretern aus der , Journalistentribüne und den Kttminerstenographen sichtlich \bie Kraft erlahmte. Den breitesten Rahmen nahm wie stets im Frühjahr> auch diesmal wieder die Budget- beratung ein. Sie wird bekanntlich von einzelnen Red­nern verschiedener Parteien mit Vorliebe durch das Vor­bringen von allerlei mehr oder weniger geeigneten Dingen bepackt. Man kann in dieser Hinsicht in der Kam­mer gar nicht vorsichtig genug jein. ES braucht nur ein­mal ein Redner mit ein paar vielleicht ungewollten Stoß­seufzern Über Tages- oder Jnteressensragen seinem Herzen Luft zu machen und sofort tritt eine halbes Dutzend anderer Redner auf Den Plan, um ein langes, umständ­liches Redetournier durchzufechten. Natürlich kann sich dann auch einer der stets amoeienbcn ^oleirungschess des betreffenden Ministeriums nicht versagen, den Stand- lpunkt der Regierung näher zu präzisieren, und ehe man ljich's dann verficht, ist oft ein ganzer Sitzungstag mit nutz­losem Hinüber und Herüber verbracht. Das hat sich nament­lich auch während der verflossenen Haushaltsberatung wie­der in empfindlicher Weife bemerkbar gemacht. Wahrend die Budgeterledigung im vorigen Jahre trotz der großen Schwierigkeit der ganzen Lage, wie sie durch das Fünf- millioncn-Defizit und die geforderte enorme Steuer­erhöhung bedingt war, in acht Sitzungen oonstatten ging, hat die Kammer diesmal gerade die doppelte Zahl, nämlich 16 Sitzungen zur Haushaltsberatung gebraucht, trotzdem das Budget sehr sorgfältig aufgestellt und vom Finanzausschuß ebenso vorberaten worden war. Tie schweren finanziellen Kämpfe zwischen der Regierung und den Finanzausschüßen beider Kammern, die bekanntlich auch zum Rücktritt des

Finanzministers führten, hatten im vorigen Jahre den Beginn der Beratung des Staatsvoranschlags bis zum 3. März verzögert. Diesmal begann die Kammer ihre Budgetberatung bereits am 23. Februar, aber der hier gewonnene Vorsprung ist, wie schon angedeutet, durch die langen, breiten Reden mancher Volksbcglücker wieder voll­ständig illusorisch gemacht worden. Die Kammervollver­sammlung l)at in dieser Hinsicht leider wieder eine fast engelgleiche Geduld gezeigt, llnd die Partei, die am wenig­sten zur praktischen parlamentarischen Mitarbeit geneigt ist, hat wieder durch alle fünf Mitglieder die längsten und häufigsten Reden und Angriffe vom Stapel laufen lassen, während die Mehrheitsparteien fast durchweg bestrebt waren, nur ihre berufenen Fraktionsrcdncr inS Treffen zu schicken.

Eine umfangreiche und ergiebige Tagung hat diesmal auch die Erste Kammer zu bewältigen gehabt, indem sie neben dem Budget und dem Schuldentilgungs-Notgesetz noch die Wahlrechtsvorlage, das Gemeindeumlagengesetz und die drei Verwaltungsgesetze erledigte. Während über die Verwaltuiigsgefetze gieiti) eine erfr.uZche Uebercinftimmung zwischen beiden Standelammern herrschte und in diesen Lagen auch hinsichtlich der Wahlrechtsvorlage endlich eine definitive Verständigung erfolgt ist (die jetzt noch vor­handenen Dissense sind geringfügiger Natur und werden in einer nach Ostern statt,iuvenvea Sitzung der Ersten Kammer glatt erledigt werden), steht bezüglich des Ge- meinbeuiniagengcieyCv noch oic «Jcicuigung f'cijr erheblicher Schwierigleittii' und Meinungsdifferenzen bevor. Wir haben aber Grund zu der Annahme, daß es bei den er­neuten Verhandlungen nach dem Fe,re gelingen wird, auch diese bedeutungsvolle Au,gäbe der Legislative zwischen der bürgertiaiLU wcehrtzei». uer S6oiI3Dcvi.tCi.uiig uuo Der Kammer der Standcsherren die Bezeichnung verliert nach dem 3ntrafttreten des neuen Wahlgesetzes insofern ihre Berechtigung, ars die Mehrheit nicht mehr aus Standes- herren besteht einer beide Teile befriedigenden Lösung entgegenzufuhren. Wenn dl.es ver Futt i,l, v^iiii wrio oer Chronist die Tatsache zu verzeichnen haben, daß die letzte (34.) Legislaturperiode ver Zwei.cn hesfischen Kammer unter der Herrschaft des indirekten Wahlrechts zugleich die an wichtigen Gc,etzen ergiebig,ic seit der Einführung der ein- jährigen Budg'etperioden gewesen ist!______________________

Vas deutsche ttronprinzenpaar in Rom.

Rom, 6. April. Der beuijaye Kronprinz begab sich heute vormittag in Begleitung seines Adjutanten im Automobil nach Freseati, wo er gegen 10 Uhr ein­traf. Tie Stadt ist mit deutschen und ttatienischen Fahnen geschmückt. Tie Menge, welche die Straßen und Plätze, die der Kronprinz panierte, füllte, brachte Kundgebungen dar. Der Kronprinz stattete gleich nach seiner Ankunft der Villa Faleonieri einen Besuch ab.

Der König, der Kronprinz und Die Kronprinzessin be­gaben sich heute nachmittag in Begleitung des General- adjutanten Brusati und des Obersten v. Chelius, sowie der Generale Trompi und Fruponi nach dem Forum Romanum, wo sie von dem Direklor der Ausgrabungen Boni begrüßt wurden. Ter König und seine hohen Gäste besichtigten die Basiliea Julia und andere autifen Bauwerke. Im Tribunal des Trajan gab der König dem Kronprinzen persöntiche Erklärungen. Professor Boni überreichte der Kronprinzessin Lorbeeren- und Myrthenzweige, für welche die Kronprinzessin.sich lebhaft bedankte. Ter Kronprinz erinnerte daran, daß er das Forum bereits mit feinem Vater einmal besucht habe und beglückwünschte Professor Boni zu den wunderbaren Ergebniifen der Ausgrabungen.

Hierauf begaben sich die Kaiserlichen Hoheiten in die internationale Kunstausstellung, wo sie gegen vier Uhr eintrafen. Nach der Ankunft auf dem Gelände Der Internationalen Kunstausstellung begaben sich der Kron­prinz und die Kronprinzessin unverzüglich zur Deutschen Abteilung, wo sie von dem Vorsitzenden des Ausftellungs- komitecs Grafen San Martino uni) dem deutschen Aus­

stellungskommissar Professor Kampf empfangen wurden Tann begab sich das Kronprinzenpaar zur italienischen Abteilung.

Bei dem Gal ad in er saß zur Rechten des Königs die Kronprinzessin, neben ihr Fürst Bülow, zur Linken des Königs die Fürstin v. Bülow, neben ihr Ministerpräsi­dent Giolitti. Dem Könige gegenüber saß die Königin, rechts von ihr der Kronprinz und die Prinzessin zu Stolberg- Wernigerode, links Botschafter v. Jagow. An der Tast! nahmen teil: die Minister, die Hof- und Staatswürden­träger, die Herren der deutschen Botschaft und Die Präsi­denten des Senats und Der Kammer sowie Der Bürgermeister von Rom. Bei der Tafel

hielt der König folgenden Trinkspruch

in italienischer Sprache:

Mit lebhafter Befriedigung entbiete ich Ew. Kaiserlichen uni) Königlichen Hoheit und Ihrer Kaiserlichen unD königlichen Hohen der Frau Kronprinzessin meinen und Italiens Gruß in der Hauptstadt des Königsreiches. Ich spreche Se. Majestät dem Kaiser und König, Ihrem erhabenen Vater und meinem treuen Freunde nnb Verbündeten, meinen tief empfundenen Taut aus, der Ew. Kaiserlick-e und Königliä)e Hoheit beauftragt hat, der italienischen Nation und mir seine herzlichen Glückwünsche zu der glorreichen Jubelfeier zu überbringen, die Italien in diesem Jahre begeht und uns einen neuen Beweis seiner Gefühle und bcrienigen des deutschen Volkes gibt, die das italienische Volk und ich von ganzem Herzen erwidern. Der sehr angenehme Besuch Eurer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit und Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Kronprinzessin ist eine Kündgebung und Unterpfand der intimen Beziehungen Italiens und Deutsch lands, die durch so viele Erinnerungen und durch die hohe Mission der Zivilisation und Kultur verbunden sind, die sie tm Laufe der Zetten erfüllt haben und die zu erfüllen sie in der Zukunft niemals unterlassen werden. Nach den großen, unter sich eng verknüpften Ereignissen, aus denen die Einheit Ita­liens und diejenige Deutschlands hervorgegangen sind, hat sich eine internationale Lage ergeben, welche durch die wirk lame Mitarbeit des Dreibundes Europa eine lange Periode des Friedens gesichert hat und noch sichert. Im Ver trauen hieraus und mit diesem Gefühl trinke ich auf Se. Majestät den Kaiser und König und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, auf Ew. Kaiserliche und Königliche Hoheit und Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Kronprinzessin und die ganze Kaiserliche Familie und auf das Gedeihen Deutschlands.

Nach dem Trinkspruch des Königs spielte die Musik die deutsche Hymne.

Der Trinkspruch des Kronprinzen.

Auf den Trinkspruch des Königs crwwerte der Kron­prinz Wilhelm in deutscher Sprache mit folgendem Trinkspruch:

Eurer Majestät spreche ich meinen und der Kronprinzessin auf­richtigen Tank für die liebenswürdigen Worte aus, die Se. Majestät an uns gerichtet haben, sowie für den herzlichen und ehrenvollen Empfang, der uns bereitet worden ist. Nach der Begegnung in Mailand int Jahre 1875 sandte mein Urgroßvater Wilhelm I. dem unvergeßlichen König Victor Emanuel folgendes Telegramm: Unsere Begegnung war ein Ereignis von historischer Bedeutung, denn wir beide sind von Gott an bte Spitze zweier Stationen gestellt, die nach langen Kämpfen ihre Einigung errungen haben. Wir unb unsere Söhne müssen immer Freunde bleiben. Das prophetische Kaiserwort hat sich verwirklicht, die Freundschaft zwischen den Herrscherhäusern und den Völkern hat sich die Generationen hin­durch erhalten und im Verein mit Oesterreich-Ungarn die Gestalt eines Bündnisses angenommen, das feit länger als 30 Jahren zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens beigetragen hat. Und es ist ein neuer Beweis dieser Freundschaft, daß meine Frau und ich heute hier sind und Euren Majestäten die Grüße und Wünsche des Kaisers und der Kaiserin zur Feier des 50jährigen Bestehens des Königreichs überbringen können. Diese Wünsche unserer hohen Eltern sind auch der Ausdruck der herzlichen Gefühle des ganzen deutschen Volkes. Seit 10 Jahrhunderten verbunden durch die Zivilisation und die Geschichte haben Deutschland und Italien fast zu berfelben Zeit zur polnischen und nationalen Ein- hett, nach der sie lange Zeit geschnachtet haben, gelangen können. Das deutsche Volk und sein Kaiser nehmen an den Geschicken des verbündeten Italien aufrichtigen Anteil und wünschen ihm auch in Zukunft eine lange Zeit des Gedeihens und Glückes unter dem glorreichen Zepter des Hauses Savoyen. Ich trinke auf das Wohl

ICunft, Wissenschaft und Leben.

Vorn Mainzer Dorn. Dieser Tage gitta im Anschluß an die Mitteilung des Domkapitulars Dr. Ben- dix die Nachricht durch die Presse, wonach dem Mainzer Dom Einsturzgefahr drohe. Wie demMainzer Journal" nun von maßgebender Seite mitgeteilt wird, ver­hält sich die Sache folgenoermaßen: Von einer Gefährdung des Domes kann nicht die Rede sein. Durch Unterspülung der Fundamente war der in den 60er Jahren errichtete Ost türm bedroht. Diese Gefahr ist durch die Unter­fangung der Pfeiler nunmehr beseitigt. An den übrigen Teilen des Domes hat sich bisher noch keine Erscheinung gezeigt, die auf eine Gefährdung schließen läßt. Besonders Der herrliche Westturm ist, wie Die bisherigen Fundament- untersuchungen festgestcllt haben, überhaupt nicht bedroht. Doch beabsichtigt das Dombureau, um ab en Beunruhigun­gen vorzubeugen, eine eingeh enbe Untersuchung aller Grundmauern Des großen Bauwerkes vorzunehmen.

Direktor Gregors erste Tat. Wie man aus Wien melDct, hat Direktor Gregor folgenden Erlaß in der Wiener Hofvpcr anschlagen lassen:Im Interesse der künst­lerischen Würde bei den Vorstellungen sieht sich die Direktion veranlaßt, die Mitglieder der Kaiserlichen Hofoper darauf hinzuweisen, daß das Tragen von Bärten unter 1 ein e n U in stä n d e n gestattet werden kann." Ferner hat Gregor die Öffentlichkeit bei den Generalproben aufge­hoben, so daß künftig nur die Musikreferenten Der Wiener Blätter und die nicht beschäftigten Solisten im Zuschauer­raum Platz nehmen dürfen.

Hans Richters Abschied von Manchester. Das letzte Konzert, das Hans Richter in der Stadthalle , Don Manchester nach einem elfjährigen künstlerstchen

Wirken in dieser Stadt leitete, schloß mit einem leiden­schaftlichen Abschied seiner Bewunderer. Eine ganze 9)1 enge oon Geschenken wurde ihm überreicht, darunter sechs sil­berne Leuchter, ein Reisckofser, Tiamantohrringc für seine Frau und goldene Armbänoer für seine Töchter. Richter, der tief bewegt war, hielt eine kurze Ansprache.Es hat mich viel Ueberwindung gekostet," sagte er,bevor ich mich entschloß, zurückzntretcn, eine Tätigkeit aufzugeben, Die ich geliebt habe und die mein Glück war. Aber als ein treuer Diener meiner Kunst war ich gezwungen, so zu handeln, nachdem ich bemerkt hatte, daß meine Kräfte, infolge der Schwächung meiner Gesundheit, meiner Kunst nicht mehr so nützlich sein tonnten, wie ich wünschte. Tie Jahre, die ich hier gelebt habe, waren wirklich Glücksjahre. Mit solch schönen Erinnerungen gehe ich nun von Ihnen, ich hosse, nicht für immer. Meine Absicht ist es, wenigstens solange ich kann, alljährlich wiederzukommen, um das Konzert für den Pensionsfonds zu dirigieren. Ihre hübschen Geschenke werden mich daran erinnern, daß ich wiederkommen muß, und deshalb sage ich Ihnen nur meinen herzlichsten Dank für all Ihre Güte und auf Wiedersehen!"

ff. Die Flugmaschine am Südpol. Der Letter der australisck/en Südpolexpedition, Tr. Mawson, der voraussichtlich nock) in diesem Jahre ausbrechcn wird, hat beschlossen bei seiner Forschungsreise int Eise des Südpols die Flugmaschine zu verwenden und hat sich deswegen auf der Londoner Flugzeug- Ausstellung nach einer für feine Zwecke besonders geeigneten Maschine umgetan. Wahrscheinlich wird er einen zweisitzigen Bleriot-Eindecker vom milttärischen Typus wählen, der so ein­gerichtet ist, daß beide Fahrer die Hebel der Maschine bedienen tönnen, ohne ihre Plätze wechseln zu müssen. Bei dieser Maschine sind auch besondere Rahmen und Gestelle zur Unterbringung von Karten und Kompaßen vorhanden, außerdem hatten sie einen

guten Windschutz und Die Fahrer fitze sind so angebracht. Daß man von ihnen ans einen ungeyinderien Ueberblick über die Tragflächen hinweg hat. Die Maschine ist für einen Dauer- fluc von beinahe 300 Kilometer ohne Zwischenlandung be­rechnet. Vielleicht läßt Mawson sich auch eine besondere Maschine oon gleichem Typus bauen, die 400 Kilometer ohne Zwischen- lanbimg zurücklegen kann.

Einen zoologischen Garten, dessen Tierbestand nur aus lebenden Bakterien besteht, wird, wie dieUm­schau" mitteilt, das Naturwisseufchaftliche Museum in N e u y o r k erhalten. Als Vorbild Dient habet Die Batteriensammlung, btt der Prager Prosessor Kral im Besitz hat ~unb Die bisher als Die reichste Bakteriensammlung gilt. Tie Sammlung soll von zwei erfahrenen Bakteriologen geleitet roeroen unD nicht nur ats Schausammlung Dienen, sondern es sollen auch in großem Maßstäbe Beobachtungen rargenommen und außerdem alle vor­handenen Bakterien in solcher Menge gezüchtet werden, daß jeder­zeit an Privatgelehrte und wifsenfchaftlicho Institute Bakterien zum Studium abgegeben werden können.

Kurze Nachrichten aus Kunstu. Wissenschaft. Gegen ein Blatt in Bochum wurde auf Grund der §§ 184 unD 184a RStGB. von der Staatsanwaltschaft ein Verfahren ein gekettet, weil das Blatt in einem Feuilleton Den RomanA r b e i t von Zola abdruckr. Tie Staatsanwaltschaft erblickt Darin eine Verbreitung unsittlicher Schriften. In Anwesenheit des Herzogs der Abruzzen, als Vertreter Des Königs, der Behörden und 400 Teilnehmern wurde in Bologna Der internationale Kongreß für Philosophie eröffnet. In München ist der Kunsthiswriker Profesfor Dr. BertholD Rhehl gestorben. DieständigeKunstausstellunginBaDen-Baden wurde am Donnerstag in Gegenwart Des Großherzogspaares eröffnet. Dem Rektor an Der Universität Bonn, Zorn, ist der englische Johannilcrorden .oder os St. John os the Hospital os Jerusalem- verliehen worden.